7.9.2010

Der Humor der Steuerfahnder

Witzischkeit kennt ja bekanntlich kaum Grenzen. Bislang habe ich allerdings vermutet, dass zumindest die Finanzbehörden auf der anderen Seite liegen. Weit gefehlt. Ausgerechnet die Steuerfahndung in Nordrhein-Westfalen bemüht sich um Lockerheit – zumindest in ihrem Internetauftritt.

Auf der Startseite sehen wir den Leiter der Münsteraner Steuerfahndung höchstpersönlich, wie er Einlass in ein properes Mittelstands-Häuschen begehrt. Text zum Bild:

Wir machen auch Hausbesuche

Harald Küper, Leiter der Steuerfahndung in Münster, sitzt nicht nur hinter dem Schreibtisch. Er besucht auch die Bürger, für die Steuergerechtigkeit nur ein Fremdwort ist.

Es trifft also nur die Bösewichte. Da sind wir aber beruhigt.

In der Tat hatte ich in meiner 16-jährigen Tätigkeit als Strafverteidiger bislang keinen einzigen Fall, in dem die Steuerfahndung Hausbesuche gemacht, Konten gepfändet und manchmal sogar auf Haftbefehle hingewirkt hat, und sich am Ende der Verdacht doch als Luftnummer erwiesen hat.

Dementsprechend ist auch noch nie passiert, dass – gerne auch durch anonyme Anzeigen – durch erst den nimmermüden Kampf für Steuergerechtigkeit und anschließende sang- und klanglose Verfahrenseinstellungen bürgerliche Existenzen den Bach runtergingen.

(Ich versuche ja auch nur, witzisch zu sein.)

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37 Kommentare zu “Der Humor der Steuerfahnder”

  1. Anonymous meint: (7.9.2010 um 13:31) AntwortenReply to this comment

    "Er besucht auch die Bürger, für die Steuergerechtigkeit nur ein Fremdwort ist."

    D.h. er besucht auch Millionäre mit Schiffsbeteiligungen? Zum Golfen oder zum Teetrinken?

  2. Karpatenhund meint: (7.9.2010 um 13:38) AntwortenReply to this comment

    Ich finde das Foto gelungen. Mein Gott: Man darf nicht alles so ernst nehmen. Natürlich hätte dort stehen können: "Wir besuchen auch Leute, bei denen nach unseren Ermittlungen der Anfangsverdacht auf Steuerhinterziehung gegeben ist, was nicht notwendigerweise heißen muss, dass die weiteren Ermittlungen den Verdacht bestätigen und/oder dass die betreffenden Personen am Ende wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden; Im Übrigen kann es auch heißen, dass unsere Ermittlungen im Vorfeld nicht korrekt waren, was widerum nicht zwingend ist."

    Wer will denn bitte so etwas lesen? Jeder kann sich doch wohl denken, dass dieses Foto mit der Bildunterschrift nicht für jeden Einzelfall korrekt ist. Ansonsten sollte man dringenst an seiner Lesekompetenz feilen.

  3. ct meint: (7.9.2010 um 13:48) AntwortenReply to this comment

    @2
    Danke.

  4. Bernhard meint: (7.9.2010 um 13:49) AntwortenReply to this comment

    @2 Karpatenhund: NEIN! In einer Veröffentlichung der "Finanzämter für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung NRW" erwarte ich seriöse Informationen und keine Boulevardmeldungen! Es ist höchst unseriös dies so darzustellen. Das zeigt meiner Meinung nach den nicht vorhandenen Respekt vor dem Bürger.
    Ende der Durchsage.

  5. Taxman meint: (7.9.2010 um 13:52) AntwortenReply to this comment

    Udo Vetter, der mutmaßlich – wie die meisten Strafverteidiger – überwiegend von Staatsknete lebt (Pflichtverteidigerhonorare), hat sich – wiederum wie die meisten Strafverteidiger – halt noch nie Gedanken gemacht, woher das Geld dafür eigentlich kommt. Ist so wie mit dem Strom, der aus der Steckdose kommt. Da darf man ihm mangelndes Verständnis für die Notwendigkeit unappetitlicher Dinge wie Finanzämter, Steuerfahndung u.Ä. auch nicht verübeln.

  6. Rangar meint: (7.9.2010 um 13:58) AntwortenReply to this comment

    Das Problem ist doch, dass die Beamten für die Fehler und evtl. vernichteten Existenzen nicht im geringsten haftbar gemacht werden.

  7. G. Kraemer meint: (7.9.2010 um 14:01) AntwortenReply to this comment

    Udo will offenbar andeuten, dass sich mancher "Hausbesuch" als Schuss in den Ofen erweist. Tja, das ist halt so. Man macht eben Durchsuchungen gerade dann, wenn man zwar einen konkreten Verdacht hat, aber die Beweismittel erst noch braucht – das steht erstens so im Gesetz und versteht sich außerdem von selbst. Und manchmal findet man halt nichts, und sei es, weil der Verdächtige nicht so blöd war, die Beweismittel im eigenen Haus aufzubewahren. Also alles im grünen Bereich und kein Grund, der SteuFa ein (leidlich) humoriges Bildchen zu verbieten.

  8. nobelmeier meint: (7.9.2010 um 14:08) AntwortenReply to this comment

    Suche gerade über Streetview wer da besucht wird oder wer sich Sorgen machen sollte. googlemap da waren wir schon …

  9. gant meint: (7.9.2010 um 14:16) AntwortenReply to this comment

    @Karpatenhund:
    Für das Wort "mutmaßlich" hätte es aber auch gereicht, ohne den Witz komplett abzutöten.

  10. ich meint: (7.9.2010 um 14:17) AntwortenReply to this comment

    @5: Sollte Herr Vetter wirklichin der misslichen Lage sein, "überwiegend von Staatsknete" zu leben, dann ist er wahrlich nicht zu beneiden. Ich bezweifle – als Strafverteidiger -, dass dieses "Schicksal" die meisten meiner Kollegen trifft. Es sei nur am Rande die Kostentragungslast bei einer Einstellung des Verfahrens im Ermittlungsstadium genannt…

    Unschön wird es nicht, wenn die Steuerfahndung anrückt, und es zeigt sich, dass nix dran ist am Vorwurf. Dann kann es schnell man sein, dass der Betrieb/das Gewerbe den BAch runtergeht. Und erst dann, lieber Taxman, gibt es Leute, für deren Transferleitsungen wieder die Steuerfahndung Geld suchen muss.

  11. ich meint: (7.9.2010 um 14:18) AntwortenReply to this comment

    Korrektur:

    "Unschön wird es erst(!)…."

  12. Azazel meint: (7.9.2010 um 14:24) AntwortenReply to this comment

    Hmm. Ich frage mich gerade, ob die Wahrscheinlichkeit eines Hausbesuchs mit einem Besuch auf der Homepage steigt. War das nicht mal ein alter Trick des BKA?

  13. aida meint: (7.9.2010 um 14:28) AntwortenReply to this comment

    zu 2. und 5.

    Ahhh – ja….

    § 1 DER STAAT HAT IMMER RECHT
    § 2 In allen anderen Fällen wird automatisch § 1 angewendet

  14. f meint: (7.9.2010 um 14:28) AntwortenReply to this comment

    Die Bildunterschrift lässt sogar noch mehr Interpretationsspielraum zu:

    Er besucht auch die Bürger, für die Steuergerechtigkeit nur ein Fremdwort ist.

    Den zweiten Nebensatz könnte man auch als Beschreibung und nicht als Einschränkung verstehen, so ähnlich wie "Er besucht auch die Bürger. Für die ist Steuergerechtigkeit ein Fremdwort.".

    Eindeutig wäre es erst, wenn da " [..] auch diejenigen Bürger, für die [..]" stünde.
    SCNR ;-)

  15. Student meint: (7.9.2010 um 14:30) AntwortenReply to this comment

    Ich habe sogar als 'Abschiedsgeschenk' einen Kugelschreiber mit dem Aufdruck: "Wir machen auch Hausbesuche! Ihre steuerfahndung" bekommen. Sehr nette Menschen!

  16. Jürgen meint: (7.9.2010 um 14:39) AntwortenReply to this comment

    Vor Jahren hat die mich auch mal besucht. Ebay machts möglich. Waren nett und kompetent. Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Gab zwar noch eine Geldbuße von ein paar Euro, aber seither habe ich einen Steuerberater. :-)

  17. Killerkralle meint: (7.9.2010 um 14:40) AntwortenReply to this comment

    @Student:

    Komisch, dass es keine Fahndung gibt, die die Steuergeldverschwendung für solch selten dämliche Kugelschreiber ins Visier nimmt.

  18. KaiBerlin meint: (7.9.2010 um 14:50) AntwortenReply to this comment

    Der Duden in mir meint: In der Tat hatte [ich] …und sich am Ende der Verdacht doch als Luftnummer [erwies].

  19. Planewalker meint: (7.9.2010 um 15:01) AntwortenReply to this comment

    "Er besucht auch die Bürger, für die Steuergerechtigkeit nur ein Fremdwort ist."

    Die eigentliche Pointe ist euch bisher entgangen, nämlich der Begriff "Steuergerechtigkeit". Diesen in Zusammenhang mit Deutschland zu verwenden ist geradezu lachhaft. Bei uns tragen nicht die Besitzenden die Gemeinschaft, sondern die Klein- und Mittelverdiener, also die Arbeitssklaven, durch deren Ausbeutung bestimmte Kreise ihr Vermögen schöpfen. Durch eigene Arbeit ist noch niemand reich geworden.

    Genug der Polemik.

  20. Till meint: (7.9.2010 um 15:13) AntwortenReply to this comment

    Jawoll, das geht gar nicht! Humor ist deutschen Ämtern striktestens untersagt! Ausnahmegenehmigungen nach dem Spaßbefreiungsbefreiungsgesetz werden nur durch den Witzewart erteilt!

  21. gulliver meint: (7.9.2010 um 15:14) AntwortenReply to this comment

    man kann sich ja ein Bild meinem durchgestrichenen Steuerfahnder an die Haustür hängen

  22. gulliver meint: (7.9.2010 um 15:15) AntwortenReply to this comment

    …Bild mit einem…

  23. gerhardq meint: (7.9.2010 um 15:38) AntwortenReply to this comment

    Wenn er die Bürger besucht, für die der Begriff Steuergerechtigkeit ein Fremdwort ist, dann kann es sich hier eigentlich nur um Politiker – vor allem in Berlin – handeln.

  24. Steuerfahndungsopfer meint: (7.9.2010 um 16:02) AntwortenReply to this comment

    Ich war 1995 wegen mehreren anonymen Anzeigen im Fokus der Steuerfahndung. Die Herren kamen mit richterlichem Befehl zum "Hausbesuch" in die gut laufende Firma und ins Haus.

    Es wurde ALLES eingetütet. Nichts blieb da, was auch nur irgendwie nach Firma aussah. Mit dieser Vorgeschichte, die sich natürlich wie ein Lauffeuer in der Kleinstadt rum sprach, wollte NIEMAND mehr mit einem Geschäfte machen.

    Die Firma war damit platt. 6 Arbeitnehmer + meine Wenigkeit inklusive Familie hatten keine Arbeit mehr. Am Ende hatte ich 150.000 Euro Schulden und eine Ehekrise.

    Ergebnis: Das Verfahren dauerte 10 Jahre (in Worten: zehn). Dann bekam ich ein einseitiges Schreiben mit zwei Sätzen vom StA, dass das Verfahren eingestellt wird und ich doch bitte meine Unterlagen abholen soll.

    Ich habe dem StA geschrieben, dass er bitte alle Kisten im Dezernat ausleeren, mit Benzin überschütten und anzünden soll.

    Was ich von der StA und Steuerfahndung halte, kann sich jeder selbst ausmalen, wenn er sich in meine Lage versetzt.

    Die Website mit ihrer Startseite ist ein HOHN, eine Unverschämtheit gegen über den Bürgern dieses Landes. Humorvoll ist da gar nichts. Ich hoffe, dass sich mal einer rächt. Ich klatsche auf jeden Fall Beifall.

  25. Bernhard meint: (7.9.2010 um 16:17) AntwortenReply to this comment

    @21 gulliver : Freudsche Fehlleistung? ;)

    @24 Steuerfahndungsopfer :"Die Website mit ihrer Startseite ist ein HOHN, eine Unverschämtheit gegen über den Bürgern dieses Landes." FULL ACK!

    Diejenigen die Steuergerechtigkeit in diesem Land sehen sind identisch mit denjenigen die legal keine Steuern zahlen.
    Alle anderen verhöhnt diese VERÖFFENTLICHUNG.

  26. Abmahner meint: (7.9.2010 um 17:49) AntwortenReply to this comment

    @Steuerfahndungsopfer
    Guter Beitrag, der sich mit meinen Erfahrungen in etwa wiederspiegelt (jedoch war es bei mir nicht die Steuerfahndung, sondern ganz normale KriPo-Beamte nach anonymen Anzeigen).
    Man sollte tatsächlich mal eine repräsentative Statistik erheben, wieviele Existenzen wegen soetwas zerstört wurden.

  27. Agir meint: (7.9.2010 um 18:32) AntwortenReply to this comment

    @Planewalker: Wie kommst du denn auf dieses dünne Eis? Erkundige Dich bitte, wer hier die meisten Steuern zahlt.

  28. FlyingT meint: (7.9.2010 um 18:59) AntwortenReply to this comment

    @Planewalker:

    Schlimm ist es in Deutschland geworden, mit über 66.000€ Einkommen im Jahr ist man heute schon Kleinverdiener. Denn diese 8% zahlen mal locker 50% der Steuern.

  29. Olli meint: (7.9.2010 um 19:09) AntwortenReply to this comment

    @Agir:

    Und jetzt schau dir mal die Vermögensverteilung an.

  30. gulliver meint: (7.9.2010 um 19:40) AntwortenReply to this comment

    @Bernhard:
    jedem seinen, mir meinen Steuerfahnder :)

  31. Karpatenhund meint: (7.9.2010 um 20:15) AntwortenReply to this comment

    @Bernhard: Wenn man von Behörden "nur seriöse Informationen" erwartet ist das okay; Am Ende jammern wieder alle herum, dass sie das Juristendeutsch nicht lesen können (obwohl das wesentlich genauer als die Alltagssprache ist). Die Bildunterschrift lässt genügend Raum für Interpretationen. Für jeden Mensch mit Lesekompetenz und etwas Hirn ist doch eindeutig, dass Behörden nicht immer richtig liegen (können), womit auch klar ist: Möglicherweise wird hier der ein oder andere Verdächtige "besucht", der unschuldig ist.

    @gant: Man kann es tun, man kann es auch lassen. In der Bildunterschrift steht "Er besucht AUCH…". Reicht eigentlich vollkommen. Wenn man es denn nur auf seine Außendiensttätigkeit beziehen möchte und sich weigert, den Begriff zu interpretieren, müsste man eigentlich in der Lage sein, den Verstand aufzubringen, diese Unterschrift als Regelbeispiel zu sehen. Denn wenn eins eindeutig ist ist das, dass Behörden auch nicht in jedem Einzelfall korrekt arbeiten (können).

    @aida: Das hat nun wirklich niemand behauptet. Texte zu verstehen kann man übrigens lernen.

  32. Katzenverteiler meint: (7.9.2010 um 22:28) AntwortenReply to this comment

    So einen moralingesäuerten, humorbefreiten Artikel erwarte ich eher in einer Schrebergartengazette für Rentner. War wohl ein dummes Vorurteil.

  33. kaputnik meint: (8.9.2010 um 11:33) AntwortenReply to this comment

    @FlyingT: @FlyingT:

    "…wer hier die meisten steuern zahlt…" "… 8 Prozent zahlen locker 50%…"

    Diese Propaganda-Verfälschung der tatsächlichen Umstände könnt ihr euch sparen:

    Steuern sind nicht nur Einkommenssteuern. Und bei denen wird abgesetzt und unterschlagen, was das System hergibt.

    Von der eigentlichen Bewertung der Leistungsfähigkeit, der Vermögensverteilung und Steuer- und Abgabenbelastung über alles im Land mal abgesehen.

  34. Ben (d.U.) meint: (8.9.2010 um 15:47) AntwortenReply to this comment

    Schön, dass die Propagandalügen bezüglich der Steuerlast endlich mal Gegenfeuer bekommen. Die wahre Last liegt nämlich bei uns im Gegensatz zu praktisch jedem anderen Land der Welt in den Sozialabgaben, für die NUR die Zwangsversicherten zahlen müssen, das aber auch nur bis zur Bemessungsgrenze. Und das geht mal wie ein Arterleriegeschoss, dass den kleinen und mittleren Arbeitern und Angestellten die Venen zerfetzt, damit es allen anderen auf deren Kosten ein saftiges Stück besser geht.

  35. Anmerker meint: (10.9.2010 um 16:52) AntwortenReply to this comment

    @ct: @Steuerfahndungsopfer: Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte und ohne Grund kein Verfahren, was 10 Jahre dauert.

  36. Darkstalker meint: (10.9.2010 um 22:10) AntwortenReply to this comment

    Hm … entweder meckert man, weil die Beamten alle so verbissen sind und so humorlos und so Vorschriftsgebunden.

    Oder die Finanzämtler lassen mal nen Witz raus (was hin und wieder doch egentlich auch ganz nett ist) – dann hat man aber auch gleich wieder Futter gefunden, sich auch wieder aufzuregen.

    Es drängt sich die Vermutung auf, dass es verkehrt ist, egal wie man´s macht. Haupsache dagegen, Herr Rechtsanwalt. So kriegt man Volkes Zustimmung … zumindest vom Durchschnittsidioten… *seufz*

    "Ich bin Anwalt. Ich kämpfe für ihr Recht. Gegen Alles. Gegen Jeden. Ich finde schon einen Grund."

  37. Steuerberater meint: (19.9.2010 um 14:04) AntwortenReply to this comment

    Wäre in der Tat komisch, wenn die Herren Ihre Hausbesuche nicht im dutzend, im Morgengrauen, unangekündigt, und ohne "Schuhe ausziehen" durchführen würden. Mehr Kundenfreundlichkeit bringts auch hier!

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