SNAFU
Der Kollege Stefan Zeidler präsentiert einen zwingenden Beweis dafür, dass die Staatsanwaltschaft an seinem Kanzleisitz Kassel mit einem bestimmten Betriebssystem arbeitet. Er schickt mir das folgende Zitat aus einem Schreiben der Behörde vom 3. Februar 2005:
“… soweit Sie aus den sich häufenden Systemabstürzen den Rückschluss auf eine Computersabotage des Beschuldigten ziehen, liegt kein Anfangsverdacht vor. Es ist amtsbekannt, dass Systemabstürze nicht notwendigerweise auf vorsätzliche Sabotageakte zurückzuführen sind. Es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, dass auf sämtlichen Computeranlagen jederzeit aus nicht immer nachvollziehbaren Ursachen entstehen kann.”
Das heißt also, daß man bestimmte Betrübssysteme sabotieren kann, ohne daß es auffällt? Und daß die Sabotage sinnlos ist?
Hat die StA Kassel auch Probleme mit "dass" und "das"?
"Der Anfangsverdacht für einen Mord ist nicht gegeben. Es ist bekannt, daß Menschen ab und zu tot umfallen"
Systemabstürze hängen gerade in diesen Monaten nicht unbedingt an Betriebssystem (wenns nicht grade Windows 98 ist) und Sabotage (gehört Win98 auch zu der Kategorie?) als vielmehr an Überhitzung, schlechter Belüftung total überfrachteter Hardware, defekten RAM-Riegeln oder Kondensatoren.
Bei meinem vorletzten Arbeitgeber, in Kassel, mussten wir nach 9 Jahren uptime, ununterbrochen, die Festplatte austauschen, da sie einen Headcrash hatte. Als der Rechner installiert wurde wussten die meisten Menschen noch nicht einmal was Fenster ist. Ich nehme fast an, dass die Staatsanwaltschaft noch terminalbasiert unter DOS 5 arbeitet. Das war in der Tat grottig. Ok, genug Nerdgesülze.
Naja, die Aussage der StA kann jederzeit widerlegt werden (MacOS X, Linux, *BSD, AIX, Solaris, …). "Auf sämtlichen Computersystemen" ist jedenfalls Humbug erster Sahne.
Das ist ja das schöne, daß ein einziger Gegenbeweis reicht, um die Aussage ungültig zu erklären.
Lustig.
Wie will jemand, der nicht einmal den Sinn der Aussage des Gerichts versteht, Ursachen für Abstürze nachvollziehen können?
q.e.d.
Betriebsysteme sind wie Bibeln: jeder glaubt, die richtige Religion zu besitzen (wenn "jeder" sein Betriebsystem selbst wählen darf und es nicht von der Administration aufs Auge gedrückt bekommt).
Z.B. läuft das Netzwerk hier mit Novell. Wenn irgend ein Schlaumeier kommt und will die zu Micro$oft-Server umfrickeln, kündige ich. Uptime des einen Servers 730 Tage, 9 Stunden. Das Teil musste vor 730 Tagen runtergefahren werden, weil im Rahmen eines Neubaues der Strom für längere Zeit abgeschaltet wurde. Aus dem gleichen Grund wurde der andere Server mit einer Uptime von 333 Tagen 2 Stunden vom Netz genommen.
@5: sooo schlecht waren die DOS-Programme nun auch nicht. Wenn ich sehe, wie sich eine M$-Access-Datenbank aufbläht, im Gegensatz zu einer DOS-Datenbank (OpenAccess4), dann wird mir manchmal schlecht :-(
Aber auch hier: genug generded
@Alix
Macht Ihr Admins eigentlich für jeden Tag "Uptime" eine Kerbe in den Türrahmen? ;-)
@9: Noe, sicher nicht, sonst waere ja recht bald kein Tuerrahmen mehr da – Zumindest bei einem Server mit einer "richtigen" OS… SCNR :-)
Hmm… 68 Tage Uptime mit nem Debian Woody. Man sollte allerdings die 497,x Tage bevor der Zähler übergelaufen ist dazu rechnen ;-)
Eigentlich bin ich ja kein Uptime-Fetischist, aber es gilt 3 Jahre unter Novell meines Kollegen zu toppen.
@Martin: ich bin zum Fensterrahmen übergegangen weil der Türrahmen voll ist 8)
Jaja, Uptimejunkies… leider ist das bei einem echten, produktiven AIX-System nur theoretisch. Insbesondere die Securityfixes kommen so oft und erzwingen einen Reboot, dass wir auf kaum mehr als 90 Tage gekommen sind.
“… soweit Sie aus den sich häufenden Systemabstürzen den Rückschluss auf eine Computersabotage des Beschuldigten ziehen, liegt kein Anfangsverdacht vor. Es ist amtsbekannt, dass Systemabstürze nicht notwendigerweise auf vorsätzliche Sabotageakte zurückzuführen sind. Es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, dass auf sämtlichen Computeranlagen jederzeit aus nicht immer nachvollziehbaren Ursachen entstehen kann.”
Puh, als Software- und System-forensiker kann ich nur hoffen, dass diese Art der Logik nicht auf andere Bereiche übertragen wird.
(1)
> soweit Sie aus den sich häufenden Systemabstürzen den Rückschluss
> auf eine Computersabotage des Beschuldigten ziehen, liegt kein
> Anfangsverdacht vor:
Stimmt: Die Anzahl der Abstürze begründet keinen Anfangsverdacht, sondern allenfalls die nach einer Analyse festgestellte Ursache der Abstürze.
(2)
> Es ist amtsbekannt, dass Systemabstürze nicht notwendigerweise
> auf vorsätzliche Sabotageakte zurückzuführen sind.
"amtsbekannt" klingt wie "ich habe keine grosse Lust, eine (sonst notwendige) technische Begründung zu erstellen"
(3)
> Es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, dass auf sämtlichen
> Computeranlagen jederzeit aus nicht immer nachvollziehbaren
> Ursachen entstehen kann.
Durch oben genannte Rhetorik vorbereiteter, falscher logischer Schluss. Software- und Hardwarefehler können zwar auf allen Systemen (wider aller Polemik auch auf BDS, Linux, etc.; wenn auch deutlich seltener) unangekündigt auftreten. Ob die Ursachen nachvollziehbar sind, ist allerdings — bis auf extrem wenige Ausnahmen — eine Frage der Mühe, die man bereit ist, auf sich zu nehmen.
Spätestens bei wiederholten Abstürzen lassen sich geeignete Monitoring-Maßnahmen treffen, so dass man der Sache auf den Grund gehen kann. Das ist halt nur teuer.
Hier wird der heimliche Versuch gemacht, teuer / aufwendig mit unmöglich zu vertauschen.
Das ist, wie die Argumentation, das SEK sei unmöglich bei Brieftaschenraub einsetzbar. Ist halt nur unwirtschaftlich, aber nicht unmöglich.
Ich denke doch auch, dass es für jeden Absturz (wie für alles andere "Unerklärliche" auf dieser und anderen Welten) eine "nachvollziehbare Ursache" gibt: Windows ;)