Die scharfen Augen der Nachbarn
Die Nachbarn eines 55-Jährigen im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld waren misstrauisch geworden. In der Wohnung des Mannes stapelten sich im Fenster unzählige Tabakpackungen. Ein illegales Zigarettenlager, eine Basis für Schmuggler und Hehler?
Der vermeintliche Tatort (Foto: Polizei Wuppertal)
Das vermutete auch die Polizei. Zusammen mit sechs (!) Zöllnern drangen Beamte in die Wohnung des 55-Jährigen ein. Doch der hatte eine ebenso plausible wie überraschende Erklärung. Er ist Kettenraucher, und weil er keine Gardinen vorm Fenster hat, stapelt er dort die leeren Tabakpackungen – um sich vor der Frühlingssonne zu schützen.
Der Einsatztrupp sah jeden Tatverdacht entkräftet und zog wieder ab.(pbd)
Klar! Wenn ein unbeschrifteter CD-Rohling schon zu einer Hausdurchsuchung wegen Raubkopiererei führt, dann ist diese Aktion doch nur konsequent!
Raucher sind per se verdächtig!
Haette er dort Porno-Heftchen gestapelt waere wohl der Verdacht auf KiPos aufgekommen…
Als nächstes wird jeder durchsucht der nicht mindestens einen Korruptionsbeweis ala Partei Sticker zur Schau stellt, sich oeffentlich als Kapitalismus Fanboy präsentiert und zusaetzlich noch Sklaverei (tut mir leid ich vergaß: Neusprech: Leiharbeit) hochlobt.
Eine richterliche Anordnung der Durchsuchung gabs auch? Oder basierte der Besuch auf einer "freiwilligen" Einladung des Bewohners zum Kaffeetrinken?
Finde den Vorgang nicht erwähenswert. Der Anfangsverdacht ist vorhanden; Wohnungsbunker gibt es oft. Da es um Zigaretten geht, ist auch der Zoll zuständig. Die 6 Mann vom Zoll sind auch nicht besonders erwähnenswert. Denn wer eine wirkliche Bunkerwohnung "stürmt", muss mit unerwarteten Bewohnern rechnen.
Ich denke auch nicht, dass Herr Vetter als langjähriger Verteidiger sich sonderlich schockiert sah als er davon hörte. Normale Polizeiarbeit halt.
Deutschland ist eben das Land der Denunzianten und nicht umsonst das Land der Gestapo und Stasi gewesen.
@fernetpunker: ack!
ausschlaggebend für den beitrag durch herrn vetter dürfte wohl weniger die aktion an sich gewesen sein, als viel mehr das wirklich witzig anmutende foto.
ich würde natürlich auch, wäre ich ein schmuggler, meine ware vor ein gut durchschausbares fenster stellen! von wegen verstecken, dreistigkeit siegt!
Komisch an dem "Fall" ist wirklich nur der bizarre "Anfangsverdacht". Weniger komisch, als vielmehr erschreckend finde ich, dass obwohl der "gesunde Menschenverstand" / die Lebenserfahrung nahe legt, dass echte Tabakschmuggler oder -Hehler in einer "Bunkerwohnung" schwerlich so dumm sein werden, "heiße Ware" sozusagen im Schaufenster zu präsentieren, gleich mit der "vollen Härte des Gesetzes" vorgegangen wurde. (Ich nehme an, dass ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss vorlag.) Aber vielleicht gibt es, analog zur Dienstanweisung an das Sicherheitspersonal auf Flughäfen, anscheinend scherzhafte Hinweise auf Waffen, Bomben, Drogen usw. ernst zu nehmen, eine Anweisung, augenscheinlich unsinnige oder schlimmstenfalls auf einen besonders dämlichen Täter / "blutigen Anfänger" hindeutende Umstände als Hinweis auf besonders entschlossene Täter zu werten.
@Christian: Ich kann diese verniedlichende Abkürzung nicht mehr sehen, auch wenn es nicht so gemeint ist.
@fernetpunker: Ach halt doch den Ball flach. So schlimm isset hier ja nu nich. Falls du das nicht glaubst: Der chinesisch, iranische, russische und etliche weitere -ische "Staatssicherheitsdienste" sind da durchaus der Gestapo würdig.
Das hat Deutschland weder erfunden noch zur Perfektion gebracht. Es folgte lediglich einem etablierten Muster. Und mich kotzen diese ewigen Nazivergleiche allmählich mal richtig an.
Andere kochen auch nur mit Wasser, nur wenn in Schweden oder Norwegen oder England denunziert wird, gibts noch Beifall für den Denunzianten. Hier werden die wenigstens noch ausgegrenzt.
Es kann der froemmste nicht in Frieden leben…
Auf dem Polizeifoto ist deutlich zu erkennen, daß es sich bei der 'Stapelware' um Tabakdosen handelt.
Spätestens die Zöllner (als 'Fachleute') hätten daran unschwer erkennen müssen, daß es sich nicht um Schmuggelware handelt…
@Tobi: Interessiert keinen.
Clever. Erst die ganzen leeren Zigarettenschachteln stapeln, dann warten bis der Zoll vorbeikommt und anschließend mit dem illegalen Zigarettenhandel anfangen.
@12: immer noch besser als "tobi".
Stellt euch vor, was passiert wäre, wenn Nachbarn erst gesagt hätten, dass der Typ slawisches(!) oder gar arabisches(!) Aussehen hätte.
Das sind die gleichen scharfen Augen, die sich wegdrehen (statt Polizei zu rufen), wenn sie offene Gewalt auf der Straße bemerken.
@Tante Jay: Ah! Wenn es woanders schlimmer ist, dann ist es hier in Ordnung. ;) Welch Glück, daß dann nur noch die Schlimmsten Mißstände der Welt angegangen werden müssen, bereits der Zweitplatzierte kann sich als "Besser" entspannt zurücklehnen. Danke für die Aufklärung. :]
@patrick:
klar, wer will schon ein Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung am Hals haben?
Hmm, die Packungen waren Legal, aber war es auch der Inhalt?
Es könnte ja sein das er Ilegale Zigaretten in Legalen Packungen hatte und diese geraucht hat. Also sofort Einbunker bis er das Gegenteil bewiesen hat, denn nur das ist Deutschland…
mfg
Der Steuerzahler
Igitt, ein Messi.
@fernetpunker:
Naja, Zigarettenschmuggel ist oft OK, von daher kann ich schon verstehen, dass man das nicht in seiner Nachbarschaft haben will.
Der Mann hat ein Bundesverdienstkreuz verdient, keine Wohnugsdurchsuchung. Er trägt wahrlich zu unser aller Sicherheit bei, siehe "Rauchen gegen den Terror"!
Ich kann sogar auf den gezeigten Foto Steuersiegel erkennen. Von daher finde ich es befremdlich, dass man, anstatt in einem unbeobachteten Moment zu prüfen ob es sich um das deutsche Siegel handelt, sofort mit der Kavalerie anrückt. Oder wurde vermutet, dass hier ein nicht angemeldetes Gewerbe ist?
Nichtsdestotrotz finde ich es merkwürdig, wenn man direkt die schweren Geschütze rausholt.
Ermitteln um jeden Preis !
Der Staat ist wirklich auf den Hund gekommen und sieht nur noch Einnahmen, damit diese dann nach Griechenland weitergereicht werden können.
Und wehe sie hätten noch etwas anderes gefunden und schon hätte der Mann Ärger und mehr …..
Uralt die Nummer.
Nachbar an der (damaligen) französischen Grenze schob immer einen Schubkarren mit Sand.
Zöllner: "Habe Sie etwas zu verzollen?"
Er: "Nein, Sand muß ich nicht anmelden."
Das geht 35 Jahre so und der Zöllner hat seinen letzen Arbeitstag und sagt:
"Bitte sag mir doch was du jeden Tag schmuggelst."
Er: "Schubkarren."
Dem Mann wäre mit einem Einsatztrupp Inneneinrichter mehr geholfen gewesen…
Wo ist Loddar, wenn Deutschland ihn wirklich braucht?
Nicht so streng mit den Nachbarn. Vielleicht sahen sie ja nur eine gute Gelegenheit, den Messie loszuwerden, der allen schon lange mit unangenehmen Gerüchen (und vermutlich auch noch auf andere Weise) auf die Nerven fiel.
@Ceres:
Eigentlich reicht sogar diese Auflösung um zu erkennen das diese Dosen ein deutsches Steuersiegel tragen. Da die Polizei oder der Zoll wohl wenigstens mit Mittelklassekameras ausgerüstet sind vermute ich das, das Original noch eine weitaus höhere Auflösung hat.
Eine Wohnungsdurchsuchung wäre als vollkommen unnötig gewesen.
Dank Google StreetView bedarf es dafür in Zukunft dann nicht mal mehr eines Nachbarn sondern WIR ALLE können anonym mal nachschauen, ob da nicht irgendwer in seiner Wohnung etwas möglicherweise Illegales (zum Zeitpunkt der Aufnahmen) getrieben hat – für einen Durchsuchungsbefehl wirds schon reichen, auch wenn die Aufnahmen ein wenig älter sind
Originalartikel: http://www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/kurioser-sonnenschutz-raucher-unter-falschem-verdacht-1.614859
Die Beamten hatten keine Durchsuchungsbeschluss (wie erwartet). Der Mann hat sie aber trotzdem reingelassen.
Der Zynismus/Sarkasmus in den Kommentaren (nicht nur in denen dieses Beitrages!) hier wirkt so billig, aufgesetzt und kindisch… Wenn man nichts vernünftiges beitragen kann, sollte man sich zurückhalten.
… sagte dennis m. und hatte damit mal wieder allen so richtig bescheid gegeben.
@15 (aida): Tabaksdosen. Na und? Darauf liegt nicht weniger Steuerbelastung (Tabaksteuer, Einfuhrumsatzsteuer, Zoll) als auf Schachteln.
Und ob man aus der Entfernung die Steuerbanderolen als (echte! Die werden auch gefälscht, BTW.) deutsche und nicht als ukrainische oder weißrussische, usw. Steuerzeichen identifizieren kann, ist eine andere Geschichte.
Von wegen "Niemand ist so doof, seine Schmuggelware so offen zu präsentieren": Hirnis gibt es immer und überall. Zum Beispiel die Leuchte aus Nigeria, die aus Caracas geflogen kam und wirklich nichts weiter als 800 präparierte Deo-Roller dabeihatte, see: http://www.zoll.de/f0_veroeffentlichungen/b0_rauschgift/u0_2010/y77_pm_kokain_in_deorollern/index.html
Mich stört diese Blockwart-Oma. Solchen Leuten kann ich nicht auf's Fell gucken und ich wohne in einem Haus, in dem gleich drei von dieser Sorte die Nachbarschaft belauschen, bespitzeln und ihr Gift verspritzen. Schrecklich.
@fernetpunker: Vor allem ist Deutschland ein Land von Trotteln die die Bedeutung des Wortes Denunziation nicht begreifen. Aber es ist natürlich bequem jegliche Form von Aufmerksamkeit und Zivilcourage als Denunziation zu bezeichnen, da hat man dann eine einfach Erklärung warum selber sich nur für sich selbst interessiert.
Aus dr Wikipedia kopiert:
Unter Denunziation (lat. denuntiare, „absprechend berichten, Anzeige/
Meldung machen“; denuntiatio, „Ankündigung, Androhung“) versteht man die – häufig anonyme und/oder öffentliche – Beschuldigung oder Anzeige einer Person oder Gruppe aus persönlichen oder politischen Beweggründen[1], von deren Ergebnis der Denunziant sich selbst oder den durch ihn vertreteten Interessen einen Vorteil verspricht.
So, und jetzt möchte ich mal von den ganzen Krakelern hier hören, welchen persönlichen oder politischen Beweggrund derjenige gehabt haben soll, der hier einen Verdacht gemeldet hat.
Aber Kriminelle freuen sich natürlich über so Leuchten wie Euch, die bei allem wegsehen, weil sie glauben dass es sonst Denunziation wäre.
Also noch mal in Kurzform: Wenn ich meinen Nachbarn nicht mag und deswegen beim Ordnungsamt anrufe, dass er immer falsch parkt: Denunziation. Wenn ich mich darüber ärgere, dass immer wieder falsch geparkt wird und deswegen beim Ordnungsamt anrufe: Keine Denunziation.
Begreift das mal.
@39 (Hans): Wer sagt denn, dass keine persönlichen Gründe vorlagen? Was, wenn die Oma den Tabaksdosensammler auf dem Kieker hat? Von den Blockwart-Omas in unserem Haus, die ich eben erwähnt hatte, leisten sich zwei einen gerade (aber schon seit Jahren) einen Privatkrieg mit meinem direkten Etagennachbarn. Jetzt ist der für ein paar Monate weg (Krankenhaus und Reha) und hat seine Wohnung über die Mitwohnzentrale an eine attraktive kasachische Sopranistin untervermietet. Ich wette um Geld, dass da bald eine Meldung an die Polizei kommt, weil Prostitution gemutmaßt wird. Den Ommas hier traue ich alles zu.
"Das größte Schwein im ganzen Land, ist und bleibt der Denunziant."
(Hoffmann von Fallersleben)
@Hans:
Danke fuer diesen Beitrag!
Es ist muessig das den Idoten zu erklaeren, aber wir muessen drchhalten! Jeder gerette Idiot zaehlt!
@Nasenbär: Das ist dummes Zeug, genauso wie die ständigen Gestapo und Nazivergleiche.
Aber ist ja auch schwierig das einzusehen ;)
@Hans: Dann eben Petze. :-) Die mag niemand. Und diejenigen, die fiese Petzen verteidigen, mag auch niemand. Gibt Leute, die schaffen es echt, das Sandkastenalter zu überstehen, ohne das zu begreifen.
Normale Erwachsene klären solche Dinge in Ihrer Nachbarschaft übrigens direkt und persönlich durch ein Gespräch am Briefkasten.
In einem Paralleluniversum lautet die Überschrift: "Trotz Hinweisen an die Polizei geschah nichts!"
Und in den Kommentaren lästern sie über die Idioten bei der Polizei, die nur unsere Steuern verschwenden.
gibs bei der anordnung einer wohnungsdurchsuchung nicht die einschränkende klausel das andere ermittlungsmethoden ungenügend sein müssen um das grundrecht brechen zu dürfen?
wird der aufwand jemanden zur observation abzustellen als zu viel angesehen wo man doch "schnell mal in die wohnung" kann "um nachzuschauen".
womöglich hätte man ja dabei auch noch eine krümelartige substanz gefunden die das ganze "rechtens" macht.
@Roboter Roberto:
Mal aufs Foto geguckt? Das wurde verkleinert und komprimiert. Da die Originalauflösung etwas höher sein dürfte wäre es kein Problem die Steuermarken zu erkennen. Und schon so erkennt man die Farbe ganz gut. Und nicht nur das man kann sogar den Bundesadler erkennen.
Von wegen Denunzianten und so:
In meinem Viertel ist die "Parkplatznot" (eigentlich aber die "PKW-Dichte") so groß, dass an jeder Straßeneinmündung in jeder Nacht PKW auf den als Sperrflächen deutlich markierten und beschilderten (es ist wirklich eng – die Stadt trägt diesem Fakt mit gründlich gepflegter Beschilderung Rechnung, und jeder Anwohner weiß das wegen täglicher Passage) "Ecken" abgestellt werden.
Alle diesen markant bezeichneten Sperrflächen dienen ausschließlich (und zum Glück extrem selten) dem Zweck, im Falle eines Wohnungs- oder Hausbrandes den oft sehr großen Feuerwehrfahrzeugen (Leiterwagen, Löschzüge, Kolonne anderer Rettungsfahrzeuge) möglichst ungehinderte, also möglichst schnelle Zufahrt zwecks Rettung zu ermöglichen.
Frage:
Wenn ich jede Nacht die Polizei anrufe und Fahrzeuge abschleppen lasse, die diese für eine möglichst ungehinderte und schnelle Rettung notwendigen "Ecken" blockieren: Bin ich dann ein Denunziant?
Bonusfrage:
Wenn Eure Angehörigen verbrennen, weil die Feuerwehr nicht schnell genug zum Brandort kam, weil ich nie warnte: Was bin ich dann?
@Hans: Dann nehme ich den Begriff "Denunziant" zurück und sage es mit einem Kinderreim: "Petze, Petze, ging allein." Deutschland ist das Volk der Hobby-Polizisten, die lieber unberechtigt eine Hausdurchsuchung veranlassen als auch mal Fünfe grade sein zu lassen. Es gibt keine generelle Pflicht im deutschen Recht, anderer Straftaten zu bezichtigen. In Deutschland scheint das nicht bekannt zu sein. Man KANN jemanden anzeigen, muss man aber nicht. Selbst wenn man jemanden auf frischer Tat erwischt, gibt es nur ein FestnahmeRECHT, aber keine Pflicht. Mit Zivilcourage hat das meiner Definitiono nach nichts zu tun. Deshalb sehe ich meine Eingangsthese bestätigt, die ja hier viele angegriffen zu haben scheint. Getroffene Hunde bellen eben!
Der typische Deutsche (Knöllchen Horst): 15.000 Falschparker anzeigen, aber selbst nicht zahlen wollen: http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196/Doc~E3419A8E3B9EE49BC88C4ABC12F6580CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Ist es möglicherweise typisch für Deutschland, alles Negative als "typisch für Deutschland" anzusehen?
@Landpirat: Das Petzertum muss nichts "Negatives" sein. Es ist eben die andere Seite der Medaille der preußischen Sekundärtugenden Disziplin, Genauigkeit, Pünktlichkeit, Fleiß, die uns in aller Welt als Exportweltmeister berühmt und berüchtigt gemacht haben. Ich denke nicht, dass nur Deutsche sich selbst so sehen. Ein Klischee mag es sein, alle Deutschen als Petzer zu bezeichnen. Aber ohne Abstraktion und Übertreibung funktioniert Sprache nicht.
@Fernetpunker:
"Es gibt keine generelle Pflicht im deutschen Recht, anderer Straftaten zu bezichtigen."
Blah. Was soll ich tun, wenn ich Zeuge, gar Opfer einer Straftat werde? Wegschauen? Applaudieren? Video drehen und bei einer der Röhren hochladen? B**d infornieren *hechel*?
Mal ab von ihren auch ansonsten unbewiesenen Behauptungen ("[...]Deutschland ist das Land der Hobby-Polizisten[...]" und so): Ihre "Eingangsthese" lautet so: "Deutschland ist eben das Land der Denunzianten und nicht umsonst das Land der Gestapo und Stasi gewesen."
Wo haben Sie solchen Schwafel her? Ich mag auch längst nicht alle Sitten und Gebräuche meiner Mitbürger – aber solchen schoflen Stuß würde ich denen auch frühestens ab 2,7 o/oo unterstellen. Und höchstens deshalb, und trotzdem ungern.
Und Hunde bellen und nerven damit, klar – aber dass die Hunde nicht beißen, heißt noch lange nicht, dass das Bellen unnütz ist.
Können Sie Ihre "Eingangsthese" mit den Deutschen, den Denunzianten, der Gestapo und der Stasi bitte nochmal erläutern? Präzisierung: Verständlich erläutern?
Besonders bei übergriffen in der S-Bahn liegen bei denen, die dann die Polizei rufen, "persönliche oder politische Beweggründe" vor. Sie halten sowas prinzipiell für nicht in Ordnung und wollen deshalb was dagegen tun. Aber laut solchen widerlichen Neuspießern wie patrick gucken ja alle, die auf potentielle Straftaten hinweisen, immer weg, wenn es um Zivilcourage geht. Ja, der patrick, der hat's drauf.
Wer fernetpunker ernst nimmt, hat nicht begriffen, dass, wer mit hohen Dosen marxistisch-leninistischer Gehirnwäsche anfängt und dann mit moderner Sozialismustheorie weitermacht, nicht mehr klar denken kann. Der sieht überall immer nur Feinde.
Ist ja recht lustig,wenn man sich aber mal diese URL anschaut,kommt einem das Grauen hoch und ich bekomme den Verdacht nicht los,dass mal wieder mit zweierlei Maß gemessen wird,die "Kleinen" hängt man auf,die "Großen" lässt man laufen…
http://www.youtube.com/results?search_query=Die%20Regierungskriminalit%C3%A4t%20und%20das%20Ende%20des%20BRD%20Rechtssystems&search=Search&sa=X&oi=spell&resnum=0&spell=1
1. Es gab einen Hinweis aus der Bevölkerung, dem wurde nachgegangen und dann kam die Durchsuchung. Es ist ja nicht so, dass die Durchsuchung auf Befehl der Nachbarin durchgeführt wurde.
2. Natürlich ist es prinzipiell legitim die Polizei zu informieren, wenn man begründet! etwas vermutet. Allerdings sollte man sich auch fragen, ob man nicht ein gewisses Augenmaß anwenden sollte. Natürlich bei Gefahr für Leib und Leben sofort melden! Aber in dieser Situation wäre ich wohl nicht zur Polizei gelaufen und das aus dem Grund, dass ich mir nicht sicher gewesen wäre ob es sich hier tatsächlich um eine Straftat gehandelt hätte.
Es ist eine Sache Autos abschleppen zu lassen, welche die Feuerwehrzufahrt blockieren. Eine vollkommen andere ist es einfach mal mit einen Augen ins Blaue zu raten.
3. Ich hätte die Polizei nicht herein gelassen. Wer sagt mir denn, dass es sich nicht um eine neue Betrugsmasche handelt?
Ich finde, dass Denunziant durchaus eine passende Beschreibung ist. Aber bitte nicht in Kombination mit Hoffmann von Fallersleben.
Würde mich mal interessieren WIE die Beamten eingedrungen sind. Ist es denn wirklich heute schon möglich, dass aufgrund von dumm, kindlichem Denunziantentum ein Durchsuchungsbefehl erteilt wird ?
@Steppenwolf:
Ein Arbeitskollege hatte mal die Polizei in der Bude weil er angeblich seine Tante beklaut hätte.
Der "Hinweisgeber" bleib natürlich anonym.
@Kommentator #49:
Zusätzliche Bonusfrage: Was, wenn meine Angehörigen verbrennen, weil just in den 2 Stunden, in denen das halbe Viertel abgeschleppt wurde, die Feuerwehrzufahrt durch zahllose Abschleppwagen total blockiert war?
Solche kleinbürgerlichen Problembetrachtungsansätze sind völlig ungeeignet zur Findung einer Lösung des Dilemmas …
@Olli: Ein Arbeitskollege von mir hatte mal ein CIA-Killer-Einsatzteam um's Bett stehen, weil er am Telefon was gesagt hat, was deren Computer mißverstanden haben.
Ist klar.
@topic: In der Pressemeldung der Polizei steht nichts davon, dass die Polizisten eindrangen. Der Inhaber der Wohnung öffnete Ihnen die Tür. Vielleicht bat er amüsiert hinein?
Herr Vetter allerdings proklamiert, die Beamten wären eingedrungen, also definitiv nicht eingelassen worden.
Was ist nun eigentlich, liebe Juristen hier, wenn sich das als falsch herausstellt? Ist das schon ein Straftatbestand? Sieht man Herrn Vetter hier als Presseorgan? Darf die Polizei dann eine Gegendarstellung verlangen?
@Tom:
Musst es ja nicht glauben ändert nichts daran.
Und deine Polemik kannst dir stecken.
Google mal nach Papst und SEK.
Da stand zwar nicht der CIA ums Bett sondern nur ein SEK.
Vielleicht wollte er nur Dissidenten in Vietnam unterstützen? Für die Berliner Justiz ist das nicht ehrenrührig und damit wohl erlaubt.
http://www.youtube.com/watch?v=e211jVtLjoI
Offensichtlich hält auch die Polizei den Fall des Tabakdosensammlers für ein Beispiel übertriebener ehrenamtlicher Nachbarschaftsobservation. Nach der Entkräftung des Tatverdachts nämlich bleibt die Kuriosität des Vorgangs der einzige denkbare Grund, ihn publik zu machen und obendrein noch mit einem Photo zu dokumentieren: als kleiner Wink an die Öffentlichkeit, mit welcher Sorte von Hinweisen man die Polizei doch bitte nicht behelligen möge.
Aufschlußreich ist ein Detail. Der Verdächtige verwendete die Tabakdosen anstelle von Gardinen. Hätte er die Dosen hinter Gardinen gestapelt, wäre ihm die Aufmerksamkeit der Nachbarschaft ebenso erspart geblieben wie der Besuch von Polizei und Zoll. Aber noch in einem anderen Sinne hatte er sich die Unannehmlichkeiten durch den Verzicht auf Gardinen selbst eingehandelt: durch den damit einhergehenden Verstoß gegen den Komment des Beobachtens und Beobachtetwerdens. Anständige Bürger verwenden eben Gardinen, um ihre eigene Wohnung den Einblicken der Nachbarn zu entziehen und zugleich selbst unbeobachtet hinausspähen zu können. Insofern war der Verzicht auf Gardinen nicht nur eine notwendige Bedingung der Denunziation, sondern vermutlich das eigentliche Motiv.
Eines immerhin muß man den Nachbarn zugute halten. Wenigstens haben sie überhaupt so etwas wie ein Gespür für den Unterschied zwischen privatem und öffentlichem Raum gezeigt. #49 (und, im Gegenzug, auch #60) läßt dieses Gespür leider vermissen. Zum Denunzianten wird man nicht dadurch, daß man der Polizei eine Information gibt, sondern dadurch, daß diese Information erschnüffelt ist. Im Fall der notorischen Mißachtung deutlich markierter und beschilderter Sperrflächen durch Falschparker im öffentlichen Verkehrsraum trifft das ersichtlich nicht zu. Mehr noch: Der Stadt als Polizeibehörde ist das Problem selbstverständlich bekannt, und sie hat bereits eine Güterabwägung getroffen. Dieses Beispiel ist also in jeder Hinsicht völlig ungeeignet, etwaige Gewissensnöte eines potentiellen Anzeigeerstatters ("Bin ich dann ein Denunziant?") zu diskutieren.
Das Fenster hätte auch illegale Zigarettenwerbung sein können.
Und wurde daher mal besucht.
Ihr versteht das Ganze hier nur als Beispiel von Schnüffellei und Blockwartverhalten, ich jedoch "unterstelle" dem "Tipgeber" hier mal ganz andere Motive.
Wie ihr ja nun langsam alle mit bekommen haben werdet, ist in D – Land der Tabakkonsum an sich schon etwas verwerfliches, von wegen Gesundheitsschädigung der unmittelbaren Nachbarn, zufällig umstehenden, liegenden oder sitzenden nicht rauchenden Mitmenschen ist das Ganze ja auch noch der pure Terrorismus -eins11 :-)!
Terroristen sind aber alle, und laut unserem neuem Verteidigungs – und ehemaligem Innenminister, schon Leute die sich komisch verhalten, ausländisch oder gar arabisch sprechen oder sogar noch arabisch aussehen und eben Dinge tun, die ein "normaler friedlicher" Bürger nicht tut.
Terroristen wollen wir doch alle nicht in der Nachbarschaft haben, oder seit ihr etwa selber welche!? :-)))
Da ist es doch gleichsam Bürgerpflicht, diesen rauchenden und auf seine Mitmenschen keine Rücksicht nehmenden Rauchterroristen zu melden, von wegen der Gesundheitsgefahren und dem Terror überhaupt, oder etwa nicht?
Übrigens, wer Sarkasmus in meinem Text findet, der darf sich gratulieren, der ist noch nicht ganz verblödet! ;-)
Bei meinem Onkel hat der Schnittlauch mal eine Hausdurchsuchung (in seiner Abwesenheit übrigens) abgehalten, weil eine ältere (und offenbar kurzsichtige) Nachbarin zu erkennen meinte, daß seine türkischen Untermieter (im selben Haus) ein Maschinengewehr in ihre Garage tragen – gefunden hat man dann ein Auspuffrohr…
@Tante Jay: wieso? der gestapo-vergleich ist doch ganz in ordnung. unsere lieben beamten erpressen doch auch gern mit folter geständnisse. und wenn man nicht gesteht, dann verbrennen die insassen dann eben unter mysteriösen umständen. oder sie fallen die treppe herunter. hin und wieder werden dann auch verdächtige gezielt auf der flucht durch ein ganzes leergeschossenes magazin hingerichtet. gestapo-methoden eben.
Als Gottlieb Daimler den 60-kg-Einzylindermotor testete hinter seiner Villa :– meldeten sich Villen-Nachbarn bei der Polizei, sie hätten knallende Geräusche gehört wie von einer illegalen Münzprägemaschine.
Da wurde die Polizei entsprechend tätig mit Hausbesuch u.s.w.
Zum Leidwesen der Nachbarn hörten die Geräusche danach nicht auf …
@47 (olli): Meinen obigen Kommentar nicht gelesen? Steurzeichen werden auch gefälscht. Erkennen kann man nicht viel. Na, egal.
Ich bin Zöllner (@68: übrigens danke für den Gestapo-Vergleich. Ich muss hier noch irgendwo einen langen Ledermantel rumliegen haben, gleich neben der Schwarzen Uniform) und wurde sogar schon an der Supermarktkasse – gerade als ich meine Sachen auf das Band gelegt hatte – von einem flüchtigen Bekannten, der in der Schlange vor mir stand, darauf angesprochen, wo denn hier alles in der Nachbarschaft und drumrum schwarz gearbeitet wird. Ich könne das ja mal weiterleiten. Ich habe ihm gesagt, er möge doch bitte selber bei meinen Kollegen anrufen. Wollte er aber nicht. Komisch oder? Ich bin nicht aus dem Bereich, habe aber mal vor einiger Zeit mit Kollegen aus der Finanzkontrolle Schwarzarbeit gesprochen und mir erzählen lassen, dass die seit einigen Jahren überhäuft werden mit anonymen Anzeigen und kaum hinterherkommen. An den meisten Sachen ist nichts dran und/oder es handelt sich um mißliebige Verpetzereien. Wie soll man das finden?
Er sammelt leere Tabakdosen mit deutschem Steuersiegel? Klar, um unversteuerten Tabak reinzufüllen …
Hier auch nochmal die Bitte.
Lieber @SvenC
Nutze doch bitte einen anderen Account als den meinigen.
@Herr Vetter.
Bitte sorgen Sie dafür, dass hier nicht Jeder Accountklau betreiben kann. Wozu sind die eMail Verifizierungen dann nötig?
topic:
Selten dämlich halte ich aber den Raucher. Das muss auffallen und es wundert mich nicht, dass da die Polizei vorbeischaut.
@SvenC: Es gibt hier keine Email-Verifizierung? Du kannst das Feld auch einfach leer lassen, bzw beliebigen Kram einsetzen. Das ist ein reines Freitextfeld.
..ich habe das andere Kommentar aber mal entfernt.
Kann man in so einem Fall eigentlich die "misstrauischen" Nachbarn irgendwie in Regress nehmen? Anzeige wegen Verleumdung oder sowas? "drangen in die Wohnung ein" klingt ja irgendwie so wie wenn da auch ein gewisser Schaden entstanden waere.. (das so beliebte Tueren-Eintreten etc) – oder kann einem jeder beliebige Nachbar sowas folgenlos antun?
@fh
Danke :)
@Woo
Aber mal ehrlich. Welcher normale Mensch knallt sich die Bude voll mit leeren Zigarettenschachteln und sagt dass die gegen die blendende Sonne schützen sollen. :D
btw. Du kannst sagen, dass Dein Nachbar ein ganz gefährlicher Kipo-Schänder-Raubkopiermörder ist. Ich denke, das Ergebnis dürfte ähnlich ausfallen.
Auch sollte man Frauen nicht unterschätzen wenn man mehrere an der Angel hat. Mind Eine dreht sicher irgendwann frei….
Nachtrag: Offensichtlich hat sich die Numerierung der Beiträge verschoben. Im letzten Absatz von gegenwärtig #63 beziehe ich mich auf die derzeitigen Beiträge #48 und #59, nicht auf die aktuellen Posts #49 und #60.
Werden Menschen die in teuren Häusern wohnen dann auch bald von der Steuerfahndung besucht? wäre doch ganz nett :)
Ich denke mal wir sind hier uneinig bezüglich der Definition des Denunzianten.
Schauen wir uns doch mal die Faktenlage an:
Der Informant hat aufgrund der Schachteln im Fenster die Polizei informiert. Anstatt also einmal inne zu halten und zu überlegen welche weiteren Erklährungen es geben könnte oder mal die Situation länger zu beobachten, ist er direkt zur Polizei gelaufen.
Selbst diese konnte anscheinend mit dieser Faktenlage keinen Durchsuchungsbeschluss erwirken.
Daraus folgt für mich, dass der Tippgeber durchaus ein "persönliches" Interesse gehabt haben könnte. Denn wer kennt die Geschichten von dem Opa nicht, der in seiner Freizeit nichts besseres zu tun hat, als durchs Dorf zu laufen um Falschparker anzuzeigen.
Der Unterschied zu dem hier diskutierten Fall ist, dass der Opa wenigstens eindeutige Beweise hatte. Was man von dem Typen, der wegen der Tabakdosen Alarm geschlagen hat, nicht behaupten kann.
Zurück bleibt bei dem Verhalten der Polizei ein fader Geschmack, da man sich anscheinend durch die Truppenstärke eine Durchsuchung erschleichen wollte.
@Ceres: Sie behaupten also, daß die Polizei und Zoll die Wohnung ohne Durchsuchungsbeschluss durchsucht haben? Worauf stützen Sie diese Behauptung?
Und ja, natürlich gibt es in vielen Fällen eine andere Erklärung. Allerdings kann ich als normaler Bürger selten überprüfen, was denn nun der genaue Sachverhalt ist. Und deswegen rufe ich auch die Polizei an, wenn mir etwas komisch vorkommt. Denn die können das dann wirklich überprüfen. Wenn dabei rauskommt, das alles in Ordnung ist, dann ist das doch prima.
Mein einziger persönlicher Beweggrund ist daß ich etwas gegen Straftaten habe.
@fh: Da kennt jemand sein eigenes System nicht. E-Mail ist ein Pflichtfeld und kann daher nicht leergelassen werden. Leider.
@Hans:
Es erfolgt aber keine Verifizierung, d.h. du kannst nicht existente Mailadressen angeben. Das ist zwar keine saubere Methode, weil eine heute nicht existierende Adresse morgen vielleicht schon existiert, jedoch mit etwas Kreativität machbar.
Vielleicht könnten fernetpunker & Co. ja mal eine Liste erstellen, bei welchem Straftatverdacht eine Meldung bei der Polizei okay ist, und bei welchem nicht. ^^
Aber werdet ruhig auf der Straße mal zusammengeschlagen. Ich verspreche euch, keinen eurer Angreifer zu denunzieren. Bin ja einer von den GUTEN inc. und nichts wäre für mich schlimmer, als eure hohe Meinung zu verlieren…
@Earonn: Ich würde Sie eher mal hören wollen, wenn Sie der Bewohner der durchsuchten Wohnung gewesen wären. Dann hätten Sie sich eine andere "hohe Meinung".
+er hinter "sich"
@Ceres:
Ja ne, is klar. Sie Intelligenzbestie kommen natürlich sofort dahinter, dass das nur ein Sonnenschutz sein kann. Für Sie liegt das selbstverständlich auf der Hand.
Ich mache jetzt ein öffentliches Geständnis:
Meine Intelligenz hätte nicht ausgereicht, das als einen Sonnenschutz einzuschätzen. Noch schlimmer, ich hätte auch bei der Polizei angerufen. Es kommt sogar noch viel schlimmer. Bei uns in der Gegend kennen sich die Hauseigentümer untereinander. Ich hätte zusätzlich den Eigentümer angerufen und mal gefragt, an wen er gerade vermietet hat, und ob er sich nicht mal sein Haus ansehen wolle. Ich böser, böser Denunziant, ich.
@Hans: "Mein" System? Wäre mir neu, dass ich in irgendeiner Form an WordPress mitentwickelt habe.
Den Rest hat Klabund ja schon ganz treffend kommentiert.
@Roboter Roberto:
Das in Klammern habe ich überlesen. Aber mal im Ernst wie oft kommt es vor da man deutsche Steuerzeichen fälscht?
Und als Zöllner kannst mir ja mal erklären wieso ihr sogar bei Spenden Steuern erhebt.
@86 (olli): Steuerzeichenfälschungen: häufiger, als Du ahnst.
Spenden: Keine Ahnung, stecke da nicht so drin, aber ich vermute mal, dass man das Geld auf dem Erstattungswege zurückbekommt. Was sind das für Spenden und an wen? Ich frage, weil man dann hier (http://www.zoll.de/b0_zoll_und_steuern/a0_zoelle/f0_freier_verkehr/d0_zollfr_vzb/index.html) oder hier (http://www.zoll.de/b0_zoll_und_steuern/a0_zoelle/f0_freier_verkehr/d0_zollfr_vzb/a0_ueberblick_zollbefr_tatbestaende/index.html) nachlesen und fündig werden könnte.
@Hans:
Also ich begreiffs nicht:
Sie ärgern sich, dies ist ihr persönlicher Beweggrung und sie zeigen deshalb Falschparker an. Sie haben davon, dass Sie ihrem Ärger Lucft gemacht haben. Das ist nichts anders als Falschparker zu denunzieren.
@Anders:
Dann lässt sich das aber auch beliebig für alles andere herleiten, wie schon etliche schrieben. Ich akzeptiere nicht, dass da vier Hooligans eine Oma zusammentreten => meine Moralvorstellungen sind mein persönlicher Beweggrund => ich bin ein Denunziant wenn ich die Polizei rufe.
Die Polizei in Elberfeld ist allerdings für ihre übertriebenen Einsätze weit über das Tal hinaus bekannt.
Geradezu legendär ist der Einsatz von 140 Polizisten, 30 Zollbeamten, und 30 Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes sowie einigen Feuerwehrleuten am 14.02.2009 im AZ an der Gathe. Im Rahmen des Jugenschutzes wurden mit dem martialischen Einsatz etwa 20 Personen kontrolliert. Insbesondere ist zu erwähnen, das der Zoll im autonomen Zentrum auf der Suche nach Schwarzarbeitern war. Auch diesem Einsatz sind anonyme Hinweise auf Verstöße gegen den Jugendschutz vorausgegangen.
Bilder: http://zeig.in/XCBAUO
Artikel: http://zeig.in/R0jH9v
@denunzieren: hmm. ich find das recht einfach.
nachbarn: mit denen hab ich gerne ein friedliches verhältnis. wenn der nachbar falsch parkt und mich störts nicht (ich muss da nicht vorbei etc.) mach ich gar nix. wenns mich stört, weil er beispielsweise meine einfahrt zuparkt, dann versuche ich bei den ersten malen möglichst freundlich zu sein und ihn zu bitten woanders zu parken. erst dann würd ich evtl. die polizei/ordnungsamt etc. einschalten.
dubiose machenschaften: interessieren mich nicht, wenns um zigaretten im fenster geht, interessieren mich (beispielsweise), sobald lebewesen involviert sind: wenn ein mensch/tier nach meiner meinung gequält/misshandelt[...] werden könnte, dann rufe ich die polizei, basta. ist mir auch völlig wurscht, obs nen irrtum ist oder nicht.
So ist das halt, wenn man sich keine Gardinen anschafft. Dann bekommt man auch mal Einblicke in sein Leben. Das jemand daraufhin was Falsches vermuten kann, passiert dann schon mal.
@84
Mir fallen auf Anhieb eine Menge Möglichkeiten ein, warum jemand eher legal eine Menge Tabak besitzen könnte, die mir plausibler erscheinen als Schmuggel- oder sonstwie illegale Ware in einem Quasi-Schaufenster zu lagern.
Spezifisch der Sonnenschutz muss es ja nicht sein, auf den man kommen muss, um nicht gleich furchtbare Machenschaften zu vermuten.
Auch ich mache jetzt ein öffentliches Geständnis:
Ich finde Sie eklig, gehen Sie weg.
1. http://www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/kurioser-sonnenschutz-raucher-unter-falschem-verdacht-1.614859
Da steht drin (wurde sogar hervorgehoben) das kein Durchsuchungsbeschluss vorlag.
2. Es geht mir nicht darum, das sofort auf Sichtschutz geschlossen wird. Sondern darum, dass es andere mögliche (und sinnvolle) Erklährungen gibt. Solange die ausgeschlossen sind, finde ich es übertrieben dem Nachbar sofort die Polizei ins Haus zu schicken.
@RCB: Wenn der Nachbar nachts zu laut Musik hört, der unten drunter zum zehnten Mal im Monat grillt und mich zuqualmt, die von gegenüber die Treppe nicht putzt, und man sich furchtbar drüber ärgert, dann ist das ein Fall fürs Briefkastengespräch. Wenn ich aber den Verdacht habe, dass da jemand gewerbsmäßig Schmuggelware vercheckt, dann ganz sicher nicht. In den ersten Fällen geht es um Dinge, die mich persönlich ärgern oder beeinträchtigen, im letzten Fall geht es um vermutete Kriminalität. Für sowas gibt es hierzulande die Polizei. Ansonsten kann man sich das mit Arbeitsteilung und Gewaltmonopol und so auch vollkommen sparen. Heißt natürlich nicht, dass man das Vorgehen der Polizisten und des Zolls nicht kritisieren kann. Zu sechst anzurücken erscheint schon etwas oversized, aber ich kenn mich da auch nicht aus…
Ab wann ist Nicht-Wegschauen eigentlich keine Denunziation mehr? Wenn der Nachbar seine Frau verprügelt? Seine Kinder? Wenn er Autos schiebt? Drogen handelt? Seine Kinder verkauft?
@Ceres: Und genau weil man nicht "ins Blaue hinein raten" will, ruft man ja die Polizei. Die können das dann beurteilen und ggf. überprüfen, sofern sie einen Tatverdacht haben. Meistens funktioniert das ja auch, manchmal kommen aber halt überzogene Aktionen heraus, wie offenbar hier. Und dann kann man das kritisieren. Wenn die Anzeige bei der Polizei eine Denunziation war, ist dann die Veröffentlichung des Falles hier im lawblog eigentlich auch eine?
@Gleich:
Sorry, aber das ist völliger Quatsch. Da hilft man einem Dritten. Dies sind altruistische Motive und kein persönlicher Beweggrund, wie die Tatsache, dass man sich über das zu Fehlverhalten anderer ärgert, wo man auch einfach drüber hinweg sehen könnte.
Anders
@Anders:
Von mir aus, wenn's für Sie genauer sein muss: Hundekampf. Halte ich persönlich für Tierquälerei, das Gesetz in Deutschland ebenfalls. Einige Leute, speziell die, die sie durchführen, aber ganz offensichtlich nicht. Zwischen denen und mir bestehen nun also Unterschiede in der Bewertung. Das sind die individuellen moralischen Einstellungen, die den einen dann dazu bewegen, die Polizei zu rufen und den anderen, auf einen der zwei Hunde zu wetten.
@90 (Emil Blume): Das ist krass!
@Anders:
Wie Gleich schon angedeutet hat. Es gibt genug Fälle bei denen ich "denunzieren " würde obwohl das keinem Dritten helfen würde.
Tierquälerei
Sachbeschädigung (auch gegen öffentliches Eigentum)
Umweltverschmutzung !!!
Bei allen Beispielen ist der Hauptbeweggrund die Polizei zu rufen ein persönlicher (Mir gehts danach besser)
@Anders: Schmnuggel von Tabakwaren ist nichts anderes als Steuerhinterziehung. Das schadet also uns allen. Ob man das für einen Kavaliersdelikt hält oder nicht ist sicher individuell unterschiedlich, aber es ist und bleibt eine Straftat, die Dritten (uns allen) schadet.
@Gleich:
Es muss Ihnen ja wirklich schwer fallen es zu verstehen. Retten Sie mit einer Anzeige einen oder zwei Hunde, dann ist das ein altruistisches Motiv.
Und von mir aus denunzieren Sie wen und wann immer Sie wollen. Ich hatte nur drauf hingewiesen, dass Hans selbst nicht verstanden hat worüber er spricht.
Das Ganze hat in Deutschland Methode, hier erklärt jeder dem Anderen was er selbst nicht verstanden hat, aber besser zu wissen glaubt.
Anders
@Max:
Das mit dem Hauptgrund ist quatsch, aber wenn Sie keine anderen Hobbies haben und so gerne telefonieren, dann rufen Sie doch noch an, wenn mal jemand im Halteverbot hält, Papier auf den Boden fallen lässt, nach 22 Uhr zu laut unter der Dusche singt, was zwar nicht hören, aber sehen können … usw.
Verstand haben Sie die Sache mit dem Denunziantentum allerdings noch immer nicht.
Anders
@blubb:
Aha, habe ich irgendwann mal behauptet Tabakschmuggel sei keine Straftat? Lesen Sie was ich schreibe oder antworten Sie lieber auf das, von dem Sie gerne hätten, dass ich es schrieb?
Lustig sind Sie und Ihre Kollegen auf jeden Fall.
Anders
@blubb:
Ich kann doch nicht jemanden allein auf Verdacht die Polizei auf den Hals hetzen.
All die Beispiele die hier gebracht worden sind um das Verhalten des Nachbarn zu rechtfertigen unterscheiden sich in zwei elementaren Punkten von dem vorliegenden Fall:
1. War immer offensichtlich, dass eine Straftat vorhanden liegt.
2. Die Gefahr für Leib und Leben.
Es ist eine Sache das Jugendamt zu informieren, wenn ein Kind zum wiederholten Male auffällig wird und überall blaue Flecken hat.
Eine vollkommen andere ist es die Polizei aufzuforden "nach dem Rechten" zu sehen. Nach dieser Argumentation kann ich auch alle meine Nachbarn melden, irgendwas findet sich doch immer.
Und was hier in dieser Diskussion auch noch nicht erwähnt wurde, ist der Umstand, dass der Nachbar durchaus seinen Ruf weg haben könnte. Besonders wenn eine >6 starke Manschaft das Haus stürmt.
Nachdem ich hier mal drübergeflogen bin:
Deutschland wird sich zu einem Paradies für Straftäter entwickeln, da hier ja die "Kultur des Wegschauens" propagiert wird.
(Vermeintliche) Straftat gesehen: nix machen – bin ja sonst Denunziant.
Im Nebenhaus schreit jemand wie am Spieß: neeee – bloß nicht die polizei rufen, vielleicht macht da ja jemand eine besondere Art von Sex und hat Spaß daran.
Unten wird geklaut? Interessiert mich nicht – ist ja nicht meines – und: vielleicht klaut der ja nicht sondern das ist abgesprochen.
Und dann: hilfe – jemand hat mein Auto zwerstört und ist abgehauen: hat das jemand gesehen? Wirlich keiner in einer Hauptverkehrsstraße?
Offenbar um die Rente seiner toten Mutter weiter zu beziehen, lebte ein 46-Jähriger jahrelang neben ihrer Leiche. Die Polizei entdeckte nach einem Hinweis das Skelett.
Sie soll obduziert werden.http://www.welt.de/vermischtes/article12960584/Mann-lebte-neben-skelettierter-Leiche-seiner-Mutter.html
Die Welt titelte: "Die scharfen Augen der Nachbarn"
Fazit: Wenn es ernst wird, dauert“s schon mal drei Jahre.
Korrektur: Die WELT titelte:
"Mann lebte neben skelettierter Leiche seiner Mutter"
Offenbar waren die Augen der Nachbarn etwas getrübt.
Es ist schon erstaunlich. Einerseits hat hier niemand behauptet, es gebe keine Fälle, in denen die Polizei zu rufen geboten ist. Andererseits werden gerade solche Fälle (Überfall auf Oma usw.) angeführt, um zu beweisen, daß es keine Denunziation gebe.
Das staatliche Gewaltmonopol erzwingt die Kooperationsbereitschaft des Bürgers gegenüber den Ordnungs- und Ermittlungsorganen geradezu, einfach weil es ihn regelmäßig daran hindert, die Dinge selbst zu regeln. Die Ächtung des Denunzianten ist demgegenüber ein Institut, mit dem sich die bürgerliche Gesellschaft vor einer drohenden Konsequenz dieses Zwanges schützt, nämlich vor ihrer Pervertierung zu einer Ansammlung sich gegenseitig belauernder Spitzel. Wenn z.B. ein Mitreisender beim Heimflug aus dem Ausland eine zweite Stange Zigaretten in sein Handgepäck schiebt, übersieht man das als anständiger Mensch.
Die Ächtung des Denunzianten hat aber noch eine weitere Funktion. Sie sichert die Legitimität des Staates als Garanten von Recht und Ordnung. Denn wenn die Leute sich alle gegenseitig anzeigen, bedarf es keiner staatlichen Überwachung mehr. Auch dies möge sich ein übereifriger Hilfspolizist vor Augen führen: Er bereitet den Ermittlern nicht nur einen Haufen überflüssiger Arbeit, wie im Tabakdosenfall oder der von Zöllner Roboter Roberto genannten Verpetzerei angeblicher Schwarzarbeit, sondern er schadet auch anderweitig dem Staat, an den anzuschmiegen ("Ich fühle mich dann besser") ihm ein so großes Bedürfnis ist.
Selbst für Staaten, die die Denunziation fördern, gilt ein Zuviel als Übel. So war Reinhard Heydrich entsetzt über die anfängliche Begeisterung, mit der die Deutschen einander seinen Leuten ans Messer lieferten, und regte sogar an, Denunzianten in hartnäckigen Fällen in ein KZ einzuweisen. Er erklärte, deren Verhalten sei eines Deutschen unwürdig. Das tatsächliche Motiv dürfte aber gewesen sein, daß sie seinen SD überflüssig zu machen drohten.
@Anders: Sie haben implizit behauptet, dass keine Dritten geschädigt würden. Da niemand, auch vermutlich Sie nicht, wissen kann, ob es sich bei der massenhaften Aufbewahrung von Tabakdosen um Schmuggel handelt, steht aber eine Straftat im Raum und somit sehr wohl eine mögliche Schädigung Dritter. Es ist daher legitim, seine Bedenken der Polizei zu melden. Wie die damit umgeht, kann man selbstverständlich zu Recht kritisieren.
Manche Nachbarn sind aber auch aufmerksam. Ist ja zumindest nicht schlecht, wenn man das Gefühl hat das in der Nachbarschaft auf einen aufgepasst wird. Ich werde meine Gardinen gleich am Wochenende mal verkaufen. :-)
@blubb: Und noch was: Lustig, dass Sie mir unterstellen, irgendwas in Ihre Beiträge rein zu interpretieren und im nächsten Atemzug "Max" zu unterstellen, aus allen möglichen läppischen Nonsensegründen bei der Polizei anzurufen. Obwohl der doch ziemlich klar schreibt, in welchen Fällen er das tun würde.
Ach, wir müssen doch alle unseren Teil beitragen. Wer von uns hat denn nicht schon mal auf dem Nachhauseweg eine volle Mülltonne, die am Wegesrand stand, mitgenommen und zur Deponie gebracht? Und wenn ich spazieren gehe und ich komme an einer Schule vorbei, wo gerade Pause ist, dann übernehme ich rasch die Aufsicht. Ist doch normal, oder? Ich hab auch meistens einen Besen dabei, falls es unterwegs mal was wegzufegen gibt. Anhalter nehme ich grundsätzlich mit, jeden, um die Taxifahrer ein wenig zu entlasten. Und wenn ich jemanden sehe, der bei rot rüber fährt oder abbiegt ohne zu Blinken, dann zeige ich den an, natürlich. Die Polizei kann ja nicht überall sein.
Ich ärger mich bloß immer, dass niemand mal an meiner Tür klingelt, um mir bei der Arbeit zu helfen. Webdesign scheint wohl keiner für wichtig genug zu halten, um sich ungefragt einzumischen. Schade eigentlich.
@Ceres: Selbstverständlich kann ich die Polizei bitten, mal nachzuschauen, ob da nicht was illegales läuft. Du wirst doch wohl nicht allen Ernstes erwarten, dass ich erst mal selbst ermittle, bevor ich der Polizei dann meine hieb- und stichfesten Beweise präsentiere. Das überlasse ich mal lieber denen, die dafür ausgebildet wurden. Im Zweifel weiß ich ja noch nicht mal, ob überhaupt eine Straftat vorliegt, nur weil mir etwas komisch vorkommt. Es ist ein vollkommen gewöhnlicher Vorgang zu sagen, liebe Polizei, da stimmt doch irgendwas nicht, könnt ihr bitte mal nachsehen. Die sehen nach und stellen fest: Alles paletti. Wo um Himmels Willen ist denn das Problem, mal ganz prinzipiell, wenn die Polizei bei dem Typen mal nachfragt? Das Ärgerliche hier ist doch viel mehr, dass die Beamten offenbar etwas überzogen reagiert haben, aber was kann denn da jetzt der Nachbar dafür?
Ich habe übrigens auch mal die Polizei gerufen, obwohl ich mir nicht sicher war, ob tatsächlich eine Straftat vorliegt. Aus dem Innenhof kamen sehr laute -äh- Kopuliergeräusche, die sich ziemlich krass anhörten. Ich war mir einfach nicht sicher, ob da zwei an etwas extremeren Praktiken Spaß haben oder gerade vor meinen Ohren eine Frau vegewaltigt wird. Da ich nicht zuordnen konnte, woher das kam, habe ich letztendlich die Polizei gerufen, die herausfanden, aus welcher Wohnung das kam und auch klären konnten, dass es zum Glück um einvernehmlichen Sex ging. Natürlich habe ich damit die Nachbarn in eine peinliche Situation gebracht (obwohl, vielleicht fanden die das ja auch ganz inspirierend), aber die Alternative wäre gewesen, womöglich Zeuge einer Vergewaltigung zu werden und nichts zu tun.
Sorry, aber ich bin der Meinung, dass man die Bewertung durchaus kriminalistisch geschulten Leuten überlassen sollte. Übrigens: Ich hätte in dem Tabakfall vermutlich nicht die Polizei gerufen, weil es mir gar nicht aufgefallen wäre. Aber Deine Einstellung, immer schön wegsehen, solange man nicht 120% sicher ist, dass da was im Argen liegt, finde ich völlig falsch.
Und das Schöne an Tabakdosen im Fenster ist ja, dass die ja eder sehen kann. Der Polizist auf dem Nachhauseweg, der Bürgernahe Beamte, ja selbst die Kollegen im Streifenwagen. Da muss man ja eigentlich wirklich nicht die Polizei rufen. Die hat doch alle Chancen der Welt, von selbst drauf zu kommen. Dafür bezahlen wir sie ja.
Und wenn nicht? Na um Himmels Willen … dann wird womöglich ein Zigarettenschmuggler einen oder zwei Monate später festgenommen. Who cares? Das ist etwas anderes als eine verprügelte Oma … das tut so wenig weh, das man wirklich abwarten kann, bis jeder das getan hat, was er am besten kann. Seinen Job nämlich.
Und dann war es nicht mal ein Zigarettenschmuggler.
Bedenken Sie bitte … wenn das Preisschild noch an ihren Schuhen hängt, könnte es sein, dass die Schuhe gestohlen sind. Aber wenn kein Preisschild dranhängt, könnten sie trotzdem gestohlen sein. Besser immer den Bon dabei haben. Falls Sie mal auf einen Hobby-Schuhdetektiv treffen.
@blubb:
Ob es uns schadet ist da noch die Sache man könnte auch dagegen halten das die Leute die sich geschmuggelte Zigaretten kaufen meistens sowieso kaum Geld haben und das "gesparte" auch wieder investieren.
Bliebe natürlich noch das man in den meisten Fällen Kriminelle unterstützt.
@blubb:
Ach du warst das. Na vielen Dank auch.
@Olli: Ach, die Polizistin war ne fesche. Einfach das nächste mal in die eigenen Fantasien einbauen.
@Nennichnicht:
Mit diesem Beitrag ist eigentlich alles Wichtige gesagt. Den mögen die Hobby-Denunzianten hier doch mal lento lesen…
@ blubb:
Bitte zeigen sie mir die Textstellen wo ich aktiv das generelle Wegschauen proklamiere.
Aber um es an dieser Stelle noch einmal klar zu machen. Es ist prinzipiell legitim die Polizei um Hilfe zu rufen.
Das schließt vor allem Fälle ein, wo man Angst um Leib und Leben anderer hat. Ich finde es aber einfach nur frech, wie die schlimmsten Fälle hier benutzt werden, um die hier erfolgte Schnüffelei zu rechtfertigen.
In ihrem Fall war es sehr wohl richtig die Polizei zu informieren. Weil sie begründet war und sie die Befürchtung hatten, dass Leben auf dem Spiel stehen.
Es gibt für alles eine Abwägung und den gesunden Menschenverstand. Würde ich in der Straße wohnen, hätte ich gar nicht an Schmuggel gedacht. Eher an einen Messi oder an einen Rentner der mit dem Müll nicht mehr klar kommt. Nach Beobachtung der Lage wäre ich dann einmal rüber gelaufen und hätte geklingelt.
Man kann mich naiv halten aber ich vermute nicht hinter jeder Ecke eine Straftat.
In anderen Punkten haben auch Nennichnicht(109) und Meta (115) die Sachlage gut erklärt.
@Dexter: Ich wünsche Dir einmal eine Woche in einem Rettungswagen in einer Großstadt. Und ja, ich weiß leider zu genau wovon ich spreche. Es mag auch Dinge geben die Dir nicht als sinnvoll/beachtenswert erscheinen, aber durchaus Deinen eigenen Erfahrungshorizont überschreiten.
@Ceres: Nun, ich habe Sie so verstanden, dass man nur dann etwas an die Polizei melden solle, wenn man auch wirklich sicher ist, dass eine Straftat vorliegt (oder Gefahr für Leib und Leben besteht). Das zu beurteilen obliegt aber letztlich gar nicht mir als Bürger. Da muss erst die Polizei ermitteln und ggf. die Justiz entscheiden. Ich hätte vermutlich auch nicht an Schmuggel gedacht. Wahrscheinlich hätte ich mir gedacht: boah, krasser Kettenraucher! Aber wenn jemand den Schmuggelverdacht hat und das für eine ausreichend verachtenswerte Straftat hält, dann ist es auch völlig legitim, das der Polizei zu melden ohne sich gleich als Denunziant beschimpfen lassen zu müssen. Und ich wäre ganz sicher nicht hingegangen, um höchstpersönlich meinen Verdacht zu überprüfen, so quasi als Ein-Frau-Bürgerwehr. Nee, nee. Persönlich kläre ich Dinge, die mich, nun ja, persönlich betreffen (Nachbar zu laut oder sowas). Und wenn akut was passiert, was ich vielleicht unterbinden kann (Mutter schlägt Kind vor meinen Augen). Aber bei vermutetem Schmuggel, wie darf ich mir das vorstellen: "He, Nachbar, sagen Se mal, Sie verchecken hier doch en gros geschmuggelte Zigaretten, wa?" – "Ja, klar." – "Find ich voll nicht okay, hören Se doch besser auf mit sowas." – "Ja, schon klar. Hast ja recht, war blöd. Dann also auf gute Nachbarschaft, ne?".
@Baerbrumm #108
versteh ich das richtig, jeder müsste also *jede* Nachbarwohnung beobachten (durch Vorhänge und Mauern hindurch), um zu entdecken, daß da jemand gestorben ist, und um zu vermeiden, daß jemand vorübergehend mal ein paar (evtl sogar 100) EURO kassiert? Hab ich das richtig verstanden?
Ansonsten:
ist m.E. Anzeige unbedingt gerechtfertigt, wenn *beobachtet* (also offensichtlich) oder *berechtigter Verdacht* auf schweren Rechtsbruch vorliegt (m.E. >= Körperverletzung), ABER nicht wegen eines vagen Verdachts (es hört sich so an wie), und da schon gar nicht wegen Sach-/Eigentums-Sachen (wie z.B. im Artikel) und auch nicht, wenn's nebendran heftig sexuell hergeht – denn:
- können wir nicht jedes "Verbrechen" entdecken/aufklären (sonst->Totalüberwachung)
- müssen wir das Risiko eingehen, daß Verbrechen überhaupt geschehen (um unsere Freiheit zu bewahren)
- sind m.E. >= Körperverletzungen weitaus schwerer zu ahnden als Sach-/Eigentums-Delikte (was leider häufig nicht zutrifft)
Außerdem (zur Wiederholung) kann schon der "Besuch" einer Polizeieinheit (egal mit welchem Ergebnis) das Lebe
n einer kompletten Familie zerstören!
Ansonsten haben #109 und #115 alles gesagt
@Nennichnicht: Interessanter Beitrag, dem ich großteils zustimme. Nur Ihr erster Absatz ist so m.E. nicht korrekt: Niemand hat behauptet, dass es überhaupt keine Denunziation gebe. Der Dissenz besteht in der Beurteilung, ob im vorliegenden Fall Denunziation vorliegt oder nicht. Ich denke, dass man das anhand der Infos kaum beurteilen kann. Weder muss man aufgrund obigen Textchens gleich lauthals "Denunziant!" brüllen, noch kann man ausschließen, dass da nicht tatsächlich ein unangenehmer, pedantischer, fernglasbewaffneter Unsympat seinen Nachbarn mal so richtig anschwärzen wollte.
@Adi: Rechtfertigt ein dauerhaftes "Au, hör auf, ahhh, NEINNNNN! Lass mich!!!" zwischen eindeutigen heftigen Sexgeräuschen, Poltern und Türenschlagen einen Anruf bei der Polizei? Oder sollte ich es lieber lassen, nicht dass das SM-Pärchen sonst noch traumatisiert wird, wenn die Polizei mal höflich nachfragt, ob denn alles i.O. ist?
@blubb #125
m.E.:
Nein, *so* rechtfertigt es nicht. Solange keine offensichtlich (oder -hörig) Verletzungen sich offenbaren. Oder heftige Hilferufe.
Vergiß nicht, die Strafverfolgung greift *immer* noch, jedoch die *vorbeugende* Anzeige greift *zu* häufig daneben
Adi
@blubb #125
"Au, hör auf, ahhh, NEINNNNN! Lass mich!!!" zwischen eindeutigen heftigen Sexgeräuschen, Poltern und Türenschlagen
Wärst Du mein Nachbar gewesen und hättest Du aufgrund dessen die Grünen/Blauen gerufen, hättest Du uns häufigerweise "mittendrin" gestört/unterbrochen
Ich sagte soeben, heftige HILFE-rufe sind evtl Kennzeichen – oder äußerst Du Dich wie zitiert, wenn Du verletzt wirst?
@Adi: Ich hätte Sie nicht häufiger mittendrin gestört, sondern genau einmal. Danach hätte ich doch gewusst, dass Sie und Ihr/e Partner/in/nen drauf stehen. Es stellte sich übrigens raus, dass insgesamt drei Notrufe bei der Polizei diesbezüglich eingegangen sind. Die Polizei kam danach extra noch mal bei uns vorbei und hat die Sache aufgeklärt ("alles okay") und sich für den Anruf explizit bedankt. Im Übrigen habe ich keine Ahnung, wie ich mich äußere, wenn ich vergewaltigt werde, und hoffe, dies auch niemals herausfinden zu müssen. Und jetzt hab ich keine Lust mehr auf Ihren Schwachsinn.
@blubb #128
" … genau einmal. Danach hätte ich doch gewusst …"
und der Nächste, dem das zufällig auffällt, schickt die halt wieder …
damit haben wir schon ein erhebliches Aufkommen an Polizei, nur weil div. Menschen es nicht hinkriegen, daß ein HILFE-bedürftiger Mensch heftig nach HILFE ruft und nicht das zitierte Gebrabbel
"keine Ahnung, wie ich mich äußere, wenn ich vergewaltigt werde"
HILFE!!11 (hoffentlich)
es gibt bei Gefährdung eine Konvention, und die heißt schrei "HILFE!"
@blubb
Nun… wie gesagt, es ist eine Abwägung. Je größer die Gefahr für Leib und Leben, desto dringender wird der Anruf bei der Polizei. Als normaler Bürger hat man in diesen Moment auch keine anderen Möglichkeiten.
Aber es ist nunmal ein Unterschied ob eine Oma verprügelt, eine Frau vergewaltigt oder Zigaretten günstig erworben werden.
In ihrem Fall, ich gehe jetzt mal davon aus, dass die Geräusche Besorgniss erregend waren, sehe ich eine Grundlage.
In dem Fall der Tabakschachteln nicht.
Das Argument, dass irgendwas merkwürdig ist, ist nunmal zu schwach, wenn über ein potentielles Steuerdelikt spekuliert wird.
Wer hier im Forum hätte denn im Fall der Tabakdosen eine Straftat vermutet? Sie (blubb) nicht und ich auch nicht. Das die Polizei trotzdem gerufen wurde spricht Bände.
Ich hab selbst eine Menge Tabakdosen. In einigen ist irgendwelcher Kleinkram drinnen. In anderen nichts. Und einen ganzen Schwung habe ich erst kürzlich weggeworfen. Als meine Frau nicht da war … die bewahrt die nämlich immer auf. Absolut harmlose Geschichte. Wir rauchen halt gerne und meine Frau mag nichts wegwerfen, was man nochmal gebrauchen könnte.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass da eine Straftat vorliegen könnte. Und … lag ja auch gar nicht. Tolle Geschichte. Aber davon abgesehen … alles könnte eine Straftat sein. Das Auto meines Nachbarn könnte gestohlen sein. Die Russen, die über uns wohnen, sind womöglich Mafiosi. Der Supermarkt nebenan beschäftigt vielleicht Schwarzarbeiter. Der Türke nebenan trägt einen Rauschebart, ist er vielleicht ein Islamist? Sein Bruder ist ganz glatt rasiert … was hat der zu verbergen?
Alles kann verdächtig sein. Wohl dem, der eine Telefon-Flatrate hat.
@Ceres:
> Das die Polizei trotzdem gerufen wurde spricht Bände.
Und dass sie ohne Durchsuchungsbeschluss kam, auch. Die haben sich einfach nicht getraut, mit so einer Geschichte vor den Richter zu treten.
@Meta: Was ist denn daran jetzt wieder falsch? Die haben einen Hinweis bekommen und sind mal nachsehen gegangen. Auch die Polizei erspart sich gerne unnötige Arbeit. Wäre sie mit Durchsuchungsbeschluss angerückt, hätten Sie doch auch wieder was zu meckern…
@Adi: Bullshit. Wer vergewaltigt wird, vor allem sofern es sich um den eigenen Partner oder einen guten Bekannten handelt (was beim Gros der Sexualstraftaten der Fall ist), wird zunächst versuchen, ihn dazu zu bringen, aufzuhören. Nur wer 1. glaubt, dass er überhaupt von anderen gehört wird und 2. hofft, dass diese womöglich anwesenden Fremden handeln, schreit um Hilfe.
Außerdem weiß ich nicht mehr genau, was die Frau geschrien hat, es ist schon ewig her. Fakt ist, dass es sich nicht gut anhörte und immerhin drei Leute in einer sehr anonymen großstädtischen Nachbarschaft, die sich am liebsten aus allem raushält, dazu brachte, einen Notruf abzusetzen. Die Polizei selbst hat das "erhebliche Aufkommen" für gerechtfertigt gehalten. Aber ich will Ihnen, der noch nicht mal dabei war, natürlich nicht Ihre wirren Spekulationen nehmen. Wenn nebenan mal ein Kind verhungert, haben Sie wahrscheinlich auch eine super Rechtfertigung dafür, warum Sie trotz monetelangen Wimmerns aus der Nachbarwohnung nichts unternommen haben. Viel Spaß beim Wegschauen.
@blubb:
> Was ist denn daran jetzt wieder falsch? Die haben einen Hinweis bekommen und sind mal nachsehen gegangen. Auch die Polizei erspart sich gerne unnötige Arbeit.
Klar. Mal eben kurz nachsehen gehen. Auch die Polizei spart sich gern Arbeit. Deswegen haben sie auch sechs Zöllner mitgebracht. Statt sechs Polizisten.
Man fragt sich, was die wohl gemacht hätten, wenn der Mann sie nicht reingelassen hätte. "Och nöh, passt jetzt gerade nicht so, ist nicht aufgeräumt und meine Frau schläft."
Dann wären die Polizisten und sechs gelangweilte Zöllner unverrichteter Dinge wieder abgezogen, wetten?
@blubb:
Vergewaltigungen sind ein relativ schlechtes Beispiel, da sie in der überwiegenden Anzahl von Fällen unbemerkt von Dritten geschehen. Es gibt noch das Phänomen der Massenvergewaltigungen (siehe "Woodstock" 1999 in New York), dort wird allerdings von den umstehenden Personen aus Angst nichts unternommen.
Zum Blogeintrag selbst:
Das Problem (dem wir uns alle täglich ausgesetzt sehen): was ist strafbar und was nicht? Einerseits sehe ich es als übertrieben an, im Falle von gestapelten Zigarettenschachteln die Polizei zu rufen (ich persönlich!) und würde dies auch nicht tun. Andererseits kann natürlich jemand zu der festen Überzeugung gelangen, dass es sich um einen Bunker handelt und der handelt natürlich (aus seiner Sicht) absolut korrekt.
Schwierige Situation…
@Meta: Die Zöllner sind keine Polizisten. Sie sind Zöllner. Außerdem habe ich werweißwieoft schon geschrieben, dass das m.E. überzogen war und somit natürlich kritikwürdig. Ich wehre mich gegen die Einschätzung, hier habe es sich zwangsläufig um Denunziantentum gehandelt.
@Trollfresser: Den ersten Absatz verstehe ich nicht. Dem zweiten stimme ich zu.
@blubb: > Die Zöllner sind keine Polizisten. Sie sind Zöllner.
Tatsächlich. Deswegen nennt man sie ja wohl auch …
> Außerdem habe ich werweißwieoft schon geschrieben, dass das m.E. überzogen war und somit natürlich kritikwürdig.
Wunderbar. Schön, dass wir uns einig sind.
@Meta: Äh, den letzten Satz hatte ich zunächst überlesen. Sorry.
@blubb:
Die Diskussion krankt zweifellos am Fehlen einer anerkannten Definition von "Denunziation". Die Begriffsbestimmung in Wikipedia ist nicht nur unmaßgeblich, sondern auch unbrauchbar; sie läuft auf die Feststellung hinaus, daß der Denunziant überhaupt ein Interesse verfolgt. Das ist jedoch trivial. Soweit er ein politisches bzw. öffentliches Interesse geltend macht, kann er sich sogar auf die Uneigennützigkeit seines Handelns hinausreden. Und er wird immer ein politisches bzw. öffentliches Interesse geltend machen können; andernfalls kämen staatliche Sicherheitsorgane für ihn als Ansprechpartner gar nicht in Betracht.
Ein wesentliches Merkmal der Denunziation ist, daß sie die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum bzw. zwischen Staat und bürgerlicher Gesellschaft überschreitet, und zwar zum erwartbaren – und unbilligen – Nachteil eines Dritten. Ob das der Fall ist, hängt natürlich wieder davon ab, ob man die Unterscheidung überhaupt trifft, und dann, wo man die Grenze zieht. Auch hier wird man freilich kaum eine Faustformel finden, die jeden Einzelfall zu entscheiden erlaubt.
Von vornherein untauglich ist allerdings Ihr Ansatz eines vorsorglichen Anzeigeverhaltens (#122): Da ein kriminalistischer Laie nicht erkennen könne, ob eine Straftat vorliegt, müsse er im Zweifel immer die Polizei verständigen. Das Konzept der vorsorglichen Verdachtsanzeige impliziert ein Verständnis von Denunziation, das deren Nachweisbarkeit ausschließt. Die Behauptung, er habe sich seinen Verdacht, und sei dieser noch so absurd, guten Glaubens zusammenphantasiert, kann man niemandem widerlegen.
Wenn der Begriff der Denunziation vom Nachweis der bösen Absicht abhängen soll, kann man gleich ganz auf ihn verzichten. Das würde dann natürlich auch für den Tabakdosen-Anzeigenerstatter gelten. Aber ich verstehe nicht, wie sie unter diesen Umständen seinen Fall erörtern wollen.
Im letzten Satz muß es natürlich "Sie" heißen, nicht "sie", pardon.
@Nennichnicht: @Nennichnicht:
Nun, irgendwann krankt jegliche Diskussion am Mangel an einer zumindest den Diskussionspartnern gemeinsamen Definition des Diskusionsgegenstandes. Wie oft streitet man sich letztendlich um die "richtige" Definition (die es nicht geben kann, da Definitionen Tautologien sind, und zwar mehr oder weniger sinnvoll, jedoch niemals falsch sein können). Aber zurück zum Thema:
Ich proklamiere kein "vorsorgliches Anzeigenverhalten". Vielmehr habe ich versucht, zu verdeutlichen, was an der Forderung, nur dann Anzeige zu erstatten, wenn es sich erwiesenermaßen um eine Straftat handelt, problematisch ist.
Beweggrund für eine Anzeige kann somit nicht sein, ob tatsächlcih eine Straftat vorliegt, sondern ob man die vermutete Straftat für hinreichend schwerwiegend hält, um den zu erwartenden Eingriff in die Privatsphäre des betreffenden Mitbürgers zu rechtfertigen. Dabei muss man sich freilich in einem funktionierenden Rechtsstaat darauf verlassen, dass die Polizei den Tatverdacht korrekt einschätzt und die geeigneten Maßnahmen ergreift (dass in obigem Fall kein Durchsuchungsbeschluss ausgestellt wurde scheint das zu belegen, die sechs Zöllner dagegen eher nicht). Der Rahmen, innerhalb dessen diese individuelle Entscheidung zu treffen ist, beruht dabei auf einer gesellschaftlichen Vereinbarung: Der gesetzliche Rahmen wird durch die Strafbarkeit auf der einen Seite von Verleumdung oder falscher Verdächtigung, auf der anderen Seite von unterlassender Hilfeleistung definiert. Daneben gibt es noch "ungeschriebene Gesetze", wie auch diese Diskussion hier zeigt. So hat jemand, der regelmäßig Falschparker anzeigt (oder, um Ihr Beispiel aufzugreifen, den Typen mit den zwei Stangen Zigaretten an den Zoll verpfeift), mit gesellschaftlicher Ächtung zu rechnen. Auf der anderen Seite müssen sich Nachbarn, die bei schwerer Kindesmisshandlung nicht eingriffen, zwar mitunter nicht vor Gericht verantworten, aber doch gesellschaftlich für ihr Wegsehen rechtfertigen.
Die Definition von Denunziation als Anschwärzen einer unliebsamen Person halte ich für sinnvoll. Es geht schließlich nicht um die Überführung einer bestimmten Person (z.B. hier des Nachbarn, der die Anzeige getätigt hat) als Denunziant, sondern um eine moralische Bewertung seines Handelns. Und dafür ist grundsätzlich die Motivation des Handelnden ausschlaggebend. Diese ist zwar im Einzelfall nicht bekannt, solange wir noch keine Gedanken lesen können, eine theoretische Bewertung möglicher Beweggründe ist gleichwohl möglich und zulässig. Alternativ könnte man natürlich einen Katalog von Straftaten erstellen, bei deren Verdacht eine Anzeige akzeptabel ist oder nicht. Diese Reglementierung korrumpiert eine Gesellschaft jedoch in stärkerer Weise als die grobe Vorgabe eines Handlungsrahmens wie oben beschrieben.
Abschließend ist zu sagen, dass Gesellschaft ohne soziale Kontrolle natürlich nicht existieren kann. Die Abwägung zwischen Privatsphäre des Individuums und dem gesellschaftlichen Interesse, Straftaten zu unterbinden, wird gesellschaftlich immer wieder neu verhandelt.
Das einzige, das mir an dem Gardinen-Tabaksdosenfall komisch vorkommt: wo war denn das RTL2-Kamerateam?
144 Kommentare und keiner, wirklich keiner, denkt an Bart Simpson? Das war zumindest mein erster Gedanke…
http://springfield-shopper.de/Pictures/Screenshots/8f03/8f03_057.jpg
http://springfield-shopper.de/php/epiguide/epiguide.php?do=screenshots&show=8f03#screenshots
@blubb:
Da ist sicher einiges dran. Allerdings ist das Dilemma des potentiellen Anzeigenerstatters weniger strafrechtlicher als moralischer Art – nicht: hier ein Risiko, wegen Verleumdung oder falscher Verdächtigung belangt zu werden und dort ein Risiko, sich wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten zu müssen, sondern vielmehr: hier die Gefahr, einen möglichen Schaden nicht abgewendet zu haben und dort die Gefahr, zum Denunzianten zu werden. Nicht zwiespältig ist demgegenüber die Lage dessen, der denunzieren will. Je zutreffender und gravierender die Anschuldigung ist, desto besser ist das nicht nur für den Erfolg der Denunziation, sondern auch für das Gewissen des Denunzianten.
Dem potentiellen Anzeigenerstatter überhaupt ein Dilemma zuzubilligen setzt also bereits voraus, daß er nicht einmal selbst in der Lage ist, sich eindeutig als Nichtdenunzianten zu identifizieren. Den Zwiespalt, den man ihm zugesteht, muß man aber auch für Dritte gelten lassen, die sein Handeln beurteilen. Und wenn man ihm die Option einräumt, nach dem Grundsatz "lieber einen zuviel anzeigen als einen zuwenig" zu verfahren, muß man den anderen Entsprechendes zugestehen: "Lieber einmal zuviel 'Denunziant!' gerufen als einmal zuwenig." Nur so kann die Ächtung der Denunziation als Regulativ funktionieren.
Im hier diskutierten Fall halte ich das Risiko für gering, mit dem Ruf "Denunziant!" danebenzuliegen. Aus dem Vorhandensein von Tabakdosen in Verbindung mit dem Fehlen von Gardinen zu folgern, da wohne möglicherweise ein Schmuggler, setzt wahlweise ein außergewöhnliches Maß an Phantasie oder ein ebenso außergewöhnliches Maß an Beschränktheit voraus. Schließt man beides als unwahrscheinlich aus, liegt ein Verdacht auf der Hand: Der Anzeigenerstatter wollte seinem Nachbarn Scherereien machen. Daß die Unannehmlichkeiten sich in Grenzen hielten, hat dieser lediglich seinem klugen und defensiven Umgang mit der Situation zu verdanken.
Nur eine Bemerkung zu blubb etc:
DANKE, dass Du in dem Fall die Polizei angerufen hast.
Adi, ich hoffe, dass meine Nachbarn nicht so realitätsfremd denken wie Du.
Wenn mir die Handtasche auf der Straße geklaut wird oder ich in eine Grube falle, aus der ich alleine nicht mehr herauskomme, schreie ich wahrscheinlich tatsächlich "Hilfe", weil mir die Lage bewusst ist und ich weiß, dass um mich herum Menschen sind, die helfen können.
Wenn ich aber vergewaltigt werde, ist das eine Situation, in der ich nicht mehr denke, sondern nur noch fühle. Vielleicht schreie ich auch dann um Hilfe. Viel wahrscheinlicher ist aber "NEEEIN" "BITTE NICHT" oder eben "LASS MICH"… vielleicht bin ich auch so geschockt und panisch, dass ich gar keine Worte mehr rauskriege, sondern nur "AAAHH" oder ähnliches.
Bitte ruft in so einem Fall die Polizei. BITTE!!!
ich kenn da jemand die hat ein verbot tiere zu halten, aber sie hatt 2 möpse und einen Hasky was kann ich tun? Die tiere bekommen kein wasser und kein futter! Mir tun die tiere leid aber ich möchte wenn was passiert auch anonym bleiben bitte helft mir