“Hi, bist du da?”
“Hi, bist du da?”
Mein jugendlicher Mandant hatte eigentlich gedacht, ein Bekannter stellt ihm diese Frage auf ICQ. Aber der Fremde, der sich auf seine Antwort meldete, war auch ganz nett. Er habe da eine tolle Verdienstmöglichkeit. “Zum Großhandelspreis” habe er günstig jede Menge Softwarelizenzen erworben und suche jetzt Leute, welche die Schlüssel weiter vertreiben. Ebay sei dafür ganz gut.
Mein Mandant ließ sich einwickeln und kaufte einige Lizenzen. Die Abrechnung erfolgte über Paysafecards. Die PIN-Codes der Prepaid-Karten ließ der Mandant seinem Geschäftspartner per ICQ zukommen. In vielen Internetshops können die PIN-Codes wie Bargeld eingesetzt werden. Im Gegenzug erhielt er über ICQ die Softwareschlüssel.
Die Lizenzen kosteten ihm rund ein Zwölftel des Ladenpreises. Also eine gute Ausgangsbasis für florierende Auktionen auf ebay. Tatsächlich gingen die Schlüssel zunächst auch ganz gut weg – bis die ersten Reklamationen eintrudelten.
Der Geschäftspartner, von dem die Lizenzen stammten, hatte zwar Kontakte zu Großhändlern. Aber nur zu solchen, die mit Adress- und Zugangsdaten handeln. In großem Stil holte er sich die Lizenschlüssel auf Softwareseiten – bezahlt wurde von den ahnungslosen Dritten, deren Telefonrechnung oder Kreditkarte belastet wurde.
Das blieb mittelfristig natürlich nicht unbemerkt. Prompt wurden viele Softwareschlüssel gesperrt und funktionierten nicht mehr, als sie mein Mandant bei ebay unter die Leute brachte. Seine Kunden reagierten entsprechend erbost, manche sogar mit Strafanzeigen.
So nahm das Unheil also seinen Lauf. Hunderte Endverkäufer soll der Anbieter geködert haben; gegen die meisten laufen mittlerweile Ermittlungsverfahren wegen Betrugs.
Nur die Hautpfigur ist trotz intensiver Ermittlungen nach wie vor unbekannt. Was ja, wenn man was Positives aus der Geschichte mitnehmen will, eine klare Empfehlung für die Paysafecard ist.
Sind denn die PINs der Paysafecards schon eingesetzt worden? Wenn nicht, dann müßte sich so etwas doch locker sperren lassen. Das wäre immerhin etwas.
In diesem Fall ist der Vorwurf der Hehlerei nicht von der Hand zu weisen. Was glaubte der Mandant denn wohl, was da passiert?
@#2 Thorsten:
Genau dasselbe hab ich mich auch gefragt Oo Irgendein Fremder schreibt ihn an, schwafelt was davon, dass er IHM günstig Lizenzen verschaffen kann, damit er die teurer bei eBay verkaufen kann und er glaubt das? Warum sollte das jemand machen und sie nicht selbst teuer bei eBay verkaufen…
Meistens stehe ich ja eher auf der Seite von Ihnen und Ihren Mandanten Herr Vetter, aber eine Mitschuld und WENIGSTENS extremste Naivität, hart an normale Dummheit grenzend muss sich Ihr Mandant diesmal auch vorwerfen lassen ;)
"Was ja, wenn man was Positives aus der Geschichte mitnehmen will, eine klare Empfehlung für die Paysafecard ist."
Harrharr. Ein klein wenig böse :D
@WhiteWolf, @Thorsten: Aber auch extrem naive Menschen brauchen einen Anwalt. Kann ja nicht jeder weltgewandt und intelligent sein.
und wenn die PINs eingesetzt wurden, könnte man ja über die Versandadressen drankommen. außer das sind, wie meistens, Studentenwohnheime mit 1000 möglichen Empfängern :O
Also echt. Manche Angebote sind einfach zu gut um ehrlich sein zu können.
Aber wo wir gerade bei Geschäften sind, ich hab' da noch diesen Cousin in Nigeria…
Tut mir leid, aber wer auf solchen Betrug reinfällt, ist selber schuld!
1. Ich mache keine Geschäfte über ICQ oder anderen Messengern.
2. Bei solchen Geschäften bezahle ich ausschließlich per Überweisung
3. Mache ich mir stets kritische Gedanken über die seriösität meiner Geschäftspartner-in-Spe
Ich drücke ihm trz die daumen, dass er mit einem (sehr dunklen) blauen Auge davon kommt um wenigstens ein paar Konsequenzen tragen zu müssen, so dass er aus den Fehlern lernen kann!
Wenn man die PSC-Pins noch kennt könnte man ja mal recherchieren, wo diese eingelöst wurden.
Vielleicht hat man ja Glück und kommt dem so auf die Spur.
https://customer.cc.at.paysafecard.com/psccustomer/GetWelcomePanelServlet
…mein jugendlicher Mandant…
kann man doch mal nachsichtig sein! Sind schon genügend Erwachsene auf Internetkriminalität reingefallen, oder nicht?
Ein Beschluß nach 100g und die Verbindungsdaten des "Gesellschafters" sind mein. Nicht nur die Vergangenen auch die Zukünftigen.
@Lightmaster:
hah, nix da. Dumme Menschen sind schließlich dafür da, dass die Klugen von ihnen leben. Weiss doch jeder.
Wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, ist es entweder nicht gut oder nicht wahr.
Von "Hi, bist Du da" direkt ins Strafrecht – kaum zu glauben. Geschäftsanbahnung über ICQ. Benevolent: Dem "jugendlichen Mandanten" muss das Wasser bis zur Unterlippe gestanden haben, wenn er darauf angesprungen ist. Wie ging die Sache weiter?
@12 Rangar:
Das war exakt mein Gedanke beim Lesen.
Und dann kam mir der zweite Gedanke: Ernie und Lefty…
Lefty: "Hey, Du!"
Ernie: "Wer, iiich???"
Lefty: "Psssssst! … Genaaaauuuu!"
Immerhin, sollte der Mandant noch einmal in seinem Leben eine Sesamstraße sehen, wird er sich dran erinnern. Und sicherlich aus der Geschichte gelernt haben. Auf eine schmerzhafte Art und Weise.
@4 Lightmaster:
Das der Mandant natürlich das Recht auf einen fairen Prozess und einen Anwalt hat, hab ich ja nicht bestritten! Aber es fällt hier deutlich schwerer als bei den anderen Fällen die Herr Vetter im Blog beschreibt, den Mandanten als blütenreinen Unschuldigen zu sehen ;) Auch mögliche Torheit schützt nunmal vor Strafe nicht, wie man weiß.
Unabhängig davon bin ich im Übrigen dafür, dass der unbekannte "Anbieter" der Keys, ebenfalls seine Strafe zu erhalten hat und hoffentlich irgendwie ausfindig gemacht wird ;)
Ob seinem Mandanten durch eine Vorstrafe wegen Betruges wirklich gedient ist? Daran darf man Zweifel haben.
Und vielleicht hat er wirklich gedacht, damit einen schnellen Euro machen zu können…
153a wegen Blödheit? =)
@UV:
"Die Lizenzen kosteten ihm rund ein Zwölftel des Ladenpreises. "
vs.
Die Lizenzen kosteten ihn rund ein Zwölftel des Ladenpreises.
Jaja Bloedheit… Vllt war es auch eine Art Betrugsversuch ? So seh ich das jedenfalls. Solche ABzocker gehoeren bestraft. Hoffentlich tun uns unsere Gerichte diesen Gefallen und hoffentlich erzaehlt er dann noch seinen Freunden davon. Vllt lassen sie es dann trotz ihrer Bloedheit sein ähnliche Abzocken zu machen.
@17 Max:
Das sollte er aber lieber nicht sagen, sonst kommt noch mehr hinterher: Gewerbe ohne Anmeldung, Steuerhinterziehung, …
Dann lieber: "Und dann hat mir der ICQ Nutzer Con_Art einen Nebenjob als Verkäufer angeboten."
@Lightmaster: Klar braucht er einen Anwalt. Aber mit gutem Grund.
paysafecards sind nicht nur bei Onlineshops einzusetzen.
Onlinepoker ist dein Freund:
Einzahlung per Paysafecard – Auszahlung auf Bankkonto = Bargeld
Einer meiner Kunden hängt bei der Geschichte mit drinn, allerdings auf der Seite derer, welche die Lizenzschlüssel bezahlen zum vollen Preis zahlen sollen.
Obwohl der Kunde mit seinen T-Onine Zugangsdaten sehr sorgsam umging, wurde auf seine Telekom Rechnung im T-Online Softwareload Shop fleissig eingekauft. Sims3, Anno etc. insgesamt etwa 200 Euro – Strafanzeige wurde gestellt, Reklamation bei der Telekom ging raus, nicht mal neue Zugangsdaten kamen.. Nach einem Besuch im T-Punkt kam wenigstens etwas Bewegung in die Sache, also neue Zugangsdaten etc. .. mal schauen, wie sich die andere Seite der Nahrungskette entwickelt.
Sollte die E-Mail Adresse eines T-Online Anschlusses und das PW bekannt und die Premium Funktion im Kundencenter aktiv sein (Standardeinstellung, sollte es deaktiviert sein benötigt man einen weiteren Klick zur Aktivierung) kann man mit der Mail Adresse und dem Passwort nach Herzenslust shoppen gehen.
Der Telekom Konzernsicherheit scheint dieses Problem bestens bekannt zu sein, Schutzmöglichkeiten bestehen allerdings keine!
Da die Telekom als Standardpasswort nur 8 Zahlen vergibt, soweit mir das bekannt ist, scheint einer Brute Force Attacke auf die E-Mail Server nicht viel im Wege zu stehen.
Kann man über ICQ den Hehler nicht ausfindig machen? So etwas sollte doch im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung gehen oder?
seit wann kann man eine hehlerei an einer softwarelizenz begehen?
@Andy:
das ist ja mal ein richtig kreativer geldwäschetrick! wirklich charmant! allerdings klingts eher nach mühsam-nährt-sich-das-eichhörnchen-methode. ;-)
@lebraska: Wenn der "Hehler" frontallobotimiert ist, dann schon. Ich würde aber schon annehmen, daß da Fake-Daten und Anonymizer verwendet wurden (oder womöglich sogar ein fremder ICQ-Account – fremde Anmeldedaten zu diversen Diensten hat er ja griffbereit).
Ferner sind die Vorratsdaten zur Zeit nur zur Aufklärung schwerer Verbrechen (siehe §100a StPO) zugänglich.
@23: Hier genauso, passierte einem Telekom-Mitarbeiter! Und die von der Telekom haben das als Einzelfall dargestellt… werde ihm das mal zumailen.
@JoDerBaer:
@28 (JoDerBaer): wie ist es bei dem Kollegen ausgegangen? Leider kein Einzelfall.. im T-Online Forum sind einige Bereichte dazu zu finden. mail at salcin punkt net
Doofheit gehört bestraft, wer Geschäfte per ICQ abwickelt, darf gerne auch die Suppe auslöffeln, die er sich da eingebrockt hat.
@Frank:
Könnte man ja. Aber ich tu es nicht.
Vielleicht liegt es daran da ich die Preise kenne und auch dank vieler Bekannten weiß das solche Preise nur möglich sind wenn die Ware nicht legal ist.
@lebraska:
Dafür muss man nicht unbedingt über ICQ suchen.
Siehe den Tip von Anonym:
Genauso kann man den "Verkäufer" oft ausfindig machen.
Meist sind es die Browsergamespieler, die nicht genug Taschengeld haben und sich durch solche Methoden neues "Spielgeld" verschaffen.
Bei dem von dir angegebenen Link kann man schnell den Anbieter herausfinden, die Täter sitzen oft in der Top 10 des Onlinegames und sind über die Betreiber und die gefundenen Bezahl-Abrechnungsschlüssel zu ermitteln.
Ist übrigens keine neue Masche in der Onlinewelt, habe sowas schon von vielen "Spielkollegen" gehört.
Grüße,
Onlinegamer