Immer Netz für Netzer

Die Reimform ist bei Werbern durchaus beliebt. Wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt. So hielt es offenkundig auch die Firma Otelo, die mit einem Gedicht um neue Kunden warb:

Immer Fisch hat … der Fischer.
Immer Glas hat … der Glaser.
Immer Musik hat … der Musiker …
und immer Netz hat … der Netzer.
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Die Aussage „immer Netz“ stieß einem Konkurrenten sauer auf. Das sei irreführend, lautete die Klage vor Gericht. Schließlich sei es unstreitig, dass es auch bei Otelo keine 100-prozentige Netzabdeckung gibt, nicht mal für Günter Netzer.

Die Richter sahen die Sache weniger eng. Zwar mache der Werbespruch neben seinem humoristischen Gehalt eine Aussage zur Netzqualität. Diese Aussage sei aber nicht wörtlich zu nehmen. Aus dem Urteil:

Der durchschnittlich aufmerksame und verständige Durchschnittsverbraucher sieht die Werbung vor dem Hintergrund seines Erfahrungswissens. Jeder Verbraucher weiß aus eigener Erfahrung, dass in bestimmten Situationen (Bahnfahrten, Tunnels, Täler, Keller, etc.) Verbindungslücken, sog. „Funklöcher” auftreten können.

Wenn Otelo tatsächlich 100 Prozent Netz immer und überall versprechen könnte, so die Richter, wäre das ein technischer Durchbruch, und diesen Vorsprung würde man dann sicher viel drastischer bewerben. Dass Otelo (eine Vodafone-Tochter) weniger als D-Netzqualität bietet, hatte noch nicht einmal die Klägerin behauptet (Link zum Urteil).