Herr Unschuldig, bitte melden Sie sich bei der Polizei!

Heutzutage musst du gar nichts mehr angestellt haben, damit die Polizei öffentlich nach dir fahndet. Die Bundespolizei München veröffentlichte jetzt das Bild eines Fahrgastes, der sein Skateboard in der S-Bahn vergessen hat. Mit dem Foto der Überwachungskamera möchte die Polizei herausfinden, wer der Mann ist – um ihm das Skateboard zurückzugeben.

Das Bild zeigt sehr schön, wie fortgeschritten Videoüberwachung ist. Da ist nichts mehr mit vergrieseltem Schwarz-Weiß. Der Bahnkunde ist aus der Vogelperspektive hervorragend getroffen. An seiner charakteristischen Pläte (ich bin es nicht) ist er gut zu erkennen. Jedenfalls für alle, die ihn kennen. Und das trotz der Sonnenbrille, die er trägt.

Die Vorgeschichte: Eine Bahnfahrerin hatte gemeldet, in der S-Bahn liege eine herrenloses Skateboard. Außerdem hatte die Frau beobachtet, wie ein 63-Jähriger das Rollbrett einfach mitnahm. Der Mann wurde ermittelt, das Skateboard sichergestellt. Offensichtlich fragten sich die Beamten, was machen wir jetzt damit? Und entschlossen sich, das Überwachungsfoto zu veröffentlichen. Es soll den letzten, hoffentlich rechtmäßigen Besitzer zeigen.

Das ist ja wirklich freundlich gemeint. Allerdings scheint die Bundespolizei vergessen zu haben, dass es Persönlichkeitsrechte gibt. Nicht jeder möchte als Schussel geoutet werden, der in der Bahn ein wuchtiges Rollbrett liegen lässt. Noch weniger möchte sich der Betroffene vielleicht von seiner Freundin fragen lassen, was ihn in die S 4 nach München verschlagen hat. Wo er doch angeblich im Fitnessstudio war.

Jedenfalls kann die Polizei von Glück reden, wenn es sich bei dem Mann um einen gutmütigen Zeitgenossen handelt. Andere würden sich herzlich für die Rückgabe des Boards bedanken – und bei der Gelegenheit auch noch ein schönes Schmerzensgeld geltend machen.

Ganz unverdient wäre es nicht. Immerhin hätte es ja auch gereicht, ein Foto vom Board zu veröffentlichen. Das ist nämlich durchaus schrill lackiert. Sein Besitzer hätte es sicher auch so erkannt.

Bericht bei tz-online

  • RA Munzinger

    Wie man ‘s macht, macht man ‘s falsch, könnte man denken. Aber Herr Kollege, Sie sehen das genau richtig.

    Die Videoüberwachung dient einem bestimmten Zweck und daraus ergeben sich Grenzen für die Nutzung der Aufnahmen. Gibt es kein Fundbüro in München, wo sich Fahrgäste melden können? Zu meiner Studentenzeit in München gab es das. Es hat funktioniert und ohne social media.

  • Informelles.de

    Das ist die gewünschte schleichende Gewöhnung an die allumfassende Überwachung.

  • Fran Kee (Pirat)

    Herr Vetter hat recht, auch wenn das Beispiel harmlos ist.

    In 3-4 Jahren wird FullHD Standard sein in deutschen Vekehrsbetrieben. Gar nicht auszudenken, was in 10 Jahren so an persönlichen Hautporen und (absolut biometrietauglichen) UX-Double-Full-Werweisswie-HD für 72h und länger von mir täglich gespeichert sein wird…

    Das ganz grosse Uber-Feature, woran ja auch INDECT arbeitet ist ja das vollautomatische, biometrie-basierte (oder sonstige Merkmale) kameraübergreifende Tracking. Dann könnte man dem Skateboard-Fahrer auch am anderen Ende des U-Bahnnetztes persönlich ansprechen. Oder einfach, wenn er das nächste mal die Überwachungszone betritt, geht ein Lämpchen an.

    Aus Sicht christ|sozial-„demokratischer“ Parteien gewiss ein überwältigender Erfolg… da lassen sich bestimmt noch schöne Argumente für finden.

  • Drachenstein

    Gibt es dafuer nicht das Bahnhofsfundbuero? Oder wurde das auch schon wegrationalisiert und durch Automaten ersetzt ?

  • erforderlich

    Und der Kranfahrer hätte besser geschwiegen, dann müsste man annehmen, er wollte es zum Fundamt bringen, ist aber noch nicht dazu gekommen (sind schließlich erst gut 2 Wochen).

    Und die tz kann er IMO auch verklagen, die nennt ihn nämlich einen “Dieb”. Fundsachen kann man doch nicht stehlen, höchstens unterschlagen. Sollte auf dem Video zu sehen sein, dass das Skateboard dem Anschein nach absichtlich liegen gelassen hat (beim Aussteigen nochmal umgesehen?), dann würde ich noch davon ausgehen, dass das Eigentum aufgegeben wurde.

    Richtig?

  • reizzentrum

    Muss – bevor ein Videoausschnitt für “Fahndungszwecke” genutzt wird – nicht ein Richter dafür eine Freigabe erteilen?

    Frag ja nur.

  • schredder66

    Ich bin zwiegespalten:

    Einerseits mag es Grenzen und Gesetze geben, die die Überwachung bzw. die Veröffentlichung von Überwachungskameras einschränken / verbieten.

    Andererseits sehe ich irgendwann das Problem, dass aufgrund solcher “einschränkenden” Gesetze öffentliche Fahndung (die es ja in diesem Fall nicht war) bald nicht mehr möglich ist.

    Der “sinnvollere” Weg in diesem speziellen Falle wäre tatsächlich gewesen, das Skateboard auf den “Steckbrief” zu drucken, um so den Besitzer ausfindig zu machen.

    Obwohl: Wer garantiert der Polizei, dass sich tatsächlich der rechtmässige Rollbrett-Eigentümer meldet – und nicht irgendein Geizkragen, der billig an ein Skateboard kommen will?

    Wie @RA Munzinger (1) bereits schrieb: Wie man´s macht, macht man´s falsch.

    Auch wenn´s gut gemeint war.

  • raznagul

    Statt dem Bild des Betroffenen nur ein Foto des Skateboards zu veröffentlichen dürfte für ihn kaum einen Unterschied machen.
    Wenn das Board wirklich so Einzigartig ist, dann kann es vom näheren Umfeld des Betroffenen ihm genau so eindeutig zugeordnet werden wie das Bild von ihm.

    Wie schon gesagt wurde, hätte man es einfach beim Fundbüro abgeben können.

  • Dimebag

    “Obwohl: Wer garantiert der Polizei, dass sich tatsächlich der rechtmässige Rollbrett-Eigentümer meldet – und nicht irgendein Geizkragen, der billig an ein Skateboard kommen will?”

    Mmmh, vielleicht ein Vergleich anhand des vorliegenden Fotos?

  • Daarin

    @schredder66: Nur weil man ein Bild nicht veröffentlicht heißt das nicht, dass es nicht existiert. Und zum Abgleich ob es der Besitzer sein kann (sozusagen auf das Board geklebt und dann beim Fundbüro abgegeben) hätte da wahrscheinlich niemand was dagegen und würde bestimmt auch dem Gesetz nicht widersprechen.

  • wonko

    @schredder66:

    Obwohl: Wer garantiert der Polizei, dass sich tatsächlich der rechtmässige Rollbrett-Eigentümer meldet – und nicht irgendein Geizkragen, der billig an ein Skateboard kommen will?

    Das Foto vom Besitzer? Das auch ohne Veröffentlichung zur Verfügung gestanden hätte?

  • Mistkot

    Vorbei sind die Zeiten, in denen sie Polizei sich einer besonderen Verantwortung wähnte, die Gesetze, die sie selbst durchsetzt auch einzuhalten.
    Im Gegenteil: Die Geschichte ist erneut ein Beispiel dafür, dass man von den technischen Möglichkeiten Gebrauch macht, die man zur Verfügung hat, egal ob es angemessen ist oder nicht.

    Die Polizei ist damit eine potentiell kriminelle Vereinigung, die sich kaum von den Kriminellen unterscheidet, die man dingfest machen will. Auch die Kriminellen nutzen die technischen Möglichkeiten eben so, wie sie es für angemessen halten. Der einzige Unterschied ist, dass die Polizei mit dem “Argument” der Zweck heilige die Mittel oder natürlich ihrer vom Staat verliehenen Gewalt kontern kann.
    Rechtsbrüche mit dem Siegel staatlicher Gewalt machen die Dinge aber nicht unbedingt besser……

  • fragender

    die Polizei fahndet wegen nem Skateboard nach dem Typen? das glaube ich nicht, das ist doch bestimmt ein Trick um den Typen beim abholen des Skateboards gleich einzubuchten. So wie der aussieht, hat der doch bestimmt mehr auf dem Kerbholz ….

    nur mal so nen paar gedanken, die sich jetzt wohl viele Mitbürger machen, die den Fahndungsaufruf gelesen haben, oder nur so halb.

  • veri

    Hier erkennt man mal wieder die Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten in GB oder Schweden z.B. hätte niemand ein Problem damit. Die Frage, die sich hier stellt, ist inwiefern der Datenschutzwahn mittlerweile schon abstruse Züge annimmt und Innovationen oder wie hier effektive Hilfe verhindert.

  • John Doe

    @veri: Reden Sie doch keinen Unsinn!

  • zwoologe

    ist nur der versuch die videoüberwachung unseren herzen näher zu bringen. seht all die niedlichen dinge die dadurch möglich werden.

  • veri

    @John Doe: Und mal wieder keine Argumente. Ich habe keine einzige Zeile Unsinn geschrieben. Weder Schweden noch Briten haben ein Problem mit Videoüberwachung. Das weiß jeder, der für ein paar Woche mal in beiden Ländern gewohnt hat.
    Dass bei uns so Sachen wie Facebook, Twitter usw. nicht entwickelt werden, ist kein Zufall. Bei uns muss man selbst als Start-Up ein Rechtsanwalt beschäftigen, um nicht mit den strengen Datenschutzgesetzen in Deutschland in Konflikt zu geraten. Dies kann man sich als Start-Up aber nicht leisten. In den USA hat man da mehr Freiheit.

  • wonko

    @veri:

    Dass bei uns so Sachen wie Facebook, Twitter usw. nicht entwickelt werden, ist kein Zufall.

    Nö. Das ist schlicht gelogen falsch.

  • veri

    @wonko: Was soll daran falsch sein??? Wegen den strengen Datenschutzgesetzen in Deutschland ist es eben nicht sehr leicht auf dem Gebiet der Datenverarbeitungen zu experimentieren, da dies ganz schnell hohe Bußgelder bedeuten kann. Es ist eben auch kein Zufall, dass Facebook Europe in Irland sitzt und nicht bei uns in Deutschland.

  • wonko

    @veri: Falsch daran ist, daß – entgegen Ihrer Behauptung – auch in Deutschland z.B. soziale Netzwerke entwickelt und gehostet wurden und werden.

  • Georg

    Es ist eben auch kein Zufall, dass Facebook Europe in Irland sitzt und nicht bei uns in Deutschland.

    Aber das auch nur, weil es in der EU kein einheitliches Datenschutzgesetz gibt. Klar, als Einfallstor sucht man sich immer die “Schwachstelle” aus.
    Ich habe zumindest die Hoffnung das sich dies in nächster Zeit ändert und sich gleichzeitig das Datenschutzbedürfnis von Privaten und Unternehmen erhöht und so sich Leute nach Europa orientieren, weil sie wissen, dass dort ihre Daten sicherer sind als im Rest der Welt.
    Gut, das wird noch ein wenig dauern, vor allem wenn sich die Regierung nicht ändert, aber hoffen darf man ja noch…

  • veri

    @wonko: Als billige Kopie von Facebook, nachdem alle rechtliche Fragen (durch Facebook) weitgehend schon geklärt waren und mit großen Firmen im Hintergrund, die sich ohne Probleme einen Rechtsstreit mit den Datenschutzbehörden leisten können.
    An einer billigen Kopie von Facebook ist zudem nicht wirklich innovatives dran, wovon ich gesprochen habe, was in Deutschland verhindert wird!
    Start-Ups haben eben kein Geldmittel so einen langwierigen Rechtstreit zu führen, um ihre innovative Idee gegen die Datenschutzbehörden zu verteidigen. Das Startkapitel ist dann aufgebraucht, bevor man durchstarten konnte.

    Sie haben also keine einzige Aussage von mehr widerlegt!

  • veri

    @Georg: Man muss ja das Datenschutzgesetz nicht so lasch machen wie in Irland, aber Deutschland geht hier auch den falschen Weg. Mittlerweile nimmt der Datenschutz in Deutschland schon absurde Züge an.
    Innovationen von kleinen Start-Up-Unternehmen werden oft verhindert, da dies ein enormes Risiko gegnüber den Datenschutzbehörden bedeutet.

  • schredder66

    @John Doe:

    Er redet doch nicht… zumindest hör ich nix.

  • schredder66

    @wonko:

    Also wird der Datenschutz / das Persönlichkeitsrecht nicht tangiert, wenn das Bild des mutmaßlichen Skateboard-Eigentümers nur zu internen (Fanhndungs)Zwecken genutzt wird.

    Erst die Veröffentlichung ist rechtlich bedenklich bis nicht erlaubt…?

  • marcus05

    @veri:

    ” Was soll daran falsch sein???”

    hast du den Satz auf deiner Zwischenablage gespeichert? Das schreibst du in jedem zweiten Beitrag, kleiner Troll.

  • veri

    @marcus05: Ja, habe ich, weil die Piratenjünger heillos damit überfordert sind zu diskutieren. Die können nur sagen “Du Troll”, “Das ist falsch” und “Du lügst!” ohne auch nur im Ansatz ein Gegenargument zu nennen. In der Schule im Deutschunterricht würde so ein Text mit einer glatten 6 bewertet werden, weil noch nicht mal ansatzweise die normalen Regeln einer Diskussion angewendet worden.
    Wie wollen die Piraten aber so Wähler überzeugen, wenn sie es noch nicht mal schaffen ein einziges Argument für ihre Position zu nennen?
    Besonders witzig und putzig kann man das bei den Wahlständen in den Innenstädten der Piraten sehen: Da stehen die Piratenjünger wie eine scheue Herde Rehe in der Ecke und trauen sich nicht einen Bürger anzusprechen und wenn dann mal ein Bürger nachfragt, dann kennen die noch nicht einmal ihr eigenes Wahlprogramm udn wenn man mal kritisch nachfragt, dann kommen keine Argumente für die Position, sondern nur schmollen. Armselig! Kein Wunder, dass die Piraten eine unbedeutende Splitterpartei sind.

  • Nachdenklicher

    Ein Fundbüro ist für die Polizeibeamten wahrscheinlich “#Neuland”…

  • Erna

    Das Beispiel ist harmlos, ja. Die Richtung, die angedeutet wird, ist es nicht.

  • Rainer Zufall

    Nur, weil irgendjemand auf irgendeinem Foto irgendeiner Kamera den gefundenen Gegenstand als erster an sich getragen hat, heißt das ja nicht, dass er deshalb auch der rechtmäßige Besitzer oder gar der Eigentümer sein muss. Oder ist das die berühmte “kriminalistische Erfahrung”?

  • earendil

    @veri: Selbst wenn das in GB oder Schweden niemanden interessieren würde (was, wie so viele deiner Behauptungen, einfach nicht stimmt): Wen interessiert das wiederum? Wofür soll die behauptete Ignorantendichte in anderen Ländern ein Argument sein?

    Wer diese Öffentlichkeitsfahndung herausgegeben hat, muss doch einen an der Waffel haben! Wegen eines schimmligen Skateboards möchte ich mein Bild jedenfalls nicht in der Zeitung sehen. Wäre ich der Betroffene, könnten sich die “freundlichen Beamten” einer Klage sicher sein. Schon damit sowas nicht einreißt.

  • Klaus

    @schredder66: >>Der “sinnvollere” Weg in diesem speziellen Falle wäre tatsächlich gewesen, das Skateboard auf den “Steckbrief” zu drucken, um so den Besitzer ausfindig zu machen.<<

    Nein. Der sinnvollste Weg wäre es gewesen es einfach zur Fundstelle zu geben: http://www.muenchen.de/verkehr/oeffentlicher-nahverkehr/service/fundsachen.html

    Jeder sollte doch wissen, dass er bei verloren gegangenen Sachen dort nachfragen kann. Wenn der Besitzer das nicht schafft, der legt offensichtlich keinen Wert auf sein Skateboard, so dass es versteigert werden kann.

  • NahDran

    Und die Dauerpropaganda durch Pappkamerad “veri” geht weiter…

  • pirx

    Am Skateboard sind doch bestimmt DNA-Spuren.
    Da hätte man doch einfach nur alle nicht-Gehbehinderten im Münchner Umland zur Speichelprobe bitten müssen, und schon wäre mit minimalem Aufwand der Besitzer auffindbar.
    Und dank gespeicherter DNA könnten in Zukunft Fundsachen gleich vom Fundbüro an die Besitzer zugestellt werden.
    Da könnten doch nur Ewiggestrige, Terroristen oder Kinderschänder etwas dagegen haben – oder?

  • Boltzmann

    Seit wann fährt Arjen Robben Skateboard?

  • wstell

    @erforderlich
    Ich würde sagen: nicht richtig.
    Alle Sachen, die in der Bahn verloren werden oder versehentlich liegen bleiben, kommen in den allgemeinen Gewahrsam der Verkehrsgesellschaft. Also: Gewahrsamsbruch. Also: Diebstahl!

  • earendil

    @wstell: Ja, kommen. In den Gewahrsam kommen Verlustsachen doch erst, wenn ein_e Mitarbeiter_in sie an sich nimmt und dem Fundbüro der Verkehrsgesellschaft o. ä. zuführt. Das war aber noch nicht geschehen. Also kein Gewahrsamsbruch. (Würde ich zumindest in meiner Laienlogik so sehen.)

  • Cpfann

    @earendil: falsch, das Verkehrsunternehmen hat automatisch Gewahrsam an allen Dingen in seinen Fahrzeugen, die sich nicht in einer Gewahrsamsenklave der Fahrgäste befinden – genauso, wie der Supermarktbetreiber Gewahrsam an den zum Verkauf bereitgehaltenen Waren hat.