Häftling darf in Sütterlin schreiben

Die deutsche Schrift ist weder verdächtig noch geheim. Deswegen darf sie ein Häftling auch benutzen und damit Briefe aus dem Gefängnis an seine Verlobte schreiben. So lautet eine jetzt bekannt gewordene Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle. Die Sütterlinschrift, vor 98 Jahren erfunden von dem Berliner Grafiker Ludwig Sütterlin, wurde 1954 zuletzt an deutschen Schulen unterrichtet.

Dass ein erst 37-jähriger Gefangener sie beherschte, stieß den Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Celle sauer auf. Denn sie hatten seine Briefe zu kontrollieren und standen dabei wie der Ochse vor dem Scheunentor. Also machten sie dem Gefangenen
vor einem Jahr die Auflage, alle Kosten für eine „Übersetzung“ der Schreiben übernehmen. Falls nicht, würden die zuückgehalten.

Dieser Ansicht ist der 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts nicht (AZ: 1 Ws 248/09). Im Gegenteil. Immerhin sei Sütterlin die „Deutsche Schreibschrift“ gewesen, die erst
1941 nach und nach durch die „Deutsche Normalschrift“, eine lateinische
Schreibschrift, ersetzt wurde. Und dann nimmt der Srenat die Gefägnisverwaltung auseinander: Wenn also schon keine Geheimschrift vom Häftling verwendet wurde, dann bleibe doch nur noch der tatbestand, dass die Schrift „unlesbar“ sei.

Nach welchen Kriterien sich die Lesbarkeit eines Schreibens aber beurteilt, „ist im Gesetz nicht geregelt.“ Es gebe in Deutschland keine verbindlichen Vorschriften darüber, welche Schriftart im Schriftverkehr zu verwenden ist. Gefunden hat der Senat nur Regelungen der Bundesländer darüber, welche Schriften im schulischen Schreibunterricht gelehrt werden – nämlich nach heutigem Stand die Druckschrift als Erstschrift sowie die „Lateinische Ausgangsschrift“.

Zwar sei Sütterlin zwar schon seit Jahrzehnten nicht mehr Grundlage des Schreibunterrichts an deutschen Schulen, könne aber „nach wie vor von weiten
Teilen der Bevölkerung zumindest gelesen werden“. Unstreitig, so schiebt der Senat der Gefängnisverwaltung mit ihrer Forderung böse Absicht unter, seien auch Bedienstete in der Lage, Sütterlin zu lesen: „Dies mag sich in Zukunft ändern, derzeit ist es aber noch Stand der gesellschaftlichen Entwicklung“.

Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat. (pbd)

84 Gedanken zu “Häftling darf in Sütterlin schreiben

  1. 1

    Der letzte Satz ist falsch.
    Die Kosten des Verfahrens trägt der Steuerzahler.
    Danke schön!

  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6

    Muss wohl einer von diesen Häftling-Trollen sein, die jeden möglichen Scheiss für sich einfordern. Sinn macht weder die Klage noch das Urteil. Ich würde als Wärter alles schwärzen, was ich nicht lesen kann.

  7. 7
  8. 8
  9. 9

    @Gnatz: Die Frage ist, wie weit will man gehen? Soll es z.B. einem Auslaender es verboten werden, mit seiner Familie in seiner Sprache zu kommunizieren, nur weil die ‘normalen’ Waerter diese nicht lesen koennen?
    Da die Schrift ja offiziell gelehrt wurde und von aelteren Leuten auch heute noch geschrieben wird, sollte man die Leute nicht als Troll abstempeln.

    Interessant wird es in meinen Augen erst, wenn ein Deutscher Text in deutscher Sprache, aber in japanischen Textzeichen (o.ae.) schreibt.

    P.S. Die Briefe meiner Grosseltern in dieser Schrift konnte ich lesen, das Beispiel bei Wikipedia nicht ^^

  10. 10

    Herrlich. Ich kann zwar Sütterlin und deutsche Kurrentschrift halbwegs mit Mühen lesen, aber nicht so richtig schreiben. Ich sollte das mal für den Fall der Fälle üben :-)

  11. 11

    Das Urteil ist ok; aber die Kommentare sind zum Teil unterirdisch. Mich würde mal interessieren, wer von den Klugschnackern hier Sütterlin lesen kann. Und wer’s nicht kann gehört dann auch zu den “blöden Vollspacken” oder wie?

  12. 12

    Soll doch bitte jeder so schreiben, wie er gerade lustig ist.

    @6: Oh mein Gott, nein. Wie können die nur auf die absurde Idee kommen, ihr Recht geltend zu machen? Diese bösen bösen Gefangenen.

    Damit haben sie sich das Troll-Prädikat eindeutig selbst zugewiesen, Glückwunsch. Oder auf neudeutsch: FAIL :o)

  13. 13

    Ich habe Sütterlin noch im Schuljahr 1972/73 mit zwei Wochenstunden gelernt; Übungshefte waren im Schreibwarenhandel ohne Probleme zu bekommen. Die Schrift beherrsche ich heute noch, aber beim Lesen habe ich oft meine Schwierigkeiten.

  14. 14

    @11/Manuel2

    Auf die Idee, dass die Schliesser unabhaengig v. dem Lesen, bzw. Nichtlesen koennen dieser Schriftart “bloede Vollspacken” (wie du mal wieder falsch zitierst) sind – wie es der Kommentar auch impliziert – kommst du natuerlich nicht. Kleiner mieser Agitator.

  15. 15

    Sütterlin kann man sich auch selbst beibringen. So schwierig ist das nicht. Ich habe mir Sütterlin auch mal selbst beigebracht (und zwar das Lesen und das Schreiben).

  16. 16

    @Soeren
    Da es offenbar Regelungen zur Inrechnungstellung von Übersetzungen gibt, wird das offenbar gemacht und zwar zu Recht. Warum sollte ich das bezahlen? wer in Deutschland kriminell werden kann, kann Deutsch lernen oder die Erschwernisse der notwendigen Kontrolle bezahlen.

    @Darkstalker
    Ich nehme an, der betreffende Häftling beherrscht auch andere Schreibweisen. Es der Gesellschaft, gegen die man sich als Inhaftierter offenbar vergangen hat, nicht noch unnötig zu erschweren, gebietet eigentlich schon der Anstand. Das Recht sollte es erst Recht gebieten.
    Für mich ein klares Zeichen, dass die Person keine Reue zeigt, was sich auch bei der Bewertung von Aspekten wie “guter Führung” durchaus reflektieren sollte.

    PS: Geht Zitat als Mouseover nur, wenn man angemeldet ist?

  17. 17
  18. 18

    Die Sütterlinschrift, vor 98 Jahren erfunden von dem Berliner Grafiker Ludwig Sütterlin, wurde 1954 zuletzt an deutschen Schulen unterrichtet.

    Stimmt so nicht. An meiner Grundschule hatten wir in der 2.-4. Klasse (in meinem Fall waren das die Schuljahre 1987 bis 1989) eine Stunde pro Woche “Altdeutsche Schrift” auf dem Stundenplan stehen.

  19. 19

    >>> Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat. <<<
    Mal wieder. Solange sich HartzIV Empfänger gegenseitig auf Staatskosten verklagen können, solange Gefangene in Sütterlin schreiben dürfen und das ganze von den Gerichten nicht gleich abgewiesen wird… solange brauchen wir uns in diesem Land keine Gedanken über mögliche Steuersenkungen zu machen !!!
    Es ist zum ko…

  20. 20

    Sütterlin ist doch – das wird ja auch in der Textstelle, zu der der Link weiter oben führt, gesagt – bloß EINE Form der deutschen Schreibschrift. Besonders schwierig ist es meist nicht, die deutsche Schreibschrift zu lesen, selbst dann, wenn man keine Übung darin hat. Natürlich hängt es auch vom jeweiligen Schreiber der Zeilen ab, wie gut lesbar das Ganze ist. Daß die Bediensteten in einem Gefängnis nicht gerade die Schriftkundigsten im Lande sind, sollte aber nicht besonders verwundern.

  21. 21

    Mal ehrlich, die Kontrolle von Briefen, die der Gefangene freiwillig kontrollieren lässt, ist doch völlig sinnlos, wenn die Gefangenen eh schon soviel mit illegalen Handys telefonieren, dass deswegen extra Störsender aufgebaut werden müssen.
    Die bekommen Drogen und Handys reingeschmuggelt und da soll ein Blatt Papier rausschmuggeln Probleme machen?

    Die Gefängniswärter sind doch nur sauer, weil sie sich nicht so einfach am Inhalt aufgeilen können. Insofern finde ich das Urteil in Ordnung.

  22. 22

    @Caron:

    Und wenn meine Verwandten kein deutsch können?

    Und wieso soll ich als Gefangener nicht so schreiben wie ich will? Ich glaube sollte ich mal im Gefängnis sitzen dürfte die Tatsache das man persönliche Dokumente liest nicht gerade förderlich sein den Mitlesern die Arbeit zu erleichtern.

  23. 23

    @16: Sie können doch nicht mit Anstand argumentieren, wenn es um Häftlinge geht. Hätten die den, wären sie doch gar nicht “drin” :o)

    Aber ich sehe schon, was sie meinen. Es wäre ein positives Zeichen, eben nicht noch mehr Stress und Kosten zu verursachen, als ohnehin schon. Auf der anderen Seite hat man als Gefangener nun schon recht wenige Rechte. Wenn man in denen dann auch noch beschnitten wird, muss man sich wehren dürfen. Und wenn man ein rechtlich zugelassenes Mittel benutzt, um eine Rechtsverletzung geltend zu machen, und obsiegt, dann ist die Kostentragunspflicht nunmal die logische Folge. (Eine Ausnahme, á la “Verfahren weitgehend selbst verursacht” mag man hier zwar erkennen können, das führt aber nicht zum Auferlegen der Kosten. Würde mich wundern, wenn es da eine Norm gäbe, die die ausnahmsweise Auferlegung der Kosten auf den obsiegenden Häftling hergäbe. Wird man sich wohl auch spätestens bei der Vollstreckung schwer tun. Die haben ja nix.)

    Ob man die Anwendung der Lateinischen Ausgangsschrift nun als Element bei der Sozialprognose für die 2/3-Bewährung (dahin wollten sie doch mit “guter Führung” oder?) hernehmen sollte, ist allerdings äußerst fraglich. Man soll ja beurteilen, wie der Gefangene sich in Freiheit führen wird, und ob von ihm weitere Straftaten zu erwarten sind. Das kann ich aber sicherlich nicht anhand seiner Schreibgewohnheiten beurteilen.
    (Allenfalls könnte man daraus mangelnde Kooperationsbereitschaft herleiten…aber auch nur wenn man wirklich gemein sein will.)

  24. 24

    @micha3l: was ist daran zum Ko…? Soll einem Hartz4-Empfänger der Rechtsweg nicht offen stehen, weil er es sich nicht leisten kann? Und das Gericht darf Gefangene abweisen, weil die etwas tun, was nirgendwo anscheinend verboten ist?
    Möchtest Du in einer solchen Gesellschaft leben? Weil es dann bestimmt Steuersenkungen gibt, wie man Dir suggeriert? (hint: welchen Anteil am Staatshaushalt haben Finanzierung von H4-Klageunterstützung und welchen Anteil haben z.B. Banken-bail-outs?)

    s ist zum ko…, wie manche hier leichtfertig andere bashen, die die Möglichkeiten des Sozialstaates tatsächlich nutzen (müssen) und selbst nur einen auf ihren unmittelbaren Kontostand fixierten Tellerrand haben. Und wählen dürfen solche Leute auch. *sigh*

  25. 25

    Erklärt mir mal jemand, warum die Wärter überhaupt jeden Brief, der aus dem Gefängnis rausgeht, lesen müssen? Als ob da alle Nase lang ein Ausbruch geplant werden würde und als ob es eben dafür nicht andere Möglichkeiten gäbe, die dafür nötige Kommunikation zustande zu bringen.

  26. 26
  27. 27

    @25: Weil das StVollzG das vorsieht? § 29 III StVollzG. Sie müssen das im Übrigen nicht lesen, sie können. Wenn sich aber jemand die Mühe macht, in einer Schrift zu schreiben, die offensichtlich nicht jeder auf den ersten Blick erkennt, dann darf man schon mal genauer hinsehen. Natürlich wird nicht alle 5 Minuten ein Ausbruch, o.ä. geplant. Aber wenn mal einer auf dem Briefwege geplant wird und dann schaut man nicht genau hin und dann laufen Gefangene weg und meucheln in der Nachbarschaft die Kinder vom Spielplatz weg … dann sind die bösen bösen Aufseher auch wieder die Deppen der Nation, weil sie ihren Job schlecht gemacht haben.

    Nur weil es andere Möglichkeiten der Kommunikation gibt, heisst das ja nicht, dass man deshalb alle anderen einfach so durchgehen lassen muss, oder? Denn sonst müsste man diesen Grundsatz auf alle Kommunikationsmittel anwenden, und übrig bliebe, dass man gar keines überwacht. Das kann aber nicht Sinn der Sache sein. Der Gefangene soll ja schließlich auch merken, dass er inhaftiert ist… Wenn das Ganze Inhaftieren keine Nachteile hätte, würde es seinen Zweck nicht erfüllen.

    @26: *lach* Wenn schon, dann “Rechtsanwalt” – so viel Zeit muss sein… (Und nur dann wäre es auch Mißbrauch von Titeln, § 132a I Nr. 2 StGB …)

  28. 28

    @Al: Wenn sich Steuerzahler ein wenig mehr mit dem Staat identifizierten, hätten wir so manches Problem nicht.

  29. 29

    @28: Identifizieren muss nicht mal sein. Aber diesen Tunnelblick müsste der eine oder andere mal ablegen.
    Klar, Steuern zahlen für Prozesse wie diesen. Und für Hartz IV. Und für Strafvollzug im allgemeinen. Aber halt auch für Ampeln, Straßen, Schulen…oder mit den Simpsons:

    Rod: Daddy, what do taxes pay for?
    Ned: Oh, why, everything. Policemen, trees, sunshine. And let’s not forget the folks who just don’t feel like working, God bless ‘em.

    Und ansonsten gilt, wem´s nicht passt, dem steht es frei, zu gehen.
    Oder mit den Simpsons:

    Homer: Hey, if you don´t like it, go to Russia!

    Aber es ist so viel leichter, einseitig zu meckern…Ansonsten müsste man ja mal kurz nachdenken.

  30. 30

    @3 (Darkstalker)

    Bisweilen wird jede Form der deutschen Kurrentschrift als Sütterlinschrift bezeichnet. Dies liegt wohl daran, daß die Sütterlinschrift diejenige Form der deutschen Kurrentschrift ist, deren Name am bekanntesten ist. Trotzdem ist diese Bezeichnung unzutreffend, denn es gab die deutsche Kurrentschrift schon lange vor Ludwig Sütterlin.

    Was ist daran schwer? Okay, ich räume ein, dass ich als Kind eine sehr alte Tante hatte, die mir mit sehr schwerer Hand Broefe und Päckchen aus dem Westen schrieb. In Kurrentschrift.

  31. 31

    @Meinereiner:

    Es geht nicht nur um Ausbrüche.

    Es geht (auch) um die Verhinderung, dass zu neuen Straftaten angestiftet wird, z.B. Rachetaten an Belastungszeugen und anderen Verfahrensbeteiligten. Mittäter oder andere Personen unbehelligt über Verstecke der Tatbeute, Tatwaffe o.ä. informiert werden, um diese zu beseitigen oder zu verwerten (insbesondere bei U-Haft); potenzielle Zeugen zu bedrohen, einzuschüchtern oder entsprechendes durch einen Dritten zu veranlassen.

    Darüber hinaus zu verhindern, dass Opfer einer Stratat durch den Täter direkt oder durch Dritte konatktiert werden etc.

  32. 32

    “Der Gefangene soll ja schließlich auch merken, dass er inhaftiert ist… Wenn das Ganze Inhaftieren keine Nachteile hätte, würde es seinen Zweck nicht erfüllen.”
    Tja, das ist genau das Problem. Welchen Zweck erfüllt so eine Haftstrafe überhaupt, welchen Zweck soll sie erfüllen? Was kann eine Gesellschaft von einem Straftäter verlangen, was erwarten? Mir fallen da spontan die folgenden Punkte ein:
    1) Wiedereingliederung in die Gesellschaft
    2) Wiedergutmachung
    3) Reue
    Eine Haftstrafe erachte ich bezüglich des ersten Punktes als Kontraproduktiv, bezüglich des zweiten als indifferent. Und auch der Sinn einer Haftstrafe bezüglich des dritten Punktes will kritisch betrachtet werden.
    Was also bleibt, um eine Haftstrafe zu rechtfertigen. Da wäre zum einen der Schutz der Gesellschaft vor unverbesserlichen Verbrechern, also das “Wegsperren”. Das dürfte aber bei den wenigsten Strafgefangenen notwendig sein. Es bleibt also der Aspekt der “Strafe”, also die Rache der Gesellschaft am Straftäter. Das ist meines Erachtens etwas anachronistisch und wenig zielführend. Denn was habe ich als Steuerzahler denn bitte davon, dass es einem anderen auf meine Kosten schlecht geht?

    Vielleicht erklärt mir das ein Jurist ja mal.

  33. 33

    Nur so als Randbemerkung, ich habe Sütterlin ca. 2005 im Kunstunterricht gelernt, ich bin zwar hoffnungslos ausser Übung, aber nach so ein bis zwei Stündchen sollte ich das wieder lesen und schreiben können. Dürfte dann auch lesbarer als meine normale Handschrift sein.

  34. 34

    Vielen Dank für die Antworten.

    Eine Frage am Rande: Dürfte ich meine Briefe der Logik des Urteils nach eigentlich auch in Latein oder Griechisch verfassen? Das haben ja schließlich auch recht viele Leute in der Schule gelernt.

  35. 35
  36. 36

    @32: Über den Zweck von Strafe im Allgemeinen besteht (akademischer) Streit. Und ich denke doch, die Denkzettelfunktion sollte nicht zu kurz kommen. Gerade auch zur Wiedereingliederung, nämlich zur Dauerhaftigkeit eben dieser. Das ist nicht zwingend kontraproduktiv. Und zu 2) natürlich sieht es das Opfer der Tat als Wiedergutmachung. Auge um Auge geht halt nicht mehr. Dann halt “Sitzen um Auge”. Also auch Punkt 2) ist durchaus mit dem Zweck in Einklang zu bringen.
    Sicher, Ihnen ist es egal, ob es dem Täter wegen der Tat gegen sie schlecht geht. Aber das ist eben nicht bei allen so. (Ob das eine oder andere falsch ist, vermag ich nicht zu beurteilen)
    Und auch 3) funktioniert einfach besser, wenn man auch durch eigene Einbußen merkt, dass man was falsch gemacht hat. Sei es finanzielle Einbuße oder eben Haft.

    Der einzelne Steuerzahler (der an einer bestimmten Tat nicht beteiligt war, auch nicht auf Opferseite) mag zwar nichts davon haben, wenn dafür jetzt ein anderer einsitzen muss, das stimmt. Aber man darf hier doch “den Steuerzahler” nicht isoliert betrachten. Sondern die Gemeinschaft der Steuerzahler insgesamt. Das System ist vom Gedanken her doch drauf ausgelegt, dass unterm Strich nach X Fällen jeder mal davon profitiert hat.
    (Eine besser Lösung wäre, die Haftstrafe von demjenigen bezahlen zu lassen, der den Täter gern sitzen sehen will. Aber dann sehe ich schon zu Hauf sozial schwache Opfer, die einfach nur deswegen mit Straftaten überzogen werden, weil “die sich die Strafe nicht leisten können”)
    Also, wie man´s macht ist´s verkehrt.

  37. 37
  38. 38

    @Darkstalker: Tatsächlich ist dieses Beispiel verglichen mit echten Handschriften nicht sehr lesbar, vielleicht genau deshalb, weil es eben keien Handschrift ist und damit die Übergänge zwischen den einzelnen Buchstaben unharmonisch sind.

    Allerdings: Wie bezeichnen Sie dann die arabische Schrift? Oder chinesisch?

    Es ist immer die Frage, was man als Schrift gelernt hat und welche man im Alltag verwendet… (Soll ja auch Leute geben, die sogar mit Frakturschriften Probleme haben.)

  39. 39
  40. 40
  41. 41

    Sehr interessant, das versuche ich mal zu finden so ein Heft. Danke fuer den Hinweis.

  42. 42
  43. 43
  44. 44

    Etwas schade, dass § 226 BGB hier nicht gilt; er könnte nämlich passen, wenn man auch die Einzelheiten des Falles nicht kennt.

    § 226 BGB
    Die Ausübung eines Rechts ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen.

  45. 45
  46. 46

    Ich sollte vielleicht erwaehnen, dass meine Handschrift eh kaum jemand lesen kann. Suetterlin hin oder her ^^

  47. 47

    Sorry, aber das ist ein Gefängnis und nicht die Queen Elizabeth 2. Und Briefe schreiben sollte ein Privileg und kein Recht sein. Und das diese kontrolliert werden, kann ich gut verstehen. Schade, dass so eine Klage überhaupt so ausführlich verhandelt werden muss.

  48. 48

    Dass die Fähigkeit Sütterlin zu lesen bei JVA-Bediensteten vorausgesetzt werden kann bezweifle ich. Trotzdem finde ich das Urteil nicht verkehrt.

    btw: Eigentlich ist es auch gar nicht so schwer, zumindest wenn man deutlich schreibt. Am Anfang sieht man zwar nur Haken, aber man kann es sich durchaus innerhalb relativ kurzer Zeit beibringen, zumindest am Computer geschriebenes Sütterlin zu entziffern. Das Schreiben gestaltet sich dann auch nicht so schwierig.

  49. 49

    @Micha3l:

    Hartz IV Bezieher verklagen sich nicht gegenseitig.

    Sie klagen vor Sozialgerichten gegen falsche und willkürliche Verwaltungsakte.

    Dieter Nuhr: “Wenn man keine Ahnung hat einfach mal …”

  50. 50

    Was ist, wenn ich in lateinischen Buchstaben, aber ROT13 schreibe? Ist klar entzifferbar …

  51. 51

    Ich bin jetzt 29 Jahre alt und während meiner Gymnasialzeit lernten wir die Sütterlinschrift ebenfalls im Kunst-Unterricht.
    Ab und an mache ich mir den Spaß und schreibe einen Brief in Sütterlin.
    Leider wird unsere Schriftsprache immer mehr der Auffassung geopfert, dass diese in der jetzigen Form zu schwierig für Schüler sei. Es ist bemerkenswert wie schnell und fortlaufend konsequent das Niveau immer weiter abgesenkt wird.

    In der Grundschule lernte ich noch die Lateinische Ausgangsschrift – die heutige Schrift ist an Stupidität schon nicht mehr zu unterbieten.

  52. 52
  53. 53

    @Stefan:

    Auch jemand der im Knast ist hat Rechte.

    Und es wirkt sich bestimmt hervorragend auf die Resozialisierung aus wenn man nur Kontakt mit Knastis hat.

  54. 54

    @42: Sie zahlen Steuern – hurra. Sie tun ja gerade so als täten sie das aus reiner Barmherzigkeit. Es ist ihre gottverdammte Pflicht, also schön den Ball flach halten.

    Und ich nehme doch stark an, sie nutzen auch die zahlreichen steuerfinanzierten Angebote des Staates, oder? Gehen/Fahren sie auf Straßen und Fußwegen? Bearbeitet jemand ihre Steuererklärung? Nutzen sie gar noch einen gemeindlichen Kindergarten oder haben Kinder auf öffentlichen Schulen? Wie ist es mit dem Brauchwasser aus ihrem Wasserhahn, das sicherlich in einem Klärwerk in der Nähe wieder nutzbar gemacht wurde… Und sei es nur der Wald, durch den sie ab und zu joggen, den unterhält im Zweifelsfall das (staatliche) Forstamt.

    Wenn auch nur eines der letzten zutrifft, dann haben sie nämlich nicht für eine einzige Sekunde das Recht, zu motzen.

    ´nuff said.

  55. 55

    Na das ist doch mal eine kreative Art, die lieben Wärter ein bisschen zu ärgern. Respekt!

  56. 56

    Meine Freundin hat im Zuge ihres Studiums eine Übung in Typographie gemacht und sich dabei auch mit Sütterlin befasst. Sie hat dabei erstaunt festgestellt, dass sie die Schrift problemlos lesen kann, da sie sich in ihrer Kindheit oft mit den selbstgeschriebenen Kochbüchern ihrer Oma befasst hatte und diese in Sütterlin verfasst sind.

    Insofern ergeben sich sicherlich auch Kenntnisse in dieser Schrift auch in jüngeren Generationen über den Dialog oder Dokumente älterer Generationen.

    Urteil voll und ganz nachvollziehbar.

  57. 57

    @Darkstalker: Ich bin zwar der letzte, der sich mit diesem oder irgendeinem Staat identifizieren würde, aber bei dieser Jammerei über zu hohe bzw. falsch ausgegebene Steuern passt Volker Pispers wunderbar:

    “Die Hälfte des Jahres arbeite ich nur für den Staat!” – Haben Sie das dumme Schwein schon mal gesehen, für das Sie da arbeiten? Nein? Dann schauen Sie doch mal morgens in den Spiegel!

  58. 58

    @Manuel2:
    Ich kann die Schrift nicht nur lesen, sondern auch Schreiben. War in Griechenland für Griechen fast ein Kulturschock: Woher ich – ohne Griechischkenntnisse – denn griechische Handschrift schreiben könne..?
    Ist höchstwahrscheinlich durch hellenistische Juden in unsere Breiten geraten, also garnix deutsch. Deshalb ja auch die letzte Duden-Ausgabe in Fraktur die des Jahres 1941.
    Stuff
    BTW: Jiddisch wurde bis zu Jahrhundertwende 19/20 Jhdt. in hebräischen Lettern gedruckt, in lateinischen Lettern gedrucktes Jiddisch hiess unter der k&k-Verwaltung “Jargon”.

  59. 59

    Hey,

    also ich war von 1994-1998 auf der Grundschule und habe dort auch noch Sütterlin gelernt.Wir hatten es zwar nicht als reguläres Fach, aber unsere Deutschlehrerin fand es wichtig “damit wir auch Omas Marmeladen-Beschriftung lesen können”

    Ich kann noch einigermaßen Sütterlin lesen, schreiben aber kaum noch.

    Gruß Aegre Reminiscens

  60. 60

    So sehr ich Pispers mag (und das tue ich sehr) – so sehr ist er (und anderweitiges Kabarett) auch immer etwas einseitig. Nahezu ironisch, dass Pispers in städtischen Messehallen, auf städtischen Theaterbühnen oder in eben solchen Tagungsräumen auftritt ;) (In diesem Fall hat er natuerlich recht *g* “Du bist Deutschlang” triffts halt doch ganz genau *g*)

    Und ja, Steuern werden sicherlich auch und oft an falscher Stelle ausgegeben. Aber eben nicht nur. Man kann sich ja über alles beschweren, so lange man die Verhältnisse klar im Hirn behält. Ich zum Beispiel fordere schon seit Jahren weniger Sozialleistungen für die Couch-Potato-Schmarotzer-Hartz-IV-Eierschaukler-Fraktion und dafür mehr Leistungen für diejenigen, die sich ernsthaft bemühen und dennoch leider auf keinen grünen Zweig kommen… Wer nix tut und nix tun will, sollte nichts bekommen. Und wenn dann der ein oder andere im Winter erfriert oder verhungert, dann ist das nicht unmenschlich, sondern nur gerecht. Und entlastet nebenbei dann auch den Haushalt. Und der Überbevölkerung wirkt es auch entgegen. Hat also nur Vorteile.

  61. 61

    @ 60 Darkstalker:

    Volker Pispers wuerd dir fuer deinen 2. Absatz verbal voll in die Ei** treten. Wenn du seine Programme wirklich verfolgen wuerdest, haettest du festgestellt, das da auch eine Frage auftaucht.
    Naemlich, wie sollen 600K offene Stellen mit (offiziellen) 3.5 Millonen Arbeitssuchenden besetzt werden?

    Was ich von Leuten wie dir halt, kann ich hier nicht schreiben, weil mich Udo dann bannen wuerde aber ich hoffe, das du auch mal so richtig auf die Fresse fliegst.

    Gruß Duddley

  62. 62

    @yetimon:

    Altdeutsche Schrift ist was anderes als Sütterlin.

    Übrigens finde ich es traurig wie hier Menschen in JVAs alle Rechte aberkannt werden. Als ob gerade wir hier nicht bestens wüssten wie schnell man hier für “Verbrechen” oder gar tatsächlich unschuldig einsitzen kann.

  63. 63

    @61: Die Zahlen sind an den Haaren herbeigezogen und nicht belegt. Sachlich bleiben und Argumente bringen. Abgesehen davon, wir schweifen total vom Thema ab. Es ging um Sütterlin.

  64. 64

    Wie machen dass eigentlich die Apotheker, wenn sie Rezepte entziffern müssen?
    Evtl. werden auch noch einige Rezepte von ältere Ärzten in dieser Schrift ausgefüllt.

    Müsste ich Briefe in Sütterlinschrift kontrollieren, wäre es für mich ein Anreiz die Schrift zu erlernen. Soll aber Menschen geben, die Herausforderungen als Belästigung ansehen ;)

  65. 65
  66. 66

    Ich habe 1976 in Sütterlin in der 10. Klasse noch ganze Aufsätze (Gymnasium) geschrieben (in Hessen).

    @64 Rezepte werden mittlerweile fast ausschließlich ausgedruckt!

    @all: Bitte im Ton nicht vergreifen –> Ironie ja, Vulgärsprache nein!

  67. 67

    @Darkstalker:
    Vielen Dank für die Antwort. Die Debatte um den Sinn von Strafe interessiert mich. Wo kann ich mich da als Nicht-Jurist weiter informieren?

  68. 68

    @คุณหมอ: Rezepte werden mittlerweile fast ausschließlich ausgedruckt!

    (Habe schon längere Zeit kein Arztrezept mehr benötigt.)
    Aber es stimmt wohl und ist auch gut so.

    Habe mich oft gefragt, ob die Apotheker beim Arzt nachfragen, wenn sie das Geschriebene nicht entziffern können oder das Rezept erraten.

  69. 69

    @65: Die der angeblich zu besetzenden Stellen natuerlich.

    @67:
    Die nächste Uni-Bibliothek bietet sich an, alle Bücher zum Strafrecht (Allgemeiner Teil) streifen die Thematik in der Einführung (meist mit weiteren Verweisen). Wirklich direkt zu den Straftheorien gibt es auch einige Bücher, als da wären:

    Günstig zu erhalten wäre Stratenwert:
    http://www.amazon.de/leistet-Strafzwecken-Schriftenreihe-Juristischen-Gesellschaft/dp/3110149028/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1257790948&sr=8-2

    Etwas “antiker” (und daher grundsätzlicher) wären wohl die Ausführungen von Feuerbach, der jedoch teilweise als überholt gilt.

    Ein schönes Gesamtpaket gibt´s bei Hassemer – “Strafrecht: Sein Selbstverständnis”

    Die wirkliche Patentlösung hat niemand, aber alle bringen gute Ideen. Letztlich muss aber wohl jeder selbst rausfinden, was er davon hält.

  70. 70

    @ 63 Darkstalker:

    Die Zahlen sind an den Haaren herbeigezogen? Wo lebst du, in Antiqua?

    Was das “beim Thema” bleiben heissen soll, nach dem du darauf hinweist, das Hartz IV Empfaenger verrecken koennen, da sie anscheinend kein Suetterlin koennen, ist nicht ganz klar.
    Wuerdest du das bitte ausformulieren?

    Gruß Duddley

  71. 71

    @70: Sie haben mich offenbar falsch verstanden. Meine Aussage war lediglich, wer faul auf seinem Arsch sitzt und sich nicht bemüht, weil er weiß, dass er Geld nachgeworfen bekommt, das bei Leuten besser aufgehoben wäre, die sich ernsthaft um Arbeit bemühen – dem sollte ganz einfach irgendwann der Geld-Hahn abgedreht werden. Und dann hat er 2 Möglichkeiten. A) Sich vielleicht tatsächlich mal bemühen oder B) versuchen, allein zu Recht zu kommen. (Das soll keinesfalls eine Pauschalierung aller Sozialleistungsempfänger sein sondern bezieht sich explizit nur auf die arbeitsfaulen Vorzeigeexemplare)

    Mehr verlangt ja niemand.

    Ich kann da beim Besten willen nichts dran finden, was unfair wäre. Die Idee des Sozialstaates war es nie, dass einige auf Kosten von vielen sich einen faulen Lenz machen. Das System soll die “in Not geratenen” auffangen. Wer sich jedoch vorsätzlich in Not begibt (weil er zu faul ist, sich auszubilden, oder sich zu fein ist, auch Jobs zu machen, die eben keine 5.000 Eur im Monat bringen oder eben einfach gerne auf dem Sofa sitzt und in die – sozialfinanzierte – Glotze schaut) verwirkt diesen Schutz in meinen Augen. Sie müssen diese Meinung nicht teilen – aber sie können sie auch nicht pauschal verdammen, ohne sie kurz zu überdenken.

    Und ich werde ohne Beleg sicher nicht blind glauben, dass es nur 600k freie Stellen gibt. Mal abgesehen davon… Unterstellt, die Zahl wäre wahr – sollte das nicht ein Anreiz sein, sich noch stärker um eine dieser “wenigen” Stellen zu bemühen anstatt mit dem eigenen Sofa zu verwachsen?

    Und – ebenfalls die Zahlen als wahr unterstellt – sollte man dann nicht schauen, dass man sich eventuell wo anders nach Arbeit umschaut? Also außerhalb dieses ach so unfairen furchtbaren Systems? Vielleicht in Afrika. Oder den USA. Oder im nahen/fernen Osten. Die sind ja da total bekannt für ihre tollen Sozialsysteme. Den Luxus, den man in Deutschland genießt, wenn man einfach mal keinen Bock auf gar nichts hat, findet man in kaum einem anderen System, das ist nicht wegzureden.

  72. 72

    @Darkstalker: …
    Mir sind Leute lieber die ihre Meinung auch gegen den Mainstream klar artikulieren.
    Andere möchten ihre wahre Meinung in der Öffentlichkeit lieber verschleiern.

    Anderseits sind mir Äußerungen zu wider, deren Inhalt eine Pauschalverurteilung von bestimmten Gruppen vom Menschen ist. Mein Verdacht ist dann meist, dass Derjenige noch wenig eigene Erfahrungen gemacht hat oder sich nicht in Andere einfühlen kann.

    Wer kann sich nicht Vorstellen, das sein Leben unter bestimmten aus der Bahn gerät.
    Scheidung oder der Todes eines echt geliebten Menschen.
    Missachtung (Kränkung, Trennung) des Partners, des Freundeskreises, des Arbeitgebers, der Arbeitskollegen oder aber eine schwere eigene Krankheit oder die eines Angehörigen kann in Lebenskrisen führen.

    Mir auch klar, dass es Faulpelze in gibt, aber die müssen eben mit ca. 400 EUR im Monat plus Miete auskommen. Die gab es aber auch vor Hartz IV.

    Hartz IV bedeutet aber auch, dass man x Termine bei der Arbeitsvermittlung wahrnehmen muss, etliche Bewerbungen pro Monat nachweisen muss und seine komplette finanzielle Lage offen legen muss. Wie verlockend?

  73. 73

    @Darkstalker: Jaja, schon gut mit den ausführlichen Ausführungen. Was für ein sozialdarwinistischer Dreck. Sie wären auch bei Lenin gut aufgehoben: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Nur dass die Realsozialisten wenigstens allen die “Chance” (so drückt man das doch heute euphemistisch aus, oder?) gegeben haben zu arbeiten.

    @jumper: Mir wär’s eindeutig lieber, wenn Leute mit widerlichen Gedanken wenigstens die Klappe hielten.

  74. 74

    Eingeschult 1964 Goetheschule Kiel. Lateinische Schrift. In der dritten Klasse (1966) zusätzlich Sütterlin. Benutz ich heute noch manchmal zum Spaß und damit es nicht ganz verloren geht.

    Dann weiß ich ja, was meine Rechte sind, wenn ich mal in den Knast komme. Kann hierzulande ja schneller passieren als Jürgen Rüttgers “rechtsfreier Raum” sagen kann.

  75. 75

    @john: Wenn du damit anfängst, kannst du auch gleich den Anfang von Schillers “Bürgschaft” als One-Time-Pad benutzen oder sowas. Womit wir wieder bei Geheimschriften wären.
    Aber Klingonisch oder Elbisch sollte eigentlich klar gehen, oder? Wenn nicht, dann vielleicht irgend so eine Pseudo-Weltsprache, die von noch weniger Leuten gesprochen wird als Esperanto…
    Ich hab’ mir auch sagen lassen, daß Kenntnisse in Gälisch, Bantu oder Xhosa nicht verkehrt sind, solange der Adressat sich ebenfalls die Mühe gemacht hat, es zu lernen.
    Oder man übermittelt eine (vorher abgesprochene) Nachricht durch Wahl der Schrift. Etwa “Wenn ich in Schreibschrift schreibe, versenkst du die Tatwaffe im Fluss, wenn ich in Druckschrift schreibe, vergräbst du sie im Wald, und wenn ich in Fraktur schreibe machst du was du willst und gehst dann schleunigst stiften…”

  76. 76

    Ich empfehle fürs nächste Mal Deutsche Einheitskurzschrift (Stenografie). Ist leichter zu schreiben (vermute ich mal; ich kann Steno, aber kein Sütterlin), trotzdem lernen es immer weniger. Und man braucht weniger Papier. ;-)

    Gruß, Frosch

  77. 77

    @Sabine Meiner Meinung nach macht Steno mit einer Sprache so ungefähr das, was ein Fleischwolf mit Gammelfleisch macht.
    Filosofi! Brrrrr.
    Nützlich ist es aber allemal.

  78. 78
  79. 79

    Den ganzen Vorfall finde ich extrem “Deutsch”…
    Wir belasten uns selbst mit Kosten, um gegen unsere eigene (wenn auch veraltete) Schrift bzw. einen Häftling zu klagen, der sie benutzt. Obskur.

    Wann hören wir damit auf, uns gegen die “Geschichte” zu wehren ?

    Interessant wäre zu wissen, ob der Vollzugsbeamte jetzt einen Lesekurs in Sütterlin erhält, den wir bezahlen dürfen ?

    Oh Angie… mach doch was.

  80. 80

    @Darkstalker:

    Sie zahlen Steuern – hurra. Sie tun ja gerade so als täten sie das aus reiner Barmherzigkeit. Es ist ihre gottverdammte Pflicht, also schön den Ball flach halten.

    Nein. Steuerzahlen ist keine “Pflicht” – Pflicht beinhaltet eine moralische Komponente, lesen Sie mal die Bedeutung des Wortes nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Pflicht

    Pflicht [...] ist zunächst das, was jemand aus moralischen Gründen tun muss, daneben wird als Pflicht aber auch das bezeichnet, was von einer als berechtigt angenommenen Autorität von jemandem gefordert wird.

    Es gibt weder eine moralische Pflicht Steuern zu bezahlen (da keine Schuld gegenüber dem Staat besteht) noch ist der Staat für jeden automatisch eine als berechtigt angenommene Autorität – man kann das tun, wenn man den Staat ganz toll findet, aber man kann nicht verlangen, dass andere das ebenso sehen.

    Tatsächlich handelt es sich bei Steuern um einen Zwang, keine Pflicht, der notfalls mit Gewalt durchgesetzt wird. Man zahlt also Steuern, weil die Jungs vom Finanzamt (bzw. deren Helfer) die dickeren Wummen haben. In Gegenden, in denen die Jungs von der Mafia die dickeren Wummen haben, zahlt man Schutzgeld…

  81. 81

    Pflicht im Sinne von Verpflichtung im Sinne von “es besteht ein Anspruch gegen den Steuerpflichtigen”. Da kommt man auch mit besseren Definitionen nicht drum rum (Mal abgesehen davon, dass wikipedia als Quelle nicht sehr solide ist).
    Das EStG ist geltendes Recht. Wer das nicht möchte, dem steht es frei, nach Sizilien auszuwandern und dort Schutzgeld zu bezahlen. Ob man das jetzt Pflicht oder anders nennt, ändert doch nichts am Charakter der Sache. Aber man kann sich natürlich toll an der Formulierung aufhängen, wenn man in der Sache kein gutes Argument findet :)

    Fazit: Wer hier lebt und Einkommen hat, den trifft (ggf.) die Einkommenssteuerpflicht. Wer nicht mag, kann sich gern zwingen lassen oder da hin gehen, wo man ihn in Ruhe lässt. Aber hier bleiben, nicht zahlen und dann auch noch meckern? Das ist keine Option.

    Man kann unser derzeitiges Steuerrecht gut oder schlecht finden, ich finde es zum Beispiel furchtbar. Aber solange es so ist, bleiben mir nur die legalen Wege, etwas dagegen zu tun. Also, die richtige Partei zu wählen, im Rahmen der Gesetze meine Steuerschuld so gering wie möglich zu halten (Werbungskosten, Betriebsausgaben, etc.) und damit zu leben.

    Oder man kann natürlich in Blogs darüber meckern – davon wird es allerdings auch nicht besser :o)

  82. 82

    @Darkstalker:

    [hot air deleted]

    >Gehen/Fahren sie auf Straßen und Fußwegen?

    ja, hab ich als Anwohner teilweise bezahlt -> NICHT STEUERFINANZIERT

    >Nutzen sie gar noch einen gemeindlichen Kindergarten

    ja, kostet mich einen Arschvoll Gebühren -> NICHT STEUERFINANZIERT

    >Wie ist es mit dem Brauchwasser aus ihrem Wasserhahn, das sicherlich in einem Klärwerk in der Nähe wieder nutzbar gemacht wurde…

    ja, dafür zahle ich Abwasser-Gebühren -> NICHT STEUERFINANZIERT

    >Und sei es nur der Wald, durch den sie ab und zu joggen, den unterhält im Zweifelsfall das (staatliche) Forstamt.

    nö, die meisten Wälder sind im Privatbesitz -> NICHT STEUERFINANZIERT

    >´nuff said.

    das Einzige, bei dem ich zustimme – bis Sie ein bisschen mehr Ahnung von diesem Land haben

  83. 83

    Mir leuchtet der Sinn nicht ein, dass die Briefe überhaupt von den Wärtern gelesen werden. Mit Sicherheit kann man auch bei normaler Schrift Geheimbotschaften verstecken, die ein Uneingeweihter nicht erkennen kann (Steganografie).

  84. 84

    Ich finde auch, die Briefe sollten wenigsten von einer unabhängigen Person gelesen werden, auch wenn diese dank Anschrift und Inhalt die Identität von Absender und Empfänger nicht verborgen bleibt. Dass das Personal, das unmittelbar mit den Gefangen zu tun hat, so intimste Gedanken erfährt, die es nichts angeht, oder der Gefangene diese auf Jahre oder gar Jahrzehnte unterdrücken muss, empfinde ich als menschenunwürdig.

    Wenn die Wärter schon kein Sütterlin entziffern können, würden sie wirkliche kryptografische Tricks sowie nicht bemerken. Ich halte das ganze für Schikane, um die Gefangenen zusätzlich zu demütigen.

Kommentieren:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Erlaubte HTML-Tags: <b>, <i>, <strike> und <blockquote>.