20.7.2010

Wenig Text, viele Byte

Das Landeskriminalamt Brandenburg hat eine zehnzeilige Pressemitteilung über einen Fahndungserfolg gegen mutmaßliche Drogendealer als Word-Datei verschickt. Die Datei hatte einen stolzen Umfang für den schmächtigen Text. Das weckte das Interesse von Journalisten der Lausitzer Rundschau. Die Redakteure warfen einen Blick in die Versionsgeschichte des Dokuments und entdeckten ein wahres Füllhorn an Informationen:

Deutlich wurden darin nicht nur ausgebesserte Rechtschreibschwächen, Textkosmetik und namentlich der jeweilige Urheber. Word war auch so freundlich, gelöschte Informationen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten, inhaltlich darzustellen, grafisch hervorzuheben und auch noch Datum, Uhrzeit und Urheber der Löschung preiszugeben.

Die Zeitung hofft nun, die Qualität der Ermittlungen sei besser als die IT-Kenntnisse der Polizeibeamten.

38 Kommentare zu “Wenig Text, viele Byte”

  1. Rangar meint: (20.7.2010 um 14:39) AntwortenReply to this comment

    Die Zeitung hofft nun, die Qualität der Ermittlungen sei besser als die IT-Kenntnisse der Polizeibeamten.

    Diese Hoffnung wird enttäuscht werden.

  2. Ernst meint: (20.7.2010 um 14:44) AntwortenReply to this comment

    Die Zeitung weiß aber offenbar auch nicht recht, wovon sie redet. "IT (Intelligente Technologien)"?
    http://de.wikipedia.org/wiki/IT
    Das Lustigmachen über die "Großmeister der IT" geht aber schon mal gut von der Hand.

  3. Sixtus meint: (20.7.2010 um 14:46) AntwortenReply to this comment

    Word!?

    *facepalm*

    Kein halbwegs intelligenter User setzt Word ein, oder verschickt dessen Dateien!

  4. Baul meint: (20.7.2010 um 14:49) AntwortenReply to this comment

    Hätte nicht gedacht, das unsere Lausige hier sowas mal schafft :D

    @ Ernst: in Sachen IT hat die LR nicht immer alles korrekt, da hießt unter anderem ein und das selbe Gerät entweder WeTab oder WePad…

  5. Robert meint: (20.7.2010 um 15:00) AntwortenReply to this comment

    ganz ehrlich, ich bin den Beamten deswegen nicht böse! Woher sollen sie denn ihre Word-Kenntnisse haben? Jedes Unternehmen geht davon aus, dass ein Textverarbeitungsprogramm durch jeden Trottel bedient werden kann, eine Schulung dahingehend ist also überflüssig.
    Allein die Tatsache, dass ein Drücken der Enter-Taste einen Absatz markiert und keinen Zeilenumbruch, peilt kein Otto-Normal-User, der Word grade mal öffnen kann.
    Gebt den Leuten eine ordentliche Einweisung in das Programm! Aber nicht wilde Features ausbilden, sondern die grundlegenden Funktionen und Fallen…
    Ich weiß, wovon ich rede, ich hab selbst einige Zeit User an Office-Produkten ausgebildet…

  6. Kai K. meint: (20.7.2010 um 15:05) AntwortenReply to this comment

    hat eigentlich jemand schon mal einen Antrag auf Zulassung einer Rechtsbeschwerde beim Rechtspflger gemacht? Es ist die Hölle, wenn man mit ansieht, wie verdammt langsam der Rechtspfleger das, was man sagt, in die Tastatur tippt. Wenns hochkommt, sind wir bei 50 Anschläge in der Minute.

    Bei der Polizei sieht das nicht anders aus.

    Es ist zum Kotzen, insbesondere, wenn man selber über 650 Anschläge in der Minute tippt; natürlich fehlerfrei und dann sowas mit ansehen muss, … Anträge auf Zulassung von Rechtsbeschwerden muss man ja als Nicht-Anwalt zu Protokoll der Geschäftsstelle erklären….

  7. anonym meint: (20.7.2010 um 15:06) AntwortenReply to this comment

    Das ist wieder mal der schlagende Beweis, daß früher doch vieles besser war, als solche Informationen auf Papier versandt wurden.

  8. Jan Schejbal meint: (20.7.2010 um 15:09) AntwortenReply to this comment

    Ist das, was beim Schnellspeichern übrigbleibt, tatsächlich mit Bordmitteln anzeigbar oder gibt es dafür ein brauchbares Tool? Oder hat der Redakteur sich tatsächlich die Mühe machen müssen, den Text mit "strings" und/oder viel Geduld und einem binärfähigen Editor aus der Datei zu kratzen? Das würde auch erklären, warum sich scheinbar keine Bilder fanden, denn 36 MB nur Text wäre schon sportlich. Oder wurde nur die Schnellspeicher-Funktion mit der Änderungsverfolgung (oder wie auch immer das heißt) verwechselt? Kennt sich jemand mit den Funktionen und dem Format genauer aus?

  9. Torsten K. meint: (20.7.2010 um 15:31) AntwortenReply to this comment

    Aus dem PS: "Der Chef des Pädagogenverbands – ein verbeamteter Lehrer – zeigte jedenfalls keinerlei Reue und forderte dreist eine Entschuldigung dafür, dass die in seiner Erklärung verpackte Mailbombe und das lehrerseitige Unvermögen auch öffentlich wurden."

    Dem kann man eigentlich nichts mehr hinzufügen.

  10. stachel meint: (20.7.2010 um 15:31) AntwortenReply to this comment

    OT:
    hier auf der örtlichen polizeiinspektion stehen noch alte tc-20 rum auf denen die beamten das prokoll mit der ein-finger-adler-such-methode eingeben.

    ich glaube man sollte den jungs mal einen rechner mit word schenken. kein wunder dass die eingaben im vi immer eher brauchen. vorallem wenn der beamte ständig vergisst vorher i zu drücken…

    *gnihihi*

  11. Olli meint: (20.7.2010 um 15:49) AntwortenReply to this comment

    @Jan Schejbal:

    Bei Word?

    Vermute einfach Textnachverfolgung aktiviert fertig.

    Das Problem ist schon seit 10 Jahren bekannt. Aber scheinbar nicht bei allen.

    Deswegen benutze ich Open Office und verschicke meine Dateien per PDF.

  12. Chris meint: (20.7.2010 um 15:55) AntwortenReply to this comment

    @Ernst: Das ist mir auch gleich aufgefallen. Wer im Glashaus sitzt …

  13. keiner meint: (20.7.2010 um 16:06) AntwortenReply to this comment

    Wer bei der Installation von Win/Office seinen vollen Namen angibt und später den Überarbeitungsmodus aktiviert, der klickt auch in die Links von eMails mit der Kopfzeile "Ihr paypal Konto wurde bei einem Stand von -174,96 € gesperrt"…

  14. kampfgarten meint: (20.7.2010 um 16:16) AntwortenReply to this comment

    @stachel: Mit vi macht man immerhin keinen solchen Unsinn.

  15. rudelgucker meint: (20.7.2010 um 16:23) AntwortenReply to this comment

    @keiner: Prinzipiell steht der Eingabe des eigenen Names sowie der Aktivierung des Überarbeitungsmodus nichts entgegen. Nur wer die resultierenden Dokumente verteilt, der klickt auch auf die angesprochenen Links.

    Sich darüber zu beschweren, dass die betroffenen Ermittlungsbeamten Word nicht bedienen könnten geht am Kern der Sache vorbei – schließlich haben die das Dokument nicht herausgegeben. Das stammt aus der Pressestelle des LKA. Es reicht folglich, wenn man dort die internen Teile herausfiltert. (Bei einer zehnzeiligen Erklärung bietet sich da durchaus das gute alte Textformat an.)

  16. Hans meint: (20.7.2010 um 16:23) AntwortenReply to this comment

    @keiner: "Ihr paypal Konto wurde bei einem Stand von -174,96 € gesperrt"…

    Wen interessiert sowas denn? Wenn Paypal das Konto sperrt kann man ja auch kein Geld mehr einzahlen, da man gar nicht an den absolut wichtigen Verwendungszweck kommt. :3

  17. keiner meint: (20.7.2010 um 16:27) AntwortenReply to this comment

    Ich hab kein paypal-pillepalle Konto :-D

  18. Tichondrius meint: (20.7.2010 um 16:40) AntwortenReply to this comment

    @Baul: Das hat seinen Namen geändert (bekommen vom Hersteller).

    Demnächst nur noch Screenshots mit der Kleinbildkamera postalisch versenden, dann passiert sowas nicht mehr.

  19. Zeitungsdieb meint: (20.7.2010 um 17:38) AntwortenReply to this comment

    @Tichondrius:
    Dann haben diese Experten den Weitwinkelmodus drin und lichten die halbe Amtsstube samt Dienstplänen, rumliegenden Protokollen usw. mit ab …

  20. Hondo meint: (20.7.2010 um 17:52) AntwortenReply to this comment

    Viel interessanter als die Tatsache, dass die offenbar alle nicht mit Word umgehen können finde ich ja die Tatsache, dass es niemand für seltsam hielt, dass ein 10 Zeilendokument eine derartige Größe hatte. Da fragt man sich ja, mit was für Dateien die da sonst hantieren, dass die das offensichtlich für normal halten.

  21. UsF meint: (20.7.2010 um 17:56) AntwortenReply to this comment

    Da gibt es mal Transparenz und dann passt es immer noch niemanden. :D

  22. Bernhard meint: (20.7.2010 um 18:04) AntwortenReply to this comment

    Ich denke noch viel weniger Menschen kennen die Tatsache, daß auf den Festplatten moderner Kopierer ihre hübschen Vorlagen gespeichert sind…

  23. Bernhard meint: (20.7.2010 um 18:07) AntwortenReply to this comment

    @Hondo:

    …dass es niemand für seltsam hielt, dass ein 10 Zeilendokument eine derartige Größe hatte.

    Das ist gar kein Problem, das zu ignorieren: Die Dateigröße wird in der Symbolansicht nicht angezeigt, und die Mail ist übers lokale Netzwerk zum nächsten Exchange-Server in Nullkommanichts weg.

  24. Seb meint: (20.7.2010 um 18:43) AntwortenReply to this comment

    @kampfgarten: Mit nem PDF (und vielen anderen Dateiformaten, insbesondere auch bereinigten Word-Dokumenten) auch nicht. Warum also 40 Jahre alte Software benutzen?

  25. gb meint: (20.7.2010 um 19:20) AntwortenReply to this comment

    @Olli: waere das Ergebnis nicht bei Word -> Pdf genauso?

  26. Loxia meint: (20.7.2010 um 20:04) AntwortenReply to this comment

    @Hondo:
    Das sind PÄDAGOGEN! Was erwartetst du denn von denen? Die meisten davon sind aber sowas von beratungsresistent und wollen anstattdessen diejenigen "erziehen", die sie kritisieren!!! Das mit der geforderten "Entschuldigung" ist absolut typisch!

    Sorry für die vielen Ausrufezeichen, aber ich muß mittlerweile fast täglich Broschüren etc. für solche Leute designen. Ständig versuchen die einem da bis ins Detail reinzuquatschen, obwohl sie nicht mal 3% davon verstehen. Ich hab mittlerweile so die Schnauze voll mittlerweile von diesem P… äh .. diesen Leuten!!!

  27. Werner meint: (20.7.2010 um 20:21) AntwortenReply to this comment

    Mal gesetzt den Fall, daß ich gezwungen werde, meine geistigen Ergüsse als Word-Datei zu versenden (es gibt z.B. "Firmen", die bestehen auf Lebenslauf im doc-Format!), dann gibt es doch eine uralte Möglichkeit, alle versteckten Informationen der doc-Datei loszuwerden. 1. Datei abspeichern im rtf-Format, 2. rtf-Datei neu einlesen und 3. Datei neu abspeichern im doc-Format. Der famose Filologenverband würde sich wundern, wie seine 36 MB schrumpfen. Aber wahrscheinlich ist das zuviel Wissen für Filologen (und Polizisten). – Aber das sicherste ist natürlich immer noch pures ASCII, da kriegt man nur das, was man auch sieht.

  28. Hondo meint: (20.7.2010 um 20:29) AntwortenReply to this comment

    @Bernhard:
    Naja, wer Symbolansicht benutzt hat sowieso ganz andere Probleme…

  29. 36 MB meint: (20.7.2010 um 23:51) AntwortenReply to this comment

    Eine Word-Datei mit 10 Zeilen Text von sage und schreibe 36 MB? Das ist Fett man!

  30. LKA Brandenburg meint: (20.7.2010 um 23:52) AntwortenReply to this comment

    Sehr geehrte Kommentanten,

    Ihre Kritik haben wir uns zu Herzen genommen. Nach einschlägiger Beratung haben wir beschlossen, auf Lunix und Latex (nein, nicht die Uniformen!!!) zu migrieren (gilt auch für Kameraden ohne Migrationshintergrund!!!). Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aufgrund der notwendigen Schulungsmaßnahmen die nächsten 36 Monaten voraussichtlich keine Verbrechen verfolgen können. Allen Verbrechern raten wir sich selbst anzuzeigen. Es nützt ja doch nichts!!!

    Hochachtungsvoll,
    LKA Brandenburg

  31. Archer meint: (21.7.2010 um 01:13) AntwortenReply to this comment

    Jeder, der nur minimal Ahnung von der Materie hat, würde bei einer 36 MB großen Datei sofort hellhörig werden. Wie gesagt. Jeder, der Ahnung hat.

  32. herbart meint: (21.7.2010 um 02:12) AntwortenReply to this comment
  33. Nun-ex-Referendar meint: (21.7.2010 um 09:17) AntwortenReply to this comment

    Verträge ändert man im Änderungsmodus, damit die Gegenseite nachverfolgen kann, was geändert wurde. Die Änderungen nur in einem Anschreiben zu bennen mit Ortsangabe machen nur noch uralte Leute.

  34. Thomas meint: (21.7.2010 um 10:27) AntwortenReply to this comment

    Und wo finde ich besagtes Dokument?
    Downloadlink oder nie passiert! =)

  35. SvenC meint: (21.7.2010 um 10:34) AntwortenReply to this comment

    wenn, dann schickt man doch eher *.pdf?
    WER kommt auf die Idee docs zu verschicken? Ist ja schon fast niedlich.

  36. Zeuge meint: (21.7.2010 um 17:17) AntwortenReply to this comment

    Das erinnert mich direkt an eine Zeugenaussage, die ich mal bei einem Gendarm im Büro machen "musste". Das Protokoll war sprachlich daneben und zeigte erhebliche Schwächen in seiner Rechtschreibung auf. (Tippfehler fänd ich ja noch entschuldbar).

    Noch dazu kam, dass er 1. im Dienstgebäude (heimlich) rauchte und 2. mir Hintergründe zu den Opfern und Beschuldigten lieferte. Da war ich doch sehr überrascht wie gravierend das die eigene Aussage plötzlich beeinflusst. Außerdem legte er mir die Worte praktisch in den Mund, anstatt mich reden zu lassen.

  37. Wolfram meint: (21.7.2010 um 18:00) AntwortenReply to this comment

    Wenn mir dann noch jemand erklären könnte, was der Pädagogenverband (Lehrer-Verein!) im Versand einer LKA-Pressemeldung (Polizeibehörde) zu tun hatte?

  38. dsadjkl meint: (24.7.2010 um 21:38) AntwortenReply to this comment

    Wo kann man das Dokument herunterladen?

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