Der Große Krisenstab
Verkleidet in die Form der Wiedergabe von Volkes Meinung warf Franz Josef Strauß, der zu einer der Sitzungen betrunken erschienen war, z.B. den Vorschlag in die Diskussion, Standgerichte zu schaffen und für jede erschossene Geisel einen RAF-Häftling zu erschießen.
Stefan Aust, Der Baader Meinhof Komplex, S. 514
Und das war vermutlich nicht die einzige Sitzung, zu der Franz Josef Strauß betrunken erschienen ist.
Die Frage ist, ob man soviel Mist wirklich nur auf Betrunkenheit schieben kann. Für mich muss da schon vorher was kaputt gewesen sein
Naja, wenn er betrunken war, sollte man diese Aussage nicht überbewerten. Sie weckt höchstens ungute Assoziationen zu heutigen Politikern, die selbst in nüchternem Zustand eklatant über das Ziel hinausschießen.
"weder an Aufträge noch an Weisungen gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen."…
und da braucht es keine argumentation mit "stell dir vor die politische lage würde sich ändern und die hätten diese mittel, die wir…"
Wenn man mich fragt ändert Alkohol bei sowas gar nichts. Schade nur, das man gegen sojemanden wenig tun kann…
@MaxistXXL:
Ja, gegen "sojemanden" kann man tatsächlich wenig tun. Zumal er seit fast 20 Jahren tot ist.
Ja und? Heute fordert ein Bundesinnenminister die Aufhebung der Unschuldsvermutung und Grundgesetzänderungen, um die Totalüberwachung des deutschen Volkes zu ermöglichen. Ungestraft. Und verminderte Schuldfähigkeit durch Alkoholmissbrauch hat bei Schäuble bislang niemand ins Feld geführt…
Dafür aber hat Schäuble in meinen Augen aber psychische Probleme die ihn untragbar machen als Minister meiner Meinung nach.
Ach, was wisst Ihr Österreicher schon :-).
Strauß war ein einmaliges, herausstechendes Unikum der deutschen Politik, und die Lücke, die er hinterlassen hat, wurde lange Zeit nicht wieder ausgefüllt.
Erst, nachdem die Terrorismuspanik sich in den Köpfen breit gemacht hat und weidlich als Totschlagargument benutzt wurde, hört man wieder ähnliche Töne. Nun aber ist es nicht ein Extrempolitiker, sondern eine breite Front, die ständige Überwachung, präventive Staatsgewalt und rigorose Wegsperr-Bestrafung fordert. Das macht mir viel größere Sorgen.
Zwar finde ich es nicht gut, wenn man Gewalt mit Gewalt bekämpft, doch muss ich feststellen, dass es gegen Terrorismus kein anderes Mittel gibt, als Terroristen a) wegzusperren oder b) wenn man sie nicht eingittern kann, mit allen (und wirklich allen) Mitteln bekämpft.
Beim Lesen ist mir eine alte Geschichte eingefallen..
Zu meinem Abi (1991) habe ich wg. sehr guter Leistungen in einen Grundkurs einen Buchgutschein bekommen und habe mit davon unter anderem das Buch "Bader-Meinhof-Komplex" von Aust davon gekauft. Nachdem mich meine Geschichte-Lehrerin befragt hatte, welche Bücher ich mir gekauft habe, meinte sie:
"Für diese alten Geschichten interessierst Du Dich ?!?"…..
Naja, ich denke nicht, dass die Ursache solcher Aussagen im Alkoholkonsum begründet liegen. Der Alkohol senkt nur die Hemmschwelle und Menschen sagen Dinge, die sie sonst allenfalls denken würden.
Aber der Gedanke an sich muss ja vorher schon da gewesen sein.
Gerhard Zirkel
Erschreckend ist das heutige Politiker insgeheim was ganz anderes fordern, dies nur nicht öffentlich soooo direkt aussprechen (vermutlich wegen zu geringem Alkoholpegel).
Folter usw.. Gegenüber monatelangen Qualen ist eine Erschießung noch vergleichsweise human…
Moin h.c., wer hatte in Deutschland noch mal Folter gefordert, inkl. monatelanger Qualen? Ist mir gerade entfallen.
*g*
Bisschen zuviel 24 gesehen, was? Oder CNN?
@ 15: lol !!
Ich denke, der "Baader-Meinhof-Komplex" ist ein sehr anspruchsvolles Werk, aus dem man nicht leichtfertig einzelne Teile losgelöst vom Rest zitieren sollte.
Weiterhin muss man vieles im Lichte der Zeit sehen: Die damalige RAF Zeit war neu, es war quasi "Panik" angesagt in der damaligen BRD – hinzu kommt ein sicherlich "herrschaftliches Denken" mancher Politiker, wie es heute weniger verbreitet ist, damals aber bei manchen noch zum guten Ton gehörte. Nein, das soll nicht entschuldigen (solche Äusserungen sind speziell für Politiker unentschuldbar), aber erklären und ein wenig den Horizont weiten.
Ich finde es interessant, dass in der heutigen Zeit mit unserem Bezug zu "internationalem Terrorismus" parallel eine RAF Diskussion entbrannt, beides aber losgelöst voneinander in der Gesellschaft diskutiert wird. Wenn man sich GG-Änderungen wie die Notstandsregelungen ansieht, die alleine wegen der Ohnmacht und Angst der damaligen politischen "Oberschicht" erschaffen wurden, sehe jedenfalls ich eine interessante Parallele zu heutigen Entwicklungen.
Wieso Folter? – reicht doch in Einzelhaft und isoliert … galt schon damals nicht als Folter, wurde aber ua von Stasi und in Moskau als sehr erfolgreich zur Zermürbung angesehen.
Kann damit ja auch nicht Folter gewesen sein.
Abgesehn davon gibt es solche Aussagen wie damals von Strauß nicht nur an Stammtischen – bei jedem Sexualstraftäter.
Ob es eine "alte Geschichte" ist oder nicht, ob FJS besoffen war oder nicht – es würde mich interessieren, wievielen Bundesbürgern er aus der Seele gesprochen hat. Wie oft habe ich Sätze gehört, wie "Da muss man gar keinen Prozess machen, sondern gleich den Kopf ab" und dergleichen. Und dabei war es egal ob es um Terrorismus, Kinderschänder, "normale" Mörder oder um Körperverletzer ging. Viele Menschen denken wirklich so. Leider!
Wenn ich es mir so recht überlege, möchte ich eigentlich gar nicht mehr wissen, wieviele Menschen genauso denken. Traurige Gedanken kann ich mir auch auf andere Weise machen.
Grüße!
Das hat Aust sehr merkwürdig formuliert.
Hat Strauß nun diese konkrete Äußerung im Suff gesagt? Wohl eher nicht, sonst wäre dies explizit gesagt worden.
Scheint eher, daß hier mit einer Nebensächlichkeit abgelenkt wird.
Für die Diskussion über diese "Idee" ist es eigentlich völlig irrelevant, ob Strauß bei irgendeiner anderen Sitzung etwas getrunken hatte.
betrunkene und kinder sagen die wahrheit …
War Herr Aust eigentlich dabei? Quellenkritik nicht vergessen, liebe Freunde.
Strauß hat sich als alter Wehrmachtsoffizier wahrscheinlich nur an alte Zeiten erinnert.
Wenn man an Leute wie Wehner, FJS oder Geißler denkt, dann wird man beim Blick auf die heute vorherrschenden Pastor-Hintzes in allen Parteien ganz wehmütig. Das war noch großes Kino…
Wars nicht auf Seit 472? Siehe unten:
http://www.rafinfo.de/faq/sonstiges/todesstrafe_fuer_die_raf.456.php
Ich meine mich aber zu erinnern, dass damals im Krisenstab zu unorthodoxen Lösungsvorschlägen aufgefordert wurde?
Betrunken die Erschießung von Terroristen gefordert – und im Rechtsstaat nicht umgesetzt.
War die Erschießung von Unschuldigen mit nüchternem Kopf besser?
Das riecht mal wieder etwas nach Meinungsmache.
@8: Wie kommen Sie darauf, dass Herr Schäuble psychische Probleme hat? Seien Sie vorsichtig mit solchen Äußerungen!
@15 (SvenR)
na jaaaaaa… bis dato will man nur "Geständnisse" daraus nutzen. Aber warum sollten Deutschen nicht auch quälen?
Als Begründung anführen kann man ja immer noch, das die Deutschen am humansten foltern…
Und zumindest die Folterandrohung finden manche Politiker auch offiziell gar nicht sooo schlimm und durchaus anwendbar. Folterandrohung ist aber genauso Folter.
@19 (hootch)
Wenn ich mich nicht irre haben 40% der Bundesbürger unlängst mit "Ja" gestimmt ob sie eine Widereinführung der Todesstrafe befürworten würden. Allerdings war das an eine Deliktsgruppe gebunden. Würde man dies ohne nähere Nennung eines Tatdeliktes fragen wären es vermutlich nur die Hälfte.
Kann aber sein das ich mich verhört habe, war nur im Radio.
Ach ich google einfach mal. Find nix. War wohl entweder ein anderes Land, oder ich hab mich ganz verhört. Ich erinnere mich aber, das die Polen die Todesstrafe durchaus mehrheitlich wieder haben möchten.
Erschreckend ist auch, das dies einen hohen und immer weiter wachsenden Zuspruch bei den Jurastudenten findet.
@28 (jutta),
weil man aus den öffentlichen Äußerungen die er macht durchaus den Eindruck erweckt das er psychisch krank ist, anankastische Persönlichkeitsstörung usw.
Bei der Suche nach Todesstrafen-Umfragen lese ich so einige Kommentare… ich bin… erschrocken wäre untertrieben.
Beispiel:
"Ich kann nur nochmal das Beispiel Singapur nehmen. Dieses land gehört gerade wegen der Todesstrafe zu den sichersten der Welt.
Und Sie haben sicherlich von dem Fall eines Australiers gehört, der wegen versuchten Drogenschmuggels anfang Dezember gehängt wurde.
Diese Maßnahme mag hart sein, aber diese ist notwendig gewesen und somit fair. Wäre er durchgekommen, hätten sich immerhin durch seine mitgebrachte Menge – er ist ja icht durchgekommen – 26.000 Jugendliche in Australien (oder auch in Singapur) benebeln können.
Immerhin wurde so die Jugend geschützt. Was hier abgeht, die Großstädte verfallen langsam in Chaos. Das ist wirklich eine bedenkliche Entwicklung.
Zu Mörder: Woher wollen Sie wissen, dass er die tat wirklich bereut. Oft täuschen sie nur eine Reue vor, und ich finde es wirklich verabscheuungswürdig, wenn man solche Leute freilässt und tatsächlich haben die nichts bereut. Und woher wollen Sie wissen, dass die nicht doch wieder morden? So Massennmörder haben sich die gerechte Strafe verdient. Wenn man die freiließe, würden die wieder sämtliche Menschen in den Tod reißen. Und die Ausburchssicherheit ist auch nicht gegeben. Was würden Sie für ein Gesicht machen, wenn ein skrupelloser Mörder entkommen konnte und während seiner Flucht dutzende Menschen umgebracht hat? Wäre er hingerichtet worden, wäre er keine Gefahr .
mehr. Also, die Todestrafe wäre durchaus ein Sicherheitsgewinn."
Quelle: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/48723,15.html
Aber nehmen wir einfach folgende Studie:
"Paris – 53 Prozent der Deutschen sind für die Hinrichtung Saddam Husseins. Das ergab eine Umfrage des Instituts Novatris/Harris für die Pariser Zeitung "Le Monde" und den Nachrichtensender France 24. Das Institut hatte zwischen dem 30. November und dem 9. Dezember 12.570 Bürger in den großen EU-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien) und in den USA über das Internet befragt.
In den USA war die Zustimmung zu einer Vollstreckung des Urteils mit 82 Prozent am höchsten. In Großbritannien waren es 69 Prozent. Auch in Frankreich (58 Prozent), Deutschland (53 Prozent) und Spanien (51 Prozent) gab es dafür eine Mehrheit. Lediglich in Italien waren die Befürworter (46 Prozent) in der Minderheit gegenüber den Gegnern (48 Prozent)."
Also sind 53% der Deutschen für die Todesstrafe.
Am schärfsten ist ja immer noch folgende Begründung: Abschreckung. Wie hoch ist noch mal die Mordrate in den USA?
@30 (h.c.)
Ja, das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Gerade am Anfang des Studiums hatte man so manchen in den Einführungsveranstaltungen, die auch Befürworter der Todesstrafe waren.
Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch die bei einer hessischen (ich glaube Landtags)Wahl einmal geplante Abstimmung, ob die Todesstrafe aus der hessischen Verfassung genommen werden sollte. Man kam dann aber wohl schnell auf den Gedanken, daß das Ergebnis nicht ganz im Sinne des Erfinders sein könnte, und so ließ man dann lieber doch nicht abstimmen.
Ich persönlich möchte -bei aller Liebe zu Bestrebungen in Richtung direkter Demokratie- nicht in einem Land leben, daß es sich aus welchen Gründen auch immer zur Aufgabe gemacht hat, Menschen umzubringen.
Also in Bayern gab es wohl eine klare Mehrheit für die Abschaffung der Todesstrafe.
Die Unwissenheit mancher Leute ist aber mindestens genauso erschreckend wie die Meinungen dieser Leute.
Wenn es so weiter geht in Deutschland – und ein Votum für die Wiedereinführung der Todesstrafe halte ich für realistisch – muss man sich Gedanken machen wie man sich im Sinne des Grundgesetzes verhalten soll.
Denke deer Strauß hatte gar nicht so unrecht.
@11:
Die wirkliche Hebelwirkung beim Thema Terrorismus – in Europa – geht nicht über Gegengewalt, sondern über die Aufmerksamkeit, die dem Thema geschenkt wird.
Guerilla-Kriege können konventionell kaum gewonnen werden. Wir sind aber noch nicht einmal auf der Guerilla Stufe, sondern bei Terroristen. Um davor mit polizeilichen Methoden sinnvoll schützen zu können, sind imo absolut unverhältnismäßige Maßnahmen notwendig. Stichwort Rechtsstaat aushöhlen. Auch Stichwort Kosten. Nicht zu vergessen, dass es in Deutschland in den letzten Jahren keinen tatsächlichen Anschlag gab, nur den AnschlagsVERSUCH bei den Zügen, der nicht im Geringsten wegen der Polizeiarbeit beim Versuch blieb, sondern einzig und allein wegen technischen Fehlern des Täters. Die entscheidende Frage ist nicht "wie hätten wir den Einen davor entdecken und entfernen können", sondern "wie stellen wir sicher, dass es nur einer versucht und nicht 100".
Menschen sind in aller Regel nur bereit, ihr Leben für eine vermeintlich gute Sache zu riskieren oder gar zu opfern (Selbstmordattentäter), wenn sie glauben dass es sich auszahlen kann. Wann hat es sich ausgezahlt? Wenn sie große Aufmerksamkeit in den Medien generieren, wenn die allgemeine Stimmung verschreckt wird, wenn Politiker Gegenmaßnahmen verkünden etc.
Kurz, alles was zu einer Polarisierung Westen/Islam in dem Fall führen kann, oder sonst zu IRGENDEINER Reaktion. Nur möglichst heftig soll sie sein.
Es ist kein Zufall, dass sich Bush und die Terroristen gewissermaßen gegenseitig gepusht haben. Bush hat Gewalt nach Afghanistan und Irak exportiert (ob es so stimmt mag diskutabel sein, auf jeden Fall wurde es von den antiamerikanischen Muslimen so wahrgenommen) und dem Terrorismus dadurch Rekruten en masse geliefert. 9/11 und auch die Lage im Irak haben in den USA die Debatte auf das Thema Terrorismus/Krieg Führen eingeengt, wovon Bush lange profitieren konnte. Als großartiger Diplomat, Wirtschafter oder Reformer galt er nie, aber als energischer General.
Bush hat ein paar Mal Bin Laden mit Hitler und Co verglichen. Mag sein.
Aber die für die Welt wichtigere Parallele ist eine Andere zwischen Bush (oder Stoiber, Schäuble, etc. in Deutschland) und Hitler: Hochspielen der Gefahr durch einen äußeren Feind, um unter dem Vorwand der Bekämpfung des Feindes den Rechtsstaat auszuhöhlen.
Unsere Aufgabe als Staatsbürger ist nicht nur, den Staat wirksam sachlich arbeiten zu lassen, dass er effizient bleibt und all das, dass er zb Terroristen fangen kann, sondern vor Allem auch, ihn vor der Perversion zu bewahren. Demokratie ist kein von selber laufendes unkaputtbares Maschinchen, sondern ein Idealzustand, der schnell kippen kann. Und allgemeine polizeiliche Überwachungsrechte, am besten noch ohne wirksame Kontrolle der Überwacher…voila, perfektes Rüstzeug, wenn eines Tages jemand auf die Idee kommt, dass ihm die Meinungsfreiheit nicht gefällt.
(Sry für das Pathos)
Mich würde mal interessieren, wie die Terrositen reagieren würden, wenn man das tatsächlich macht.
Nichts gegen den Schutzwert menschlichen Lebens… leider kann man die ja nicht, wie in einem Computerspiel wiederbelegen…
es geht nur um die theoretische Reaktion. Denn damit würde man ja zeigen, dass deren Aktionen keinen Sinn haben.
@35:
Klappt halt nicht.
Ist für Terroristen nur zusätzliches Wasser auf ihre Mühlen (und macht sich märtyrermäßig gut bei der stillen Gefolgschaft), der (Rechts)staat demontiert sich damit aber selbst.