16.11.2006

Mord in der Jugendstrafanstalt

Von EBERHARD PH. LILIENSIEK

Der Tod des 20-jährigen Häftlings in der Jugendhaftanstalt Siegburg war ein von den drei anderen Zellen-Insassen geplanter Mord von grausamsten Ausmaß, der von mehren Gefängniswärtern trotz Alarmierung nicht verhindert wurde. Das ist das Ergebnis eines Berichts, den Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel veröffentlichte: „So viel Brutalität habe ich noch nicht erlebt”, sagte er in Bonn und wertete: „So etwas darf eigentlich nicht vorkommen”.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Mordkommission haben die drei 17-, 19- und 20-Jährigen am vergangenen Samstag gegen Mittag schlichtweg beschlossen, ihren Mithäftling zu töten und die Tat als Selbstmord zu tarnen. Sie zwangen das Opfer, zwei Abschiedsbriefe zu schreiben, vernichteten die aber später. Sie misshandelten den 20-jährigen mit massiven Schlägen, benutzten dabei ihre Hände, Fäuste und Werkzeuge. Sie zwangen das Opfer, Wasser mit scharfem Pulver und Salz zu trinken und eine Tube Zahnpasta zu essen.

Als der 20-Jährige sich erbrach, musste er aus der Lache essen, aus dem Halter der Toilettenbürste eine Mischung von Urin und Spucke trinken. Das Opfer wurde mit Gewalt dazu gebracht, sich mit sexuellen Handlungen selber schwer zu verletzen. Nachdem der junge Mann von den Tätern mehrfach geschlagen worden war, sollte er erhängt werden. Weil innerhalb von zwei, drei Stunden verschiedene Kabel rissen, hingen die Täter den 20-jährigen an geknüpfte Bettlakenstreifen, die sie nach eineinhalb Minuten vom Hals lösten und den Bewusstlosen mit Schlägen zu Bewusstsein brachten. Kurz darauf erhängten sie ihn.

„Die Vorfälle in der Zelle sind von dem im Haus anwesenden Justizvollzugspersonal nicht erkannt worden“, sagte Oberstaatsanwalt Apostel lapidar. Er räumte aber ein: Wenigstens zwei Beamte haben bei dem Versuch, das Leben des Opfers zu retten, versagt. Der 20-Jährige hatte einen Rufknopf gedrückt. Der Beamte hielt aber eine Überprüfung nicht für notwendig, weil er sich von den drei Täten einen über die Gegensprechanlage einen „Fehlruf“ vorgaukeln ließ. Weil andere Gefangene sich über Lärm beschwert hatten, wollten Beamte später die Zelle kontrollieren, ließen sich aber abwimmeln und glaubten an „das Verrücken von Möbeln“.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat beim Amtsgericht Siegburg Haftbefehle gegen die drei Beschuldigten beantragt. Sie geht von der vollendeten Tötung eines Menschen aus Mordlust aus, von versuchtem Mord davor in drei Fällen, von vierfacher gefährlicher Körperverletzung, sexueller Nötigung und Vergewaltigung in zwei Fällen.

Wolfgang Neufeind, der Leiter der Jugendhaftanstalt Siegburg, rühmt das Haus im Internet: „Im Zentrum der Arbeit mit den Gefangenen stehen die schulische und berufliche Bildung – einschließlich der arbeitsmarktgerechten Entlassungsvorbereitung – sowie das Erlernen sinnvoller Beschäftigung in der Freizeit.“ Sein Grußwort klingt nach dieser Katastrophe zynisch. Neufeind hat sie nicht einmal kalkuliert. (pbd)

47 Kommentare zu “Mord in der Jugendstrafanstalt”

  1. Christoph meint: (16.11.2006 um 11:10) AntwortenReply to this comment

    Schon arg das ganze, wenn man bedenkt, dass der Inhaftierte dem Schutze des Staates unterstellt war und eine Unterbringung in einer Gemeinschaftszelle eigentlich dem Schutze des (labilen) Inhaftierten dient.
    Ich habe eine Frage zur verfahrensrechtlichen Seite – wieso muss die StA Haftbefehl beantragen? Die Täter sind doch schon in Haft?!?

  2. ckd meint: (16.11.2006 um 11:14) AntwortenReply to this comment

    Motiv Mordlust? Vielleicht war es ja was anderes …

  3. n.n. meint: (16.11.2006 um 11:17) AntwortenReply to this comment

    @ 1

    das ist die sog. überhaft. das hat zwei vorteile: der gefangene unterliegt den weitergehenden einschränkungen der u-haft. und zum anderen kommt er auch nicht automatisch raus, wenn die strafhaft endet.

    § 122 strvollzg
    (1) Wird Untersuchungshaft zum Zweck der Strafverfolgung unterbrochen oder wird gegen einen Strafgefangenen in anderer Sache Untersuchungshaft angeordnet, so unterliegt der Gefangene abweichend von § 4 Abs. 2 auch denjenigen Beschränkungen seiner Freiheit, die der Zweck der Untersuchungshaft erfordert. Die notwendigen Maßnahmen ordnet der nach § 126 der Strafprozeßordnung zuständige Richter an. § 119 Abs. 6 Satz 2 und 3 der Strafprozeßordnung gilt entsprechend.
    (2) § 148 Abs. 2, § 148a der Strafprozeßordnung sind anzuwenden.

  4. Thomas meint: (16.11.2006 um 11:17) AntwortenReply to this comment

    Ohne juristische Kenntnisse wuerde ich das vermuten: Ihre gegenwaertige Haft koennte ja beendet werden (U-Haft aufgehoben, schlicht Zeit abgesessen, da gibt es ja einige Gruende) und dann wuerden sie frei kommen, wenn nicht ein weiterer Haftbefehl das verhindert.

    Und die Geschichte ist uebrigens IMHO ein wesentlich groesserer Skandal als wenn jemand sich ohne Aussicht auf eine Flucht fuer nen Tag auf ein Dach setzt. Hier wird aber soweit ich das in den anderen Berichten verstanden habe nichtmal gegen irgendwen der Verantwortlichen im Gefaengnis ermittelt. Das ist noch ein viel groesserer Skandal, als dass keiner der Waerter was gemacht hat. Wie kann es sein, dass jemand stundenlang massiv misshandlet und schliesslich getoetet wird, das aber keiner mitkriegt und das dann nichtmal ne Verletzung der Aufsichtspflicht ist? Was beinhaltet diese Pflicht denn dann bitte?

  5. Hendric meint: (16.11.2006 um 11:48) AntwortenReply to this comment

    Als juristischer Laie frage ich mich, warum man keine Kameras in den Hafträumen anbringt.

  6. ckd meint: (16.11.2006 um 11:55) AntwortenReply to this comment
  7. calcaneus meint: (16.11.2006 um 12:01) AntwortenReply to this comment

    warum nimmt man nicht gleichzeitig die justizbeamten mit in haft? wer seine pflichten im dem masse verletzt. unglaublich.

  8. h meint: (16.11.2006 um 12:03) AntwortenReply to this comment

    @5: ADX bzw. Super Maximum Security prison

    siehe Google Earth: 5880 Highway 67, Florence, Colorado

  9. F.R. (Psycho-Blog) meint: (16.11.2006 um 12:07) AntwortenReply to this comment

    Wenn ich das so lese, bin ich entsetzt. Und muss glaub ich einen Beitrag vom Sonntag korrigieren, was mein bisher positives Bild hiesiger Verhältnisse anbelangt…

    http://www.psycho-blog.net/200611c.htm#12_418

  10. Jens meint: (16.11.2006 um 12:50) AntwortenReply to this comment

    Naja. Solch schreckliche Einzelfälle gibt es immer wieder. Aber verlegt man jetzt alle in Einzelzellen um sowas zu verhindern geht demnächst wieder das Geschrei los wenn sich dann einer allein in seiner Zelle an seinem Bettlaken aufgehängt hat. Und wegen einem solchen Fall soll man jetzt gleich in allen Zellen Videokameras aufhängen und allen Häftlingen in Deutschland jegliche Privatsphäre nehmen?

    Diese Besserwisserei ist meiner Meinung nach unerträglich. Klar wenns abends in einer Zelle rumpelt muss man als Justitzvollzugsbeamter selbstverständlich sofort davon ausgehen das da jemand umgebracht wird, eine harmlosere Erklärung kommt ja nicht in Frage.

    Das erinnert mich immer an die Skandalberichte in den Medien z.B. nach Entführungen. Da gehen zu einem Fall 10.000 Hinweise ein die nach und nach abgearbeitet werden. Nach fünf Tagen bringt dann Hinweis Nr. 5362 einen Fahndungserfolg. Da kann man dann auch darauf wetten das irgendwelche Leute der Meinung sind man hätte doch sofort erkennen müssen das DER EINE der entscheidende Hinweis sei und diesem als erstem nachgehen müssen und das ein Skandal sei das diesem einen Hinweis erst nach fünf Tagen nachgegangen worden sei.

    Hinterher ist man immer schlauer.

  11. Bernhard meint: (16.11.2006 um 13:25) AntwortenReply to this comment

    @5: Zum Glück gibt es keine Kameras in Gefängniszellen. Unsere Verfassung garantiert jedem Bürger ein gewisses Maß an Privatsphäre. So schlimm der mutmaßliche Mord auch sein mag – dies kann doch nicht dazu führen, dass alle Häftlinge rund um die Uhr Videoüberwacht werden. Ein großer Teil der Häftlinge dürfte nicht dazu neigen, Zellenkollegen zu töten.

  12. salcin meint: (16.11.2006 um 13:34) AntwortenReply to this comment
  13. A. John meint: (16.11.2006 um 13:36) AntwortenReply to this comment

    @ 5: Als juristischer Laie frage ich mich, warum man keine Kameras in den Hafträumen anbringt.
    Weil das vermutlich den Prinzipien eines humanen Strafvollzugs widersprechen würde.
    Das Vollzugspersonal ist da in einer Zwickmühle:
    Kontrollieren sie zu gründlich, heißt es sofort Schikane, inhuman, der Rechtsstaat am Abgrund.
    Kontrollieren sie zu wenig und es passiert was, war es Fahrlässigkeit, mangelnde Aufsicht und Pflichtverletzung.

    Gruß A. John

  14. Ronald meint: (16.11.2006 um 13:58) AntwortenReply to this comment

    Ich glaube, dass diese Straftaten einen gewissen Schallpegel erreicht haben müssen und auch nicht ohne gesprochenes Wort vor sich gingen: "Trink Scheisse", "Stirb …", "*uuumpf*, *knall* etc.

    Heutzutage wird jede verdammte SMS, MMS; E-Mail und jedes Telefonat in Text umgesetzt (wenn noch nicht vorhanden) und abgespeichert, aber hier ist sowas unmöglich.

    Ganz ehrlich, wäre ich insasse (warum auch immer) würde ich auch keine Kamera haben wollen. Bewegte Bilder von intimen Situationen wären ein grauss.

    Das akustische Überwachen auf *ungewöhnliche* Geräusche wäre ein erster Ansatz.

  15. RARR meint: (16.11.2006 um 14:05) AntwortenReply to this comment

    Diese unglaubliche Brutalität spiegelt den Zustand unserer Gesellschaft wider. Gewalt unter Häftlingen gibt es schon ewig, das ist nicht wirklich das Bedenkliche. Diese völlig unglaubliche und sinnlose Brutalität ist es, was mir ernsthaft Sorgen bereitet. Angefangen hat das ja bereits mit den bekannt gewordenen Fällen der Gewalt an Schulden, wo sich Gruppen einen Einzelnen herauspicken und oft monatelang gewissenlos und auf brutalste Weise quälen und dann das ganze zum Zwecke der Wiederverwertung auf Video aufnehmen. Wenn ich solche Fälle lese oder sehe, dreht sich mir nicht nur der Magen um, ich bekomme auch ungeheures Mitleid mit den Opfern und Angst um den Zustand unserer Gesellschaft. Ich könnte so etwas nicht einmal ansatzweise, wie können andere Menschen nur so grausam werden? Was ist die Ursache, wie kann man dagegen angehen? Erklärungen wie "er hatte eine schwere Kindheit", "seine Nase zierte ein Furunkel" oder "er ist arbeitslos und hat keine Perspektive" reicht mir da als Begründung nicht mehr aus. Die Häufung der Priklopil's, Mario M's und dieser Mitgefangenen wird immer signifikanter. Dies sind deutliche Warnzeichen, die uns alle eigentlich zu Taten zwingen müssen. Es reicht nicht mehr, dass die drei Gewalten in diesem Staat die Verantwortung wie einen Ball hin- und herwerfen und am Ende außer der Diskussion und der Bestrafung der Täter nichts weiter geschieht. Ich sag's mal deutlicher: ES MUSS ETWAS PASSIEREN!

    Ich habe noch kein Patentrezept, Fakt aber ist, wir können die Gesellschaft nicht so lassen wie sie ist.

    Was denkt Ihr? Was kann man tun?

  16. Martin_mb meint: (16.11.2006 um 14:07) AntwortenReply to this comment

    Was mich an der Sache am meisten aufregt ist die Aktion bzw. Nicht-Aktion mit dem Rufknopf (In anderen Presseberichten auch als Alarmknopf bezeichnet): Welchen Sinn hat so ein Teil in einer Gemeinschaftszelle, wenn nicht bei JEDER Betätigung ein Wärter hingeht und prüft, was tatsächlich los ist? Bei einer Einzelzelle kann ich die Nachfrage per Gegensprechanlage ja verstehen. Bei einer Gemeinschaftszelle ist das aber ungefähr so intelligent wie in den dunklen Wald zu rufen: "Hallo, sind hier Räuber?" Wenn welche da sind bekommt man bestimmt eine ehrlich Antwort…

    Für mich sieht es nach den bisherigen Presseberichten jedenfalls so aus, als wenn der Tod eines Menschen entweder aus Blödheit oder aus Faulheit nicht verhindert wurde.

    Ein echtes Armutszeugnis…

  17. RARR meint: (16.11.2006 um 14:07) AntwortenReply to this comment

    Ich meinte natürlich "Schulen", nicht "Schulden".

  18. Martin_mb meint: (16.11.2006 um 14:12) AntwortenReply to this comment

    @RARR

    "Die Häufung der Priklopil’s, Mario M’s und dieser Mitgefangenen wird immer signifikanter."

    "Was denkt Ihr? Was kann man tun?"

    Erstmal lesen:

    http://www.sueddeutsche.de/,polm3/deutschland/artikel/727/91636/

  19. @5 und @ 1 meint: (16.11.2006 um 14:29) AntwortenReply to this comment

    Es geht sogar noch weiter:

    Nach Ansicht des BVerfG haben sich Bedienstete vor Öffnen der Zelle und deren Betreten akustisch bemerkbar zu machen (anklopfen). Kein Witz!

    Im übrigen:
    Derartige Schikanen und Vergewaltigungen unter Strafgefangenenen traftäter – sind in Gefängnissen an der Tagesordnung, wenn auch normalerweise nicht bis zum Tod hin.
    Ich kann von einer Jugendstrafanstalt in unserem Bezirk berichten. Die hatten versucht, ein eigenes Art "kleines Gefängnis im Gefängnis" zum Schutz derjenigen einzurichten, die (aus welchen Gründen auch immer) von ihren Mithäftlingen besonders drangsaliert und gequält wurden. Die Sache ging völlig daneben, weil sich dort sofort eine neue Hackordnung gebildet hat, in der die Einäugigen die Blinden quälten, mobbten und drangsalierten.

    Ich glaube, dass man dem durch besseres "Bewachen" der Gefangenen nicht begegnen kann. Was will man denn erwarten, wenn man Assoziale, Kriminelle, Triebtäter und psychisch Gestörte aus verschiedensten Kulturkreisen in überbelegte, enge und stinkende Mehrbettzellen wegsperrt. Mich wundert, dass nicht noch viel mehr passiert.

  20. velvet meint: (16.11.2006 um 14:30) AntwortenReply to this comment

    Als ich das gestern im Radio hörte, dass die den über 20 Stunden gefoltert haben, da hab ich mich schon gefragt, wo war denn da bitte das Aufsichtspersonal?!?
    Hey, ich mein, der is nicht einfach innerhalb von ein paar Minuten erschlagen oder erwürgt worden, sondern fast einen ganzen Tag lang gefoltert worden!

    Privatssphäre hin oder her, wenn sowas unbemerkt im Gefängnis passieren kann, dann frag ich mich schon, wie da die Sicherung aussieht. Wenn dann einer denkt, er könnte sich ja irgendwo n lustigen Tunnel graben, dann lassen sich die Wärter auch mit der Erklärung abwimmeln, dass er nur eine schicke Wandschnitzerei haben will und leihen ihm auch noch n Bohrhammer für die Feinheiten, oder wie hat man sich das vorzustellen?
    Jemand, der im Gefängnis sitzt, hat einige seiner Rechte an der Türe abgegeben, macht ja an sich auch Sinn, wo bleibt sonst die Bestrafung darin? Und wenn ich mir manche Gefängnisse so ansehe, mit Fitnessraum, Swimmingpool und Boxtraining (!)…

    Meine Meinung: Überwachung rund um die Uhr, mit mehr Personal und mehr Kameras, nicht nur auf den Gängen oder im Hof. Und nein, Leute, die andere nur mal so zum Spass zu Tode foltern, haben keine Menschenrechte mehr, da muss man auch nicht mehr Rücksicht drauf nehmen, dass so Leute dann im Knast keine Privatssphäre mehr haben. Hätten sie sich halt vorher überlegen sollen.
    Meine Meinung zweiter Teil: das ist das gleiche, wie mit dem Mario-Kasper, der ohne Handschellen im Gerichtssaal sitzt und dann aufs Dach abhaut und ne Hundertschaft n ganzen Tag beschäftigt. Statt den einfach mit nem Betäubungsgewehr vom Dach zu schiessen, bringen die dem auch noch Tee und Kekse und ne Decke, damit der Arme es nicht so kalt hat auf dem zugigen Dach. Schuldigung, für sowas hab ich kein Verständnis.

    Aber Täterschutz wird seit jeher in diesem Land grösser geschrieben als Opferschutz. Das Opfer hat sein Leben lang was von der Nummer, die der Täter mit ihm abgezogen hat (so es denn überlebt hat). In Berichten wird das Opfer immer mit vollem Namen genannt, der Täter darf aus Datenschutzgründen nicht mit vollem Namen genannt werden. Täter haben Menschenrechte, auf die man sogar noch im Knast Rücksicht nehmen soll, wohingegen das Opfer in der Regel nicht mal Anspruch darauf hat, zu erfahren, wo 'sein' Täter nach der Entlassung (nach meist ungerechtfertigt kurzer Haft, aber man darf dem armen Täter ja auch den Weg zurück in die Gesellschaft nicht verbauen) wohnt.

    Und wenn dann sowas passiert, gibt es immer noch Leute, die die Rechte derer, die mit den Rechten anderer (Recht auf Leben, auf Unversehrtheit, auf Selbstbestimmtheit, etc) so gar nix am Hut hatten, verteidigen.
    Dank der ganzen Gutmenschen, die lieber noch die andere Backe hinhalten, sind Gefängnisse meist Erholungsurlaub.

    Die Missachtung der grundlegenden Rechte anderer (der Opfer) MUSS für die Täter auch – zumindest zeitweise – den Verlust der eigenen Rechte zur Folge haben, ansonsten kann man sich bei Strafen auch gleich auf den erhobenen Zeigefinger beschränken, oder 20 Ave-Maria beten lassen.

    velvet

  21. jj meint: (16.11.2006 um 14:56) AntwortenReply to this comment

    der rechtsstaat bewährt sich an seinen grenzen. und dazu gehört auch, mit den priklopils, menderakes oder den siegburgern menschlich umzugehen. wenn wir den (letzten rest?) rechtsstaat vor die wand fahren, dann fühlt sich nämlich gar keiner mehr sicher.

  22. @20 meint: (16.11.2006 um 14:57) AntwortenReply to this comment

    Ich verstehe, dass einem manchmal der Hut hochgehen kann, wenn man die Zahlen vergleicht, die in einem Länderhaushalt z.B. für Resozialisierungsmaßnahmen einerseits und zum anderen für Opferhilfemaßnahmen zur Verfügung gestellt werden.

    Aber es ist mehr als nur unsinniges Vorurteil, wenn Strafhaft als eine Art Hotelunterkunft zweiter Klasse dargestellt wird.
    Ich kann nur jedem dringend empfehlen, mal an einer Besichtigung einer JVA – aber bitte nicht einer der wenigen modernen Vorzeigeanstalten, sondern eine von diesen alten Kästen, in denen 90% der Strafgefangenenuntergebracht sind – zu besichtigen (am Tag der offenen Tür o.ä.). Allein der Gestank in so einer 7qm grossen 4-Mannzelle mit offener Toilette und ohne anständige Lüftungsmöglichkeit, dazu ein paar nette neue Psycho-Freunde, deren Liebe zu Hülsenfrüchten, stinkendem Billigtabak und dilettantischen Tätowierungen nur von ihrer Abneigung zu weibischer Körperpflege übertroffen wird …
    Da vergehen Dir derartige Ansichten ganz, ganz schnell.

  23. n.n. meint: (16.11.2006 um 15:07) AntwortenReply to this comment

    @ 20

    auf der einen seite sagst du, dass solche folterknechte keine menschenrechte mehr hätten, auf der anderen seite sagst du aber auch, dass täter nach wie vor menschenrechte haben und diese nicht an der gefängnistür abgeben.

    ja, was meinste denn nun wirklich?!

    deine trennung von täter und opfer in zwei säuberlich voneinander getrennte schubladen trifft das problem nicht wirklich.

  24. n.n. meint: (16.11.2006 um 15:10) AntwortenReply to this comment

    @ 15, 18

    die häufung brutaler delikte wird immer signifikanter?!

    gegenthese: die berichterstattung über diese delikte wird immer signifikanter. morde im knast sind keine wirkliche neuigkeit. neu ist das interesse an diesen fällen.

  25. Jens meint: (16.11.2006 um 15:10) AntwortenReply to this comment

    "Und nein, Leute, die andere nur mal so zum Spass zu Tode foltern, haben keine Menschenrechte mehr, da muss man auch nicht mehr Rücksicht drauf nehmen, dass so Leute dann im Knast keine Privatssphäre mehr haben."

    @20
    Da ist aber genau der Denkfehler. Die saßen ja da nicht wegen zu Tode foltern sondern wegen weitaus geringerer Delikte. Woher soll man vorher wissen das die plötzlich einen umbringen.

    Selbstverständlich kann man jetzt anfangen alle Strafgefangenen wegen eines Einzelfalls in Ketten zu legen und in Einzelhaft zu stecken und Ihnen jegliche Privatsphäre zu nehmen. Die Frage ist dann nur was man dann für einen Menschen hat, wenn da jemand nach ein paar Jahren wieder frei kommt.

    Letztendlich bringt purer Aktionismus wegen eines drastischen Einzelfalls gar nichts. Lediglich wenn man festellt das die Zahl solcher Fälle sich häuft muss man über Verschärfungen der Überwachung nachdenken.

    Man muss aufpassen das sich die Realität und die Warnehmung derselben nicht zu weit auseinanderbewegen. Das ist so ähnlich wie bei Sexualverbrechen an Kindern. Die Zahl ist seit Jahren rückläufig, wegen sensationeller Medienberichterstattung in Einzelfällen könnte man aber gerade meinen die Zahl hätte in den letzten Jahren drastisch zugenommen.

  26. Dirk meint: (16.11.2006 um 16:17) AntwortenReply to this comment

    Ich bin gerade sehr zwiegespalten. Ich bin der Auffassung, dass "Die Häufung der Priklopil’s, Mario M’s" gar nicht gegeben ist. Leider gaukelt uns die Medienpräsenz eine Häufung vor. Sicher ist das Einzelschicksal grauenhaft, m.E. jedoch noch immer ein Einzelschicksal, dass kein gesellschaftliches Problem darstellt. Wenn jedoch alle TV Sender, drei Monate lang über diese beiden Fäle berichten, wird der Eindruck erweckt, dass dies immer neue gegebenheiten sind, dabei geht zumindest die Zahl der Fälle mit sexuellem Mißbrauch gegen Kinder seit den 50er Jahren kontinuierlich zurück. Wogegen die Berichterstattung über solche Fälle sich kontinuierlich ausweitet. Das Problem ist meiner Ansicht nach nicht der Straftäter, sondern die "Nicht-Einmischungs-Mentalität" der Bürger. Hier muss angesetzt werden.

  27. Anna meint: (16.11.2006 um 16:27) AntwortenReply to this comment

    Als ich davon gehört habe, war mein erster Gedanke auch "Wie können die Beamten das nicht mitbekommen?!". Immerhin gibt es sowas wie Aufschluss, Einschluss, Mittag, Hofgang… Da kann man doch gar nicht nichts mitbekommen. Ist mir unbegreiflich.

    Dazu, dass es oft Probleme unter Gefangenen gibt, bin ich der Meinung.. das ist ein Gefängnis. Dort sitzen hunderte Männer, die Straftaten begangen haben. Bei sovielen Aggressionen auf einem Haufen ist es für mich kein Wunder, dass es dort oft Schlägerein etc gibt. Keiner will als Lusche dastehen, alle haben ihren Stolz. Keiner will sich was gefallen lassen.
    Ich schätze das wird immer so bleiben, egal was für Sicherheitsvorkehrungen man trifft. Wenn sie wollen, finden sie auch die einzige Ecke, in der die Kamera sie nicht sieht.

    Sowas wie jetzt passiert ist, ist natürlich auf keinen Fall akzeptabel. Das darf einfach nicht passieren.

  28. RA-RR meint: (16.11.2006 um 16:38) AntwortenReply to this comment

    @18 Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe – Winston Churchill. Wie kommt denn die Angst der Menschen zustande? Sind es wirklich nur die Berichterstattungen, wie uns # 24 zu Glauben machen versucht. Oder wird tatsächlich nur ein Umfeld der Angst erzeugt? Gibt es dazu einen Beweis? Meine – jedenfalls subjektive – Meinung ist kontrovers. Kontrovers zum Sicherheitsbericht und kontrovers zu der von #24. Ich jedenfalls habe den Sicherheitsbericht nicht gelesen, aber die bloße Gesamtzahl aller Delikte gibt keinen wirklichen Anhaltspunkt. Tatsache jedenfalls ist, dass die Anzahl der Gewaltdelikte stark angestiegen ist.

  29. usw. meint: (16.11.2006 um 17:06) AntwortenReply to this comment

    @28: Ich glaube keinem Zitat, das ich nicht selbst erfunden habe. — Oscar Wilde

  30. Joker meint: (16.11.2006 um 17:15) AntwortenReply to this comment

    Na, wird sowieso bei allen 3 Tätern das Jugendstrafrecht zur Anwendung gelangen. Hauptäter höchstens 10 Jahre, Beihelfer 4 -6 Jahre. Und das war´s dann.

  31. A. John meint: (16.11.2006 um 17:56) AntwortenReply to this comment

    @ 26: Sicher ist das Einzelschicksal grauenhaft, m.E. jedoch noch immer ein Einzelschicksal, dass kein gesellschaftliches Problem darstellt.
    Ich finde es, gelinde gesagt, makaber, im Zusammenhang mit grausamen Gewaltverbrechen auf irgendwelchen Statistiken herumzureiten.
    Stelle Dir vor, Du hast eine 13 jährige Tochter, die von einem durchgeknallten Psychopaten wochenlang aufs grausamste gequält wurde. Und dann sagt man Dir: Sorry, war vielleicht nicht die feine Art, aber die Statistik ist rückläufig. Und außerdem sind wir ein Rechtsstaat, da wäre es ja unmenschlich, den armen Mann durstig und frierend, auf einem zugigen Gefängnisdach sitzen zu lassen. Und natürlich muß der sich nach einer solchen Horrornacht erstmal gründlich erholen, nicht, daß er sich auch noch erkältet.

    Das Problem ist meiner Ansicht nach nicht der Straftäter, sondern die “Nicht-Einmischungs-Mentalität” der Bürger.
    Dann frage mal nach den Ursachen für diese Nicht-Einmischungs-Mentalität”.
    Wenn Leute, die sich einmischen erleben, wie Behörden zwar fleißig Akten anlegen, aber ansonsten untätig bleiben, fragen die sich natürlich, warum sie sich in die Nesseln setzen sollen. Wenn sie Pech haben, bekommen sie mehr Ärger, als derjenige, den sie anzeigen.
    Die Story vom Trauma in der Kindheit, der schweren Jugend, sozialer Benachteiligung usw. lassen jedes Richterherz vor Mitleid zerfließen. Die Story vom zerstörten Leben eines Kindes wird, weil eher störend, am besten erst gar nicht zur Kenntnis genommen.

    Gruß A. John

  32. streber meint: (16.11.2006 um 19:22) AntwortenReply to this comment

    wenn die zelle von dem kollegen gerade frei ist,
    sollte man den vergewaltiger der kleinen stephanie zu den dreien in die zelle stecken.

    am besten für die nächsten 30 jahre, ohne irgendwelche hofgänge, dachausflüge und ähnliches.

    wer sich in der heutigen zeit noch hinsetzt und schreibt,
    dass strafgefangene eine privatsphäre verdient haben,
    sollte miener meinung nach recht zügig mal in eine psychatrische klinik einen kleinen rundumcheck machen lassen !

    ich als steuerzahler sehe keine veranlassung, einem vergewaltiger, betrüger, mörder oder auch nur einbrecher irgendwelche luxuriösen behausungen, urlaube oder ähnliches zukommen zu lassen.

    mal ein paar thesen zum nachdenkden für familienväter :

    wiederholt aufällig gewordene ausländische jugendliche straftäter sofort abschieben !!!!
    alle jugendlichen straftäter zu sozialen diensten, bzw diensten im bereich der kommunalen dienstleistungen verdonnern im wirklich schmerzhaften bereich von monaten, nicht stunden….

    vergewaltiger nicht mehr in die gesellschaft lassen, ohne dass es sicher gestellt ist, dass er klar kommt.
    dass er klar kommt, sollte durch mehrere unabhängige psychater bestätigt werden, nicht durch einen, der eventuell geschädigter ist, wie der vergewaltiger…

    das ganze hier, könnte man (ich) stundenlang so weiter schreiben, nur ich habe kein bock mehr, denn ich bezahle den ganzen sch…. in deutschland auch noch mit…

  33. A. John meint: (16.11.2006 um 20:47) AntwortenReply to this comment
  34. n.n. meint: (16.11.2006 um 22:13) AntwortenReply to this comment

    @ 32
    solche leute wie dich würd ich am liebsten abschieben, das wär doch mal ein anfang. dann würd hier nicht mehr so viel unfug geschrieben …

    @ 28
    meines wissens haben kriminologische studien ergeben, dass vor allem die berichterstattung über die kriminalität und damit die kriminalitätsangst im steigen begriffen sind, nicht aber die kriminalität selbst.

  35. HobbyBlogger meint: (16.11.2006 um 22:16) AntwortenReply to this comment

    @20
    Jemand, der im Gefängnis sitzt, hat einige seiner Rechte an der Türe abgegeben, macht ja an sich auch Sinn, wo bleibt sonst die Bestrafung darin? Und wenn ich mir manche Gefängnisse so ansehe, mit Fitnessraum, Swimmingpool und Boxtraining (!)…

    Was glaubst du?
    Wie kommen Menschen die so behandelt werden, wieder aus dem Knast raus?
    Resozialisiert oder schlimmer als sie eingeliefert wurden?

    Ich glaube nicht, das du dir vorstellen kannst, was Freiheitsentzug aus einem Menschen macht wenn dieser nicht irgendwie Abwechslung in den täglichen ablauf bekommt.

    Sorry, aber "erst denken dann…", ist alles was mir dazu einfällt.

    Ich bin fest davon überzeugt das Kamreras in Zellen, gerade dann zum absoluten Ausraster führen würden.
    Wem die Menscherechte genommen werden und auf jahre die Würde, wird sicher nicht als ganz normaler Mensch den Knast verlassen.

  36. Reinhard meint: (16.11.2006 um 23:37) AntwortenReply to this comment

    @35: Ach, lass dem Stammtisch doch sein übliches, undifferenziertes Geblubber :)

    Bei diesen Themen gibt es immer welche, die entweder aus Dummheit oder aus Spass an der Provokation derartigen Unfug posten.

  37. Tirilli meint: (17.11.2006 um 02:56) AntwortenReply to this comment

    Als ich davon las, war mein erster Gedanke, was hat aus ehemals vermutlich lieben kleinen Buben solche Ungeheuer gemacht?

    Nein, jetzt komme ich nicht mit dem üblichen "er hatte eine schwere Kindheit"…. obwohl das meist stimmt, aber doch auf keinen Fall entschuldigt.

    Ich finde nur, wichtiger als alles andere, sind intensivere Überlegungen, wie man zunehmende seelische Verarmung bei einem Teil der Bevölkerung bekämpfen kann. Hier ist die ganze Gesellschaft (Gemeinschaft) gefordert, denn das Thema ist äußerst vielschichtig.
    lg. Tirilli

  38. Wärterin meint: (17.11.2006 um 13:24) AntwortenReply to this comment

    Wenn ich das von keinerlei Wissen getrübte Gutmenschengeschwafel der Leute im oberen Teil lese wird mir schlecht!
    Hat sich einer von euch Schlaumeiern mal die Mühe gemacht und sich eine solche Haftanstalt angeschaut? Wo in der Regel zwei oder drei Bedienstete für mehrere Hundert Insassen zuständig sind? Auch wenn viele von Euch (informiert durch Bildzeitung und RTL-Serien) glauben, der Strafvollzugsbeamte an sich verbringt den Tag mit rumsitzen und Drogenschmuggeln, entspricht dass nicht der Wahrheit.
    Beim heutigen Personalnotstand sind die Beamten die meiste Zeit in der Gegend unterwegs um Insassen zum Arzt, Rechtsanwalt, Gerichtstermin, Einkauf, Hauskammer etc. zu bringen, Stellungnahmen zu schreiben, Anträge zu bearbeiten und tausend kleine Einzelprobleme zu lösen, die Inhaftierte nun mal so haben.

    In einem Saal verläßt man sich in der Tat auf die Kontrolle durch die Insassen untereinander. geht auch gar nicht anders, Vater Staat finaziert kaum schöne neue Knäste mit schicken Einzelzellen. Und die Gefangenenzahlen werden auch nicht kleiner.

    Saalunterbringung ist in vielen Bundesländern normaler Alltag.
    Es muss auch gesagt werden, dass die für den NOTFALL angebrachten NOTFALLKLINGELN, die der Insasse wohl bedient hat, in 99,9% der Fälle wegen Lapalien aktiviert werden (bspw. Feuer für die Zigarette). Dass die Kollegen dann irgendwann nur noch über die Sprechanlage nachfragen und nicht jedes Mal zu zehnt den Saal stürmen, finde ich nachvollziehbar. Ich habe der Zeitung entnommen, dass der Insasse ruhig in seinem Bett lag, als die Beamten die Zelle aufgesucht haben.
    Tja liebe Schlaumeier, wie soll nun künftig verfahren werden? Sollen die Beamten vorsorglich bei jeder Notfallklingel alle Insassen mit Entkleidung verbunden körperlich durchsuchen, könnt ja sein, es ist grad jemand gefoltert worden?
    Es ist immer total bequem, sofort nach Bestrafung der Wärter zu schreien, wenn das aber die einzige Idee ist, finde ich das reichlich armselig.
    Sicher werden jetzt wieder ein paar Leute suspendiert und jahrelange Verfahren folgen.
    Die Hauptprobleme aber, überbelegte, uralte Knäste mit null Betreuungsangebot, imenser Personalfehlbestand in allen Bundesländern, die werden wieder unter den Tisch gekehrt. Bis zum nächsten Skandal, wo dann wieder gute Menschen schreien können: "Hängt die Wärter!"

  39. Wärterin meint: (17.11.2006 um 13:37) AntwortenReply to this comment

    Nachtrag: Danke für die Kommentare 16 und 22. Kann mich dem nur anschließen. Jeder Schlaumeier sollte versuchen, eine dieser "alten Anstalten" zu besichtigen, davon gibt es genug.
    Dann noch ein paar Informationen über die aktuelle Rechtslage: wann darf in der Haft in welchem Ausmaß kontrolliert werden und das Bild ist schon ein wenig klarer.
    Glaubt hier eigentlich wirklich jemand, dass Kameras in Hafträumen (die nun mal die einzige Privatspäre und die "Wohnung" der Insassen darstellen) möglich sind, wenn die Überwachung öffentlicher Plätze durch Kameras schon kaum durchzusetzen ist?
    Lasst doch endlich mal euer blödes Stammtischgelaber sein und fangt an zu denken!
    Für alle wirklich Interessierten empfehle ich die Lektüre des StVollzG!

  40. interessiert meint: (17.11.2006 um 15:46) AntwortenReply to this comment

    @ 16, 22 und 40

    Eine "ältere" JVA habe ich vor 5 Jahren aus reinem persönlichen Interesse besucht. Was man dort als "Laier" gezeigt bekam, war schon ziemlich bedrückend, aber sicher nur die kleine Spitze vom Eisberg, sagte mir damals meine Intuition. Ein Ex-Haftlinge hat es mir inzwischen bestätigt. Man sollte sich bei einem solchen Besuch darüber im Klaren sein.

  41. Jean Doute meint: (17.11.2006 um 16:10) AntwortenReply to this comment

    Man hätte die drei Täter direkt neben dem Opfer aufhängen sollen. Somit wäre das Problem effizient und definitv gelöst worden ! Und hätte sicher noch eine Abschreckwirkung gebracht !

  42. Mitmensch meint: (17.11.2006 um 16:55) AntwortenReply to this comment

    @ Wärterin:

    Ich danke Dir für Dein so authentisches Statement aus erster Hand. Alle Aussagen, die Du in den Kommentaren Nr. 39 und Nr. 40 getätigt hast, entsprechen exakt meinen eigenen Erfahrungen während zehn Jahren Strafvollzug in vier verschiedenen JVAs. Bravo! Genau auf den Punkt gebracht!

    Gruß vom
    Mitmensch

  43. interessiert meint: (17.11.2006 um 18:40) AntwortenReply to this comment

    @ Wärterin

    Ist solch ein Drama in einer Frauen-JVA denkbar?

  44. Trauer meint: (18.11.2006 um 19:17) AntwortenReply to this comment

    Die Justiz hat dieses Problem selber verursacht.
    Es gibt bei den Jugendlichen keine Erstvollzugsanstallten, wie bei den Erwachsenden.
    Die Erwachsenden haben alle Einzelzellen, bis auf wenige 3 Mann Zellen.

    Der Anstaltsleiter hat dieses Faustracht sogar gefördert, man könnte sogar meinen er bildete extrem Gewaltätige Jugendliche aus, vielleicht mit dem Hintergrund des Rechtsextrimimus.

    Dieser Fall ist der 11 seit 1993.
    Von diesen Fällen kamen 70% jugendliche um, der Rest waren Erwachsende. Der jüngste war erst 15 Jahre alt.

    Diese Tat an den 20 Jährigen, müste man eigentlich als als sehr extremer Serien-Mörder zählen.

    Die Justiz und Staat haben hier total versagt, den dieses Täter bekommen maximal 10 Jahre, davon haben sie ein rechtsanspruch auf die Halbstrafe, das heißt sie bekommen eigentlich nur 5 Jahre haft.

    Das Mörder hier wiedermal einen Bonus bekommt, ist für mich Hohn, den das OPFER hat sein LEBEN verloren und wird wieder verhöhnt.

    12 Stunden Folter – 2 Rettung möglichkeiten für ihn – psychologische Kriegsführung – dannach willste nur noch deine Ruhe im Tod finden – nein die holten dich zurück – wieder Folter –

    Wissen sie was das heißt, die Täter dürfen nie wieder aus der Haft, extrem Gefährlich !!! SICHERUNGSVERWAHRUNG

  45. Wärterin meint: (20.11.2006 um 20:30) AntwortenReply to this comment

    @44:
    Habe selbst bisher nicht direkt in Frauenbereichen gearbeitet, weiß aber dass es bei den Frauen meist ruhiger zugeht. Die Abteilungen sind oft sauberer und kleiner – es gibt einfach nicht so viele verurteilte Frauen wie Männer. Aber auch unter den Mädels in Haft gibt es Megären die gewalttätig sind und absolut keine Zivilisation kennen.
    Theoretisch ist so ein Vorgang in jeder Anstalt möglich, in der es Mehrfachbelegungen gibt. Selbst Knäste mit Einzelunterbringung haben oft Duschräume, die von mehreren genutzt werden, auch da kommt es ab und an zu Exzessen, aber lange nicht so oft, wie bspw. einschlägige TV-Serien glauben machen.
    Man muss sich einfach darüber in KLaren sein, dass die Mehrzahl der Leute nicht ohne Grund in Haft ist. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Inhaftierten der "Bodensatz der Gesellschaft". Nicht jeder kommt sofort in den Bau nur weil er einmal ein Auto geklaut hat. Wenn mehrere Straftaten zusammen kommen, ein fester Wohnsitz, Arbeit oder Ausbildung nicht vorhanden sind und dann auch noch in vielen Fällen Drogen oder Alkohol mit ins Spiel kommen, hat man meist den typischen "Knacki". Soll jetzt nicht abwertend klingen, das ist einfach die Realität.
    Diese Leute werden jetzt weggeschlossen und es wird versucht (!) sie zu reaozialisieren. Dafür fehlt dann aber das Geld, so dass viele Iddeen und Projekte halb oder gar nicht realisiert werden.
    Man steht dann in dem Zwiespalt, dass man den Inhaftierten nicht unbegrenzt Geld nachwerfen will, sie allerdings nach diversen Jahren Haft in die gleiche Situation zu entlassen, die schon zur letzten Straftat geführt hat, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Hier werden finanzielle Segnungen und Projekte meist mit der Gießkanne verteilt. Alle sollen ein bißchen bedoktort werden. Es gibt allerdings einen Großteil von Insassen, denen man einfach nicht (im Knast) oder nicht mehr helfen kann. Eine wirkliche Auswahl erfolgt selten, so dass Leute, bei denen vielleicht tatsächlich noch was zu machen wär, meist auch nicht ausreichend behandelt werden.
    Das ist einfach die Realität.

  46. interessiert meint: (21.11.2006 um 16:47) AntwortenReply to this comment

    @ Wärterin

    Danke schön für Deine ausführliche Antwort.
    Bei meinem Besuch in einer JVA kam mir die Frauenecke ruhiger und gemütlicher vor: Weniger Graffiti an den Wänden, Pflanzen und Posters im Gang, wobei ich mich fragte, ob es nicht zum Teil für den Besuch "inszeniert" war.
    Ich weiß wohl, dass man in der Regel nicht umsonst in den Knast kommt: Von 4 Ex-Inhaftierten, die ich persönlich kenne, hatten zwei es nicht "verdient" (saßen aufgrund ihrer politischen Meinungen auf Cuba und in dem Iran im Knast), die anderen 2 schon, aber ich würde sie nicht als "Bodensatz der Gesellschaft" betrachten. Sie leben heute normal und schaden anscheinend keinem.
    Tja, am sichersten wäre bestimmt, die Leute einzeln einzuquartieren, aber tretten nicht da psychologische Probleme auf? Ist sicher nicht gut fast rund um die Uhr Selbstgespräche zu führen. Ob die Gesellschaft die Kosten tragen kann und soll? Ich fürchte, es bleibt ein ewiges Problem, es sei denn, die Straffälligkeit insgesamt deutlich zurückgeht. Aber wie?

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