Den Daumen raushalten
Bis ich noch kein eigenes Auto hatte, also bis zum Jahr 1982, gehörte Trampen für mich zu den bevorzugten Fortbewegungsmöglichkeiten. Ich weiß noch gut, dass es zu der Zeit keineswegs ungewöhnlich war, den Daumen rauszuhalten.
Ich habe mich dann später auch bestmöglich für die unzähligen Mitfahrten revanchiert. Und lange Zeit jeden Anhalter mitgenommen. Ich lebe noch.
Irgendwann muss das Trampen aus der Mode gekommen sein. Heute habe ich erstmals seit urlanger Zeit überhaupt mal wieder Anhalter gesehen. Leider standen die beiden an der Auffahrt vom Rasthof Geismühle (A 57). Ich hatte keine Möglichkeit anzuhalten.
Aber in Erinnerungen schwelge ich noch immer…
http://www.mitfahrgelegenheit.de/
http://www.hitchwiki.org/
http://www.abgefahren-ev.de/
es kommt wieder :)
Auch wenn man nicht mehr viele sieht, gibt es tatsächlich noch viele Leute die so regelmäßig lange Strecken reisen, mich eingeschlossen. Meistens wartet man aber nicht lange, deswegen sieht man Tramper wohl selten.
Also ich trage jetzt schon seit 4 Jahren nahezu jeder Tour (ab 100km) bei mitfahrgelegenheiten.de ein und könnte jedesmal gleich einen ganzen Kleinbus mieten um alle Anfrager auch tatsächlich mitnehmen zu können.
Passiert ist mir auch noch nie etwas. Man lernt meist recht nette Leute kennen – das macht die Fahrt etwas entspannter und nicht so langatmig.
Seit einiger Zeit hat ein guter Freund von mir die http://www.rote-punkt-aktion.com ins Leben gerufen.
Immer weiter so.
Ich hätte ja nun auch keine Angst, daß mich der Tramper gewaltsam anfällt.
Wohl aber, daß es bei einem eventuellen Unfall zu Schadenersatzansprüchen kommt – gab es da nicht mal einige sehr merkwürdige Urteile?
Mir ist nur im Hinterkopf geblieben, daß das Haftungsrisiko beim Mitnehmen doch erheblich ist.
Da empfehle ich doch Ulrich Roski und seine Liselotte von der Pfalz …
Findet sich hier drin: http://www.helmut-froehlich.de/Musik/Roski/Roski-Texte_alphabetisch.pdf
Während meiner zwölfjährigen Zeit im internationalen Fernverkehr habe ich so manchen Tramper mitgenommen. Eine tschechische Studentin ist 1992 sogar 2 Wochen mit mir unterwegs gewesen. Sie wollte per Rucksack durch Europa und ich musste erst nach Alicante und danach einmal rund durch alle französischen Provinzen und schließlich nach Neapel.
Hach ja, das war mal eine der seltenen guten Erinnerungen an den alten Job… :)
Besteht denn beim Mitnehmen von zuvor unbekannten Personen (Trampern) eine erhöhte Sorgfaltspflicht? Bzw. wieso kann daraus nach einem Unfall verschuldet/unverschuldet eine erhöhte Haftung geltend gemacht werden?
_Das_ würde mich nun wirklich vom Mitnehmen von Trampern abhalten…
Ich würde TramperINNEN mitnehmen, hat sich aber bisher nie ergeben. Als Frau scheue ich heutzutage einfach davor zurück, einen Mann mitzunehmen.
In Erinnerungen schwelg … kann mich daran erinnern, dass meine Mutter immer jede Menge Tramper eingesammelt hat, während mein Vater prinzipiell niemanden mitgenommen hätte.
Einmal hat sie spät nachts eine Gruppe (viel zu junge) von 5 Diskobesucherinnen eingepackt. War dann etwas eng im Renault5 ;)
Nee – ich mag einfach keine Tramper. Ich fand schon immer das es eine dreiste Form der Schnorrerei ist ….
Die paar mal wo ich welche mitgenommen habe war das auch nicht so angenehm …
Jetzt hab ich das Problem ohne hin nicht – da ich kein Auto mehr besitze und öffentliche Mittel nutze.
Und bei Mietwagen halte ich das haftungsrechtlich für problematisch …
Aber bei diesen Mitfahrzentralen verabredet man ja meistens eine Kostenbeteiligung. Ist das dann eigentlich legal. Könnte man ja als gewerblichen Personentransport auslegen, jedenfalls wenn das öfters gemacht wird, und da bräuchte man doch einen Personenbeförderungsschein.
Ja, aus der Mode gekommen wegen der einschlägigen Internetangebote (s.o.) Es ist eben praktischer, einen festen Ort zu vereinbaren, als 2 h in der Kälte zu stehen.
Dreiste Schnorrerei – k.A., hat der Fahrer irgendwelche Zusatzkosten? (Klar, rechnet ruhig aus, was das an Mehrverbrauch ausmacht.) Stattdessen lieber langweilen und mit 3 leeren Plätzen hunderte km zurücklegen. Was für eine Verschwendung.
PS @10: Ja, manche verdienen wohl tatsächlich Geld damit. Kann man natürlich melden. Muss man aber nicht.
Trampen… das war doch das wovor uns unsere Eltern immer gewarnt haben, oder?
Deswegen habe ich "The hitchhikers guide to the galaxy" auch heimlich gelesen.
Ich trampe regelmäßig, bin schon bis nach Barcelona und Amsterdam gekommen. Die meisten sagen, man sehe kaum noch Tramper, aber an "der" Trampstelle in Dresden (Hinterausgang Bahnhof Neustadt) steht beinahe jeden Nachmittag jemand (es geht Richtung Berlin). Bin übrigens auch mal nach Düsseldorf getrampt, morgens in Dresden los, 18 Uhr dagewesen.
Mitfahrgelegenheit ist Trampen für Arme.
?? "Bis ich noch kein eigenes Auto hatte, …" ??
Wie meinen? ;-)
Das soll doch entweder heißen:
" Als ich noch kein eigenes Auto hatte, …"
o d e r
" Bis ich () ein eigenes Auto hatte, …"
Greets!
aufpassen: Wer Geld (oder andere Gegenleistungen) nimmt begründet damit (zumindest in Österreich) einen Transportvertrag und ist für alles mögliche haftbar!
@9:
"…da ich kein Auto mehr besitze und öffentliche Mittel nutze."
Ist das nutzen öffendlicher Mittel keine dreiste Form der Schorrerei? :-D
@ Nina (8)
Als Frau nur Frauen mitnehmen, das kann denke ich jeder gut nachvollziehen. Aber ansonsten leben wir halt in einer Welt, wo jeder alles schlechte hört was passiert, und die Angst hochgeht (mit freundlicher unterstützung unserer Regierung und den Medien).
Ich glaube, das beim Mitnehmen etwas passiert ist wohl sehr selten, und wie schon angesprochen, lernt man bei sowas oft nette Leute kennen.
Also bringt freundlichkeit in die Welt ;)
Ich vermute, dass das Trampen mit § 129a StGB (Bildung terroristischer Vereinigungen) kollidiert. Jeder Tramper wird sofort verschäubelt.
Tramper gibt es leider nicht mehr viele. Und der komische Kautz vor drei Wochen wollte aus irgendeinem Grund nicht in den kleinen Silbernen aus Zuffenhausen einsteigen. Ich hätte mir damals [sic!] die Finger nach einer Mitfahrgelegenheit im Porsche geleckt! Tz.
> Aber bei diesen Mitfahrzentralen verabredet man ja
> meistens eine Kostenbeteiligung. Ist das dann
> eigentlich legal. Könnte man ja
> als gewerblichenPersonentransport auslegen,
> jedenfalls wenn das öfters
> gemacht wird, und da bräuchte man doch
> einen Personenbeförderungsschein.
Es gibt ganz aktuell in Kanada einen Rechtsstreit dazu:
http://www.thestar.com/News/Ontario/article/482653
Tramperkönig!
75.000km pro Jahr. 2 Jahre lang!!
Dank eines Freundes vom Chaos Computer Club, bin ich aufs Trampen gekommen. Ich konnte meine Technik etwas verbessern und trampe regelmässig zwischen Bayern und der Ostseeküste hin und her. Meistens dauert die Fahrt nicht länger als mit der schnellsten Verbindung der Bahn. Sich an den Straßenrand hinzustellen ist absolut ineffizient, bisweilen ineffektiv.
Dieses Muster-Beispiel zeigt: Selbst wenn der einzelne Fahrer grundsätzlich sehr bereitwillig ist, den Anhalter mitzunehmen, macht es ihm der Tramper schwer bis unmöglich anzuhalten ohne Andere zu gefährden. Hinzu kommt, dass der Entscheidungszeitraum den der Fahrer hat, so kurz ist, dass er häufig zu keinem Ergebnis kommt, bevor er an dem Anhalter vorbeigefahren ist. Nachdem er vorbeigefahren ist, sind die Widrigkeiten denjenigen mitzunehmen so hoch, dass die Wahrscheinlichkeit des Mitnehmens noch geringer ist, als vor dem Vorbeifahren.
Am besten man spricht die Leute an. Minimallösung ist die rote Ampel. Am besten sind Tankstellen und Rastplätze, gleich danach Parkplätze und Rasthöfe. Ein Personalausweis hat schon wunder gewirkt. Ein ordentliches Äusseres dürfte auch kein Geheimtipp sein und wird trotzdem gerne ignoriert.
Happy tramping.
@Gandhi meint: (13.11.2008 um 18:26)
"Tramperkönig!
75.000km pro Jahr. 2 Jahre lang!!"
Indien ist ja auch nicht gerade um die Ecke …
Ich mein ja nur, weil die ARD geschrieben hat, dass da Preise ausgehandelt werden… Ach lest selbst
http://www.daserste.de/ratgeber/reise_beitrag_dyn~uid,jk6u2jvz1k6cix4h~cm.asp
"Die Preise bestimmt übrigens der Fahrer – Mitfahrer sollten deshalb schon vorab danach fragen. Im Idealfall werden die Spritkosten plus zehn Prozent Aufschlag durch die Anzahl der Passagiere geteilt. Wir vergleichen die Preise: Für eine Fahrt von Saarbrücken nach Köln werden im Regionalexpress 51 Euro fällig. Im ICE kostet es sogar 85 Euro.
Autofahrer zahlen im Schnitt 78 Euro und die Mitfahrzentrale ist mit 15 Euro bei Weitem am preiswertesten. "
@22: Recht haste – bitte da hinstellen wo man eine Möglichkeit hat anzuhalten. Dann wirste – zumindest von mir – auch mitgenommen ;-)
Und warum sollte ich Schiss haben Tramper mitzunehmen? Nur weil mir irgendwelche ominösen Wahrheitsministerien erzählen wollen daß das Leben ganz ganz dolle gefährlich ist?
lt. ARD-Bericht:
[URL]http://www.daserste.de/ratgeber/reise_beitrag_dyn~uid,jk6u2jvz1k6cix4h~cm.asp[/URL]
"Bei einem Unfall sind die Mitfahrer übrigens über die Haftpflichtversicherung des Fahrers abgesichert. Zusätzliche Versicherungen müssen also nicht abgeschlossen werden."
Na, dazu müsste er ja schuldhaft eine Verletzung ermöglicht haben, wie ich das sehe. Und wenn ein anderer Schuld ist, dann eh nicht.
Da sehe ich nur Überhöhte Geschwindigkeit oder gravierende Sicherheitsmängel am Wagen.
Es geht um das Trampen und sofort kommen Stimmen nach eventuellen rechlichen Konsequenzen auf. Das ist typisch Deutsch. Alles und Jedes fünf mal abklopfen um es dann aus Angst doch nicht zu tun. Es gibt keine Garantie für die Unversehrtheit des eigenen Lebens. Wer zuviel Schiss hat verschenkt Lebensqualität. Und was das Rechliche angeht. Sch..ss drauf. Wenn mir mein Finanzamt erklären will, dass ich meine Mitfahrer (aus einer Mitfahrzentrale) ja gegen Bares mitneheme und es somit gewerblich handel, da 'lach ich über'. Dann sollen die mir doch einmal den Umfang meines 'Gewerbes' nachweisen. Ich weiß – inzwischen ist in Deutschland alles möglich. Und es gibt nix was es nicht gibt. Trotzdem. Ich lasse mir keine Angst machen.
Ein Bürger der Bananenrepublik Deutschland
ich bin vor mehr als 20 jahren durch irland getrampt. den aufenthalt habe ich mir mit dem verkauf von penthouse und playboy verdient – die gab es damals auf der grünen insel nicht.
ich habe so viele tolle menschen kennengelernt und lebe auch noch.
greetz
anahid
Komisch. Den eigenen Kommentar mindestes 5 x durchgelesen und immer noch Fehler! Super gemacht. Es lag bestimmt daran, dass ich mich von dem Bearbeitungs-Countdown unter Druck gesetzt gefühlt habe ;o)
wo sonst sollte man denn rechtliche aspekte besprechen wenn nicht im lawblog? ich meine das es nicht schadet sich informiert zu haben.
ich nehme auch gerne mitfahrer mit, bei geplanten fahrten auch per mitfahrgelegenheit.de
ich selbst würde lieber zug fahren, aber dafür das 3-5fache bezahlen ist mir der komfort auch nicht besonders oft wert.
dazu kommt die abwägung von smalltalk mit potentiell netten mitfahrern vs dem buch das man mit hat :)
mein vater hatte mal viel ärger mit einem tramper der, als er im auto sass, recht konkrete wünsche äusserte wo er hin wollte. als mein vater ihn dann an der ausfahrt rausgelassen hat statt ihn bis in die stadt zu fahren hat ihm der typ die autotür kaputtgetreten. da der mann mittellos war durfte mein vater die tür auf eigene kosten reparieren.
er nimmt aber immer noch leute mit, schaut aber sicher etwas genauer…
Seltsames Zusammentreffen – gestern saß ich mit einem Ihrer Berufskollegen zusammen im auto und er wunderte sich darüber, daß er früher immer Anhalter mitgenommen hätteund heuzutage keine mehr zu finden seien.
Ich bin nie getrampt und habe bisher nur einmal Tramper mitgenommen.
Es waren drei junge Polen, die nach Hause wollten. Sie hatten mit an der Raststätte "Münsterland-Süd" angesprochen. Ich habe ihnen erklärt, dass ich nicht nach oder Richtung Berlin (mit der Möglichkeit zum Weitertrampen nach Polen) fahre, sondern nur bis / über Hamburg Richtung Ostholstein.
Das war für die drei Tramper kein Problem. Die Fahrt war verregnet und wenig kommunikativ – die drei Polen haben friedlich geschlafen, während ich Kilometer gemacht habe.
An der Raststätte "Hamburg-Stillhorn" habe ich sie mit dem Tipp in die Freiheit entlassen, sich Richtung Berlin durchzutrampen bzw. nach Mitfahrgelegenheiten zu suchen, die den Weg (Richtung Osten) über die A20 nehmen.
Fazit: Ich würde jederzeit wieder Tramper mitnehmen. Aber nur, wenn sie in meine Richtung wollen :-) ………
tja, bis vor drei Jahren war ich auch begeisterter Mitfahrzentralen-Mitnehmer (also als Fahrer). Dann hatte ich einen Unfall; wirklich passiert ist niemand etwas außer blauen Flecken vom Gurt oder so, trotzdem meinten zwei der Leute, sie müssten mich anzeigen (die anderen beiden sind per Mietwagen sogar noch den Rest der Strecke bei mir mitgefahren).
Ergebnis: 5 Punkte wegen "fahrlässiger Körperverletzung", 660 Euro Geldstrafe.
Wie mir mein Anwalt sagte, ist das Problem hierzulande eben, dass der Gesetzgeber bei einem Unfall (sofern kein technischer Defekt vorliegt oder ein anderer in verursacht hat) davon ausgeht, dass der Fahrer schuld ist – und wenn er (Zitat) "im Hochsommer mit Schneeketten bei 20 km/h von der Straße rutscht". Sagt einer der Mitfahrer dann "Aua" und zeigt den Fahrer an, ist's deshalb automatisch fahrlässig, auch wenn man keine Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten hat o.ä..
Für mich war das das Ende der Mitnehmerei. Sehr schade, aber das Risiko will ich nicht eingehen.
Ich bin früher selbst kreuz und quer durch die Republik getrampt (z.B. ständig von Kiel zur Freundin nach Hamm) – und ich lasse heute keinen im Regen (bzw. an der Strasse stehen).
Es ist nicht so langweilig im Auto, man nennt nette (oftmals unkonventionelle) Leute kennen, kann manchmal seine Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren.
Und – wer "auf dem Daumen reist" belastet die Umwelt nicht mit noch einem weiteren PKW. Ich habe öfter schon Leute mitgenommen, die sich selbst durchaus ein Auto hätten leisten können – das Trampen aber als Lebenseinstellung sahen – fand ich schön.
Ich denke gerne an die Zeiten zurück, in denen ich jedes Jahr 100.000nde von km kreuz und quer durch Europa fuhr. Ich habe _immer_ Tramper mitgenommmen und _nie_ schlechte Erfahrungen gemacht. Mit den Erlebnissen könnte ich ein Buch füllen. Zum Teil blieb ich noch jahrelang mit den Leuten in Kontakt. Ich vermisse die Tramper. Haftungsrechtliche Fragen sind mir viel zu deutsch und daher egal.
Hitchhiking wird langsam (wieder) zu einer Art Jugendkultur, wenn man mir oder einigen Freunden von einer geplanten Reise innerhalb Europas erzählt, kommt meistens ein "tramp doch dahin", gefolgt von Philosophieren über die besten Autobahnen und Raststätten auf dem Weg :)
Im August war das erste europäische Hitchhiker-Treffen in Paris, siehe auch "meine" Wobsite.
Afrika, Europa, Amerika – alle moeglichen Ecken, und das sicher. Nur einmal beschossen worden. Allerdings schon wieder ein Jahr her, dass ich einen Anhalter gesehen und mitgenommen habe. Alter Lobbyist.
Was ich nicht mehr empfehle, ist der Sprung auf den Freight Train – zu viel organisierte Kriminalitaet auf den Waggons.
Weiterhin zu empfehlen: Gras auf Friedhoefen zum Uebernachten – ruhig und bequem, selbst in Wuestengegenden zu finden.
Vielen Dank für den Beitrag! Ich glaub, ich muss auch mal wieder den Daumen raushalten. Zug fahren ist ja soo langweilig.