Gericht: Den Berliner gibt es vielleicht gar nicht

Es gibt Berliner Eigenheiten, wie einen mehr oder weniger ausgeprägten Dialekt. Oder die Vorliebe fürs traditionelle Bollenfleisch. Mancher wird den Berlinern vielleicht auch einen gewissen Hang zur Ruppigkeit nachsagen. Das alles reicht jedoch nicht, um selbst aus einem waschechten “Berliner” einen Berliner im Sinne des Gesetzes zu machen.

Jedenfalls kann sich jemand nicht nur deshalb auf Diskriminierung berufen, weil er als Berliner durchgeht. Dies musste jetzt ein Berliner Lehrer erfahren. Der Mann fühlte sich zurückgesetzt, weil er gern verbeamtet worden wäre. Dies verweigerte ihm die Schulbehörde jedoch, weil in Berlin Lehrer nur als Angestellte übernommen werden.

Der Lehrer witterte dennoch seine Chance, als Berlin eine groß angelegte Werbeaktion für Lehrer aus anderen Ländern ankurbelte. Wer als bereits beamteter Lehrer nach Berlin wechselte, konnte auch dort als Beamter weiter arbeiten.

Das Verwaltungsgericht Berlin sah allerdings keinen Anspruch des Klägers, ebenfalls Beamter zu werden. Unter anderem auch deshalb, weil es den Berliner als solchen nach Auffassung der Richter wohl eher gar nicht (mehr) gibt. Denn die Zuwanderung von Menschen aus anderen Gegenden Deutschlands, Europas und der Welt habe dazu geführt, dass die „Berliner“ als objektiv abgrenzbare Einheit kaum erkennbar seien.

Ansonsten sah das Verwaltungsgericht keine Ungleichbehandlung. Das Beamtenverhältnis neuer Lehrer werde nur fortgeführt, wenn diese dem Ruf Berlins folgen – und schon in ihrem Herkunftsland Beamte seien. So eine Werbemaßnahme für Fachkräfte im Erziehungsbereich sei zulässig und verletzte die Rechte des Klägers nicht. Dieser hätte nämlich selbst Beamter in Berlin werden können, wenn er als Berliner vorher in einem anderen Bundesland gearbeitet hätte und nach Berlin zurückgekehrt wäre. Die Regeln gälten also sowieso unabhängig davon, ob es den Berliner überhaupt gibt oder nicht.

  • Micha

    Wie man von “wer vorher schon Beamter war” überhaupt auf “ihr mögt mich nur nicht, weil ich schwarz…äh, Berliner bin” kommen kann :X

  • roflcopter

    Weg von Berlin, hin zu Preußen!
    Richtiger erster Schritt

  • Knicksel

    Ich fürchte, daß es auch keine traditionelle Berliner Speise namens Bollenfleisch gibt. Man kann davon zwar seit einigen Tagen plötzlich in allen möglichen Zeitungen und Blogs lesen, aber trotzdem wurde dieses Gericht (sic!) noch nirgends in freier Wildbahn gesichtet. Jedenfalls von mir und meiner Familie nicht (letztere lebt schon mindestens seit dem Ende des 30jährigen Krieges in Berlin). Auch der Umstand, daß der Fleischanteil im Bollenfleisch zumindest laut Wikipedia vom Lamm sein soll, spricht gegen die Zuschreibung. Lammfleisch ist zu teuer für norddeutsche Nationalgerichte, und gegen Hammel bringt der gemeine Deutsche eine an Irrationalität grenzende Verachtung auf.

    Da ich vom Bollenfleisch zuerst durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung erfahren habe, vermute ich, daß hier eine Verwechslung durch einen süddeutschen Journalisten vorliegt. So in Form einer Assoziationskette: Berlin – Kreuzberg – 1. Mai – Bolle – Chaoten – Türken – Hammel – Lamm –> Bollenfleisch. vielleicht sollte das auch mal gerichtsfest abgewiesen werden.

  • Arno Nym
  • abc

    Irgendwie sehe ich das Problem nicht. Vor allem nicht, was das mit dem Berliner als abgrenzbare Gruppe zu tun haben soll. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Berlin verbeamtet Lehrer nicht. Wenn aber ein verbeamteter Lehrer nach Berlin wechselt, wir sein Beamtenverhältnis weitergeführt.

    Wo soll hier die Diskriminierung sein?

  • Finmike

    Unter einem Berliner versteht man ausserhalb Berlins das, was man in der Stadt einen Pfannkuchen nennt. Das muss was zu sagen haben.

  • linsensuppe

    Klugscheissmodus an:

    @ Arno Nym: DAS ist ein Pfannkuchen. Im Fett ausgebackener sehr luftig lockerer Hefeteig und im Kristallzucker gewälzt.

    Das gleiche Gebäck mit einer ZuckerGLASUR, dann isses ein Berliner.

    So war es jedenfalls bei mir zu Hause :-)
    Klugscheissmodus aus

    Und noch was anderes: Wieso konnte ein Amerikaner ganz ungestraft vor das Mikro treten und in die Welt tönen: “Isch bin ain Bärlina”?

  • Christian

    Ich als Berliner kenne auch nicht Bollenfleisch. Kenne nur Bolle.

  • Dieter

    @linsensuppe: Das ist kein Pfannkuchen und kein Berliner… das ist eindeutig ein Krebbel. Mit leckerer Konfitüre gefüllt.

  • BrianBug2

    @Dieter: Auch falsch! Das ist ein Krapfen. Mit Zuckerglasur wäre es – nur zur Info – ein Faschings-Krapfen.

  • Dieter

    :-)

  • John Doe

    Und die Moral von der Geschicht’: Jetzt muss der Kläger weiter aktiv für seinen Lohn arbeiten und darf nicht an der Beamten-Krankheit, auch Burnout-Syndrom genannt, erkranken. So ein Ärger…

  • Lars

    Ich finde die Argumentation des Gerichts etwas schwach.

    Ein Gesetz, in dem steht:
    “Ausländer dürfen keine Polizisten werden”
    ist keine Diskriminierung,

    a) weil es “den Ausländer” so gar nicht gibt und man daher nicht sagen, wer nun “Ausländer” ist oder nicht, z.B. ob da nun Migranten mit deutscher Staatsbürgerschaft zu zählen oder nicht.

    b) es ja jedem frei steht, sich die deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen.

    Ich weiss ja nicht….

  • Hans

    @Lars: wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt ist kein Ausländer und kann Polizist werden. Da ist nichts schwamming dran. Die Polizei sucht sogar ausdrücklich russische und türkische Muttersprachler.

  • Arno Nym

    @Arno Nym: Freck, klaut hier wer meinen Nickname T_T

  • Arno Nym

    @linsensuppe: In Hamburg sind alle Runden gefüllten Fettgebäcke, egal ob mit Zuckerguss oder Kristallzucker Berliner ;)

  • WPR_bei_WBS

    @Arno Nym:
    Da dieser Berliner aber wohl nicht im geforderten BMI-Bereich liegt, wird der wahrscheinlich genuasowenig verbeamtet werden. :-).

  • WPR_bei_WBS

    @linsensuppe:

    Und noch was anderes: Wieso konnte ein Amerikaner ganz ungestraft vor das Mikro treten und in die Welt tönen: “Isch bin ain Bärlina”?

    Naja, wenn das nicht abgrenzbar ist, kann man ihm schlecht das gegenteil beweisen.

    Auch hatte der besagte Amerikaner das hier zugrundeligende Problem nicht: Der war qua Amt schon verbeamtet, den hätten die Berliner als auch in die Verbeamtung übernommen.

  • WPR_bei_WBS

    @Dieter:
    Das ist Marmelade!

    :-)

  • linsensuppe

    ein Kräppelchen ist auf jeden Fall nicht so schön rund und hat ein Loch in der Mitte. Und mit Marmelade isses auch nicht gefüllt. SO!!!

    :-)
    Könnte jetzt gleich mal einen futtern

  • linsensuppe

    und Amerikaner schmecken auch lecker.

    Könnte ich auch gleich noch einen futtern.

  • abc

    Wahrscheinlich hat Udo Vetter noch eine Kooperation mit einer Bäckerei und die darf jetzt hier Schleichwerbung schalten. ;)

  • AiA

    “Berliner Pfannkuchen” – so heißt das Ding richtig und vollständig. Wir in LSA oder in Berlin selbst nennen das Ding Pfannkuchen. in Süddeutschland “Berliner”.

    In Süddeutschland etwa versteht man darunter aber etwas anderes.

    Zur Sache selbst: Es ist schon eine Sauerei, die eigenen Landeskinder ins Angestelltenverhältnis zu schicken, andere aber direkt ins attraktivere Beamtenverhältnis zu übernehmen. Zwingend ist das nicht.

  • zf.8

    @roflcopter:

    Schritt 1: Schwaben zurück nach Stuttgart!

  • WPR_bei_WBS

    @AiA:

    Zur Sache selbst: Es ist schon eine Sauerei, die eigenen Landeskinder ins Angestelltenverhältnis zu schicken, andere aber direkt ins attraktivere Beamtenverhältnis zu übernehmen. Zwingend ist das nicht.

    Was heißt hier Sauerei? Berlin scheint ja ein Problem damit zu haben, seinen Bedarf an Lehrern mit “eigenem” Angebot zu decken. Also muß bei den anderen gucken. Und es wäre jetzt ja mehr als utopisch zu glauben, jemand der bereits im sicheren Beamtemverhältnis ist würde das für ein Angestelltenverhältnis aufgeben – bei ähnlicher Bezahlung und gleicher Tätigkeit.

  • Kartograph

    Das ist nur konsequent, denn Berlin als Bundesland gibt es ja eigentlich auch nicht und kam nur durch die Besatzung zustande. Könnte man nun endlich mal wieder in Brandenburg eingemeinden.

    Bei der Gelegenheit dann auch Bremen in Niedersachsen, Hamburg darf sich’s aussuchen, ob es zu Niedersachsen oder Schleswig-Holstein gehören soll.

    Das Saarland gemeinden wir dann noch in Rheinland-Pfalz ein.

  • JJ Preston

    @Kartograph:
    Hamburg bleibt Stadtstaat. Wat hev wi mit de Buur’n to doon?

  • roflcopter

    @Kartograph:

    Das Saarland wird an Frankreich zur Entschuldung verkauft.

  • Barbie aus Berlin

    @Knicksel: Bollenfleisch ist so etwas ähnliches wie Gulasch, eine Hälfte Lamm-oder Hammelfleisch, eine Hälfte Zwiebeln. Kein Tomatenmark, kein Wein (gips hier ja nich). Alles in Würfeln geschmort. Kennt hier aber auch keiner mehr. Eine aussterbende Spezies.

  • Danny Faak

    Was Kennedy wohl dazu sagen würde …

  • WPR_bei_WBS

    @Kartograph:
    Hm, also Auflösung aller durch die Besatzung zustande gekommenen Bundesländer und zurück zu den alten Strukturen? Damit wäre ich Vorsichtig – Bremen und Hamburg würde es z. B weiter geben, und ob das Auferstehen von Gebilden wie Freistaat Braunschweig, Freie und Hansestadt Lübeck oder Freistaat Lippe (nicht zu verwechseln mit Freistaat Schaumburg-Lippe) die Lage vereinfachen würden, das wage ich dann doch zu bezweifeln.

  • emma peel

    na watten… wie find ick denn dette

  • OOOOOOOOOO

    Mit so einer Auffassungsgabe und der Abgreifmentalität, sollte man den überhaupt nicht als Lehrer arbeiten lassen.

  • schredder66

    Wieso müssen Lehrer überhaupt verbeamtet sein? Berlin macht´s richtig: Lehrer nicht verbeamten! Die anderen 15 BuLä sollten nachziehen. Danach noch die ganzen Beamten in den Verwaltungen bei Gemeinden, (Land)Kreisen und auf Länderebene rau bzw. zu Angestellten “umwidmen” und gut ist. Es gibt Gesetze, die solche Notwendigkeiten verhindern? Abschaffen bzw. umschreiben!

  • Klabund

    Zunächst mal meine linkspopulistische Meinung:
    Beamte müssen heute eh nicht mehr sein, Angestellte im öffentlichen Dienst fliegen auch erst raus wenn sie den Plasma-Bildschirm vom Arbeitsplatz klauen, das reicht.

    Dann meine rechtspopulistische Meinung:
    Finde ich schade, dass mal wieder so die Ethnie (ja ich habe das böse Wort geschrieben) mit ein paar Sätzen zerstört wird und es niemanden so wirklich kümmert.

  • Tilia

    AHA…ein Lehrer(seufz)…mehr gibt’s dazu leider kaum zu sagen.

  • Tilia

    @linsensuppe: Da solltest Du Dir mal das ganze Kennedy-Zitat anschauen; “Ich bin ein Berliner” kommt sogar zweimal vor. Kostprobe 1:
    „Two thousand years ago the proudest boast was ‚Civis Romanus sum‘. Today, in the world of freedom, the proudest boast is ‚Ich bin ein Berliner‘.“

    Ja, dass durfte damals ein Amerikaner in die Welt “tönen”, linsensüppchen

  • Prior

    das ist ein sieg für den sachsen, denn den gibt es tatsächlich. eine wohltat für die welt.

  • Barbie aus Berlin

    @zf.8: Konsens

  • Lars

    @Hans:

    Schade, du hast nicht verstanden, dass es um die Argumentation des Gerichts geht, nicht darum, wie gut gelungen mein Beispiel ist.

  • Lars

    @Lars:
    Und du verstehst nicht, das dein Beispiel nichts mit der Argumentation des Gerichts zu tun hat und für sich selbst genommen ziemlich schräg ist.

  • HansFranz

    @schredder66:
    Die Verbeamtung im Bereich Bildung und Verwaltung hat für die Bundesländer zunächst mal den Vorteil, daß die so “umlackierten” monatlich augenscheinlich deutlich weniger Kosten. Die ganzen Sozialabgaben fallen weg und über zukünftige Pensionslasten muß sich der geneigte Kämmerer/ Haushälter zunächst auch keine Sorgen machen, da er, wenn diese anstehen vmtl. ohnehin nicht mehr im Dienst ist.
    Angenehmer Nebeneffekt, Beamte haben z.B. kein Streikrecht, können auf unbestimmte Zeit auf einem höherbewerteten Posten eingesetzt werden (ohne diesen bezahlt zu bekommen, ist bei Angestellten nach einem halben Jahr einklagbar) und unterliegen bei der Arbeitsplatzwahl letztlich auch “nur” der Freiheit zu kündigen, wenn der Arbeitsplatz nicht passt.

    Auch der Steuerzahler hat zunächst den Vorteil, dass ein Teil der Kosten erst in 30 bis 40 Jahren anfallen

  • Klabund

    @HansFranz:
    In diesem Beispiel “Lehrer” hinkt alles, weil ich sogar eingestehe, dass der Lehrer-Beruf kein Zuckerschlecken ist.
    Grundsätzlich sind Beamte in den ganzen Verwaltungen aber ein unnötiger Kostenfaktor, erstrecht wenn sie gegen ihren Willen “weg” sollen.

  • HansFranz

    @Klabund: Nein, Beamte sind eben für den Arbeitgeber Zeit ihres Berufslebens günstiger als Angestellte. Erst wenn die Pensionierung ansteht (und der AG keine Rücklagen gebildet hat – und dies dürfte der Normalfall sein), wird der Beamte “teuerer” da er weiterhin aus dem laufendem Haushalt bezahlt werden müssen.

  • lotte

    Tja, es gibt halt Lehrer, die im Laufe ihrer Laufbahn an verschiedenen Schulen in verschiedenen Regionen arbeiten – was ja auch ganz sinnvoll ist – und die Spezies, die nach dem Motto “ui, umziehen? Anstrengend!” agiert. Wenn Zugvögel unter den Lehrern nun quasie “belohnt” werden – warum denn nicht? Denn sie haben die Flexibilität bewiesen, die doch heute nur zu gerne von allen anderen Arbeitnehmern auch erwartet wird: “Sei mobil, stelle dich auf neue Gegebenheiten ein…”

    Zum Bollenfleisch gibt es übrigens ein Rezept bei chefkoch punkt de, scheint ja echt lecker zu sein…

  • Flying Circus

    @Lars:

    Ist nur ein Nebenkriegsschauplatz, das mit der Frage, ob es “den Berliner” überhaupt gibt.

    Die Hauptaussage war: wer bereits verbeamtet ist (!) und nach Berlin kommt, bleibt (!) Beamter.
    Der Kläger war noch kein Beamter. Da anderen auch keine Verbeamtung versprochen, sondern nur ein bestehendes Beamtenverhältnis fortgesetzt wird, kann er keinen Anspruch auf Verbeamtung herleiten. Das leuchtet doch ein?

  • Troll

    Und da wundern die sich das sie Lehrer aus anderen Bundesländern brauchen?
    Und das ist unsere Hauptstadt, Regierungssitz….scheiß Deutschland

  • Triebtier

    Im Originaltext von Kennedys Rede kam der Berliner-Ausspruch zweimal vor: 1.„Two thousand years ago the proudest boast was ‚Civis Romanus sum‘. Today, in the world of freedom, the proudest boast is ‚Ich bin ein Berliner‘.“ 2. Als Abschluss der Rede: „All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‚Ich bin ein Berliner‘!“ Nach dem ersten Mal bedankte er sich beim Simultandolmetscher ironisch für die Übersetzung seiner deutschen Worte. Mann, damals gab es ja noch Politiker mit Humor *freu* :-)

    Die Münchner hier unten sagen nicht “Berliner” sondern “Krapfen”, schließlich müss´n sich Zugeroaste wie Kennedy gefälligst assimilieren, selbst wenn sie Marmelade zum Frühstück (d.h. nun innendrin) gegessen haben sollten! “Pfannkuchen” ist ein etwas dickerer “Crepe”, “Kaiserschmarr´n” dicker Pfannkuchen in Stücken….Is doch eh alles Riesen-Unsinn: So an Schmarr´n !!

  • Fasnachtsküchle

    @Triebtier: Im Südwesten heißen die Dinger “Fasnachtsküchle”.

  • rakuemmerle

    Hang zur Ruppigkeit? Ich muss doch sehr bitten! :)

  • Mordent

    Ja, Berliner essen Bollenfleisch und sagen zum Fernsehturm “Telespargel”. So sind wa ebent. Danke für den Hinweis.