Tempora mutantur
Die 5. Deutsche Postkonferenz lehnte 1865 die Einführung der Postkarte ab. Man fürchtete um das Postgeheimnis.
Heute – alles Postkarte.
Die 5. Deutsche Postkonferenz lehnte 1865 die Einführung der Postkarte ab. Man fürchtete um das Postgeheimnis.
Heute – alles Postkarte.
Hallo Mutti, das Wetter ist gut, unser Hotel ist eine Burg und das Essen schmeckt. Wir liegen viel am Strand und fahren bald nach Pumako zum Fotos machen. Viele Grüße, dein Sohn
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…auf meinen Postkarten stehen meist nur ungeheime Geschichten. ;-)
Hier geht es auch weniger um die Urlaubskarten denke ich, da sucht es sich doch jeder selbst aus, ob er einen Brief oder eine Postkarte schickt.
Wenn ich aber sehe wie viele Formulare (Sperrmüll-Bestellung, um nur ein Beispiel zu nennen) mittlerweile als Postkarte angelegt sind, kann einem schon etwas schlecht werden.
Jetzt sehe ich hier schon wieder die große Datenschutz-Diskussion aufbranden…
Naja, das ist aber immer schon gewesen – jede Neuerung muss sich durchsetzen. Früher als die Eisenbahn erfunden wurde, rieten Ärzte strickt vor dem ach so schnellen Reisen mit der Eisenbahn ab. Eine Reise mit 30km/h könnte zu Hirnblutungen führen :-)
@1: Das ist das unsinnige "Ich hab nix zu verbergen" Argument. Das zählt nicht. Es geht einfach niemanden etwas an was du schreibst. Und wenn du eine Postkarte statt einem Brief nimmst, dann bestimmst du das und gibst das Postgeheimnis aus. Derzeit läuft es allerdings so, das uns von allen möglichen Seiten *aufgezwungen* wird auf Briefe zu verzichten – Bildlich gesprochen.
Die moderne Postkarte heißt unverschlüsselte E-Mail. Und was da nicht alles verschickt wird… Unmengen von vertraulichen Daten, aus Unternehmen wie auch privat. Natürlich auch von Behörden. Mitunter auch persönliche Daten, z.B. mal schnell der ausführliche Lebenslauf als Vorab-Bewerbung etc.
Es geht ja so wunderbar schnell, ist modern, verschlüsseln tut nur, wer was zu verbergen hat und ' …ich weiß nicht wie das geht, außerdem verschlüsseln die anderen ja auch nicht…'
…mutamur in illis.
Was wohl heute aus den Leuten geworden ist, die jahrlang bei Versandhäusern via Postkarte bestellt und dort sämtliche privaten Daten nebst Kontoverbindung angegeben haben?
Das ist ja heute undenkbar…
Naja wennn heute digital die Verkehrsdaten gespeichert werden, dann wird bestimmt auch registriert, wer wieviel Gramm Post (oder Sprengstoff) an wen gesendet hat…
grade erlebt, Einzugsermächtigungsvordruck eines Vermieters:
Bitte geben Sie uns Ihre Bankverbindung mit, benutzen Sie hierfür die beiligende Antwort-Postkarte!
Man hat sich doch auf einen Dauerauftrag verständigt…
@4: Sachte, ich glaube was 1 meint ist mehr: Auf eine Postkarte schreibe ich nichts, worüber ich nicht irgendwo reden würde, wo mir fremde Leute zuhören können. Meine privaten Unterhaltungen gehen auch niemanden was an, bei einem Teil ist mir aber schlicht egal, ob jemand zuhört oder nicht, bei einem Teil ist es mir nicht egal – obwohl ich nichts zu verbergen habe. Aber zwischen "jede Information für alle" und "nichts für niemanden" gibt es ja auch noch einen Bereich.
Naja, etwas anderes als Postkarten sind ja auch emails nicht.
Wer verschlüsselt schon seine emails und seis mit ROT-13 ;-)
@9: Die Postkarte hätte ich vielleicht sogar hergenommen. Aber nach dem Ausfüllen in einen Briefumschlag gesteckt…. ;)
Diese "aufgezwungenen Postkarten" halte ich auch für eine Unverschämtheit. Aber wenn ich mich entschließe, eine Postkarte z.B. aus dem Urlaub nach Hause zu schicken, dann achte ich auch vorher darauf, was ich schreibe und vor allem: Ich entscheide mich selbst dazu.
Das ist ein bisschen wie die sozialen Netzwerke: Man gibt zwar viele Informationen über sich Preis, aber man entscheidet trotzdem noch selbst, welche Informationen man weitergibt und welche man lieber für sich behält.
Anderes Beispiel: Es macht auch einen Unterschied, ob ich jemanden in meinen Partykeller lasse, der quasi für jeden offen ist, oder ob ich jemanden in meine Wohnung lasse. Und bei letzterem lasse ich nicht unbedingt jeden in mein Schlafzimmer. Es geht halt darum, dass man selbst bestimmt, wer welche Informationen zu sehen kriegt. Und wenn man manche Informationen quasi für gemeinfrei erklärt, dann ist das auch die eigene Entscheidung. Aber es gibt vieles, was ich in einen richtigen Brief vielleicht schreiben würde, auf eine Postkarte aber nicht. Und das betrifft nicht nur Bankverbindungen.
Das ist das unsinnige “Ich hab nix zu verbergen” Argument. Das zählt nicht.
Ein Umkehrschluss, der sich rasant etabliert hat. Zumindest in diesem Blog. Nur weil es modern geworden ist, seine Privatsphäre gegen Überwacher, Datensammler, Spammer und sonstige Unholde zu verteidigen, darf plötzlich umgekehrt niemand mehr sagen: "Es ist mir scheißegal, wer meine Postkarten liest". Verkehrte Welt.
Sperrmüll-Bestellung – was dat denn? Kann man da Gerümpel ordern?
@2:
Das irritiert mich: man kann möglicherweise mitlesen, dass ich den Sperrmüll abholen lassen möchte (das ist schlimm), aber dann stellt man den ganzen Plunder auf die Straße, wo es jeder sehen kann – und in begrenztem Rahmen auch zuordnen – und das ist dann ok?
Der Datenschutz darf nicht ad absurdum geführt werden, wenn er ernstgenommen werden will. Datenschutz existiert nicht seiner selbst willen, sondern als Ausfluss des Persönlichkeitsrechts. Und genau deshalb darf ich selbst bestimmen, was ich an Daten preisgebe und was nicht. Und vor allem: an wen ich die Daten preisgebe.
Meine Emails sind nicht verschlüsselt. Weil ich – vielleicht blauäugig – an § 206 StGB glaube. Genau so blauäugig trage ich keine schußsichere Weste. Wer eine Straftat oder eine andere rechtswidrige Tat begehen möchte, kann das tun, wenn er es sich fest vorgenommen hat. Damit muss man leben (sonst haben wir einen Überwachungsstaat). Ich nehme mir die Freiheit, darauf zu vertrauen, dass diese Gesellschaft noch funktioniert (und das heißt, dass alle oder zumindest der Großteil der daran Beteiligten sich zu benehmen weiß). Wenn ich diese Freiheit nicht mehr haben sollte (und das beginnt für mich bereits damit, meine Emails zu verschlüsseln oder keine Postkarten mehr verschicken zu können, ohne dass die nicht jemand liest), wandere ich aus.
Wer meint, selbst die Mauern bauen zu müssen, schafft sich die Gängelung eines totalitären Regimes. Zur Verteidigung der Freiheit hat es noch nie getaugt, seine eigene Freiheit einzuschränken.
… et nos mutamur in illis: Es liegt an uns den Aufwand zu treiben und unsere E-Mail zu verschlüsseln.
Das Problem beim Verschlüsseln liegt m.E. darin, dass zum verschlüsselten E-Mail-Versand auch ein Kommunikationspartner der mitmacht. In Einzelfällen ist das noch machbar, aber leider gibt es mehrere Standards, so dass die Angelegenheit noch unkomfortabler wird.
P.S.: Im III.Reich beförderte die Reichspost ab einem bestimmten Datum aus naheliegenden Gründen _nur_ noch Postkarten. Weiss jemand das Datum ?