16.11.2009

Postbank mit Ansätzen zur Selbstkritik

Die Postbank hat auf mein Schreiben geantwortet. Absender ist die Abteilung “Zentraler Datenschutz”.

Leider enthält das Schreiben keine Angaben, ob und in welchem Umfang meine Kontodaten an die Postbank Finanzberatung AG oder gar deren selbständige Finanzberater weitergegeben wurden. Da ich bei der Postbank nur eine Art Nebenkonto führe und sich der Einblick in meine finanziellen Verhältnisse somit in Grenzen hält, will ich jetzt mal weiter nicht darauf herumreiten.

Ansonsten ist die Auskunft aber recht interessant. Die Postbank hat sich offensichtlich über die Rechtslage informiert und kommt nun zu dem Ergebnis, das Datenschutzgesetz sehe jede einzelne juristische oder natürliche Person als eigenständigen Adressaten an. Auf ein “Konzernprivileg”, gesteht die Bank nun ein, habe der Gesetzgeber bewusst verzichtet.

Anfangs hatte die Postbank noch darauf verwiesen, ihre Vermögensberatung sei zwar eine eigenständige Firma, aber eben Teil des Postbankkonzerns. An einen Konzernteil dürften Kundendaten jedoch weitergegeben werden.

Davon ist nun nicht mehr die Rede:

Die Übermittlung personenbezogener Daten von einem Unternehmen an ein anderes Unternehmen eines Konzerns (auch) für deren Zwecke setzt somit immer voraus, dass … der Betroffene … vorher eingewilligt hat.

Insofern entschuldigt sich die Postbank für die “entstandenen Unannehmlichkeiten”. Es sei nun in meinen Unterlagen ausdrücklich vermerkt, dass ich keine Weitergabe meiner Daten wünsche.

28 Kommentare zu “Postbank mit Ansätzen zur Selbstkritik”

  1. spYro meint: (16.11.2009 um 17:50) AntwortenReply to this comment

    Heißt das, ich sollte denen jetzt auch schnell schreiben, damit die auch in meinen Unterlagen ausdrücklich vermerken, "dass ich keine Weitergabe meiner Daten wünsche" ?
    Nee, nee, nee….

  2. Storax meint: (16.11.2009 um 18:10) AntwortenReply to this comment

    Es sei nun in meinen Unterlagen ausdrücklich vermerkt, dass ich keine Weitergabe meiner Daten wünsche.
    Muss jetzt jeder schreiben, dass sie genau das tun. Sonst ist es erlaubt, oder wie. :kopfschüttel:

  3. S. meint: (16.11.2009 um 18:13) AntwortenReply to this comment

    Schreiben klingt genauso, wie jenes, das ich bekommen habe. Enthalten war der schöne Satz (nicht wörtlich): Die Daten entsprechen jenen Ihrer Kontoauszüge…

  4. No_RA meint: (16.11.2009 um 18:22) AntwortenReply to this comment

    Und wie verhält sich der normale Verbraucher?

    Fall es weder RA ist, noch einen im sozialen Umfeld hat und kein Geld/Lust einen zu beauftragen?

  5. Jan meint: (16.11.2009 um 18:30) AntwortenReply to this comment

    In dem Schreiben an die Postbank hieß es

    Ich erwarte keine schwammigen Angaben, sondern fordere Sie auf, konkret zu benennen, welcher “Finanzberater” oder sonstige Dritte wann welche Daten (Umsätze, Kontostände etc.) zu meiner Bankverbindung abgefragt bzw. auf sonstige Weise erhalten hat.

    Jetzt bin ich aber enttäuscht, dass auf die offenbar "schwammige" Antwort doch nichts folgt…

  6. Marius meint: (16.11.2009 um 18:33) AntwortenReply to this comment

    Wie Jan schon gesagt hat, eigentlich wäre es jetzt doch an der Zeit mal ein wenig Druck zu machen, dass die Postbank die Fragen die gestellt wurden, auch beantwortet. Wenn sich jeder mit dieser Standardantwort zufrieden gibt haben wir nichts gewonnen..

  7. grisu meint: (16.11.2009 um 18:39) AntwortenReply to this comment

    [...] will ich jetzt mal weiter nicht darauf herumreiten.

    Warum kümmern sich viele Behörden, Konzerne und wasweisichwernochalles nicht im Geringsten um den Datenschutz?

    Weil es für sie sowieso keine Folgen hat. (Außer Porto und nette Kaffeegespräche in der Rechtsabteilung.)

    Nicht einmal bei Udo Vetter.

    Schade.

  8. Alex meint: (16.11.2009 um 18:47) AntwortenReply to this comment

    will ich jetzt mal weiter nicht darauf herumreiten.

    Lag da etwa ein Tankgutschein bei? Warum dieser Rückzieher? Traurig, auf UV braucht man nicht setzen. Jeder ist ein Einzelkämpfer.

  9. wollecarlos meint: (16.11.2009 um 18:57) AntwortenReply to this comment

    Schade, lieber Herr Vetter!

    "somit in Grenzen hält, will ich jetzt mal weiter nicht darauf herumreiten."

    "Recht" machen Sie damit zu einer quantitativen und nicht mehr qualitativen Sache.

    Wie gesagt: Schade, lieber Herr Vetter!

  10. Thomas meint: (16.11.2009 um 18:57) AntwortenReply to this comment

    Es sei nun in meinen Unterlagen ausdrücklich vermerkt, dass ich keine Weitergabe meiner Daten wünsche.

    Das erinnert an den Witz:

    - Herr Ober, ein Bier bitte, in einem sauberen Glas.
    - So meine Herren, wer von Ihnen bekommt das saubere Glas?

  11. Frank Sommer meint: (16.11.2009 um 19:05) AntwortenReply to this comment

    @einige,

    wahrscheinlich hat unser Protagonist lukrativere Fälle als Vetter ./. Postbank. Ich glaube die beiden kennen sich eh schon. Und mit "sich selbst vertreten" verdient man kein Geld wenn man den Schaden nicht beziffern kann.

    Und solange für uns Leser der Eintritt beim lawblog kostenfrei ist haben wir leider keinen Anspruch auf Unterhaltung.

  12. SagIchNicht meint: (16.11.2009 um 19:11) AntwortenReply to this comment

    da zahlt sich´s aus, das "man" Anwalt ist. ;)

  13. Jumper meint: (16.11.2009 um 19:20) AntwortenReply to this comment

    Regelungen über die Datenweitergabe/Datenübermittlung an Dritte (hier Tochterunternehmen) waren der Postbank natürlich nicht bekannt!

    P.S Hat die Postbank ihren Fehler nur bei U.V. korrigiert oder achte man die Datenschutzbestimmungen jetzt bei allen Kunden?

  14. wayne meint: (16.11.2009 um 19:27) AntwortenReply to this comment

    eine niederlage als sieg feiern… naja =/

  15. Knox meint: (16.11.2009 um 19:41) AntwortenReply to this comment

    tja, Meine Kündingung (am 6.11. via Einschreiben) wird scheinbar gepflegt ignoriert…

  16. Momo meint: (16.11.2009 um 19:43) AntwortenReply to this comment

    Aus Sicht eines datenschutzbewussten Bürgers bin ich natürlich enttäuscht. Aber als Informatiker kann ich verstehen, dass man auch irgendwann mal Feierabend haben will.

    Auf der anderen Seite investiere ich auch gerne mal vier-fünf Stündchen die Woche in die Pflege meines privaten Heimnetzes und nach der Sache mit dem "kostenlosen" Geldabheben in Thailand hatte ich das Gefühl, ein Udo Vetter investiert auch gerne mal vier-fünf Stündchen die Woche in die Pflege seiner Rechte. ;)

    Naja, vielleicht regt sich der datenschutzbewusste Bürger in mir nur gerade darüber auf, wie leicht die Postbank mal wieder davon gekommen ist. Was mich dran erinnert, dass ich der GEZ mal wieder schreiben sollte…

  17. pfanni meint: (16.11.2009 um 19:56) AntwortenReply to this comment

    Dasselbe Schreiben bekam ich letzte Woche zusammen mit einem Ausdruck meiner Stammdaten und einer Entschuldigung wegen der nicht fristgemaessen Antwort(!). Kein Wort zu eventuellen tatsaechlichen Weitergaben.

  18. fernetpunker meint: (16.11.2009 um 20:23) AntwortenReply to this comment

    Selbstkritik würde ich das nicht nennen, eher schadenbegrenzende Besänftigung. Scheint auch zu funktionieren. Wird schon niemand auf Auskunft klagen, hehe.

  19. x meint: (16.11.2009 um 22:19) AntwortenReply to this comment

    "Es sei nun in meinen Unterlagen ausdrücklich vermerkt, dass ich keine Weitergabe meiner Daten wünsche."

    Ich arbeite als Student auch im Callcenter einer Bank. Sowas erzähle ich meinen Kunden auch immer, damit sie endlich Ruhe geben. Dann schreibe ich halt einen Vermerk in die Kundendatei – nur interessieren tut das in der Praxis kein Schwein ;-)

  20. N meint: (16.11.2009 um 22:20) AntwortenReply to this comment

    Also mir schrieb man nur, das man wg der vielen Anfragen noch Zeit zur Beantwortung braucht. Schade wenn die Antwort so oberflächlich ist. Ich werde dann nachfragen. Schliesslich hätte man mir den "Serienbrief" auch so direkt senden können.

  21. Süffisant meint: (17.11.2009 um 02:32) AntwortenReply to this comment

    Die Worte "zentral" und "Datenschutz" passen etwa so gut zusammen wie "Rente" und "sicher".

  22. bernhard meint: (17.11.2009 um 10:30) AntwortenReply to this comment

    ich weiss nicht, ob die postbank sich sooo intensive gedanken zur rechtslage gemacht hat.
    mir kommt spontan § 11 BDSG in den sinn: auftragsdatenverarbeitung. da braucht es eigentlich keine einwilligung.

  23. Peter meint: (17.11.2009 um 10:30) AntwortenReply to this comment

    als jemand der sich mit IT-Prozessen auskennt:
    das wird rein praktisch zu 99% nicht funktionieren! Warum?
    Da man sich der rechtl. Problematik nicht bewußt war, als man die System vernetzt hat, wurde auch kein "Daten nicht Weitergeben"-Flag eingebaut. Und Maschinen können nur solche Informationen verarbeiten. Wenn da ein Mitarbeiter im Freitext-Feld des Kunden einträgt "die Kundendaten ja nicht an xyz weitergeben" interessiert das die beteiligten Maschinen einen D…, denn die können nicht lesen :-)
    Und bis die Systeme umgebaut/angepaßt sind, das dauert …

  24. Marc meint: (17.11.2009 um 13:02) AntwortenReply to this comment

    @23:

    oh, das habe ich aber ganz anders erfahren. – 2 mal – Nach Beschwerden bzw. Klagedrohungen wurden Hotfix gebaut. innerhalb eines Tages. dann erste Version, zweite usw.

    und die Sachen wurden auf Vorstandsebene besprochen.

    Mfg Marc

  25. Carola meint: (17.11.2009 um 13:13) AntwortenReply to this comment

    " Es sei nun in meinen Unterlagen ausdrücklich vermerkt, dass ich keine Weitergabe meiner Daten wünsche."

    Und ? Denken Sie, die Postbank nimmt ihren Wunsch jetzt ernst ? So zu Weihnachten ? Mal dem RA Vetter einen Wunsch erfüllen ?

    Das Schreiben dieser "Bank" ist doch das Papier nicht wert..

    Das schreit doch nach einem Präzedenzfall ? Oder geben sie sich mit diesen lumpigen Textbausteinen etwa zufrieden ?
    Ich plädiere auf Nachtschicht für den RA Vetter !!

  26. M aus B meint: (17.11.2009 um 14:46) AntwortenReply to this comment

    in meinem antwortschreiben wird die datenweitergabe damit gerechtfertigt, dass die daten ja nur innerhalb des unternehmens weitergegeben worden sind.

    ich denke meine kündigung kratzt dort nicht wirklich jemanden.

  27. Peter meint: (17.11.2009 um 17:00) AntwortenReply to this comment

    @24: Klageandrohungen laufen hier jeden Tag ca. 1500 auf, davon ist bei uns noch nicht mal die Putzfrau beeindruckt.
    Der "Hotfix" heißt "Schnittstelle anhalten". Und der Vorstand rechnet: was kostet die stehende Schnittstelle am Tag, was kostet der Umbau und was kostet ein Vergleich. Ob und wann etwas passiert, hängt massgeblich von diesen Werten ab.
    Ab einer gewissen Unternehmensgröße kann man es sich leisten, Gesetze nicht zu beachten. Habe ich regelmäßig erlebt :-)

  28. peter meint: (17.11.2009 um 17:59) AntwortenReply to this comment

    @26: kündigen Sie ruhig, das ist ok. Wenn Sie Durchschnitt sind, stehen Sie in 6 Jahren wieder bei uns an :-)

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