Akkurat ausgedruckt
Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass Schreiben “vorab per Telefax” nicht lustig sind. Vielleicht waren sie es, als Telefonleitungen noch wackelten und Faxgeräte verschmierte Ausdrucke lieferten, sofern sie nicht ohnehin kaputt waren.
Aber heute nervt “vorab per Telefax” nur noch. Ich brauche in 99,8 Prozent der Fälle einen Brief, den mir das Laserfax äußerst akkurat ausdruckt, nicht am nächsten Tag nochmals als “Original”. Selbst dann nicht, wenn der Briefbogen der gegnerischen Anwaltskanzlei dezent farbig gesetzt ist.
Wer aber sagt, der Wahnsinn sei nicht steigerungsfähig? Heute schickt mir ein Anwalt “vorab per Telefax” folgenden Text:
Dementsprechend übersende ich Ihnen anliegend die vollstreckbare Ausfertigung des Prozessvergleichs mit der Bitte, die ebenfalls beigefügte Zustellkarte zu unterzeichnen und … zurückzusenden.
“Vorab per Telefax” ist nicht ganz richtig. Tatsächlich steht im Kopf des Schreibens folgendes:
Vorab per Telefax (ohne Anlagen)
Das allerdings ist schon wieder lustig.
Ist wie bei meinem Chef: eine E-Mail mit Anlagen schickt er nicht nur an mich weiter, er schreibt auch noch rein "Vorab – Ausdruck folgt" und druckt dann die Anlage aus um sie mir dann zukommen zu lassen.
Im konkreten Fall kann das doch Sinn ergeben:
Wenn die Zustellung nach § 195 ZPO per Fax vorab angekündigt wird, wissen Sie – und dann auch kurze Zeit später (hoffentlich) der Mandant -, dass es jetzt eng wird und die ZV ernsthaft in Betracht gezogen wird.
In Ausnahmefällen kann also auch dieses Fax sinnvoll sein. Ihrem Mandanten wird dadurch Gelegenheit gegeben, noch heute seine Verpflichtung aus dem Vergleich zu erfüllen, bevor die ZV eingeleitet wird.
Es soll Anwälte geben, die aus strategischen Gründen den Erhalt eines Schreibens mit Fristsetzung nur per Briefpost bzw. nur per Fax grundsätzlich bestreiten. Wenn es auf beiden Wegen nicht ankommt, wird es dann etwas unglaubwürdig.
Die Kollegen wollen einfach auf Nummer sicher gehen, daß der jeweilige Schriftsatz auch wirklich ankommt. Wenn man etwas per Fax verschickt, hat man anschließend ein Sendeprotokoll in der Hand, mit dem man die Absendung nachweisen kann. Wenn man etwas per Brief verschickt hat man anschließend nix mehr in der Hand. Ein Brief ist aber nunmal das Original, das auch eine Originalunterschrift enthält. Deshalb Fax plus Brief. Das ist jedenfalls meine Erklärung.
Ich empfange Faxe nur auf dem PC. Im Windows die Faxkonsole einschalten, das Fax wird dann über die Modemkarte empfangen und als .tiff-Datei im Ordner meiner Wahl gespeichert.
Jedem sein Spleen ;-)
Noch besser (und hier gerade vorliegend): "vorab per Fax", Datum liegt 14 Tage zurück, ohne Absenderkennung, Zustellung nur per Fax.
Darin eine Frist, die schon fast nicht mehr haltbar ist – zum Glück auch aus logischen Gründen…
Wenn ich hier in der Blogsuche "vorab per Fax" eintippe, kommen aber einige Ihrer Schriftsätze zu Tage bei denen Sie ebenso verfahren…
U.V. pass uff, die Lösung ist so einfach:
Bleib einfach mal an der der Schnur (oder ist das ein wlan fax) hängen, dann löst sich das Problem von selbst. Haste ne Praktikantin? Die kann den Schrott dann wegbringen.
Achtung! Sie erhalten gleich einen Brief von der Bürokratiezentrale! ;)
@ 5: und wenn der PC mal nicht eingeschaltet ist? Zugang vereitelt? ;-)
Es gibt wirklich noch Anwälte, die ihr Faxgerät nach Wetterlage und Laune ein- und wieder ausschalten. Und es soll Leute geben, die eine Kopie schlicht nicht für so echt halten wie das Original. Ehrlich. Aber stimmt, mich nervt es ja auch, und deswegen habe ich mein Faxgerät jetzt ganz abgestellt. Sollen sie mir doch mailen, wenn sie meinen, dass es eilig ist. :-)
Wie verbindlich ist eigentlich ein per Fax gesendetes schreiben? Beispielsweise wenn man der Schule etwas mitteilen muss (Änderungsanträge für Kurse im Abitur oder ähnliches).
@11 (Patrick)
Natürlich muss man mich vorab informieren wenn so ein Fax kommt. Damit ich dann PC samt Faxkonsole eingeschalten hab.
Geht noch besser: Schreiben inklusive "Abschriften" (wieso eigentlich Abschriften und nicht Kopien) vorab per Fax schicken in einer eiligen Sache, die sich bei Erhalt der Briefe schon erledigt hat.
@15/mcneubert:
Weil eine Abschrift nun mal keine Kopie ist. Der Begriff rührt übrigens noch aus den 1960er Jahren her, als die ersten Fotokopierer kamen. Davor wurden von Schriftstücken echte Abschriften gefertigt. Der Begriff hat sich in die heutige Zeit rübergerettet ;-)
Korrekterweise müsste es heute "Mehrdruck" heißen ;-)
Ich weiß nicht, wieso man sich darüber ärgert. Schlimmer finde ich, eine E-Mail zu empfangen, nur um kurz darauf einen *Anruf* zu erhalten, daß mir eine E-Mail geschickt wurde.
Das geht mir einfach nicht ein…
@17:
Warum? Es kann sein, dass man gerne manche Dinge besser schnell am Telefon bespricht, als alles in eine Mail zu klimpern, für eine genaue Besprechung aber noch zusätzliche Dokumente benötigt.
Ich bin Web 2.0er und habe es schon oft gemacht.
Nett ist auch, wenn es nach vorherigen "vorab als Telefax" nun plötzlich am Ende eines Schreibens eingerahmt und fett gedruckt heißt: "Achtung: Dieses Fax wird nicht mehr als Brief verschickt." :-)
Bitte rufen sie an, aber kommen sie später nochmal persönlich vorbei und erzählen uns genau das selbe.
Wir versenden für das Finanzamt besonders peinliche Einsprüche "vorab per Fax", da Faxe zumindest bei bestimmten Finanzämtern über den Tisch des Vorstehers laufen und damit die extremen Amtsdummheiten auch ab und an Mal zu Konsequenzen führen.
@18: Es geht nicht um das Entweder/Oder, sondern um das Versenden einer Mail mit anschließendem Anruf, daß man eben diese Mail bekommen wird/hat.
(Und was zum Deubel ist ein Web-2.0er? Arbeiten Sie für Vodafone und gehören der "Generation Upload" an?)
Signierte PDFs und gut ist. Fax haben wir abgeschafft…
… vorab per Telefax:..
Sehr geehrter Herr Kollege lala,
wie mir mein Büro mitteilte, versuchten sie den Unterzeichner mehrfach im Laufe des gestrigens Tages telefonisch zu erreichen. (Dem ist so). Der Unterzeichner befindet sich heute auf einem Ortstermin und kann ihr Telefonat nicht entgegennehmen. (so so)
Falls es sich bei ihrem Anruf um die Sache XY handeln sollte, (ja) teilt der Unterzeichner bereits jetzt mit, dass hier seitens der Mandantschaft keine Verhandlungen gewünscht sind, bzw. ihre Mandanten gebeten werden den Betrag auf Konto Nr. lalala zu überweisen. Sollten überdies hinaus noch Fragen auftreten wollen sie mich bitte schriftlich informieren.
(Aha).
Antwort:
Vorab per Fax:
Sehr geehrter Herr Kollege lalala,
meine Mandanten teilten mir mit, dass der Betrag zurückgebucht wurde, die Bank teilte dazu mit, dass die Konto-Nr. und Empfängerangaben nicht übereinstimmen.
In einem in den nächsten Tagen folgenden Schreiben werde ich auf diesen Sachverhalt zurückkommen.
.. Der Kollege rief natürlich direkt an.. obwohl er sich auf einem OT befand.. ich war aber nicht da.. ich habe telefoniert.
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