Hamburger Polizisten weitgehend offline
In Hamburg teilen sich 1.450 Kriminalpolizisten 50 internetfähige Computer. An den normalen Arbeitsplätzen gibt es keinen Internetzugang. Nach Auffassung der Beamten wird dadurch die Strafverfolgung erheblich beeinträchtigt, berichtet das Hamburger Abendblatt (Link über Google News folgen, da sonst Bezahlhinhalt).
Viele Beamte würden ihre eigenen Notebooks mitbringen, weil sie bei Ermittlungen nicht endlos lange auf einen Arbeitsplatz an einem Internet-PC warten könnten.
Warum Hamburger Polizisten am eigenen Schreibtisch nicht online gehen dürfen, darüber soll es unterschiedliche Meinungen geben. Nach Auffassung der Belegschaft sträubte sich die Polizeiführung lange gegen durchgängiges Internet, weil die Polizisten sonst zu viel privat surfen könnten. Offiziell werden aber Sicherheitsbedenken geltend gemacht.
Diese Bedenken sollen aber nun ausgeräumt sein. Bis Mitte des Jahres, verspricht die Hamburger Polizei laut dem Bericht, soll jeder Kripobeamte online sein.
Für die Nutzer sozialer Netzwerke ist, am Rande, vielleicht dieses Zitat aufschlussreich:
Der 43-Jährige und seine 20 Kollegen müssen jeden Tag ins Internet. Über Sozialnetzwerke wie SchülerVZ, StudiVZ oder Facebook erfahren die Beamten viel darüber, mit wem Tatverdächtige in Verbindung stehen. Hier bekommen sie Informationen, die es in den Systemen der Polizei nicht gibt.
(Danke an Hanno Zulla für den Link)
"Über Sozialnetzwerke wie SchülerVZ, StudiVZ oder Facebook erfahren die Beamten viel darüber, mit wem Tatverdächtige in Verbindung stehen."
Da kann man eigentlich nur sagen: selbst schuld.
Die Hamburger Polizei hat doch sicherlich ein paar Fachkräfte parat, die das ganze sicher gestalten können.
Solange die Beamten das Profil in "sozialen Netzwerken" nicht als real betrachten, ist das in Ordnung. Alles eine grosse Lügenblase.
Die Sicherheitsbedenken sind aber nicht von der Hand zu weisen, insbesondere weil im öffentlichen Dienst ja kein Geld ausgegeben werden darf. Wenn da die organisierte Kriminalität einen Trojaner einschleust, dann gute Nacht.
Vielleicht ist es kosteneffektiver, wenn jeder aktive Ermittler zwei PC bekommt, einen für Onlinerecherche und einen für interne Datenbanken, Netze, Akten usw.
@ #4: Zwei PCs? Das ist doch völlig unnötig. Die Datenbanken werden eh zentral auf einem Server sein. Wer also ins Internet will, soll seine Verbindung zur Datenbank kappen und umgekehrt. Dazu vllt. zw. den Wechseln einmal PC überprüfen lassen.
Wusste gar nicht, dass man an Bezahlinhalte kommt, wenn man den Referrer einschält und der von Google News kommt.
Ist dann die Beschwerde der Verlage, dass Google News ihnen die Inhalte wegnimmt, nicht irgendwie widersinnig?
Ich finde auch, jeder Polizist sollte unbeschränkten Internetzugang haben, auch ohne spezielle Kenntnisse bzw. Ausbildung.
Gut, dann stehen vielleicht mal wieder ein paar Ermittlungsakten öffentlich im Netz, aber man kann ja wohl von einem Staatsdiener nicht erwarten, daß er den Unterschied zwischen Inter- und Intranet kennt.
In alten TV-Krimis waren es auch gerne mal die Fragebögen in der Abizeitung, um rauszukriegen, mit wem ein Verdächtiger noch von früher her gut konnte oder eben nicht.
Ich würd ja Handyverbindungen für viel ergiebiger finden als Social networks. In Letzterem kontaktet man ja auch öfter mal aus sozialem Druck oder Mitleid heraus. "Echte" Kontakte sind IMO eher beim Handy.
@AB:
Es gibt auch ein FireFox plugin, das der Seite vorgibt, das man der google spider bot ist. Und ja, die Beschwerde der Verlage sind SEHR unsinnig.
Am liebsten waere mir, alle Verlage die ueber google herziehen, sollten mal fuer ne woche aus dem Index gekickt werden. :-)
Lobo
Oh, cool, gleich mal ein paar Schein-Identitäten anlegen, man kann ja nie wissen, wozu das mal gut ist. Obwohl, wenn die Ermittler so etwas heraus bekommen, wird mir nachdem noch überdurchschnittliches konspiratives Verhalten unterstellt. Schließlich entspricht es in sozialen Netzwerken ja nicht dem normalen Vorgehen, seine wahre Identität zu verschleiern.
Aber immerhin hab ich dann in den Netzen mal eine, was mich auf den ersten Blick wieder weniger verdächtig macht. :-)
Jetzt wundert mich im Übrigen auch nicht mehr, dass die ganzen CSI-Derivate nicht in Deutschland spielen: Das wäre total unrealistisch.
@AB: Ja.
@Lobo: Wer nach "abendblatt googlebot" googlet kann nachlesen, wie man den User-Agent des eigenen Brausers[TM] auf googlebot umstellt.
Zumindest dem Abendblatt gegenüber gibt sich der eigene Browser hernach (scheinbar) als der Robot von Google aus. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass die Veranstalter des Abendblatts allen Internet-Nutzern, die mit dem UA "Googlebot" surfen, einen kostenfreien Zugriff auf ihre ansonsten kostenpflichtigen Inhalte eröffnen wollen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ein Konzeptions- oder Programmierfehler vorliegt, weil andere Prüfungen, ob beim Abruf "wirklich" Google am Werk ist, offensichtlich unterlassen werden.
Jetzt könnte man diskutieren, ob der kostenfreie Abruf eines eigentlich kostenpflichten Angebots rechtswidrig ist, wenn der Abrufende in Kenntnis der "Schutzlücke" seinen Browser vorsätzlich auf den User-Agent "googlebot" einstellt.
Was passiert mit einem Menschen, der möglichst ungehindert Zugang zu Informationen bekommt? Er kann z.B. seinen rechtlichen (Lawblog, …) oder politischen (Nachdenkseiten, Netzpolitik, …) Horizont erweitern oder die "Information" der Mainstream-Medien ergänzen oder ersetzen (Fefe, ravenhorst, …) oder sich sogar kritische Standpunkte erlesen (ad sinistram, feynsinn, …).
Gerade bei Polizisten und sonstigen Staatsdienern dürfte sich das kontraproduktiv auf Kadavergehorsam und Chorgeist auswirken.
@ninjaturkey: Hihi, Chorgeist … Kann man den trinken?
@Stefan: Geht doch nichts über gesundes Halbwissen …
Ninjaturkey, es heißt Korpsgeist und hat nicht die Bohne mit singen zu tun. Solche Fehler erklären immerhin die so kruden Weltsichten mancher Kasper.
Und was Lachstadts Polizei angeht, wird da sehr wohl Geld ausgegeben, z.B. für eine neue Pferdestaffel …
Ganz unkritisch ist das aus technischer Sicht nicht.. ein Trojaner auf den Dienstrechner ist eine extrem große Sicherheitslücke … es muss also zwangsweise eine Abschottung geben. Jedoch wäre dies technisch realtiv einfach machbar.
VMWare Player … Ins Internet ginge es nur über eine VM, Netzwerkkarte bridge Mode, Zugang zum Internet nur über VPN (Zertifikatsbasiert)..
Das eigentliche Betriebssystem sollte nur Zugang zum polizei Internen Netz haben.. auch hier sollte der Zugang nur über ein (anderes) VPN (Chipkartenbassiert) laufen.
Ob jetzt Sicherheitsbedenken nur ein Vorwand sind oder nicht.. ich kann den Grund auf jeden Fall technisch nachvollziehen… aber , man kann es ja technisch ändern.. wie beschrieben
@Mithos:
In einer Deutschen CSI Serie würde ein einzelner Beamter auf einem Pentium III PC mit 15" Röhre und Windows 98 die Fotos vom Tatort mittels Paintbefehl "strecken" enhancen =)
»…Hihi, Chorgeist … Kann man den trinken?«
Ich danke für die Zurechtweisung.
Da hatte ich wohl den Film "Die Chorknaben" (die Älteren
unter uns mögen sich erinnern) im Hinterkopf. ;-)
@ninjaturkey:
danke für die Links.
#k.
Da könnte ich mich allerdings auch wegschmeißen. Man suche einmal in den Netzwerken nach einschlägig bekannten Motorrad Vereinigungen und mache sich die Mühe etwas durch die Mitglieder zu surfen.
Kommt bestimmt gut bei der Staatsanwaltschaft an wenn der Angeklagte Sachen zum Besten gibt wie "…habe mit meiner Vergangenheit abgeschlossen…..Freundeskreis geändert…." und der werte Herr Ankläger zieht einen Ausdruck aus der Tasche, persönliches Profil von XYZ, letztmalig geändert in der letzten Woche, Mitglied in unzähligen Clubs wie z.B. "ich scheiße auf das Rechtssystem", "bin schon mal Polizeiauto gefahren", "arbeitslos und Spaß dabei", "legal, illegal, scheißegal", "Knochenbrecher Supporters" etc. pp.
lol
@christian: Naja, auch da hat man erstmal noch ein trojanisiertes System, dass in seiner Eigenschaft als Polizisten-Computer mit der Welt kommuniziert. Wenn man es wirklich drauf anlegt, ist es sicher hilfreich zu wissen, wo die Jungs so hinsurfen.
Als allererstes muss man zusehen, dass die Leute nicht auf alles klicken, was nach Titten aussieht. Das ist ein Lernprozeß und da hat die Hamburger Polizei wohl ein paar Jährchen aufzuholen.
@Marcus05: Die natürlich zuvor im "Papierkorb" gefunden wurden. ;) – Kein Scheiß, erinnere mich vor 10(?) Jahren mal einen Krimi, Tatort oder "Der Alte" könnten es gewesen sein, da waren wirklich irgendwelche den Fall aufklärenden Beweismittel auf dem Rechner im Windows-"Papierkorb". Und der supersmarte Hacker von Ermittler hat die in einer atemberaubenden und actionreichen drag'n'drop (das war jetzt dazugedichtet, vielleicht hat er auch "wiederherstellen" geklickt)-Aktion sichergestellt und so den Mörder ermittelt…
@Dierk: Chor und Korps sind Homophone. Dass jemand sie verwechselt kann man am leichtesten damit erklären, dass unsere Evolution das Sprachtalent stärker gefördert hat als das Talent zu schreiben. Du kannst daraus nichts über die Bildung des Schreibers folgern. Und selbst wenn du es könntest: Jemandem einen Rechtschreibfehler unter die Nase zu reiben ist erbärmlich.
@25 igel: Vielen Dank igel, aber als Fachbuchautor mit Fachhochschulreife finde ich auch mein Schreibtalent hinreichend entwickelt (bitte keine Witze über Fachbuchautoren). Mal sehen, wie ich den Lapsus mit dem "Chorgeist" gewinnbringend im nächsten Artikel einsetzen kann. ;-))
P.S.: Schmarrn – jetzt hab ich als Absender auch noch igel eingetippt. Hier ist natürlich wieder ninjaturkey. Muss wohl doch noch ein wenig an meinem Schreibtalent arbeiten… ;-)
@christian: Der gefährlichste Trojaner sitzt immer vor dem Bildschirm. Wenn die Polizisten in ihrem Dienstalltag online sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Beamte witzige Anekdoten aus diesem Alltag twittern oder mal schnell ihre private Öffentlichkeitsfahndung auf Youtube starten.
@Marcus05: "enhancen"
10€ in die Denglisch-Kasse.
@igel
Danke für den linguistischen 101 – aber darum ging es gar nicht.
Eigene Notebooks?
Das verstößt doch sicherlich zu 100% gegen den Datenschutz?
An den DS-Beauftragen weiterleiten?
Na da können sich die Damen und Herren Beamten doch gleich mal an die Bundesagentur für Arbeit wenden.
Die haben doch vor gut nem halben Jahr erst für ein heiden Geld Computer eingekauft, von denen sogar einige Gamer nur träumen können.
Und die brauchen die nicht mal alle.
Da werden doch wohl die fehlenden 1400 PCs abzuzweigen sein.
@18 (christian): Touché. So geht das auch mit einem PC.
@Ein Mensch:
Ginge sogar noch etwas sicherer … Der Internetzugang wird nur indirekt über einen Terminal Server ermöglicht… Der Zugriff auf diesen ist nur durch manuelle VPN einwahl (mit Chipkarte) möglich und erfolgt mit einen einfachen Client der kein Filetransfer ermöglicht… Solange die VPN Verbindung zum Terminal Server steht ist die Verbindung zum Dienstnetz unterbrochen… im Prinzip 2 unabhängige VPN Profile , jeweils mit eigener Chipkarte… würde auch helfen damit die Polizisten nur dann ins Netz gehen wenn sie es wirklich brauchen.. Der Sicherheitskritische Teil wäre der Terminal Server, der zentral immer auf den aktuellen Sicherheitslevel gehalten werden könnte…
@Ano Nym: Danke für die Tipps. Habe zu der Zeit, als das kostenlos war, ungefähr 1,5-mal einen Artikel aus dem Abendblatt gelesen. Für die nächsten 0,3-male weiß ich jetzt, wie ich weiterhin kostenfrei aus dem Abendblatt lesen kann. ;)
lass sie nur kommen :)
Privatrechner im betrieblichen Netzwerk. Der ALBTRAUM eines jeden Administrators. Du trägst die Verantwortung dafür, was die Kisten in deinem Netz (vor allem mit deinen eigenen Kisten) machen, hast aber keinerlei Kontrolle über die Dinger. Kein administrativer Zugriff, keine Dokumentation über den Patchlevel oder die Absicherung der Maschinen, keine Information darüber, was da an Viren schon mitgebracht wird, etc. Grauenhaft.
Professionelle Administratoren wehren sich sehr aufwändig gegen so etwas, z.B. mit MAC-Filtern in den Switchen, deaktivieren von nicht genutzten Switchports, etc. Traurig, dass die Polizei das nicht macht. Die Daten, die sie haben, könnten ja sensibel sein… ne?
also ich bin dann mal bei facebook und schreib mir da ein profil zusammen das man mich für den freundlichsten und nettesten und charmantesten menschen hält der die idealste bereicherung für die eigene Firma ist den man sich nur wünschen kann
normal mache ich ja eine ausname aber hier glaube ich geb ich sogar mal meinen richtigen namen an
Diese Verbindungen in den (sozialen) Netzwerken sind ein Grund, weshalb man für jeden Kontakt ein anderes Mitgliedskonto benutzen sollte…