16.3.2009

Seiten 1 – 39

Das Amtsgericht Mettmann hat meinen Mandanten freigesprochen.

Nachdem die Rechtspflegerin in den anderen Punkten eingeknickt ist, meint sie allerdings, die Staatskasse müsse mir die Fotokopierkosten nicht erstatten. Ich hatte 39 Seiten angemeldet und darauf hingewiesen, dass ich grundsätzlich die gesamte Akte kopiere, weil vorab nie zu sagen ist, ob eine Seite für die Verteidigung bedeutsam werden kann oder nicht.

Im Ablehnungsbeschluss heißt es, ich müsse zwar nicht unbedingt meine Fotokopien zur Prüfung übersenden. Es hätte nach Auffassung des Gerichts ausgereicht, die Seitenzahlen zu benennen, um nachzuvollziehen, welche Seiten aus der Akte abgelichtet wurden. Aber auch diese Benennung sei unterblieben, deshalb sei der Antrag zurückzuweisen.

Ich bin nun wirklich ratlos. Der Zeitpunkt, zu dem ich die Akte hatte, ist anhand meines Rückgabeschreibens unschwer zu erkennen.

Zu diesem Zeitpunkt bestand die Akte aus den Seiten 1 – 39.

37 Kommentare zu “Seiten 1 – 39”

  1. Gerde meint: (16.3.2009 um 17:07) AntwortenReply to this comment

    Sind das dann aber nicht 40 Seiten?

  2. der@jurist.de meint: (16.3.2009 um 17:12) AntwortenReply to this comment

    @1: Judex non calculat?

  3. Jonathan meint: (16.3.2009 um 17:16) AntwortenReply to this comment

    Filmtipp für den heutigen Abend:

    "Was Frauen wollen" mit Mel Gibson.

  4. RA JM meint: (16.3.2009 um 17:17) AntwortenReply to this comment

    Und da regen sich Kollegen anderenorts auf, wenn man solche Damen als Rechtsflegelinnen bezeichnet.

  5. Johann meint: (16.3.2009 um 17:17) AntwortenReply to this comment

    @1: Eins minus Neununddreißig sind minus Achtunddreißig, und nicht plus Vierzig. Das Mittelalter und seine Ablehnung unnatürlicher Zahlen sind erfreulicherwiese überwunden!
    (scnr)

  6. Florian meint: (16.3.2009 um 17:19) AntwortenReply to this comment

    @5:
    Ich weiß nicht, was Ihr Beitrag bedeuten soll.
    Aber @1 hat natürlich recht.

  7. Franz meint: (16.3.2009 um 17:23) AntwortenReply to this comment

    @6: @1 hat natürlich nicht recht, wie sie bei sorgfältigem Abzählen an ihren Fingern erkennen können (Tipp: es reicht bis 5 zu zählen)

  8. Felix meint: (16.3.2009 um 17:27) AntwortenReply to this comment

    Zählt das Deckblatt mit?

  9. alterjakob meint: (16.3.2009 um 17:28) AntwortenReply to this comment

    @6: Johann meint: 1-39=-38.

    Macht aber nix, denn Seiten 1 bis 39 ergeben auch nur 39 Seiten. Vereinfacht: Wenn ich Seite 1 kopiere, ist das auch nur eine Kopie. Es sei denn, ich kopiere sie zweimal, aber darum geht es ja nicht. Analog macht's bei 39 Seiten eben nur 39 Kopien.

  10. Svetlana meint: (16.3.2009 um 17:31) AntwortenReply to this comment

    Deutsche Mühlen!

  11. Jens meint: (16.3.2009 um 17:40) AntwortenReply to this comment

    Was ist da die Dokumentenpauschale nach RVG? 20 Cent pro Seite oder so?

  12. hasmin meint: (16.3.2009 um 17:44) AntwortenReply to this comment

    Es ist doch schon ein wenig verwunderlich, wie versessen hier manche auf Rechtschreibfehler hinweisen, zusammen mit dem leicht unterschwelligen Ton, man sei dämlich; bei dieser mathematischen Bankrotterklärung jedoch relativ sachlich erklärt wird, wie sich das richtigerweise berechnen lässt…

  13. VW meint: (16.3.2009 um 17:58) AntwortenReply to this comment

    @12: Sehr richtig, aber schlechte Mathematikkenntnisse (und schon schlichtes nicht-rechnen-können) sind hierzulande nun mal gesellschaftlich anerkannt.

    Zitat aus http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0328/humboldtuniversitt/0014/index.html :

    "Mathephobie ist ein deutsches Phänomen", sagt Klaus Mohnke. Der Mathematik-Professor an der HU findet es bezeichnend, dass es selbst in intellektuellen Kreisen immer noch gesellschaftsfähig ist, damit zu kokettieren, wie schlecht man in Mathe war. Wer würde das denn gerne freiwillig in Bezug auf seine Deutsch- oder Englisch-Kenntnisse behaupten? In Frankreich gäbe es dieses Phänomen nicht, sagt Wolfgang Schulz. Da schmücke man sich gerne mit seinen Leistungen in der Mathematik.

  14. Carsten R. Hoenig meint: (16.3.2009 um 18:03) AntwortenReply to this comment

    "… übermittele ich zur Glaubhaftmachung den kompletten Kopiesatz der Ermittlungsakte per Fax."

    Und dann raus mit der PDF-Datei durch's Fritzfax. Hier hat's geholfen: http://tinyurl.com/b4zazl

  15. amx meint: (16.3.2009 um 19:26) AntwortenReply to this comment

    Pisa ist überall!

  16. Rockafella meint: (16.3.2009 um 19:50) AntwortenReply to this comment

    Welche Erklärung ist plausibler: Dienstanweisung, Beförderungsgeilheit, Zwangshandlung oder doch § 35 I 2 BRRG in Verbindung mit mangelnder Intelligenz?

  17. Ernst meint: (16.3.2009 um 21:11) AntwortenReply to this comment

    Vgl. AG Bochum, Beschl. v. 10. 01. 2008, 74 Ls 2 Js 556/05 (http://www.burhoff.de/burhoff/rvginhalte/477.htm), auch zur Frage des "Deckblatts", dort aktendeckel genannt (@8: ja.)

  18. Udo Vetter meint: (16.3.2009 um 21:50) AntwortenReply to this comment

    Danke für den Hinweis auf das Urteil. Passt genau.

  19. linksanwalt meint: (17.3.2009 um 00:02) AntwortenReply to this comment

    Nana..

    Herr Kollege wer gibt denn da unentgeltlich Auskunft XD

    rofl.

  20. Neuling meint: (17.3.2009 um 07:18) AntwortenReply to this comment

    Steht in den Urteil nicht, dass die "gesamte Akte kopieren" eben nicht geht? Eine Auswahl muss getroffen werden, welchen Umfang diese hat, ist aber dem Verteidiger zu überlassen.

    Also doch nur Seite 1 bis 38.

  21. jirjen?! meint: (17.3.2009 um 08:40) AntwortenReply to this comment

    Daher kommt doch die Prüfungspflicht der Notwendigkeit:
    "Dies ist beispielsweise der Fall, wenn seitens des Verteidigers ersichtlich kritiklos sämtliche Blätter einer Akte ohne irgendeine erkennbare Auswahl und damit z.B. leere Blätter, Schriftstücke wie Anklagen und Beschlüsse, die dem Verteidiger schon zugestellt wurden und ähnliches kopiert werden."

  22. marcus05 meint: (17.3.2009 um 08:43) AntwortenReply to this comment

    @13 VW,
    Liegt vermutlich daran dass das was man im Gymnasium ab der 8., 9. Klasse in "Mathe" lernt mit Rechnen wirklich gar nichts mehr zu tun hat.

  23. BG meint: (17.3.2009 um 09:06) AntwortenReply to this comment

    Nanu ? Die neuen Juristen können doch rechnen.

  24. Judas meint: (17.3.2009 um 11:40) AntwortenReply to this comment

    @22, marcus05:
    Liegt vermutlich daran, dass das, was man landläufig mit 'Rechnen' bezeichnet, nur eine kleine Teilmenge dessen ist, was 'Mathematik' umfasst.
    Aber wieviele Elemente eine Menge hat, deren Elemente fortlaufend mit den ganzen Zahlen aus dem Intervall [1,39] gekennzeichnet sind: Das sollte auch ein Akademiker herausfinden.

  25. Chris meint: (17.3.2009 um 13:18) AntwortenReply to this comment

    @24 Judas:

    Als Programmierer mache ich es mir da einfach:

    public static void main(String[] args) {
    int count = 0;
    for (int i = 0; i < 39; i++) count++;
    System.out.printf("Die Lösung beträgt %d Seiten!", count);
    }

    Ausgabe: Die Lösung beträgt 39 Seiten!

  26. Judas meint: (17.3.2009 um 14:08) AntwortenReply to this comment

    @25, Chris
    Typisch Programmierer, immer knapp daneben: Die Frage war nicht, wieviele Elemente gibt es zwischen 0 und 38, sondern zwischen 1 und 39. Ansonsten müßtest du den Beweis antreten, daß die Ergebnismenge die Gleiche ist.

  27. Chris meint: (17.3.2009 um 15:30) AntwortenReply to this comment

    @26 Judas:

    Die Schleife ist schon richtig, wir fangen halt bei 0 an zu zählen. Natürlich könnte man auch "for (int i = 1; i <= 39; i++)" schreiben aber die meisten Entwickler sind dann etwas verwirrt.

    Außerdem, wenn du eine Akte mit 39 Seiten hast, zählst du dann die erste und/oder letzte nicht mit?

  28. anonym meint: (17.3.2009 um 18:23) AntwortenReply to this comment

    @13 Sie haben zwar recht, aber ich finde das weder verwunderlich noch besonders ändernswert. Denn eins ist doch klar, Sprache brauche ich im Alltag ständig; schon wer einen etwas besseren Beruf haben möchte, benötigt da sehr oft Sprache in allen möglichen Nuancierungen. Mathematik dagegen braucht man für ein normales Leben überhaupt nicht! Die Grundrechenarten reichen völlig aus. Und besonders gut muß ich die auch nicht beherrschen, nur das Prinzip kennen (Taschenrechner gibt es schon relativ lange). Ich finde es seltsam, daß dieser Unterschied immer übersehen wird.

    Ich habe z. B. mit Sprache nie ernsthafte Probleme gehabt, verstehe aber die allermeisten mathematischen Dinge schon vom Ansatz her nicht, sie interessieren mich auch in keiner Weise. Warum sollte ich daraus ein Problem machen? Mathematik kenne ich nicht, sie interessiert mich nicht. (Natürlich ist die Eintragung 1 sachlich falsch, das habe ich dennoch mit einem Blick gesehen.) Sprache ist interessant und wichtig. Um meinen Schopenhauer zu lesen, brauche ich keine Mathematik.

    Ob das wirklich nur in Deutschland so ist, weiß ich nicht. Haben Sie ernsthafte Belege dafür (außer dem Zitat)?

  29. Cookies meint: (18.3.2009 um 13:48) AntwortenReply to this comment

    @ nr. 11:

    gem. nr. 7000 vv rvg gibt es für die ersten fünfzig seiten 0,50 € pro seite für jede weitere 0,15 €.

  30. VM meint: (18.3.2009 um 14:28) AntwortenReply to this comment

    @28:
    Nee ernshaffte beleege hab ich dafür nich aber rechschreibunk unnd sprachkentnisse brauch mann eigendlich führ den altag auch ncih

    grundkentnise der schrifft reichen völig aus und besonders gut mus ich die nich beherschn nur das prinziep kennen (die word-rechtschreipkontrole gipt es schon lange) unt fremde sprachn brauch ich auch nich ich wohn ja in deutschland

    ich finde es seltsahm das das imer übersehn wird

    ich verstehe die rechtschreibunk schon fom ansatz her nich unt es intresiert mich auch nich. um einkaufen zu gehen mus ich nich schopenhaur lesen könen

    /Ironie aus:
    Nichts für ungut, aber die Argumentation ist etwas schwach, oder? Sie bestätigen im Grunde nur die genannte These. Für alle Ihre Argumente kann man genausogut Gegenstücke für den sprachlichen Bereich finden. Für den Alltag muß niemand wissen, was eine Ableitung ist (wenngleich das durchaus mal hilfreich sein kann), aber ganusowenig muß man sich in Sprache auskennen oder eine Fremdsprache beherrschen. Beides gehört aber gleichbereichtigt zu einer guten Allgemeinbidung dazu. Was würden Sie dazu sagen, wenn ihnen ein Informatiker erklärte, daß er nicht verstehen kann, warum eine gute Ausdrucksweise für wichtig gehalten wird, wo Sie doch für ihn persönlich und für seinen Beruf vollkommen irrelevant ist?

  31. anonym meint: (18.3.2009 um 17:37) AntwortenReply to this comment

    @30 Auch wenn Sie hier eine Lanze für die Mathematik brechen möchten (was grundsätzlich okay ist), kann ich Ihre Argumente doch beim besten Willen nicht überzeugend finden. Der bloße verbale Austausch beider Sachgebiete (Sprache und Zahlen) zeigt für mich, daß da eben große Unterschiede bestehen. Und diese Unterschiede sind m. E. auch der Grund dafür, warum so viele Leute betonen, daß sie keine Ahnung von Mathematik haben. Das ist eben nicht nur Ausdruck von Arroganz, sondern sehr oft von Realitätssinn. Wer hierzulande die Sprache nicht (zureichend) spricht, hat schnell Probleme; wer nicht gut rechnen kann (oder nur, wie ich, die Grundrechenarten beherrscht), hat in den allermeisten Bereichen kein Problem. In mehreren Jahrzehnten Berufsleben habe ich das bemerken dürfen. Das sind m. E. Fakten, die man sehen sollte.

    Ich will versuchen, es nochmals auf den Punkt zu bringen: Wer im Leben zurechtkommen will oder sogar als überdurchschnittlich gelten möchte, benötigt (die möglichst gute) Beherrschung mindestens einer Sprache; über Zahlen muß er nichts wissen (Beherrschung der Grundrechenarten erwünscht). Wer sich in der Welt der Zahlen gut auskennt und nicht ausreichend über Sprache verfügt, ist arm dran, letztlich ein Fachidiot. Das ist m. E. der Grund, warum die Welt der Zahlen so geringschätzig behandelt wird.

  32. Agir meint: (19.3.2009 um 17:20) AntwortenReply to this comment

    @31, anonym
    Sie maßen sich eine Meinung zu einer Sache an, von der Sie nach eigenem bekunden keine Ahnung haben. _Ich_ empfinde es als sehr wichtig, auch eine Ahnung von der Sprache der Natur (aka Mathematik) zu haben. Und wenn Sie die Grundrechenarten als ausreichend ansehen, kommt mir spontan in den Sinn: Der geistige Horizont ist der Abstand zwischen Brett und Hirn.

    Ich habe von vielen Wissensgebieten keine bzw. keine tiefere Ahnung. Deshalb kann ich mir dort gerade *keine* Meinung erlauben, denn es könnte für meine Persönlichkeit eine ungeahnte Bereicherung darstellen.

    Und lieber ein Fachidiot als gar nichts können außer schlau daherreden.

    Und wer nun fehlende Eloquenz bemängelt muß leider in anderen Beiträgen suchen.

  33. auing meint: (19.3.2009 um 18:32) AntwortenReply to this comment

    Bundeskanzler Kohl hatte in seinem Abschlusszeugnis eine 1 in Deutsch und eine 5 in Mathematik.

  34. anonym meint: (20.3.2009 um 13:42) AntwortenReply to this comment

    @32 Hatte lediglich festgestellt, daß ich in meinem Leben Mathematik bisher nahezu komplett nicht benötigt habe (wie etliche andere Leute auch); was daran eine "Meinungsanmaßung" sein soll, bleibt Ihr Geheimnis. Ich kenne auch nicht die Feinheiten der politischen Parteien in D, habe dennoch eine halbwegs fundierte Meinung zu diesen Parteien.

    Daß Bildung nicht zwangsläufig aus Kenntnissen der Mathematik besteht, ist etwas, was manche Leute hierzulande einfach nicht verwinden können. Dabei müßte (fast) jedem klar sein, daß sich Lebenskenntnis und Bildung wesentlich aus anderen Inhalten konstituieren. Aus Textverständnis beispielsweise, um einen wichtigen Aspekt zu benennen.

  35. Agir meint: (20.3.2009 um 14:20) AntwortenReply to this comment

    @34: Sie erlauben, dass ich Sie zitiere: "Mathematik dagegen braucht man für ein normales Leben überhaupt nicht! Die Grundrechenarten reichen völlig aus. Und besonders gut muß ich die auch nicht beherrschen, nur das Prinzip kennen (Taschenrechner gibt es schon relativ lange)."
    Ich mag mich täuschen, aber das sieht wie eine Meinung aus :)

    "Daß Bildung nicht zwangsläufig aus Kenntnissen der Mathematik besteht" der Satz ist zwar richtig aber nicht sonderlich sinnvoll.
    Bildung umfasst natürlich auch die Mathematik, genau wie andere Bereiche auch.
    Es gibt viele Bereiche, in denen Kenntnisse nicht offensichtlich nutzbringend sind, obwohl sie sehr zur Persönlichkeitsbildung beitragen:
    - Geschichte
    - Medizin
    - Musik
    - Recht
    - Sprache(n)
    - Kunst
    - Geografie
    - etliches mehr.

    Sollten Sie tatsächlich nur mit Sprache virtuos umgehen und von sonst nichts eine Ahnung haben, entginge ihnen ganz schön viel. Das könnten Sie aber leider nicht wissen. Ihr Umfeld würde Sie aber bald als "Schlausprecher, Dampfplauderer oder Klugscheißer" ansehen.

    Evtl. überlegen Sie auch mal, wo die Menschheit heute ohne Naturwissenschaftler wäre (immerhin gäbe es dann keine Umweltverschmutzung).

    Edit: Typo/Grammatik

  36. anonym meint: (20.3.2009 um 15:17) AntwortenReply to this comment

    @35 Sprache hatte ich deshalb herangezogen, weil sie m. E. das Wichtigste ist, was wir haben (okay, hier darf auch jeder wdersprechen). Und weil sie die Grundlage ist für Literatur. (Beides hat für mich einen hohen Stellenwert.) Das kann man nun gern alles anders sehen; warum das aber derart oft mit Unterstellungen einhergehen muß, ist mir nicht einsichtig, kennzeichnet aber recht gut das Niveau von Kommentaren im Netz.

  37. VW meint: (20.3.2009 um 16:12) AntwortenReply to this comment

    @anonym:

    Ihre Argumentation ist rein subjektiv und außerdem noch zirkulär.

    "Wer hierzulande die Sprache nicht (zureichend) spricht, hat schnell Probleme; wer nicht gut rechnen kann (oder nur, wie ich, die Grundrechenarten beherrscht), hat in den allermeisten Bereichen kein Problem. In mehreren Jahrzehnten Berufsleben habe ich das bemerken dürfen."

    Das ist subjektiv, weil Sie von Ihrem eigenen Beruf ausgehen. Außerdem können Sie ja nicht das, was begründet werden soll (daß Mathematikkenntnisse in Deutschland zu recht als unwichtig angesehen werden) gleichzeitig als Argument zur Begründung heranziehen.

    "Wer im Leben zurechtkommen will oder sogar als überdurchschnittlich gelten möchte, benötigt (die möglichst gute) Beherrschung mindestens einer Sprache; über Zahlen muß er nichts wissen (Beherrschung der Grundrechenarten erwünscht). Wer sich in der Welt der Zahlen gut auskennt und nicht ausreichend über Sprache verfügt, ist arm dran, letztlich ein Fachidiot."

    Das ist nur eine Behauptung und nicht mehr als nur Ihre persönliche Sichtweise. Sie wiederholen sich nur, liefern aber keine Begründung. Ich finde, wer sich nur mit Geisteswissenschaften auskennt und nichts über Naturwissenschaften weiß, ist ebenfalls ein Fachidiot (eben im Fachgebiet Geisteswissenschaften). Er kann vielleicht schön reden, weiß aber nichts über die Schönheit, die es in der Mathematik gibt. Mathematik ist viel mehr als nur Rechnen und Zahlen. Es geht um diszipliniertes Denken in für Laien nur schwer vorstellbaren faszinierenden Dimensionen, um Logik, um Philosophie im weitesten Sinne.

    Ihre Argumentation lautet, kurz gefaßt:
    "In habe von Mathe keine Ahnung, darum kommt Sie in meinem Leben nicht vor. Weil sie in meinem Leben nicht vorkommt, brauche ich sie anscheinend auch nicht. Da ich sie anscheinend nicht brauche, ist es auch in Ordnung, daß ich keine Ahnung davon habe."
    Das ist ein Zirkelschluß.

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