Krawattenpflicht

In letzter Zeit bin ich mutiert – zum Krawattenmuffel. Der Langbinder erscheint mir nicht nur unbequem, sondern schlichtweg überflüssig. Damit bin ich selbst in typischen “Business”-Kreisen nicht alleine, wie der Blick in eine beliebige Lufthansa-Maschine oder ein Erste-Klasse-Abteil der Bundesbahn belegt.

Die Krawatte ist nach meinem Empfinden schlicht ein Auslaufmodell. Deshalb nehme ich mir mitunter auch die Freiheit, selbst bei Gericht ohne Krawatte zu erscheinen. In all den Monaten seit meiner weitgehenden Abkehr von diesem Textilstück blieb das bislang ohne erkennbare Reaktion eines Gerichts. Ich habe an den unterschiedlichsten Orten der Republik verhandelt. Das geschah meist in angenehmer Atmosphäre, aber es ging durchaus auch heiß her. Dass ich  meinen Beitrag zum Verfahren jeweils krawattenlos lieferte, blieb unbeanstandet. Sogar in Bayern.

Heute habe ich mir aber doch eine Nachfrage eingehandelt, ob ich denn meine Krawatte vergessen hätte. Verbunden mit dem Hinweis, eine Krawatte sei “Brauch” beim betreffenden Gericht. Ein Anwalt könne, so ging es weiter, notfalls sogar von der Verhandlung ausgeschlossen werden, wenn er sich ohne Krawatte am Verfahren beteiligen möchte. 

Richtig, es gibt hin und wieder tatsächlich Streit um Anwälte ohne Krawatte. Das führt stets zu putzigen Gerichtsbeschlüssen, die dann in der NJW und auf allen Jurablogs genüsslich durchgekaut werden. Die Entscheidungen reichen von knallhart bis liberal. Aber immer, und darauf lege ich echt keinen Wert, wird der Streit auf dem Rücken der Mandanten ausgetragen. Mir liegt nichts ferner, als mich in so einer banalen Frage nach vorne zu spielen. Wenn das Gericht Wert auf Krawatte legt, habe ich damit auch kein Problem. Ich hab genau für diesen Zweck eine im Koffer, und ich werde sie halt nutzen.

Dass die Krawatte aber auch nur einen Hauch zur Rechtsfindung beiträgt, bezweifle ich allerdings. Wenn das Gericht das anders sieht und Schlimmes befürchtet, kann ich damit leben.

  • Mike

    Das sind Menschen die mit ihrer Macht darauf pochen dass ihre Vorstellungen durchgesetzt werden. Auch wenn sie noch so hanebüchen sind. Sie können es, also machen Sie es.

    Hoffentlich haben Sie die richtigen Socken getragen, einmal Beinteil hochkrempeln sollte Pflicht sein! Nicht das noch jemand eine Snoopy Socke trägt, vor Gericht!
    Andererseits soll es auch “lustige” Unterhosen geben, hmmmmm :-D[/ironie]

  • Torsten

    Udo: Du sagst doch selbst: Die praktische Juristerei ist viel Psychologie :-)

  • Heiko

    Also meine Erfahrung ist, das zumindest in Meetings und bei anderen geschäftlichen Ereignissen, zu denen man Anzug trägt, auch fast immer Krawatte getragen wird. Wobei ich mich hier auch als jemand oute, der sowohl auf diesen Kultur-Strick als auch auf den Hals-Propeller gerne verzichten kann.

  • Carsten R. Hoenig

    Willkommen im Club. Wir werden täglich immer mehr! ;-)

    Hier noch so einer, ein ganz Perfider:
    http://www.kanzlei-hoenig.de/2012/der-schlips-als-perfide-verteidigungsstrategie/

  • PaintedBadger

    “Wenn es denn der Rechtsfindung dient” ist etwas ganz anderes als “wenn es denn der Wahrheitsfindung dient.” Auch wenn es wohl auf dieselbe Haltung abziehlt…

  • Andreas Moser

    Sagen Sie doch einfach, Sie seien eine Frau. => kein Krawattenzwang

  • dallisfaction

    Wo trägt denn die Robe zur Rechtsfindung bei? Die wird jedoch ohne wenn und aber von allen Beteiligten Juristen getragen.

  • Darkstalker

    Ich kenne Kollegen, die erlassen gernauch mal ein Versäumnisurteil, wenn der Anwalt am LG ohne Robe (und Entschuldigung hierfür) erscheint.

  • Rainer Nagel

    Hallo Herr Vetter,
    für die Sonderfälle empfehle ich ihnen gerne die interessanten Krawattenknoten unter
    http://agreeordie.com/features/ties-knots-how-to
    bzw. die Blitzvariante, die sicherlich im Gerichtssaal für interessierte Blicke sorgt:
    http://agreeordie.com/features/17-fashion/618-four-in-hand-tie-knot-how-to-tie-a-four-in-hand-ultra-fast
    Denn ich bin ihrer Meinung, daß das Auftreten wichtig ist und nicht die Kleidung.

  • mat

    Völlig überflüssiges Utensil. Was soll der Zweck einer Krawatte sein? Ich habe das noch nie nachvollziehen können und in inzwischen 41 Lebensjahren noch nie eine Krawatte getragen. Anzüge ja, auf jeden Fall schick, aber dann ohne Krawatte. Habe sogar ohne Krawatte geheiratet und war damit ein Exot auf meiner eigenen Hochzeit.

  • jan

    Also wenn mein Anwalt ohne Krawatte erscheinen würde, dann würde ich denken, dass er Urlaub hat und mit eben jener Begründung würde ich dann auch die Rechnung nicht bezahlen.

  • Daniel Biallas

    Eine Formulierung des Textes erinnert mich ein bisschen an den typischen verzweifelten Ganoven in mittelklassigen Kriminalfilmen: “Ich habe eine Krawatte – und ich werde sie benutzen.” :)

    Ich sehe Krawatten als ähnlich nutzlos an, muss während meiner Arbeit als Reisebusfahrer glücklicherweise auch nur bei sehr spezieller Kundschaft eine tragen, bekam aber auch schon von einem Reiseveranstalter erklärt, dass mit dem Langbinder mein Fahrstil automatisch besser würde, weil der Kulturstrick mich insgesamt würdiger und getragener mache. Der Betreffende glaubt allerdings auch an Homöopathie… Aber wer weiß: vielleicht kommt die Schlipspflicht demnächst mit eigener Schlüsselziffer in den Führerschein?

  • Ingo

    Viel schlimmer als die Krawatte finde ich die Robe. Zumeist erscheine ich ohne, in Zivilsachen vor den Amtsgerichten nach § 20 BORA sogar offiziell mir Recht, ansonsten wird das je nach Region nicht beanstandet. Erfahrungsgemäß tolerieren junge Richter bzw. Richter auf Probe dies eher als ältere Kollegen.

    Ansonsten stimmt das von UV Gesagte. Die Robe ist immer im Koffer. Werde ich aufgefordert, sie zu tragen, krame ich sie hervor. Die Richter reagieren zumeist dann deutlich netter: “Vielen Dank für Ihr Entgegenkommen” oder “Danke für das Verständnis” hört man da bisweilen. Manche knurren aber auch nur irgendwas in Richtung “Glück gehabt”.

    Affig. Ein schicker Anzug kann zudem viel eher auftragen als eine schwabbelige Robe.

  • M.

    @mat: Der Zweck der Krawatte? Es ist ein Kleiderpfeil, der auf den Penis zeigt. Nix anderes als bei Affen mit grellroten Geschlechtsorganen. Zeigt halt Potenz.

  • PromotorFidei

    Ganz einfach.

    Die Krawatte ist dazu da, die Luftzufuhr des Anwaltes einzuschränken, damit er nicht permanent quasselt. Sozusagen ein Sicherheitsventil, welches den Blutdruck des Richters schützt.

    Die Robe ist bekanntermaßen dazu da, dass man die Spitzbuben besser erkennt. In einer Kabinettsorder vom 15. Dezember 1726 verfügte König Friedrich Wilhelm I. in Preußen jedoch mit der ihm eigenen Ironie die Einführung einer einheitlichen Juristentracht in den Gerichten seines Territoriums:

    „Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man diese Spitzbuben schon von weitem erkennen und sich vor ihnen hüten kann.“
    (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Robe#Deutschland)

    Davon mal abgesehen: Könnten sie die hier zur Diskussion stehende Prüfungsaufgabe beantworten?
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/elite-uni-cambridge-oralverkehr-als-pruefungsfrage-a-903687.html
    Selbst nach deutschem Recht wäre das interessant.

  • Marc
  • Ralf Henssen

    Ich finde es – als Richter – zwar in Ordnung, wenn die in einer Verhandlung anwesenden “Organe der Rechtspflege” ihren “Schwarzmann” als übliche Berufskleidung tragen. Andererseits sind RichterInnen, die auf Robe, Krawatte, weißes Hemd/Bluse usw. unter Androhung von Sanktionen (Versäumnisurteil, Ordnungsmaßnahmen oder auch nur herabwürdigende Behandlung) bestehen, keine KollegInnen, sondern nur Profilneurotiker, die dringend einer therapeutischen Behandlung bedürfen, um weiteren Machtmissbrauch zu unterbinden.

  • JohnSheridan

    Wenn man heutzutage sieht, wie Richter in ‘schlonzigen’ Jeans & Shirts rumlaufen, aber jedes Recht mit den Füssen treten, sollte man vielleicht mal ‘reseten’ und wieder bei judikative – legislative – exekutive anfangen.
    Und zwar alle getrennt voneinander!

  • Ernst

    @mat:

    Damit Sie nicht unwissend sterben müssen: Der Sinn und Zweck einer Krawatte ist das Verdecken der Knopfleiste vom Hemd.

  • WPR_bei_WBS

    @Ernst:
    und was genau ist jetzt Sinn und Zweck des Verdeckens der Knopfleiste vom Hemd? Persönlicher Geschmack mal außen vor gelassen. Erst recht bei verdeckender Robe oder anderen Utensilien (Sacko oder Weste sind ja nicht verboten).

  • zf.8

    @JohnSheridan:

    Bei der Gubernative sehen Sie keinen Handlungsbedarf?

  • Autolykos

    @mat: Das Jargon File liefert eine recht brauchbare Erklärung:

    suit: n.

    1. Ugly and uncomfortable ‘business clothing’ often worn by non-hackers. Invariably worn with a ‘tie’, a strangulation device that partially cuts off the blood supply to the brain. It is thought that this explains much about the behavior of suit-wearers.

    Link: http://www.catb.org/jargon/html/S/suit.html

  • erforderlich

    Seh ich auch so, völlig unlogisch. Als wenn man normale, dezente Knöpfe mit einer auffälligen, hässlichen und vor allem wahnsinnig nervigen (Hals+rumbaumeln) Krawatte verdecken müsste.
    Jemanden der sowas trägt, kann ich nicht ernst nehmen, der wirkt auf mich unseriös. Wegen hinter Fassade verbergen, mehr Schein als Sein, usw.
    Wichtig ist der Mensch und seine Taten, nicht in welche Klamotten er gezwungen wird.

  • Lars

    WTF, warum wird über so etwas überhaupt diskutiert? Ist doch völlig egal ob jemand ne Krawatte trägt oder nicht.

  • HugoHabicht

    Gott ist das albern. Organe der Rechtspflege tragen bestimmte Berufskleidung. So wie Polizisten, Müllmänner (und -frauen) und Fußballstars. Wer das nicht will, soll was anständiges lernen, dann braucht er auch keine Dienstkleidung tragen. Alle anderen halten sich bitte an die Spielregeln.

  • efu

    Das hat für mich einfach etwas mit Respekt und Anstand zu tun … nicht nur vor dem Gericht. Aber manche meinen, alles in Frage stellen zu müssen!

  • Lionel Hutz

    Wer meint, dass ihm die Krawatte die Luft abschnüren würde, sollte einfach mal anfangen, Hemden zu kaufen, die passen.

    Die Frage nach dem Zweck? Was ist der Zweck eines Anzugs? Wenn es nur darum geht, nicht zu frieren, reicht auch irgendeine Baumwollkutte. Ich bin generell der Auffassung, dass auch in Verwaltungsbehörden und IT-Abteilungen noch nicht der denkbare Mindeststandard an Kleidung implementiert ist.

    Frauen binden sich gerne Seidentücher um den Hals, weil sie das schick finden, Männer sollen das lassen, weil es keinen “echten” Zweck hat?

  • Lionel Hutz

    Mich sieht man in Flugzeug oder Bahnabteil auch gerne mal ohne Krawatte, das heißt aber nicht, dass keine in meiner Tasche stecken würde, die vor oder nach der Reise verwendet würde. Da bin ich definitiv nicht der Einzige. Allgemeine Rückschlüsse auf “Business Kreise” sind da jetzt übertrieben.

  • Andi

    Ich halte es für wichtig, dass bei einer Gerichtsverhandlung die Individuen weitestgehend in den Hinter- und ihre Funktion in den Vordergrund tritt. Dass sich also nicht Peter Meier, Manuela Mustermann und Udo Vetter unterhalten, sondern der Staatsanwalt, die Richterin und der Verteidiger. Eine formale und einheitliche “Verkleidung” hebt diesen Aspekt hervor. Ich habe jedenfalls mehr Grundvertrauen in die jeweiligen Institution als in irgendwelche Leute die ich nicht kenne, und wenn ich dann sehe, dass jemand anscheinend eine so grosse Persönlichkeit hat dass diese sich nicht mal äusserlich in die Funktion kleiden lässt, dann macht mich das misstrauisch.

  • veri

    Rechtsanwälte inszenieren sich doch sonst immer gerne als Organe der Rechtsfolge und wie bei vielen anderen Ämtern/Jobs gehört dazu auch ein gewisser Habitus. Ich würde jedenfalls keinen Anwalt haben wollen, der sich nicht entsprechend kleidet. Bei uns in Bayern wird dies auch i.d.R. sehr streng gesehen und das Bundesverfassungsgericht sieht dies nicht so locker wie Herr Vetter:
    http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20120313_1bvr021012.html

  • Baxter

    Krass, daß so was diskutiert wird…

    Eine Krawatte ist in der Tat absolut überflüssig und persönliche Geschmacksache!
    Ferner hat eine Krawatte auch nichts mit “Berufskleidung” zu tun, da eine Krawatte keine “Funktionskleidung” ist (s.o. die dämlichen Vergleiche mit Müllmann, Fußballstars… etc. Lächerlich).

    Als “Halb-Amerikaner” lache ich mich über so was sowieso kaputt.
    Oh, Barack Obama hatte letztens keine Krawatte an… Skandal!!!!

    Leute! Denkt doch mal nach…

    Gruß, Baxter
    ———————-
    P.S., Frage @Männer (ehrlich antworten): Wer von euch hat jemals bzw. in welcher Frequenz eure Krawatten gewaschen? Unhygienischstes Kleidungsstück überhaupt! Gehört verboten!

  • marcus05

    Zuständiges Gericht? Man könnte sich ja als Mandant “opfern” so dass UV ein wenig auf unserem Rücken Prinzipienreiten kann :)

  • Kalle
  • TKEDM

    Um mal was wichtiges zu dem Text zu sagen:

    Die “Bundesbahn” heißt seit 1994 “Deutsche Bahn AG” !

  • marcus05

    @TKEDM:

    Arbeitsamt.

  • Träger

    @Ingo (13) Affig. Ein schicker Anzug kann zudem viel eher auftragen als eine schwabbelige Robe.
    Genau das ist für mich der Grund, warum die Robe sinnvoll ist. Weil die Robe ein langweiliges Kleidungsstück ist, worüber dann kein Einfluss ausgeübt werden kann. Es mag sein, dass die Robe (und Krawatte) nicht zur Urteilsfindung beiträgt, aber vielleicht dann doch als ein Schutz des äußerlichen (und nicht inhaltlichen) Verfahrens.

  • ptjko

    Es gibt auch eine schöne Anwaltskomödie “Mein Vetter Winnie”,
    in der der Richter “ordentliche” Kleidung verlangt. Der Film ist
    ein echter Knaller:
    http://www.youtube.com/watch?v=SL4HdaZXuOw

  • Jim Clark

    Wenn’s der Wahrheitsfindung dient.

  • eggbert

    Krawatten – oft angefasst, selten gewaschen.

    Außerdem geht jeder Nieser, jeder Huster immer schön auf den Binder mit drauf.

  • RA f

    Naja, die übliche Auflehnungs- und Ich-lasse-mir-doch-nicht-vorschreiben-Diskussion beiseite:

    Krawatten sind sehr wohl weiter üblich und unabdingbar. Nur weil Sie im Flieger oder der Bahn abgelegt werden, wird kein Geschäftsmann etwas anderes denken.

    Bei Verhandlungen trage ich stets Krawatte, etwas anderes käme mir auch gar nicht in den Sinn. Als ausschließlich im wirtschaftsrechtlichen Kontext tätiger Anwalt würden mir die Mandanten wohl auch umgehend den Vogel zeigen… Als RA ist man auf der einen Seite (unabhängiges) Organ der Rechtspflege und sollte diese Rolle selbstverständlich auch durch die entsprechende Kleidung aufzeigen: Robe, Anzug und weisse Krawatte.

    Dass wir uns in dem Mandanten verpflichtet fühlen, stelle ich dann auch lieber durch entsprechende inhaltliche Arbeit unter Beweis und nicht mittels meines Äußeren.

    Im Kontakt mit sämtlichen Führungspersönlichkeiten hat sich bislang stets bewahrheitet: Über ordentliche (nicht zwangsläufig teure) Kleidung und ein gepflegtes Äußeres diskutiert man nicht, es wird einfach vorausgesetzt.

    Auf die Aufregung hin sortiere ich gleich heute Abend meine Krawatten neu und poliere meine Schuhe…

    Mit den besten Wünschen.

  • Kizushi

    Also ich bin 42 und lebe immer noch ohne Krawatte.
    War damals auch ein Grund, warum ich keine Bank-Karriere eingeschlagen habe. Mir ist der Mensch wichtiger als seine Fassade. Gerade wenn es um Finanzen geht :-)

    Sollte mein Arbeitgeber jemals so etwas per Corporate Identity einführen wollen, habe ich ein Problem…

  • Lionel Hutz

    @Baxter: Krawatten waschen? Anzüge waschen Sie auch? Klasse was für eine Expertenrunde hier diskutiert!

    Wie oft waschen Sie Ihre, naja wahrscheinlich eher Ihren, Gürtel? Bei den Rückschlüssen, die die Frage nach Krawatten “waschen” auf die hygienischen Verhältnisse in Ihrem Umfeld zulässt, ist es wohl doch besser, sie verzichten auf Krawatten.

  • JJ Preston

    Ich hätte ja mal spaßeshalber gefragt, ob der Vettersche Vortrag ohne Krawatte weniger ernst genommen würde als mit dem schwatten Halsbaumel…

  • Nacktvertreter

    “Ich bin weder Staubsaugervertreter oder Finanzbetrüger, Herr Vorsitzender!”

    Hat sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte schon damit befasst, dass eine fehlende Krawatte in Deutschland zur Verletzung des rechtlichen Gehörs führen kann?

  • Manu

    Ich finde das jetzt nicht so tragisch, wie es hier gemacht wird. Die Robe stellt ja auch keiner in Frage. Vorgänge am Gericht haben eben eine gewisse zeremonielle Anmutung um eine angemessene Würdigung zu erlangen, da finde ich es auch legitim, auf eine bestimmte Kleiderordnung zu bestehen. Wenn man es nicht als Gängelung sieht, sondern als eine bestimmte Art von Respektsbekundung oder Höflichkeitsform, sieht das auch etwas freundlicher aus.

    Ich trage übrigens gerne Krawatte. Unpraktisch ist das aber manchmal schon, gerade, wenn man sich die teuren Stücke im täglichen Gebrauch zwangsläufig ruiniert.

    Meinem Empfinden nach ist es übrigens normal oder chic geworden, keine Krawatte zu tragen. Wer beruflich oder gar privat noch Krawatte trägt, macht sich damit manchmal zum Exoten. Krawatte zu tragen wird sicherlich demnächst wieder avantgardistisch, oder so :p

  • Doktor d. Universums

    Obwohl ich Traditionen sehr achte und stets in Robe und weisser Krawatte vor Gericht erscheine, werde ich ständig deswegen zurechtgewiesen. Angeblich stünde mir diese Aufmachung als Angeklagtem nicht zu.

  • Michael

    Ich möchte auch mal so banale Sorgen haben. :(

  • ckd

    Die Richter tragen weiße Krawatten. Da ist es eine Frage des Respekts und der Selbstachtung dahinter nicht zurückzubleiben. Deshalb trage ich im Beruf und vor Gericht den Langbinder.

  • Karl

    Steuerrechtlich ist eine Krawatte oder ein Anzug keine Berufskleidung und daher nicht absetzbar. Eine Robe würde ich auf Grund der eingeschränkten anderweitigen Nutzbarkeit ( Okay, Karneval und Halloween vielleicht) als steuerlich absetzbar ansehen.

    Ich würde mich aufgrund der fehlenden Anerkennung der Krawatte als nutzungsbeschränkte Berufskleidung weigern, diese zu tragen. Ist es übrigens dann auch Pflicht, dass der Langbinder von weisser Farbe ist oder dürfen Weihnachtsmänner oder Rentiere abgebildet sein?

  • Robert aus Wien

    @cdk:
    Warum bitte solle es respektlos sein, keine Krawatte zu tragen? Ich halte vielmehr derartige Kleidungsvorschriften für respektlos.

    Robert aus Wien, der Trompete spielt und deswegen keine Krawatten mag

  • Werner

    Ernst gemeinte Frage: Wäre eine Fliege okay?

  • Murgi

    Die alte Volksweisheit “Kleider machen Leute” kommt nicht von ungefähr. Man mag darüber streiten können, ob ein Anzug mit Krawatte Pflicht sein soll oder nicht. Als Anwalt sollte man sich allerdings auch überlegen, ob man durch zu legere Kleidung nicht dazu beiträgt, als Organ der Rechtspflege in der allgemeinen Wahrnehmung nicht mehr ernst genommen zu werden. Man sollte mal überlegen, wie es wirkt, wenn die Beteiligten im Gerichtssaal erstmal abwarten, welche der beiden leger gekleideten Personen die Robe anzieht und sich als Rechtsanwalt zu erkennen gibt.

  • wonko

    @Murgi: Hm, ich weiß ja nicht ob ich einen Anwalt haben wollte, der nur mit entsprechender Kleidung ernst genommen wird….

  • kleinalex

    Das Einfordern der Krawatte sollte eigentlich ausreichen, den Richter wegen abzulehnen – er hat immerhin eben gerade bewiesen, dass er die Angewohnheit hat, nach Sachfremden Gründen zu entscheiden.
    Achtung: Sachfremd, das bedeutet nicht “illegal”. Selbst wenn es eine Regelung gibt, die das Tragen der Krawatte vorschreibt – jede prozessbeeinflussende Handlung des Richters (und eine solche ist die Drohung, den Anwalt von der Verhandlung auszuschließen) muss von ausschließlich in der Verhandlungssache liegenden Gründen getragen werden. Alles andere ist “Befangenheit”.

    Wenn ein Richter sich nicht nur im Rahmen der Vorschriften, sondern auch noch im Rahmen des Rechtstaatlichen Verfahrens aufhalten möchte, steht es ihm frei, sich nicht beeindrucken zu lassen und dem Anwalt, der gerne den gesamten Prozess ohne Krawatte durchstehen kann, prozessextern einen Bußgeldbescheid zukommen zu lassen. Nur in den Prozessablauf eingreifen, das geht nun mal gar nicht.

    Klar, in Deutschland läuft das eben nicht so, aber Deutschland ist auch nur sehr eingeschränkt ein Rechtstaat.

  • Robert aus Wien

    @Werner:
    An wen richtet sich die Frage?

  • Lt. Uhura

    Selbst der wichtigste Mann im Lande (Fußball Bundestrainer) trägt keine Krawatte…

    Diese lustigen Kostüme im Gerichtssaal (schwarze Roben) sind doch im Jahr 2013 lange überholt. Braucht kein Mensch. Als “Uniform” reicht doch n schwarzer Anzug (für die Damen dann entsprechendes) vollkommen aus.
    Die Robe muss man noch nicht mal wegschmeissen. Die kann man mit ner “Scream”-Maske kombinieren und zu Halloween Leute damit erschrecken.

    Weisse Krawatte auf weissem Hemd ist ja auch so was von “seriös”, da geht natürlich nichts dran vorbei. Albern!

  • Hans

    @jan:

    Also wenn mein Anwalt ohne Krawatte erscheinen würde, dann würde ich denken, dass er Urlaub hat.

    Sind Sie sicher, dass das was mit Denken zu tun hat?

    @HugoHabicht:

    Gott ist das albern. Organe der Rechtspflege tragen bestimmte Berufskleidung. So wie Polizisten, Müllmänner (und -frauen) und Fußballstars.

    Stimmt, das ist wirklich albern, was Sie da schreiben. Müllmänner bekommen vom Arbeitgeber Dienstkleidung, weil das zum Schutz notwendig ist. Welches T-Shirt der Müllmann unter der Latzhose trägt, ist dem Arbeitgeber trotzdem egal. Polizisten tragen Dienstkleidung, da man sie als Polizisten erkennen können soll. Fußballstars tragen die Kleidung beim Spiel auch primär aus praktischen Erwägungen. Googlen Sie auch mal nach den Streitigkeiten um individuelle Schuhe bei den Fußballern, dann sehen Sie, dass es da auch Zank gibt.

    Eine Krawatte ist mit ihren Beispielen nun in keiner Weise vergleichbar. Weder ist das Gericht der Arbeitgeber des Rechtsanwaltes, noch ist die Krawatte zum Erkennen notwendig oder hinreichend (da ist dann eher die Robe notwendig, vgl. auch das historische Zitat), noch hat diese irgendeine schützende oder sonstwie positive Wirkung.

    @Murgi:

    Als Anwalt sollte man sich allerdings auch überlegen, ob man durch zu legere Kleidung nicht dazu beiträgt, als Organ der Rechtspflege in der allgemeinen Wahrnehmung nicht mehr ernst genommen zu werden.

    Sie vertauschen hier vermutlich Ursache und Wirkung. Es gibt offenbar im Bereich des Rechts einige (viele?) Menschen, die von einer tiefen Selbstunsicherheit geprägt sind, die mit einer Krawatte dann übertüncht wird. Anders ist nicht zu erklären, warum diese Leute so allergisch reagieren, wenn die Krawatte weggelassen wird.

    Ich arbeite als Consultant im IT-Bereich. Viele meiner “Mitbewerber” treten in Krawatte auf. Ich nicht. Meinen Kunden ist das egal, denn die Schlipsträger fallen i.d.R. auch nur durch hohe Rechnungen und miserable Leistung auf. Und abgelehnt hat mich deswegen auch noch kein Neukunde, was daran liegen könnte, daß ich es schaffe auch ohne Krawatte Vertrauen und Kompetenz auszustrahlen.

  • HugoHabicht

    @Werner: Ja, Fliege ist ausdrücklich auch zugelassen.

  • Murgi

    @wonko: Sie haben meine Aussage verdreht. Wenn man den Anzug braucht, um ernst genommen zu werden, ist das sicher kein gutes Zeichen. Es ging mir allerdings darum, dass ein Anwalt möglicherweise nicht mehr ernst genommen wird, wenn er rumläuft wie ein Heckenpenner.

  • Protokollführer

    Nun, als Protokollführer muss ich ebenfalls einen weißen Langbinder tragen. Ich mache das – ohne zu klagen – weil ich damit meine Zugehörigkeit zum Gericht in den Vordergrund stelle. Es geht um die Berufskleidung, die zu meiner Funktion gehört. So ist das auch für den Richter und für den Staatsanwalt. Sicher lässt sich bei 30 Grad im Schatten trefflich darüber streiten, ob die Krawatte dann zwanghaft erforderlich ist.
    Aber ich stelle mir das Bild vor, wenn jeder es macht, wie er es möchte: Der Richter in kurzer Hose und Hawaihemd, die Schöffin im knappsten Minirock, der Schöffe im Versicherungsvertreteroutfit mit Werbekrawatte der grossen Rechtschutzversicherung, für die er arbeitet, der Protokollführer im Armyoverall. Die Verteidigern trägt Dirndl, der Staatsanwalt einen Jogginganzug.
    Gut, das ist jetzt extrem, aber das wäre das Ende vom Lied. Ob das dann noch eine angemessene Verhandlung erlaubt, wo der Angeklagte, seine Person und seine Tat im Vordergrund stehen, wage ich zu bezweifeln.
    Es mag antiquiert wirken, aber es macht auch Sinn. Wäre sicher, das es nur beim fehlenden Langbinder bleibt – ok, geschenkt. Aber es tauchen in den Gerichtsälen auch vermehrt farbige, gestreifte und karierte Hemden auf. Das ist der nächste Schritt weg von einer “Funktionskleidung” (nicht die Kleidung soll funktional sein, sondern der Träger hat eine Funktion, die erkennbar werden soll)
    Und ein nettes Beispiel aus der Praxis: In den 1990´ern, Amtsgericht Krefeld, Schöffengericht, Vorsitzende L. V., eine toughe, aber konservative, Frau, hier in einem Verfahren mit mehreren Terminen. Sie monierte den fehlenden Langbinder bei einem jungen Düsseldorfer Anwalt. Der entschuldigte sich brav, er habe sie vergessen, gelobe aber Besserung. Bei den nächsten 2 Terminen hatte er brav weißes Hemd und Langbinder an. Am letzten Verhandlungstag zog er sich nach Schluß der Verhandlung zunächst die Robe, dann das Jackett aus. Zum Vorschein kam auf dem seinem Rücken, den er beim Herausgehen demonstrativ der Vorsitzenden zuwandte, ein grosser, bunter, gestickter Drachen zum Vorschein.
    Ich konnte mir das laute Lachen kaum verkneifen … das war eine sehr subtile Art, der Vorsitzenden mitzuteilen, wie er das empfunden hat.

  • kynik

    krawatte wurde doch seinerzeit bei “liebling kreuzberg” auch schon schön thematisiert. der trug doch bei gericht immmer die breitesten, buntesten und unmodernsten krawatten die er finden konnte. ;-)

  • karuner

    Liebe Deutsche, die Ihr glaubt, die einzige Funktion von Mode bestehe darin, funktional zu sein,
    hier eine kleine Aufklärung http://www.zeit.de/2004/06/Deutschland_2fKleidung_06

  • Ernst

    @WPR_bei_WBS:
    Herrje, es wurde nach dem Zweck der Krawatte gefragt. Hätte jetzt nicht gedacht, dass ich mich mit der Antwort als Quell des Wissens qualifiziere. Zumal sie, wie ich gerade rausgefunden habe, selbst auf der Wikipedia zu finden ist… Vielleicht aus dem gleichen Grund, weshalb der Reißverschluss an ihrer und an meiner Hose verdeckt ist?

    Aber als kleiner Tip. Schauen Sie doch mal, warum Damenblusen eine verdeckte Kmopfleiste haben. Und bei der Gelegenheit finden Sie sicher auch noch raus, warum die Knöpfe links angebracht sind :-)

  • Kampfschmuser

    Ist die Farbe auch Brauch?
    Wie wäre es mit knallorange?
    Oder eine Farbkombi, wo einem die Augen schmerzen. ;)

  • Darkstalker

    Bei manchen Rechtsanwälten würde ich mir statt Robe eigentlich Burka wünschen – das würde optisch eine Verbesserung darstellen…

  • erforderlich

    Ich war noch nie vor Gericht, sind denn diese weißen Perücken auch noch chic oder hat man die abgelegt?
    Ist die Haarfarbe/-Form wichtig?
    Wäre doch humorvoll, wenn einer diese Krawatte mit Wasserspritzfunktion ausstattet und rote Schuhe anzieht…

    @Protokollführer: Es geht darum, ein nutzloses, störendes, unwichtiges Utensil wegzulassen, nicht darum, in Müllsäcken antreten zu dürfen. Das ist schon ein wenig was anderes.

  • der Gerechte

    ich halte nichts von Anzug und Krawatte.
    Ich halte aber auch nichts davon wenn der Staatsawalt in Badehose und Flip-Flops vor Gericht erscheint.
    Kleider machen Leute, aber das kann man sich auch zu Nutze machen.
    Bsp.: Ich sitze im Blaumann auf dem Stapler weil ich etwas im Lager suche, kommt ein Klinkenputzer (Vertreter für Halbzeuge) herein, ich nicke ihm freundlich zu, er ignoriert mich und läuft ins Büro. Wo ist der Cheff? Da vorne auf dem Stapler…. dann kommt er zurückgedackelt mit nem Gesichtsausdruck wie nach einer schlechten Mathearbeit. Dafür habe ich dann die ersten 20% Rabatt im Sack.

    2. Bsp.:
    Karibikurlaub, günstig, gutes Essen, normale Leute. Sucht man nach Urlaub findet man Angebote von 1200,- bis 7500,-€, ich wähle 1700,- und gucke in die Bewertung ….
    Franz 62 aus B schreibt: …ich kann nicht nachvollziehen warum der Hoteldirektor tolleriert das Männer in kurzen Hosen zum Abendessen erscheinen….
    Das lese ich recht heufig und frage mich, warum buche ich das günstigste Hotel, wenn ich lieber in der 7500,- Euro Klasse Urlaub machen möchte?

    Wer mal in Asien war wird bestätigen das dort sogar die Leute die den Müll rausbringen Anzug und Krawatte tragen.
    Für mich hat das nichts mit respekt und Anstand zu tun sondern mit Bittstellung und Unterwerfung

  • Strafakte.de

    Angeregt durch die Diskussion hier haben wir unsere Gedanken zur Krawattenpflicht auch mal auf den Blog gebracht:

    http://www.strafakte.de/2013/06/krawattenpflicht-am-strafgericht.html

  • TheK

    Solche Einheitskleidung hat die Aufgabe, den Menschen als eine austauschbare Funktionseinheit darzustellen – passend dazu werden Uniformträger (also Extremform des ganzen) oftmals auch nicht mit ihrem Namen, sondern mit ihrer Funktion angeredet. Entsprechend haben auch Branchen, in denen es besonders auf die individuelle Leistung ankommt, eine große Abneigung zu Einheitskleidung.

    Wie weit ein solche Prinzip heute noch zeitgemäß ist, habe ich arge Zweifel – im Endeffekt sind wir nämlich alle Individuen und wer sich hinter seiner Funktion versteckt, ersetzt dabei oftmals die Menschlichkeit durch “Dienst nach Vorschrift”.

  • Andrew

    Natürlich stört es mich persönlich nicht, wenn mein Anwalt ohne Krawatte erscheint.
    Aber im Gericht sollte er zumindest die Regeln kennen und es bringt ja keinen um eine Krawatte zu tragen! Am besten als Client schon mal einen Satz Krawatten für den Anwalt bestellen und mitbringen, für alle Eventualitäten :)

  • Andreas

    Mich persönlich würde es schon stören, wenn man Anwalt ohne Firmenkrawatten im Gerichtssaal erscheinen würde. Sollte er es nicht machen, kann ich ihm ja einen Satz Krawatten und Tücher bestellen ;-)