Streit ums Vier-Augen-Prinzip

Nicht nur vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Gleiches gilt auch für Lasermessungen der Polizei. Gerichte haben in jüngster Zeit die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Messung runterdefiniert. Ein Beamter reicht aus, und der muss dem Angehaltenen noch nicht mal das Messergebnis auf dem Display zeigen.

Als unrühmliche Vorreiter profilieren sich die Oberlandesgerichte Hamm und Düsseldorf. Sie betonen unisono, bei Lasermessungen im Straßenverkehr sei das Vier-Augen-Prinzip nicht erforderlich. Jeder Betroffene muss also fest daran glauben, dass der Messbeamte ordentlich arbeitet und ihm auch keine Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Dabei spielt es keine Rolle, ob am Ende sogar ein Fahrverbot steht – nur die Aussage des einzelnen Beamten zählt.

Allerdings gibt es auch Gerichte, die sich nicht so ganz mit dieser etwas bizarren Wirklichkeit abfinden wollen. Dazu gehört das Amtsgericht Sigmaringen. Der zuständige Richter musste sich von den erwähnten Oberlandesgerichten sogar der “freien Rechtsschöpfung” bezichtigen lassen. Dabei hat er nur die Richtlinien herangezogen, welche für die Polizei in seinem Bundesland gelten.

In einem aktuellen Beschluss zitiert das Gericht die Vorgaben in Baden-Württemberg:

Die Geschwindigkeitsmessungen sind grundsätzlich als Anhaltekontrollen mit mindestens zwei uniformierten Beamten/Beamtinnen (einem Messbeamten/Messbeamtin und einem zweiten Beamten/Beamtin) und als Einzelmessungen durchzuführen.

Das Messergebnis muss immer von diesen beiden Beamten/Beamtinnen abgelesen werden (Vier-Augen-Prinzip). Der zweite Beamte/Beamtin muss nicht zwingend die Laser-Schulung absolviert haben. Dies wird jedoch empfohlen.

Das aus dem Display angezeigte Geschwindigkeitsmessergebnis kann dem Betroffenen auf dessen Wunsch gezeigt werden, soweit der Messbetrieb dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Ganz so fernliegend ist die Idee vom Vier-Augen-Prinzip deshalb nicht. Auch der Kollege Detlef Burhoff wundert sich in seinem Blog, dass soch ansonsten immer so viel Wert auf die Einhaltung von Vorschriften gelegt wird.

Früherer Eintrag im law blog

  • fratermalus

    @U.V.: Können Sie eventuell auch “echte” Rechtsvorschriften heranziehen, die für die Anwendung des Vier-Augen-Prinzips sprechen? Denn so bitter es auch ist, aus verwaltungsinternen Richtlinien kann kein Rechtsanspruch für den Bürger gegen die Beamten auf deren Einhaltung hergeleitet werden.

  • marcus05

    was ist denn überhaupt passiert?

  • Bernhard

    Es gibt eben auch unter den Richtern Scharlatane, die sich bei ohnehin viel Arbeit sich zukünftig möglichst wenig Mehrarbeit machen möchten – auch wenn man dadurch die Rechtsprechung etwas drehen und wenden muß.

  • erforderlich

    @fratermalus: Ich würde da mal auf die Basics zurückgreifen: Im Zweifel für den Angeklagten.

    Wenn X sagt, Y wäre zu schnell gefahren, Y aber erklärt, vorschriftsmäßig gefahren zu sein, dann steht da Aussage gegen Aussage. Wenn Aussage gegen Aussage steht, kann wohl kaum von zweifelsfreier Schuld gesprochen werden. (Beweise liegen ja keine vor, die nicht nur auf der Aussage des einen Menschen beruhen.)

    Wenn dagegen zwei Leute sagen, sie hätten auf dem Gerät unabhängig von einander eine bestimmte Geschwindigkeit abgelesen, dann wird man kaum daran zweifeln können, dass das tatsächlich gemessen wurde … will Y dann den Hals aus der Schlinge ziehen, dann muss schon ein Gutachten her, das die Genauigkeit des Messverfahrens angreift.

  • affenärschle

    @erforderlich: HAHA ! Danke für den spontanen Lachkrampf den Sie bei mir ausgelöst haben ! (nicht bös´gemeint)

  • Siggi

    Spannend dabei: viele “Messbeamte” sind gar keine Beamte, sondern Tarifbeschäftigte :-)

  • Ingo

    Die Frage ist, was das Vier-Augen-Prinzip bringen soll.
    U.V. glaubt doch nicht allen ernstes, dass die anderen beiden Augen den ersten beiden widersprechen würden. Und ebenso ist das Vier-Augen-Prinzip auch ganz schnell mal behauptet. Dann standen eben zwei Polizisten bei der Messung nebeneinander. Bums, fertig, aus.

    Richtiger ist da der Ansatz des RiAG (m.W.n. mittlerweile a.D.) Herford, der einen handfesten Videobeweis für derlei Messungen forderte. Da fällt das Gemurkse deutlich schwerer.

    Aber ob nur ein oder zwei Polizisten die Ordnungsmäßigkeit der Messung bescheinigen? Pfffff…

  • user124

    @Ingo:

    ..videobeweis..

    gar nicht so abwegig… in der wissenschaft müssen ergebnisse nachvollzieh- und reproduzierbar sein.
    vater staat will es sich aber einfach machen und verzichtet auf methodisch korrektes, arbeitsintensiveres, arbeiten – billigend in kauf nehmend zu lasten dritter, der beschuldigten.

  • MF

    Vier-Augen-Prinzip könnte auch nachteilig wirken: Vor Gericht wird es einem Autofahrer in Einzelfällen vielleicht sogar gelingen, Zweifel an der Aussage eines einzelnen Polizisten als Zeugen zu wecken.

    Bei zwei Polizisten als Zeugen wird der eine Polizist dem anderen – wie schon angemerkt – wohl nicht widersprechen. Das Gericht hat dann zwei übereinstimmende Zeugenerklärugen. Da ist es für das Gericht schon wesentlich schwieriger zu begründen, warum man an der Aussage zweifelt.

  • affenärsche

    Letztens hinterm Gebüsch:
    “Aber Herr Wachmeister, sie sind ja ganz alleine! Wie wollen Sie denn dann das Beweisen ?”
    “Nicht doch, mein Rausch ist immer dabei….”

  • schredder66

    Wozu das Ganze Brimborium wie Vier-Augen-Prinzip, Auge-zudrücken-Prinzip, Messprotokolle, Eichprotokolle, Laser-Schulungen etc.pp.?

    Wenn Messungen mit der Laserpistole so fehlerbehaftet sind (entweder weil das bedienende Personal unfähig ist, oder weil die Technik für eine “einfache” Messung nicht taugt), dann wäre es doch das Einfachste, die Toleranz für solche Messungen auf – schreiben wir mal – 15% hoch zu setzen. Das wäre die Toleranz, die einem “Raser” zugebilligt wird, wenn die Polizei die Geschwindigkeit durch hinterherfahren (ohne Bild- / Filmbeweis) “ermittelt”.

  • Klaus

    Man kann eigentlich nicht verstehen, dass die entsprechenden Messgeräte kein Protokoll schreiben. Es dürfte doch nicht so schwer sein da einen kleinen Drucker zu integrieren, er ein Protokoll ausgibt.

  • Prügelknabe

    @erforderlich: erforderlich Sie haben wohl nicht ganz verstanden, um was es hier geht. Es geht nicht um das Messverfahren! Es geht um Ablesefehler. Also Messung durchgeführt > angezeigter Messwert in Liste eintragen. Soll das Ihrer Meinung von einem Sachverständigen überprüft werden? Auch ich musste erst mal lachen bei ihrem Kommentar. Auch nicht böse gemeint!

  • ui-ui-ui

    @fratermalus: Über Artikel 3 Grundgesetz sehr wohl!

  • alfred

    @ui-ui-ui: Selbstbindung der Verwaltung, Sie haben ja Recht. Aber bitte den Troll nnicht füttern.

  • Der dicke Hecht

    Warum überhaupt Messgeräte, wenn das Gerät überhaupt nicht entscheidend ist. Es scheint ja nicht darum zu gehen, was das Messgerät gemessen hat, sondern was der eine oder die zwei Polizisten meinen, dass es angezeigt hat.

    Ob das Messgerät richtig benutzt wurde, überhaupt geeicht ist oder wie groß die Messfehler sind, ist doch an der Stelle völlig unerheblich.
    1. Polizist („ausgebildeter“ Messbeamte): Mache ich das richtig?
    2. Polizist (nicht „ausgebildeter“ Messbeamte): Ja, machst du. (Als ob ich das wüsste.)
    1. Polizist: Ich lese 200 km/h ab und du?
    2. Polizist (am Handy mit seiner Frau): [Gemurmel] Ich auch. Ich finde auch, dass Töchterlein um 9 wieder zu Hause sein sollte. [Gemurmel]
    Autofahrer: Dürfte ich bitte die Messwerte des Messgerätes sehen?
    2. Polizist: Nein, der Kollege macht schon die nächste Kontrolle und das Messgerät kann die Messwerte leider nicht ausdrucken, aber wie haben sie ja aufgeschrieben. Ja, ich lese auch 180 km/h ab. Jetzt steigen sie bitte ein und fahren weiter. Sie hören noch von uns.
    [später]
    2. Polizist: Findest du nicht auch, dass das Gerät wie mein Ohrfieberthermometer aussieht?
    1. Polizist: Ja stimmt, jetzt wo du es sagst. Dann sollte meine Frau mit unserem kranken Kind vielleicht doch zum Arzt gehen.

  • NullPlan

    @Prügelknabe:
    Ich fürchte, Sie haben @erforderlich nicht verstanden. er sagt:

    Wenn ein Polizist behauptet, er habe korrekt abgelesen und eingetragen und ich widerspreche dem, so steht Aussage gegen Aussage und in dubio pro reo müsste ich freigesprochen werden.

    Gibt es aber eine zweiten Polizisten, der den Ablesewert bestätigt und auch bestätigt, dass dieser korrekt eingetragen wurde, steht es schlecht um meinen Einwand des falschen Ablesens.

    Es geht also auch bei @erforderlich um den Ablesefehler.

    Als “Zuckerchen” hat er dann nur noch geäußert, dass in diesem Fall nur noch die Anfechtung des Messverfahrens selbst über einen Sachverständigen helfen kann.

    Also eigentlich kein Grund zum Lachen!

  • fratermalus

    @alfred: Als Troll würde ich mich absolut nicht bezeichnen. Wenn ich in meinem Kommentar einen so schwerwiegenden und offensichtlichen Fehler mache, erklären Sie ihn mir doch einfach, statt mich wegen eines kritischen Beitrages als Troll zu bezeichnen. Sie sind wohl einfach “[den] steuerzahler” nicht mehr gewöhnt.

  • Ingo

    Kein Grund zum Lachen, mal abgesehen davon, dass bei einem ganzen Haufen Verfahren “Aussage gegen Aussage” steht. Bringt nur leider nichts, denn es gibt keinen Rechtsgrundsatz, nach dem aus der Konstellation “Aussage gegen Aussage” IRGENDWELCHE Beweisregeln folgen würden.

    Und “in dubio pro reo” ist lediglich ein Grundsatz, der dem Richter vorschreibt, wie er zu entscheiden hat, WENN er Zweifel hat. OB er Zweifel hat, ist weitgehend seine Sache.

  • Rangar

    @11
    Bei mir wurden 20% abgezogen, weil es ein normaler Streifenwagen ohne geeichten Tacho war. Das war günstig, weil bei vorgeworfenen 200 km/h -20% = 160 km/h bei erlaubten 120 km/h (wegen Lärmschutz! Ich frage mich immer, was an diesem verdammten Lärm so schützenswert sein soll?!) die Überschreitung nur 40 km/h war und außerorts erst bei 41 km/h zu schnell der Führerschein für 1 Monat weg ist.

  • DerGast

    Da ich schon tolle Erfahrungen mit Polizeibeamten gemacht habe, kann ich mir auch folgendes Szenario vorstellen:
    1. Fahrzeug messen, das so viel zu schnell war, daß man ein Bußgeld zu EUR30,- aufschreiben kann.
    2. Wert nicht löschen.
    3. Stochastisch Fahrzeuge rauswinken und zusammen mit seinem Vieraugenkollegen den Wert zeigen, neue Tickets ausstellen.
    4. Sich eine Belobigung vom Vorgesetzten abholen

    Das ist natürlich alles rein fiktiv und soll keinen konkreten Beamten ansprechen.

  • Micha

    @DerGast:

    Ist auch sehr unauffällig, wenn im Messprotokoll (das is eine Tabelle mit Datum/Uhrzeit, Amt. Kennzeichen, Fahrzeugtyp, festgesteller Fahrer und der festgestellten Geschwindigkeit – also eine Tabelle für das ganze Messintervall, nicht ein EInzelprotokoll für jeden Verstoß) überall dieselbe Geschwindigkeit steht…

  • NullPlan

    @Rangar:
    Sie sind also statt der erlaubten 120 km/h 200 km/h gefahren und durften den Führerschein behalten?

    Wirklich Schade!!!

  • erforderlich

    @NullPlan: Ganz genau so hatte ich das gemeint.

    Was wirklich kein Grund zum Lachen ist, ist, dass, wenn ein Polizist vor Gericht etwas sagt, dem dann doch mehr Gewicht beigemessen wird, als einem Normalsterblichen. “Polizisten machen keine Fehler. Und wenn doch, dann machen sie die absichtlich. Und in dem Fall hatte er schließlich keinen Grund, etwas absichtlich falsch zu machen, also stimmt es!”

    @Ingo: Bringt sicher nicht immer etwas, aber wenn jemand seit x Jahren ohne Vergehen fährt, dann kann (nicht muss) man da schon mal Zweifel anmelden (oder wecken), vor allem, wenn sich auf dem Messprotokoll mehr als nur eine oder zwei korrigierte Eintragungen findet.

  • Barbie aus Berlin

    @DerGast: Kein Witz, hatten wir vor ca. zehn Jahren in Polen erlebt. Das gerät auf das Autodach gelegt und noch während wir “verhandelten” den nächsten rausgezogen, die Anzeige stand die ganze Zeit bei 85.

  • Weinberg

    …..aber wenn jemand seit x Jahren ohne Vergehen fährt…

    ..soll wohl heissen: “seit x Jahren nie erwischt worden”….

  • Weinberg

    …..aber wenn jemand seit x Jahren ohne Vergehen fährt…

    ..soll wohl heissen: “seit x Jahren nie erwischt worden”….

  • Der Steuerzahler

    Ich finde man sollte das Prinzip der Hammer bzw Düsseldorfer noch erweitern und auch Messungen ohne Meßgerät und Polizisten zulassen, in dem ein Verwaltungsbeamte eine Übertretung einfach nur annimmt. Das Einnahmepotential steigt dann enorm…

    mfg

    Ralf

  • Ingo

    @Nr. 23: Tja, das Leben ist ungerecht.

    Und Geschwindigkeitsbegrenzungen bringen absolute Sicherheit im Straßenverkehr. Immer und überall und in jeder denkbaren Situation.

    So ist das.

  • Rangar

    @23
    Nein, der Polizeiwagen ist (angeblich) 200 km/h gefahren, während ich mich immer weiter von ihm entfernt habe. Erst viel später, als ich längst wieder 120 fuhr (wegen der mir bekannten Kameras in den Schilderbrücken), haben sie mich dann eingeholt und angehalten. Vorher hatte ich sie ehrlich gesagt auch gar nicht gesehen, da sie sich ja ewig weit hinter mir abstrampelten.
    Ich fahre übrigens seit meiner Führerscheinerteilung vor 35 Jahren unfallfrei und hatte bis zu diesem Zeitpunkt immer 0 Punkte. Jetzt habe ich 3. In einem Jahr werden es wieder 0 sein (der Vorgang ist 1 Jahr her).

  • a.n

    Bevor man über “im Zweifel für den Angeklagten” spricht, sollte man sich vielleicht nochmal darüber informieren, zum Einstieg: http://de.wikipedia.org/wiki/In_dubio_pro_reo

    Im Kern: Als Folge der freien Beweiswürdigung impliziert die Konstellation “Aussage gegen Aussage” nicht immer “dubia”.

  • Siggi

    @Der Steuerzahler:

    Gibt’s doch schon in Österreich :-)

  • der Gerechte

    Heute rennt jeder 11 Jährige Schüler mit einer Kamera im Handy herum, aber der Staat ist nicht in der Lage in ein Gerät zu investieren das eine Kamera für wenige Cent in einem Laserblitzgerät intergriert hat.
    Ich frage mich warum?
    Vielleicht würden dann ja 50% der Messungen als Scheinmessungen enttarnt und die Einnahmen sinken….

  • kohlenstoff

    @Klaus: Das habe ich mir auch gedacht! Ampelblitzkästen und die gute alte Radarfalle machen doch auch gleich ein Foto mit Zeitanzeige und Messergebnis, das ist doch im Digitalzeitalter auch in mobilen Geräten kein Problem mehr (und selbst auf einem verschwommenen Foto sieht man noch die Fahrzeugfarbe).

  • wonko

    @der Gerechte: Weil wir dann darüber diskutierten, dass eine Kamera für wenige Cent ja wohl kaum geeignet zur Dokumentation von Verkehrsverstößen ist?

  • Recht§§taat

    Bei Vorgabe einer Quote, deren Erfüllung oder Nichterfüllung sich in der Beurteilung der Beamten niederschlägt, hilft auch ein Vier-Augen-Prinzip nichts. Die einzig sinnvolle Lösung wäre eine fälschungssichere Protokollierung der Messung mit Bild des geprüften Fahrzeugs. Und Fangquoten sollten per Gesetz verboten sein, da sie die Beamten zu ungesetzlichem Handeln verleiten und zur Verurteilung Unschuldiger führen.

  • platoff

    Im Rahmen eines Projektes hatte ich mein Fahrzeug mal vor einigen Jahren mit einem Datenlogger versehen. Die entstehenden Zeitreihen boten Spielwert, daher verblieb das Gerät im Auto. Dieser Logger besteht aus einem GPS-Empfänger mit Speicherfunktion, wie man ihn heute schon für 50 Euro erwerben kann. Bei meinem Fahrzeug aus schwäbischer Produktion befindet sich ein Fach für den Erste-Hilfe-Satz in empfangsgünstiger Stelle (freie Sicht zum Himmel) in der Hutablage. Eine Stromversorgung per 5V Spannungsregler ist dort recht einfach aus dem Kofferraum zu realisieren. Der Speicher reicht für etwas über 4 Wochen und ist als Ringspeicher konfiguriert – die ältesten Daten werden überschrieben. Alle zwei bis drei Wochen lade ich die Daten mal auf den Rechner.

    Ich bin bisher nicht unberechtigt zur Kasse gebeten worden, dort wo ich mal torfte entsprach der Meßwert vor Toleranzabzug auch der tatsächlichen Geschwindigkeit. Dies konnte ich anhand der Aufzeichnungen nachvollziehen. Dies waren auch noch nie Messungen einer “Laserpistole” (einem Time-of-Flight-System) auf Stativ oder gar aus der Hand.

    Sollte mir tatsächlich mal ein unberechtigt hoher Meßwert vorgeworfen werden, so kann ich dem Widerspruch einen Datensatz beifügen, der zum Einen die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt und am Ort der Messung beinhaltet und zum Zweiten über die lange Historie eine normale Fahrweise wiedergibt. Gut, als mit der Analyse komplexer Datenberge beschäftigter Wissenschaftler kann ich theoretisch solche Zeitreihen auch künstlich generieren oder verändern, ohne daß dies die Plausibilität beeinträchtigen würde. Aber zumindest wenn ich an Ort und Stelle der Messung angehalten würde könnte ich diese Daten doch wasserdicht vor den Augen der Beamten auslesen.

    Über die Interpretation von Meßwerten der Geräte zur Geschwindigkeitsüberwachung wird ja stets emotional diskutiert. Mich würde interessieren, ob es belastbare Informationen über die Fehlerrate und die Verteilung der Abweichungen gibt. Und zwar im Feld, mit Bedienfehlern, und nicht im Labor. Vielleicht hat ein Leser hier ja einen Link zu einem Datenblatt eines Herstellers, zu Zulassungsbedingungen seitens des PTB oder zu einer Veröffentlichung? Soetwas sollte doch bei bei Verfahren vor Gericht doch mal auftauchen. Die mir bekannten Time-of-Flight Systeme liefern durchaus reproduzierbare Ergebnisse mit geringer Streuung – sofern man das Meßszenario beherrscht.

  • Siggi

    @platoff:

    Da wird die Wissenschaft aber auf das plausible Argument “nich geeicht, nich geeichnet” stoßen :-)

  • marcus05

    Warum unsere tollen Bordcomputer noch kein Protokoll der Geschwindigkeit erstellen um das auszuhebeln stellt sich auch.

    Wenn mein Computer auswirft, dass ich zu dieser Uhrzeit nur 50 gefahren bin wie will man mir dann 80 anhängen?

  • wonko

    @marcus05: Machen wir es doch umgekehrt. Einmal im Monat liest die Polizei Ihren Bordcomputer aus, gleicht die GPS-Daten und die gefahrene Geschwindigkeit mit den entsprechenden Tempolimits ab und bucht den anfallenden Betrag bequem von Ihrem Konto ab bzw. legt bei Bedarf das Fahrzeug still.
    Wobei das im Grunde ja auch schon in Echtzeit gehen sollte…

  • schredder66

    @marcus05:

    Du denkst dabei an die sogenannte “Blackbox”?

    Solche “Unfallschreiber” werden ja von viele “Verkehrspolitikern” herbeigesehnt. Falls sie kämen, wäre ich auf den Aufschrei der Überwachten gespannt.

    “Rasen” ja, aber nur zu meinen Konditionen – ohne staatliche Kontrolle / Überwachung.

  • Mladen

    Das witzige ist ja nur, dass die Polizeibeamten dies alles in “vorbildlicher Weise” (Zitat aus dem Urteil) so auch gemacht haben. In dem Fall war alles i.O.. Dem Betroffenen wurde die Messung auch gezeigt.
    Ihm ging es nur um eine Umwandlung des Fahrverbotes in eine höhere Geldbuße (anscheinend nach längerer Arbeitslosigkeit wieder einen Job gefunden und noch in Probezeit), was ihm auch gelungen ist.
    Und um die Raserdiskussion anzuheizen: Er wurde auf einem Motorrad auf der Landstraße mit 116 km/h (nach Toleranzabzug 112 km/h) bei erlaubten 70 gemessen. Und sein Hinterreifen hatte nicht mehr ausreichend Profil.

  • Hans Berger

    Nicht nur vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.

    Typisches Juristengeschwätz! Es gilt grundsätzlich gemäß Grundgesetz (kein Prüfungsfach für Juristen):

    Art. 1 Abs. 3 GG: Die […] Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

    Art. 20 Abs. 3 G:Die […] vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

    Art. 97 Abs. 1 GG: Die Richter sind […] nur dem Gesetze unterworfen.

  • ui-ui-ui

    @Hans Berger: Staatsorganisationsrecht, Grundrecht I und II sind sehr wohl prüfungsrelevant.

  • Hans Berger

    @ui-ui-ui: Schön, dass hier mal jemand aufpasst.

  • UmpaLumpa

    Ein “Rocker” fährt des Nächstens auf seinem Motorrad landwärts gen Heimat. Die Polizei setzt zur Verfolgung an, kann jedoch vermeintlich nicht aufschließen.
    Nach schließlichem Halt (etliche Kilometer später) die Belehrung über eine angeblich “viel zu hohe” Geschwindigkeit (gemessen und bestätigt (Tacho) waren, man soll’s kaum glauben, exakt 41 km/h Überschreitung) nebst zu geringer Profiltiefe, wie das gemeinhin geeichte amtliche Messinstrument (“Daumennagel, POKin, blond”) ergab.

    Bisweilen soll man sich mit deutlich über 200 km/h bewegt haben (Nachts um 0.30 Uhr, Sommer, Land-/Waldgebiete, Wildwechsel, Ortschaften, Harley Davidson… usw.). Sicherlich.

    Später, nach 1.500 Euro Gebühren, entsprechenden Punkten, der Strafe und einem Fahrverbot, habe ich endlich begriffen, was mit dem Satz “Polizisten sind zur Neutralität verpflichtet. Was für einen Grund hätten sie zu lügen?” seitens des Vorsitzenden gemeint war…

  • Stuff

    Nunja, vielleich wird auch in Deutschland eine Dahcam wie in Russland ein Muss für jeden Lenker…
    In Österreich wurden inzwischen die sogenannten “Section Control”-Abschnitte ja auch nur auf Tunnels oder auf Strecken, wo solche vorkommen, rückgebaut, da, scheint es, zu viele auf dem Navi ihre Routenaufzeichnung mitlaufen liessen und die Diskrepanz zwischen vorgeworfener Zeitunterschreitung zur Bewältigung dieser Distanzen, also einer Geschwindigkeitsüberschreitung, und diesen Aufzeichnungen zu gross waren; im Tunnel aber fehlen die Zeitmarken und so geht es sich halt aus, eine Strafe auszusprechen. Falls jemand nach Eichung fragt: Das NAVI wird so dreimal die Sekunde von bis zu 9 Satelliten “geeicht”, an diese Präzision kommen die ~4-Mhz-Quarze in den Messgeräten nie und nimmer heran…