Gut geblufft
Gegen die Kündigung des Mandanten war nichts zu machen. Wohl aber dagegen, dass ihm seine Chefs für die letzten zwei Monate kein Gehalt zahlten. Also Fax an die Firma mit Zahlungsaufforderung. Keine Antwort. Auf die Mahnung kam immerhin ein Schreiben des Steuerberaters. Die Geschäftsführer seien im Urlaub; nächste Woche werde abgerechnet.
Die nächste Woche ging ins Land. Ich telefonierte mit dem Steuerberater. Der war ganz erstaunt. “Hat ihr Mandant das Arbeitgeberdarlehen nicht erwähnt?” Hatte er nicht. Mit dem Kredit seien nämlich die letzten beiden Gehälter verrechnet worden. “Ihr Mandant sollte lieber die Füße still halten, dann verzichten wir auf die noch offenen 200 Euro.”
Ich rief also den Mandanten an. Der versicherte hoch und heilig, keine Schulden bei seinen Chefs zu haben. Ich glaubte ihm uneingeschränkt, zumal nach drei Tagen das vom Steuerberater angekündigte Fax mit dem Kreditvertrag noch nicht da war.
Also Klage. Kaum war Gütetermin beim Arbeitsgericht anberaumt, kam ein Schreiben des Steuerberaters. Mit kompletter Gehaltsabrechnung für die offenen Monate und der Bitte, den Gütetermin abzusagen, wenn das Geld auf unserem Konto ist.
Von einem Darlehen kein Wort. Ich würde nur gern wissen, ob der Steuerberater wirklich so gut blufft. Oder ob er von seinen eigenen Mandanten hinters Licht geführt wurde.
Versuchter Betrug?
@Malte
Wenn überhaupt, dann nur, wenn sich der SB äußerst dumm anstellt.
Ausreden á la "Oh, es geht um Meier und nicht um Schmidt. Da bin ich wohl in der Zeile verrutscht" oder "Ich habe eine Nachricht eines anderen Mandanten falsch zugeordnet und unterlag daher einem Irrtum.", sollten wohl kein Problem darstellen. Es ist sogar anzunehmen, dass es ein menschlicher Fehler war, da absehbar war, dass ein imaginärer Kredit immer auffliegt.
Mal eine vielleicht naive Frage. Wer bezahlt eigentlich den RA in solchen Fällen, in denen man anscheinend ohne anwaltliche Hilfe nicht an sein Geld kommt?
@Naivling,
Du kannst versuchen die RA Gebühren in einem eigenen Verfahren einzuklagen.
F.Sommer
Saftladen bald insolvent? Vielleicht treiben die es mit allen Gläubigern so, um sich Luft zu verschaffen.
Geblufft? Laufen solche Formulierungen unter "Standesschutz"? Solche Typen, egal ob Geschäftsführer oder Steuerberater, gehören meiner Meinung nach eine Woche in den Knast für so dreiste Lügenkonstrukte. Um mal wieder auf den Teppich zu kommen.
@4,3 Arbeitsgericht 1. Instanz: Jeder für sich und Gott für uns alle, auch bei Gewinn oder Verlust. (§ 12 ArbGG)
@ 6 unwissendstammtischpeinlich
@Frank Sommer:
Hier handelt es sich offensichtlich um ein Arbeitsrechtsverfahren, und da gibt es in der ersten Instanz keine Kostenerstattung. Über dieses Hindernis im Rahmen einer § 823 BGB Klage wegen schuldhafter Verletzung eines Rechts zu kommen wird seeehrr schwierig. Die eigentlich "gut gemeinte", fehlende Kostenerstattung im Prozeß lässt den nicht rechtsschutzversicherten Arbeitnehmer (und Arbeitgeber) im Regen stehen….aber der Gesetzgeber sieht trotz mancher Stimmen in der Literatur keine Veranlassung zur Änderung. Warum ?
@1, 2:
Ja, solche Verwechslungen zwischen Wunsch und Realität kommen immer mal vor. Natürlich ist so etwas ein Versehen und kein versuchter Betrug.
@8:
Da sind wahrscheinlich die Gewerkschaften dagegen: Ein Grund weniger, in eine Gewerkschaft einzutreten und ggf. höhere Kosten, wenn sie den Anwalt des Arbeitgebers auch bezahlen müssen.
Welchen Vorteil sollte der Steuerberater von dieser Lüge haben?
Richtig, keinen. Man kann wohl davon ausgehen, dass der ehemalige Arbeitgeber seinem Steuerberater Unsinn erzählt hat.
"“Ihr Mandant sollte lieber die Füße still halten, dann verzichten wir auf die noch offenen 200 Euro.”"
Dann hätte ich dem StB mal etwas von Pfändungsfreigrenzen und dem Aufrechnungsverboten erzählt.
@RALupo, sehe ich auch so: § 394 BGB iVm §§ 850 ff. ZPO.@RALupo:
Dass man die kosten für das einklagen seins eigenen Geldes nicht erstatte bekommt (in form, dass der arbeitgeber sie tragen muss) finde ich wirklich unfair. Das erinnert mich an die Konstellation, dass wenn man Falsch parkt und ein Knöllchen bekommt über 10 Euro obwohl man in jedem Falle richtig geparkt hat. Was macht man? 15€ Gebühr für einen Wiederspruch einlegen oder zähneknirchend 10€ zahlen? Sehr fragliche "einzelfälle" sowas.
In der Regel fertigt der Steuerberater die Buchführung; fast immer Datev. Ein Blick in die Buchführung, Konto: Arbeitnehmerdarlehen und das Darlehen ist feststellbar.
Wenn das auch nur bei einem von zehn gekündigten Arbeitnehmern funktioniert, hat sich´s doch schon rentiert.
@13:
15€ kostet es aber nur, wenn der Widerspruch abgewiesen wird. Das scheint mir bei kleineren Delikten grundsätzliche der Fall zu sein, weil die wissen, dass niemand wegen 25€ klagt (10€+15€ Widerspruch).
Wenn es kein Bluff war, sondern ein Fehler, dann hätte man ja in den 3 Tagen, in denen das Fax mit dem Kreditvertrag kommen sollte, ein Entschuldigungsschreiben schicken können, samt Gehaltsabrechnung. Ich glaube das war kein Versehen.
@6 (Domestos)
Werden so geringe Strafen (1 Woche oder weniger Haftstrafe) eigentlich noch verhängt, oder gibt es dann immer nur Geldstrafe?
So manchen würde ein solcher "Schuss vor den Bug" sicher eher beeindrucken, als etwas bezahlen zu müssen.
@17 Wenn der Mandnat des StB in 3 Tagen damit nicht rüberkommt und auch nicht die Anweisung gibt richtig anzurechnen, warum soll er sich für die vermutlich falschen Infos seines Mandanten entschuldigen?!
Ich halte Sonder- und Spezialgerichte – auch unter dem "ist billiger für die Erniedrigten und Beleidigten"-Aspekt – für unwürdig, noch dazu in einer Republik.
Stuff
klingt nicht gerade nach einem seriösen stb. wenn er sich wirklich von dem arbeitgeber hat verar***** lassen, sollte er mal über eine mandatsniederlegung nachdenken.
@der echte n.n.: Dem Steuerberater kann das doch vollkommen egal sein. Er wird bezahlt, sein Mandant kommt sicherlich gern zu ihm zurueck und die Gegenseite ist einem doch ohnehin egal. Wenn jeder gleich das Mandat niederlegte, nur weil der eigene Mandant nicht ganz ehrlich ist, dann hätte niemand mehr Mandate ;)
zeigt der Fall doch wie wichtig es ist der eigenen Mandatschaft zu glauben und sich nicht durch dreiste Lügenkonstrukte beirren zu lassen.
#k.