NOCH SEX TAGE

Wir schalten um in die Wirtschaftsredaktion:

Dem Weltjugendtag („We have come to worship him“) wird in Köln und Düsseldorf mit freudiger Erwartung entgegen gesehen.

Eine Mandantin, die als Prostituierte arbeitet, berichtete diesem Blog exklusiv von den Auswirkungen auf ihr Gewerbe.

Die Zimmer in den Etablissements sollen hoffnungslos überbucht sein; es gibt seit langem mal wieder Wartelisten für spät entschlossene Freiberuflerinnen. Fachkräfte werden bundesweit zusammengetrommelt. Die Privatwohnungs-und Clubszene verstärkt ebenfalls die Belegschaft mit Kolleginnen aus ganz Deutschland und Benelux. Man richtet sich auf verschärften Schichtdienst ein.

Es sollen auch einige Sambatruppen aus Rio angereist sein. Obwohl wegen der Ferienzeit doch eigentlich ziemlich wenige Galaabende und Mottopartys stattfinden. Insgesamt, so verlautet aus der als verlässlich eingeschätzten Quelle, herrscht in der Branche eine Stimmung „wie bei den Taxifahrern am Tag vor Silvester“.

Faktor X ist allerdings die Sorge, dass es bei großen Teilen Weltjugend nicht sonderlich gut um die Kaufkraft bestellt sein könnte. Mit einer Erhöhung des derzeit niedrigen Vergütungsniveaus für einzelne Dienstleistungen wird – auch wegen der enormen Steigerung auf der Angebotsseite – derzeit eher nicht gerechnet.

Wir geben zurück in die langweilige Welt des Rechts.

TAPFER, ÜBERALL

Ein nettes Café. So was hat bislang gefehlt, zwischen Zuhause und Büro. Jetzt ist es aufgetaucht, womit bei einem fünfminütigen Fußweg ja nicht unbedingt zu rechnen war. In dem Eckhaus Klever Straße / Rossstraße, wo bis vor ein paar Jahren ein alter Mann aus einer Luke Flaschenbier und Kicker verkaufte, wartet das „Goldregen“ auf Kundschaft.

Fünf etwas angejahrte Bistrotische, eine opulente, durchgehende grüne Sitzbank. Sonst so ziemlich gar nix, außer einigen aufgekratzten Leuten aus der Nachbarschaft, die dem Wirt offenbar in den Anfangstagen Depressionen austreiben wollen. Und einer Frau, die für ein Stadtmagazin fotografiert. Ich habe tapfer gelächelt.

Aber der Espresso ist o.k., wie der soeben abgeschlossene Test ergab.

Ich drücke jetzt „Veröffentlichen“. Dann fahre ich zum Sport. Mindestens 45 Minuten Kardio hat er mir aufs Auge gedrückt. „Gegen den Bauch.“ Super Sache, einfach mal so die Wahrheit gesagt zu kriegen …

ZWINGEND ?

Das Ausländeramt Düsseldorf behauptet, die Aufenthaltserlaubnis für ausländische Studenten sei auf zehn Jahre begrenzt:

Bei einer Überschreitung der Höchstaufenthaltsdauer schreibt das Aufenthaltsgesetz die Ablehnung der Aufenthaltserlaubnis zwingend vor.

Angeblich soll sich das aus § 16 Aufenthaltsgesetz ergeben. Ich habe die Vorschrift ein paar Mal gelesen. Aber sorry, die erwähnte Höchstdauer kann ich dem Paragrafen nicht entnehmen.

Richtig ist lediglich, dass in den Anwendungshinweisen zum Aufenthaltsgesetz (Vorsicht, fettes PDF) was von zehn Jahren steht. Selbst Verwaltungsvorschriften, um solche handelt es sich noch nicht einmal, können nicht den Inhalt des Gesetzes definieren. Außerdem billigt selbst das Bundesinnenministerium seinen Hinweisen nur „informellen Charakter“ zu; ursprünglich sollten sie noch nicht einmal veröffentlicht werden.

Nach meiner Meinung komm es für eine weitere Verlängerung nur darauf an, dass „der Aufenthaltszweck noch nicht erreicht ist und in einem angemessenen Zeitraum noch erreicht werden kann“. Dafür hätte ich dann sogar ein paar Argumente …

MEIN NAME IST …

Der Wirtschaftsprüfer einer Mandantin bittet mich für den Jahresabschluss um Auskunft über „Verstöße der Gesellschaft gegen geltendes Recht, für die ggf. gehaftet wird“.

Bin kurz weg. Mir meine Rechte vorlesen lassen.

UPPER CLASS

Du hast es wohl mit einem besser gestellten Haushalt zu tun, wenn die männliche Stimme am Telefon höflich fragt:

„Wen darf ich melden?“

SCHLAUES KERLCHEN

In einem Großverfahren müssen sich demnächst 17 Angeklagte wegen (angeblich) groß angelegter Diebstähle verantworten. In einem neuen Beschluss heißt es im Rubrum nun zu einem der Angeklagten:

ausgewandert auf die Bahamas

Ach ja, der war ja auch Student der Rechtswissenschaften.

DIE BLÄGER

Aus Apple’s Dictionary, zitiert nach Laughing Squid:

a weblog: blogs run by twenty-something Americans with at least an unhealthy interest in computers.

(Danke an Thomas Bliesener für den Link)

ES SEI DENN

Kaum bist du mal nicht allein beim Sport, schenkt sie dir doch tatsächlich ein Lächeln. Es sei denn, sie meint den Trainer.

ROTSTIFT ONLINE

Das Provisorium als Abwechslung: Die Heiligenhauser Firma Helbako muss nach eigener Einschätzung mal die Homepage renovieren. Doch dafür ist leider keine Zeit – die aktuellen Kundenprojekte gehen vor.

Allerdings ist schon mal jemand mit dem Rotstift durchgegangen…

Nette Idee, oder?

So, und jetzt verklage ich den Laden :-)

OHNE LEERZEILE

Adressen sollen künftig ohne eine Leerzeile zwischen Straßenangabe und Postleitzahl/Ort geschrieben werden. Das hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) beschlossen, und zwar auf Antrag der Deutschen Post. So berichtet es der Anwaltsreport (Printausgabe 4/2005).

Ich traue mich gar nicht, das ans Sekretariat weiterzugeben. Dort missachtet man ja schon seit Jahren beharrlich meine Bitte, nicht jede Adresse mit „Herrn“, „Frau“ oder sogar „Eheleute“ zu beginnen.