Wer ein herzerwärmendes Kinderbuch über Trauerbewältigung schreibt, gilt gemeinhin als empathisch. Wenn die Autorin den besagten Trauerfall – den überraschenden Tod des eigenen Ehemanns – allerdings kurz zuvor selbst mit einem gepflegten Fentanyl-Cocktail herbeigeführt hat, bekommt die mütterliche Fürsorge einen gewissen Beigeschmack.
In den USA wurde nun die 35-jährige Kouri Richins vom Summit County Court in Utah wegen Mordes schuldig gesprochen. Die Immobilienmaklerin hatte sich bei ihren Geschäften dezent verhoben und saß auf 1,6 Millionen Dollar Schulden. Ihre Lösung für den finanziellen Engpass: Vier heimlich abgeschlossene Lebensversicherungen und ein üppig gepimpter Moscow Mule. Nach Erkenntnissen der Geschworenen servierte sie ihrem Gatten darin das Fünffache einer tödlichen Fentanyl-Dosis. Den Stoff hatte sie zuvor bei ihrer Haushälterin geordert – und zwar ganz ungeniert als das „Michael Jackson stuff“.
Kurz nach dem Ableben ihres Mannes verarbeitete Richins den familiären „Schmerz“ medienwirksam im illustrierten Kinderbuch „Are You With Me?“. Darin lernt ein sympathischer Junge, seine Trauer zu verarbeiten. Ein Plot-Twist mit literarischer Chuzpe, der nahtlos an den Fall der US-Autorin Nancy Crampton-Brophy anknüpft. Diese kassierte 2022 lebenslänglich, nachdem sie ihren Mann für die Versicherungssumme erschossen hatte. Ihr damaliges Romanprojekt trug praktischerweise den Titel „How to Murder Your Husband“. Auch sie hielt sich für kriminologisch unangreifbar, bestellte die Tatwaffe dann aber profan bei eBay.
Auf dem iPhone der Witwe Richins fanden die Beamten entlarvende Google-Suchanfragen wie „Was ist die tödliche Dosis für Fentanyl?“ und „Todesurkunde noch in Bearbeitung, zahlt die Lebensversicherung trotzdem?” und „Können Polizisten (‚Cops‘) gelöschte iPhone-Nachrichten auslesen“?
Das endgültige Strafmaß ist noch nicht festgesetzt.