Richter J. telefoniert nicht
Stellt euch vor, ihr habt eine leitenden Funktion in einem Unternehmen. Ihr seid jetzt schon einige Jahre dabei, leistet gute Arbeit und habt Aussicht, vielleicht auch mal befördert zu werden. Dann entscheidet ihr euch von einem Tag auf den anderen, nicht mehr zu telefonieren. Also mit Kunden und Geschäftspartnern. Eure Sekretärin muss allen Anrufern ausrichten, dass ihr keine Anrufe entgegennehmt, egal wie wichtig es ist, sondern nur per Mail, Fax oder Post kommuniziert.
Was würde passieren?
Die Chance auf Beförderung wäre weg. Und der Job auch, und das wahrscheinlich innerhalb weniger Tage. Oder vielleicht auch nicht. Denn es gibt tatsächlich eine Branche, in der man so eine Nummer durchziehen kann und jedenfalls seinen bisherigen Status nicht risikert. Freilich klappt das nicht bei den beliebtesten Arbeitgebern wie Google oder BMW. Nein, dazu muss man in den Staatsdienst – und Richter werden.
Ich bin heute mal wieder einem dieser – zugegeben seltenen – Richterexemplare begegnet. Das heißt, fast fast bin ich ihm begegnet, denn die nette Dame auf seiner Geschäftsstelle stellte mich ja nicht zu ihm durch. “Herr J. spricht nicht mit dem Publikum”, sagte sie. “Ich bin Prozessbevollmächtigter der Beklagten.” “Er spricht auch nicht mit Anwälten.”
Ich fragte, ob Herr J. vielleicht gerade verhindert ist. Weil er eine wichtige Sache bearbeitet, etwa. Dafür hätte ich großes Verständnis. Ich kann auch nicht immer ans Telefon, wenn ich nicht kirre werden will. “Soll ich mich später noch mal melden? Ich kann es gern morgen versuchen.” “Herr J. ist nicht im Stress, jedenfalls nicht dass ich wüsste. Er spricht einfach nicht mit Ihnen, grundsätzlich nicht.”
Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Dame verschweigt mir was. “Ist er vielleicht hörbehindert?” “Nein.” “Stumm?” “Nein, Herr J. hat kein Handicap. Er telefoniert ja auch, zum Beispiel auf seinem privaten Handy. Aber halt nicht mit Anwälten oder Prozessparteien. Dazu hat er keine Lust.”
Richter J. verweigert also die dienstliche Kommunikation per Telefon, um sich sein Leben bequemer zu gestalten. Ich räume ein, viele werden ihn darum heftig beneiden. Insbesondere für den Umstand, dass die richterliche Freiheit in Deutschland so eine Einstellung wohl abdeckt und damit arbeitsrechtliche Konsequenzen unmöglich macht.
Ein Richter hat ja auch keine Anwesenheitspflicht im Gerichtsgebäude. Wenn er also seinem Dienstapparat durchweg fernbleiben kann, wird man ihm auch kaum vorwerfen können, dass er nicht drangeht, selbst wenn er im Büro ist. So oder ähnlich wäre wahrscheinlich die Argumentation, mit der höhere Stellen streng nach Gesetz Beschwerden gegen J.s Blockadehaltung abschmettern würden. Und es wahrscheinlich auch schon getan haben.
Immerhin entnahm ich dem tiefen Seufzen der Geschäftsstellenmitarbeiterin, dass nicht jeder im Gericht glücklich mit seinem Verhalten ist. “Danke, dass Sie mich nicht anbrüllen, wie das viele machen”, sagte sie. “Ich kann ja nun auch nichts dafür.”
einfach ein telefongespräch per fax anfangen.
ein fax pro frage/antwort. zum schluss noch aufwandentschädigung wegen die erhöhten telefonkosten einfordern.
Ich gehe auch grundsätzlich nicht ans Telefon: andreasmoser.wordpress.co...-i-dont-answer-the-phone/ und habe seit diesem Entschluß ein wesentlich ruhigeres Leben – allerdings bin ich kein Richter.
Vielleicht hat der Richter bei nicht schriftlich geführter Korrespondenz Angst um die Unparteilichkeit? Ihre Briefe und Faxe kann er zur Stellungnahme an die anderen Prozessparteien weiterleiten, bei Anrufen muß er dazu umständlich Gesprächsnotizen anfertigen.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich der Richter mit dieser Arbeitsweise im Endeffekt nicht mehr Arbeit macht.
Öffentlichkeit könnte hierbei helfen. Gerade die BLÖD-Zeitung ist doch immer auf der Jagd nach ineffizienten Staatsdienern, oder?
Wenn die Vorgesetzten des Richters J. erst einige Pressekonferenzen zu seinem merkwürdigen Verhalten hinter sich haben, überreden sie ihn vielleicht, auch das Telefon zu benutzen.
Erinnert mich irgendwie an "Bartelby der Schreiber" von Herman Melville. Irgendwann wird der Richter auch die Arbeit einstellen, das Büro nicht mehr verlassen und schließlich verhungern, da er die Nahrungsaufnahme verweigert. Wehret den Anfängen! Der Mann braucht Hilfe.
@Andreas Moser: Naja, das ein Richter nicht unbedingt zu einem seiner Verfahren inhaltlich telefonieren will kann ich ja mit der Begründung noch verstehen.
Aber wenn es z.B. um die Terminplanung eines Verfahrens geht, dürfte das per Telefon(konferenz) zwischen den Beteiligten schneller geklärt sein als auf dem schriftlichen Weg.
"Er telefoniert ja auch, [...] Aber halt nicht mit Anwälten oder Prozessparteien."
Das soll er mir selber sagen! LOL
Mhm, ich seh da jetzt den ganz großen Skandal nicht. Wenn man dem Gericht/Richter was mitteilen möchte gibts doch genug andere Wege… und dass man sich als Richter nicht am Telefon von Parteien oder Anwälten belabern lassen will ist doch wohl sein gutes Recht. Wenns eilig ist kann man ja ne Mail schicken. Durchaus mit der Bitte um Rückruf, der der Richter dann wenn er direkten Besprechungsbedarf sieht, nachkommen kann.
Da gibt es hier in Hamburg auch das ein oder andere Exemplar mit Telefonphobie.
Ja, Richter haben so ihre Eigenarten. Manche sehen es zum Beispiel auch überhaupt nicht ein, verständlich auf Band zu diktieren, damit die Schreibkraft nicht dreimal nachkorrigieren muß.
Und dann war da noch der Richter, der beim Banddiktat nach jeder dritten bis fünften Silbe ein "Äh" einschob. Manchmal auch zwei. Als ich die ganzen Äh's dann einmal mitschrieb, wurde er sauer auf mich. Daß das beim Schreiben tierisch nervte und den Zeitaufwand erhöhte, hat ihn nicht gestört. Nein, wir waren sonst nicht unterbeschäftigt.
Gruß, Frosch (ehemalige Justizangestellte)
Dann würde ich wenigstens vorschlagen, diesem Organ der Rechtspflege das dienstlich gestellte Telefon aus dem Büro komplett zu entfernen. Dafür zahlen wir schließlich keine Steuern.
Der Richter hat einen Job: Akten lesen, Aktenvermerke machen, Termine sitzen, Urteile etc absetzen. Parteien oder deren Vertreter mündlich anhören muss er nur im Termin, sonst nicht, auch nicht telefonisch. Der Mann hat also vollkommen recht, sich nicht vollquatschen zu lassen.
Ich wage zu behaupten, daß wir an meinem "Heimat"-Amtsgericht einen – jetzt im Ruhestand befindlichen – Richter hatten, dessen Verhalten in so mancher Hinsicht noch deutlich skurriler war.
Besagter Richter nahm ebenfalls keine Anrufe von Anwälten entgegen.
Fax-Schreiben bezeichnete er schon mal als "Teufelszeug".
In einer Sitzung nahm er einen Schönfelder, warf diesen hoch, blickte sinnierend auf die hierdurch zufällig aufgeschlagene Seite, sah dann auf und verkündete das Urteil: "Die Klage wird abgewiesen".
Der Geschichten gibt es viele. Bei aller Skurrilität darf aber auch gesagt werden, daß einem doch irgend etwas fehlt, wenn ein solcher Richter sich dann in den Ruhestand verabschiedet :)
Donald E. Knuth beantwortet keine emails … das ist schlimmer als nicht zu telefonieren!
Vielleicht telefoniert er ja deshalb nicht, weil sich die später niedergeschriebenen Erinnerungen auf wundersame Art vom Telefonat unterscheiden?
Wer weiß, wie viele Exemplare von Anwälten dieser Richter sich schon am Telefon anhören durfte. Es existieren ja nicht nur die, die ein sinnvolles, eilbedürftiges Anliegen haben; sondern unter Umständen auch solche, die gerne mal irgendwas diskutieren würden. Die aus richterlicher Sicht prozessual wichtigen Dinge kann der Richter dadurch erledigen, dass er anruft; das hat auch den Vorteil, dass der Richter nicht alle halbe Stunde von irgendeinem Anruf genervt wird. Der Rest kommt auch anderweitig irgendwie an. Per Fax, per Mail oder durch eine Information über die Geschäftsstellenmitarbeiter.
Der Vergleich mit der Wirtschaft ist abwegig und die Überschrift falsch, er telefoniert ja, nur nicht mit Anwälten und Prozessparteien.
@13 (christianO):
das ist nicht ganz richtig. knuth <a href="www-cs-faculty.stanford.e...~uno/email.html" rel="nofollow">schreibt zwar</a>, dass er seit 1990 ein glücklicher mensch sei, der keine (persönliche) emailadresse mehr habe.
er fügt aber hinzu, dass er seit 1975 (!) über fünfzehn jahre hinweg sehr wohl eine benutzt habe.
und dass seine sekretärin ihm emails ausdrucke, die an zwei verschiedene adressen gerichtet seien, die mit seinen beiden wichtigsten arbeitsbereichen zu tun haben: eine für <a href="https://de.wikipedia.org/...und_Hintergrund" rel="nofollow">softwarebugs</a> und eine zu seinem buchkoloss "<a href="https://de.wikipedia.org/...ter_Programming" rel="nofollow">the art of computer programming</a>".
knuth ist kein richter. er ist wissenschaftler und schreibt das umfassendste grundlagenwerk zum thema computerprogrammierung, das die welt je gesehen hat. er kokettiert zu recht damit, ein einsiedlerdasein zu führen und gestaltet seine kommunikation mit der öffentlichkeit so, dass er durch die auf der oben verlinkten seite beschriebenen filter für wichtige dinge angemessen erreichbar ist.
ich finde, dass ein richter für prozessbeteiligte besser erreichbar sein sollte, als don knuth für blogkommentatoren.
finden sie einen echten bug in Τ\Ε\Χ. knuth wird sich in absehbarer zeit schriftlich bei ihnen melden.
.~.
ich habe volles Verständnis für das Verhalten des Richters und denke, jeder andere würde dies auch so machen, wenn er denn nur könnte. Wenn ich an den Gebrauch des Telefons bei mir im Büro denke; die meisten Gespräche sind entweder völlig überflüssig, dauern deutlich länger als erforderlich oder enden damit, dass man sich darauf einigt, die Sache doch per Mail/Fax weiterzubearbeiten. Das hätte man aber auch gleich machen können. Dann gibt es noch die Spezialisten, die später durchweg behaupten, man habe dies oder jenes am Telefon gesagt oder sie hätten einen missverstanden etc.pp.
Ich bin leider nicht in der Position, Telefonkommunikation verweigern zu können, aber wo immer geht, bitte ich die Leute zumindest, Mail statt Telefon zu verwenden. Und bei den "Spezialisten" (siehe oben) habe ich auch keine Skrupel, mir Ausreden einfallen zu lassen, warum ich deren Anruf leider nicht entgegennehmen kann und um schriftliches bitte…
@Tilman: Dafür gibt es eine sehr elegante Lösung:
http://www.youtube.com/watch?v=85fx0LrSMsE#t=1m11
OT: Kann den Richter gut verstehen, und mache es auch so (so lange ich damit davonkomme) – im Wesentlichen aus den von Andreas Moser angeführten Gründen. Hab' leider keine Sekretärin dafür, aber ein abgeschaltetes Handy tut's auch (und zu hause bin ich eh selten genug, dass es niemand auf dem Festnetz probiert.
Wer mich kennt, schreibt E-Mails und hat ein paar Stunden später eine ausführliche und durchdachte Antwort. Es gibt extrem selten Dinge, die eiliger sind – aber extrem häufig Leute, die sich für sehr wichtig halten.
Außerdem scheint mir Telefon eine beliebte Taktik zu sein, Leute auf dem falschen Fuß zu erwischen und Zugeständnisse aus den Rippen zu leiern, die sie nicht gemacht hätten, wenn sie Zeit zum Nachdenken gehabt hätten. Nicht dass ich UV so etwas unterstellen wollte.
@Kichererbse:
YMMD :D
Der Richter fängt nicht zufällig mit C. an und verrichtet seinen Dienst bei einem AG in einem Vorort von D´dorf?
Wenn man einen Anwalt durchstellen lässt, muss man alle durchstellen lassen.
Wenn man alle durchstellen lässt, kommt man nicht mehr vernünftig zum Arbeiten und muss sich später ständig mit wilden Behauptungen auseinandersetzen, man habe am Telefon aber dieses und jenes gesagt.
Bleibt wirklich nur, keinen durchstellen zu lassen.
Die ständige Erreichbarkeit per Telefon ist extrem nervig. Im Büro werde ich ständig aus der Arbeit gerissen, weil man immer Anrufe beantworten muss. Per Mail wäre ein besserer und effektiverer Arbeitsfluss möglich. Ich würde liebend gern auf Kommunikation per Telefon verzichten.
Es wird auch immer erwartet, dass man sofort im Thema ist, wenn man ans Telefon geht und dass man es umgehend erledigen kann. Wenn der Anrufer dann auch noch Fakten durchgibt, die man sich mühevoll im Steno notieren muss, wird es auch nicht besser….
Das schriftliche Wort hat dem gesprochenen viele Vorteile gegenüber. Gerade in einer Situation, in der es auf Fakten und Nachprüfbarkeit ankommt.
Ich habe Verständnis für den Mann. Natürlich könnte er immer selbst ans Telefon gehen und die Anrufer mit der Bitte um ein Schriftstück abwimmeln aber dann würde er nicht zum Arbeiten kommen.
Außerdem ist es ein Selektionsprozess. Wenn es nicht so wichtig war wird der Anwalt kein Schreiben schicken.
Ich verstehe natürlich, dass man beim Schnacken mal die ein oder andere Tendenz heraushört und als Anwalt sogar dankbar dafür ist, wenn ein Richter einen "Hinweis" gibt.
Kommunikation per E-Mail oder SMS ist bequem.
Ich halte es da sehr nahe mit Andreas Moser. Mein Verständnis für Leute, die immer erreichbar sein müssen geht gegen Null, das für diejenigen die erwarten, das man selbst immer erreichbar ist, ist defacto Null. Diese Leute kriegen mich dann auch garantiert nicht am Telefon.
Ein solcher richter gehört ohne umschweife und per sofort aus Amt und Würden entfernt – und mit lebenslangem Berufsverbot belegt, sprich: er darf nirgends mehr *Richter* werden
Das Richter "unabhängig" sind, ist ja ok. Aber was zu weit geht, geht zu weit.
Volker
Verstehe ehrlich gesagt nicht, warum Herr Vetter hier versucht das Verhalten des Richters zu skandalisieren. Viele Rechtsanwälte kommunizieren mit Gegnern (Partei wie Anwälten) ausschließlich schriftlich und lassen die Sekträterin alle Anrufversuche abblocken. Das wirkt sicherlich für viele zunächst unhöflich,vor allem wenn man zum ersten Mal mit diesem Verhalten konfrontiert wird. Doch es geht hier nicht darum, unhöflich zum anderen zu sein. Vielmehr spielt hier einfach die Erfahrung eine große Rolle, dass mündliche Absprachen oftmals nichts wert sind und häufig das Telefongespräch vom Anrufer gerade auch deshalb als Kommunkationmittel ausgewählt wurde, um den anderen zu "überrumpeln" und so einen Vergleich zu erzielen, der schrftlich oder im Gespräch von Angesicht zu Angesicht nicht erzielt hätte werden können.
Während mir am Anfang des Berufslebens noch immer erzählt wurde, man könnte sehr effektiv durch Telefonate arbeiten, ist meine Erfahrung gegenteilig. Die meisten Telefonate bringen nichts, bestenfalls später Diskussion darüber, was besprochen worden ist. Insofern erscheint mir das Verhalten des Richters zwar grundsätzlich etwas schrullig, sagt aber weder etwas für noch etwas gegen seine Arbeit als Richter.
Ab einer bestimmten Position hat man halt Narrenfreiheit.
Und wenn man dann auch noch Richter ist, in einem unkündbaren Arbeitsverhältnis steht und ein entsprechend dickes Fell hat, dann kann man sich einfach alles erlauben.
Der eine will nicht telefonieren, der andere weigert sich EDV-Systeme zu verwenden (da war doch hier auch mal ein Fall) und der nächste fällt Urteile wo sich die Haare raufen.
Alles ohne Konsequenzen, es sei denn man bekommt Letzteren wegen Rechtsbeugung dran. Aber wie war das nochmal mit den Krähen?
Die meisten Anrufe von Anwälten sind entweder vollkommen überflüssig (Warum z. B. muss ein danach per Fax gestellter Fristverlängerungsantrag denn noch feierlich vorher angekündigt werden?) oder der Anrufer verspricht sich von dem Anruf eine Verbesserung seiner Position, so dass die ganze Sache dem Prozessgegner gegenüber bedenklich wird. So kann das Telefonieren nebst Anfertigung von Vermerken über den Inhalt des Telefonats, nachträgliche Richtigstellungen des Gesprächsinhalts etc. in erheblichem Umfang die Arbeitskraft des Richters in Anspruch nehmen. Darüber kann der Anwalt sich dann wieder telefonisch beschweren …
Fazit: Jeder Richter soll soviel telefonieren wie er möchte. Das dumme Gequatsche mit dem unkündbaren Arbeitsverhältnis und dass der Richter machen kann was er will, ist kaum noch zu ertragen, und mit der EDV-Verwendung und dem Fällen falscher Urteile hat die ganze Problematik doch schon gar nichts zu tun. Ich drehe den Spieß mal um: Manche Anwälte können sich schriftlich gar nicht artikulieren, deshalb müssen sie notwendigerweise zum Telefon greifen. So. Zufrieden? Jetzt steht es 1:1.
…süng…:
"Lass mich Richter sein auf Erden, im Himmel kanns nicht besser werden…".
Fassungslos, dass so etwas nicht aus dem Dienst entfernt wird.
Auch wenn es einige Anwälte einfach nicht kapieren wollen: der Richter hat rechtliches Gehör zu gewähren, nicht telefonisches. Der Kollege wird für seine – zugegeben recht "individuelle" – Haltung seine Gründe haben, und die gehen, auch wenn es manche ärgern mag, schlicht niemanden etwas an. Im Übrigen macht man bei den – wenigen – schwarzen Schafen der Anwaltszunft schnell auch schlechte Erfahrungen mit Telefonaten, etwa wenn dann in der Hauptverhandlung oder hinterher in einer Revisionsbegründung plötzlich irgendwelche Zusagen erfunden werden, die es nie gegeben hat. Oder, weniger dramatisch, wenn der Gesprächsinhalt unterschiedlich aufgefasst wird und es darüber zu Missverständnissen kommt. Wer solche Erfahrungen gemacht hat oder vermeiden will wie womöglich der hier in völlig überzogener Weise kritisierte Kollege ist immerhin konsequent, wenn er alle Anrufe abblockt und nicht etwa "genehme" Anwälte bevorzugt. Auch ist es nicht zu beanstanden, wenn es abgelehnt wird, mit einer Seite den Fall zu besprechen, ohne dass die andere Seite davon mitbekommt und sich einbringen kann. Nichtsdestotrotz würde ich selbst keine derartige Totalblockade betreiben, hin und wieder sind Telefonate ja auch ganz hilfreich, gerade zur Vermeidung von Terminsverlegungsanträgen. Nicht selten führt so etwas auch zu Arbeitsersparnis, so kann man sich die Ladung von 5 Zeugen ersparen, wenn sich in einem Telefonat herausstellt, dass eine reine Strafmaßverteidigung erfolgen wird.
Ich finde das Verhalten des Richters auch nicht gut, kann aber bestätigen, dass es heutzutage immer mehr faule Zeitgenossen gibt, die meinen, alles telefonisch erledigen zu können. Da werden dann telefonisch z.B. Bescheidkopien angefordert, zu übermitteln möglichst sofort per Telefax, nur weil sie in ihrem Büro einen Saustall haben und den Originalbescheid nicht finden. Da würde ich dann auch gerne verlangen, dass die sich hinsetzen und die Bescheidausfertigung schriftlich anfordern müssen. Machen wir im Zuge der Kundenorientierung natürlich nicht.
Und Machete schickt keine SMS. ;)
Ich glaube ich habe den Skandal gefunden:
Die Schreiblast liegt jetzt beim Anwalt, der was abschicken muss und nicht mehr beim Richter, der nach dem Gespräch eine Aktennotiz schreiben muss.
Schlimm.
Zu früh Enter gedrückt. :-(
@Flo:
Wenn ein Anruf wie hier von außen eingeht, ist das auch nicht praktisch mit einer spontanen Telefonkonferenz. Und wahrscheinlich würde man dann einen Beitrag haben, in dem sich darüber beschwert wird, dass ein Richter von Rechtsanwälten erwartet, sie hätten sich zu Telefonkonferenzen bereitzuhalten.
In der IT-Support-Branche ist das stellenweise verbreitet, einfach um eine lückenlose Beweisführung zu haben falls es nötig wird, was es oft dann auch ist.
In der Hinsicht kann ich den Richter schon verstehen.
Persönlich telefoniere ich auch sehr ungerne, es ist mir extrem unangenehm, weil dann z.B. auch so ein Antwortendruck entsteht.
Ich hab da in vier Jahren Dienst tun "auf der Geschäftsstelle" noch ganz andere Exemplare von Richtern kennen gelernt. ^^
Übrigens gab es da nicht wenige, die von ihrer "Nichtanwesenheitspflicht" Gebrauch machen und nur einmal in der Woche (zu ihren jeweiligen Prozesstag) erschienen sind.
Ich persönlich kann den Richter verstehen. Das Telefon ist eine veraltete Erfindung. Es klingelt, aber man weiß nicht, wer dran ist und warum. Ärgerlich wird es allerdings, wenn dem Telefon Abgeneigte ebenfalls keine E-Mail-Freunde sind.
Sofern der Richter das korrekt durchhaelt, ist er zumindestens vor Einfluessen von Dritten bei seinen Urteilen geschuetzt.
@24 Samson
[...Mein Verständnis für Leute, die immer erreichbar sein müssen geht gegen Null, das für diejenigen die erwarten, das man selbst immer erreichbar ist, ist defacto Null....]
FullACK !!
@tomx3:
Wie haben die denn dann ihre Akten gekriegt?
Ja. Wir sollten alle aufhören miteinander zu reden und nur noch schriftlich kommunizieren. Langfristig wird uns das allen enorm helfen…
http://www.youtube.com/watch?v=vmYHBL2wFcA
:)
@user124:
Das wir den Richter wohl kaum interssieren (verursacht ihm ja keine Arbeit und ihm persönlich auch keine Kosten). Die Geschäftsstelle schon eher.
@ 42 Clark: Alles gesagt. ACK+Danke
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass UV selbst gern Richter geworden wäre…
@PA:
Warum? Er telefoniert doch offensichtlich gerne (mit Richtern) :-).
Also mal ehrlich. Auch als Nichtjurist kann ich den Richter sehr gut verstehen. Telefonmitschnitte sind nur mit Zustimmung des Gegenübers erlaubt. Die Beweiskraft einer E-Mail erscheint mir daher viel größer als die eines Telefonats. Der Antwortdruck ist bei einer Mail auch nicht gegeben. Man kann sich hier in Ruhe eine angemessene Reaktion ausdenken. Beim Telefongespräch habe ich erst in letzter Zeit wieder mal die Erfahrung gemacht, daß das Besprochene, vom dann Bestätigtem erheblich abweicht, bzw. diesem sogar widerspricht. Ich halte es daher als durchaus verständlich, daß manchen Menschen sich im geschäftlichen und dienstlichen Umfeld gegen das Telefon entscheiden.
Das größte Problem ist doch das die (Text editiert. U.V.)sich auf Kosten der Geschäftsstellenmitarbeiterin einen telefonfreien Arbeitsplatz ermöglicht.
@47 blacksektor:
Das mit der Mitschneideerlaubnis kann man loesen: kein Mitschnitt, kein Gespraech.
@9 Sabine Engelhardt:
Fuellworte in der gesprochenen Sprache kann nicht jeder willentlich abstellen, ich z.B. nicht. Wenn man die entsprenchenden Sprecher so deutlich auf etwas hinweist, was sie selber eventuell wissen, weil man es ihnen immer in der Schulzeit vorgehalten hat, kann ich seine Reaktion schon verstehen.
Beim Telefonieren mit dem Einen muss immer der Hinweis erfolgen, dass der Andere nicht dabei ist. Das schränkt die Möglichkeiten doch sehr ein. § 133 Abs. 1 ZPO kann auch nicht eingehalten werden und so manche Prozesserklärung ist an die Schriftform geknüpft, so dass es durchaus vorkommt, dass der Richter zum Protokollanten des Anrufers wird, nicht nur kurz sondern richtig lang. Es gibt effektive Telefongespräche – keine Frage – aber es gibt auch viele, die nicht effektiv sind. Die Beispiele (Ist mein Schriftsatz eingegangen? Hat mein Antrag Aussicht auf Erfolg? Kann der Termin verlegt werden/die Frist verlängert? – Dazu werden die nicht vorhandenen Akten benötigt – usw.). Und es gibt unangenehme Zeitgenossen, die sich schon beschweren, wenn man gerade deshalb nicht erreichbar ist, weil man die Toilette aufsucht. Nichts für ungut.
Der Mann arbeitet aber eben auch nicht bei ner kommerziellen Klitsche, deren Ziel es ist, möglichst viele & teure Waren und Dienstleistungen an den Mann zu bringen und wo man sich als Mitarbeiter mit Konkurrenz, Kundenbindung, etc. rumschlagen muss, sondern bei der Justiz. Der Vergleich ist daher völlig absurd.
Natürlich ist das Verhalten etwas sonderbar aber es gibt verdammt viele gute Gründe auf berufliche Telefonate zu verzichten (viele wurden in den Kommentaren genannt) und gerade bei einer so sensiblen Sache wie der Rechtssprechreichung finde ich eine solch distanzierte Haltung für einen Richter nicht grundsätzlich falsch. Es sei denn, der Mann ist einfach nur bequem aber das kann man ihm nicht einfach unterstellen.