Freundliche Worte vom Staatsanwalt
“Dem angeschuldigten Arschloch ist ein Pflichtverteidiger zu bestellen”, musste ein Augsburger in einer Anklageschrift lesen. Wie es dazu kam und wieso dieser Ausrutscher der Staatsanwaltschaft peinlich ist, berichtet die Augsburger Allgemeine.
(Danke an Sascha Borowski für den Link, siehe auch Augsblog)
Vielleicht musste der betreffende StA zwischen "angeschuldigten" und "ist" plötzlich niesen. So wie es hieß, seien diese Schreiberkennungsprogramme ja noch nicht so sehr ausgereift.
Erinnert mich an die eine Folge von Elton vs. Simon, wo sie auf einem Pfarramt anrufen sollten und eine List an derben Schimpfwörtern abzuarbeiten hatten. Das "A*schloch" war dann auch ein Nieser…
O-Ton der Augsburger Allgemeine: "Eigentlich ist es, vom Gesetzgeber so gewollt, Aufgabe der Staatsanwaltschaft, das Fazit, ob schuldig oder nicht, erst im Prozess nach Beweisaufnahme zu ziehen."
BITTE WAS IST GEWOLLT???
Von mir ist jedenfalls gewollt, die Zeitung, die ich lesen, also das geschriebene, bereits beim Lesen zu verstehen.
Aschermittwoch passt in dem Kontext nicht so richtig, und Effes (angebliches) "Schönen Abend noch" auch nicht. Was mag der wackere StA wohl wirklich diktiert haben (wenn nicht doch das böse A-Wort)?
"…Er war mit 180 Schildkröten im Gepäck von Zollfahndern aufgegriffen worden…"
"…Der angeklagte Augsburger, 1997 schon einmal wegen der illegalen Einfuhr von Schildkröten verurteilt, beteuerte, mit dem jetzt angeklagten Schmuggel nichts zu tun zu haben….."
Da haette die Augsburger Allgemeine doch mal noch die Darstellung des Angeklagten dazuschreiben koennen…?
@5, RA JM:
Augsburg liegt doch in Schwaben…
"Dem A'klahgden _isch a no_ oin Flischdverteidischer zu schdelle"
Die Software macht dann den Rest. :-)
Grüße!
#4 Jimmy:
Einfach die Nebensätze rausnehmen dann erschließt sich auch der Satz, der erste Nebensatz sitzt da ein wenig holprig, aber durchaus korrekt.
“Eigentlich ist es Aufgabe der Staatsanwaltschaft, das Fazit, erst im Prozess nach Beweisaufnahme zu ziehen.”
Und das Ganze ist vom Gesetzgeber so gewollt.
Na kommt, guckt euch mal an, was der gemacht hat. Das war keine Beleidigung, das war eine Tatsachenbehauptung.
@8: Danke, das war mir schon klar. ;-) Trotzdem ist da das ein oder andere Komma falsch, wie übrigens auch in deinem Satz. Davon ab schreibt man so einfach nicht!
Mal unabhängig, was der Angeklagte getan hat. Der Staatsanwalt, der so etwas abdiktiert – auch wenn er den Fehler bemerkt und versucht zu korrigieren – ist stark mit Vorurteilen belastet. Für ihn sind aus seiner Sicht schuldige Angeklagte eben Arschlöcher. Das es eine Unschludsvermutung gibt, und der Angeklagte erst nach rechtskräftiger Verurteilung ein Arschloch sein könnte, interessiert den Staatsanwalt scheinbar nicht mehr.
es war die maschine! es war doch nicht mein fehler!
interessante variante der alten ausrede. dass sie nicht akzeptiert wird, ist nachvollziehbar.
ich muss dabei an situationen denken, in denen die "urteilsfähigkeit" bzw. verlässlichkeit von maschinen <a href="http://www.heise.de/ct/hintergrund/meldung/85615" rel="nofollow">anders</a> beurteilt wird.
natürlich ein ganz anderer sportplatz. der reflex, sich hinter der magie von maschinen zu verstecken, kommt häufig vor – mal peinlich, mal erschreckend und irgendwie immer naiv.
.~.
@11 Zitat aus dem verlinkten Artikel:
Auch mich würde da mal die Ausrede des Angeklagten interessieren. Es ist auch recht wahrscheinlich, dass hier eine Schreibkraft und nicht der Staatsanwalt diesen "Fauxpas" zu verantworten hat. Davon mal abgesehen: Jemand, der 180 Schildkröten im "Gepäck" hat, würde von mir auch erst einmal als "Arschloch" tituliert. Es gibt kein Urteil ohne Vorurteil. Wenn ich z.B. urteile, dass ein Handytelefonat nicht schädlich sei, stütze ich mich auf das (Vor)Urteil der Wissenschaftler, die das rausgefunden haben wollen. All meine Urteile beruhen auf angeblichen Fakten, also Urteilen, die ich so übernommen habe. Und da nimmt sich weder der Staatsanwalt, noch der Verfassungsrichter aus. Dass man solches dann nicht kommuniziert, ist wahrscheinlich die Regel. Es macht aber keinen Unterschied, ob das Vorurteil auf dem Papier oder nur im Kopf des Staatsanwaltes wirkt.
Normalerweise bügelt die Schreibkraft solche Fehler aus.
Hier wird aber angeblich direkt vom Diktiergerät aus geschrieben.
Ohne Sekretärin.
Vielleicht heißt der Mann ja wirklich Arschloch.
Griechische Schildkröten? Der Mann hieß vermutlich Archilochos. http://de.wikipedia.org/wiki/Archilochos
Wenn ich das richtig sehe, dann kann der Angeschuldigte ja jetzt seinerseits Ermittlungsmaßnahmen einleiten. Oh, ich vergaß, die Beleidigung war ja nur ein "technischer Fehler" oder bestenfalls ein "Versehen" gewesen.
@14(dubu)
Das, mit Verlaub, geht wohl kaum. Da würde nur Müll produziert und das Korrekturlesen dürfte ein Vielfaches der Zeit in Anspruch nehmen. Aber als Ausrede für die Allgemeinheit ist das natürlich tauglich.
@16(Bernie) lol ;)
Ich denke mal manschmal ist einem Staatsanwalt es auch zuviel, da passiert so etwas mal (ganz selten^^). Ich meine so als "ausrede" die Rechtschreibprüfung ist auch nicht vollkommen, glaubt es natürlich auch jeder dem Staatsanwalt xD
Aber wirklich ein schöner Beitrag.
Ach je; da hatte also "entweder ein Staatsanwalt oder eine Schreibkraft einen Blackout". Ja, wer wohl? Es war bestimmt wieder die Schreibkraft, die für diesen Fehler öffentlich gesteinigt werden wird. Einem Staatsanwalt passiert doch so etwas gar nicht.
Ups…. Mir wird gerade übel :o(
Um Diktatblockaden zu lösen, ist es keine schlechte Lösung, einfach mal draufloszusprechen, was immer man gerade denkt. Entwürfe sind schriftliche Gedanken – und Gedanken sind frei. Allerdings muss man seine Software schon beherrschen und die richtige Version zum Drucken geben….
Nichts gegen "diktatblockadenlösende Maßnahmen", aber die sollte man nicht während des Diktates einer Anklage ergreifen. Dafür sind andere Mittel geeigneter. Und das Wort "A….loch" inmitten einer Anklage zu platzieren stellt für mich auch keinen Versuch dar, evtl. Diktatblockaden lösen zu wollen. Das war schlicht ein Ausrutscher, wie nicht passieren sollte.
Man muss dem Staatsanwalt ja nicht zwangsweise böse Gedanken unterstellen. Er diktierte die Anklageschrift vielleicht einfach nur während der Autofahrt vom Büro nach Hause…
In dem Fall dürften die gröbsten Schnitzer rechtzeitig entfernt worden sein :D
@Sabine Fertigt der Staatsanwalt denn die Schriftsätze selbst?
Genau das meinte ich. War doch wieder nur eine dumme Schreibkraft, der die verbalen Entgleisungen ihres Chefs entgangen sind. Aber ernsthaft: Gibt es wirklich Zweifel an der niveaulosen Aussage des Staatsanwaltes? Natürlich sucht man nun in den "oberen Etagen" nach einer glaubhaften Entschuldigung und es wird auch sicherlich eine gefunden werden. Das wirkt alles ziemlich lächerlich auf mich.
Verantwortlich ist der, der in Auslauf zu geben anweist und/oder unterschreibt.
Sammelbestellungen für Spracherkennungssoftware gefällig? Irgendwer?
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,577178,00.html
@ 7: augsburg im schwäbischen?
also bitte…geographie: setzen, sechs!
@29,
Augsburg ist Regierungssitz des bayrischen Regierungsbezirks Schwabens, gehört also nicht zu Baden-Württemberg, aber sowohl sprachlich als auch geographisch zu Schwaben.
Geographie wird auch als "Erdkunde" bezeichnet und ist das Schulfach mit den vielen Städten und Flüssen.
Ja, ja, die Technik mit ihren Tücke, Lücken und Löchern. An beiden Enden sitzen aber Menschen – intelligente Wesen, sollte man meinen.
@29
Hier eine Karte von Schwaben:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e0/Seltzlin_map_1572.JPG
Von Interesse dürfte hier der zweite Absatz sein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwaben
Und als Zusatzinfo eine kleine Zitatensammlung:
http://de.wikiquote.org/wiki/Dieter_Nuhr
als "Exilschwabe" muss ich da auch mal mitkommentieren: Wie aus @32 auch zu erkennen, ist Augsburg quasi der östlichste Rand Schwabens – oder vielleicht eher, war es; jedenfalls würden die meisten Augsburger sich heute wohl doch eher als "Bayern" bezeichnen und die Bezeichnung "Schwabe" evtl. als Beleidigung interpretieren. Kurios insofern, als, wie jeder Besucher Augsburgs vor Ort unschwer erkennen kann, sämtliche mittelalterlichen Befestigungen gen Osten gegen die "bösen Bayern" angelegt sind…. wohl ein Witz der Geschichte, dass es heute zum Ex-Feind gehört.
Zusatz-Frage für Spezialisten: Wo liegt "Schwäbisch Hall"? – Nein, eben NICHT im Schwäbischen – die dortigen Eingeborenen legen großen Wert darauf, als HOHENLOHER(INNEN) bezeichnet zu werden, wie ich vor Jahren bei einem Diskobesuch feststellen musste. Der Irrtum hätte einem Kollegen fast Ohrfeigen einer ok etwas angetrunkenen *Dame* eingetragen ;-)
Sind Badener nun Schwaben oder nicht ?
Der Wikipedia-Artikel ist hier sehr verwirrend. Wer sich selber alles mal für Schwaben hielt oder auf keinen Fall Schwabe sein wollte. Sehr schwierig.
@ 36: Um Himmels Willen: NEIN!!!