17.3.2010

Hoffentlich klagt Zwanziger

Natürlich kann man sich freuen, dass es jetzt ausgerechnet Theo Zwanziger trifft. Jenen Funktionär, der selbst gern vor Gericht zieht, wenn ihm kritische Äußerungen nicht passen. So hat Zwanziger etwa den Journalisten Jens Weinreich verklagt, bloß weil der ihn – durchaus nachvollziehbar – einen unglaublichen Demagogen genannt hatte.

Nun muss also Zwanziger mal leiden. Er hatte zum Fall Amerell folgendes erklärt:

Nur durch den Mut von Herrn Kempter konnten wir die Missstände aufdecken und können nun darauf reagieren. In anderen Bereichen dauert es bis zu 40 Jahre, ehe sich die Leute zu so etwas äußern.

Das darf er jetzt nicht mehr sagen, denn das Landgericht Augsburg hat eine einstweilige Verfügung gegen den DFB-Präsidenten erlassen. Die Äußerung verletze Amerells Persönlichkeitsrecht, weil sie sexuellen Missbrauch von Kindern mit einer “Beziehung zweier Erwachsener” gleichstelle.

Aber darf man sich auch freuen, dass es Zwanziger trifft? Oder sollte nicht doch lieber das Kopfschütteln darüber überwiegen, wie sehr Gerichte mittlerweile auf der Meinungsfreiheit rumtrampeln – und es womöglich noch nicht mal merken.

Das fängt schon damit an, dass Zwanziger die Kirche gar nicht erwähnt. Auch kirchliche Missbrauchsfälle nicht. Sicher kann man die Worte des DFB-Präsidenten unschwer so interpretieren, dass er die aktuelle Diskussion um Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche meint. Aber mehr als eine Interpretation ist es nicht.

Selbst wenn Zwanziger einen Vergleich Kirche – DFB machen wollte, wo ist dieser falsch? Zwanziger möchte herausstellen, dass im DFB mögliche Straftaten bzw. Sportvergehen eben nicht unter den Teppich gekehrt, sondern, unter regem Anteil der Öffentlichkeit, zügig aufgearbeitet werden. Ob das nun wirklich so ist und ob alles richtig läuft, ist dagegen schlichtweg unwichtig. Zwanziger sagt seine Meinung über die Prozesse “in anderen Bereichen” und beim DFB. Auch wenn diese Meinung grottenfalsch sein sollte, darf er sie nicht nur haben, sondern auch äußern.

Und das Persönlichkeitsrechts des Oberschiedsrichter Amerell? Nicht mal mit größter Mühe gelingt es mir aus dem Satz herauszulesen, dass Zwanziger Amerell mit einem “Kinderschänder” gleichsetzt. Zwanziger spricht von “Missständen” und meint offensichtlich Sexualdelikte, die im Wirkungsbereich großer Organisationen stattfinden. Das ist schon der Aussagerichtung her weit von einer Diffamierung Amerells entfernt. Der sachliche Kern der Äußerung bezieht sich überdies auf die Bereitschaft des Schiedsrichters Kempter zur Aussage.

Gewagt auch die Unterscheidung des Landgerichts Augsburg zum Unterschied zwischen sexuellen Missbrauch von Kindern und der Beziehung zweier Erwachsener. Ob und wie sich Manfred Amerell verhalten hat, ist ja noch längst nicht abschließend geklärt. Gleiches gilt für die Frage einer möglichen Strafbarkeit.

Das Landgericht Augsburg hätte im Zweifel für den “Angeklagten” entscheiden sollen. Ausnahmsweise bin ich froh, dass der DFB klagefreudig und finanzstark ist. Denn so besteht wenigstens die Chance, dass diese Fehlentscheidung korrigiert wird.

37 Kommentare zu “Hoffentlich klagt Zwanziger”

  1. Stimmviech meint: (17.3.2010 um 19:49) AntwortenReply to this comment

    Seit Jahren ist die Entwicklung absehbar: eine Meinung kann sich öffentlich nur noch der Vermögende leisten. Willkommen in der DDR 2.0 .

  2. blablub meint: (17.3.2010 um 19:51) AntwortenReply to this comment

    Der GoolgleNews Link ist leider "leer".

  3. Volker meint: (17.3.2010 um 20:37) AntwortenReply to this comment

    Wie die Aussagen Zwanzigers juristisch zu bewerten sind, kann ich nicht beurteilen. Aber inhaltlich schließe ich mich voll und ganz diesem TAZ-Kommentar an:

    "Mit dem Rücken zur Wand geht Zwanziger also so weit, die unsagbaren Verbrechen sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, die seit Wochen die Öffentlichkeit erschüttern, gleichzusetzen mit den Kapriolen eines mehr oder minder geglückten Sex- und Liebesverhältnisses zwischen zwei erwachsenen Männern. Hie wie da scheint er nur noch böse Homosexuelle am Werk zu sehen, für notwendige Unterscheidungen bleiben Zwanziger weder Platz noch Zeit, weder Geist noch Verstand."
    http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/der-homosexuelle-mann-31/

    Ich behaupte mal, wenn die BILD nicht auf Zwanzigers Seite wäre sondern stattdessen ein paar Tage auf der Titelseite an seinem Stuhl gesägt hätte, wäre der Mann schon längst zurückgetreten.

  4. fernetpunker meint: (17.3.2010 um 20:46) AntwortenReply to this comment

    Ich habe auch keine besonders hohe Meinung von der Person T. Zwanziger, aber inhaltlich kann ich nur dem Beitrag von UV beipflichten. Es ist unsäglich, wie mit der Meinungsfreiheit in jüngster Zeit umgegangen wird.

  5. Will Kür meint: (17.3.2010 um 20:53) AntwortenReply to this comment

    Ja grossartig, wenn der reiche DFB das Recht seines semidebilen Präsidenten auf Verbreitung halbintelligenter Vergleiche verteidigen kann.

    Was nützt dies dem normalen Bürger, Blogger oder Journalisten? Diese werden im Zweifelsfall auch weiterhin mit der juristischen Keule mundtot gemacht, denn wer kann es sich schon längerfristig leisten, Anwälte zu beschäftigen, die frivole Abmahnungen und Verfügungen abwehren?

  6. Torsten meint: (17.3.2010 um 20:58) AntwortenReply to this comment

    Auch ein aktueller Fall einer fragwürdigen EV auf Kosten der Meinungsfreiheit:

    http://www.bildblog.de/17184/geruechten-verboten/

  7. Torsten meint: (17.3.2010 um 20:59) AntwortenReply to this comment

    PS: Ich frage mich ja, was diese EVs bringen? Das Gesagte wird ja nicht ungesagt, die Äußerung wird breiter getreten als zuvor. Und eine EV sagt auch nicht "das stimmt nicht", sondern "der Beleidigte hatte genug Geld für einen Anwalt".

  8. GxS meint: (17.3.2010 um 21:09) AntwortenReply to this comment

    @Torsten:

    Fefe meint dazu:

    Noch ein Detail am Rande: da Springer direkt das Dementi drangetan hat, haben sie dem CCC damit das Mittel der Gegendarstellung genommen. Da blieb außer EV nichts mehr.

    in:
    http://blog.fefe.de/?ts=b5616361
    Kennt ihr Torsten Kleinz?
    Feige Heckenschützen habe ich noch nie ausstehen können.

  9. Torsten meint: (17.3.2010 um 21:14) AntwortenReply to this comment

    GxS: Lektion 1 der Medienkompetenz: Niemals ungeprüft ein Wort glauben, das Du bei Fefe liest.

    Und der Rest hier:
    http://notes.computernotizen.de/2010/03/17/seitenhiebe-auf-fefe/

  10. GxS meint: (17.3.2010 um 21:28) AntwortenReply to this comment

    @Torsten:
    Frage (ernstgemeint):
    Ist das falsch, was ich zitiert habe?

    Da blieb außer EV nichts mehr.

    P.S.: Ich will mich aber im Prinzip nicht in euren Streit einmischen…

  11. Torsten meint: (17.3.2010 um 21:43) AntwortenReply to this comment

    GxS: Steht alles im Link drin.

    Kurzfassung: Ein simpler öffentlicher Widerspruch erscheint mir viel angebrachter. Ich finde es höchst bedenklich, dass man Leuten Äußerungen einfacher komplett verbieten kann als sie richtig zu stellen. Nach meinem Gerechtigkeitsempfinden müsste es eigentlich umgekehrt sein. Auch wenn der Leidtragende zufällig ein Unsympath ist.

  12. GxS meint: (17.3.2010 um 21:51) AntwortenReply to this comment

    noch ein Zitat von Fefe:

    Im Allgemeinen finde ich, dass man im Presserecht keine Einstweiligen Verfügungen haben sollte, und dass Gegendarstellungen reichen müssen.

    Warum streitet ihr euch eigentlich?

    P.S.: Seitdem Du das letzte Mal bei mir zum Essen eingeladen warst, fehlen meine silbernen Löffel.

    Beachte: Ich habe damit nicht gesagt, dass Du die Löffel gestohlen hast…
    Aber wie gesagt: Ich will mich nicht in euren Streit einmischen…

  13. Dem Erich seine Frau meint: (17.3.2010 um 22:00) AntwortenReply to this comment

    Ach Uwe…

    beim DFB werden solche Dinge also nicht unter den Teppich gekehrt? War es nicht so, dass Theo "Falscher" Zwanziger nicht dem Amerell unter Nachdruck unterschieben wollte, dass der A. krank sei und daher zurücktreten würde und somit die Sache unter dem Teppich bliebe?

    War es nicht so, Uwe?

    Geht es irgendwann auch mal wieder bergauf hier?

  14. Torsten meint: (17.3.2010 um 22:04) AntwortenReply to this comment

    GxS: Da musst Du schon Fefe frage. Warum das Zitat Blödsinn ist, habe ich eben dargelegt. Es ist keinerlei Logik dahinter, die ich nachvollziehen könnte.

  15. GxS meint: (17.3.2010 um 22:10) AntwortenReply to this comment

    @Torsten:
    Welches Zitat?

    da Springer direkt das Dementi drangetan hat, haben sie dem CCC damit das Mittel der Gegendarstellung genommen. Da blieb außer EV nichts mehr.

    Dieses ?

    Wieso ist das Blödsinn?
    Hatte der CCC das Mittel der Gegendarstellung an der gleichen Stelle?

    (wie gesagt, das ist eine ernsthafte Frage)

  16. RA Kompa meint: (17.3.2010 um 22:18) AntwortenReply to this comment
  17. elbsegler meint: (17.3.2010 um 22:23) AntwortenReply to this comment

    Werter, mich täglich aufs Beste unterhaltender Blogger Vetter,

    kann dir ausnahmsweise nicht folgen. Sowohl juristisch, als auch "moralisch".

    Juristisch ist die Formulierung in Zwanzigers Satz, "so etwas" (also der Sex und dessen "Erzwingung") sei nun aufzuklären, ein Herstellen eines Zusammenhangs zwischen den aktuellen Mißbrauchsfällen (der Kirche, der Internate, weil "40 Jahre") und Amerell/Kempter. Und dieser Zusammenhang ist ungehörig und beleidigend. Da einen Eingriff in Amerells Persönlichkeitsrecht zu verneinen, leuchtet mir nicht ein. Erstrecht nicht, wenn dieser Eingriff durch jemanden erfolgt, der rechtsstaatliche Prinzipien so dermaßen mit Füßen getreten hat, wie Zwanziger dies tat (man erinnere sich an seine PK zur Verweigerung des DFB, Amerell Akteneinsicht zu gewähren, ein unglaublicher Vorgang!).

    Und moralisch, naja, zB hier: http://www.sueddeutsche.de/,tt8m1/sport/53/506235/text/

  18. hiro meint: (17.3.2010 um 22:50) AntwortenReply to this comment

    Ich kenne die Geschichte nur aus "Zapp". Wenn ich die dortige Zusammenfassung richtig verstehe, dann hat Herr Zwanziger sich jeden Tritt in die Eier redlich verdient, den er in dieser Sache bekommen kann. Mit Anlauf.

  19. horst meint: (17.3.2010 um 23:19) AntwortenReply to this comment

    @ elbsegler

    Strafverteidiger überschätzen ihre Sicht der Dinge immer.

    Das ist ein Symptom ihrer Tätigkeit.

    So hat auch der Verwaltungsrichter Zwanziger seine Prägung nur aus Gesetzestexten
    und seiner Richtermacht Sachverhalte ausschließlich gemäß seiner Sicht festzustellen.

    Das kommt dann dabei raus.

  20. Sanníe meint: (17.3.2010 um 23:34) AntwortenReply to this comment

    Diese CCC-Sache nervt mich. Wollte man unbedingt eine EV gegen Springer verkünden? Wäre eine Richtigstellung in Form einer Pressemitteilung auf der eigenen Seite nicht wirkungsvoller und – ja – auch viel cooler gewesen? Als könnte ein Welt-Artikel den Ruf des gloriosen CCC irgendwie gefährden!

    Fefe, nicht so geifern, ich kann meinen Mitgliedsantrag nicht abschicken, wenn Ihr Euch so peinlich macht.

    Zu Zwanziger: Der nervt natürlich noch mehr, deshalb kann ich Udos Meinung auch diesmal nicht teilen. Denn diese Erklärung von ihm ist doch nichts als der mich anekelnde Versuch, seine Haut nicht nur zu retten, sondern auch noch golden strahlen zu lassen. In seinem Verein gibt es solche Mißstände nicht!

    Und das alles auf Kosten zweier armer Männer, die im Männer-System Fußball eben einfach nicht sein konnten, was sie eben sind: Schwul.

  21. Archer meint: (18.3.2010 um 03:08) AntwortenReply to this comment

    Zwanziger ist mal über das Ziel hinaus geschossen. Aber er ist mir persönlich sympathisch.

    Er ist eben niemand, etwas "unterm Deckel" hält. Unglaublich, wie so etwas zu Em-Vaus Zeiten ausgesehen hätte. Wir allen wissen, was er für den DFB und den deutschen Fußball z.B. in der "Homosexualitäts-Angelegenheit" oder für den Frauenfußball getan hat.

    Der Mann hat das Herz auf dem rechten Fleck, auch wenn er nicht immer gut beraten wird. Und: In der Tat. Soll er der Kirche den Poppes weg klagen. Den DORT wurde und wird Missbrauch schon seit Jahr und Tag vertuscht.

  22. Torsten meint: (18.3.2010 um 08:36) AntwortenReply to this comment

    GxS: Wie oben geschrieben: Gegendarstellung und EV sind nicht alternativlos. Die Anzahl der Leser, die nach fünf Tagen im Online-Angebot der Berliner Morgenpost nachsehen ob da noch "CCC" steht, ist denkbar gering. Ein öffentlicher Widerspruch in Form einer Pressemitteilung wäre da erheblich sinnvoller, wenn man tatsächlich das Ziel hat ein Gerücht aus der Welt zu schaffen.

    Dass man eine Äußerung einfach verbieten kann, der man im Zuge einer Gegendarstellung nicht substantielles entgegensetzen kann, ist eine Gerichtspraxis, der man sich nicht bedienen sollte, wenn man für Meinungs- und Pressefreiheit ist.

  23. Uwe (the real one) meint: (18.3.2010 um 08:38) AntwortenReply to this comment

    @Dem Erich seine Frau:

    Erik, der Udo Vetter heißt "Udo". "Uwe" ist ähnlich, aber doch was anderes.

  24. Th. Koch meint: (18.3.2010 um 09:12) AntwortenReply to this comment

    Was CCC/Springer betrifft, so lernen wir: Es gibt böse EVen, die beantragen böse Menschen und Institutionen wie die Springer Presse, und es gibt gute EVen, die beantragen gute Menschen und Institutionen wie Fefe und der CCC.
    Wer so argumentiert, hat allerdings jeden Anspruch verspielt, noch ernstgenommen zu werden.

  25. otto meint: (18.3.2010 um 09:31) AntwortenReply to this comment

    @25
    volle Zustimmung

  26. hiro meint: (18.3.2010 um 10:25) AntwortenReply to this comment

    @Torsten:

    Ein öffentlicher Widerspruch in Form einer Pressemitteilung wäre da erheblich sinnvoller, wenn man tatsächlich das Ziel hat ein Gerücht aus der Welt zu schaffen.

    Ein Gerücht aus der Welt schaffen, indem man es öffentlich dementiert? Du bist noch nicht so lange auf dieser Welt, oder?

    Wenn ich da nur an all die Gelegenheiten denke, wo im Rahmen irgendeiner Betriebsversammlung mit den Worten "um den Flurfunk mal etwas zu korrigieren" Sachen verkündet wurden, von denen bisher niemand auch nur was geahnt hatte … Aber der Flurfunk ist anschließend natürlich verstummt, ganz sicher.

  27. Freihals meint: (18.3.2010 um 10:29) AntwortenReply to this comment

    @Will Kür:
    Es geht nicht darum ob die Aussagen idiotisch sind sondern darum ob man sie überhaupt treffen _darf_. Ich würde gerne weiter in nem Land leben in dem man auch mal was Dummes sagen darf ohne gleich vor ein Gericht gezerrt zu werden. Man kann sich ja gerne und berechtigt über solche Äußerungen privat und in Zeitungen auslassen, das ist die Verurteilung die sie verdienen. Aber doch keine zivilrechtliche!

  28. GxS meint: (18.3.2010 um 11:01) AntwortenReply to this comment

    @Torsten:

    Gegendarstellung und EV sind nicht alternativlos.

    Heisst das, Du lehnst nicht nur das Instrument EV ab sondern auch die Gegendarstellung?

    Wenn die Berliner Morgenpost etwas behauptet, kann ich das noch so entschieden auf meiner privaten Homepage dementieren, es würde nicht von denselben Leuten zur Kenntnis genommen…
    Und die Berliner Morgenpost würde sicherlich über die Pressemitteilung berichten…

  29. Torsten meint: (18.3.2010 um 12:21) AntwortenReply to this comment

    hiro: Im Bezug auf Gerüchte um den CCC und Geheimdienste ist das untere Drittel eines Artikels der Berliner Morgenpost zu einem ganz anderen Thema nun wirklich nicht die Gerüchtquelle Nummer 1.

  30. fh meint: (18.3.2010 um 14:01) AntwortenReply to this comment

    @GxS, @hiro:

    Die Thematik "CCC und Geheimdienste" ist weder neu noch sonderlich spannend, leider im CCC-Umfeld extrem emotional besetzt.

    Eine souveräne Reaktion wäre eine klare öffentliche Ansage, wo sich der CCC selbst sieht, was er als vereinbar mit seinen Zielen sieht, und was nicht. Nur glaube ich nicht, dass das jemals stattfinden wird – ich habe das 2007 im CCC versucht zu diskutieren, und es endete damit, dass ich sämtliche Posten sowie meine Mitgliedschaft dort mit Ende des Camps niedergelegt habe. Ganz weit vorn in Sachen Polemik und Unreflektiertheit war übrigens damals schon Fefe.

    Das Problem ist insofern also alles andere als neu oder unbekannt, aber der Verein ist auch heute noch nicht in der Lage, da eine klare Linie zu definieren. Lieber wird halt je nach Gusto auf Einzelfällen rumgeprügelt.

    Für mich ist der CCC als Verein schon länger keine ernstzunehmende Institution mehr, auch wenn es in seinem Umfeld einige sehr intelligente und interessante Menschen gibt. Lustigerweise sind das genau die, die gerne von Fefe und Co eines auf die Nase bekommen.

  31. Torsten meint: (18.3.2010 um 14:33) AntwortenReply to this comment

    @GxS:

    "Heisst das, Du lehnst nicht nur das Instrument EV ab sondern auch die Gegendarstellung?"

    Nein, das heißt es natürlich nicht. Wie kommst Du auf die Idee?

  32. Gluko meint: (18.3.2010 um 16:59) AntwortenReply to this comment

    Was ist los Herr Vetter? Müssen Sie sich "lieb Kind" beim DFB machen? Vielleicht nehmen diese Heinis Sie ja beim nächsten mal in Anspruch. Kommt bestimmt ein nettes Sümmchen zusammen.

  33. Cybaer meint: (18.3.2010 um 18:30) AntwortenReply to this comment

    Also ich kann (ausnahmsweise) Zwanzigers (mal wieder demagogische >;->) Aussage nachvollziehen: Sexueller Mißbrauch von Kindern ist gerade erst dabei, vom tabusierten Thema zu einem Thema zu werden, über das man wirklich reden kann (allen vermeintlichen und/oder tatsächlichen Hexenjagden zum Trotz: es wird mittlerweile darüber geredet, und das ist allemal besser, als das Schweigen in der Vergangenheit).

    Im Vergleich dazu ist das Thema "sexueller Mißbrauch/Vergewaltigung von erwachsenen Männern" immer noch extremst tabuisiert.

    Sollte es in diesem Fall wirklich um sexuellen Mißbrauch gehen (was ich nach den bislang veröffentlichten Informationen zwar nicht glaube, aber eigentlich auch nicht beurteilen kann), dann wäre das Öffentlichmachen ein bislang noch nicht dagewesener (und deswegen umso höher zu bewertender) Bruch dieses, wohl des letzten(?) Tabus im Bereich des sexuellen Mißbrauchs …

  34. GxS meint: (18.3.2010 um 18:45) AntwortenReply to this comment

    @fh:

    Ich kenne den CCC nicht weiter (ausser von den Mitschnitten des Kongresses und der Anhörung zur Vorratsdatenspeicherung vorm BVerG) und will ihn auch nicht weiter verteidigen; nur schien mir die Argumentation nicht weit hergeholt:

    Die sehen eine Unterstellung in der Behauptung und können keine Gegendarstellung verlangen. Was bleibt übrig? Pressekonferenz mit anderem Publikum? EV?
    Die Unterstellung ignorieren?
    Die Frage ist unabhängig vom Medium (siehe silberne Löffel…, seit Torsten das letzte mal bei mir war…)
    Eine klare öffentliche Ansage von Torsten, dass er nicht stiehlt, kann wie ein Eingeständnis wirken, es in diesem Fall eben doch getan zu haben…

    Laut Fefe existiert übrigens eine solche klare Aussage:

    Nun, wer die Geschichte des CCC kennt, weiß, dass wir für den Umgang mit Geheimdiensten klare Regeln haben. Wenn jemand uns anspricht oder jemanden anzuwerben versucht, dann wird das sofort im gesamten Club kommuniziert und mit Namen und allen verfügbaren Daten zu der jeweiligen Person dokumentiert, auch öffentlich. Es ist völlig undenkbar für den CCC, mit Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, gleich in welcher Kapazität oder Form.

    P.S.:
    Ich möchte betonen, dass ich kein Fan von Fefe bin, einige seiner Aussagen finde ich, gelinde gesagt, abwegig…
    (aber das gehört nicht hierher)

  35. fh meint: (18.3.2010 um 18:57) AntwortenReply to this comment

    @GxS: In dem konkreten Fall hätte ich das tatsächlich einfach ignoriert.

    Aber ich glaube, man wird der Sache auch nur begrenzt gerecht, wenn man es auf diesen Vorfall reduziert. Für mich sind da zwei etwas abstraktere Punkte die relevanten:

    - Einem Verein wie der Chaos Computer Club, der sich selbst durchweg eher hehre Ziele auf die Fahnen schreibt, ist eine EV schlichtweg unwürdig, und es ist auch ein relativ neuer Trend, dass der CCC so reagiert. Als zum Beispiel damals Holtzbrinck im Rahmen der StudiVZ-Übernahme rumposaunte, der CCC habe die Sicherheit von VZ überprüft und für gut befunden, wurde da deutlich souveräner reagiert.

    - Die Thematik "der CCC und die Dienste" ist so alt wie der Club selbst, siehe zum Beispiel Tron oder Karl Koch. Statt dass da endlich offiziell und klar eine Linie zu definieren, eiert sich der Club da von Vorfall zu Vorfall. Und macht sich damit unnötig unglaubwürdig und angreifbar.

    Abschliessend vielleicht: Sowohl Torsten als auch ich sind relativ eng im "Kosmos" des CCC unterwegs, daher kann das durchaus sein, dass jemand der die Sache von aussen sieht, anders darüber denkt. Ich bin da alles andere als unvoreingenommen und unparteiisch. :-)

  36. GxS meint: (18.3.2010 um 19:39) AntwortenReply to this comment

    @fh:
    Da, wie gesagt, ich den CCC nicht weiter kenne, kann ich ja nur den einzelnen Vorfall beurteilen, wenn ich mich nicht weiter damit beschäftigen will; ich finde auch die EV als unwürdig, allenfalls als letztes Mittel denkbar.

    Ich bin da alles andere als unvoreingenommen und unparteiisch.

    Das ist natürlich ein Problem, wenn man sich dazu äussert.
    Ich war überrascht, mit welcher Wucht hier auf den CCC wegen einer an sich harmlosen Sache (den Springer Verlag wird die EV sicherlich nicht weiter stören…) eingedroschen wird. Einer Angelegenheit, die ich nicht von vornhinein verurteilen würde, und andere sicherlich auch nicht, wenn man die Geschichte und Ansprüche des CCC nicht kennt oder recherchiert…
    (und nein, eigentlich will ich mich damit nicht weiter beschäftigen, sondern mich nur mit den Argumenten zu Themen des CCC auseinandersetzen, wie z.B. dem Datenbrief, den ich eher ablehne…, oder der Vorratsdatenspeicherung, die ich voll unterstütze…)

  37. Qum Quai meint: (12.4.2010 um 19:25) AntwortenReply to this comment

    Mit "zu so etwas" behauptet Zwanziger, dass Amarell "so etwas" getan hat, wie jetzt nach "40 Jahre(n)" öffentlich aufgearbeitet wird. Aber genau "so etwas", nämlich die sexuelle Nötigung von Kindern steht in seinem Fall tatsächlich nicht zur Debatte. Ansonsten hätte es wie üblich die 30 – 40 Jahre gedauert bis es öffentlich geworden wäre. Ganz klar gibt es einen Unterschied zwischen der sexuellen Nötigung von Kindern und der von Erwachsenen.

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