11.9.2009

Blinddarm-Eingriff war eine Brust-OP

Duisburg/Mülheim.War es Gier? Der Mülheimer Frauenarzt Georges P. (55) ist vom Landgericht Duisburg jetzt zu 3 Jahren und 4 Monaten Haft wegen Betruges verurteilt worden, weil er innerhalb von 5 Jahren mit wenigstens 126 vorgetäuschten Operationen diverse Krankenkassen um rund 300 000 Euro geschädigt hat.

Rund 250 Frauen haben sich zwischen 2002 und 2007 von P., so die Staatsanwaltschaft Wuppertal, die Bäuche straffen oder ihre Brüste operieren lassen – der Kasse aber jeweils eine gefälschte Rechnung wegen eines „Eingriffs am Blinddarm“ geschickt. Die Betrugsserie war aufgeflogen, weil Krankenkassen mißtrauisch geworden waren. Bei denen hatten sich Frauen aus Süddeutschland privat zusätzlich versichert, drei Monate gewartet, um sich dann alle ausgerechnet von P. in Mülheim behandeln zu lassen.

Die „Schwerpunktabteilung für Ärztesachen und Korruptionsverfahren” der Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelte dann hunderte solcher Fälle. Neben P. sind, so Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, bereits 150 Frauen zumeist aus dem Ruhrgebiet wegen Betruges verurteilt worden. Gegen P. erging durch die 2. große Strafkammer des Landgericht Duisburg auch ein 3-jähriges Berufsverbot. (pbd)

(Autor: AK)

22 Kommentare zu “Blinddarm-Eingriff war eine Brust-OP”

  1. Chris meint: (11.9.2009 um 14:22) AntwortenReply to this comment

    klaro gier! ;-) aber kreativ. Hätte er mal besser die Diagnosen ein wenig variiert…immer nur Blinddarm… Wer weiß ob und wann das dann aufgeflogen wäre.

  2. Kampfschmuser meint: (11.9.2009 um 14:29) AntwortenReply to this comment

    Verdient schon sehr gut, bekommt aber den Hals nicht voll. Wie nennt man das? GIER. Perfide ungezügelte Gier.

  3. T. Bostanci meint: (11.9.2009 um 14:33) AntwortenReply to this comment

    Leider nicht unüblich – Wenn auch eher in kleinerem Umfang. So rechnen viele Zahnärtze Leistungen, wie zum Beispiel Kunststofffüllungen als irgendwas anderes ab, so dass der Patient nicht zusätzlich zahlen muss. Sowas spricht sich schnell rum und der entsprechnde Arzt verdient sich eine goldene Nase weil alle nun zu ihm gehen. Traurig sowas …

  4. Arne meint: (11.9.2009 um 14:52) AntwortenReply to this comment

    Zu welchen Strafen wurden denn die 150 Frauen verurteilt? Die werden ja wahrscheinlich nicht so hart sein.

  5. Manuela meint: (11.9.2009 um 14:52) AntwortenReply to this comment

    Ziemlich einseitige Reaktionen hier. Nicht nur der Arzt hat betrogen, sondern auch die Frauen!

  6. joe meint: (11.9.2009 um 15:27) AntwortenReply to this comment

    Ein dreijähriges Berufsverbot für jemanden der über drei Jahre im Knast sitzen soll. Heißt das er darf seinen Knastbrüdern nicht die Bäuche straffen, oder beginnen die drei Jahre Berufsverbot nach Entlassung aus der Haft?

  7. Volker meint: (11.9.2009 um 15:42) AntwortenReply to this comment

    Geschickter und wesentlich unauffälliger ist es, bei jeder Abrechnung ein/zwei logisch passende Posten der Gebührenordnung einfach hinzuzufügen. Beispiel: Untersuchung und Beratung bei akuten Rückenschmerzen. Abgerechnet wird zusätzlich ein nicht erfolgter "chiropraktischer Eingriff". Oder auch ein "schriftlicher ärztlicher Befundbericht", der niemals geschrieben wurde.
    Aber das sind sicherlich nur vereinzelte Fehler in der Kommunikation zwischen Klinikärzten und Sekretariaten, die ich in den letzten Jahren reichlich erlebt habe.

  8. K. meint: (11.9.2009 um 16:55) AntwortenReply to this comment

    @4: Wieder raus mit den Implantaten?

  9. Sebastian C. meint: (11.9.2009 um 17:08) AntwortenReply to this comment

    @ 6 (joe)

    Das Berufsverbot wird mit Rechtskraft des Urteils wirksam. Die Zeit in der der Täter auf behördliche Anordnung in einer Anstalt verwahrt wird (Strafhaft, Ordnungshaft etc.), wird NICHT mit eingerechnet, § 70 Abs. 4 S. 1 und 3 StGB.

  10. Ar-ras meint: (11.9.2009 um 18:38) AntwortenReply to this comment

    Mehr Brüste für das Land

    Absolution

    Oooops ist ja nicht das Beichthaus :)

  11. Anna meint: (11.9.2009 um 18:42) AntwortenReply to this comment

    na jetzt weiß ich warum ich mir meine Brüste nich machen lasse…

  12. Popo meint: (11.9.2009 um 20:11) AntwortenReply to this comment

    Weil es bei dir ohnehin nichts bringen würde?

  13. Axel John meint: (11.9.2009 um 20:56) AntwortenReply to this comment

    @ 4: >>Zu welchen Strafen wurden denn die 150 Frauen verurteilt? <<
    Die sind IMO gestraft genug.

    @ 7: >>Geschickter und wesentlich unauffälliger ist es, bei jeder Abrechnung ein/zwei logisch passende Posten der Gebührenordnung einfach hinzuzufügen.<<

    Es gibt Artpraxen-Software, die schlägt nicht nur die lukrativste Merdikation vor, sondern erstellt auch "abrechnungsoptimierte" Behandlungs- und Therapiepläne.
    Ich gehe davon aus, dass es ein Äquivalent für Anwälte gibt…
    Bei Hotel- und Gaststätten-Software gibt es einen "Schulungs"- oder "Trainings"- Modus.

  14. Denkt doch mal nach meint: (11.9.2009 um 22:57) AntwortenReply to this comment

    Solange man vom Staat in Krankenkassen gezwungen werden kann…

  15. (tr) meint: (12.9.2009 um 12:50) AntwortenReply to this comment

    @13 john

    "Ich gehe davon aus, dass es ein Äquivalent für Anwälte gibt…"

    was nur davon zeugt, daß sie keine ahnung haben.

  16. Axel John meint: (12.9.2009 um 13:20) AntwortenReply to this comment

    @ 15: >>was nur davon zeugt, daß sie keine ahnung haben.<<

    Wovon nicht? Von der Entwicklung von Individualsoftware auf Datenbankbasis?

  17. N.N. meint: (12.9.2009 um 14:13) AntwortenReply to this comment

    @13/16:
    Und worauf stützt sich diese Annahme?

    Wenn es sowas gäbe, wäre mein Chef der erste, der es hätte ;-) RAe brauchen solch eine Software im Übrigen nicht, das RVG erleichtert das Abzocken noch mehr als es die BRAGO schon tat. Die Anwälte wissen schon, wie sie ein Verfahren im Sinne der Gebührenmaximierung betreiben.

    Und wenn Ihre Annahme doch Hand und Fuß hat – bitte Link posten. Ansonsten @15: Zustimmung.

  18. (tr) meint: (12.9.2009 um 14:27) AntwortenReply to this comment

    @16 john

    wie kommen sie auf diese frage? was soll denn ihr statement in #13 "ich gehe davon aus" sonst beinhalten, als von mir in #15 aufgegriffen? wissen oder kenntnisse drückt man anders aus, oder verstehe ich sie einfach nur falsch?

  19. offtopic meint: (12.9.2009 um 15:33) AntwortenReply to this comment

    udo scheint ja wirklich kaum zu übertreibungen zu neigen. seine aussage todmüde zu sein ist finde ich angesichts eines fünftägigen schlafes ganz angebracht (http://twitter.com/udovetter)

  20. Axel John meint: (12.9.2009 um 15:48) AntwortenReply to this comment

    @ 17: >>Und worauf stützt sich diese Annahme?<<

    Solche Software kann man nicht wie MS-Office im Computerladen um die Ecke kaufen. Für Ärzte werden "Abrechnungsoptimierer" inoffiziell und kostenlos von der Pharmaindustrie zur Verfügung gestellt .
    Die Finanzierung erfolgt dadurch, dass die Software vorrangig Medikamente des eigenen Unternehmens vorschlägt.
    Natürlich läuft das in einem Dunkelgrau-Bereich, hart an der Grenze zum Abrechnungsbetrug.
    (Früher gab es Fortbildungskongresse mit Rahmenprogramm in der Karibik).

    Ich wüsste zwar nicht, welche Industrie ein Interesse daran haben könnte, "Abrechnungsoptimierer" für Anwälte zur Verfügung zu stellen. Aber auch hier gilt wie überall in der Wirtschaft: Wo es Bedarf gibt, gibt es auch ein Angebot. Rein programmiertechnisch ist solche Software kein Hexenwerk.

    >>Wenn es sowas gäbe, wäre mein Chef der erste, der es hätte ;-)<<

    Wenn er es hat, wird er das aus o.g. Gründen wohl kaum an die große Glocke hängen.

    @ 18: >>wissen oder kenntnisse drückt man anders aus, oder verstehe ich sie einfach nur falsch?<<

    Ja. Für das, was man nicht weiß, kann man auch keinen Beleg liefern. ;-)
    (Juristen gegenüber ist bei Tatsachebehauptungen immer Vorsicht geboten).
    Interessierte können ja mal nach [ärzte+software+abrechnungsbetrug] googeln.

  21. Arno nym meint: (15.9.2009 um 23:16) AntwortenReply to this comment

    Der Herr ist uns wohl bekannt. Meine Frau war in "Betreuung" bei ihm vor und nach der Geburt unseres Sohnes und auch anfangs in "Betreuung" vor Geburt unserer Tochter (Wir haben allerdings dann abgebrochen, weil uns der Betrug auch an unserer Krankenkasse und an meiner Frau somit auch meinen Kindern zu offensichtlich wurde)

    Bei unserem Erstgebohrenen wurde meine Frau während der Schwangerschaft wöchentlich, später zweimal die Woche und am Ende täglich dort hin bestellt.
    Es wurden jedesmal (!) Blutuntersuchungen vorgenommen und auf wiederholte skeptische Nachfrage als medizinisch notwenig dargestellt. Jedesmal (!) wurde meine Frau unter das Ultraschallgerät gelegt und uns stolz Bilder von unserem ungeborenen Präsentiert, an denen meine Frau und ich jedoch nicht sonderlich interessiert waren. Ebenso wurde uns das Geschlecht unseres Erstgeborenen verraten obwohl wir betonten diese Information nicht unnatürlich früh bekommen zu wollen. Jedesmal wurde meine Frau dann noch längere Zeit an ein weiteres Gerät angeschlossen und jedesmal wurde meine Frau im Intimbereich kontrolliert.

    Es ist uns schon komisch vorgekommen, aber wir sind das erste mal Eltern geworden und wurden in unserer Naivität ausgenutzt.
    Nebenbei wurde der Geburtstermin nach unserer Überzeugung wissentlich von Herrn P. falsch berechnet um die täglichen Besuche zu rechtfertigen.

    Nachdem Herr P. bei unserer ungeborenen Tochter dann ebenfalls irgendeine Krankheit andichten wollte und wir mitbekamen das mehrere Eltern angeblich ungeborene Kinder mit Komplikationen hatten, habnen wir die "Betreuung" abgebrochen und sind zu einer Hebamme gewechselt. Unsere Tochter kam später selbstverständlich gesund auf die Welt und wir hörten zu der Zeit schon, dass Herr P. in der Ärtzebrache stadtbekannt für diese Betrügereien ist. Ich bin unglaublich vielen Ärzten und Menschen begegnet die mir ähnliche Erfahrungen im Dialog berichtet haben.

    Herr P. hat damals pro "Besuch" in seiner Praxis uns zwischen 550 und 850 Euro berechnet. Meine Frau kann jetzt bei der Krankenkasse in keinen höheren Tarif wechseln weil ja angeblich während der Schwangerschaft so viele Komplikationen auftraten. Hier ist die Äußerung von Herrn P. uns gegenüber noch interessant die Sinngemäß lautete: "Man muß nur wissen was man der Krankenkasse schreibt, damit die Therapie auch bezahlt wird"

    Vor seiner Praxis stehen diverse Sportwagen von denen laut Hörensagen einige an seine Kinder verschenkt wurden.

    Ich hoffe dass der Herr seine 3 Jahre auch Absitzen muss und sich nicht mit seinem ergaunertem Geld in einer höheren Instanz aus der Verantwortung ziehen kann. Der Herr hat zahlreiche Familien geschädigt, das hier im Text genannte ist nur der Gipfel des Eisberges.

  22. Darkstalker meint: (16.9.2009 um 11:39) AntwortenReply to this comment

    Gute Idee, schlampige Durchführung. Das muss man einfach besser verschleiern :o) Ich würde fast meinen, das dieser Herr nicht der einzige ist, der das so betreibt. Halt nur der erste, der medienwirksam erwischt wurde.

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