Etwas, das man aushalten muss
Die heutige Musik von Joachim Witt (“Der Goldene Reiter”) ist eigentlich keiner Erwähnung wert. Auch über das Video zu seinem neuen Song “Gloria” wäre aller Voraussicht nach großflächig ein Mantel der Nichtbeachtung gelegt worden. Dagegen haben Witt und der Regisseur aber – vielleicht sogar unabsichtlich – vorgebaut, indem sie im Clip deutsche Soldaten Kriegsverbrechen begehen lassen.
Die Kämpfer mit deutlich erkennbaren schwarz-rot-goldenen Uniformstickern verhalten sich wenig heldenhaft. Unter anderem vergewaltigen sie eine Frau und meucheln eine Augenzeugin dieser Tat.
So viel Respektlosigkeit gegenüber der Truppe sorgte natürlich für gehörig Empörung. Neben diversen Soldatenverbänden und zahlreichen Facebook-Nutzern empörte sich sogar der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus. Er sagte der B.Z.:
Beim nächsten Mal sollten die Macher erst das Hirn einschalten, bevor sie ein Video mit solchen Szenen veröffentlichen. Auch Künstler tragen bei aller Kunstfreiheit Verantwortung.
Witt selbst berichtet von Todesdrohungen und geht angeblich nur noch mit Leibwächtern aus dem Haus. Auf Facebook hat der Sänger mittlerweile erklärt, er sei früher selbst beim Bundesgrenzschutz gewesen und respektiere die Arbeit der Bundeswehr. Überdies:
Bei dem Video zu GLORIA handelt es sich unmißverständlich um eine Kunstform! Wir zeichnen in großen und anspruchsvollen Bildern ein apokalyptisches Horrorszenario!
Die Soldaten in diesem Video sind austauschbar! Wenn sich jemand und das tun augenscheinlich viele, auf Grund des dargestellten Hoheitszeichens auf den Uniformen, angegriffen oder gar beleidigt fühlen, entschuldige ich mich dafür!
Damit könnte die Sache eigenlich erledigt sein, würde sich jetzt nicht auch noch die Bundesfamilienministerin einmischen. Kristina Schröder hat nach eigenen Angaben auf zahlreiche Eingaben empörter Bürger reagiert und beantragt, “Gloria” auf den Index zu setzen. Das würde bedeuten, dass das Video unter 18-Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden darf. In der Praxis bedeutet das ein komplettes Verbreitungsverbot.
Ist so ein Verbot gerechtfertigt?
Darüber muss die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien entscheiden. Sie orientiert sich an den § 4 und § 5 des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages. § 4 regelt Angebote, die auf jeden Fall unzulässig sind. Eine “Kriegsverherrlichung” (Nr. 7) ist Witts Video mit Sicherheit nicht, so dass eigentlich nur ein Punkt bleibt, nämlich Nr. 5:
… grausame und sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen …, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt …
Von Verherrlichung und Verharmlosung kann bei dem Video nicht die Rede sein. Auch das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs wird nicht menschenverachtend dargestellt, sondern mitleiderregend. Tatsächlich wird ohnehin kaum was dargestellt, sondern fast nur angedeutet. Insgesamt ist die Gewalt in dem Video nichts, was eine Einordnung unter § 4 rechtfertigen könnte. Es sei denn, man würde gleichzeitig auch das Vorabendprogramm zahlreicher Fernsehsender schließen.
Bleibt also nur der Auffangtatbestand des § 5. Dafür müsste der Clip eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung auf Kinder und Jugendliche haben. Darüber kann man schon eher diskutieren, aber dann weniger wegen des Verhaltens der dargestellten Soldaten im engeren Sinn. Dass Dinge wie die gezeigten Gewalttaten in jedem Krieg vorkommen, lässt sich nämlich nicht leugnen.
Zu denken geben sollte den Befürwortern eines Verbots vielleicht auch, dass der Jugendschutz ausdrücklich die Verherrlichung des Krieges verbietet. Daraus wird man den Umkehrschluss ziehen dürfen, dass die Darstellung des wahren Gesichts des Krieges etwas sein kann, das Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu einer “eigenverantwortlichen und gemeinschäftsfähigen Persönlichkeit” (O-Ton Gesetz) fördern kann.
Abseits der Soldatenszenen ist die Bildsprache des Videos zwar mächtig. Sie geht aber offensichtlich nicht über das hinaus, was man aus tausenden anderer Clips, Serien und Filmen kennt. Bei denen käme aber niemand auf den Gedanken einer Indizierung.
Das Besondere an “Gloria” ist also lediglich der Umstand, dass deutsche Soldaten als Kriegsverbrecher gezeigt werden. Es mag sein, dass dies mancher nicht ertragen kann oder will. Eine Frage des Jugendschutzes ist es aber nicht. Der Jugendschutz kann deshalb nicht das bequeme Vehikel sein, um deutsche Soldaten “in Schutz” zu nehmen. Dafür bräuchten wir gesonderte Paragrafen, die es aber nicht gibt. Aus gutem Grund, denn auch die Bundeswehr ist nicht immun gegen Kritik.
Auch wenn man Witt gern die Geschmackspolizei auf den Hals hetzen möchte, hat er doch die Kunst- und Meinungsfreiheit auf seiner Seite. Die Indizierung seines Videos wäre von daher ein ganz schlechtes Signal.
Ich wette, hätten die Produzenten amerikanische Uniformen aus der Requisite genommen, gäbe es keine Diskussion um das Video.
Es mag geschmacklos sein, aber unter der Oberfläche hat das Video eine gute Botschaft.
Mir gefällt es.
So, Video angeguckt, und festgestellt, dass die kleine Schröder völlig überzogen reagiert, wie auch die Leute, die sich beschwert haben. Aber aus dem Dunstkreis der "CD"U-Organisation ist ja nichts anderes zu erwarten. Mich deucht, die Leute haben sich das Video überhaupt nicht angeguckt und das Lied nicht verstanden. Gloria heisst "Ruhm" und was hat die westliche Welt in den letzten Jahrzehnten "ruhmreiches" geschaffen? Genau, Krieg, Leid, Umweltprobleme, teilweise auf Grund religiöser Fanatiker (deswegen gehen wohl auch die sog. "Konservativen" auf die Barrikaden!).
Man muss Witt nicht mögen, aber dennoch macht das Video und das Lied sehr nachdenklich.
Da kriegt die kleine Schröder-Köhler selbst nichts auf die Reihe, aber kaum kommt ein Hauch der Empörung darüber, dass der Krieg und seine Täter einmal nicht ins heldenhafte überhöht und verherrlicht werden, aus der national-konservativen Schmuddelecke, da stürzt sie sich darauf, wie Fliegen auf den Scheisshaufen…
Joachim Witt hätte viel Solidarität von unseren Politikern bekommen, aber er ist nun mal keine Frau und er lebt nicht in Russland.
Und als nächstes wird Witt wegen Wehrkraftzersetzung inhaftiert? Absurd, dass die Bundeswehr am Hindukusch angeblich "unsere Freiheit" verteidigt, während im Inland die Meinungs- und Kunstfreiheit talibanisiert wird.
Es ist doch nur das übliche Getöse aus der Politik, sobald ein vermeintlicher Skandal aufgedeckt wird. Da sind aber nur zum Teil die Politiker schuld, die dann unreflektiert das Maul aufreißen. Man stelle sich nur mal vor, sie täten es nicht. Die Medien fragen nach einer Meinung und ein Politiker sagt: "Bleibt mir weg mit eurem belanglosen Mist." Dann steht morgen in der Bild: "Politiker XY duldet Darstellung deutscher Soldaten als Kriegsverbrecher." Wer einem Dampfplauderer ein Mikro unter die Nase hält, braucht sich über Dampfgeplaudere nicht zu wundern…
Das wird so ähnlich ausgehen wie bei dem Polizeiruf 110, bei welchem die Polizei nicht so glimpflich weggekommen ist.
@ Janik Exakt. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Es geht hier nicht um die Szene direkt.
Kann er machen warum auch nicht es kommt vor.
Allerdings hätte man auch einfach das Hoheitsabzeichen weg lassen können und schon wäre es erledigt. Deutsche Soldaten haben im in Einsätzen wie kfor etc meistens so ziemlich die härtesten Beschränkungen auf fast alles. Selbst wenn einem der Dreck um die Ohren fliegt darf oft nicht einfach reagiert werden. Und dann ein Video wo direkt ein Bundeswehrsoldat dargestellt wird ( wenn auch symbolisch) der eins der schlimmsten verbrechen überhaupt begeht,tut das weh.
Die Einsätze sind nicht zur landgewinnung oder zum besiegen eines Feindes gedacht sondern oft wird humanitäre Hilfe geleistet.
Oder kurz:
Er hat eine Wirkung erzeugt die er nicht wollte indem nicht ein Soldat ohne direkte Zuordnung dargestellt wurde , sondern erkennbar ein Soldat der Bundeswehr. Was diese natürlich nicht begeistert weil genug Menschen damit auch nur Bundeswehr verstehen und nicht Soldaten im allgemeinen
Offensichtlich haben sie im Familienministerium nichts aus dem Debakel mit der Indizierung von Rammsteins "Ich tu dir weh" vor drei Jahren gelernt…
Joah, gleich mal bei Usenet und einigen Videoportalen, die nicht YouTube heißen, hochladen.
Wie Todesdrohungen er hat doch gar keine Moslems beleidigt.
SCNR.
Es ist schon eine komische Geschichte wenn ich mich am Ende auch auf die Seite von ausgerechnet Joachim Witt stellen muss um ihn zu verteidigen. Was Frau Schröder macht ist falsch und populistisch. Ich fände es deutlich besser wenn Politiker auch mal was richtiges machen würden auch wenn es populistisch wäre. Frau Schröder könnte zum Beispiel das Betreuungsgeld kippen. Aber dazu fehlt dann doch wohl der Mumm. Dann lieber gegen etwas vorgehen wollen obwohl es offensichtlich aussichtslos ist.
"Witt selbst berichtet von Todesdrohungen und geht angeblich nur noch mit Leibwächtern aus dem Haus."
Was für ne Pussy. Wenn ich jedes Mal Personenschutz anfordern würde, wenn mir jemand im Internet droht, mich umzubringen, wäre ich häufiger unter Bewachung als Obama.
Joachim Witt und Co. haben dieses Theater doch gewollt und bewusst damit kalkuliert. Da kann man ihnen meinetwegen den Gefallen tun und das Video indizieren, die ganze Indizierungspraxis ist doch eh nur ein schlechter Witz. (Im letzten Bundesanzeiger stand wieder ne Ärzte-Platte auf dem Index, weil die alte Indizierungsfrist sonst abgelaufen wäre.)
1. Das Video ist extrem geschmacklos. Warum werden explizit deutsche Soldaten dargestellt? Das Video würde in seiner Aussage auch funktionieren, wenn die Nationalität der Soldaten nicht erkennbar wäre Einen Sinn sehe ich daher darin nicht – außer dem verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit. Klar: Einmal auf die Soldaten draufhauen, das ist populär; diese als Deutsche kennzeichnen: Schließlich ist das Lied deutsch, das gibt eine nette Diskussion. Provokation gelungen. There is no such thing as bad publicity.
Für mich ein Armutszeugnis, aber gut: Wer es nötig hat…
2. Das Video gehört deswegen nicht auf den Index. Nichtbeachtung genügt. Wären die entsprechenden Stellen nicht auf die Provokation eingegangen, hätte sie nicht funktioniert. Das Video hätte existiert – aber es hätten sich weniger Leute dafür interessiert.
"Gloria heisst "Ruhm" und was hat die westliche Welt in den letzten Jahrzehnten "ruhmreiches" geschaffen? Genau, Krieg, Leid, Umweltprobleme, teilweise auf Grund religiöser Fanatiker "
@ Sixtus:
Schade, wenn Sie nicht erkennen, was der Westen an Positivem geschaffen hat.
Es ist nämlich genau umgekehrt.
Der Westen schafft:
- Frieden
- Wohlstand (noch nie in der Weltgeschichte und nirgendwo sonst auf der Welt ging es breiten Bevölkerungsschichten so gut wie in den westlichen Marktwirtschaften).
- Umweltschutz (noch nie in der Weltgeschichte und nirgendwo sonst auf der Welt wird dem Umweltschutz ein höheres Gewicht eingeräumt als im Westen).
- religiöse Toleranz
Ja, richtig, man kann alles noch besser machen.
Aber alles was Sie sich wünschen ist noch nie so gut umgesetzt gewesen wie derzeit in den marktwirtschaftlichen, demokratischen Staaten des Westens.
Was für ein Unsinn. Die Verbotsforderungen natürlich. Und der verzweifelte Versuch eines noch-nicht-Toten noch einmal in die Medien zu kommen. Muss unbedintlich auch mit der dümmsten Variante provozieren. Aber naja, irgendwas ist ja immer. Hätte er DDR-Abzeichen benutzt, hätte er wohl keine Probleme mit dem Gesetz bekommen, dafür von der Blogosphäre und dem Heiseverlag den Liebesentzug erdulden müssen.
@bananafactory: Alle Soldaten gehören zu einer Nation. Nationen sind Bedingung dafür das es überhaupt nationale Streitkräfte gibt. Was an unseren nun erwähnenswerter oder unerwähnenswerter sein soll versteh ich nicht. Zu irgendeinem Land muss ein Soldat nunmal gehören. Warum mit dem Finger auf andere Staaten zeigen wenn man auch vor der eigenen Haustür kehren kann? Es ist, wie Herr Vetter schon schrieb, allgemein bekannt, dass solche Dinge von Soldaten im Krieg getan werden. Da sind unsere nicht anders.
@Tanja K.: Aha. Das bedeutet, die Soldaten wären ohne nationales Kennzeichen wie die Nationalfarben Deutschlands nicht mehr als Soldaten erkennbar (mal vom Tarnmuster abgesehen, das ohnehin für einen Großteil der Bevölkerung wenig aussagekräftig ist)?
Meine einzige Aussage ist: Die Identifizierung der Soldaten als deutsche Soldaten ist vollkommen unnötig, wenn – wie von Witt behauptet – die Soldaten beliebig austauschbar sind. Wer sich nach so einem Video darüber wundert, dass ihm vorgeworfen wird, grade deutsche Soldaten als Kriegsverbrecher darzustellen, ist entweder kindlich-naiv an die Sache herangegangen oder er hat die Reaktionen als gewünscht einkalkuliert, um das Lied zu pushen. Es ist nicht fernliegend anzunehmen, dass hier eine Form des viralen Marketings angewandt wurde, die relativ gut funktioniert.
(Im Übrigen ist die Ansicht vollkommen unsinnig, Soldaten wären alle gleich. Natürlich kommt es auf nationale Regeln und deren Durchsetzung an. Ein deutscher Soldat wird mit einer weitaus geringeren Wahrscheinlichkeit in Afghanistan ein Kriegsverbrechen begehen, als der Soldat einer afrikanischen Militärregierung, die möglicherweise auch noch Kindersoldaten rekrutiert. Und Soldaten der Schweizergarde werden wohl in der Regel auch weniger als Soldaten gesehen, die Kriegsverbrechen begehen. Aber so ein schwarz-/weiß-Weltbild ist doch sehr schön. Soldaten=böse und Soldaten=alle gleich.)
Hmm. Habe das Video angesehen, kann daran nichts Verwerfliches feststellen.
Die Bundeswehr könnte doch recht einfach den § 132a StGB, "Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen" nutzen.
Wikipedia meint dazu: "Gegenstände, auf die sich eine der oben genannten Straftaten bezieht, können eingezogen werden." Die Rangabzeichen sollen in dem Video gut sichtbar sein.
Alternativ könnte man das Urheberrecht zu Hilfe nehmen und wegen unberechtigter Nutzung der Abzeichen kurzfristige Sperren erwirken.
@Florian: Der Westen hat "Frieden" geschaffen?
Na, dann frag mal die Irakis oder Afghanen, was die von dem "Frieden" halten!
Wohlstand? Ja, klar, frag mal die Kinder in China, die deine T-Shirts genäht haben!
Religiöse Toleranz? Ja, frag mal wieder die Irakis, was sie von den sog. "Christen" halten, die Leid über ihre Landsleute gebracht haben!
Umweltschutz? Ja, klar! Weil der Westen nämlich erst dafür gesorgt hat, dass die Umwelt vergiftet wurde!
Zur Info: Wir bezahlen jetzt dafür, was unsere Vorfahren alles "geleistet" haben, und dennoch gibt es immer noch durchgeknallte Idioten, die mit ihrer veralteten Denke dafür sorgen, dass die Schuld nicht kleiner wird!
Kann es sein, dass Witt genau das in seinem Lied anprangert?
Haha, wie lustig.
Diejenigen, die jetzt verbieten wollen, sind dieselben, welche bei Pussy Riot und irgendwelchen Islam-Karikaturen noch lauthals Meinungsfreiheit/Kunstfreiheit schreien.
@Hans-Dieter:
Ich glaub nicht. Dann dürfte man ja auch keine Filme, Serien usw. im Kommiß-Milieu spielen lassen.
Ob die BW in der Darstellung gut oder schlecht wegkommt, spielt für die Kunstfreiheit keine Rolle, soweit mir bekannt.
Ich oute mich mal: Ja, ich mag Joachim Witts schwülstige Pop-Balladen mit den symbolisch gemeinten Texten, die dabei oft genug einfach nur platt sind. Ich halte ihn durchaus für einen begabten Künstler – wobei ich jedem gerne zugestehe, seine Form der Kunst nicht zu mögen.
Das Musikvideo fällt vor allem dadurch auf, daß es tatsächlich eine Geschichte erzählt – wie platt sie auch sein mag. Beim Durchzappen durch aktuelle Musiksender springen mir von aktueller Musik eigentlich nur hampelnde, halbnackte, weibliche Hinterteile neben goldbehängten "Gangsta"-Rappern oder magersüchtige Hupfdohlen ohne jedes Talent außer "dünn und sexy sein" ins Auge. Das halte ich persönlich für jugengefährdender als das Video von Witt, das an den meisten Jugendlichen ungesehen vorbeigehen dürfte, aber das ist ein anderes Thema.
Vielleicht fällt es mir darum besonders störend auf, daß jeder Artikel zum Thema davon gerahmt ist, wie sehr sich der jeweilige Autor vom behandelten Künstler distanziert: schlechte Musik, schlechtes Video, redet kein Mensch mehr drüber, bäh.
Muß denn das sein? Ich glaube nicht, daß UV (oder die anderen Autoren zum Thema) sich in den letzten 10 Jahren mit Joachim Witt befaßt haben. Vielleicht schämen sie sich, vor 30 Jahren den "Goldenen Reiter" oder vor 15 Jahren "Die Flut" super gefunden zu haben (je nach Alter unzutreffendes bitte streichen), aber das sonstige Werk Joachim Witts wird an ihnen vorbeigegangen sein. Kein Problem: Dann aber bitte auch nichts über die künstlerische Qualität schreiben.
Mit diesen ständigen Hinweisen, um was für "schlechte" Kunst es sich hier doch handele, stellt man sich eher auf die Stufe derer, die das Video verbieten wollen. Der einzige Unterschied ist dann die Erkenntnis, daß das wohl nicht klappen wird.
Nach der Inaugenscheinnahme des besagten Videos muss ich leider feststellen, dass sowohl die, die jetzt laut protestieren, als auch insbesondere die Person, die das Video indizieren lassen will, zeigen, dass sie das Video in keinster Weise verstanden haben. Die Szene, in der der Hauptprotagonist als Mann in einer mit einer deutschen Flagge versehenen Uniform zu sehen ist, ist gemessen am gesamten Video winzig. In allen anderen Einstellungen, in denen andere Männer in Tarnuniformen zu sehen sind, sind weder eine deutsche Flagge noch Rangabzeichen zu erkennen. Ebenso sind die zur Sprache kommenden Gräueltaten nur angedeutet zu sehen.
Mich wundert nach dem Betrachten des Video aber, dass nicht auch noch die katholische Kirche lautstark protestiert. Menschen in Kleidung, die vermuten lässt, dass es sich um Geistliche, Ministranten sowie Vertreter der Inquisition handelt, werden in einen Fluss geführt und gehen, wie im Wahn, ihren Weg, bis sie unter der Wasseroberfläche verschwinden. Da sind auch die wildesten Spekulationen möglich, einige davon sicherlich nicht schmeichelhaft für die Institution "Katholische Kirche".
Ob die Bundesprüfstelle indiziert richtet sich nicht nach Vorschriften des JMStV, sondern nach Vorschriften des JuSchG. Auch wenn zuzugeben ist, dass aufgrund der gemeinsamen Stoßrichtung das im Ergebnis selten einen Unterschied machen dürfte.
In diesem Fall ist diese Unterscheidung aber relevant. Denn die Möglichkeit zur Indizierung gibt es gemäß § 18 Absat 1 Satz 2 Ziffer 1 JuSchG eben auch bei Medien, in denen "Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden". Und da könnte man schon eher drüber nachdenken.
Schlechtes Argument.
Es gibt einen ganz einfachen Grund, warum man bei Filmen und Serien mit solchen Inhalten nicht sofort die Prüfstelle bemüht. Kommerziell ausgewertete Filme und Serien unterfallen nämlich regelmäßig dem § 18 Absatz 8 JuSchG und können deshalb gar nicht indiziert werden. Das war zwar nicht immer so, aber die entsprechende Gesetzesänderung liegt auch schon etwas länger zurück, sodass dies bekannt sein sollte.
Ja da fühlen sich die Tarnfleckhelden eben angepieselt. Wenn in der Bravo dann Witts Video erwähnt wird wo man doch mit genau dieser Zeitung schön für Bundswehrcamps geworben hat:
http://www.bw-adventure-camps.de/
"Liebst Du das Abenteuer? Suchst Du die Herausforderung?
Bist Du top fit? Dann sind die Bw-Adventure Camps –
der Mega-Event von BRAVO und treff.bundeswehr.de –
genau das Richtige für Dich!"
@zf.8:
Die Darstellung ist nur leider weder selbstzweckhaft, da sie die Ursache der Wandlung des Helden darstellt, noch detailliert, da man außer vollständig bekleideten Oberkörpern eigentlich nicht viel sieht.
Vielleicht habe ich die "selbstzweckhaft und detailliert" dargestellte Gewalthandlung auch nur übersehen.
@hiro:
Es ist aber nicht völlig abwegig, dass diese Tatbestandsalternative durch die Bundesprüfstelle als erfüllt angesehen wird. Die Bundesprüfstelle hat teilweise recht eigenwillige Vorstellungen davon, welche Darstellungen tatbestandlich sind und welche nicht. Deshalb sag ich ja auch, da könnte man drüber nachdenken und nicht "Das ist eindeutig einschlägig."
Meiner persönlichen Einschätzung nach, würden die Darstellungen im Video aber jedenfalls für eine Indizierung auch nicht ausreichen.
@Dieter:
Inquisition? Meinst Du die Kapuzenträger? Die haben nichts mit der Inquisition zu tun, sondern sind wohl den Prozessionen der Osterwoche in Spanien entnommen.
Einfach mal "semana santa" bei Google Image Search eingeben.
man müsste jetzt mal googeln aber irgendwie kann ich mich an einen Tatort erinnern in dem ein Soldat auch entweder einen Mord oder eine Vergewaltigung begangen hat.
Ich glaube bei einem Tatort mit einer solchen Handlung gäbe keine solchen Systemausfälle von Frau Schröder.h
OK, zurück zu was Wichtigem….wo steht die Eintracht gerade in der Tabelle ;-)
@zf.8: Verzeih' bitte, wenn ich als Nichtangehöriger einer der vielfältigen Religionen dieser Welt eine falsche Interpretation der mit kardinalsroten Gewändern und Kutten bekleideten Menschen vorgenommen habe. Danke für den Hinweis auf die Semana Santa.
@bananafactory:
Aaarg, da haben wir sie wieder die kognitive Dissonanz
erst diesen Spruch:
Ein deutscher Soldat wird mit einer weitaus geringeren Wahrscheinlichkeit in Afghanistan ein Kriegsverbrechen begehen, als der Soldat einer afrikanischen Militärregierung, die möglicherweise auch noch Kindersoldaten rekrutiert.
und dann was von Schwarz/Weiss denke schreibseln.
Wie soll ich das verstehen?
Afrikanische Armee =>BÖSE, weil ja Afrika!!
Bundeswehr=>Die Guten(TM)
Schweizer Garde=> doppelplusgut!
Da würde mich mal interessieren wo wir die Amerikaner einsortieren, hmm?
Erinnert an das Bohei um das Rammstein-Album "Liebe ist für alle da", welches letztendlich doch auch wieder freigegeben wurde..
Hoffen wir, dass die Gerichte für derart komplexe, logische Schlussfolgerungen empfänglich sind. Vermutlich sind 98% der Bevölkerung nicht fähig, dieser Argumentation zu folgen. Sind also alle Richter in den obersten 2%? Kaum vorstellbar.
Das ist eine klassische Nicht-Entschuldigung. (http://en.wikipedia.org/wiki/Non-apology_apology)
1. Man kann sich nicht selbst die Schuld vergeben. Man kann nur andere um Entschuldigung bitten.
2. Worin besteht die Schuld von Joachim Witt, d.h. das "dafür" steht wofür? Dafür, dass sich jemand angegriffen und/oder beleidigt fühlt? Für die Gefühle anderer ist man nicht verantwortlich, nur für eigene Handlungen, die das evtl. verursacht haben. Oder für die "dargestellten Hoheitszeichens", aber nicht für die dargestellte Handlung? Schön zweideutig gelassen.
3. Keine Erwähnung, dass die Handlung (oder die Gefühle anderer?), um das man um Entschuldigung bittet, falsch war und man nicht wieder tun würde. Ohne Reue keine Entschuldigung. Warum sollte man jemanden für etwas verzeihen, was dieser mit Absicht gemacht hat und jederzeit wieder tun würde?
4. Er will sich auch nur dann entschuldigen, falls sich jemand angegriffen oder beleidigt fühlt. Dabei weiß er doch längst, dass sich sich jemand auf den Schlips getreten fühlt, er erwähnt es sogar noch im gleichen Satz. Andererseits wird keine Person, die sich das Video ansieht, angegriffen ("Sie sind dafür persönlich verantwortlich!") oder beleidigt ("Du Arsch!"). Insofern muss er sich nicht einmal entschuldigen.
Wieso geht so etwas als "Entschuldigung" durch?
@oldman: Ich habe bewusst von dem Soldaten einer afrikanischen Militärregierung geschrieben und nicht von einem afrikanischen Soldaten. Der Grund ist relativ simpel: Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es derzeit die massivsten Probleme mit militärischen und paramilitärischen Auseinandersetzungen. Aber ich kann auch gerne andere Beispiele nennen: Setze an die Stelle deutscher Soldaten Holländer und an die Stelle von Soldaten afrikanischer Militärregierungen Soldaten Nordkoreas. Der Punkt ist, dass die Spezialisierung und die nationalen Vorgaben eine Rolle spielen. Werden Kriegsverbrechen nicht geahndet oder sogar gefördert, findet man in der Truppe auch Leute, die sie begehen. Leider haben unterschiedliche Länder unterschiedliche Standards.
Wie man aus meinem Kommentar rauslesen kann, dass deutsche Soldaten bedingungslos die Guten sind, ist mir vollkommen schleierhaft.
Sozialisierung, nicht Spezialisierung.
Also gut, er kann nicht richtig singen, der Text ist auch so bissel 0815, aber die Bildsprache, TOP! Auch wenn ich in der Schule das zwangsweise Reininterpretieren von irgednwelchen Sachen in irgendwelche Texte nicht leiden konnte, das Video sollte man sich mal angucken und 1 bis 2 Minuten drüber nachdenken…
Wer kann ausschließen, dass ein Soldat ein moralisches Schwein ist, unabhängig von der Uniform, die er trägt?
Das einzige, was man durch eine gute Truppenführung so weit wie möglich ausschließen sollte, ist die allmähliche Verrohung der Soldaten durch das erleben des Krieges. In dieser Beziehung soll die Wehrmacht vorbildlich gewesen sein. Obwohl es auch daran erhebliche Zweifel gibt.
Dass es zu dieser allmählichen Verrohung kommt, beweisen einige Vorfälle, die über amerikanische Soldaten in Afghanistan und vorangegangenen Kriegen an die Öffentlichkeit gekommen sind, wovon eines dem Pentagon so peinlich ist, dass sie am liebsten den Chef von Wikileaks und den Lieferanten des Videos zum Tode verurteilen würden.
Wenn ich etwas jugendgefährdend finde, dann ist es nicht die Darstellung der Grausamkeit des Krieges, sondern die verharmlosende Werbung der Bundeswehr, in der Kriegsvorbereitung zum Sommerlager wird. Dann sind es Fernsehfilme, die zum alltäglichen Repertoire des deutschen Fernsehens gehören, in denen zu Helden stilisierte Polizeibeamte sich über geltendes Recht hinwegsetzen, als seien sie außerhalb des Gesetzes.
Ansonsten, hat dieser Witt einen PR Vertrag mit der Bundesregierung geschlossen?
Auch Sie werden mich nicht dazu bringen, dieses Video anzuschauen, Herr Vetter.
Das ist doch nur Webung für den Künstler.
Ich persönlich hatte den Namen "Witt" noch nie vorher gelesen oder gehört.
Heute morgen allerdings fielen mir die Werbeplakate von dem in der Stadt tatsächlich mal auf.
Ich kann auf solche lächerlichen medien-in-kompetenten Versuche deutscher PolitikerInnen (hat ja schon Tradition) nur ironisch drauf reagieren: Hätte Witt diese lieber einen typisch deutschen Sport "spielen" lassen sollen ? … also Fussball mit Totenschädeln z.B. ? (Real-Fall Afghanistan); /
Schon nett.
Wenn schlechte Moslem-Videos mit der Reprodktion dummer KLischees auf Youtube laufen, dann sollen die Moslems sich nicht so haben.
Wenn aber Klischee-Soldaten in einem Video vorgefuehrt werden, dann beschweren sich die Sensibelchen von der Bundeswehr sofort. Die koennen offensichtlich viel weniger Kritik verkraften, als man das von Moslems erwartet.
Das erinnert mich an den Spruch, dass sich niemand so schnell bedroht fuehlt wie ein schwerbewaffneter Soldat…
@bananafactory: Wenn die Identifizierung der Soldaten so "irrelevant" ist, warum dann das große Drama? Getroffene Hunde bellen und dieses Video ist ein gutes Beispiel dafür.
Hätten die Soldaten US Abzeichen würden so einige wahrscheinlich die "Realitätsnähe" bejubeln, hätten die Soldaten keinerlei Abzeichen denkt der gewillte deutsche Zuschauer nur wieder an "Schurkenstaat Soldaten!". In beiden Fällen wird aktiv ausgeblendet das auch Deutschland Soldaten in den Krieg schickt und selbst wenn man sich das eingesteht: Deutsche Soldaten sind (wie auch deutsche Beamte und Polizisten) über jeden Zweifel erhaben.
Unsere Männlein würden natürlich nie ausgefallene Souvenirs mitbringen oder lustige Posierbildchen mit Leichen aufnehmen. Solch böses unmoralisches "Kriegszeug" machen nur andere (minderwertige) Menschen, aber nicht unsere korrekten Fleckenträger!
Unsere Fleckenträger haben da ja ein ganz anderes Bild in der Öffentlichkeit. Die kämpfen ja nie, laut norm gibts da ja fast nur "humanitäre Hilfe", das ist alles ganz harmloses Abenteuercamp bei dem Reis an hungernde Kinder verteilt wird.
Man kann sich nun natürlich darauf echauffieren das der Künstler sich hier "billige PR" holt, aber das funktioniert auch nur deswegen weil er einen wunden Punkt erwischt hat. Ohne diesen wunden Punkt hätte es auch kein Drama und keinen Aufstand gegeben.
Viel schlimmer finde ich das permanent bestimmte Medien auf den Index landen ohne eine großartig demokratisch legitimierte Kontrollinstanz. Eine Zensur findet nicht statt! Nein wir basteln uns lieber einen Index und erteilen Verbreitungsverbote im Namen des Jugendschutzes, das ist dann ja keine Zensur mehr sondern "Zum Wohle der Kinder!"
Das 99% der Sachen die dann auf dem Index landen sowieso nicht für Kinder gedacht waren, aber trotzdem effektiv auch für Volljährige vom Markt getilgt werden, dieser Umstand ist halt ein gewünschter Nebeneffekt. Entartete Kunst war gestern, Heutzutage wird durch Androhung von marktwirtschaftliche Konsequenzen zur vorauseilenden Selbstzensur motiviert.
@Dirk Moebius:
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht überall nur Nägel ;)
Ob man aber Vergewaltigung kleinen Kindern zugänglich macht ist fraglich. Die können es eben noch nicht einordnen. Indizierein ist Schwachsinn, aber man sollte dort eine Altersfreigabe dranhängen.
Der Unterschied hier ist die Sympathie, durch stetige Propaganda von Links hat die Bundeswehr einen sehr schlechten Ruf, es werden alle Soldaten über einen Kamm geschoren und als blutrünstige Mörder diskriminiert.
Während beim Mohammed Video auch immer auf die beschissene Qualität hingewiesen wurde, bei Witt ist sie auch nicht höher einzustufen. Da es aber Sympathien hier für Terroristen gibt solange sie gegen die USA und die dt BW sind bekommt das Mohammed Video natürlich auch mehr GEgenwind als Witt.
Witt hat einfach PR gebraucht und sie damit auch bekommen. Ihm zu unterstellen er wolle mit dem Video etwas aussagen ist ein plumples Hereinfallen auf billigste PR Maschen.
Und? Nichts was man nicht bereits in dutzenden Hardcore-Pornos sehen könnte – wahrscheinlich komplett mit Hoheitsabzeichen und allem.
Aber wenn es dann in einem Musikvideo auch nur angedeutet wird, fangen sie gleich an zu flennen.
@ABCDSchuetze:
In diesem Fall: Weil die meisten Leute, die "Kunstfreiheit" nicht verstehen und eine Entschuldigung erwarten auch nicht kapieren, dass sie eine Nicht-Entschuldigung aufgetischt bekommen. Im wesentlichen ist eine Nicht-Entschuldigung die Langform von YFYP (Your feelings, your problem).
Ein Wehrbeauftragter, der mit der "B.Z." spricht, sollte sich mit der Forderung nach "Hirn einschalten" etwas zurückhalten.
b.
joachim witt hätte sich niemals entschuldigen dürfen. für was denn auch?
Es gibt immer mehr den Drang reflex-artig zureagieren als zureflektieren…
Ich finde die gängigen Deutschland/Bauer/Schwiegermama-sucht-den/die/das-Super-Arschloch/Deppen/Vollpfosten/Nichtsnutz/Schlampe-Sendungen auch menschenverachtend und extrem mehr jugendgefährdend als das Tralalavideo eines ehemals großartigen Musikers. Wenn Frau Schröder sich doch da mal für eine Indizierung einsetzen würde. Seufz.
Natuerlich ist das Video entwicklungsbeeintraechtigend, weil unsere ehrhaften Soldaten in einem schlechten Licht dargestellt werden, und so dem ungeformten Charakter die Moeglichkeit genommen wird, ein unvoreingenommenes Bild vom ruhmreichen Leben im Felde zu entwickeln.
Witts Video ist eines der besten in letrter Zeit. Mehr Ausdruckskraft geht nicht, und falsche Aussagen übermittelt es auch nicht (außer vielleicht, dass Frauen von den Soldaten getötet werden, aber mich würde es wundern, wenn Vergewaltigungen oder ähnliiches von unseren Soldaten nicht auch begangen werden). Eine Indizierung wäre hier völlig unangebracht, man darf Witt Geschmacklosigkeit vorwerfen, aber mehr auch nicht.
@Autolykos
Auch UV scheint die Nicht-Entschuldigung als Entschuldigung verstanden zu haben, denn
(400 für ein "t")
@Mike:
Es wird halt von ein paar hirnlosen Idioten wie immer gleich auf alle geschlossen. Dummerweise fallen ein paar Idioten halt gleich für alle negativ auf. Ist nunmal so, wenn man uniform ist.
Das Soldaten eigentlich die undenkbarste aller Aufgaben haben (im besten Fall, Leben zu retten in dem sie andere Leben bedrohen, im schlimmsten Fall einfach nur Leben zu vernichten) ist nun auch nichts neues. Erschwerend hinzu kommt, dass eine Armee in den untersten Dienstgraden selten die gebildetsten und reifsten Individuen anzieht, diese aber an vorderster Front stehen.
Paart man das nun mit den Schrecken eines Krieges ist es nachvollziehbar – wenn auch nicht verständlich – dass solche Verbrechen leider nur zu oft passieren müssen. Und ja, sie werden auch in der Bundeswehr passieren, wenn die Soldaten im Kampfeinsatz unter genügend Druck stehen. Da kann die Truppe wenig dafür, da können manchmal selbst die betreffenden Soldaten wenig dafür. Streß und Todesangst bringt leider das Schlimmste in den Menschen zum Vorschein.
Wenn das eins der besten Videos der letzten Zeit ist muss man sich über den Niedergang des Musikfernsehens nicht wundern. Für mich ist "Gloria" quasi das Gegenstück zum "Castle of Glass"-Musikvideo. Es teilt seine Probleme (z.B. blasse Gestaltung, Versuch sich ernster und symbolischer zu geben als es ist, nicht wirklich mitgreifende Musik) und vertritt lediglich die entgegengesetzte Meinung. Wenn wir eine Grüne-Familienministerin hätten, dann würden wir vielleicht darüber reden ob "Castle of Glass" nicht zu verkitscht promilitärisch ist. :-)
Hm, nach dem eher peinlichen Interview mit Witt in der SZ (print) gehe ich mal davon aus, dass es schlicht darum ging, Aufmerksamkeit zu erregen. Das zumindest hat der Herr Witt ja geschafft.
@Mike: "Durch ständige Propaganda von Links"? Die Bundes-Heinis mit den Totenschädeln waren also Linke bei der Bundeswehr? Oder wie soll das jetzt verstanden werden?
Noch dazu haben Sie ganz offensichtliche das Video entweder nicht gesehen oder sind daran gescheitert den leidenden Blick des Jünglings in Soldatenuniform zu interpretieren. Denn bereits das Video schert eben NICHT Soldaten gleich welcher Nation über einen Kamm, sondern zeigt deutlich die Verbitterung des einen Soldaten über seine Kameraden.
Während Musik und Text des Songs wirklich keiner Erwähnung wert sind, ist die Bildsprache des Videos wirklich gut gelungen. Weder ist sie platt und undifferenziert, wie hier oft behauptet noch schert sie Menschen einer Berufsgruppe über einen Kamm. Wenn überhaupt, dann ruft das Video wieder in Erinnerung, dass auch in der eigenen Truppe immer solche und solche existieren werden. Dass es damit nicht falsch liegt, beweist die Bundeswehr ja selbst im Monatstakt …
So noch heute die Begründung der Deutschen Film- und Medienbewertung, wieso Rambo III mit "Wertvoll" ausgezeichnet wurde.