Gericht kippt Verbot von Sprayer-Doku

Die Sprayer-Doku “UNLIKE U” darf wieder gezeigt werden. Das Kammergericht Berlin hob das Verkaufsverbot auf, welches das Landgericht Berlin verhängt hatte. In der ersten Instanz hatten sich die Berliner Verkehrsbetriebe mit der bemerkenswerten Begründung durchgesetzt, die Filmemacher hätten ihre Arbeit vorher bei der Pressestelle anmelden und genehmigen lassen müssen. Ohne Erlaubnis sei das Eigentumsrecht der Verkehrsbetriebe verletzt gewesen.

Nach Auffassung des Landgerichts Berlin darf der Eigentümer eines Grundstücks uneingeschränkt darüber entscheiden, ob und wer auf seinem Gelände Aufnahmen macht. Die Richter lehnten sich hier an eine Entscheidung an, die der Bundesgerichtshof für gewerblich erstellte Fotos in den preußischen Schlössern und Parkanlagen getroffen hat. Danach dürfen die Grundstückseigentümer gewerblichen Fotografen Aufnahmen untersagen – selbst wenn die Anwesen öffentlich zugänglich sind.

Ich habe schon in einem älteren Blogeintrag kritisiert, wie lässig das Landgericht Berlin mit seinem Urteil über die Kunstfreiheit hinweggegangen ist. Ähnlich sah es im letzten Monat das Kammergericht Berlin. Die Richter hoben das Urteil auf. Sie ließen sich auch nicht von der weiteren Argumentation beeindrucken, die Doku verharmlose Straftaten oder rufe gar dazu auf.

Der Film erkläre bilde vielmehr Straftaten nur ab und erkläre diese, zitiert der Tagesspiegel eine Gerichtssprecherin. Die Kunstfreiheit habe somit Vorrang.

  • Caron

    Na toll. Auf welchen Rechten meiner Mitmenschen darf ich denn noch zu rumtrampeln, weil ich behaupte “Kunst” zu machen?

  • Typ O

    Der Film erkläre bilde vielmehr Straftaten nur ab und erkläre

  • ninjaturkey

    @2. Caron: Gegenfrage – mit welchen Gründen willst Du denn noch Meinungsfreiheit und künstlerische Aktivitäten nach Deinem Gusto unterbinden? Hier fand eine Gewichtung unterschiedlicher Rechte statt und man sollte ab und zu dazu bereit sein, wenn auch Zähne knirschend, Freiheitsrechten den Vorrang zu geben.

  • Skade

    @Caron: Seit wann ist die BVG mein “Mitmensch”?

  • Quacksilber

    “Kunst” hat sich vom Begriff der schönen Künste inzwischen sehr weit entfernt. Es wird mittlerweile alles an Ausdrucksformen einer Kultur darunter subsumiert. Da ist die Frage berechtigt, warum die Herstellung von Viren und Trojanern nicht auch alle Privilegien künstlerischer Freiheit geniessen darf. Sie sind im Gesamtkunstwerk Welt nichts anderes als Graffiti.

  • ia

    @Quacksilber: Regelrecht entartet meinen Sie, richtig?

  • Titus Andronycus

    Mit dem gleichen Argument könnte man ja fast Kinderpornografie verbreiten: Die Zusammenschnitte bilde die Straftaten ja nur ab und erklären sie …

    Ohne konkret “unlike u” gesehen zu haben: Die üblichen verdächtigen Kultfilme der Szene verherrlichen, wie geil es doch ist, zu nachtschlafener Zeit in ein Wagon-Depot einzusteigen und dort ein paar Trains zu signieren – zu gut Deutsch Einbruch und Sachbeschädigung.

    Abwägungen zwischen so unterschiedlichen Rechtsgütern sind wohl immer schwierig, aber hier erscheint mir die Kunst zu hoch gehangen im Vergleich mit dem impliziten Aufruf zu Straftaten und dem berechtigten Interesse von BVG und Kunden an sauberen Zügen.

  • wonko

    @Titus Andronycus:

    Ohne konkret “unlike u” gesehen zu haben
    [...]
    hier erscheint mir die Kunst zu hoch gehangen im Vergleich mit dem impliziten Aufruf zu Straftaten

    Schon faszinierend, wie Sie den Film verbeurteilen können, ohne ihn gesehen zu haben.

  • WPR_bei_WBS

    @Caron:
    Welche Rechte? Es ging ja nicht darum, dass die Filmer auf irgendein Grundstück wollen, die BVG sie aber nich lassen wollte. Das ist ein anderes Thema.

    Hier ging es darum, dass der Film schon abgedrht war, und die BVG jetzt die Veröffentlichung verhindern wollen.

  • WPR_bei_WBS

    @Titus Andronycus:

    Abwägungen zwischen so unterschiedlichen Rechtsgütern sind wohl immer schwierig, aber hier erscheint mir die Kunst zu hoch gehangen im Vergleich mit dem impliziten Aufruf zu Straftaten und dem berechtigten Interesse von BVG und Kunden an sauberen Zügen.

    Um diese Abwägung geht es hier doch garnicht. Hier wurde nicht auf ein (mit der Kunstfreiheit begründetes) Recht zum Sprayen geklagt. Es ging lediglich darum, Film-Aufnahmen verbreiten zu dürfen.

    DIe Kunstfreiheit kam nur zum Einsatz, um das vom BGH statuierte Recht des Grundstücksbesitzer des verietens solcher Veöffentlichungen, einzuschränken.

  • NullPlan

    Das ist zu hoch für mich:
    Um welche Kunstfreiheit soll es denn hier bitte gehen?
    Soll eine Doku etwa Kunst sein?
    Ist dann auch eine Reportage über einen Parteitag oder eine Sportveranstaltung Kunst????

  • Florian

    Man erkläre mir nun bitte noch, warum Google Street View anders behandelt wird.

    Wenn ich das richtig sehe:

    Fall A:
    Google Street View fotografiert ein Gebäude ab, ohne es überhaupt zu betreten. Alle Personen, Kfz-Kennzeichen etc. auf dem Foto werden unkenntlich gemacht. Es ist also nur das reine Gebäude sichtbar.
    Der Hauseigentümer und sogar jeder Mieter haben das Recht, die Veröffentlichung dieser Bilder zu unterbinden.

    Fall B:
    Eine Film-Crew betritt ein Grundstück bzw. ein Gebäude und filmt es von Innen.
    Der Hauseigentümer hat NICHT das Recht, die Veröffentlichung des Films zu unterbinden.

    Schon seltsam.

  • wonko

    @Florian:

    Der Hauseigentümer und sogar jeder Mieter haben das Recht, die Veröffentlichung dieser Bilder zu unterbinden.

    Wenn ich das richtig erinnere hat sich google doch freiwillig dazu bereit erklärt, nachdem es vorher wochenlange Diskussionen gab. Insofern passt der Vergleich nicht.

  • marcus05

    @Florian:

    Wie _hervorragend_ du doch aufgepasst hast.

    Die Möglichkeit des verpixelns der Häuser wurde von google ohne Gesetzesgrundlage angeboten. Ein Recht darauf haben weder Mieter noch Eigentümer.

    Setzen, 6. Und nicht mehr mit dem Handy im Unterricht rumspielen!

  • Arno

    Man sollte berücksichtigen, dass es hier um eine Güterabwägung zwischen mehreren Grundrechten – Kunstfreiheit vs. Recht auf Eigentum und Recht auf Privatsphäre geht.

    Und diese Abwägung fällt halt unterschiedlich aus, je nachdem ob es um ein Betriebsgelände geht (da wird das Recht auf Privatsphäre z.B. weniger gewichtet werden) oder um ein privates Wohnhaus.

    Was den Fall Google angeht: Wenn es hier zum Rechtsstreit kommen sollte, könnte sich Google wohl kaum auf die Kunstfreiheit berufen – beim automatisierte Abfotografieren von Straßenzügen fehlt der subjektive schöpferische Prozess, der ein Kunstwerk gerade ausmacht.

  • zf.8

    Man könnte aber vertretbar davon ausgehen, dass Google sich für seine Suchdienste und auch für Streetview auf die Meinungs- oder Pressefreiheit berufen könnte.

  • Fry

    Jeder, der der Meinung ist, eine Doku über Graffiti gehöre verboten, muss doch auch den “Tatort” und jeden anderen Krimi als verwerflich und illegal ansehen. Immerhin werden dort Straftaten gezeigt und (speziell solche, die von Personen im Amt begangen werden) sogar “verherrlicht”. Etwas, das die hier diskutierte Doku gar nicht macht – sie befasst sich nur mit dem Kunstaspekt, nicht mit dem rechtlichen Aspekt.

    (disclaimer: ich habe meine Infos nur aus Sekundärliteratur. Sehe weder Tatort noch “unlike u”. Kunst interessiert mich nicht. Freiheit sehr wohl.)

  • der Bahner

    Was mich mehr beunruhigt ist, daß deren Depot so schlecht gesichert ist und dort auch mal einer rumkriecht und am Fuhrpark herumschraubt oder ein “Päckchen” mit auf Reisen schicken kann.

  • Mantsch

    Der Film erkläre bilde vielmehr Straftaten nur ab und erkläre diese, zitiert der Tagesspiegel eine Gerichtssprecherin.

    Ob die Gerichtssprecherin bei Kinderpornografie genauso lässig argumentiert? Schließlich bildet sie ja auch nur ab. Sogar niemals Geschehenes.

  • Fry

    Nochmal: die “Abbildung” und “Erklärung” von Straftaten ist NICHT illegal. Sonst wären ein Großteil der Hollywoodfilme, alle Krimis aus ARD und ZDF sowie Dokus a la “Christiane F.” alle verboten.

    So, und wieso zum Geier soll “unlike u” (in Teilen) verboten sein?

  • anon21

    @Fry und andere:
    Im Gegensatz zu jener Doku sind Hollywood & Co Produktionen im allgemeinen fiktiven Ursprungs. “Unlike U” hingegen ist die Verfilmung einer real ausgeführten Straftat. Mal davon abgesehen, dass die Macher also nicht nur billigend daneben standen anstatt die Polizei zu rufen* machen sie quasi indirekt Geld aus der Straftat. Zumal die Filmcrew auch kaum zufällig gerade dort vorbei lief als die Sprayer am Werk waren, da gab es sicherlich einen vereinbarten “Termin”. “Fruit of the Poison Tree” also. So einfach finde ich da die Abwägung nicht. Wie sieht es da eigentlich mit z.b. Videos aus in denen jemand Autos am Straßenrand zerstört?

    * Da ich auf dem Gebiet nicht bewandert bin würde ich mal schätzen, dass das nicht Benachrichtigen der Polizei ansich keine strafbelegte Tat ist, oder haben wir eine Meldepflicht für beobachtete Straftaten? Stellt man sich aber beliebige Personen ohne Kamera vor die das selbe machen ists schon merkwürdig.

  • wonko

    @Mantsch: Frau von der Leyen, schön daß Sie auch an der Diskussion teilnehmen!

  • Roger

    Leute. Kinderpornographie (dokumentierter Kindesmissbrauch)? Bitte treibt die Sau nicht durchs Graffitidorf. Sonst komm ich daher und sag Hitler darf man auch in Bildern zeigen und erklären.

    Bitte wählen Sie 0800-NETZSPERRE.

  • pirx

    @Caron: Das Gericht hatte nicht über die Kunstfreiheit der Sprayer, sondern auf die der Filmemacher zu befinden.
    Und die Filmemacher haben ja (vermutlich) keine Sachbeschädigung begangen, sonst hätte die BVG dies sicher vorgetragen.

  • Titus Andronycus

    @wonko:
    @Fry:

    Eine Doku zeigt, erklärt, spürt Hintergründen nach, lässt verschiedene Beteiligte aus verschiedenen Perspektiven zu Wort kommen. Nur tut dieser Film davon nur eines: zeigen. In Spielfilmlänge, unterlegt mit grooviger Musik, Spaß beim Verzieren, Zug um Zug. Die Sprayer erzählen einfach, was sie daran so toll finden und dürfen selbstherrlich über die von ihnen durchgeführte Befreiung von Zügen aus dem immergleichen Farbeinerlei erzählen. Immer wieder zu sehen: die gebombten Trains.

    Nein, gesehen habe ich den Film nicht. Aber andere in Szene kursierende Filme. Und der Trailer zeigt nunmal genau das von mir Beschriebene: http://www.youtube.com/watch?v=jy7W01FZIZc

    Filme in denen nur groß und breit erläutert wird, wie man am besten einbricht und was das doch für ein tolles Gefühl ist, für wenig Arbeit viel Knete zu bekommen, wären auch nicht von der Kunstfreiheit geschützt, sondern als Aufforderung zu Straftaten ihrerseits verboten.

    Gedreht werden die übrigens nicht mittels Filmcrew, sondern von einem Mitglied der Sprühertruppe – früher in Hi8, heute mit Digitalkamera oder Handy.

  • simie

    @Arno:

    Was den Fall Google angeht: Wenn es hier zum Rechtsstreit kommen sollte, könnte sich Google wohl kaum auf die Kunstfreiheit berufen – beim automatisierte Abfotografieren von Straßenzügen fehlt der subjektive schöpferische Prozess, der ein Kunstwerk gerade ausmacht.

    Aber auf die Panoramafreiheit. Ein Hauseigentümer hat nicht das Recht, Aufnahmen seiner Häuser zu unterbinden, welche von öffentlichen Gelände erstellt werden. Hier müsste ein Gericht nicht einmal verschiedene Rechtsgüter abwägen.
    Daher verstehe ich das Einlenken Googles bei Streetview nicht ganz. Einige hätten sich maßlos aufgeregt, die meisten würden sich jedoch wohl freuen, wenn Street View in Deutschland ähnlich komplett wäre, wie in anderen Ländern.

  • kastaniensammler

    @Roger: Hitler darf man wohl zeigen. Auch zeigen viele Dokumentationen über der braunen Faschisten deren Straftaten bis hin zu Körperverletzungen oder Morden. Niemand kommt auf die Idee, die Ausstrahlung zu verbieten, weil hier Straftaten gezeigt werden.
    Sie dürfen aber noch nicht einmal ein pornografisches Bild von sich selbst besitzen, wenn sie darauf noch ein Kind sind. Selbst wenn sie das Bild als Kind selbst angefertigt haben. Selbst die Abbildung von Nicht-Missbrauch (Kinderpornografie != dokumentierter Kindesmissbrauch) ist also stafbar. Verrückt.

  • Densor

    @Titus Andronycus:

    Ohne konkret “unlike u” gesehen zu haben

    Nein, gesehen habe ich den Film nicht.

    Nur tut dieser Film davon nur eines: zeigen. In Spielfilmlänge, unterlegt mit grooviger Musik, Spaß beim Verzieren, Zug um Zug.

    Blah und blah und blah… keine Ahnung worum es geht, aber es trotzdem besser wissen. Obendrein noch die KiPo Sau durchs Dorf treiben weil man dadurch so richtig schön die moralische Aufregung ankurbeln kann.

    Augenbinden und Ohrstöpsel gibt es zu kaufen, die können Sie sich besorgen und somit den ganzen bösen “Schmutz” dieser Welt ausblenden ohne Angst zu haben davon korrumpiert zu werden.

    Aber bitte bitte versuchen Sie nicht Ihre überheblichen Moralvorstellungen anderen Menschen auf zu zwingen, das ist nämlich einfach nur widerlich..

  • Titus Andronycus

    @Densor:
    Ohrenstöpsel Vorwerfen und sinnentstellend Zitieren passen nicht besonders gut zusammen.

    Nein, ich kenne nur Menschen, die irgendwann einmal in ihrem Leben dem örtlichen Nahverkehr die eine oder andere Dose gewidmet haben dürften – und für die das öffentliche, bewegte Auftauchen ihrer nächtlichen Werke wesentliche Motivation war.

    Wie sie auf die Idee kommen, ich wöllte meine Moralvorstellungen jemandem aufzwingen, weiß ich nicht. Noch weniger, warum sie es wiederum gut finden, wenn die Filmer/Sprayer mir die ihrigen aufzwingen wollen. Was ich aber recht gut weiß: Ich fahre gerne in umwelttechnisch wie optisch sauberen Nahverkehrsmitteln zur Arbeit.

    Sie regen sich über die ‘Instrumentierung von Kipo’ auf. Zur filmischen Glorifizierung von Einbrüchen äußern sie nichts – die ginge also in Ordnung? Wäre ja ein Eingriff in Ihre Freiheit, wenn man sowas nicht zeigen dürfte. Wie wäre es mit Nazis, die erzählen, wie toll Kopftritte auf Ausländer sind? Mit – natürlich rein dokumentarisch – entsprechendem Videomaterial?

    Die Freiheit eines Menschen endet dort, wo sie die Freiheit eines anderen Menschen beschränkt. Mutmaßlich sind Sie auch recht froh, dass dem Einbrecher/Nazi nicht die Freiheit zugestanden wird, sich Ihrem Eigentum respektive Ihrer Gesundheit zu bemächtigen – oder dafür Werbung zu machen.

    BTW: Woher wissen Sie eigentlich, was im Film zu sehen ist (und können daher das Urteil berechtigterweise gutheißen)? Haben Sie den Film gesehen? Oder auch nur den Trailer? Oder andere Szene-Filme? Oder die Szene mal hautnah?

  • Kolo

    Ich würde zum Beispiel nie nach Bad Tölz fahren, bei der hohen Verbrechensrate die es da gibt. Gab da früher mal eine Fernsehsendung, in der die Straftaten dort “abgebildet” wurden, fast täglich wurde von einem Mord berichtet.

  • Mat Scheibe

    Was ist mit der sogenannten PANORAMAFREIHEIT? ;-)

  • zf.8

    @Mat Scheibe:

    Sprayerdokus respektieren, Panoramafreiheit legalisieren!

  • Fry

    @Titus Andronycus: Es gibt in Deutschland auch kein Verbot für das Verbreiten von Dokumentationen, die Straftaten neutral oder positiv darstellen. Zumindest wäre mir die Rechtsgrundlage unklar.

    Was es gibt: einen Paragraphen gegen “Volksverhetzung”, und nicht ohne Grund hat das eine Silbe gemeinsam mit “gesundem Volksempfinden: es ist ein Gummiparagraph, einer individuellen Auslegung sehr zugänglich.

    Was es aber auch gibt: einen GG-Artikel gegen Zensur. Und die Zensurfreiheit liegt vielen (auch mir) WESENTLICH mehr am Herzen als eine Medienlandschaft, die von Dokus über Sprayer gesäubert ist. Und das sollte es auch.

    Nochmal: es geht hier nicht um die rechtliche Bewertung des Sprayens, sondern um die des Filmens.

    Fry

  • positiv

    @Titus Andronycus:
    “Eine Doku zeigt, erklärt, spürt Hintergründen nach, lässt verschiedene Beteiligte aus verschiedenen Perspektiven zu Wort kommen.”

    Nein. Das ist überhaupt keine Bedingung, ein Werk dem Genre “Dokumentation” zuzuordnen.

  • Fry

    @Titus Andronycus: Noch was: Laut Ihnen ist eine Doku über Sprayer, die den Kunstaspekt betont, also eine “Aufforderung zu Straftaten”. Ungefähr so, stelle ich mir vor, wurden zu den dunkelsten Zeiten in Deutschland Paragraphen verdreht, um Leute zu bestrafen, die nach “gesundem Volksempfinden” bestraft gehörten. Ob die Rechtslage nun passte oder nicht – wurde sie eben passend gemacht.

  • siehste!

    @Titus Andronycus: Als ich diesen Artikel las, wettete ich mit mir selbst, dass noch vor dem 10. Kommentar das Wort “Kinderpornografie” fallen würde. Gewonnen!

  • wonko

    @Titus Andronycus:

    Nur tut dieser Film davon nur eines: zeigen.
    [...]
    Nein, gesehen habe ich den Film nicht.

    Und nein, das ist nicht sinnentstellend zitiert.

    @Titus Andronycus:

    Sie regen sich über die ‘Instrumentierung von Kipo’ auf.

    Jap. Es fehlt einfach jeglicher Kontext. Der Verdacht, daß damit emotionalisiert werden soll, um vom eigenen Mangel an sachbezogenen Argumenten abzulenken liegt ziemlich nah.

    Zur filmischen Glorifizierung von Einbrüchen äußern sie nichts

    Sie mögen das anders sehen, aber *ich* werde mir erst dann ein Urteil darüber erlauben, wenn ich den Film gesehen habe.

    Wie wäre es mit Nazis, die erzählen, wie toll Kopftritte auf Ausländer sind?

    Es kommt sehr darauf an, wie das filmisch verpackt wird. Auch einen Film, der solche Szenen enthält würde ich mir anschauen wollen bevor ich ihn beurteile.
    Sie haben natürlich die Freiheit, das vollkommen anders zu sehen.

  • positiv

    @Titus Andronycus:
    “Sie regen sich über die ‘Instrumentierung von Kipo’ auf. Zur filmischen Glorifizierung von Einbrüchen äußern sie nichts – die ginge also in Ordnung? Wäre ja ein Eingriff in Ihre Freiheit, wenn man sowas nicht zeigen dürfte. Wie wäre es mit Nazis, die erzählen, wie toll Kopftritte auf Ausländer sind? Mit – natürlich rein dokumentarisch – entsprechendem Videomaterial?”

    Wir reden hier von einer filmischen Dokumentation (Ihre Definition von Dokumentation ist dabei unzureichend). Als solche fällt sie sicherlich unter Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit.
    Ein Journalist ist, auch bei Strafttaten, nicht verpflichtet, seine Informanten preiszugeben (hier: die Produzenten der Doku die Lieferanten der Szenen).

    KiPo – eine Dokumentation über KiPo würde _grundsätzlich_ unter die gleichen Regelungen fallen. Bei KiPo besteht allerdings eine Sondergesetzgebung als Ausnahme(!), die zu einigen Problemen führt, wie auch hier häufig durchargumentiert.
    (bei KiPo reden wir unterstellt von einem kommerziellen Produkt. Bei gebombten Zügen ist der Zug selbst das Werk. Der Film ist tatsächlich nur die Dokumentation von Werken, die innerhalb kürzster Zeit wieder zerstört werden.)

    Wenn Sie die Dokumentation von Straftaten verboten sehen wollen, werden Sie einen Haufen Probleme erzeugen.

  • positiv

    @wonko:
    Titus:

    “Sie mögen das anders sehen, aber *ich* werde mir erst dann ein Urteil darüber erlauben, wenn ich den Film gesehen habe.”

    Titus hat UNLIKE U nach eigener Aussage nicht gesehen, aber seine Beschreibung der Machart stimmt: Sprühszenen mit Musik.

  • leser

    @Titus Andronycus:

    Die Sprayer erzählen einfach, was sie daran so toll finden und dürfen selbstherrlich über die von ihnen durchgeführte Befreiung von Zügen aus dem immergleichen Farbeinerlei erzählen.

    Ein Zitat aus dem Trailer: “Du vernachlässigst deine Familie beziehungsweise deine sozialen Kontakte oder die Arbeit oder das Arbeitsamt. Also dir gehen auf jeden Fall einen Haufen Sachen durch die Lappen so, ja.”

    Die Sprayer erzählen also auch andere Sachen.

    Nach dem Anschauen des Trailers blieb bei mir nicht der Eindruck, dass Sprayen besonders glorreich sei, sondern, dass Sprayen so eine Art Sucht sei.

    Eine Doku zeigt, erklärt, spürt Hintergründen nach, lässt verschiedene Beteiligte aus verschiedenen Perspektiven zu Wort kommen. Nur tut dieser Film davon nur eines: zeigen.

    Deine Vorstellung beschreibt eine Art des Dokumentarfilms, aber es gibt viele andere Arten.

    Es ist nicht einmal so, dass ein Dokumentarfilm objektiv sein muß. Es gibt Dokumentarfilme, die bewußt subjektiv sind.

  • Patches O’Houlihan

    Begrüßenswertes Urteil. Die Diskussion leider wieder in weiten Teilen unterirdisch.

    Es ist erstaunlich wie man inhaltliche Meinungen zu Themen vertreten kann, ohne den Inhalt zu kennen.

    “Unlike U” zeigt alle Seiten der Medaille. Die Polizei kommt ebenso zu Wort, wie – natürlich – die Sprayer. Sogar der Bruder eines solchen bekommt viel Zeit über das zu reden, was dieser so getrieben hat, was es in der Familie bewirkt hat – und – welch tragisches Ende die Geschichte nahm. (wenn ich mich recht entsinne, hatte man sich seinerzeit auch um die Sichtweise der BVG bemüht)

    Es geht hier eben nicht um Verherrlichung, wie sie in anderen Zusammenschnitten betrieben wird. Wie sehr würde hier mancher hyperventilieren, wenn es um “Dirty Handz” (vielsagender Untertitel: Destruction of Paris City) ginge? Dort kann man – wenn man will – Verherrlichung unterstellen. Sprühszenen und Musik. Mehr ist es nicht.

    Unlike U ist das Gegenteil davon. Unaufgeregt, hintergründisch, offenlegend. Es geht nicht (nur) um die Bilder, sondern vielmehr um die Menschen dahinter. Auf beiden Seiten.

    Eigentlich genau das was man von einer Doku erwarten kann, oder?

  • Cerb

    Hier ist mal der komplette Film http://www.youtube.com/watch?v=hiPnjDZAXxQ könnt ihr ja mal durchzappen und nur die Interviews schauen wenn ihr kein gespraye sehen wollt.

    Ansonsten hat #41 den Film schon sehr gut beschrieben!

  • Densor

    @Titus Andronycus: Wo genau habe ich bitte sinnentstellend zitiert? Bei den Zitaten ging es darum die Widersprüchlichkeit Ihrer Aussagen aufzuzeigen.

    Es ist eben ein Widerspruch wenn man mehrmals betont man habe den Film nicht gesehen, aber dann dazu übergeht Behauptungen in den Raum zu stellen der Sorte “Dieser Film ist doch nur dies und das!”. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich den Film gesehen, den gab es nämlich ganz umsonst zu sehen, bevor es zu der Entscheidung des Berliner Landgerichtes gekommen ist.

    Auch werfe ich Ihnen keine “Ohrenstöpsel” vor, sondern lege Ihnen selbige Nahe, damit Sie sich vor diesem bösen bösen Schmutz nicht belästigt fühlen müssen, ohne das mal wieder die große Zensur-Keule ausgepackt werden muss.

    Ich sehe an dieser Stelle keinen weiteren Erklärungsbedarf, andere Mitdiskutanten haben zum Glück schon hinreichend ausgeführt warum derartige “Verbote” bescheuert und nicht Ziel-führend sind bzw. wie Falsch Sie mit Ihrer Beschreibung von “UNLIKE U” liegen.

  • alter Jakob

    Außerdem ist der Vergleich mit Kinderpornographie vollkommen blödsinnig. Da Pornographie kurz gesagt die Darstellung von Sex ist und Kinderpornographie verboten ist, ist natürlich die Abbildung von KiPo selbst auch KiPo und daher ebenfalls verboten. Das Abbilden von Graphitti ist aber keine Sachbeschädigung.

  • zweifler

    Konnte man denn durch den Film wenigstens die Übeltäter identifizieren und zur Rechenschaft ziehen?

    Das eigentliche Problem ist ja nicht die Abbildung der mutwilligen Zerstörung sondern diese selbst.

  • Kommentator

    @Titus Andronycus:

    Eine Doku zeigt, erklärt, spürt Hintergründen nach, lässt verschiedene Beteiligte aus verschiedenen Perspektiven zu Wort kommen. Nur tut dieser Film davon nur eines: zeigen. In Spielfilmlänge, unterlegt mit grooviger Musik, Spaß beim Verzieren, Zug um Zug. Die Sprayer erzählen einfach, was sie daran so toll finden und dürfen selbstherrlich über die von ihnen durchgeführte Befreiung von Zügen aus dem immergleichen Farbeinerlei erzählen. Immer wieder zu sehen: die gebombten Trains.

    Nein, gesehen habe ich den Film nicht.

    Letzteres merkt man sofort, sonst hätten Sie den Stumpfsinn im ersten Absatz nicht gepostet. Wäre es eigentlich so schwer gewesen zu einem Thema von dem man keine Ahnung hat, weil man den Film nicht gesehen hat, einfach keine Meinung zu vertreten, bis man das Versäumnis nachgeholt hat?

    Aus meiner Sicht macht sich jedenfalls lächerlich, wer bar jeden Wissens Unsinn schwafelt. Ich zumindest würde dem Chef-Ermittler der Soko die wegen der Sprayer ermittelt hat, der allein in dem Film gefühlt 20 Minuten zu Wort kommt, nicht unterstellen wollen, das tun der Sprayer zu verherrlichen. Ebensowenig tut das der Bruder einer der Sprayer, der ebenfalls länglich zu Wort kommt, der beschreibt, wie der Sprayer mit den Aktionen Stück für Stück sein Leben verpfuscht hat.

    “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” passte selten so gut wie hier. Den Film habe ich btw. vor einer gefühlten Ewigkeit gesehen. Von den Tags oder der Musik ist nichts hängen geblieben, die Schilderungen des Beamten sowie des Bruders hingegen sehr wohl.