26.6.2008

Telefonkultur

Meine Sekretärin stellt Herrn N. durch. Ich höre Stimmengewirr, dann ein unwirsches: “Moment mal.” Ich hänge in der Leitung und werde akustisch Zeuge, wie N. zwei Marlboro und eine Sprite bestellt.

Mehr weiß ich nicht, denn ich lege auf. Wenn Herr N. zu einem günstigeren Zeitpunkt noch mal anruft, können wir gern über sein Anliegen sprechen. Wahrscheinlich möchte er, dass mein Mandant ihm Ratenzahlung gewährt.

35 Kommentare zu “Telefonkultur”

  1. Frank K. meint: (26.6.2008 um 13:59) AntwortenReply to this comment

    … moment mal…. "Einen Espresso und ein Wasser"

    Kann man die Wartezeit auf das Honorar aufschlagen?

  2. Ein Norddeutscher meint: (26.6.2008 um 14:25) AntwortenReply to this comment

    Leider läßt sich die Handy-Seuche nicht mehr eindämmen, geschweige denn ausrotten. 99,8 aller Gespräche sind überflüssig oder vermeidbar und belästigen die Mitmenschen. Aber ein Großteil der Handyfetischisten "braucht" sein Lieblingsspielzeug angeblich "unbedingt für Notfälle". Eine Telefon(ier)kultur existiert nicht mehr.
    Herr Vetter, Sie haben in dieser Situation sehr sympathisch reagiert!

  3. ben meint: (26.6.2008 um 14:28) AntwortenReply to this comment

    "Wahrscheinlich möchte er, dass mein Mandant ihm Ratenzahlung gewährt."

    Nein, es geht um mutmaßlich überhöhte Mobiltelefonrechnungen.

  4. h.c. (Christian Unger) meint: (26.6.2008 um 15:05) AntwortenReply to this comment

    Ratenzahlung in Sprite und Marlboro?

  5. Name (erforderlich) meint: (26.6.2008 um 15:08) AntwortenReply to this comment

    @2 Der Anrufer war schlicht unhöflich und Herr Vetter hat angemessen reagiert. Mit Handy-Seuche hat das nichts zu tun. Die Bitterkeit die aus Ihrem Beitrag spricht wirkt so als würde so von Hilflosigkeit im Angesicht des Wandels der Zeit herrühren. So ähnlich klangen wohl Kritiker des Telefons vor etwa 100 Jahren.

    mfg

  6. Nik meint: (26.6.2008 um 15:44) AntwortenReply to this comment

    @6

    Es gibt auch heute noch Menschen, die denken, es ginge auch ohne das Telefon…

    Angeblich halten sie Telefonate für Zeitverschweung, aber möglicherweise gibt es noch ganz andere Gründe?

    http://lost-moon.de/blog/entry.php?id=541

  7. hilfe, brauche anwalt meint: (26.6.2008 um 15:47) AntwortenReply to this comment

    @6

    Teilweise ist es schon eine Belästigung. In jedem Restaurant, Zugabteil pp. kann man schon aufgezwungenderweise die Lebens- und Liebesgeschichte Wildfremder mitanhören (Warum schreien die eigentlich alle auch noch so?).

    Richtig lustig ist es natürlich, wenn trotz Warnhinweis in der HV das Handy des Angeklagten bimmelt und er den Richter mit "Moment bitte, ist was Wichtiges" unterbricht.

    Ich hätte auch aufgelegt, aber wahrscheinlich schon bei "Moment mal".

  8. Thomas R. meint: (26.6.2008 um 16:49) AntwortenReply to this comment

    Ja, viele Handygespräche sind nicht zwingend notwendig.
    Genauso, wie viele normale Gespräche.
    Trotzdem ist Kommunikation doch eigentlich etwas gutes.

    Jedesmal, wenn ich jemanden sich beschweren höre, das jemand anderes im Bus, in der Bahn, im Restaurant telefoniert, dann frage ich mich, ob selbiger sich auch beschwert, wenn sich im Bus zwei nebeneinander sitzende unterhalten. Was doch wohl in doppeltem Sprachaufkommen resultieren sollte.

    Oder ein vollbesetzter Tisch im Restaurant, an dem sich mehrere Personen unterhalten: ist das ebenfalls Sittenverfall, sollte man da vielleicht auch auf jede vermeidbare Kommunikation verzichten ?

    Eine Telefonierkultur existiert nicht mehr ?
    Ich glaube vielmehr, dass die meisten derer,
    die sich über Handys beklagen, ein Defizit an
    Gesprächskultur besitzen.
    "99,8 aller Gespräche sind überflüssig oder vermeidbar" ?
    Was wäre das für eine stille, traurige Welt ohne
    überflüssige Gespräche…

  9. Reinhard meint: (26.6.2008 um 16:57) AntwortenReply to this comment

    @9: Das Problem mit dieser angeblichen Überflüssigkeit besteht nicht darin, dass sie existiert. Sondern dass man sie kaum noch ausblenden kann. Es INTERESSIERT MICH EINEN SCHEISSDRECK!!! ob jemand heute später nach Hause kommt, welche Unterwäsche sich die Dame gegenüber heut angeschaut hat, an welchem Ort und zu welcher Zeit sich jemand verabreden will. Früher habe ich vielleicht in einem Gasthaus oder auf dem Marktplatz die Ohren spitz gemacht, um Klatsch und Tratsch zu erfahren. Heute bekomme ich die Banalität des Lebens ungefragt von Hinz und Kunz rund um die Uhr um die Ohren geblasen.

    Und DAS geht mir auf den Sack. Nicht die Kommunikation zwischen Menschen. Sondern dass ich ungefragt Teil dieser Kommunikation werde und ihr kaum entrinnen kann.

  10. Reinhard meint: (26.6.2008 um 17:00) AntwortenReply to this comment

    Denn wirklich lustig sind dann die Momente, wo man sich in diese Kommunikation einmischt. Plötzlich heisst es dann: "Hey, was geht Sie das an?" Ach, plötzlich geht es mich nichts an? Der Hinweis, wenn es mich nichts angehe, dass man dann sein Gespräch wohl unauffälliger führen können, kommt seltsamerweise nicht immer gut an. Komisch …

  11. SvenW meint: (26.6.2008 um 17:01) AntwortenReply to this comment

    @9: Naja, teilweise hast du ja recht, aber irgendwie ist es ja so, daß sich zwei oder auch vier Leute in der Bahn oder im Restaurant (a) leiser unterhalten; ins Handy wird immer gebrüllt und (b) eher darauf bedacht sind, private Gespräche nicht in der Öffentlichkeit zu führen, das aber beim Telefonieren dauernd machen.

    Ich glaube, das liegt zumindest teilweise daran, das wir alle von Kindesbeinen an gewohnt sind, daß man beim Telefonieren zwangsweise zuhause ist, und dort privates besprechen kann, beim persönlichen Gespräch aber nicht notwendigerweise. Diese Konditonierung wird unbewußt auch bei den geänderten technischen Gegebenheiten heute weiter eingehalten.

  12. dvjk meint: (26.6.2008 um 17:46) AntwortenReply to this comment

    @9: Es ist für mich nicht die Lautstärke und auch nur selten, dass ich mich vom Inhalt belästigt fühlte, es ist denke ich primär, dass wir Menschen gewohnt sind, dass bei einem Gespräch zwei Personen zu hören sind, die aufeinander reagieren. Ich denke auch, dass wir meistens alle Gespräche unterbewusst soweit mithören, dass Signalworte, plötzliche Stimmungsschwankungen oder andere Auffälligkeiten schnellstmöglich bemerkt werden. Quasi ein ständiges Beobachten, ob im Umfeld alles in Ordnung ist.
    Das Problem bei Handygesprächen ist für mich nun, dass ich ständig dazu gezwungen werde mir die ungefähre Aktion der zweiten Seite dazuzudenken, wegen der Reaktion dessen, den ich höre. Das ist anstrengend, besonders, wenn ich den Inhalt akustisch verstehe und auch noch ungefähr passende Sätze des Zweiten dazudenke um Sinn in den Gesprächsverlauf zu bringen.

    Vielleicht wäre es ein analoger Versuch, wenn du zwei Leute darum bittest, sich 5 Minuten lang zusammenhanglose Sätze zu sagen und dabei versuchst eine Zeitung zu lesen.
    (Bin kein Psychologe/Soziologe)

  13. dot tilde dot meint: (26.6.2008 um 18:01) AntwortenReply to this comment

    @11: wundervoll! guter hinweis.

    und im zweifelsfalle ist herrn vetter ja vielleicht auch ein funkloch über die kanzlei geflogen und hat das festnetztelefon gestört. moderne zeiten.

    .~.

  14. cm meint: (26.6.2008 um 18:19) AntwortenReply to this comment

    Die Kommentare 10 bis 13 kann ich gut verstehen. Auch die telefonierenden Radfahrer finde ich störend, da man nie weiß, wie sie im nächsten Augenblick handeln. Entweder weil sie einhändig fahren oder weil sie stark ins Gespräch vertieft sind. Oder beides.
    Mir reicht mein Telefon mit AB zu hause.

  15. Euripides meint: (26.6.2008 um 18:54) AntwortenReply to this comment

    @9: "Oder ein vollbesetzter Tisch im Restaurant, an dem sich mehrere Personen unterhalten" – und immer häufiger hält jeder ein Handy an sein Ohr, und obwohl jeder spricht, reden keine zwei Leute an dem Tisch miteinander – mag zwar heute normal sein, mir kommt es aber doch immer wieder reichlich seltsam vor.

  16. hg meint: (26.6.2008 um 19:16) AntwortenReply to this comment

    Neulich bin ich mal auf der Strasse einer fuenfkoepfigen zusammengehoerenden Gruppe begegnet, in der ausnahmslos alle fuenf Personen gleichzeitig mit dem Handy telefoniert haben. Das sah echt total seltsam aus ;-). Sowas wird aber wahrscheinlich sogar noch zunehmen.

  17. Dietmar meint: (26.6.2008 um 19:43) AntwortenReply to this comment

    Die in der Öffentlichkeit geführten Gespräche sind nicht immer banal. Ich saß letztens am Flughafen neben einer Dame, die per Mobilfunktelefon die Auftritte verschiedener Musikgruppen während eines Festivals koordinierte und dabei auch die Honorare verhandelte. Am Ende des Gesprächs hatte ich eine recht gute Vorstellung davon, was welche Gruppe für welchen Auftritt in diesem Jahr bekommt. Wenn ich mir nur die Namen der Gruppen merken könnte (mitschreiben wollte ich das dann doch nicht) :-)

  18. OisKaDrama meint: (26.6.2008 um 19:55) AntwortenReply to this comment

    Ich finde die Schlichtheit der Gespräche aberwitzig. Fährt man mit der U-Bahn von der Arbeit nach Hause, sagen wie mal so gegen 17:00 Uhr, da reißt kurz vor einer Station irgend so ein Dodel (männlich/weiblich) sein Handy aus der Tasche und ruft zu Hause wen an: "Schatz, ich bin grad an der Station xxx. Ich bin in ca. 5 Minuten da."
    Warum ist diese Meldung für so viele Menschen so wichtig? Muss Frau dann den Hausfreund nach Hause schicken? Oder, muss das Essen in die Mikrowelle? Braucht der TV so viel Zeit zum vorglühen .. ich weiß es nicht ..

  19. Lurker meint: (26.6.2008 um 20:07) AntwortenReply to this comment

    @19:

    Das kann uns allen ja zum Glück völlig egal sein – es muß nicht alles wichtig sein, was man tut; es genügt völlig, daß man es tun will – seit wann muß man sich denn für sein Verhalten vor irgendwem rechtfertigen?

    Sicherlich, man muß am Telefon nicht brüllen und sollte vielleicht auch nicht in der Hauptverhandlung telefonieren – warum und mit welcher Wichtigkeit ich aber telefoniere, ist aber zum Glück alleine meine Sache.

  20. OisKaDrama meint: (26.6.2008 um 20:20) AntwortenReply to this comment

    @19 Lurker

    War das eine ernst gemeinte Meldung? Oh ha .. und wenn ich mir in der U einen Wix*** will weil ich grade Zeit dazu habe, dann brauch ich mich auch nicht zu rechtfertigen?

  21. Euripides meint: (26.6.2008 um 20:21) AntwortenReply to this comment

    Ich frage mich nur, wie wir es früher ausgehalten haben, ohne jederzeit jeden anrufen zu können und zu fragen, wo er grad ist.

    @20: Stimmt, das geht nur Dich und das BKA was an, wann Du mit wem telefonierst.

  22. Troy McLure meint: (26.6.2008 um 20:48) AntwortenReply to this comment

    Neulich beim amerikanischen Hänchenschnellimbiß. Ein junger Mann steht in einer (langen) Warteschlange vor der Kasse. Als er an der Reihe ist zückt er sein Handy und fängt an zu telefonieren. Da Frau hinterm Tresen glaubt Sie sei im falschen Film und weißt den Rüpel mit forschen Worten jäh zur Seite.
    Gut so. Für bestimmte Leute ist benehmen leider ein Fremdwort. Dazu zählt auch ein deplatziertes Telefongespräch einfach zu vermeiden.

  23. Stefan D. Christoph meint: (26.6.2008 um 22:11) AntwortenReply to this comment

    @22: Stimmt. Und die Menschen früher haben auch ohne Rechtssystem und Menschenrechte gelebt. Alles nur neumodische Erfindungen.
    Wir können auch ohne leben! Schaffen wir den Scheiß wieder ab!

  24. cm meint: (26.6.2008 um 22:16) AntwortenReply to this comment

    @20
    Sie müssen sich nicht für Ihr Verhalten rechtfertigen. Bei überflüssigen Anrufen, die viele, die sie mitbekommen, nicht hören wollen, ist es für eine Rechtfertigung ja schon zu spät

  25. Euripides meint: (27.6.2008 um 04:41) AntwortenReply to this comment

    @24: Wird daran nicht schon seitens der Regierung fleissig gearbeitet?

    Das wird schon noch kommen, daß es strafbar wird, sein Handy auszuschalten, weil man dann ja nicht mehr ort- oder abhörbar ist. Sowas tun doch nur Terroristen!

  26. Zitante Christa meint: (27.6.2008 um 11:27) AntwortenReply to this comment

    Manchmal sind Handys aber auch nützlich:
    http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/welt/54,51-22929527.html

    Ach ja: mich nerven Dauertelefonierer auch, egal ob Festnetz oder Handy. Und ich hasse es, wenn ich mich irgendwohin begebe, um etwas zu regeln und werde im Gespräch immer vom Telefon gestört, das mein Gesprächspartner nicht klingeln lassen kann. Persönliche Gespräche sollten immer Vorrang haben, das gilt insbesondere bei Behörden.

    Freundliche Zitantengrüße!

  27. MaxR meint: (27.6.2008 um 15:58) AntwortenReply to this comment

    @16 – ich in oft in Skandinavien unterwegs, da hat fast jeder eine Freisprecheinrichtung. Das ist auch lustig, wenn Leute laut brüllend und gestikulierend durch die Welt laufen.
    Und jetzt überlege man sich, wie da im Restaurant aussieht, wenn jeder in sein Bluetooth-Headset brüllt …
    Es ist zum Schreien komisch!

  28. Hintergrund meint: (27.6.2008 um 19:35) AntwortenReply to this comment

    23 Troy McLure:
    Der telefonierende Kunde war ein Testkäufer der Regionalleitung. Die Mitarbeiterin hat anschließend wegen des Verstoßes gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens eine Abmahnung erhalten.

  29. Ein Beobachter meint: (27.6.2008 um 20:41) AntwortenReply to this comment

    Neulich an einer Tankstelle mitten in Mülheim an der Ruhr: Eine Frau reiferen Alters steht an ihrer basismotorisierten A-Klasse Wuppertaler Provenienz. Der Tankdeckel ist offen, der Zapfrüssel steckt. Am Ohr der Frau ein schwarzes, quaderförmiges Bluetooth-Headset, dessen Größe und Aesthetik selbst die Borg als unzweckmäßig empfinden würden. So steht sie satte fünf Minuten auf ihren mit erheblichen Sicherheitsreserven versehenen Beinen, telefoniert vor sich hin und stiert einen jeden durch eine billige Sonnenbrille aggressiv an, der ihren Selbst- und Fremdmordversuch fassungslos beobachtet. Schließlich legt sie auf, tankt endlich fertig und stampft zur Kasse.

    Und da rege sich einer über den Handytelefonierer am Nebentisch auf…

  30. legens meint: (27.6.2008 um 21:43) AntwortenReply to this comment

    @29: unmöglich. einfach unmöglich. da tut endlich mal jemand was _sinnvolles_ und wird dafür noch abgemahnt.

  31. supergrobi meint: (28.6.2008 um 13:06) AntwortenReply to this comment

    @Ein Beobachter: Ich darf übersetzen? Eine alte, fette Frau mit einem Auto das dir nicht gefällt hat dich böse angeguckt weil du sie angestarrt hast. Weil du denkst mit Mobiltelefonen könnte man Benzintanks anzünden.

  32. Alex meint: (28.6.2008 um 14:03) AntwortenReply to this comment

    Passiert mir auch immer wieder, daß einfach ein Telefongespräch durchrauscht. Manchmal sehr komisch.

  33. M.L meint: (29.6.2008 um 16:04) AntwortenReply to this comment

    @13
    Genauso ist es, darüber gibt es auch eine Studie:
    http://science.orf.at/science/news/127357

  34. Kand.in.Sky meint: (30.6.2008 um 23:07) AntwortenReply to this comment

    Kommunkation ist eine intime, zwischenmenschliche Auseinandersetzung, meistens jedenfalls wenn zwei daran beteiligt sind, die Qualität des Inhalts lassen wir mal aussen vor.
    Öffentliches Telephonieren ist also das nach-aussen-kehren dessen. Es ist zu vergleichen als ob man seine Notdurft mitten auf der Strasse verrichten würde.

    Ich habe aus dem fortwährenden Auseinanderfallen der Grenzen/Erziehung die Konsequenzen gezogen und führe bei Restaurant-/Konzertbesuchen etc. einen GSM-Jammer mit.

    Irgendwann ist Schluss mit der Toleranz den Dumpfbacken gegenüber und die Ruhe einfach himmlisch – vor allem wenn auf Knopfdruck herbeigeführt.

    Immerhin, ich wurde am Telephon auch schon mal mit dem HappyEnd eines Essen (Toilettenspülung) begrüsst…

    #k.

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