BOTOX-TAG

Ein wenig nervös war ich schon, als ich zum Doktor gebeten wurde, um meine Blutwerte zu besprechen. Auch wegen dieser Kommentare.

Ich wäre gern noch ein wenig im loungigen Wartezimmer geblieben. Freitag ist anscheinend Botox-Tag. Um nicht abzuschweifen beschränke ich mich auf die Feststellung, dass es definitiv Sinn macht, wegen einer vorgeschobenen Kleinigkeit diesen Arzt aufzusuchen – sofern man am Wochenende noch nichts vorhat.

Der Doktor scrollte langsam seinen Bildschirm rauf. Und wieder runter. „Hervorragende Leberwerte, das ist ziemlich ungewöhnlich – in Ihrem Alter.“ Vielen Dank für die Blumen. „Auch ansonsten ist alles deutlich im grünen Bereich. Cholesterin ist o.k. Leicht erhöhte Leukozyten – liegt aber garantiert an der Entzündung der Fingerkuppe.“

Eine schlechte Nachricht gab es aber doch. „Bluttfett ist an der oberen Grenze des Normalen. Da sollten Sie rechtzeitig gegensteuern. Also ab sofort.“

Kein Problem. Ich lasse heute Abend das Pizzataxi. Und gieße mir einen hinter die Binde. Hoffentlich habe ich da nichts falsch verstanden.

70.000

ist die geschätzte Anzahl von Vorschriften, nach denen sich Unternehmer in Deutschland zu richten haben.

(ZEITWISSEN 2/2005, Seite 10)

BEREITET

So richtig verstehe ich den neuen Acrobat Reader nicht:

„Warten Sie, während das Dokument zum Lesen vorbereitet wird.“

Ich drücke bei Seite 2 von 28 eiskalt auf „Abbrechen“ – und kann das Dokument trotzdem lesen. Von vorne bis hinten.

DALLI DALLI

Der Chefredakteur des Handelsblatts über Joschka Fischer:

Mit seiner Arroganz hat der Bundesaußenminister sein Amt erst zum Kuschen gebracht und nun zur Rebellion getrieben. Alle Dinge, die ihn jetzt unter Druck bringen, sind das Resultat einer arroganten Missachtung der Wirklichkeit und jener Menschen in seinem Wirkungskreis, die mit wirklichen Erfahrungen ideologische Vorgaben falsifizieren. Fischers Hochmut zeigt sich selbst jetzt noch im politischen Fall.

Kleine Aufgabe: Ersetze Bundesaußenminister / Fischer durch jedes andere Kabinettsmitglied. Schily? Trittin? Eichel? Schließe den Bundeskanzler nicht aus.

(Teilnahmeberechtigt sind alle Leser mit Ausnahme von Nico Lumma)

WAS ES NICHT ALLES GIBT

Das Amtsgericht Lübeck hat einen Finanzbeamten wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung verurteilt. Der Mann hatte gegen Geld falsche Steuererklärungen ausgearbeitet und sie dann als Finanzbeamter abgesegnet.

(Urteil vom 24. Oktober 2003, 75 Ds 720 Js 9029/03)

SKLAVEREI ETC.

Seit dem 18. Februar 2005 gibt es diese Vorschrift im Strafgesetzbuch:

§ 233 Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft

Wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer Beschäftigung bei ihm oder einem Dritten zu Arbeitsbedingungen, die in einem auffälligen Missverhältnis zu den Arbeitsbedingungen anderer Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer stehen, welche die gleiche oder eine vergleichbare Tätigkeit ausüben, bringt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer in Satz 1 bezeichneten Beschäftigung bringt.

So muss das 21. Jahrhundert klingen – in den Ohren eines hypertrophen Gesetzgebers.

BESSERE ERKENNTNISSE

Sehr geehrter Herr Vetter,

vielen Dank fuer Ihre Nachricht. Mitterweile habe ich bessere Erkenntnisse der Sachlage und habe mich entschlossen, die gerichtliche Auseinandersetzung mit meinem Arbeitgeber nicht weiter fortzusetzen. Daher moechte ich Sie bitten, die Klage in meinem Namen zurueckzunehmen. Teilen Sie mir bitte die Hoehe Ihres Honorars mit.

Da wurde offensichtlich jemand vor die Wahl gestellt.

RAUER TON

„DU BIST EIN HURENSOHN UND DEINE FRAU DIE FICK ICH AUCH“

Diese Botschaft schickte ein Azubi im dritten Lehrjahr per SMS an seinen Ausbilder, einen Gebäudereinigermeister. Das Arbeitsgericht Iserlohn hält die fristlose Kündigung nicht für gerechtfertigt, das heißt der Auszubildende muss weiter beschäftigt werden.

Begründet wird das Urteil unter anderem mit dem Hinweis, dass im Gebäudereinigerhandwerk ein rauerer Umgangston herrscht als in den Geschäftsräumen einer Bank.

Die Entscheidung ist hier veröffentlicht. Einige Anmerkungen dazu in den Lichtenrader Notizen.

KANN NICHT ZAUBERN

Tja, was sagt man Eltern, die total verzweifelt vor einem sitzen und hoffen, dass man ihren 16-jährigen Sohn aus dem Knast holt? Wäre vielleicht besser gewesen, wenn sie gekommen wären, bevor das Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung rechtskräftig geworden ist.

Aber ich konnte ihnen noch einen kleinen Lichtblick mitgeben. Wir arbeiten jetzt intensiv daran, dass der Junge nach der Hälfte seiner Haftstrafe Bewährung bekommt. Ist zwar schwer, aber nicht unmöglich.

Den größten Teil muss aber der Betroffene selbst beitragen. Bislang hat er sich jedenfalls noch kein Bein gestellt. Sein Sozialarbeiter bescheinigt ihm tadellose Führung.

ZUSAGEN

„Ich habe heute Geld bekommen vom Arbeitsamt. Ich überweise Ihnen dann heute was.“

Den Satz höre ich heute schon zum zweiten Mal. Sonst kenne ich das nur vom 1. des Monats. Wahrscheinlich ist die Agentur für Arbeit mal etwas früher dran.

AUSKUNFT

Einfach mal anrufen schadet nur in den seltensten Fällen:

Ich wollte mich erkundigen, wie es in unserer Sache steht.

Momentan sitze ich gerade über dem Abschlussbericht. Das ist doch eine ganze Menge Material, das sich da angesammelt hat.

Ach so, dann kann es noch etwas dauern, bis wir Näheres wissen?

Sie kriegen den Bericht auf jeden Fall zur Stellungnahme übersandt. Das Gesetz nehmen wir hier sehr genau.

Eine Stellungnahme gebe ich aber nur ab, wenn es schlecht für uns ausgeht.

Also, so viel kann ich schon mal sagen, dass Sie für Ihren Schriftsatz dann nicht viel Zeit verplanen müssen.

116 116

Ab Juli 2005 soll es in Deutschland einen einheitlichen Sperrnotruf für Kredit- und Scheckkarten, aber auch für Onlinemedien, Handy- und Krankenkassenkarten sowie sonstige Mitgliedschaften geben.

Die Rufnummer wird 116 116 lauten. Auch ein Online-Zugriff soll möglich sein.

Das System funktioniert aber nur bei Anbietern, die mit dem Trägerverein eine Vereinbarung schließen. Auch die Abfragedaten werden nicht einheitlich sein. Denn nach den Informationen auf der Homepage wird die Sperrmeldung direkt an den jeweiligen Anbieter geleitet; dieser fragt dann nach seinen eigenen Kriterien persönliche Informationen ab.

(Link gefunden bei der Kanzlei Dr. Bahr)

FEINABSTIMMUNG

Die Welt berichtet darüber, wie im Auswärtigen Amt Beamte gezielt auf ihre Zeugenaussagen vor dem Landgericht Köln vorbereitet wurden. Die Beamten waren im 1. Visa-Verfahren vorgeladen, um über die Bewilligungspraxis in den Auslandsvertretungen Auskunft zu geben.

Laut der Zeitung soll ein renommierter Strafverteidiger im Auftrag der Bundesregierung die ersten Vernehmungen beobachtet haben. Anschließend habe er dann die Beamten, die noch auf der Liste standen, im Sinne des Dienstherren gebrieft („Schaden von der Bundesregierung abwenden“).

Unter anderem soll den Zeugen genau erklärt worden sein, welche Themen das Landgericht Köln besonders interessieren und mit welchen Fragen sie zu rechnen haben.

Die Welt kann natürlich nur die Sachen zitieren, die ein Teilnehmer der Besprechung pflichtbewusst in einem Protokoll festgehalten hat. Ob noch andere Dinge zur Sprache kamen oder möglicherweise sogar Druck ausgeübt worden ist, kann also nicht gesagt werden. Spätestens da würde es aber auch sehr, sehr heikel werden.

(Link gefunden im R-Archiv)