9.6.2006

ZWISCHEN DEN SPIELEN

Als ich vorhin noch ins Sportstudio ging, schnarchte der geringfügig Beschäftigte am Tresen. “Vier – mit dir”, vermeldete er auf meine besorgte Frage, ob vielleicht schon zu ist. “Normal sind um die Zeit so um die 120 Leute”, fügte er unaufgefordert hinzu. Es war deutlich herauszuhören, welche Gruppierung er für bekloppter hält. Liegt vielleicht auch daran, dass ausgerechnet im Empfangsbereich kein Fernseher von der Decke hängt.

Nach und nach wurden es aber doch noch ein paar mehr. Nur polnisch war heute nicht zu hören, nicht mal im Hantelbereich. Ich riss brav meine Pflichtdreiviertelstunde auf dem Stepper ab, als ein Trainer die TV-Galerie in Augenhöhe mit der Fernbedienung komplett auf ZDF schaltete. Das Coolste aber war, dass er sogar die Hallenbeschallung änderte. Thomas Wark statt Beyoncé – das gibt’s auch nur alle vier Jahre.

Du konntest fühlen, wie die drei, vier Mädels, die auf den Steppern festgewachsen sind, in Sekundenbruchteilen verkrampften. Unverschämtheit, da flüchtet man schon vor Männe und seinem Fußballwahn, und dann atmet das ganze Studio plötzlich Polen gegen Ecuador. Selbstverständlich blieb es bei bösen Blicken, dann senkten sie ihre Nasen wieder in die Gala.

Beim Rausgehen hätte ich noch Gelegenheit gehabt, bei einem Tippspiel mitzumachen. Wer eins, drei oder alle (so genau habe ich es nicht verstanden) Spiele richtig tippt und Deutschland Weltmeister wird, kann einen Gutschein gewinnen. Gegenwert: ein Eiweißriegel. Ich winkte dankend ab mit dem Hinweis, dass ich dringend nach Hause muss, um die spannende zweite Halbzeit auf dem Sofa zu genießen.

Das war natürlich gelogen, wie man an diesem Bericht sieht. Den schreibe ich allerdings auch nur, weil das leckere Pizzataxi um 23 Uhr schließt und ich mich ablenken muss. So was Dekadentes ist nämlich noch so lange tabu, wie ich mit Daumen und Zeigefinger Speckröllchen am Bauch produzieren kann.

Und jetzt zum Salat.

17 Kommentare zu “ZWISCHEN DEN SPIELEN”

  1. Sebastian Kayhs meint: (9.6.2006 um 23:57) AntwortenReply to this comment

    Guten Appetit. Same here. Brauch aber noch länger ;-)

  2. Matt meint: (10.6.2006 um 00:37) AntwortenReply to this comment

    Die Idee ist nicht schlecht: Statt vier Wochen lang auf der Couch seinen Bauch anwachsen zu sehen, könnte man sich ja auch viele Spiele auf dem Stepper zu Gemüte führen. Nur mit einem solchen Anreiz (bisher: Formel 1) schaffe ich es übrigens, mich diesem Folterinstrument überhaupt derart lange auszusetzen. Australien-Japan morgen sieht aus wie der ideale Anfang.

  3. otaku meint: (10.6.2006 um 04:32) AntwortenReply to this comment

    So, so Gewichtsprobleme….
    Na dem kann abgeholfen werden…
    Hier sind noch ca. 25 m3 Holz zu hacken und zu tranportieren.
    800 Meter weit.
    Durch Sumpf.
    Ueber 2 Fluesschen.
    Von Hand.
    Und schön stapeln.

    ;-))

  4. Examenskandidat meint: (10.6.2006 um 04:48) AntwortenReply to this comment

    Wenn Dir der Salat mal zum Hals raushängen sollte: Ich hab mit den Rezepten aus der Brigitte-Diät etliche Pfunde verloren – und geschmeckt haben die meisten auch :-).

  5. Torsten meint: (10.6.2006 um 05:37) AntwortenReply to this comment

    Also bei uns im Fitnessstudio haben wir sogar einen TBC-Step-Infro mit 2 Männern und vier Frauen zusammenbekommen.

  6. marcc meint: (10.6.2006 um 07:51) AntwortenReply to this comment

    > Als ich vorhin noch ins Sportstudio ging,

    Das klingt in Zeiten einer ausgiebigen Sportberichterstattung so, als würde RA Vetter gleich interviewed. ;-)

  7. Gerhard meint: (10.6.2006 um 08:47) AntwortenReply to this comment

    Meine Frau und ich machen pro Tag 2×30 Minuten Ergometertraining mit Pulskontrolle. Dabei schauen wir uns Wissens-DVD's an, z.B. gerade ist Vera Birkenbihl mit Lernen und Lehren dran. So kann ich das notwendige Training mit Lernen verbinden. Dieses geht aber nur eingeschränkt in einem Studio, da man als Teilnehmer nur wenig Einfluß auf das Videoprogramm hat. Allerdings müßte es mit Hörbüchern oder Lernkursen auch funktionieren.

    Im Sportstudio mache ich nur schwere Hantelarbeit, das dauert maximal 30 Minuten pro Woche. Außerdem muß ich mich dabei so konzentrieren, daß ich alles andere nicht mehr mitkriege. Da bin ich absolut asozial :-).

  8. M. meint: (10.6.2006 um 10:14) AntwortenReply to this comment

    @7: Wenn ich Sport mache, dann auch um den Kopf frei zu kriegen, also gut anderthalb Stunden aufs Rennrad und 50km abgeradelt.

    Pulskontrolle ist IMHO bei gleichmäßiger Belastung unnötig: Idealpuls ist der bei dem man nach den anderthalb oder zwei Stunden noch nicht tot vom Rad fällt, aber dennoch das Gefühl hat, etwas getan zu haben. Als Kontrolle dient bei mir eher die Durchschnittsgeschwindigkeit.

  9. Rowerle meint: (10.6.2006 um 10:34) AntwortenReply to this comment

    hmmm, da hatten wohl viele ("eins, zwei, drei, viele") gestern Abend solche Ideen.
    Ich habe mich so kurz gegen 20:45 entschlossen, etwas 'radeln' zu gehen. Ich kann mich nicht erinnern, freitags abends um diese Uhrzeit im Öcher Wald und auf dem Dreiländereck so wenig Publikum erlebt zu haben. Es war richtig entspannend – und nur eine "Tret-Hupe" lief leinenlos herum – echt entspannend.

  10. jörg meint: (10.6.2006 um 12:51) AntwortenReply to this comment

    Statt Beyoncé hätt ich mir sogar freiwillig den Werner Hansch angetan…

  11. Dietrich meint: (10.6.2006 um 13:51) AntwortenReply to this comment

    @Udo: kannst Du mir mal erklären, wofür ein Sport'Studio' gebraucht wird? Kauf Dir ein ordentliches Fahrrad – das Ding wird nicht billig sein – wenn Du Dich beschwatzen lässt. Kaufst Du Dir was Vernünftiges – ab 500 Euro bekommst Du schon ein brauchbares Teil.
    Achte beim Kauf aufs Gewicht, Felgen, Bereifung und – ganz wichtig: auf die Bremsen. Und dann sollte das Radl eine Kettenschaltung besitzen – die ist während einer Fahrt feiner einzustellen als eine 7-Gang Nabenschaltung, erfordert allerdings mehr Pflege – und schon ist das nächste Ding angesagt: mach es selbst. Dann wird von Deinem Körper Flexibilität verlangt: der Rücken muss gekrümmt werden, die Hände werden gebraucht, die Knie müssen mal ihre Leistungsfähigkeit beweisen – und werden trainiert.
    Kauf Dir ein Radl.
    Dieser Tip ist kostenlos, weil heute Sonnabend (Samstag) ist. :-)

  12. Rudi meint: (10.6.2006 um 14:02) AntwortenReply to this comment

    Ei, ei, ei, was haben wir denn da: Illegales Glückspiel… Na wenn das die Kollegen von der StA wüßten ;-)

    Ich wurde bei McDonalds um sieben mit "Hurra, ein Kunde" begrüßt. Normal ist es um die Zeit rappelvoll…

  13. Gonzo meint: (10.6.2006 um 14:08) AntwortenReply to this comment

    Ja biken is echt gut, ich hab mir ein Sportrad geholt nachdem ich mit Herzklabastern 2 Tage Krankenhaus hatte (war aber nix ausser Stress und 0 Kondition). Kommt wesentlich cooler als doofes Joggen weil man schneller ist und das mehr Spass macht :)
    Ich hab 2002 so ca. 900 dafür ausgegeben und das Ding is immer noch wie am ersten Tag (trotz regelmässiger Benutzung!), kein Klappern, Quietschen und Schaltung flutscht.

  14. Volker meint: (10.6.2006 um 14:28) AntwortenReply to this comment

    @11
    Es ist einfach ein geiles Gefühl, beim schweren Hanteltrainig an seine körperlichen Grenzen (und darüber) zu gehen. Bis zum totalen Muskelversagen zu trainieren, und danach für eine halbe Stunde den "Pump" zu genießen. Ich kann gut verstehen, dass Udo diese Sportart gewählt hat.

  15. Lifelines meint: (10.6.2006 um 17:53) AntwortenReply to this comment

    Hallo erstmal.

    Ich hatte bis heute totale Vorurteile gegen Juristen und deren Gruppen bzw. Untergruppen. Ich habe deinen Blog im Internet gefunden und bin absolut angenehm Überrascht.

    Du schreibst sehr nah und so wie es man eigentlich von einem Juristen nicht gewohnt ist: so das man es auch versteht.
    Super echt toll das ich dich und deine schreibereien gefunden habe. Mich interessiert es was du so erlebst in deinem Job.

    (ja ich weiß der Kommentar hat nichts mit dem Artikel zu tun, aber irgendwo muss ich es ja schreiben oder??)

    I`ll come back

    Lifelines

  16. Dietrich meint: (10.6.2006 um 18:47) AntwortenReply to this comment

    @14 Volker:
    glaubs mir: im richtigen Terrain musst Du ans Eingemachte, wenn Du mit dem Radl unterwegs bist und nicht die Räder kullern lässt.
    Und wenn Du einen 16jährigen Sohnemann hast, der 'mitzieht' und sich und mir was beweisen will. Umgekehrt natürlich auch: ich will Sohnemann mal zeigen, dass ein 'alter Herr' auch noch was drauf hat. Das machen wir im http://www.osnabrueck.de/buga2015/21823.html Piesberg, da gehts ordentlich zur Sache.
    Ich möchte nicht verschweigen, dass anschließend ein Bierchen angebracht ist, um wärend der Verschnaufpause nicht auszutrocknen :)

  17. Armin meint: (12.6.2006 um 09:10) AntwortenReply to this comment

    @U.V.: Geht mir ähnlich, seit September05 22Kg verloren. Dank viel Salat und wenig Süssigkeiten, etc.
    Übrigens, gebratene Pilze und Speckwürfel, oder gebratene Zwiebeln und Hühnerbruststreifen auf den Salat, schmeckt wunderbar und solange der grösste Anteil aus Salat besteht, ist das Ernährungstechnisch auch akzeptabel!

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