Vermummung mit einer Regenhose
Der große Bluff
Falls jemand mit ein paar Zeilen 4.444 Euro einheimsen will, empfiehlt sich die Teilnahme am micromovie Award. DAS VIERTE sucht das beste Drehbuch für einen 100-Sekunden-Film. Thema: „Der große Bluff“.
Eine Idee habe ich schon. Mal sehen, ob ich mich aufraffen kann.
Irgendwas ist immer
Ich muss der Reinigungskraft mal wieder einen Zettel auf den Küchentisch legen:
Frau G.,
bitte werfen Sie keine Asche oder Zigarettenkippen vom Balkon.
Nachbarn haben sich beschwert.
Unsere Mandantschaft
„Da unsere Mandatschaft nun in die Situation gesetzt ist, sich anderweitig bewerben zu müssen, wird der Erteilung eines Zeugnisses bis zum 11. Juni 2008 entgegengesehen.“
In solchen Fällen schlage ich vor, die Mandantschaft möge einen Entwurf übermitteln, wie das zu erteilende Zeugnis gestaltet sein sollte. Dadurch lässt sich nämlich vermeiden, einem unerquicklichen Streit entgegenzusehen.
Umfragen
Seminararbeit, Diplomarbeit, Doktorarbeit. Ich habe allein seit Ende letzter Woche elf Anfragen erhalten, ob ich nicht an einer Umfrage über Weblogs teilnehmen möchte. Früher habe ich ab und zu mal Kreuzchen gemacht oder Fragen beantwortet. Aber in der Masse ist das nicht mehr zu bewältigen.
Ich werde also solche Anfragen nicht mehr beantworten. Übrigens auch aus dem Grund, weil praktisch nie ein Feedback kommt. Eine Kopie der Arbeit oder Veröffentlichung, zumindest eine Zusammenfassung der Ergebnisse wäre doch ganz nett. Manche sagen das sogar mit warmen Worten zu, von ihnen gehört habe ich aber nichts mehr.
Berührungsängste
Sehr geehrte Damen und Herren,
infolge einer Straßenumbenennung durch das Bezirksamt Berlin-Kreuzberg-Friedrichshain ist die Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt worden. Den Mietern des GSW-Hochhauses, in dem sich auch die Büroräume der Bundesingenieurkammer befinden, wurde angeboten, wahlweise unter der Adresse „Rudi-Dutschke-Straße“ oder der Seiteneingangsadresse „Charlottenstraße“ zu firmieren.
Der Vorstand der Bundesingenieurkammer hat sich einstimmig für die Adresse „Charlottenstraße“ entschieden. Die neue Anschrift der Bundesingenieurkammer lautet daher ab sofort:
Bundesingenieurkammer
Charlottenstraße 4
10969 Berlin
Besucher der Bundesingenieurkammer können wie bisher beide Hauseingänge benutzen.
Mit freundlichen Grüßen
RA B.
stellv. Geschäftsführer
(Danke an RA Karsten Voigt für den Hinweis)
Tut nicht weh
Die Preise sind zwar unschön, aber ansonsten kann ich mich heute bislang nicht über die Bahn beschweren. Der ICE fuhr auf die Minute pünktlich in Düsseldorf ab, und er kam auf die Minute pünktlich in Ulm an. Der Anschluss nach Ravensburg war mit sechs Minuten eher knapp, klappte aber reibungslos.
Auf der Rückfahrt (ich sitze im ICE ab Ulm) bisher ebenfalls keine Sekunde Verzögerung. Ich bin beeindruckt. Übrigens auch deswegen, weil man praktisch auf der ganzen ICE-Strecke online sein kann.
Noch was: Ich fahre zweiter Klasse. Tut überhaupt nicht weh.
Wie das so läuft
Ich versuche gerade, eine Junge Dame in Baden-Württemberg vor der Abschiebehaft zu bewahren. Der zuständige Polizeibeamte ist außerordentlich freundlich. So kommt man halt ins Gespräch darüber, wie das läuft, mit den verfälschten holländischen Pässen, der „unerlaubten Erwerbstätigkeit“ und dem Druck auf die Familie im afrikanischen Heimatland.
Ich fand es sehr geschickt, wie er zwischendurch fragte, woher ich denn überhaupt so schnell von der Verhaftung wisse und wer mich beauftragt hat. Er hat dann aber doch nicht ernsthaft erwartet, dass ich ihm jetzt nähere Angaben mache. Jedenfalls hat er sich nichts anmerken lassen, als ich seine Frage überging.
Was natürlich nicht heißt, dass ich ihm was Relevantes hätte sagen können.
Bahntarife
Eine Zugfahrt Düsseldorf – Ravensburg – Düsseldorf kostet in der 1. Klasse 372 Euro. Ich stelle das nur mal fest.
Fällt auf
Mein Zweit-Fitnessstudio hat heute den Monatsbeitrag doppelt abgebucht. Da die Buchungen direkt untereinander stehen, wird’s wohl ein Versehen sein. Das fällt nämlich auf, sogar mir.
Links zwei – fünf – drei
Immer die gleiche Leier
„Da es sich um einen Privatverkauf handelt, ist eine Rücknahme nicht möglich.“
Als Privatverkäufer kann sich jeder fühlen. Ob er es ist, steht auf einem anderen Blatt. Ein paar Dutzend Gasthermen, in wenigen Wochen über ebay verkauft, sehen doch eher gewerblich aus.
Außerdem ist die Klausel mehr als dürftig. „Nicht möglich“ klingt eher nach der Wiedergabe einer – falschen – Rechtslage, weniger nach dem Ausschluss von Gewährleistungsrechten. Vom gesetzlichen Widerrufsrecht will der Gegner ohnehin noch nie was gehört haben. Und falls doch, gilt es für ihn nicht. EU-Recht, kennen Sie wohl nicht?
Also die übliche dreiste Masche. Aber später, wenn’s teuer wird, wird dann herzerweichend über die „unnötigen Kosten“ gejammert.
Entstaubt
Am 27. Mai 2005 habe ich gegen ein Urteil des Amtsgerichts Neuwied Berufung eingelegt. Heute, also nach gut drei Jahren, fragt das Landgericht Koblenz, ob die Sache am 5. August 2008 verhandelt werden kann. Ich habe erst mal geguckt, ob da vielleicht 2018 steht.
Dann habe ich meine Sekretärin ins Archiv geschickt, die Akte entstauben. Die Akte war nämlich schon abgelegt.
Bürger von Schäubles Gnaden
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat laut Süddeutscher Zeitung zunehmende Schwierigkeiten damit, dass ein Terrorist den gleichen Schutz des Grundgesetzes genießen soll wie jeder Bürger.
Die Grund- und Verfahrensrechte, die Schäuble bedrücken, gelten nicht für Bürger. Sie gelten für Menschen. Das hat seinen Grund. Früher wurde auch schon gern gelabelt. Juden, Intellektuelle, Zigeuner, Homosexuelle, die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, waren mit einem Mal auch keine „Bürger“ mehr. Die Folgen sind Gegenstand unzähliger Gedenkstunden, bei denen der Innenminister gewöhnlich die Ansprache hält.
Nun also neue Label. Terrorist. Gefährder. Wer das ist, entscheiden – vor einer rechtskräftigen Verurteilung – dann wohl die Bedarfsträger. So werden sie ja jetzt verharmlosend genannt, die künftigen Superpolizisten mit der Lizenz zum Schnüffeln, Ausquetschen und Festsetzen. Ausgerechnet jene, Staatsanwälte und Richter eingeschlossen, welche die Grund- und Verfahrensrechte zu rechtsstaatlichem Handeln veranlassen sollen, sollen über die Anwendung dieser elementaren Rechte entscheiden? Die Kontrollierten setzen die Kontrolle außer Kraft. Wie praktisch.
Dem Bürger bleibt natürlich Vertrauen. Bedarfsträger sind nämlich unbestechlich und unfehlbar. Sie lieben uns alle, sie kämpfen für das Gute. Es wird deshalb schon keine Falschen treffen. Aus diesem Grund hat man auch nichts zu befürchten, so lange man Bürger von Schäubles Gnaden ist.
Und als Mensch zweiter Klasse hat man es halt nicht anders verdient.