Geschwollen

In unserem Amtsgericht gibt es, so steht es in einer amtlichen Mitteilung, „Änderungen in den Personen der Pressesprecher“. Wie das?

Ganz einfach. Gemeint ist bloß, dass es personelle Veränderungen gibt. Aber so sind sie, die Bürokraten. Sie sind sprachlich kaum auf der Höhe ihrer Ämter. Speziell offiziell werden sie künstlich, die Grammatik hauen sie oft blind zu Bruch, und das Vokabular will viel zu steil hinauf, irgendwas soll zum Tragen kommen oder zur Durchführung gelangen.

Und so kommt es denn, dass der Herr Amtsgerichtspräsident wissen lässt, es gebe „Änderungen in den Personen“. Och.

Wenn wir das wörtlich nehmen, müssen wir uns dann Sorgen machen? Ist etwa des einen Leber geschwollen, sind bei anderen Nervenstränge geschrumpft?

Sind die Änderungen seelischer Natur? Frisst der Frust so sehr in den Richtern – oder sie gar auf? Müssen wir gar um die Rechtsprechung fürchten? Denn es gibt ja noch, aufgepasst, die Möglichkeit der Mutation, die dauerhafte Wandlung etwa des erworbenen Berufsbilds. Diese „Personen“, also die Richter, sie werden Rechtsanwälte (meist zu deren Entsetzen). Oder Berufszeugen. Oder Politiker.

Herr Präsident, bitte sprechen Sie Klartext! (pbd)

  • marcus05

    Bürokratisch wird das neue Latein.

  • wawa

    “Änderungen in den Personen” kann eigentlich nur eine Operation (z.B. Nasenkorrektur) sein, oder vlt. sogar eine Gerschlechtsumwandlung.

  • A. Friend

    künstlich, die Grammatik hauen sie oft blind zu Bruch, und das Vokabular will viel zu steil hinauf, irgendwas soll zum Tragen kommen oder zur Durchführung gelangen</

    …ist das nicht sowieso eine Berufskrankheit der meisten Juristen? Jedenfalls habe ich leider auch noch nie ein in “Klartext” verfasstes Schreiben eines Rechtsanwalts zu Gesicht bekommen.

  • A. Friend

    künstlich, die Grammatik hauen sie oft blind zu Bruch, und das Vokabular will viel zu steil hinauf, irgendwas soll zum Tragen kommen oder zur Durchführung gelangen

    …ist das nicht sowieso eine Berufskrankheit der meisten Juristen? Jedenfalls habe ich leider auch noch nie ein in “Klartext” verfasstes Schreiben eines Rechtsanwalts zu Gesicht bekommen.

  • Jens

    Wer meint, dass “personelle Veränderungen” etwas anderes oder auch nur sprachlich besser wäre als “Änderungen in den Personen”, hat selbst ein Problem mit der deutschen Sprache.

  • llamaz

    Lustig fand ich vor kurzem den Text in einem Schreiben von einem Notariat: “Anbei sende ich Ihnen die Kopie des Vertrages zu Ihrer weiteren gefälligen Verwendung”.

    Aber immerhin war schon “Mit freundlichen Grüßen” unterschrieben und nicht z.B.”Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung”.

  • Ralf L.

    @Jens: personell hat in der Erstbedeutung lt. Duden die Bedeutung;
    “das Personal (a), die Beschäftigten in einem Betrieb, Bereich o. Ä. betreffend”.

  • cpfann

    “Person” kann auch Rolle bedeuten – auf dem Programmzettel im Theater steht bis heute idR “Die Personen und ihre Darsteller”. Dann hat sich hier tatsächlich etwas in der Person geändert, weil dieselbe Rolle (Pressesprecher) jetzt von einem anderem Individuum übernommen wurde.

  • Trino

    Immer diese Korinthenkackerei … da steht eine grammatikalisch ungeschickte Formulierung in einer PM und schon meint ein Blogger, daraus eine Füllung fürs Sommerloch fabrizieren zu können …

    Um das ganze für mehr als 2 Personen (Pressesprecher des Gerichts und den Blogger) interessant zu machen, wird einfach mal unterstellt, dass das “typisch” für Bürokratensprech sei … und blabla …

    oh Mann, ist das öde …

  • Dieter

    @Trino: Bitte gehen Sie weiter, bleiben Sie nicht stehen, es gibt nichts zu sehen. Bitte weiter gehen.

  • dieter.dieter.dieter

    @Dieter: Dieter, warum versuchen Sie, die Rolle des Ordnungsdienstes zu übernehmen, obwohl es hier gar NICHT IHR Blog ist? Ich finde nicht, dass Sie diesen Blog mit Ihrem Einwurf in irgendeiner Weise bereichert haben. Warum genießen Sie nicht lieber die Sonne und gönnen sich ein köstliches Eis?
    Auch wenn Ihnen Trinos Ansichten nicht gefallen, sollten Sie ihm doch trotzdem nicht das Recht absprechen, hier seinen Beitrag niederzuschreiben und seine freie Meinung zu äußern.

  • Max

    @dieter.dieter.dieter: Ihr Beitrag war auch nicht gehaltvoller. (Ja, ich weiß, genauso wenig wie meiner) ;)

  • Christian

    Was mich ja mal interessieren würde ist warum denn so geschrieben wird/werden muss? Wo kommt dieser Schreibstil her? Verständlichkeit kann ja wohl nicht die Vorgabe sein.

  • Max

    @Christian: Na, stell dir einfach mal vor, dass Gesetzestexte einfach verständlich geschrieben werden, sodass der einfache Bürger diese versteht. Ich glaube nicht, dass es dazu eine offizielle Richtlinie gibt, die besagt, wie geschrieben werden muss. Juristen werden sich wohl eher an den Gesetzen orientieren und die werden zum Großteil von Juristen geschrieben. Sozusagen ein Geschenk von Juristen an Juristen, um Juristen nicht überflüssig zu machen.

  • Bayern. Das Land.

    @dieter.dieter.dieter: Doch, doch, doch – Dieter hat schon Recht. Blogs werden auch gelesen, um das eigene Sommerloch zu füllen. Da gräbt sich Trino nur in die eigene Grube mit seinen Belanglosigkeiten. Dieters Stellungnahme war dagegen wirlich witzig!

    Und: der Ordnungsdienst ist meistens nicht der Eigentümer!

  • rindersindunschlacht

    @Max:

    Jetzt werden dir gleich die Augen auskullern. Aber es gibt ein Land, das Deutsch spricht und wo genau dies der Fall ist. Dort geht ein Gesetz vor der finalen Fassung durch die zentralen Sprachdienste. Nachher kommt es in einem für den Bürger verständlichen Deutsch, Französisch und Italienisch wieder heraus.

  • Dieter

    @dieter.dieter.dieter: Achtung, Achtung! Hier spricht der Helfer der Blogpolizei. Gesucht wird ein gewisser dieter.dieter.dieter. Er soll sich in diversen Kommentarspalten verschiedener Blogs aufhalten. Besondere Kennzeichen: Fehlender Humor. Sachdienliche Hinweise bitte an Konrad Toenz oder jeden anderen Eisverkäufer.

  • Wolf-Dieter

    Also ich hab spontan an eine Geschlechtsumwandlung gedacht, bis Udo es als “Personaländerung” erläuterte. Ein Missverständnis weniger auf der Welt. Danke, Herr Vetter!

  • rindersindunschlacht

    @Wolf-Dieter:

    pbd =/= Udo

  • Kinki

    @llamaz: “Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung” oder einfacher “Hochachtungsvoll” verwende ich als Grußformel eigentlich nur dann, wenn ich meine tiefste Verachtung ausdrücken will, vorzugsweise gegenüber penetranten Inkassounternehmen oder Abmahnanwälten! Die merken dann aber auch meistens aus dem vorangegangenen Text, wie “hoch” meine “Achtung” ihnen gegenüber ist!

    Die normale Grußformel ist immer noch “Mit freundlichen Grüßen” bzw. “mit freundlichen kollegialen Grüßen”.

  • Kinki

    @Christian: Das haben “wir” so vom Reichsgericht gelernt:

    “Ein Eisenbahnunternehmen ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen, beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbewegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften (Dampf, Elektricität, thierischer oder menschlicher Muskelthätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch schon der eigenen Schwere der Transportgefäße und deren Ladung, u. s. w.) bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßig gewaltige (je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützliche, oder auch Menschenleben vernichtende und die menschliche Gesundheit verletzende) Wirkung zu erzeugen fähig ist.”

  • Max

    @rindersindunschlacht: Lass mich raten: die Schweiz? ;)

  • steakhouse

    Die Formulierungen “Änderung in den Personen” und “personelle Veränderungen” bezeichnen den selben Sachverhalt und dürften vom Schwierigkeitsgrad ähnlich sein. Der einzige Unterschied liegt in der Gewöhnung. Aber wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, kann natürlich eine ganz spezifische Bedeutung des Wortes “Person” herausgreifen, diese Bedeutung als einzig richtige präsentieren und sich dann über die Formulierung lustig machen. Auch wenn das nicht von großer Sprachkompetenz zeugt.

    (Ironischerweise erkennt grade diese Person mit dem Blogbeitrag jemandem die Sprachkompetenz ab, obwohl die Formulierung – wenn auch umgangssprachlich nicht gängig – vollkommen korrekt ist.)

  • zf.8

    Ich habe es nie nachvollziehen können, wenn Leute den Großteil der deutschen Gesetze als sprachlich verständlich charakterisiert haben. In Bescheiden, Schriftsätzen und Aufsätzen habe ich schon einiges an furchtbaren Formulierungen gelesen, aber Gesetzestexte habe ich immer als gut verständlich empfunden. Richtig schlimm sind ansonsten die ellenlangen EULA und AGB die einem aufgedrückt werden.

  • steakhouse

    @zf.8: Ich nehme an, das “sprachlich verständlich” im ersten Satz soll eigentlich “sprachlich unverständlich” heißen?
    Ich persönlich sehe das anders. Grade “moderne” Gesetze haben zum Teil das Problem, dass sie ausufern, dadurch Sprachungetüme entstehen und die Gesetze am Ende in sich weder logisch noch verständlich sind. Es gibt zwar nach wie vor auch gute, verständliche Gesetze; aber grade bei Steuergesetzen und Gesetzen zu Sozialleistungen hat der Gesetzgeber leider oft einen Hang zur Unverständlichkeit.
    Nicht in Sachen Formulierung, aber in Sachen Übersichtlichkeit ist mein persönlicher Liebling § 52 EStG

  • steakhouse

    @zf.8: Ich nehme an, das “sprachlich verständlich” im ersten Satz soll eigentlich “sprachlich unverständlich” heißen?
    Ich persönlich sehe das anders. Grade “moderne” Gesetze haben zum Teil das Problem, dass sie ausufern, dadurch Sprachungetüme entstehen und die Gesetze am Ende in sich weder logisch noch verständlich sind. Es gibt zwar nach wie vor auch gute, verständliche Gesetze; aber grade bei Steuergesetzen und Gesetzen zu Sozialleistungen hat der Gesetzgeber leider oft einen Hang zur Unverständlichkeit.
    Nicht in Sachen Formulierung, aber in Sachen Übersichtlichkeit ist mein persönlicher Liebling § 52 EStG

  • steakhouse

    Damn it. Ich geb’s auf. Ich vermute, ich habe beim kopieren den Bereich “http://” vor dem Link vergessen. Es ist jedenfalls § 52 EStG.

  • johnson

    Dieser typische Stil der Behördenschriftsprache rührt daher, dass der Beamte dazu neigt, alle Verben und Attribute zu substantivieren.

    Das hat sicher viele Gründe, etwa sprachliche – z.B. weil Substantive sich leichter zu neuen Worten zusammenfügen lassen). Oder psychologische – z. B. wird durch das Substantiv ein scheinbar sachlich-objektiverer Stil erreicht. Solche Sprache hat mehr Autorität, wobei der Schreiber mit seiner Person gleichsam unsichtbar wird (und sich auch, psychologisch gesehen, um die Verantwortung drücken kann). Man liest dann eben nicht mehr von Verben, d. h. von Handlungen und Vorgängen, die von jemandem vollzogen werden, sondern von harten, durch Substantive ausgedrückten, Tatsachen.

  • Statistiker

    @ steakhouse: “Aber wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, kann natürlich eine ganz spezifische Bedeutung des Wortes “Person” herausgreifen, diese Bedeutung als einzig richtige präsentieren und sich dann über die Formulierung lustig machen.”

    Wer öffentlich kommuniziert und sich dabei umständlich und un-/missverständlich ausdrückt, indem er z.B. Formulierungen benutzt, die “umgangssprachlich nicht gängig” sind, der beherrscht die deutsche Sprache nicht.

    Fragen Sie hierzu einen beliebigen Präskriktivisten.

  • Sir Quimby

    Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage – Präskriktivisten – übereinstimmenden Dokumente gefunden.

    Vorschläge:

    Achten Sie darauf, dass alle Wörter richtig geschrieben sind.
    Probieren Sie es mit anderen Suchbegriffen.
    Probieren Sie es mit allgemeineren Suchbegriffen.

  • wonko

    @Statistiker:

    Wer öffentlich kommuniziert und sich dabei umständlich und un-/missverständlich ausdrückt [...] der beherrscht die deutsche Sprache nicht.

    Georg Schramm, Herrschaftssprache:
    https://www.youtube.com/watch?v=60WLlID124Y

  • steakhouse

    @Statistiker: Unsinn. Wer öffentlich kommuniziert und umgangssprachlich nicht gängige Formulierungen benutzt, kann vielleicht nicht sehr gut mit Sprache umgehen, weil er nicht zielgruppengerecht kommuniziert; dass er die deutsche Sprache nicht beherrscht, lässt sich daraus aber nicht ableiten.
    Der Blogbeitrag wäre in Ordnung gewesen, wenn er sich auf einfache Kritik an der Formulierung beschränkt hätte. Aber in “Änderungen an den Personen der Pressesprecher” irgendwelche Veränderungen an konkreten Menschen hineinzulesen und dies als einzig mögliche wörtliche Auslegung darzustellen, zeugt nicht von großer sprachlicher Kompetenz.

  • jörg

    “Sind die Änderungen seelischer Natur? Frisst der Frust so sehr in den Richtern”

    Schlecht gelaunt? Korrigiere ja auch gern, aber das kommt gerade ein wenig hasserfüllt rüber…

  • Chefkommentator

    Ich glaube, ich habe, was nicht schwer ist, die Glosse verstanden.
    Sie spitzt zu, beispielsweise den oft vom Deutschen Richterbund beklagten Frust in den eigenen Reihen.
    Und sie versetzt sich in die Charakteristik der Richterschaft mit der Überzeichnung, die könnten auch Anwälte, gar Politiker werden.
    Denn es geht wörtlich um Veränderungen in, nicht an den Personen.
    Mit einem Wort: Wer bin ich und wenn ja wieviele?

  • Jeeves

    @johnson: Danke für den ersten sinnvollen Beitrag zu dieser ganz speziellen Sprache.

  • zwoologe

    @steakhouse: korrekt ja, aber geschwollen klingt es trotzdem noch.

  • Nachdenklicher

    Wenn ich solche Ausdrucksweisen lese, frage ich mich immer: wer schreibt diese geschwurbelte Ausdrucksweise eigentlich vor?

    Es gibt soweit ich weiß, auf der ganzen Welt kein Gesetz, das Beamte und Juristen dazu verdonnert, solch sprachlichen Dünnpfiff von sich zu lassen.

    Das ganze ist wohl eher zu einem Selbstläufer geworden, einer Art Gruppenzwang, einer Massenhysterie: einer findet’s geil, und schon wollen es alle machen, nur, um dabei zu sein, um nicht aufzufallen, um dazu zu gehören.

    Und wer ausbricht, wer “anders” ist, wird von der Gruppe geächtet.

    Anders kann ich mir das nicht erklären.