Nur ein Detail fehlt

Pressearbeit ist eine hohe Kunst – meist eine der Verschleierung. Die Presseleute bei der Staatsanwaltschaft Münster scheinen sich einiges bei ihren Kollegen in der freien Wirtschaft abgeguckt zu haben. Leider das Falsche.

Gemeinsam mit der örtlichen Polizei kündigen die Strafverfolger eine “DNA-Reihenuntersuchung” an. Davon werden zunächst 150 Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 45 Jahren betroffen sein, die in der Nähe des Dortmund-Ems-Kanals leben.

In Höhe der Trauttmannsdorffstraße war aus dem Wasserweg Mitte Juni eine Babyleiche gefunden worden. Die Ermittlungen haben bisher noch keine Spur ergeben, wer die Mutter des Kindes sein könnte.

Experten des Landeskriminalamtes, so heißt es,  hätten die Münsteraner Kollegen aber darin bestärkt, dass die Kindsmutter in der Mehrzahl der Fälle einen Bezug zum Nahbereich des Fundortes hat.

Ich will gar nicht die Frage diskutieren, ob diese Spekulation für einen DNA-Test bei Menschen reicht, die lediglich das Pech haben, in der Nähe eines Leichenfundorts zu wohnen.

Mir geht es vielmehr um ein wichtiges Detail, das die Staatsanwaltschaft Münster in ihrer offiziellen Pressemitteilung schlicht “vergessen” hat. Das ist umso verwunderlicher, als der Text sonst so gut wie alles erklärt. Etwa, dass die “Reihenuntersuchung” vom Amtsgericht Münster angeordnet wurde. Oder dass der DNA-Test mittlerweile vorbereitet wird und nächste Woche beginnen soll.

Sogar einen O-Ton haben die Beamten verbaut. Ein Oberstaatsanwalt lässt verlauten:

Das aufwendige Verfahren einer DNA Reihenuntersuchung ist nach jetzigem Ermittlungsstand erforderlich um die Kindsmutter zu finden.

Was steht also nicht drin in der Mitteilung? Dass der Test freiwillig ist und momentan keine Betroffene juristisch verpflichtet ist, sich dieser “Reihenuntersuchung” zu stellen. Das ist doch durchaus ein Fakt, der für die Öffentlichkeit interessant ist.

Das Verschweigen hat sogar Erfolg. So werfen etwa die Westfälischen Nachrichten sowohl in ihrer Online- als auch in ihrer Printausgabe mit keinem Wort die Frage auf, ob es eine Mitwirkungspflicht gibt. Dabei ist doch gerade das eine Frage, die jeden Leser interessiert.

Insgesamt also eine sehr erfolgreiche Pressearbeit in eigener Sache bei der objektivsten Behörde der Welt, wie sich die Staatsanwaltschaft gerne selbst nennt.

  • Drachenstein

    Das ist doch Absicht!
    In den Polizeivorladungen steht auch nicht drin, dass es sich hierbei eher um eine “Einladung” handelt, also weder Beschuldigter noch Zeuge erscheinen müssen…

  • Jemand1

    Die versuchen es doch immer wieder.
    “Niemand muss durch so einen Test seine Unschuld beweisen”
    Doch das ist auch in großen Teilen der Bevölkerung noch nicht durchgedrungen. Denn wir wissen ja “Wer nichts zu verbergen hat, …”. Deswegen wäre es doch auch von der Polizei “dumm”, auf den Umstand der Freiwilligkeit hinzu weisen.
    Es muss ja schließlich über den öffentlichen Druck suggeriert werden, dass ein Verweigerer etwas zu verbergen hätte.

  • Jens

    Wahrscheinlich ist das doch dann eh wieder so “freiwillig”, dass Diejenigen, die nicht daran teil nehmen verdächtig genug sind, um zur Abgabe gezwungen zu werden. Also spart man nur die Kosten für gerichtliche Anordnung.

  • gant

    WN ist der Garant für internationalen Qualitätsjournalismus – da kann es gar nicht sein, dass die ohne unbequeme Nachfragen einfach irgendwelche dahergelaufenen PMs oder Tickermeldungen durchreichen. Vermutlich sind die Redaktionsrechner gehackt worden!!11

  • Monasterium

    Der Fakt der Freiwilligkeit der Untersuchung wurde durch Medien so kommuniziert. Beispielsweise in einem Interview, dass auf dem lokalen Radiosender Antenne Münster lief.

    Auch in vorhergehenden Pressemitteilungen im Juli wurde bereits die DNA Untersuchung angekündigt.

    Ich gehe davon aus, dass das weglassen dieses Faktes maximal zu einem höheren Druck bei dem Täter/der Täterin führen soll, sofern man eine Absicht unterstellen will, dass diese Info weggelassen wurde.

    Mich wundert viel mehr, dass sich die Fahndung auf eine weibliche Person konzentriert – es könnte doch durchaus möglich sein, dass die Mutter gezwungen wurde Ihr Kind herzugeben, weil es im Familienkreis nicht erwünscht war.

    Sowohl Münstersche Zeitung als auch Westfälische Nachrichten sind dafür bekannt, lediglich die Pressemitteilungen der Polizei – meist im original Wortlaut – abzudrucken.
    Insofern sind diese keine wirkliche Hilfe bei der Information der Betroffenen. Es ist auch imho nicht ihre Aufgabe dieses restlos zu tun.

  • MaxR

    Das fehlende Detail ist ein Komma im zitierten O-Ton.

  • Markus

    Zumindest im Radiointerview (Antenne MS) hat der (Ober-?) Staatsanwalt aber deutlich betont, dass das freiwillig ist und niemand gezwungen werden kann.
    Peinlich, dass es in der PM fehlt… nicht peinlich, sondern eher erwartet, ist, dass die Nachfrage auch in der Zeitung fehlt. Meistens wird nicht soviel gedacht bei der Presse in MS, sondern abgeschrieben aus PMs und vielleicht noch gekürzt.

  • Markus

    Zumindest im Radiointerview (Antenne MS) hat der (Ober-?) Staatsanwalt deutlich betont, dass dies freiwillig ist und niemand gezwungen wird/werden kann.
    Peinlich, dass es so nicht auch in der PM stand. Nicht peinlich, dass die Zeitungen in MS dies ohne kritische Nachfragen einfach übernehmen. Das passt zum Stil der hiesigen Presse: meist werden PMs direkt zitieren (manchmal gekürzt), der Rest ist nicht mit der hohen journalistischen Qualität einiger größerer Zeitungen vergleichbar…

  • Bunke

    Die Presse wird sich halt nicht vorwerfen lassen wollen die Ermittlungen zu behindern. Vieleicht hofft man ja auch auf ein wenig “Exkulsives” zum Dank wenn man die Münsteraner ein wenig weniger informiert als vieleicht wünschenswert.

    [...]einen Bezug zum Nahbereich des Fundortes hat.

    Hat mich als Ortskundigen ein wenig schmunzeln lassen. Eine vielbefahrene Brücke in einem Industriegebiet, in einem Kanal, an einem Radwanderweg. Bequem aus allen Himmelsrichtungen mit fast allen Verkehrsmitteln zu erreichen. Da kann man auch mit einem Dartpfeil auf einen Stadtplan werfen. Mir erscheint das eher wie das stochern im Heuhaufen.

  • jahnitu

    Am 2.8. stand in der WN ein Zitat des Sprechers der Staatsanwaltschaft, das die Freiwilligkeit klar betont.

    http://www.wn.de/Muenster/DNA-Reihenuntersuchung-soll-Babyleichenfund-aufklaeren-Polizei-setzt-auf-Speichelproben

  • wonko

    @Monasterium:

    Mich wundert viel mehr, dass sich die Fahndung auf eine weibliche Person konzentriert

    Die Wahrscheinlichkeit, daß die Mutter des toten Kindes eine weibliche Person ist liegt bei 1. Und wenn die Mutter ermittelt ist sollte es bedeutend einfacher sein, die weiteren Umstände zu ermitteln. Inwiefern es also verwunderlich sein soll, eine weibliche Person zu suchen erschließt sich mir nicht.

  • 08/15

    @wonko: Man hat schon Pferde kotzen sehen.

  • Mirco

    Die Mutter braucht nicht mitmachen. Es reicht, wenn die Oma oder Tante mitmacht.

    Eine Frage würde ich interessieren.
    Wer trifft bei 14-jährigen Mädchen die freiwillige Entscheidung?

  • Leser

    Wer seine Rechte kennt nimmt sie am Ende noch war?

    Auch die Polizei weiß das die Leute nicht kommen, wenn sich nicht müssen.

  • veri

    Ach Herr Vetter,
    nicht das gesamte Land besteht aus Trottel, die ihre Rechte nach dutzenden Diskussione immer noch nicht kennen. Freiheit, die sonst doch immer die Piraten fordern, bedeutet auch Verantwortung: Veranwartung dafür, dass man sich selber informiert.
    Gibt man bei Google Reihenuntersuchung ein, findet man direkt beim ersten Link die notwendigen Infos, wenn bis jetzt hinterm Mond gelebt hat und dies nicht mitbekommen hat.
    Ich will jedenfalls nicht in einem Land leben, in dem Firmen und die Polizei die Bürger wie Trottel behandeln muss, weil sie nicht auf die Idee kommen, dass Kaffee heiß ist, Schockoriegel fett machen und man bei der Polizei gewisse Rechte haben!

  • veri

    @Leser: Das ist Unsinn. Ich würde da mitmachen. Ich habe nichts zu verbergen und bin gerne bereit dabei zu helfen den Täterkreis einzuengen. Dies sind sicherlich sehr sehr viele.

  • Ralf

    Wer will der soll ruhig,nur muss die Entscheidung bei mir liegen und nicht derart freiwillig aufgezwungen.
    An Speichel kämen die bei mir auch nach Richterlicher Verfügung nicht,da muss dann schon der Doc mit der Spritze anrollen,kostet etwa das 20 fache und dann wäre bei X-Hundert Verdächtigen fix Schicht im Schacht bei dieser Massenvergewaltigung von Bürgerrechten…

  • Marco

    @veri: Was sollen aber die aufgeklärten Bürger von einer objektiven Staatsanwaltschaft halten, die die Bürger tatsächlich wie Trottel durch Weglassen von Informationen verarscht (Nicht zu sprechen von den vielen immer trotteligeren Medien, die nicht mehr kritisch nachfragen)?

    Oder arbeiten in der Pressestelle einfach nur wieder ein paar Trottel, die vergessen haben diese Information zu veröffentlichen?

    Ich gebe Ihnen ja sogar zum Teil Recht. In anderen Ländern wird es übertrieben. In anderen Ländern gibt es aber z.B. auch Verwertungsverbote von Beweismittel wenn diese nicht auf legalem Weg erlangt wurden.
    Sie sprechen von Verantwortung. Ich wäre durchaus dafür, nicht dem Bürger, sondern Polizei und Staatsanwaltschaften mehr Verantwortung zu geben: Wenn sie Beweise erheben, die erlangt wurden indem unrechtmäßige Ermittlungsmethoden angewendet wurden oder Bürger nicht vollständig über ihre Rechte aufgeklärt wurden, dann sollten die Beweise nicht verwertet werden dürfen. So tragen dann auch die Ermittlungsbehörden mehr Verantwortung sich an Recht und Gesetz zu halten, wie es von den Bürgern ja auch verlangt wird.

  • NahDran

    @Marco: Es ist sinnlos mit einem Bezahltroll a la “veri” zu argumentieren. Und nur Exhibitionisten haben nichts zu “verbergen”.

  • Profi-Amateur

    @NahDran:
    Auch ich habe nichts zu verbergen, aber was genau ich nicht zu verbergen habe geht nur mich was an

  • Kai

    Das spannende an so einer Analyse ist ja nicht so sehr das man den Täter direkt erwischt. Es reicht ja schon wenn vielleicht eine Tante, Cousine, Schwester u.s.w. einen Test macht.

    So gesehen, gibt man bei einem DNA-Test nicht nur seine DNA frei, sondern gibt auch potentielle Beweise gegen Blutsverwandte. Womöglich sogar verwandte bei denen man ein Zeugnissverweigerungsrecht hat.

  • Testkaninchen

    @Profi-Amateur:

    Die Entscheidung was du (nicht) zu verbergen hast liegt aber gar nicht bei dir. Das ist ja das Fatale.

  • Wintermute

    Unseren täglichen Troll gib uns heute…

    Ich habe auch ein Bild von ihm beim Posten in diesem Blog:
    http://www.acbc.de/Bilder/Uli%20Stein/dagegen.jpg

  • Quacksilber

    Wer nach Mollath und Überwachungsaffaire immer noch nicht bemerkt hat, dass Staat und Justiz sich auf besonders schäbige Menschen und Methoden stützen, hat den Schuss nicht gehört. Nach meiner Ansicht sind inzwischen, auch ohne explizite Erwähnung, alle darüber informiert, dass solche DNA-Massenuntersuchungen freiwillig sind, und wer trotzdem der Polizei traut, ist selbst schuld.

    Ich finde es ebenso falsch, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen wie zu ihrem Unglück.

  • Wintermute

    @Quacksilber:

    Nach meiner Ansicht sind inzwischen, auch ohne explizite Erwähnung, alle darüber informiert, dass solche DNA-Massenuntersuchungen freiwillig sind, und wer trotzdem der Polizei traut, ist selbst schuld.

    So einfach ist es leider nicht. Gerade bei älteren Menschen, die ihre Informationen mehr aus Printmedien als dem Internet beziehen und bei denen noch Erinnerungen an “die Polizei – dein Freund und Helfer” aus ihrer eigenen Lebenserfahrung das Weltbild prägen, kannst du nicht davon ausgehen, daß sie wissen – und glauben- , daß solche Massenuntersuchungen freiwillig sind…

    Ich finde es ebenso falsch, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen wie zu ihrem Unglück.

    Ich auch. Trotzdem will ich nicht einfach zusehen, wenn sich Mitmenschen aus Unwissenheit oder Dummheit in Probleme bringen; eine Warnung oder zwei sollten schon drin sein. Ich denke, eine gewisse Verantwortung hat man trotzdem. Auch wenn sich der Großteil der Bevölkerung wie Kleinkinder benimmt…

  • emma peel

    #19 @NahDran: sehr präzise ausgedrückt.
    und #14. der Tippfehler könnte als gelungen bezeichnet werden:
    “am Ende noch war”…

  • Troll

    @wonko:
    Lieber Wonko Sie kennen Sich wohl mit Biologie noch nicht so richtig aus.

    Lesen und lernen:
    http://cdn.webfail.com/upl/img/be1b0d40f04/post2.jpg

  • Weaver

    Bemerkung am Rande: Gibt es eigentlich eine Korrelation zwischen Trollen und Rechtschreib- sowie Grammatikschwäche?

    #15 ist ja fast nicht mehr lesbar.

    Ist das eine halbwegs intelligente Person, die vorgibt, ein Trottel zu sein, oder ein Trottel, der versucht, halbwegs intelligent zu wirken?

    Die Antwort würde mich wirklich interessieren.

  • PA

    Ich würde der Staatsanwaltschaft hier keine böse Absicht unterstellen, denn schließlich handelt es sich nur um eine allgemeine Presseerklärung. Aus dieser ist nicht ersichtlich, wer genau denn nun genau zum Test aufgefordert wird und wo die Probe abgegeben werden kann oder soll, sondern nur, dass ein Test vorbereitet (!) wird. Insofern ist die Analyse, dass “der Text sonst so gut wie alles erklärt”, unzutreffend.

    Was passiert denn nun? Die entsprechenden Personen werden angeschrieben bzw. von der Polizei befragt/zur Probenabgabe aufgefordert. Erst dann, d.h. wenn konkret zur Abgabe einer Probe aufgefordert wird, muss auch darüber informiert werden, dass die Abgabe freiwillig ist. Wenn das zu diesem Zeitpunkt nicht passiert, kann man sich drüber aufregen. Vorher dient das anscheinend nur zur Bestätigung eigener Vorurteile.

  • Quacksilber

    @PA:
    Es geht doch ausschliesslich darum, dass die Freiwilligkeit angegeben sein muss, wenn es sich, wie Udo schreibt, um eine offizielle Pressemitteilung handelt. Soweit es nicht vorgeschrieben ist, ist es gar kein Problem. Viele Ermittlungserfolge gibt es nur durch Nichtwissen oder Fehler der Täter. Wenn die Angabe im persönlichen Anschreiben reicht, ist alles ok.

  • André

    Ja natürlich ist das Absicht, Pappnase. Genau das ist ja der Skandal!

  • Icke_

    Stell dir nur mal vor, da stünde explizit, dass das FREIWILLIG ist… dann würde ja gar keiner mehr hingehen. Und das bei all dem Aufwand und den Kosten, das ganze Event vorzubereiten. Wer soll denn dann all die Schnittchen… Moment… lese grad, dass gibt gar keine Schnittchen… SKANDAL!

  • Monika

    Ich finde, zur Aufklärung gehört auch, dass klar gesagt wird, dass man damit in Gefahr läuft, auch unwissendlich gegen die eigene Familie auszusagen. Den es muss ja nicht die Mutter hingehen, Oma, Tante, oder auch Schwester können reichen. Und wenn das nicht ausreichend gesagt wird, kann sich keiner freiwillig und ordentlich entscheiden, ob er eventuell gegen die eigene Familie aussagt oder nicht. Die Speichelprobe betrifft ja immer alle Leute die mit mir verwandt sind, nicht nur mich.

  • user124

    @Icke_:
    “…Wer der Aufforderung, freiwillig zur Untersuchung zu erscheinen, nicht nachkomme, sei nicht automatisch verdächtig, unterstreicht Beck…” steht eindeutig in einem andere zeitungsbericht. auch haben wir es hier mit einer ankündigung zu tun, dass eine reihenuntersuchung durchgeführt werden soll. es ist doch gar nicht bekannt, was in dem anschreiben an die zielgruppe steht.
    alles nur ein sturm im wasserglas seitens uv, der billige versuch einer b..dzeitungsmäßigen skandalisierung, unnötiges aufbauschen einer einfachen, schichten und neutralen pressemeldung.
    aber die blogbevölkerung wurde mit ihrem täglichen bericht über die böse welt der staatsanwaltschaft bedient und reagiert wie immer und wie vorhersehbar.

  • PA

    @Quacksilber: Woraus ergibt sich denn, dass es in einer Presseerklärung zwingend angegeben sein muss? Kann ich selbst in UVs Beitrag nicht erkennen, dass er diese Ansicht verträte. Mir ist hierzu auch keine Vorschrift bekannt.

    @André: Woher wissen Sie, dass das Absicht ist? Sind Sie bei der Staatsanwaltschaft? Oder ist das nur eine Unterstellung, die gut ins eigene Weltbild passt?

  • user124

    @Quacksilber:
    wenn du wirklich aus dem text von uv heraus liest, dass über eine freiwilligkeit informiert werden muss (vielleicht steht dies sogar in der entsprechenden aufforderung an den einzelnen teilnehmer), dann hat uv durch geschickte pressearbeit durch weglassen vorgeführt. der eigentliche witz ist doch, dass uv der staatsanwaltschaft verschleierung vorwirft, dabei aber mit keinem wort erwähnt, dass genau der pressesprecher der staatsanwaltschaft münster in einem interview die freiwilligkeit betont.
    wer verschleiert hier eigentlich wirklich?

  • Quacksilber

    @Monika:
    Letzten Endes sind das Luxusprobleme. Wir sind mittlerweile so weit, dass grundsätzlich jegliche Kollaboration mit den Behörden sozial geächtet ist, so dass vielleicht sowieso diese freiwillige Untersuchung die letzte sein wird. Aufgrund eigener Erfahrung 1973 weiss ich, dass der Polizei prinzipiell erstmal der Wille zum Verbrechen unterstellt werden kann. Wer sich mit solchen Leuten gemein macht, hat es nicht besser verdient.

  • yak

    Nun ja, alles in allem ist es doch eine win-win-situation für die Polizei…

    Diejenigen, die hingehen und teilnehmen kann man entweder ausschließen oder eben nicht…diejenigen, die sich weigern werden halt genauer in Augenschein genommen, da können noch so viele Amtsvertreter rausposaunen, man sei nicht automatisch verdächtig wenn man sich weigert…

  • Quacksilber

    Ich habe Bedenken ob der Rechtmässigkeit der Untersuchung. Wikipedia sagt folgendes:

    Zur Ermittlung eines Täters, von dem DNA-Spuren vorliegen, kann sie freiwillig oder auf richterliche Anordnung durchgeführt werden.

    Hier liegt aber gar keine Täter-DNA, sonder nur Opfer-DNA vor. Jedenfalls weiss davon vor der Zuordnung niemand. Insofern kann man nicht von “Vorliegen” sprechen, wenn die unbekannte Täterin bspw. eine Zigarettenkippe in einem Aschenbecher auf dem Flur der Polizeidienststelle entsorgt hat.

  • PA

    @Quacksilber: Na, wenns in Wikipedia steht, dann muss es ja stimmen.

    Im Übrigen weiß man bei an Tatorten gefundener DNA auch selten mit absoluter Gewissheit, ob es Täter-DNA ist. Somit wäre – nach Wikipedia – ein DNA Test nur dann zulässig, wenn man schon vorher weiß, dass die DNA Spur auch sicher vom Täter stammt.

  • doc-rofl

    Naja, nach dem Anschlag von Breivik hat der Cheffredakteur der WN erstmal alles (faktenfrei wie sich schnell rausstellte) den bösen, bösen Islamisten zugeschoben und härtere Gesetz gefordert. Kommentare zu diesem Zusammenhang wurden wie der Originalbeitrag umgehend gelöscht.

    Nachdem es im Kommentarbereich später bei anderen Themen zu rechtsextremen Kommentaren kam, wurden erstmal die Kommentare, die sich damit kritisch auseindersetzten gelöscht und die teils rechtswidrigen stehen gelassen.
    Als das dazu führte, dass ein Großteil der Kommentatoren dazu mal ein Statement der Redaktion einforderten wurde beschwichtigt. Man wolle ja keine Rechten, daher müsse man dann halt mal löschen.
    Die nachgeschobene Frage, warum dann denn explizit die rechten Kommentare stehen gelassen würden, endete im Erklärungsdebakel. Daraufhin erklärten etliche Kommentarstammgäste, dass sich die WN mal andere Leute zum Anlügen und Märchenerzählen suchen soll und man dankend auf den Kommentarservice verzichten würde.

    Ab da waren die Hetzer dann weitgehend unter sich, aber das ließ die WN letztlich nicht mehr so richtig gut dastehen. 1 oder 2 Monate später wurde der Kommentarbereich dann komplett deaktiviert, mittlerweile gibt es ein Rankingsystem (1-5).

    Damit das nicht zum Debakel ausartet, registriert die Software schon mal 1 Stern als 4 Sternebewertung. Wenn man einen Beitrag runterrankt, wird die Bewertung kurz eingerechnet, nach einem Reload schnellt das Ranking wieder hoch, gern auch mal höher als zuvor.

    Wer einen solchen Umgang mit “Wahrheit” pflegt, von dem möchte ich nicht informiert werden. Ich nutze die WN lediglich um mir ein paar Bratwurstjournalismusartikel über meine alte Heimatstadt anzutun. Das ist zwar auch hart an der Grenze zur Unerträglichkeit, aber hin und wieder sind n paar hübsche Bilder dabei …

  • Quacksilber

    @PA:
    Ja, bei einem DNA-Fund muss die Täterschaft feststehen oder aber der Verdacht. Andernfalls bedeutete es, dass mit DNA-Untersuchungen auch Zeugen festgestellt werden dürften. Das kanns ja nicht sein.

  • Erdling07

    Einen ähnlichen Fall gab es vor einiger Zeit in Bad Vilbel bei Frankfurt. Da wurde die Leiche eines Neugeborenen an einem Fluss gefunden. Dort wurde der DNA-Test auf immer mehr Frauen ausgeweitet, so dass schlussendlich mehrere tausend Frauen getestet wurden ohne etwas zu finden.

  • NoKa

    @veri:

    Ach “veri” und ich will in keinem Land leben in dem Dumme-Schlaue, gebildete-ungebildete, grüne-blaue Bürger unterschiedliche Rechte erfahren.
    Mein Staat hat mich gefälligst! über meine Rechte aufzuklären!
    DESHALB leiste ich mir überhaupt einen (Rechts-)Staat zumindest, mit steigender Tendenz, theoretisch.

  • sfPD

    “User124″ hat bei seinem Zitat ebenfalls eine Kleinigkeit ausgelassen. Nämlich den Rest des Zitats:

    >>Womöglich würde man aber bei solchen
    >>Personen „gegebenenfalls“ nach weiteren
    >>Indizien schauen, die die „Verweigerer“
    >>zu Beschuldigten machen könnten.

    Wer sich nicht beugt, ist also per se Verdächtiger. Auch, wenn man dazu vielleicht “ggfls. schauen” muss – man könnte auch “konstruieren” sagen.
    Das System aus Polizei und Staatsanwaltschaft in diesem Land hat eine Emtwicklung hinter sich gebracht, die wirklich nicht mehr feierlich ist.

  • yt

    Die Fernsehserie CSI ist ein Dauerwerbesendung für DNA Proben. Da dürfte es ein leichtes sein, Widerstand ist nicht zu erwarten.

    Ich wünschte Freiheit hätte eine Lobby.

    Mit dystopischen Grüßen,
    yt

  • dentix07

    @PA:
    Gehen wir mal davon aus, daß der Wikipediaartikel grundsätzlich stimmt! Interessant ist doch wie wenige Erfolge die DNA-Reihenuntersuchung – ebenfalls in dem Artikel aufgeführt – zeitigt und wie häufig der Täter/die Täterin NICHT aus den Reihenuntersuchten stammt!
    Was mich zu der Frage bringt: Was ist eigentlich aus dem “Vergewaltigungsfall” in der Bückeburger Jägerkaserne geworden? Da gab’s doch auch eine DNA-Reihenuntersuchung; obwohl wohl die Polizei von vornherein Zweifel am Tathergang hatte!

  • Icke_

    @user124: Ich hab mit solchen “freiwilligen” Tests grundsätzliche Probleme. Insofern hoffe ich bei jedem dieser kleinen unscheinbaren Stürme im Wasserglas dass da irgendwer ein RIESENFASS aufmacht.

    Solche Massen-DNA-Tests bringen NICHTS. Siehe diverse hier in den Kommentaren aufgeführte Fälle. Es werden durch diese Tests einfach nur eh schon knappe Ressourcen sinnlos gebunden, die besser für “herkömmliche” Ermittlungsarbeit eingesetzt werden sollten.

    Und bezüglich “es wird niemand automatisch verdächtigt, der an solchen freiwilligen Aktionen nicht teilnimmt”… VERGISS ES!!! Das ist absoluter Schwachsinn. Schon aus dem Grund, weil sich die Ermittlungen nach einem (sehr wahrscheinlichen) Fehlschlag automatisch und fast ausschließlich auf die Verweigerer konzentrieren. (Wo wir wieder bei dem Punkt der sinnlosen Bindung von Ressourcen wären…)

    Und je nach Fall droht den “Verweigerern” schlussendlich noch die soziale Stigmatisierung… “Stell dir vor, der Icke_ war NICHT beim DNA-Test wegen diesem Kinderficker… warum sollte der das denn tun, wenn er nicht irgendwie doch was damit zu tun hatte…” VIEL SPASS mit den Folgen solcher Gerüchte…

  • PA
  • Oliver Schwarz

    Die Reihenuntersuchung ist angelaufen.

    http://www.wn.de/Muenster/Totes-Baby-im-Kanal-DNA-Untersuchung-ist-der-letzte-Strohhalm

    Interessant ist dieser Satz:

    Die Speichelabgabe erfolge anonym und auf freiwilliger Basis, sagt Heribert Beck, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Gleichwohl werde man verstärkt im Umfeld von Frauen ermitteln, die der Bitte um eine freiwillige Probe nicht nachkommen.”

  • Michael

    Und jetzt passiert genau das, was die Schwarzseher behauptet haben: Die Frauen, die nicht freiwillig ihre DNA abliefern, werden von der Staatsanwaltschaft als Zeugen geladen. Siehe beispielsweise http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Totes-Baby-im-Kanal-Staatsanwalt-laedt-40-Frauen-aus-Zeuginnen-vor;art993,2143447