25.7.2012

Social-Media-Panne bei der Polizei

Die Polizei in Hannover gilt als führend im Bereich der Facebook-Fahndung. Nachdem ein erstes Projekt wegen Bedenken von Datenschützern eingestellt wurde, ist die Hannoveraner Polizei nun wieder auf Facebook aktiv. Ob die zuständigen Mitarbeiter aber die nötige Kompetenz für Social Media haben, ist nach einer Panne am Wochenende zumindest fraglich.

An sich haben es die Facebooker in Uniform sicher nur gut gemeint. Sie hatten zahlreiche Leserkommentare zu älteren Beiträgen auf der Polizei-Fanpage wahrgenommen. Dort wurde unisono vor einer Facebook-Präsenz gewarnt, die angeblich kinderpornografischen Inhalt hatte.

Statt jedoch zu ermitteln und Ergebnisse abzuwarten, traten die Polizeibeamten in einen direkten Dialog mit den Besuchern ihrer Fanpage. Sie ließen verlauten, gegen die Seite werde bereits vorgegangen, man bemühe sich um Löschung der Inhalte.

In dem Posting erwähnten die Beamten dann praktischerweise auch noch gleich den Namen der ins Gerede gekommenen Seite. Sie ließ sich so für jedermann in Sekundenschnelle googeln. Sofern sich tatsächlich illegales Material auf der Seite befunden hätte, hätte also ausgerechnet die Polizei einschlägig Interessierten den Weg gewiesen. Das ist im besten Fall dumm, im schlimmsten Fall sogar strafbar.

Allerdings hätten die Beamten vielleicht sowieso besser erst mal ihre zuständigen Kollegen arbeiten lassen sollen. Die Ermittler vom Landeskriminalamt stellten nämlich schon nach kurzer Zeit fest, dass auf der fraglichen Seite überhaupt keine strafbaren Inhalte zu finden sind. Somit gab es für die Polizei auch keinerlei Grund zum Einschreiten. Insbesondere die Ansage aus Hannover, man bemühe sich um Löschung der Inhalte, war somit ein krasser Fehlgriff.

Die Polizei zeigt sich mittlerweile bedingt einsichtig. Sie lässt erklären:

Um die Seite nicht zusätzlich interessant zu machen, würde die Polizeidirektion Hannover aus heutiger Sicht den Namen der verdächtigen Internet- oder Facebookseite nicht mehr benennen.

Aber auch diese Aussage geht am Kern vorbei. Es geht nicht darum, ob Seiten “interessant” gemacht wurden. Vielmehr sollte sich die Polizei fragen, wie sie es mit der Unschuldsvermutung und dem Zurückhaltungsgebot vereinbart, auf Facebook vorzupreschen, die Macher von Internetseiten zu diskreditieren und völlig unberechtigte Maßnahmen anzukündigen.

Hier hat die Polizei selbst an dem Pranger mitgebaut, den man jedenfalls von Seiten der Chefetage eigentlich unbedingt vermeiden möchte – und auch muss. Da stimmt es zumindest bedenklich, wenn die Polizei erklärt, sie werde auch nach dem Missgriff vom Wochenende weiter Kommentare auf ihrer Fanpage zulassen. Schließlich sei die “Interaktion” mit den Usern ein großer Vorteil. 

Das mag sein, aber nur wenn kompetentes Personal vor den Rechnern sitzt.

21 Kommentare zu “Social-Media-Panne bei der Polizei”

  1. J. meint: (25.7.2012 um 15:36) AntwortenReply to this comment

    Und welche Seite war es jetzt?
    Nachdem es kein KiPo ist wird man ja fragen dürfen, oder?

  2. kinder-sind-unschlag meint: (25.7.2012 um 15:56) AntwortenReply to this comment

    Naja – etwas weit hergeholt.
    Ja glaube nicht, dass "einschlägig Interessierten" auf der Fanpage der Polizei nach interessanten Seiten suchen …

  3. Martin meint: (25.7.2012 um 16:07) AntwortenReply to this comment

    Das ist der Reiz am Web 2.0: hinter der Fassade einer Institution werden die Menschen sichtbar, und Menschen machen Fehler. Ich hoffe, die Beamten lernen aus dem Fall und lassen sich nicht entmutigen.

  4. user124 meint: (25.7.2012 um 16:13) AntwortenReply to this comment

    neu im lawblog: wie man aus einer mücke einen elefanten machen kann
    http://is.gd/2lWcgK

  5. Treater meint: (25.7.2012 um 16:23) AntwortenReply to this comment

    In der Privatwirtschaft könnte man sich solche 'Ausrutscher' nicht ungestraft erlauben.

  6. T meint: (25.7.2012 um 16:31) AntwortenReply to this comment

    Ich bin zwar nicht bei Facebook, aber ich nehme an es geht mal weider um den P***-Bear, ein alter Internet-Scherz auf den immer wieder Leute reinfallen.

  7. Snickerman meint: (25.7.2012 um 16:33) AntwortenReply to this comment

    Ihr habt das alles nicht verstanden, Leute.
    Das war eine "Honigfalle", die wussten schon, dass da nichts drauf war, aber jeder, der sich zum Anklicken verleiten ließ, dem steht demnächst Besuch ins Haus ^^

  8. hedrik meint: (25.7.2012 um 16:33) AntwortenReply to this comment

    T: Ausnahmsweise nicht Pedobear ;) Es ging im Wesentlichen um Bikini-Fotos minderjähriger Mädchen. Eher so Japan-Style.

  9. tieferdenken meint: (25.7.2012 um 16:35) AntwortenReply to this comment

    Oh heiliges Social Media, Du System, das alle "kennen" müssen und über das man seine Kompetenzen nachweist. Oh heilige Technik, in der man keine Fehler mehr machen darf. Oh wunderbare demokratische Instanz, in der wir nach Mehrheitsmeinunung beurteilen und uns Strafen wünschen können für die, die wir gerade als "Idioten" ausgesucht haben.

  10. Jemand meint: (25.7.2012 um 17:08) AntwortenReply to this comment

    "Erst schlagen, dann fragen" (sowohl wortwörtlich als auch im übertragenen Sinne) scheint doch auch sonst schon länger die gewünschte Taktik vieler Polizisten zu sein. Wenn man dann mal falsch liegt, dann konnte man das doch natürlich nicht wissen, es ist ein bedauerlicher Einzelfall und für die Folgen ist man selbstverständlich nicht zuständig.
    Immerhin ist die Polizei ja ehrlich, indem sie sich auch in "Social Media" so verhält wie im Alltag auch. Vielleicht soll das ganze "Internetgesindel" auch einfach lernen, was sie erwartet wenn sie es wagen gegen irgendwas zu demonstrieren.

  11. Ein Mensch meint: (25.7.2012 um 17:30) AntwortenReply to this comment

    Das hat ja wohl weniger mit Social Media Kompetenz zu tun, als mit dem Umgang mit privilegierten Informationen im Allgemeinen. Das wäre ja genau so, als würde der Polizist öffentlich auf dem Marktplatz verkünden, dass bei Fam. Müller gerade eine Haussuchung wegen KiPo stattfindet, und das man sich keine Sorgen machen müsse.

  12. Mausbär meint: (25.7.2012 um 17:59) AntwortenReply to this comment

    Viel interessanter waren die Newsmeldungen zu dem Thema. Da hieß es dann "Polizei verlinkt auf Kinderpornoseiten" etc.
    Und ausgerechnet die BILD war eine der wenigen, die korrekt geschrieben haben, dass auf vermeintlich kinderpornografische Seiten verlinkt wurde.

    Dass man aber inzwischen soweit ist, dass Leute meinen die Bilder von Kindern in Bikinis seien Kinderpornografie steht auf einem anderen Blatt und ist eigentlich viel erschreckender.

  13. Miraculix meint: (25.7.2012 um 20:12) AntwortenReply to this comment

    Dass man aber inzwischen soweit ist, dass Leute meinen die Bilder von Kindern in Bikinis seien Kinderpornografie steht auf einem anderen Blatt und ist eigentlich viel erschreckender.

    Wie jetzt – zählt das nicht als KiPo?
    Hat mal jemand Zensursula dazu gefragt?

    Das mag sein, aber nur wenn kompetentes Personal vor den Rechnern sitzt.

    Jetzt mal ganz ehrlich – welcher Mensch der seinen Verstand beisammen hat geht denn freiwillig zur Polizei?

  14. Novosibirsk meint: (25.7.2012 um 23:03) AntwortenReply to this comment

    >Und welche Seite war es jetzt?
    >Nachdem es kein KiPo ist wird man ja fragen dürfen, oder?

    Ich glaube ich weiss um welche Seite es geht. Sicher bin ich mir nicht. Es befand sich dort nicht nur keinerlei KiPo, sondern auch keine freizügigen Bilder. Stattdessen war es eine Seite auf facebook die Montagen eines Memes namens Pedobär zeigte (eine deutsche Trollseite). Dort haben sich eine ganze Menge Hater eingefunden, und auch ein (im Arbeitsrecht) aktiver Jurist, der meinte er würde 'dagegen vorgehen'. Auch Behauptungen die Seite sei KiPo/illegal kamen dort immer wieder auf.
    Den Link (falls es die facebook-präsenz noch gibt) habe ich allerdings nicht. Zu uninteressant und unterschichtig.

  15. Novosibirsk meint: (25.7.2012 um 23:05) AntwortenReply to this comment

    Außerdem wurde dort explizit darauf hingewiesen wo man sich online bei der Polizei beschweren kann. Dies erhährtet meinen verdacht.

  16. Quacksilber meint: (25.7.2012 um 23:09) AntwortenReply to this comment

    Das mag sein, aber nur wenn kompetentes Personal vor den Rechnern sitzt.

    Soll das ein Witz sein?

    Nachdem man jahrelang nur imbeziles Personal hatte, wird man jetzt auf einer anderen Schiene fahren? Natürlich ist der gute Wille anzuerkennen, aber ich kündige auch nicht die Lösung der Riemannschen Vermutung an ohne irgendeinen Realitätsbezug.

    Naja, die Polizei rekrutiert ihr Personal über Quoten.

  17. Quacksilber meint: (25.7.2012 um 23:14) AntwortenReply to this comment

    @Quacksilber:
    Ich muss mich korrigieren. Das Zitat war wohl von UV und keine Absichtserklärung der Polizei.

    So ohne Editierfunktion kann man Korrekturen nur durch Hacken des Servers bewerkstelligen, und ich will mir keine Feinde schaffen.

  18. Kimba meint: (26.7.2012 um 00:02) AntwortenReply to this comment

    @Novosibirsk: Wie jetzt? Der Jurist wollte gegen pedobear vorgehen? Das menschliche Bedürfnis sich zum Affen zu machen scheint manchmal grenzenlos zu sein.

  19. Alois meint: (26.7.2012 um 02:51) AntwortenReply to this comment

    ging es um das "girlloverforum"?
    was die admins und mods da veranstalten ist ja jenseits von gut und böse!!!11

  20. Sven meint: (26.7.2012 um 13:13) AntwortenReply to this comment

    Ich mach mir viel mehr Gedanken um die Blockwarte in unserem Lande. Die Polizei ruft, die Blockwarte liefern. Prima sage ich da. Klappt doch schon ganz gut. Bald werden es Andersdenkende sein, dank Apffel, Facebbluck und Co!

  21. Andreas meint: (27.7.2012 um 07:42) AntwortenReply to this comment

    Liebes Law-Blog-Team, wenn sich auf der Seite Nacktbilder von minderjährigen Mädchen befinden, auf denen lediglich der Intimbereich mit Filzstift geschwärzt ist muss man schon von Kinderpornographischen Inhalten sprechen (nix Pedobear) – und die Seite ist glücklicherweise wohl gelöscht.

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