Auch Fußballtrainer haben Rechte

Der Kündigungsschutz ist vielen Arbeitgebern ein Dorn im Auge. Deshalb werden auch immer wieder kreative Lösungen gesucht, um sich zu einem angenehmen Zeitpunkt von Mitarbeitern trennen zu können. Ein bekannter Aachener Fußballverein verließ sich da womöglich zu sehr auf die Empfehlungen der Hausjuristen. Jedenfalls erlitt der Club jetzt vor dem Arbeitsgericht Aachen eine juristische Niederlage. Das Gericht erklärte die Kündigungen des Cheftrainers, der Co-Trainer und des Torwarttrainers für unwirksam.

Das Arbeitsgericht sah sich mit einem “Klauselwerk” konfrontiert, das zunächst mal ganz plausibel klang. Danach verzichteten die drei Trainer auf Klagen gegen eine eventuelle Kündigung. Im Gegenzug sagte der Verein ihnen zu,  im Falle einer Kündigung eine Abfindung von drei Monatsgehältern zu zahlen.

Auch wenn solche Regelungen im Sport gar nicht selten vorkommen, hatte sie keinen Bestand vor den Augen der Richter. Die Vereinbarung entziehe dem Arbeitnehmer ein quasi unveräußerliches Recht. Nämlich die Möglichkeit, sich vor Gericht gegen eine unberechtigte Kündigung zu wehren. Dieses Recht dürfe nicht unzulässig beschnitten werden, auch nicht durch die Zusage einer Abfindung.

Das ist natürlich plausibel. Würde man solche Regelungen abnicken, gäbe es wohl bald keine Kündigungsschutzklagen mehr. Denn Arbeitgeber würden regelmäßig solche Klauseln in ihre Verträge aufnehmen. Und sicher auch nur Mitarbeiter einstellen, die sich mit einer Abfindung von vornherein einverstanden erklären.

Das Arbeitsgericht Aachen kassierte gleichzeitig auch noch eine weitere Kündigung der Trainer. Dabei stützte sich der Verein auf die Klausel, dass den Mitarbeitern gekündigt werden darf, wenn der Club den Aufstieg in die 2. Bundesliga verpasst. Juristen nennen das eine Verlagerung des “Unternehmerrisikos” auf die Angestellten. Auch das ist, so das Arbeitsgericht, schlicht unzulässig.

Arbeitsgericht Aachen, Urteil vom 22. Februar 2013, Aktenzeichen 6 Ca 3662/12

  • RedMabuse

    Na, die Lösungen kennen wir doch schon: “Selbständige” Trainer, oder aber man leiht sich seine Trainer von der “Personaldienstleisteragentur”!

  • cinque

    Also arbeitsrechtlich gesehen überrascht die Entscheidung im Ergebnis wirklich nicht.

  • RaK

    Auch im Fußball gilt: Uns kündigt man nicht, Sklaven werden verkauft.

  • nicolas

    Hm. Sind Boni, die vom Unternehmensgewinn abhängen, nicht auch eine Verlagerung des Unternehmerrisikos auf den Angestellten?

  • Otto

    Na da wird der Trainer sicher demnächst gute Karten haben, wenn er sich einen neuen Verein sucht.

  • Heinz Handtuch

    Das mit dem Verpassen des Aufstiegs verstehe ich nicht ganz. Der Trainer hat die Aufgabe, die Mannschaft in die 2. Liga zu führen. Hat er nicht geschafft, also wird ihm gekündigt. Klingt für mich ganz logisch.

    Wahrscheinlich sah der Vertrag nicht so aus. Da wird die Hauptaufgabe des Trainers dann tatsächlich im Trainieren und Leiten gelegen haben, weniger in der Zielerreichung. Es klingt wohl so, als ob es sich dabei nur um eine Klausel handelt.

    Die Konsequenz ist dann halt, dass die Verträge anders gestrickt werden müssen. Das Erreichen der 2. Liga muss dann eine zentrale Aufgabe des Jobs sein.

  • marcus05

    @Otto: @Heinz Handtuch:

    Dass das AG diese Klausel für unwirksam erklärt, mit der folgenden Begründung, ist für dich nicht verständlich?

    Sonst steht halt bald in jedem Arbeitsvertrag drin dass das Unternehmen mindestens 25% Wachstum hinlegen muss pro Jahr. Oder 100%. Oder 1000%. Hauptsache, man hat einen Kündigungsgrund den man willkürlich ziehen kann.

  • Gerrit

    Mit Aachen in die 2. Liga aufzusteigen war bei der momentanen finanziellen Situation sowieso unmöglich. Die sollen froh sein wenn sie die Regionalliga-Lizenz bekommen.

  • vaujot

    Wer war den Kläger, Friedhelm Funkel oder Ralf Außem?

  • Olli

    @Heinz Handtuch:

    Wieso logisch? Soll der Trainer bei generischen Mannschaften Hausebesuche machen damit die dann “freiwillig” schlechter spielen oder seine Jungs mit Steroiden dopen?

    Ein Trainer ist kein Zauberer auch die Leistung der Spieler ist von bedeutung. Nicht jeder Spieler ist gleich gut und nicht jede Mannschaft ist für höhere Ligen geeignet.

    Oder einfach ausgedrückt selbst mit dem besten Training der Welt würde ich nie ein Profi werden.

  • Anonymous

    @Heinz Handtuch: Ich bin dafür, dass nur Mannschaften gegeneinander antreten, die beide Trainer mit derartigen “bei verlorenen Spielen: Kündigung”-Klauseln beschäftigen.
    Das macht die Spiele gleich viel interessanter – beide können ihren Job schließlich nicht behalten!

  • thelaphroaig

    @vaujot Ralf Außem

  • Bernd

    @Heinz Handtuch:

    Nicht unueblich ist es, Trainern zunaechst einen Vertrag bis zum Saisonende zu geben, der sich bei Zielerreichung automatisch verlaengert. Aber das klingt dann bei der Vorstellung nicht so selbstsicher wie “Vertrag bis 2016″.

  • noe

    Mal ‘ne Frage: Wenn jetzt alle Bürger mit einem Mindestgehalt die Abgabe zu zahlen haben. Darf ich dann die Fußballer die großzügig von den Abgabe leben als Sozialschmarotzer bezeichnen. Als Menschen die von der harten Arbeit anderer Leben, ohne Gegenleistung, wenn man mit Fußball nix am Hut hat?

  • noe

    Abgabe=GEZ

  • WPR_bei_WBS

    Danach verzichteten die drei Trainer auf Klagen gegen eine eventuelle Kündigung. Im Gegenzug sagte der Verein ihnen zu, im Falle einer Kündigung eine Abfindung von drei Monatsgehältern zu zahlen.

    Mh, wenn das als tatsächliche Verpflichtung formuliert war, dann stimme ich dem Urteil zu. Aber man kannn es in Zukunft dann ja auch so formulieren, dass der gekündigte natürlich klagen kann, falls er es nich tut aber eben automatisch die Abfindung bekommt.

  • WPR_bei_WBS

    @nicolas:

    Hm. Sind Boni, die vom Unternehmensgewinn abhängen, nicht auch eine Verlagerung des Unternehmerrisikos auf den Angestellten?

    Ganz im Gegenteil – der Arbeitnehmer partizipiert an der unternehmerischen Gewinnmöglichkeit (quasi die Kompensation für des unternehmerischen Risikos), aber eben nicht am Risiko.

  • suki11

    Hmm, natürlich richtige Urteile.

    Allerdings schlagen da zwei Herzen in meiner Brust.
    Fußballtrainer ja keine ganz normale Angestellte. Wenn die Mannschaft nachhaltig keinen Erfolg hat, dann muss es im Sport doch eigentlich möglich sein, dem Trainer zu kündigen und einen andren Trainer anzustellen.

    In der 1. und 2. Bundesliga ist das kein Thema, weil die Trainer Millionengehälter verdienen, befristete Verträge haben und bei “Rauswurf” nur freigestellt werdem (bei vollem Gehalt).
    Bei den kleinen Vereinen ist so ein Trainer aber als kleiner Angestellter auf seinen Trainerjob angewiesen und muss bei ner Kündigung zum Arbeitsamt. Das ist sicher ein Problem…

    Wenn man Trainer von kleinen Vereinen, die keine Millionäre sind, kurzfristig “raus wirft”, dann muss so ein Verein da eben so eine großzügige Lösung finden, dass der Trainer nicht zur ArbeitsAgentur muss und klagt.

  • suki11

    Die Leistung einer Fußballmannschaft und der Erfolg eines Vereins steht und fällt ja nicht selten mit der Persönlichkeit des Trainers. Das kann man ja auch nicht mit der Weiterbildung irgendwie nachschulen. :)

    Und da kann man ja nur schwer, so eins zu eins, die normalen Kündigungsschutz-Regeln aus dem Arbeitsrecht anwenden, mit Sozialauswahl und Sozialpunkten, etc.. So dass ein Fußballtrainer, den die Mannschaft zwischenzeitlich ablehnt, den ganzen Verein mit in den Abgrund reißt, nur weil er nach langer Betriebszughörigkeit, Frau und Kindern quasi unkündbar ist. ^^

  • Adolf Hennecke

    Das Urteil ist m. E. nachvollziehbar. Doch was ziehen wir daraus für Konsequenzen, wenn der gleiche Maßstab auch für die anderen Angestellten des Vereins – die Lizenzspieler – gelten soll? Deren Vertrag läuft auch gerne mal aus bei Abstieg bzw. Aufstieg.

  • jansalterego

    @suki11: Das dürfte dann ja auch in der regel ein Fall für eine fristlose Kündigung sein, wenn das Arbeitsklima und Vertrauen nachhaltig gestört ist. Und um festzustellen, ob die Voraussetzungen vorliegen, muss eben jedem, auch Fußballtrainern, der Rechtsweg offen stehen. Und um den Zugang zum Rechtsweg ging es hier (Abgesehen von der Aufstiegsklausel, die weniger offensichtlich aber doch klr Asche ist).
    Eine Klauselgestaltung wie WPR sie vorschlägt, also Abfindung ODER Klage, dürfte aber durchgehen.