Noch mal Bewährung

Zu früh auf der sicheren Seite gewähnt hat sich heute morgen eine Staatsanwältin. Sie war meinem betagten Mandanten ins Wort gefallen, als er vor Gericht erzählte, welch gutes Verhältnis er zu seinen Kindern hat. Insbesondere zu seiner Tochter.

“Hoffen wir, dass Ihre Tochter Sie demnächst auch besucht, wenn Sie drinne sind.”

Nach Knast sah es auch geraume Zeit aus. Denn mein Mandant war nun schon das siebte Mal erwischt worden, wie er ohne Führerschein Auto gefahren ist. Die neueste Fahrt hat er ausgerechnet noch während laufender Bewährung gemacht. Auch wenn er mit der Justiz bisher nur wegen seines Hangs zum Autofahren Ärger hatte, war die Geduld der Strafrichterin dadurch natürlich schon extrem strapaziert.

Wir brachten wirklich alles vor, was die Tat in milderem Licht erscheinen lässt. Der Anklagevertreterin erschien die Beweisaufnahme sichtlich zu lang. Und insbesondere mein Plädoyer. Sie rollte mehrmals mit den Augen, als ich wirklich auch noch das pieseligste Argument brachte, welches für meinen Mandanten sprach. Allerdings war es offensichtlich kein Fehler, etwas weiter auszuholen. Das Gesamtbild, so formulierte es die Richterin später, reichte nämlich, um ihr Herz zu erweichen. Es gab zwar die unausweichliche Freiheitsstrafe. Aber halt auch noch mal Bewährung.

Zu einem Rechtmittelverzicht war die sichtlich erfreute Anklagevertreterin nicht bereit. Gut möglich also, dass sie Berufung einlegt und wir demnächst noch mal am Landgericht kämpfen dürfen. Aber wenn bis dahin nicht noch ein neuer Fall dazu kommt, dürfte auch noch die dann beachtliche Zeit zwischen Tat und Urteil als weiteres Argument hinzu kommen.

Sofern allerdings noch was passiert, ist der Ofen aus. Aber wer weiß – hatte ich das nicht innerlich auch schon für den heutigen Prozess gedacht?

  • hansdampf

    Sehe ich das richtig dass diesmal sogar Sie bei einer Haftstrafe nicht wieder lautstark “Willkürstaat” geschrien und sich ausgeheult hätten?

  • me my self an i

    [ironie an] – Super
    Nach Gott sei dank, jetzt hat er ja schon fast die 12 Praxisdoppelstunden für den Füherschein zusammen. [ironie aus]
    Hoffentlich überfährt er keinen…

  • Horst

    Wenn ich Krimineller wäre, würde ich vorher nach Düsseldorf ziehen. Einen guten Anwalt wüsste ich ja :)

  • http://www.akte-abmahnung.de Akte

    Zu 2.: Da steht nirgends, dass er nie einen Führerschein besaß, sondern “wie er ohne Führerschein Auto gefahren” ist. Es soll ja Fälle geben, wo Leuten die Fahrerlaubnis entzogen wird. Das beudet aber nicht, dass sie nicht in der Lage sind, dennoch ein Fahrzeug richtig zu bedienen.

  • Olav

    … bis er wirklich jemanden über den Haufen fährt. Dann ist das Geschrei groß.

  • Olli

    @Akte:

    Doch sonst hätten sie ihn nicht verloren.

  • Moritz

    7x erwischt, wie oft er tatsächlich gefahren ist, möchte ich lieber nicht vermuten. Ihr Mandant verdient Gefängnis.

    Wenn es nicht völliges Bewährungsversagen ist, in der Bewährungszeit denselben Mist wieder zu veranstalten, dann weiß ich nicht.

    Hat hier irgendjemand Zweifel, dass der Mann zur Zeit munter weiterfährt?

    @Akte: Exakt das bedeutet es. Diese Personen sind nicht in der Lage, ein Fahrzeug richtig – nämlich im Einklang mit den Verkehrsregeln – zu bedienen.

  • anonym

    Selbst wenn er nie einen Führerschein hatte, bedeutet das ja keinerlei Urteil über seine Fahrkünste. Ich als notorischer Nichtautofahrer mißtraue eher den Leuten mit Führerschein (nicht allen natürlich). Wer keinen Führerschein hat, muß sich doch etwas anstrengen, um nicht aufzufallen.

    Aber was in diesem Land alles legal hinter dem Steuer sitzt und wie ein Steinzeitmensch fährt, das finde ich wirklich bedenklich. Und viele Sanktionen müssen diese (legalen) Möchtegern-Autofahrer auch nicht befürchten. Ich würde mir öfter wünschen, daß man den schlimmsten von ihnen mal längere Zeit ihre Papiere wegnimmt, ein Jahr oder zwei oder (bei manchen) für immer. Doch da passiert nichts in diesem Autofahrerstaat.

  • trollgabel

    Ja, in Deutschland sollte es für Trolle auch mal Bewährungsstrafen geben; oder am besten gleich Gefängnis.

  • Torsten

    Wie fällt man der Polizei so oft auf? Achtet er auf die Blitzwarner-Meldungen im Radio und fährt dann gezielt dort zu schnell?

  • Kinch

    @10: Ich schätze mal, er fährt nicht ohne Grund ohne Führerschein.

  • noX

    Und der Angeklagte ist anschliessend mit dem Auto nach Hause gefahren?

  • x

    Dann wirds ja nicht lange bis zum achten mal dauern.

    Ich hab für das Urteil kein Verständnis sofern da nicht irgendein Leben oder Tod Ernstfall war.

  • Don

    Neulich stand ja etwas ähnliches hier: http://www.volksblatt.li/Default.aspx?newsid=92686&src=sda&cat=Leben 40 Jahre Unfallfrei ohne Führerschein gefahren und dann 12 Jahre in den Knast als 64jähriger.

    Irgednwie zeigt das doch auch, dass es nur ums Geld machen geht. Wenn die Prüfung 50€ kosten würde und man sie OHNE vorherige Pflichtstunden machen könnte wär er sicherlich mal da hin gegangen und hätte sich den Wisch geholt.

    Wenn man heute aber erstmal 2000€ zahlen muss um am Ende etwas zu bestätigen, was man schon seit XX jahren weis, dann kann ich das verstehen.

    Naja …

  • Nietnagel

    Na gut, jetzt wird er bestimmt nicht mehr Auto fahren. Er hat bestimmt aus seiner Tat gelernt und wird jetzt immer Fahrrad fahren. Hoffentlich viel Spaß vorm Landgericht.

  • 5zjunge

    Zusammengefaßt (für Staatsanwältin und LG-Richter): Das Urteil ist unerwartet milde und sollte in der nächsten Instanz nochmal überprüft werden. (?)

  • FS

    @Olav:

    AHA!

    Und wenn er einen FS hat und über den Haufen fährt, ist es okay?

    Meinen Sie ernsthaft, das ist dem Opfer egal?

  • http://www.twitter.com/stimmviech stimmviech

    Sorgen würde ich mir nur machen, wenn Herr Vetter twitterte: Gerade von Mandanten nach erfolgreich verlaufenem Führerscheinverfahren nach Hause gefahren worden…

  • http://fernetpunker.wordpress.com fernetpunker

    Wie kann man auf Bewährung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden? Bizarr. Müsste nicht die erste Bewährungsstrafe automatisch widerrufen werden, wenn wieder verurteilt wird?

    @anonym: Ein ähnliches argumentatives Gesülze erwarte ich von Herrn Vetter in der Verhandlung abgesondert zu haben.

  • Guido

    zu 10 wie fällt man der Polizei [so oft] auf eine kleine Anekdote. Mein Vater fuhr letztes Jahr vom Nachbarsort nach Hause. Vor dem Ortsausgang stellt er fest, dass ihm ein Streifenwagen folgt. Daraufhin fährt er besonders ordentlich. Nach einem Kreisel und mehreren Tempolimits hält ihn die Polizei an. Auf seine Frage was das solle, er hätte doch nichts getan meinte dann der Polizist “Naja, sie sind nicht mal zu schnell gefahren, das fällt halt schon auf.”

    Was soll man da noch sagen :-D

  • roland

    @ torsten (10): Na ja, ich weiß von einem ähnlichen Fall. Plattes Land, Führerschein weg wegen Suff. Fährt dann halt weiterhin, weil er anders nirgends hinkommt, und auf dem Land braucht er dann ja gar nicht besonders auffällig zu fahren, die Landpolizei kennt halt ihre Leute und deren Autos.
    Kann aber natürlich durchaus auch so sein, daß er einfach penetrant unfähig fährt.

    @guido (20): Kenn ich – wer nachts in Bayern im Ort 50 und in der 30-Zone 30 fährt, weil ein Polizeiauto hinter einem ist, wird ziemlich schnell angehalten und auf Alkohol kontrolliert. Offensichtlich reicht das Einhalten der Verkehrsvorschriften als Anfangsverdacht, und daß jemand in den Rückspiegel schaut ist unvorstellbar.

  • Thomas

    - “Angeklagter, Sie wurden nun schon sieben Mal ohne Führerschein erwischt! Was bringt Sie zu der Annahme, diesmal wieder mit Bewährung davonzukommen?”
    – “Die ersten sechs Mal.”

  • Tobi

    Ich möchte nicht sein Anwalt gewesen sein, wenn dieser tolle Mandant, mal doch wieder mit dem Auto in ein Schulgebiet fährt, weil 7x mal erwischt zu werden… Respekt. Wurde noch nie angehalten, also muss die Fahrweise schon zu wünschen übrig gelassen haben bei Ihrem Mandanten.

    Aber das ist alles Nebensache, wenn man den Angehörigen erklären muss, was mit Ihren Familienmitgliedern passiert ist…

  • Martin_mb

    Warst Du bei jedem der sieben Male sein Anwalt?

    Also ich käme mir dann irgendwann verarscht vor, Geld hin oder her, bzw. ich würde langsam mal vermuten, daß der Mann irgendwie krank ist. (Oder hebst Du Dir das Argument für die achte Runde auf?)

    @ Wie man der Polizei auffällt

    Es soll vorkommen, daß Polizisten durch die Gegend cruisen und dabei lustig ihre Datenbanken abfragen, ob gegen den Halter des Wagens da vor ihnen schon mal was vorlag. Wenn nicht fährt der Mann weiter, ohne was zu ahnen, wenn doch, wird halt mal kontrolliert, vielleicht findet sich ja was.

    Mit dieser Taktik erklärt sich auch, warum die Polizei teilweise mit traumwandlerischer Sicherheit die Jungs und Mädels mit den Joints an Bord rauszieht. Das liegt an deren Vorauswahl mittels Datenbanken, nicht daran, daß Polizisten Gedanken lesen können (“Ich seh es Dir an der Nasenspitze an.”), auch wenn sie natürlich der leichtgläubigen Jugend gerne sowas weismachen.

  • Intergalaktischer Held

    anonym: Immerhin ist er 7x erwischt worden. Das allein spricht schon gegen seine Fahrkünste. So oft werden andere in ihrem ganzen Leben nicht kontrolliert und die halten sich ganz gewiss nicht notorisch an alle Regeln und Limits. Sie wollen also, dass man mehr Leuten den Führerschein wegnimmt? Gut, dann fahren noch mehr Leute ohne Führerschein herum und Sie fühlen sich sicherer, weil ihnen ja nur die Autofahrer mit Führerschein Sorgen machen, richtig?

    Die Berufung kann sie sich eigentlich sparen. Denn ich glaube, der gute Herr wird noch vor dem nächsten Termin wieder erwischt. Die meisten notorischen Verkehrssünder mangelt es völlig an aufrichtiger Einsicht und brauchen eine Therapie. Bestrafen bringt nicht wirklich etwas, denn das sorgt nur sehr temporär für Angst vor dem Erwischtwerden. Zu einer Therapie zwingen kann man natürlich auch nicht, denn letztlich muss der Betroffene an sich arbeiten und nicht der Therapeut. Nichtsdestotrotz fände ich es sinnvoller, ihn erst einmal zu einer Therapie zu verdonnern, als in den Knast zu stecken, denn Freiheitsstrafe ist immer nur ein Eingeständnis der Ohnmacht, aber keine Lösung. Eine Bewährungsstrafe beim 7. Mal empfinde ich aber als lächerlich und jeder Angeklagte insgeheim sicherlich auch. Was ändert das denn? Vor einer Strafe musste er sich auch vorher fürchten. Jetzt wurde ihm gerade zu antrainiert, dass er immer wieder davon kommt. Vermutlich hat er nach ein paar Mal darüber schlafen, weniger Angst als bei der ersten illegalen Fahrt.

    Wer heutzutage Auto und Treibstoff bezahlen kann, der kann sich auch einen Führerschein leisten. Wenn man das angeblich sowieso schon kann, dann geht das auch ratzfatz. Falls es doch länger dauert, waren die Fahrkünste wohl doch nicht so StVO-tauglich.

    Nicht dass ich das Three-Strikes-Law für sinnvoll erachte, aber ganz dumm ist es vom Prinzip her auch wieder nicht. Wers beim dritten Mal nicht kapiert, der braucht eben eine Sonderbehandlung und kein falsches Mitleid. So machen sich die Gerichte doch nur lächerlich und verplempern immer wieder knappe Resourcen an die gleichen Pappenheimer.

    Tobi: Lassen Sie doch mal die Defa-Kinder aus dem Spiel. Auch als Erwachsener – aus Ihrer Sicht also Abschaum – verbringe ich meine Zeit lieber außerhalb von Krankenhäusern und Friedhöfen.

    RA JM: Mutmaßlich hat sie sogar “wennse drinne sind” gesagt.

  • http://ra-melchior.blog.de/ RA JM

    Hat sie wirklich “drinne” gesagt?

  • Selle

    Tja, solche Mandaten muss man pflegen, die bringen die nicht vorhandenen Kinder durchs College.

  • anonym

    @ Intergalaktischer Held
    Sie wissen doch überhaupt nicht, in welchem Zeitraum er erwischt wurde. Eins wissen wir: Der Betreffende ist relativ alt. Ist er siebenmal in fünf Jahren erwischt worden? Oder in siebzig Jahren?

    Ich habe lediglich zum Ausdruck gebracht, daß in diesem Land die DEPPEN von Autofahrern, die MIT Papieren herumfahren dürfen, für mich das Problem darstellen, nicht die mit Sicherheit relativ wenigen Fahrer ohne Führerschein. (Über letztere wissen wir ja auch wenig, sie werden nirgends erfaßt sein.)

  • Selle

    @anonym:

    Es beschleicht mich der Verdacht, dass Menschen, die Angst vor Menschen mit Führerscheinen haben, repräsentativ sein könnten für diejenigen, die in diesem Blog ihrer Omni-Paranoia frönen…

  • MaxiMegalon

    also ich werde lieber von fs-besitzern überfahren….
    dann zahlt -wenn ich nur ein wenig restglück habe- deren haftplicht.
    ohne fs zahlt nur einer; aber da der noch nicht mal fs hat, liegt die vermutung nahe, er hat auch kein geld.

    vielleicht kann sich da nächste opfer von “mandant” von u.v. kompensation erlangen.

    ps: herr vetter, bitte weisen sie ihren mandanten auf das erhebliche finanzielle risiko hin.

  • anonym

    Man staunt doch immer wieder neuerlich über das Expertentum, das sich in den Kommentaren breitmacht und das dem von Herrn Vetter ganz offenbar weit überlegen ist.

  • uffi

    @Don: ich gehe davon aus, dass die Verwechslung ‘Monate Jahre’ unbewusst geschehen ist ;)

    OnTopic: Hohe Geldstrafe bzw. Auflage war doch hoffentlich dabei, oder? Oder Sozialstunden (ich wiess, das ist wohl keine Maßnahme, die ausserhalb des Jugendstrafrecht Anwendung findet, was eigentlich schade ist) in einer Reha-Klinik für Unfallopfer wären doch auch mal was. Ansonsten hoffe ich, dass sie ihn das achte Mal schnappen bevor er einen Unfall baut und er dann wirklich mal die Konsequenzeseiner Handlungen auch wirklich erfahren darf. 2 Bewährungen zzgl. dritte Strafe, wie wird da eigentlich die Gesamtstrafe gebildet?

  • Asz

    Ich habe einen Führerschein – aber sollte ich in’s Auto steigen um zu fahren, müßte jemand schreien:
    ALLES VON DER STRASSE!!!

  • http://fernetpunker.blog.com fernetpunker

    @Offtopic

    Weiß eigentlich jemand, wie es Herrn Gravenreuth geht? Sitzt der denn jetzt wirklich ein, oder ist er schon wieder entlassen wegen guter Führung? Die Freiheitsstrafe gegen ihn wegen versuchten Betruges der taz war ja nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt worden.

  • mh ohja

    31. : Na das ist ja auch nicht wirklich schwierig.

  • M.

    Ich bin in meinem ganzen Leben einmal kontrolliert worden. Da war ich gerade 18 und die kontrollierende Polizeischülerin war meine Nachbarin. Das Auto war eine Acadyane. Das ist wahrscheinlich Anlass zur Kontrolle genug. In den 16 darauffolgenden Jahren bin ich nie wieder kontrolliert worden. Was muss man also machen, um innerhalb von ein paar Jahren siebenmal kontrolliert zu werden?

  • M.

    @MaxiMegalon: Es zahlt zunächst die Haftpflicht. Es ist schließlich das Fahrzeug und nicht der Fahrer versichert. Die Haftpflicht zahlt auch, wein DEin Hund sich den PKW schnappt und den Nachbarn überfährt. Wen die Haftpflicht nachher in Regress nimmt, ist ein anderes Thema.

  • http://www.news-shit.de NewsShit!

    Kam der Mandant eigentlich mit dem Pkw zur Verhandlung? Ich frag’ ja nur…

  • anonym

    @ NewsShit!
    Ja, mit einem Taxi. Er ist Taxifahrer …

  • Duddley

    @ 34 fernetpunker

    Jemand hat gesten unter seinem Account auf gulli.com was geschrieben.

    http://board.gulli.com/thread/1477532-digiprotect-rechtsanwalt-stadler-im-gespraech/

    Weiss man natuerlich nicht, ob er es selbst ist oder ein Avatar ;-)

    Ontopic:

    Ich faende es interessant zu erfahren, wieviel Unfaelle der betagte Herr denn hatte. Bei 0 faende ich das Urteil immer noch im Rahmen.

    Gruß Duddley

  • http://szenetrend.wordpress.com/ Raoul

    Bei den Preisen für einen Führerschein finde ich es eigentlich viel verwunderlicher, daß nicht mehr Leute ohne ihn fahren.

  • foxi

    Das ist doch ein klassischer Pyrrhus-Sieg. Der Mandant fährt weiter ohne FE, wird wieder erwischt und(endlich) zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt und der ganze Rattenschwanz von offenen Bewährungsstrafen wird widerrufen. Dann bekommt er aber einen anständigen Rucksack geschnürt.
    Die Alternative wäre, jetzt die gerechte Strafe zu verbüßen, lernen was Knast bedeutet und in Zukunft die Gesetze peinlichst genau zu beachten. Das soll schon bei manchen gewirkt haben.

  • MaxR

    Seltsam, daß jeder hier annimmt, daß einer, der keinen Führerschein hat, diesen verloren haben muß …

  • Verkehrspolizist

    Gratuliere Herr UV. Sie empfehlen sich mit Ihrem Erfolg sichtlich als Verteidiger hoffnungsloser Fälle. Haben sie sich schon in Fort Hood beworben?

    Hat es nicht versicherungstechnische Folgen, wenn jemand ohne Führerschein einen Unfall baut. Ich finde es ehrlich gesagt unglaublich, dass jemand UNBELEHRBARES immer noch mit einem blauen Auge davon kommt. Aber was will man von einer Justiz erwarten wo es Intensivtäter mit 100 Delikten und mehr gibt, die immer noch frei herumlaufen.

    Ich fände eine bindende Wiederholungstäterregel gut. Z.b. ab der dritten Straftat eine saftige Mindestrafe.

    Vielleicht bin ich auch der letzte, der glaubt, dass Strafe wirkt oder zumindest die Gesellschaft eine Zeit lang schützt.

  • Stefan B.

    @MaxR: Seltsam woraus Du das liest: ich habe jetzt noch einmal saemtliche 44 Kommentare kurz ueberflogen: Es waren ein paar dabei, die davon ausgingen, dass er nie eine FS hatte. Und dann waren ein paar, die meinten, das muss nicht notwendigerweise so sein (2 oder 3). Ich suche aber noch verzweifelt nach dem “jeden”, der annimmt, der Fahrer haette den FS verloren.

  • Daarin

    Also an alle die, die sich fragen wie er so oft auffallen konnte: Meine Mutter wird nie kontrolliert, aus prinzip nicht. Mein Bruder wird andauernd kontrolliert. Und das einzige was jemals zu einer Strafe geführt hat war falsches Parken. Nie zu schnell erwischt worden, nie irgend einen Unfug gemacht, schon gar nicht betrunken gefahren. Polizisten suchen sich die Leute die sie kontrollieren in der Regel nach der Wahrscheinlichkeit aus was zu finden, schätze ich. Aber ich finde das Urteil auch recht lasch. Was soll denn dabei raus kommen, wenn er nach sieben mal nicht endlich etwas spürbares als Strafe bekommt?

  • Cpt.Obvious

    Da sieht man mal wieder dass in Deutschland so einiges nicht richtig läuft. Der Sinn einer Bewährungsstrafe ist das der Verurteilte sich bewähren muss sollte der gegen die Auflagen verstoßen muss er verurteilt werden.
    Eine Person die sieben mal beim fahren ohne Führerschein erwischt wird sollte eingesperrt werden. So eine Person ist ganz einfach eine Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer. Warum man sich als Anwalt freut wenn man eine solche Person auf die restliche Bevölkerung “loslässt” ist mir ein echte Rätsel.

  • General Plausible

    Cpt.Obvious: Ich möchte hier nicht den Beruf Anwalt erklären, aber es ist nun einmal so, dass Richter entscheiden und Anwälte nur Argumente vortragen. Wenn hier jemand versagt hat, dann einmal die Staatsanwältin, die offensichtlich gegen den Autor abgelosed hat und dann die Richterin, die gerade ihren “sozialen” Tag hatte – oder was auch immer. Darüber hinaus ist natürlich auch der Gesetzgeber gefragt, der hier anscheinend zu lasche Vorgaben macht. Im Prinzip besteht hier sicherlich die Gefahr einer gewissen Willkür, da dem Richter zuviel Spielraum gelassen wird, der ausgenutzt werden kann. Ich meine zumindest, der Verteidiger ist der letzte dem man ein zu mildes Urteil ankreiden sollte. Im Zweifel heißt das schlichtweg, dass er der einzige der Verfahrensbeteiligten ist, der seinem Beruf gewissenhaft und kompetent nachgeht.

    Ärzte flicken ja auch Kinderschänder, Mörder, etc. wieder zusammen. Ohne hohe Ideale wird man in dererlei Berufen bestimmt nicht glücklich. Dann muss man eben etwas anderes machen.

  • Querdenker

    Wieso wird jetzt teilweise Herr Vetter für seine Argumentation kritisiert? Die Aufgabe eines Verteidigers ist es eben nicht, eine Verurteilung herbeizuführen, sondern diese im Sinne seines Mandanten – wenn möglich – zu vermeiden, bzw. wenigstens abzumildern. Was dann das Gericht, anhand dieser Argumentation beschließt, bleibt ihm überlassen.

  • Darkstalker

    Auch wenn´s nur “Krimskrams” ist – beim siebten Mal sollte spätestens mal Schluss sein mit Kuschelkurs…
    Bei Bewährungsversagen sollte grundsätzlich härter durchgegriffen werden. Nicht erst beim siebten Mal.

    Normal-Vorgehen beim “Fahren ohne”:

    Tat 1: § 153 StPO
    Tat 2: § 153a StPO (~Halbes Monatsgehalt)
    Tat 3: Anklage, Geldstrafe (~20-30 TS)
    Tat 4: Anklage, kurze Bewährungsstrafe (Bewährungszeit 2 Jahre)
    Tat 5: Anklage, kurzes Brummen
    Tat 6+: Anklage, jeweils mehr Strafe als bei der Verurteilung zuvor, aber sicherlich nicht nochmal Bewährung.

    (Und das ganze unter der Prämisse, dass man NICHT in offener Bewährung nochmal einschlägig Mist baut…)

    Das ganze jeweils in Verbindung mit Fahrverbot und ggf. isolierter Sperrfrist (Entzug der Fahrerlaubnis scheidet denknotwendigerweise natürlich aus – wie auch, ohne Fahrerlaubnis?).

    Man kann natürlich auch warten, bis er jemanden über den Haufen fährt…aber ob das so sinnvoll ist…

  • Cpt.Obvious

    Das der Anwalt den Job hat im Sinne es Angeklagten zu handeln ist mir klar. Aber ab einem bestimmten Punkt muss der Mensch der den Beruf des Anwaltes ausführt selbst nachdenken und fragen wie weit man gehen kann, in wie fern das moralisch noch vertretbar ist.
    Naja, ich habe eh eine ziemlich andere Vorstellung von dem was mit Verbrechern, bzw. Personen die eine Gefahr für die Allgemeinheit sind passieren sollte ;)

  • http://www.news-shit.de NewsShit!

    Interessant finde ich übrigens, “kein Führerschein” mit erhöhter Unfallgefahr gleichzusetzen. Ich schätze mal, die Anzahl derer, die trotz Fahrerlaubnis einen Unfall bauen, dürfte irgendwo im hohen 90%-Bereich liegen.

    Die großen Fragen bleiben natürlich im Raum stehen:
    1. Hat der Mandant die Erlaubnis verloren oder nie erlangt?
    2. Aus welchem Grund wurde er schon mehrmals erwischt? Hat er einen extrem verdächtigen Fahrstil?

  • Joe

    Die Frage ist doch eher: Wie kommt der Typ eigentlich an ein Kfz heran? Vielleicht sollte man da einfach mal ein bißchen was einziehen…

  • diddl

    Verteidigungsstrategie fürs achte Mal dürfte klar sein:

    Mandant kann nicht anders, Fahren ohne FE quasi eine Zwangshandlung, psychische Störung, Schuldunfähigkeit
    (die richtigen Fachbegriffe verwenden)

    dann gibts ein paar Therapiestunden oder vielleicht Schwimmen mit Delfinen (oder mit Stromberg “Behinderte Delfine kommen zur mir, um äh, mit mir zu schwimmen!”)

    oder so . . .

  • Debe

    Dass der Gesetzgeber vor die “Freude am Fahren” den Erwerb der Fahrerlaubnis gesetzt hat, lässt sich ja einfach mit Qualitätssicherung begründen: Jeder, der in den letzten 10 oder so Jahren seine Plastikkarte neu erhalten hat, muss vorher die Eignung zum Fahren nachgewiesen haben. Auch in den 80er und 90er Jahren galten schon vergleichbare Anforderungen an Kenntnis und Fahrtauglichkeit.

    Nachdem aber ein rüstiger Rentner meiner Freundin in einer 30 Zone aus einer Nebenstrasse hinten seitlich ins Auto gefahren ist (“Die war viel zu schnell, mindestens 80, ich konnte gar nicht mehr bremsen!”), bin ich umso mehr davon überzeugt, dass eine Auffrischung und eine kurze aber harte Nachprüfung nach vielleicht 20 Jahren Führerscheinbesitz für mehr Sicherheit sorgen würde als das Einbuchten eines einzelnen Dickkopfs. Der Alte zeigte stolz seine DIN-A6-Urkunde “35 Jahre unfallfreies Fahren – goldener Lorbeerkranz”, erst nach langem Kramen fand er in seinem Portemonnaie den Führerschein, etwas abgewetzt, aber noch mit klar erkennbarem Svastika-Stempel. Mit diesen Urkunden wollte er seine Unschuld belegen… unterschrieb dann aber trotz ausdrücklicher Belehrung den ihn als Verursacher ausweisenden Unfallbericht, ohne ihn durchzulesen. Wenn er mit seinem eigenen Auto hinfahren dürfte, würde der bestimmt auch an Kaffeefahrten teilnehmen *kotz*.

    Wie schon andere schrieben, kann der Angeklagte durchaus aufgrund eines auffälligen Automobils (“Den kennen wir doch”) oder besonders vorsichtiger (extrem lahmarschiger) Fahrweise aufgefallen sein – beides muss nicht gegen seine Fahrfertigkeiten sprechen, denn das erfüllen auch tausende andere (Ami-Schlitten, Porno-Schleudern, Rostlauben bzw. Halbblinde mit Hirnrestfunktion).

  • Flix

    ich glaube eher an die unschuld einer hure als an die gerechtigkeit der deutschen justiz.

  • Jan

    @Flix: Sie meinen also, dass Prostituierte nur mit Führerschein Auto fahren?

    Zum denen, die meinen, der Herr sei eine “Gefahr für die Allgemeinheit” – ich würde höchstens einsehen, dass man behaupten kann, er sei eine mögliche Gefahr für die Allgemeinheit. Denn er hat ja sozusagen nicht durch Ablegen einer Führerscheinprüfung bewiesen, dass er mit den Verkehrsregeln (die u.a. wohl den Zweck haben, die Allgemeinheit zu schützen) vertraut ist. Der Umkehrschluss aber, dass alle, die einen Führerschein haben, seien keine Gefahr, ist ja offensichtlich Humbug, da jeden Tag genug Unfälle durch Führerscheininhaber verursacht werden.
    Was ich daraus schließen soll, weiß ich selbst nicht… vielleicht Omnibus ist Zukunft, PKW sind Kommunismus – nieder mit dem Individualverkehr! ;-)

  • Schubi

    Und dann wundern sich einige Leute noch, wenn keiner mehr glaubt, sich an irgendwelche Gesetze halten zu müssen.
    Natürlich muß erst wieder eine Mutter mit zwei kleinen Kindern totgefahren werden, bevor was passiert.
    Armes Deutschland.

  • http://fernetpunker.blog.com fernetpunker

    Ich finde, man sollte bei einem solch absurden Fall unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten und der Tatsache, dass sowohl StA als auch Gericht objektiv beurteilen sollten, auch einmal bedenken, was mit jemandem passiert wäre, der sich keinen teuren Anwalt leisten kann. Gerechtigkeit als Geldfrage?

  • Darkstalker

    @54: Ein Freispruch mit Hinweis auf § 20 StGB (Das ist der mit den Störungen …) bringt beim nächsten Mal (das wäre Fall 9) die Gefahr mit sich, dass man in die Klapse kommt ;) (§§ 63ff. StGB) Damit ist dem Mandanten auch nicht gedient …

    oder aber: Freispruch? .. Das .. äääh .. läuft ;)

    @56: Ab ins Ausland. Aber bitte nicht wiederkommen ;) Einer weniger, um den wir uns Sorgen müssen…

  • Jumper

    Wie wäre es, notorisch ohne gültiger Fahrerlaubnis Fahrende in einer praktischen Fahrprüfung zu testen, ob sie eine Gefahr für die Straßenverkehr sind oder waren, bevor man ein Urteil fällt.

    Ein gerechtes Strafmaß zu finden, was auf Fakten beruht, auf solche Idee kann man, nicht nur in diesem Fall, natürlich nur mit genügend Phantasie kommen. ;P

  • Olli

    @Darkstalker:

    Wenn dir die Meinungsfreiheit nicht passt dann solltest du doch eher umziehen.

  • Hans

    Hört sich für mich nach einem furchtbar langweiligen Plädoyer an, bei der ein normaler Mensch Mühe hat, die Augen offen zu halten und nach einer jungen Richterin mit ca. 3 Monaten Berufserfahrung.
    Kommt auch gar nicht auf die Berufung an, denn der wird sowieso wieder erwischt.

  • Senfgnu

    Wenn der Betroffene eine Fahrprüfung will, kann er die doch gerne machen. Kostet halt was, ist auf Dauer aber sicher günstiger als Herr Vetter.

    Wobei ich schon sehr dafür wäre, den Weg zur Fahrerlaubnis etwas kürzer und vor allem günstiger zu gestalten.

  • Lord

    Schon mal was davon gehört, daß es Sperrfristen gibt, bis eine Fahrprüfung abgelegt werden darf?? 5 Jahre sind da recht gängig.

    Und da man als Senior nicht soo mobil ist, zumal auf dem Land ohne ÖPNV versteh ich gut, daß man dann ohne FS weiterfährt. Zumal er ja offenbar keine Unfälle baut. Son manch alter Mann sollte seinen FS besser abgeben, wenn ich da an meine Mutter denke…

    Anbei: ich hab meinen FS seit 1986 und wurde gerade durch einen übermüdeten Fahranfänger verletzt.

  • Senfgnu

    Ja, ich kenne Sperrfristen. Mein Cousin musste auch eine abwarten, wegen des selben dämlichen Vorfalls.
    Wundersamerweise hat er es geschafft, auf dem Land ohne Autofahrten zu überleben.

  • http://nes1983.blogspot.com Niko Schwarz

    @Schubi: Wenn man wirklich Mütter mit kleinen Kindern umbringt wird man zum Ministerpräsident erklärt.

  • Jan

    @Senfgnu: Heißt das Wunder vielleicht “Fahrrad”?

  • Anne

    Herr Vetter, Sie schreiben doch nur solche Beiträge, damit Sie abends am Kamin über die Kommentare kichern können, stimmts?

  • Jumper

    @Anne
    Wenn es so wäre, fände ich es besser, er würde nicht bloggen.
    Glaube aber eher, Herr Udo Vetter hat Spaß an seinem Blog und wünscht ein differenziertes Feedback.

    Über manche Kommentare, auch von mir (juristischer Laie), darf U.V. gerne “abends am Kamin kichern”. ;P