Ultimativer Cyber-Spürhund
Das Programm GeoTime ist als mächtige Schnüffelsoftware konzipiert. Aus einem Bericht der taz:
Das Sicherheitsprogramm, das bislang vom US-Militär eingesetzt wird, ist der ultimative Cyber-Spürhund: Mit ihm können alle kommunikativen Aktivitäten einer Person im Internet, am Handy, mit dem Navigationssystem, sowie finanzielle Transaktionen und das Einloggen in IP-Netzwerke festgehalten werden. Daraus erstellt die Software dreidimensionale Grafiken für hochkomplexe Datenprofile von Verdächtigen und ihren angeblichen Handlangern.
Die Londoner Polizei prüft derzeit das Programm. In England mehren sich deswegen Befürchtungen, die Bürger würden künftig auch online vollständig überwacht – nachdem sie schon im wirklichen Leben kaum noch einen Schritt außerhalb von Videokameras machen können.
GeoTime könnte allerdings nicht nur ein britisches Problem sein. Der Hersteller brüstet sich auch mit Geschäftskontakten nach Deutschland. Das Bayerische Landeskriminalamt hat, wenn man der Referenzliste glauben darf, GeoTime bereits erworben.
Die Demonstration auf geotime.com sieht eher unspektakulär aus.
Was eine schwachsinnige Beschreibung bei der TAZ. Das Programm selber kann garnix überwachen, sondern liest schlicht Daten ein (z.B. aus Excel-Tabellen, Datenbanken etc) und stellt diese dann grafisch in 3D dar, dabei werden geographische Karten mit einer Zeitachse kombiniert.
Aber die besagten Daten müssen ja erstmal irgendwo her kommen, d.h. als Tabelle oder Datenbank vom Telko-Unternehmen oder den Banken, Abrechnungsstellen, Facebook etc geliefert worden sein. Nun kann man natürlich darüber diskutieren, ob hier oder im UK die Speicherung und Bereitstellung solcher Daten für Ermittlungszwecke schon zu weit geht oder nicht (+ Richtervorbehalt etc), nur macht das eine simple Visualisierungssoftware nicht zum Spionagetool mit umfassender, magischen Zugriffsmöglichekeiten.
Bullshit.
"Visualizing the impact of police patrols, combining patrol AVL data with reported crime incidents." zum Beispiel, das kann die Software. Mit dem anderen zusammen:
- DARSTELLUNG von vorhandenen Daten
- Vergleich miteinander
–> PROZESSOPTIMIERUNG
Und das ist in unser aller Interesse. Wenn z.B. die Polizei lieber an Hotspots zweimal patroulliert als zehnmal umsonst um die Ecke der Wache.
Klingt nach einer aufgewärmten Meldung über eine Sache, die schon vor einigen Jahren mal in der Presse war?
Wie auch immer, ich mach mir weniger Gedanken über Sachen, über "DIE" freiwillig die Presse informieren, als über Sachen, die schon lange geplant werden, und über die ganz sicher so schnell nicht informiert wird.
war doch nur eine frage der zeit bis ein system auftaucht das allerlei dateninseln anzapfen und kombinieren kann, oder?
"wehret den anfängen" is halt rum und das kind in den brunnen gefallen.
Die Daten als solche, zumal wenn umfangreich, sind unausgewertet wenig wert. Bei den heutzutage verfügbaren Daten ist auf die Anforderungen zugeschnittene Datamining-Software im Interesse derer, die die Daten sinnvoll (zielführend) verarbeiten wollen. Bereits aus verhältnismäßig übersichtlich erscheinenden Datenmengen lassen sich mit Hilfe geeigneter (bspw. auch statistischer) Verfahren erstanliche Informationen extrahieren oder extrapolieren.
Ob GeoTime etwas taugt sei mal dahingestellt – die wirklichen Leckerchen-Features werden in dem Markt mit Sicherheit nicht per Internetseite beworben.
Das ist keine Schnüffel-Software sondern ein Werkzeug zur Massendaten-Aufbereitung. Und das eher im Commercial- als im LE/Intel-Bereich. Der de facto Behörden-Standard ist die IOP von i2. Vielleicht auch bald eine taz-Schlagzeile?
Uh… "dreidimensionale Grafiken für hochkomplexe Datenprofile"… klingt nach minderwertigem Technobabble.
Muss mich den meisten Vorrednern anschliessen.
Es ist nur eine Datenauswertung. Und hochtrabende Begriffe sollen wohl über die schwächen des Werkzeugs hinweg täuschen.
Wenn ich davor Angst habe, muss ich auch den Verkauf von Motorsägen und Heckentrimmer untersagen. Allerdings gehe ich davon aus, das die TAZ das auch weis (oder der Redakteur des Artikels). Ich frage mich nun eher, was der Artikel den genau bewirken soll. Ablenken von den wirklichen Problemen? Nämlich das solche Daten bereits gespeichert werden und von der Polizei in Falle eines Falles abgerufen werden können?
Ich denke damit komme ich der Sache etwas näher. Jedenfalls ist die kommentiere Software ungefähr so bedrohlich wie Excel oder Access.
Genau! Diese Software ist nix Besonderes: Sie sammelt und visualisiert vorhandene Daten.
Und dann hat die Werbeabteilung einen Text verfasst, der sich so anhört wie die Anzeigen in einem Billigkatalog.
"Wir haben den ultimativsten, komplett nach ergonomisch-wissenschaftlichen (…) Kartoffelschäler überhaupt!!!"
Dass es UV so gefällt, liegt wohl daran, dass es hübsche Grafiken erzeugt, die jeder Laie (Richter) "verstehen" kann. Und wenn da noch der Ankläger Elemente dieser Werbebotschaft erwähnt: "Das ist das Resultat einer hochkomplexen Software, die auch als Ultimativer Cyber-Spürhund bezeichnet wird." — Klingt schon beeindruckend. Ich frage mich, ob die den Begriff patentiert haben :)
Ansonsten wird der Text dominiert von "alle kommunikativen Aktivitäten einer Person", was dann aber durch eine lange Aufzählung von Einzelbereichen ergänzt wird, die hinterfragbar sind.
@dodo: Danke, ich hab mich gerade schon gefragt was denn "dreidimensionale Grafiken für hochkomplexe Datenprofile" sein sollen. Mal wieder ein Fall von "Klingt unglaublich technisch ist aber nur heiße Luft".
Insbesondere die behauptete Überwachung der "Kommunikativen Aktivitäten mit dem Navigationssystem" möchte ich gerne mal sehen.
Scheint ja so, als ob der TAZ-Autor nicht einmal das Prinzip der GPS-Ortsbestimmung verstanden hat.
Das Problem ist dass sich Bayrische Behörden mit ihrer Überwachungsraserei nicht auf Bayern beschränken sondern auch "remote" in den anderen Bundesländern herumspionieren und dort deren Bürger bespitzeln. Wer schon einmal verdachtslos und ohne Straftaten begangen zu haben, als Nicht-Bayer bei Besuch oder Durchfahrt vor Ort in deren Verdächtigungsmühle geraten ist, weiß wovon ich spreche. Da reicht auch schon mal eine unbayrische Frisur oder eine legale Lederjacke aus, um diese Pest selbst zu Haus im eigenen Bundesland nicht mehr loszuwerden.
@Marty
Auch Bayern kann nicht etwas bespitzeln was nicht existiert. Und vorhandene Schnittstellen zum bespitzeln sind nicht Länderabhängig.
Beispiel: was ist Kommunikationsüberwachung?
Telefon
Internet
Persönliche Gespräche
Briefe
Für Telefonüberwachung muss ich den Telefonprovider anhauen, mit die Daten zu liefern. Das ist garantiert keine nur in Bayern operierende Firma. Internet…das selbe.
Ich bekomme jetzt irgendwelche Rohdaten, die du mit dem Auge nicht mehr erfassen kannst.
Jetzt kommt diese Software, bietet Schnittstellen für die verschiedenen Datenformate, Telefonate bestehen zb aus den Verbindungsdaten und dem eigentlichen Gespräch. Briefe werden eher als Bild, Telefonate eher als Tondatei weiter gegeben. Verbindungsdaten sind Zahlen und Textfelder gemischt. Und das ganze wird nur lesbar dadurch.
Gesammelt wird es völlig unabhängig von der Software. Zum Schnüffeln reicht es also nicht, die Software zu installieren und irgendwie dann innerhalb der Software eine Funktion zu aktivieren um denjenigen zu verfolgen. Die müssen noch immer erstmal rausfinden, welche Telefonnummer er hat, um dann den Provider zu finden, dem dann via Verfügung klar zu machen, was er tun sollte und dann diese Daten sich zukommen lassen. Das selbe für alle anderen Aktivitäten. Also keine Knopfdruck…ich hab dich…software.
@Peter: Also ich finde, das sieht schon recht spektakulär aus. :)
http://www.geotime.com/images/animated_Short_3D_Time.aspx
Und wenn ich mir vorstelle, mein Bewegungen und Kontakte würden in dieser Form jederzeit so transparent gesammelt und dargestellt, finde ich das gar nicht gut.
Weil es macht ja schon einen erheblichen Unterschied aus, ob die Behörden/Leute das Recht haben, verschiedene ausgedruckte Listen mit unterschiedlichen Daten vorliegen zu haben und diese erst mühsam durchsuchen und kombinieren müssen, um ihre Schlüsse daraus zu ziehen,
oder ob jeder Depp die Daten in 1 Minuten per Knopfdruck so aufbereiten lassen kann, dass man auf Anhieb erkennen kann, wann ich wo war und mit wem ich mich getroffen oder telefoniert habe.
Das ist ein ähnliches Problem, wie die automatische Autokennzeichen-Erfassung durch die Polizei.
Wenn ein Polizist Nummernschilder per Hand aufschreibt, dann ist das erlaubt. Wenn das durch einen Automaten massenhaft geschieht, nicht mehr.