IT-Eltern gegen Symbolpolitik
Wer in der IT-Branche arbeitet, Mutter oder Vater ist und in die Diskussion um Internetsperren eingreifen will, kann bis heute nachmittag hier eine Erklärung zeichnen. Die Erklärung wendet sich gegen Internetsperren. Sie fordert eine sachliche Debatte und wirksame Maßnahmen statt Symbolpolitik.
Bin leider kein Vater,sonst gerne.
Da simmer dabei, das ist priiiimaa…
Gute Idee.. nicht das ich glaube, das die Verbohrtheit der Politik damit durchbrochen wird, aber Flagge zeigen und nicht aufgeben ist die Devise.
In jedem anderen Bereich könnte man die Politiker ziemlich einfach forführen: Man würde eine Webseite eröffnen, in der Leute Webseiten eintragen die verdächtiges Material enthalten und Freiwillige könnten dann die Hoster ermitteln und benachrichtigen. So hätte man dann ratz fatz den größten Teil der entsprechenden Webseiten aus dem Netz.
Dumm nur das man in diesem Bereich sofort die Polizei im Haus hat, wenn man sowas macht. Die Polizei selbst unternimmt ja überhaupt nichts um die Seiten aus dem Web zu nehmen.
Nach dem Motto: Der Server ist im Ausland, können wir nix machen. Als ob es verboten wäre die Serverbetreiber zumindest auf das Material aufmerksam zu machen und um Entfernung zu bitten.
Vielleicht könnte ja jemand mal ein Demovideo für die Polizei erstellen, falls es dort an Fachkentnis mangelt: "Webhoster ermitteln in 27 Sekunden" oder so.
A propos Verbohrtheit: Die Deutsche Kinderhilfe startet eine Gegenaktion zur Petition. Würde mich nicht wundern, wenn die ganz fix die angestrebten 100.000 Zeichner finden werden.
(Der Link oben führt zur Quelle)
Eine gute Sache, nur hab ich ein wenig Probleme, Daten wie folgende an völlig fremde Leute zu geben:
ggf. Titel, voller Name, Alter, Wohnort
Anzahl Kinder (ggf. Alter)
ggf. akademischer Grad, Berufsbezeichnung
Mal ne Frage an die Juristen hier. Wäre folgendes eigentlich legal, im Falle das die Websperren kommen:
1. Programmierung eines Crawlers der gezielt nach gesperrten Webseiten sucht.
2. Ein Programm ermittelt automatisch per whois Abfrage die abuse Email Adresse des Webhosters und benachrichtigt diesen und bittet ihn die Seiten vom Netz zu nehmen.
Technisch müßte das eigentlich machbar sein. Aber wäre das auch legal, vorausgesetzt das Programm speichert keinerlei Bilder? Dann könnte man wenigstens im nachhinein prüfen ob a) nur kinderpornographie gesperrt ist, bzw. ob es möglich gewesen wäre die Seiten vom Netz zu bekommen.
IT-Fachanwälte sind als Unterstützer auch willkommen.
Herzlichen Dank für den Link.
@4
Wenn ich sowas lese werde ich richtig sauer. Unter dem Deckmantel der deutschen Kinderhilfe die Symbolpolitik einzelner Politiker unterstützen.
Ich frag mich ehrlich was in den Unterstützern dieser Aktion vorgeht. "Wegzensieren? Das klingt doch gut! Das löst alle Probleme. Es ist egal das die Sperre so einfach umgangen werden kann, immerhin werden so Zufallsfunde verhindert!"
@3: Diese Methode funktioniert nicht, da man damit nur den Teil des Materials entfernen würde, der als sogenannter kleinster gemeinsamer Nenner überall verboten ist. Der macht aber nach den Analysen finnischer und schwedischer Sperrlisten nur etwa ein bis drei Prozent der verzeichneten Seiten aus. Der Rest sind Jugendpornografie (z.B. Amateur-Sexvideos, bei denen man nicht sieht, ob die Akteure nun 17 oder 19 sind), Anscheinsjugendpornografie (also über 18jährige Akteure, die auf jung geschminkt sind) und fiktive Kinderpornografie (Comics, 3D-Renderings, "The Simpsons", Bart und Lisa beim Geschlechtsverkehr etc.).
All dieses Material ist in D verboten, was ich zumindest bei den selbst produzierten Handy-Pornovideos von Jugendlichen nachvollziehen kann (mit 16 ist man sich nicht immer der Reichweite der eigenen Handlung bewußt). Allerdings werden auch die Verbrechen ohne Opfer (Fiktion, Anscheinskinderpornografie) in die Fallzahlen für die Verbreitungshandlung und die gerne genannten Marktvolumina eingbezogen.
Um die Argumentation der vermeintlichen Kinderschützer zu knacken, muss also auch auf eine Differenzierung der Debatte hingearbeitet werden. Zwischen Vergewaltigung wehrloser kleiner Kinder, Dummheiten hirnloser Jugendlicher und Fiktion, die in vielen Staaten legal ist, liegen erhebliche Unterschiede. V.d.L. und Co. scheren jedoch gerne über einen Kamm. Gelingt es, bewußt zu machen, dass die harte Kinderpornografie (v.d.Ls ständig erwähnte "zerfetzte Körper") nur einen sehr kleinen Teil der zur Sperrung vorgesehenen Seiten ausmacht, dürfte vielen Bürgern klar werden, dass Kinderpornografie nur ein Vorwand zur Errichtung einer Sperrinfrastruktur ist, die schnell zur Blockade beliebiger illegaler oder gar einfach mißliebiger Inhalte mißbraucht werden kann.
Wer ist bitte dieser Christoph Meinel und wieso spricht sich ein Professor für das Zensurgesetz aus?
Kauft Ursel jetzt auch Experten für ihre Sache dazu?
@10
Meinel kann auch keine sachlichen Argumente für eine Sperre bringen. Er meint: "Zwar hätten praktisch alle technischen Verfahren zur Sperrung solcher Internetseiten Schwachstellen, doch werde zumindest die Schwelle für den Zugang deutlich erhöht" (Zitat nach Pressemitteilung).
Achso die Schwellen werden deutlich erhöht? Dann soll der liebe Herr Meinel mal nach "Internetsperre umgehen" googlen. Also das würde sogar mein 12 jähriger Neffe schaffen…
@ 8
> Ich frag mich ehrlich was in den Unterstützern dieser Aktion vorgeht.
Das ist genau der Weg, wie man eine Petition aus der Welt schafft:
Der Petitionsausschuß ist frei, über welche Petition zu einem Themenkomplex er entscheidet, wenn mehrere zu einem Thema vorliegen.
Man darf gespannt sein, was die Herrschaften machen…
Das Petitionsrecht ist der Ausverkauf der Demokratie.
@ 10 Prof. Christoph Meinel ist Direktor des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik in Potsdam. Er äußert sich in einer Pressemitteilung zu genuin verfassungsrechtlichen Fragen und zieht bei dieser Gelegenheit einen Vergleich zwischen der Blockade von Internetseiten und dem Verbot rechtswidriger Inhalte in Printmedien.
Zur Deutschen Kinderhilfe (ungleich Deutsches Kinderhilfswerk) hat Thomas Koch in seinem Blog ein paar Infos gesammelt:
http://koch.ro/blog/index.php?/archives/117-Deutsche-Kinderhilfe-ist-reiner-Lobbyverband-der-Rechten.html
Zum Thema "Deutsche Kinderhilfe" (die die Unterschriftenaktion *für* die Internetsperren durchführen wollen) habe ich folgendes gefunden:
http://www.welt.de/politik/article1874875/Geschaefte_unter_dem_Mantel_der_guten_Taten.html
http://www.welt.de/politik/article1781385/Schwere_Vorwuerfe_gegen_Deutsche_Kinderhilfe.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kinderhilfe
http://www.welt.de/politik/article2045687/Schlammschlacht_deutscher_Hilfsorganisationen.html
http://www.spendenrat.de/index.php?id=86,138,0,0,1,0
(Aus Quellen vom Wikipedia-Eintrag und Google)
Soviel zum Thema Seriösität.
@15 (Raphael): Danke für den Link. Sehr aufschlußreich.
@6
CareChild hat das schon gemacht:
http://www.carechild.de/news/politik/internetzensur_carechild_versuch_blamiert_deutsche_politiker_566_1.html
Hm ich arbeite in der IT Branche, besonders viel auch im IT Security Umfeld. Aber da ich bis jetzt meine DNS noch für mich behalten habe, darf ich wohl nix dazu sagen :-D
Ich hoffe das damit ein entsprechender Erfolg erzielt werden kann!
PS: Bescheuert finde ich aber dieses "es soll auf einen akademischen Titel hingewiesen werden". Eigentlich finde ich solche Leute zum K*tzen. Also ob man was kann nur weil irgendwas auf einem Papier steht. Ich kenne genug Menschen die bei weitem Kompetenter sind als der Dr. der Wirtschaftsinformatik :-)
Moin moin,
ein sehr netter Artikel wie ich finde.
http://www.zeit.de/online/2009/20/kinderpornografie-fakten?page=1
@19
Der Titels bzw. der akademischen Grade soll halt auch ein Gegengewicht gegen Professor Meinel sein.
Grüsse
Arno
@18
Der Versuch ist mir bekannt, die Frage wäre ja aber in wieweit es legal wäre durch einen Crawler zu versuchen gesperrte Seiten zu ermitteln. Zu Kontrollzwecken und solange man die Bilder nicht herunterlädt oder speichert.
@19: Das Problem ist, dass bei Politikern ein Titel eben mehr Gewicht hat bzw. Eindruck schindet als 20 Jaher Erfahrung in der IT. Das ist zugegegeben traurig…
das ist aber in Deutschland allgemein so. Bevor man sich anhört was jemand zu sagen hat wird erstmal nachgefragt ob derjenige überhaupt was dazu sagen darf. Und das geht über das was bei dem Kerl im Lebenslauf steht.
Nur Politiker sind davon ausgenommen, die dürfen über alles reden ohne gar nichts zu wissen und wir müssen trotzdem zuhören weil die uns mit Gesetzen ganz schön an den Karren fahren können.
In Deutschland gibts den Deutschen Kinderschutzbund und das Deutsche Kinderhilfswerk, alles andere ist eh nur Schrott.
Als junger Vater eines Sohnes macht man sich so seine Gedanken und verliert langsam aber sicher den Glauben an den mündigen Bürger.
http://www.dieolsenban.de/blog/2009/05/13/merkbefreit-zum-wohle-der-kinder/
@6, mez: Crawler? Wozu?
Ich geh davon aus, daß die BKA-Sperrliste bald online verfügbar ist, wie das auch in anderen Ländern geschehen ist. Etwas, das täglich an ein Dutzend Provider geht und dort von n Mitarbeitern bearbeitet wird, ist nicht wirklich geheim zu halten.
Und dann muß man nur noch einen alternativen DNS-Server einstellen und kann mal eben gucken, wie man dann seine Abuse-Mails los wird.
Denn sie wissen nicht, was sie tun.
@10 (marcus05)
herr meinel ist it-wissenschaftler und <a href="http://www.michael-noll.com/blog/2006/09/25/design-and-anatomy-of-a-social-web-filtering-service/" rel="nofollow">forscht unter anderem über filtersoftware</a>.
.~.
Was ist das denn für eine Aktion? Seit wann sind denn Leute mit Kindern glaubwürdiger als solche ohne?
Ich dachte der meiste Mißbrauch findet in der Familie selbst statt. Also wenn, dann gilt das Gegenteil.
Und außerdem "IT-Bezug". Wie man an Herrn Meinl beispielsweise sieht sagt ein IT-Bezug nichts über die Zuverlässigkeit der Aussagen dieser Person zu IT-Fragen aus. Leider.