19.8.2009

Tweets können schmerzen

Ich habe vor einiger Zeit ein Foto getwittert. Es zeigte einen Werbeslogan für ein Autohaus. Der Slogan war auf einen öffentlich ausgestellten Sportwagen aus Stuttgart gepappt. Groß zu lesen war auch der Name des Kundenberaters als “Ansprechpartner”. Dieser Name wiederum war Anlass für einen, nun ja, mittelflauen Gag unter 140 Zeichen.

Der betreffende Herr rief mich an und verlangte die Löschung des Tweets. In seinen ersten zwei Sätzen kam vor, dass er unter seinen Kunden viele Anwälte hat, die den ganzen Tag Abmahnungen schreiben (und deshalb dicke Autos fahren). Außerdem sei er mit jemandem verwandt, der im Vorstand der Rechtsanwaltskammer sitzt. Etwas überraschend war für den Anrufer wohl, dass ich trotz dieses Szenarios den Tweet nicht einfach löschen wollte.

Wer mit seinem Namen öffentlich Werbung macht, versuchte ich dem Herrn zu erklären, muss auch damit leben, wenn sich mal jemand mit der Werbung beschäftigt. Möglicherweise sogar auf der Basis harm- oder, schrecklich, schrecklich, überdies gar hirnlosen Humors.

Bevor wir uns komplett überwarfen, rückte der Betreffende damit raus, worum es ihm vornehmlich geht: sein Google-Profil. Er findet es als Geschäftsmann nicht gut, dass der Tweet mittlerweile auf der ersten Google-Seite steht, noch dazu schmeichelhaft weit oben.

Das war ein Argument, das ich nachvollziehen kann. Klar, es macht keine Freude, immer wieder einen längst gelaufenen, noch dazu nicht dauerhaft zündenden Gag bei der eigenen Namenssuche vor die Nase gehalten zu bekommen.

Ich sagte also zu, den mittlerweile in der Timeline angerosteten Tweet zu löschen. Wegen des rüden Intros musste ich mir aber doch noch einen kleinen Schubs geben. Ich tröstete mich einfach damit, dass ich jetzt weiß, wo ich meinen Mercedes nicht kaufe, falls ich mal in das passende Alter dafür komme.

20 Kommentare zu “Tweets können schmerzen”

  1. TS meint: (19.8.2009 um 15:54) AntwortenReply to this comment

    Gut gelöst.

  2. denker meint: (19.8.2009 um 16:03) AntwortenReply to this comment

    UV ist ein netter Typ. Muss man ja auch mal schreiben.

  3. Hootch meint: (19.8.2009 um 16:08) AntwortenReply to this comment

    Soso, da hat der T. aber nicht gut aufgepasst, als er mit seinen Anwaltskunden und Verwandten gesprochen hat. Wenn er dies getan hätte, hätte der guteste ja auch die Löschung des Bildes samt Kommentar auf twitpic.com verlangt und nicht nur die Löschung des Tweets auf twitter.com. Insofern kann ich mich TS nur anschließen: Gut gelöst. ;-P

    Grüße!

    - Vorname abgekürzt. U.V. -

  4. Hanš meint: (19.8.2009 um 16:26) AntwortenReply to this comment

    Grad mal schnell den betreffenden Tweet bei google im Cache angesehen – so richtig zündet der Witz bei mir tatsächlich nicht. Auch nach längerem Nachdenken. Schiebe es mal auf die Hitze…

  5. DeserTStorM meint: (19.8.2009 um 16:42) AntwortenReply to this comment

    Schön wie heute alle gleich mit Anwälten drohen, statt erstmal freundlich ihr Anliegen vorzutragen… Auch wenn UV dann vielleicht weniger zu tun hätte ;-)

  6. Andreas Bergkirchen meint: (19.8.2009 um 16:47) AntwortenReply to this comment

    Ich bin Mercedesfahrer und im angesprochen Alter.

    Wenn Sie, Herr Vetter, Ihre verächtliche Anprangerung hier nicht unverzüglich löschen, werde ich Sie verklagen lassen.

    Dieses auch zum Thema @5: "Schön wie heute alle gleich mit Anwälten drohen, statt erstmal freundlich ihr Anliegen vorzutragen".

  7. martin meint: (19.8.2009 um 16:49) AntwortenReply to this comment

    Ziehen wir doch ein positives Fazit: Ersteinmal anzurufen ist besser als gleich den Anwalt zu schicken.

  8. Dirk Steins meint: (19.8.2009 um 16:50) AntwortenReply to this comment

    Da frage ich mich jetzt, ob das zumindest von mir bemerkte Problem mit der Suche bei Twitter noch existiert oder hier relevant ist: Wenn man einen Tweet löscht, verschwindet dieser merkwürdigerweise (oder, angesichts der Tatsache, das die Suche eigentlich nur eingekauft ist, gar nicht merkwürdigerweise) nicht unbedingt aus Suchergebnissen, die über einen passenden Begriff suchen. Da könnte der Tweet dann doch noch verewigt sein – zumindest ein paar Tage.

  9. Michael Kuhn meint: (19.8.2009 um 17:17) AntwortenReply to this comment

    Tja, und wie von Hanš bemerkt, hängt der Tweet noch im Google Cache rum. Also könnte dieser Blog Post über die Löschung dann doch noch den Streisand-Effekt auslösen, oder nicht?

  10. wilmer meint: (19.8.2009 um 17:28) AntwortenReply to this comment

    Uiihhh, sowas (ähnliches) ist mir (unbeabsichtigt) auch letztens passiert. Ich wollte die Webseite eine Bekannten ein bißchen promoten und habe einen freundlichen Artikel in meinem Blog verfasst. Ergebnis war: seine Website war in den Google Suchlisten unter ferner liefen gelistet. Da es sich um eine türkischsprachige Seite handelte, die auch wesentlich aus der Türkei besucht wird, gab es nun ein Problem: die Leute kamen mit meiner technisch angehauchten Seite auf deutsch nicht zurecht und haben den Bekannten von der Türkei aus in Deutschland auf seinem Handy angerufen (80 € Gebühr im Monat): Wo denn seine Seite sei?? Und das Chaos nahm seinen Lauf, denn natürlich kann man nicht einfach den Artikel wieder löschen (Google Cache) und das Bereinigen des Cache geht nur auf Antrag und daaauuuuuert usw. – Der Bekannte hat mittlerweile frustiert die Domain geändert und alle Freunde und Verwandte in der Türkei informiert … – Vielleicht sollte man jemanden fragen, der sich damit auskennt …. :-(

  11. enrico meint: (19.8.2009 um 17:38) AntwortenReply to this comment

    mooooment mal. "google cache" ist nicht gleich "google hat einen cache, der sich wie ein cache verhält" sondern "google vergisst nichts"? habe wohl dick was verschlafen… bzw. noch nicht drum gekümmert weil ich davon nicht betroffen bin. noch nicht.

    ein hoch auf das web 2.0 und so, ne. streisand ding hin oder her.

  12. Julian meint: (19.8.2009 um 18:34) AntwortenReply to this comment

    Desweiteren ist es nicht unbedingt erwiesen, dass härtere Strafen zu weniger Straftaten führen.

  13. Rockafella meint: (19.8.2009 um 19:01) AntwortenReply to this comment

    Geht´s hierum, lol?

  14. Rockefeller meint: (19.8.2009 um 19:45) AntwortenReply to this comment

    "Bevor wir uns komplett überwarfen, rückte der Betreffende damit raus, worum es ihm vornehmlich geht: sein Google-Profil. Er findet es als Geschäftsmann nicht gut, dass der Tweet mittlerweile auf der ersten Google-Seite steht, noch dazu schmeichelhaft weit oben."

    Was müssen da nur welche sagen die durch die Taten einer Kindergartenbande (ob jetzt nur einer mit einer gespaltenen kranken Persönlichkeit oder doch mehrere Personen) da bei Google mit diversen Sachen, wie z.B. einer gefälschten Amoklaufandrohung und andere pervese Sachen auftauchen.

  15. Name meint: (19.8.2009 um 20:10) AntwortenReply to this comment

    @11 enrico: Ich habe das so verstanden, dass der "Google Cache" aus den zuletzt erspiderten Versionen der jeweiligen Seiten besteht, also ein Abbild der tatsächlichen Webseite, aus dem dann die zur Suche relevanten Daten herausgefischt werden. Und die bleiben eben bis zum nächsten Besuch der Seite seitens Google gespeichert, und bei Google eben auch abrufbar. An sich sollten Seiten, die sich schnell ändern, auch sehr oft besucht werden, um die Suchmaschinendatenbank aktuell halten zu können, sodass etwas gelöschtes sehr schnell aus dem Cache rausfällt, es könnte (bzw. sollte) also sein, dass der gelöschte Tweet nur noch kurzzeitig erreichbar war, das habe ich allerdings nicht getestet.

  16. Tobi meint: (19.8.2009 um 22:17) AntwortenReply to this comment

    sackstark! soviel Zeit und solche Probleme möchte ich auch mal haben!

  17. Rockafella meint: (19.8.2009 um 22:52) AntwortenReply to this comment

    @Rockefeller (#14) Was ist "perves"?

    P.S.: Das Komma vor dem "wie z.B." ist "perves" falsch… ;-)

  18. Thomas Television meint: (20.8.2009 um 23:34) AntwortenReply to this comment

    Das ist ja super, dass man Tweets auch löschen kann. Das war mir völlig neu. Diese Dinger setzen sich in der Tat recht prominent in Google fest.

  19. Bernhard meint: (22.8.2009 um 18:05) AntwortenReply to this comment

    Oh, war das nicht auch die Marke, dessen Autohaus dem Metzger erklärte, er solle sich vom Acker machen, da man für den Autokauf Geld benötigt? Und dieser Metzger dann für einen BMW 50 Riesen bar auf den Tisch legte? ;)

  20. anwalt-in-mol.de meint: (24.8.2009 um 11:03) AntwortenReply to this comment

    Hm, wenn die Masche nicht zieht: mein Auto, mein Haus, mein(e) "Freund(e)" bzw. "ich kenne ja jmd., der wiederum jmd. anderen kennt, der wirklich wichtig ist", kommt erst die Wahrheit auf den Tisch? *kopfschüttel*
    Schade, den "Witz" hätte ich mir gerne angesehen.

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