6.7.2009

Ich habe einen Verrechnungstopf

Cortal Consors hat mir ein tolles neues Formular ins Online-Archiv gestellt. Mein erster Beleg aus der nachträglichen Verlustverrechnung! Darauf habe ich, nun ja, eher nicht gewartet.

Wie es aussieht, ist mit der Abgeltungssteuer auch eine Verrechnung von Gewinnen und Verlusten eingeführt worden. Das ergibt in meinem Fall ein fünfseitiges Formular mit unglaublich vielen Zahlen. Auch mein “Verrechnungstopf” ist genannt; er hat die Kennziffer 10027xx779xxx.

Ansonsten verstehe ich nur Bahnhof. Daran wird sich wohl nichts ändern, bis ich die beeindruckende Informationsbroschüre zum System der nachträglichen Verlustverrechnung studiert habe. Was wahrscheinlich nie der Fall sein wird.

Soll sich meine Steuerberaterin damit quälen.

24 Kommentare zu “Ich habe einen Verrechnungstopf”

  1. enrico meint: (6.7.2009 um 09:32) AntwortenReply to this comment

    erster!
    Musste mal sein. :-)

    … soll das mit der Kennziffer suggerieren, dass sich findige Leser an der Kennziffer probieren sollten (falls man irgendwie Zugriff auf das Portal hätte oder so; ich habe keinen)?
    3 x 3^10 sind die Möglichkeiten, oder?

    "Wie es aussieht, ist mit der Abgeltungssteuer auch eine Verrechnung von Gewinnen und Verlusten eingeführt worden." ist ein bisschen lustig. Frage mich wie viele Steuerberater oder fachkundigere Personen bei dem Satz grinsen, da das selbstverständlich sein könnte. :-)
    (Ja, ich gehöre auch nicht zu den fachkundigen Personen im Fach "Steuern".)

  2. Werner meint: (6.7.2009 um 09:35) AntwortenReply to this comment

    Die deutsche Steuergesetzgebung ist wahrscheinlich noch undurchsichtiger als das Strafrecht. :-) Hier ein Link, das Video ist etwas lang, aber es lohnt sich. Die Quintessenz ist, daß auch "Fachleute" im Steuerrecht nicht mehr durchblicken.

    http://video.google.de/videoplay?docid=-7738875006134609643

  3. Steuersachbearbeiterin meint: (6.7.2009 um 09:49) AntwortenReply to this comment

    Zocken Sie nicht so viel, Herr Vetter, dann bleibt auch die Gewinn- und Verlustrechnung übersichtlicher ;-)

  4. Christian meint: (6.7.2009 um 10:01) AntwortenReply to this comment

    Nö, 10^3, ganz profane 1000 (falls da auch nur dezimale Ziffern stehen). Und die "Verrechnung von Gewinnen und Verlusten" gibt's vielleicht deshalb, weil mit der Abgeltungssteuer die Bank dafür zuständig ist, die Steuerlast zu ermitteln. Bisher durfte sich der Kunde selbst gegenüber dem Finanzamt erklären, und da haben sich die Banken vielleicht nicht die Arbeit gemacht, das auszurechnen.

  5. Momo meint: (6.7.2009 um 10:11) AntwortenReply to this comment

    "Ihre nachträgliche Verlustverrechnung. Wir sorgen für Durchblick" Naja, immerhin…

  6. GanovenEddy meint: (6.7.2009 um 10:45) AntwortenReply to this comment

    Udos AccountNummer ist schon so gut wie geknackt …
    Har Har …
    Die Banken haben so die Angewohnheit in den letzten Stellen von Kontonummern Prüfziffern und Ordnungszahlen unterzubringen, die aus den Stellen vorher berechnet werden bzw. oft immer gleich sind.
    Wenn in der Nummer eine einstellige Prüfziffer zur Anwendung kommt, dann wären grade mal 100 Versuche nötig um alle denkbaren Nummern durchzutesten …
    Wenn Ordnungszahlen davor vorkommen gehts noch schneller.

    Bei vielen Banken werden z.B. die letzten drei Stellen der Konten wie folgt vergeben:
    - 00+Prüfziffer für das erste Konto des Kunden
    - 01+Prüfziffer für das zweite Konto des Kunden
    - 90+Prüfziffer für das Konto der Genossenschaftsanteile

    Hinweis an Udo: Aus diesem Grund Kontonummern und ähnliches besser von vorne her anonymisieren!

    P.S.: Am besten jetzt die vordere Hälfte verdecken und die hinteren 3 Ziffern veröffentlichen!!! :-)

  7. Wolfgang Pries meint: (6.7.2009 um 11:43) AntwortenReply to this comment

    @5) Oder eine Kennziffer angeben, die überhaupt nicht mit dem Original übereinstimmt und nur so tun, als ob die Nummer richtig ist.

  8. keiner meint: (6.7.2009 um 12:18) AntwortenReply to this comment

    Mich beschleicht immer mehr der Verdacht, dass Gesetze nur noch von der Steuerberater- und Anwaltsinnung formuliert werden, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für ihre Klientel. Fürchterlich. Das Ende der Demokratie in Deutschland, wie schon der Professor aus Heidelberg richtig bemerkte.

    Das deutsche Steuersystem ist schlicht verfassungswidrig und keine Sau schert sich drum…

  9. anonym meint: (6.7.2009 um 12:30) AntwortenReply to this comment

    Habe noch nie eine Steuererklärung abgegeben, schon aus Prinzip nicht.

  10. Udo Vetter meint: (6.7.2009 um 12:31) AntwortenReply to this comment

    Wehe, einer klaut mir meine Millionen :-)

    Trotzdem, danke für den Tipp. Werde künftig daran denken.

  11. Darkstalker meint: (6.7.2009 um 12:47) AntwortenReply to this comment

    @8: Wer nix verdient, muss auch keine Steuererklärung abgeben ;-) Wer (überm Freibetrag) verdient, und nichts angibt, schadet sich in der Regel eher, als dass er sich nützt, die Pauschalen sind so gering, da kommt man gleich drüber, wenn man ein paar Sachen geltend macht. Ergebnis: Sich selbst geschadet. Aber hauptsache aus Prinzip :o)

  12. Chris meint: (6.7.2009 um 12:49) AntwortenReply to this comment

    @8 anonym
    Nicht jeder ist in der glücklichen Lage keine Steuern bezahlen zu müssen. Würde ich mir nicht die Mühe einer Erklärung machen, wäre ich Jahr für Jahr ein paar tausend Euro ärmer. Also gebe ich meine Steuererklärung aus Prinzip ab, will ja dem Fiskus nichts schenken..!

  13. Rrabbit meint: (6.7.2009 um 12:56) AntwortenReply to this comment

    @7: dein Geld gehört gar nicht dir. Es gehört dem Finanzamt, deinem Steuerberater, ein paar Anwälten, und allenfalls noch deiner Frau. Aber *dir* gehört es gewiss nicht.

  14. anonym meint: (6.7.2009 um 15:02) AntwortenReply to this comment

    @11 Prinzip nicht verstanden? Geld ist nicht alles und kann manchmal eine gewisse Lebensqualität nicht aufwiegen.
    @12 Es war nicht die Rede davon, keine Steuern zahlen zu müssen. Es war nur vom Recht die Rede, keine Steuererklärung ausfüllen zu müssen. Ist m. E. ein gewisser Unterschied.

  15. Thomas meint: (6.7.2009 um 15:57) AntwortenReply to this comment

    Da findet wohl jemand den Betriff Verrechnungstopf witzig – ging mir beim Lesen das erste Mal auch so! ;)

  16. Darkstalker meint: (6.7.2009 um 16:24) AntwortenReply to this comment

    Das Recht, keine Steuererklärung abgeben zu müssen, ist rar. Das geht nur, wenn man gar nichts verdient, oder nur Einkünfte aus nicht-selbständiger Arbeit hat. Ansonsten ist man da ganz schnell in der Pflicht. Und das örtliche FA sollte dann auch hinterher sein, die Abgabe der Erklärung zu erzwingen.

    Geld ist nicht alles, sicher, aber schaden tut´s ja nun auch nicht. Für die 20 Minuten Erklärung ausfüllen (keine Angst, mit der Zeit wirds immer einfacher…) kriegt man in der Regel so viel zurück, von so ´nem Stundensatz träumen selbst gestandene Manager :o)

    Das hat ja nix mit Prinzipien zu tun – das ist simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Lebensqualität hin oder her, aber wenn man nicht jeden Tag halb verhungert, trägt das doch zur Qualität eher bei, als dass es ihr schadet, nicht?

  17. anonym meint: (6.7.2009 um 16:49) AntwortenReply to this comment

    @16 Sie schreiben es ja. Wer abhängig beschäftigt ist, zahlt bereits Steuern und muß daher keine Steuererklärung abgeben (falls er nicht noch nennenswerte andere Einkünfte hat). Das dürfte, mindestens theoretisch, eine Masse Leute betreffen.

    (Danke, daß Sie den Zwang ansprechen! Manchmal frage ich mich, warum hier nicht alles sofort zur Diktatur umgebaut wird, das wäre doch ehrlicher und für viele einfacher als die jetzige Heuchelei. Aber sie arbeiten ja bereits seit Jahren dran.)

    Geld, das man angeblich durch eine Steuererklärung "hereinholt", dürfte sich in recht überschaubaren Grenzen halten, ähnlich wie jährliche Guthabenzinsen. Haben Sie schon mal die Möglichkeit bedacht, daß man für seine eigenen bescheidenen Bedürfnisse ausreichend Geld besitzt? Ich fand Henry David Thoreau schon immer sympathischer und überlegter als das Mainstreamdenken.

  18. Delphinmetzger meint: (6.7.2009 um 16:56) AntwortenReply to this comment

    "mit der Zeit wirds immer einfacher"
    Auch wenn ich es kaum über mich bringe, dem Steuerstaat zu bescheinigen, etwas richtig gemacht zu haben: Die Abgeltungssteuer macht es für den durchschnittlichen Verdiener/Anleger in der Tat einfacher (sogar ohne persönliche Übung)und nicht unbedingt teurer. Die Anlage KAP ist damit doch praktisch passé.

    Dafür wird der Anleger wohl nie erfahren, was sich hinter der vom Gastgeber geschilderten "Steuerverprobung" so im einzelnen verbirgt. Überschlägig schien´s aber hinzukommen, habe das dann vertrauensselig abgeheftet, zumal die Erläuterungen der DiBa dazu noch dünner waren als die hier verlinkten von Cortal Consors.

  19. Lars L. meint: (6.7.2009 um 20:42) AntwortenReply to this comment

    Nicht nur die SteuerberaterInnen Deutschlands werden sich damit quälen, auch wir arme Bankazubis freuen uns über den "Allgemeinen Verlustverrechnungstopf" und den "Aktienverlustverrechnungstopf", die den – für deutsche Verhältnisse viel zu unkomplizierten – Freistellungsauftrag nun ergänzen.

    Man freut sich.

  20. Enrico meint: (6.7.2009 um 23:20) AntwortenReply to this comment

    Das mit den Gewinnen und Verlusten ist vom Ansatz her eine ganz einfache Sache.

    Grundsätzlich werden bei Gewinnen die Steuern dafür direkt von der Bank abgeführt.
    Macht man im gleichen Jahr dann noch Verluste, werden diese dagegen gerechnet, man bekommt also die zuviel abgeführten Steuern des vorherigen Gewinns zurück. (Macht auch die Bank)
    Realisiert man zuerst Verluste, kommen die in den Verrechnungstopf und nachfolgende Gewinne, werden dagegen gerechnet.

    Grundsätzlich frei sind Beträge bis zur Freistellungsgrenze.
    Gegenrechnung erfolgt nur Aktien – Aktien und Fonds – Fonds.
    (Wie es sich mit Derivaten verhält, weiss ich leider nicht aus dem Kopf, kann sein dass die zu Aktien zählen, aber keine Gewähr)

    Die Abgeltungssteuer ist für mich ein lobenswerter Ansatz, der die meisten "zockenden" Kleinanleger entlastet.
    Die Richtung ist in jedem Fall die richtige. Vielleicht erleben wir ja doch noch die Pauschalbesteuerung, wenn die Polemik, mit der sie von gewissen Kreisen abgeohrfeigt wurde einmal der Realität weicht.
    Aber vorerst beschäftigt man sich mit den wirklich wichtigen Dingen, wie Stoppschilder im Internet und Verboten von Freizeitbeschäftigungen…

  21. Darkstalker meint: (7.7.2009 um 06:55) AntwortenReply to this comment

    @16: Nur weil´s "mainstream" ist, kein Problem mit Geld zu haben, macht es das noch lange nicht falsch :o) Im Gegenteil: Das zeigt ja gerade, dass wohl irgendwas dran sein muss an dem Gedanken.

    Ich unterfütter das auch gern mit einem Beispiel: Atmen ist auch absolut mainstream. Ich würde aus Prinzip dennoch nicht drauf verzichten, nur weil ich dann nicht mainstream bin. Das gilt entsprechend für schlafen, essen, trinken, etc. Alles ziemlich mainstream. Dennoch ne sinnvolle Idee.

    Ich weiss, "nur tote Fische schwimmen mit dem Strom" aber in manchen Fällen ist es ne gute Sache.

    Selbst bei abhängig Beschäftigten kommt man problemlos über die 920 (Oder wie viel isses im Moment?) EUR Werbungskostenpauschale drüber. Es sei denn vielleicht, man wohnt auf dem Firmengelände :)

    Was ist falsch an der Pflicht, eine Steuererklärung unter bestimmten Umständen abgeben zu müssen? Nur, weil das "Zwang" ist, ist es nicht verkehrt – andere Möglichkeiten gibts halt nicht. Steuergerechtigkeit funktioniert nur, wenn man weiss, von wem man wie viel holen muss. Die Alternative wäre, das ganze zu schätzen. Aber auf den Aufschrei wär ich dann mal richtig gespannt. Das wäre ja womöligch willkürlich…

    Wenn jemand zu faul ist, was zu machen, keine gute Erklärung hat, für das, was er tut, oder einfach nur den Anschein des besonderen erwecken will, dann kommen so Formulierungen dabei raus wie "aus Prinzip" … siehe auch "Ich wähle aus Prinzip nicht" oder "Ich gebe aus Prinzip kein Trinkgeld" … etc.

  22. blueshift meint: (7.7.2009 um 10:54) AntwortenReply to this comment

    Cortal Consors's Formulare und Jahressteuerbescheide finde ich generell eher mau. Ich bin 2 Jahre regelmäßig an deren Unübersichtlichkeit verzweifelt und habe nie verstanden, warum sie das nicht besser machen können. comdirect und ebase liefern da wesentlich besser aufbereitete, Enduser-taugliche Formulare. Letztendlich war diese Verzweiflung bei der Steuererklärung der effektive Kündigungsgrund.

    Mit der Abgeltungssteuer kann das ja nur 'besser' geworden sein.

  23. anonym meint: (7.7.2009 um 12:11) AntwortenReply to this comment

    @21 Es ist nach meiner Beobachtung eben gerade nicht Mainstream, KEINE Probleme mit Geld zu haben. Im Gegenteil: Etliche Leute verspekulieren sich, denken dauernd an Geld, haben mindestens Dispokredite und/oder leben permanent an ihrem finanziellen Limit. Sie müssen dringend Geld beschaffen, um z. B. in Urlaub fahren zu können und dgl. Das schafft auch ständig Probleme für sie. (Ich gebe hier nur wieder, was ich höre oder lese.)

    Wenn man diese Probleme eben nicht hat, kein Kreditnehmer ist, sondern immer schon gut mit seinem Geld auskam (auch weil man sich nie von albernen und debilsten Konsumversprechen blenden ließ), dann ist es doch o.k. Tut mir leid, wenn das für manchen arrogant klingt (das ist nicht die Intention). Niemand ist gezwungen, sich die angeblich hohen Summen (ich glaube nicht daran!) vom Finanzamt zu holen, für die man gar keinen realen Bedarf hat. Und ja, mein Hauptmotiv ist schon, nichts mit den Staatsschranzen und Steuerbütteln zu tun haben zu wollen, sie und ihr System ekeln mich nun mal. Aber nichts für ungut. Jeder richtet sich sein Leben so ein, wie er es am besten ertragen kann.

  24. Darkstalker meint: (7.7.2009 um 15:18) AntwortenReply to this comment

    @23: Ich wollte ja nun auch niemanden zwingen, Werbungskosten wie ein Irrer zu produzieren ;o) Und natürlich darf das jeder machen wie er will.

    Aber sie haben mit Ihrer Beobachtung nicht Unrecht, es scheint tatsächlich vollkommen normal, in ordnung, legitim und nicht falsch zu sein, ständig auf Pump und am Limit zu leben. DA sollte man aber ansetzen. Es ist nämlich ganz und gar nicht okay, sein Geld bis Monatsmitte schon aus dem Fenster geworfen zu haben, einen Neuwagen zu finanzieren, den man sich faktisch nicht leisten kann, etc.

    Ich zitiere einen Freund: "Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht kennen"

    Da ist leider schon viel wahres dran.

    Oder plastischer: Die derzeitige TV-Werbung von Easy-Credit, wo die Blonde Dumm-Husche am Ende durchs Bild säuselt "Ich habe mir Geld von Easycredit geholt, damit alle meine anderen Kredite abgelöst, war einkaufen UND HABE SOGAR NOCH GELD ÜBER!"

    Nein, gute Frau. Du hast nur deine Schulden umgeschichtet. Aber Heinz Doof und Joe Plumber glauben der Werbung und rennen gleich mal zu Easycredit und Konsorten. Sicher, das ist nicht okay.

    Man muss nicht viel Geld haben, man muss es nur zusammenhalten können. Und da schließt sich der Kreis, wenn man schon nicht viel hat, dann sollte man es dem Finanzamt nicht aus Faulheit hinterherwerfen sondern sich alles zurückholen, was geht.

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