Youporn-Chef möchte eigenes Bild nicht sehen

Der ins Blickfeld der Justiz geratene deutsche Internetunternehmer Fabian T.. – Chef des Imperiums rund um “Youporn” – ist selbst überraschend kamerascheu. Dem Spiegel ließ T. jetzt verbieten, aktuelle Berichte über seine Probleme mit den Strafverfolgern zu bebildern. Jedenfalls so lange die Aufnahmen Fabian T. selbst zeigen. Das Landgericht Köln verbot dem Spiegel auf Antrag des Unternehmers nun tatsächlich, ein aktuelles Foto T.s zu veröffentlichen.

Das Ganze klingt so, als habe ein Paparazzo den Internetunternehmer “abgeschossen”. Das ist jedoch wohl nicht der Fall. Der Spiegel druckt lediglich ein Foto, das T. – vollständig angezogen – bei einem Auftritt auf der “Internet-Expo” zeigt. Die Internet-Expo ist eine Fachmesse für die Online-Wirtschaft. T. hielt dort einen Vortrag, der sogar von seiner eigenen Presseabteilung angekündigt worden sein soll. Das Video des Auftritts ist auch online.

Gleichwohl nimmt der Internetunternehmer laut seinen Anwälten für sich in Anspruch, immer sehr zurückgezogen gelebt zu haben. Deshalb verletze es seine Persönlichkeitsrechte, wenn der Spiegel nicht nur seine wirtschaftlichen Aktivitäten beschreibe, sondern auch Fotos von ihm zeige. Was Fotos angeht, mag das mit der Zurückhaltung stimmen. Allerdings zeigte T. sich gegenüber der Presse schon durchaus redselig. Der Financial Times Deutschland erläuterte er vor kurzem ausführlich, wie er sein Online-Imperium steuert und wie viel Geld sich damit verdienen lässt.

Man merkt dem Bericht des Spiegel in eigener Sache deutlich an, wie überrascht die Redaktion ist, ausgerechnet wegen eines Fotos des Internetunternehmers abgemahnt zu werden. Vor allem weil es genügend Anlass gibt, aktuell über T. zu berichten. Der Unternehmer war wegen möglicher Steuerdelikte auf Betreiben der deutschen Justiz in Belgien verhaftet worden. Aktuell soll er gegen eine Kaution auf freiem Fuß sein.

Dass Fotos von einem Wirtschaftsboss wie T. tabu sein könnten, wäre jedenfalls ein herber Schlag für die deutsche Presse. Immerhin zeigen die Bilder den Unternehmer ja, wie er vor einem größeren Publikum spricht. Das ist etwas völlig anderes, als wenn Wirtschaftskapitäne praktisch überhaupt nicht in der Öffentlichkeit auftreten, wie man es etwa von der Aldi-Dynastie kennt.

Es wird also spannend, ob das Landgericht Köln den Persönlichkeitsschutz tatsächlich so weit ausdehnt. Oder ob die einstweilige Verfügung, die ohne Anhörung des Spiegel ergangen ist, doch schnell wieder aufgehoben wird.

  • Klabund

    Schade UV, besonders von dir hätte ich gerne mal ein Statement gehört, wie du so zur Insel-Lösung des deutschen Jugendschutzes (und der damit verbundenen Kriminalisierung, Abmahnerei und zigtausend Hausdurchsuchungen bei Pornoanbietern sowie Milliarden an Umsätzen, die daraus folgend über lange Zeit schon das Land verlassen haben) stehst.
    Wäre jetzt mal ein guter Zeitpunkt dafür, weil das Schmuddel-Thema ja scheinbar auch mal im Mainstream angekommen ist.

  • Sonstwer

    Und für den Fall dass Köln mal wieder überzieht, werden wohl schon die Akten für die Folgeinstanzen vorbereitet.

  • Zoidberg

    Spannend. Auf seinem Xing-Profil hat er ein auch für nicht-Mitglieder öffentlich sichtbares Profilfoto.

  • pjotr

    Wie kommt das eigentlich dass Kopftreter, Möder und allgemein Gewaltverbrecher in den Medien durch die Bank anonymisiert werden, oft werden noch während laufenden Fahndungen verpixelte Phantombilder und, wenn überhaupt, unbrauchbare Personenbeschreibungen abgedruckt. Aber wenn einer Steuern hinterzogen haben soll, voller Name, Porträtaufnahme im Grossformat und jedes Detail aus dem Privatleben in jeder Zeitung.

  • Stefan

    @pjotr:
    Ja, ein Foto eines Internetunternehmers auf dem er einen Vortrag auf einer Internetunternehmermesse hält ist natürlich seeehr privat…

  • JohnnyBonjourno

    @Stefan:

    Aber warum ist es das bei den Mördern, Kinderschändern, Todschlägern und anderen privat?

    Wenn die Bildzeitung das Foto eines verdächtigten Kinderschänder, Mörder, Todschläger bringt ist hier im Lawblog Holland in Not. Schliesslich ist der Mann nicht verurteilt wie kann man von so einem das Bild posten und den Namen nennen? Vielleicht war er es ja gar nicht…

    Bei Steuerhinterziehung kommt man aber sofort an die Wand, mit Bild, Wohnort, Namen, Familienstand allen pipapo und der Pöbel feiert.

  • Erich

    Ich denke, Verlage, die selbst um minimale Textschnippselchen einen Zaun bauen und honoriert haben wollen, sollten doch bei derlei Anliegen um die Verbreitung fremder Konterfeis Verständnis haben.

  • ThorstenV

    Das gehört schon wegen Obszönität verboten.
    Gibt es denn keine Grenzen mehr?
    Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?
    Was ist ein Photo von diversen Nackten, die sich allerlei in ihre Körperöffnungen schieben gegen das Photo eines bekleideten New-Economy-Abzockers, dem alle Geld in den Allerwertesten schieben?
    Denk doch mal wer an die Kinder!

  • Gregor

    Das ist schon normal bei solchen Personen. Keinerlei Skrupel andere abzuzocken und zu betrügen, aber wenn man selbst in den Mittelpunkt von Ermittlungen oder Berichterstattungen gerät oder sogar vor Gericht kommt, schreit man nach Mami und versucht sich hinter Mamas Rockzipfel zu verstecken.

  • Andreas F. Borchert

    Die Abmahnung entspricht der geltenden Rechtslage entsprechend dem BGH-Urteil vom 28. 9. 2004 – VI ZR 305/03, dass es immer auf den Kontext ankommt. Zum Urteil: http://lexetius.com/2004,2717

    Ein Foto eines Auftritts bei der Internet-Expo kann also nicht ohne weiteres für die Berichterstattung über ein anderes Thema verwendet werden.

  • ThorstenV

    @JohnnyBonjourno: Wer ohnehin öffentlich präsent ist, ist ohnehin öffentlich präsent. Er muss nicht plötzlich deswegen anonymisiert werden, weil die Artikel, die mit dem Bild illustriert werden, einmal nicht positiver Art sind. Vgl. auch Kachelmann, wo es nicht um Steuerhinterziehung ging.

    Der Kleinhinterzieher, der den Urlaub mit seiner Frau als Geschäftsreise abrechnet, ist trotzdem zu anonymisieren. Vor allem, wenn man noch gar nicht sicher weiß, ob es nicht doch eine Wallfahrt zum Denkmal des unbekannten Steuerüberoptimierers in St. Moritz war und das im Aktenkoffer überbrachte Bargeld insoweit als Kultgegenstand zu werten ist wobei der Steuerpflichtige auf die Angaben der annehmenden, den Gott Mammon verehrenden Körperschaft vertrauen durfte (§ 9(3) KStG).

    Der Kölner Beschluss zeigt hauptsächlich, wie weit Köln von der Realität entfernt ist. Damit ist es bewiesen: Köln ist in Wahrheit Bielefeld.

  • heute & morgen
  • Klabund

    @Gregor:
    Er hat niemanden abgezockt. Im Gegenteil: Er gehörte zu den wenigen die erkannt haben das der Spruch “Sex Sells” Mist ist und nicht nachhaltig wirkt: Qualität verkauft sich, und er hat Portale erschaffen, bei denen tatsächlich Qualität verkauft wurde, im Gegenteil zu 99% der anderen deutschsprachigen Adult-Angebote, die Tatsächlich vorwiegend billigen Dreck verkaufen.

    Und zum Thema Steuerhinterziehung: Da weiß ich nicht was in seinem Fall gelaufen ist, keine Ahnung. Ich weiß aber das die komplette Industrie schon vor mehr als einem Jahrzehnt aus rechtlichen Gründen aus Deutschland auswandern musste, und dann ist der Schritt natürlich auch nicht weit, die Steuern auch lieber für sich zu behalten. Das eine kommt eben nach dem anderen.

  • JohnnyBonjourno

    @ThorstenV

    Wann gilt den jemand als Präsent? Ich kannte den Namen und das Gesicht des Typen vorher nicht, und ich hab mir schon ne menge an Filmen auf seiner Seite angeschaut ;)

    Und ja bei Kachelmann war es ähnlich und für mich auch nicht verständlich. Wenn man verurteilte wurde würde ich es ja verstehen.

    Aber so heisst es ja im Grunde, das Leben eines reichen Schnösels darf man mit vermutungen versauen, das von so nem armen Schlucker nicht. Also alles im Namen des Pöbels…

    Gut find ich das irgendwie nicht

  • ThorstenV

    @JohnnyBonjourno:

    Wann gilt den jemand als Präsent?

    Die Abgrenzung im Einzelfall ist wie üblich Sache der Justiz.

    Ich kannte den Namen und das Gesicht des Typen vorher nicht, und ich hab mir schon ne menge an Filmen auf seiner Seite angeschaut ;)

    Ich kenne die meisten wichtigen Prominenten nicht. Egal welches Societymagazin ich aufschlag, von BILD bis Gala: die scheinen hauptsächlich über Unbekannte und Unbedeutende zu berichten.

    Aber so heisst es ja im Grunde, das Leben eines reichen Schnösels darf man mit vermutungen versauen, das von so nem armen Schlucker nicht.

    Das Versauen mit Vermutungen (i.S. von Verbreiten verleumderischer Aussagen) ist nicht das Thema und natürlich in keinem Fall erlaubt. Es geht hier um die Illustration der Bleiwüste mit einem Foto. Das mag ja von Interesse sein, ob er eher ein Kapuzenpullityp ist oder doch formeller mit Sakko aber offenem Kragen http://www.manager-magazin.de/images/image-194609-galleryV9-kgej.jpg

    Also alles im Namen des Pöbels…

    Der Pöbel hat nicht immmer Unrecht, nur weil er der Pöbel ist.

  • user124

    @ThorstenV:
    bei den piraten heisst der pöbel übrigens schwarmintelligenz

  • Peter Kleissner

    Da tritt der Streisand Effekt ein. Zudem wird jetzt nicht nur ueber ihn berichtet, sondern auch darueber berichtet wie und was ueber ihn berichtet wird.

  • ThomasL

    Was ist hier eigentlich mit dem Recht am eigenen Bild? Mir wäre jetzt nicht bekannt, dass dieser Herr sich an die Öffentlichkeit gedrängt hätte. Insofern finde ich es schon sinnvoll, dass er, bzw. sein Bild, nicht in die Öffentlichkeit gebracht wird.
    Eine Rede bei einer Expo zu halten ist ja eine Sache, und wenn sein Bild von dieser Rede im Rahmen der dazugehörigen Berichterstattung verwendet wird auch sinnvoll. Aber das Bild zu nehmen für eine andere Berichterstattung erinnert mich schon an das Verhalten von der Bild-Zeitung, bei Nachbarn oder Facebook Bilder zu nehmen und zu veröffentlichen.

  • besserwisserischer

    JohnnyBonjourno meint: (28.12.2012 um 00:02)

    Wann gilt den jemand als Präsent?

    Wenn er sich eine Schleife umbindet….?

    SCNR

  • EinspruchEuerEhren

    Wenn man intensiv googelt, findet man neben den Bildern vom genannten Vortrag nur 3 weitere von Herrn T. Deutlich viel weniger als von den Aldi Brüdern. Ich finde es eine berechtigte Frage, ob man, nur weil jemand ein Wirtschaftsboß ist, sein Photo zur Bebilderung eines Strafverfahrens verwenden darf. Normalerweise argumentiert Udo genau andersherum – verkehrte Welt, weil Herr T. eine verkehrte Moral hat?

  • VerLinker

    Dieser der Steuerfahndung zugrundeliegende Artikel darf in dieser Diskussion nicht fehlen:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article109255611/Das-Porno-Imperium-Ein-Deutscher-erregt-die-Welt.html

  • Engywuck

    @20 und andere:
    Der Artikel bezog sich nicht nur auf das aktuelle Strafverfahren sondern beschäftigte sich mit dem Firmenkonglomerat des Herrn T und wie sich die Pornoindustrie, insbesondere deren Auftreten im Internet, dadurch verändert hat.
    Insofern ist eine Bebilderung mit einem Bild von einer “Fachmesse für Internetwirtschaft” nicht von vornherein unangemessen.
    Das Gericht hat halt nun u.a. zu urteilen, ob so eine Fachmesse “privat genug” ist, dass Bilder maximal in Fachzeitschriften Verwendung finden dürfen.

  • ThorstenV

    @Klabund:

    … dann ist der Schritt natürlich auch nicht weit, die Steuern auch lieber für sich zu behalten

    Da hätte er vielleicht anders vorgehen sollen. Mit genügend Geld ist man in vielen Staaten der Welt gern gesehen. Durch Annahme der dortigen Staatsbürgerschaft, erledigt sich dann die deutsche wie von selbst. Die Auswahl ist ja groß. Es muss nicht gerade diese Steueroase sein http://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Jungferninseln

  • Klabund

    Da hast du natürlich Recht, ich weiß auch nicht warum er das nicht gemacht hat. Vielleicht ja tatsächlich sowas wie Heimatverbundenheit und er wollte bald wieder zurück.
    Ich bleibe jedoch dabei: Wäre die deutschsprachige Rechtsprechung etwas realitätsnaher oder hätte – seit es das Internet gibt – überhaupt mal einen klaren Kurs gezeigt wären nicht Milliardenumsätze schon lange legal aus dem Land gebracht. Es gibt weniger als eine Hand voll wirkliche Großunternehmen mit dem Geschäftsgegenstand in Deutschland und auch die bekannte Beate U. hat ihre Online-Unternehmen schon lange aus dem Land gebracht.
    Das ist irrsinnig, bringt nichts weil die Kunden eben aus dem Ausland die Pornos bekommen und hatte bislang nur ein Ziel: Möglichst viel (Steuer-)Geld aus das Land zu spülen. Ich wette seit den mindestens 15 Jahren in denen es so geht, hätte mit dem Geld schon die ein oder andere Bank gerettet werden können.
    Sehr viele Anbieter wären gerne in .de geblieben, wenn ihr Geschäft mit volljährigen Darstellern nicht komplett kriminalisiert worden wäre.

    Nun ja, das war mein Aufsatz zu dem Thema, es regt mich wirklich maßlos auf, das aus Prüderie so ein Unsinn verzapft wird. Allen Lawblog-Lesern einen guten Rutsch.

  • Tommy

    “DER SPIEGEL” mit einem lesenswerten Artikel zum “Sex-Datennetz”:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13692897.html

  • Jan

    Hier tun einige so, als wenn Foto-Veröffentlichungen immer nur die “armen Steuerhinterzeher” treffen würden. Dabei werden zB Hartz4-Empfänger in der Presse viel lieber öffentlich (und stellvertretend für alle ALG2-Empfänger) an den Pranger gestellt.

    Tatsächlich ist der Youporn-Fall der erste mir bekannte Fall, wo ein steuerhinterziehender nicht-Promi mit Foto veröffentlicht wurde. Wohl aber einfach nur deswegen, weil es bei der Story um “Sex” geht. Zudem giert die Presse ja immer nach personalisierten Heldengeschichten, und der Youporn-Chef ist doch schliesslich laut BILD “Deutschlands erfolgreichster Sexunternehmer im Internet”

  • JohnnyBonjourno

    Ach und zu den nicht Promi…

    Wann ist man denn Promi? Das trifft doch für eigentlich keinen Manager zu.