Ich überlege mir ernsthaft, ein zweites Telefon auf den Schreibtisch zu stellen. Damit kann ich dann endlos und ohne Sorge, Anrufer bei mir zu verprellen, in den Warteschleifen der Zentrale hängen. Wie zum Beispiel gerade beim Amts- und Landgericht Düsseldorf.
„Soeben“ – von wegen
Einen knappen Monat vor dem Urlaub teilt der Reiseveranstalter mit, er habe schlechte Nachrichten. Von der Agentur vor Ort. Diese habe ihn „soeben“ darüber informiert, gegenüber dem gebuchten Hotel werde gebaut. Ob ich umbuchen möchte? Falls nicht, steht zwischen den Zeilen, gilt der mögliche Lärm als genehmigt.
Das ist interessant. Im April hatte ich das Hotel schon mal gebucht. Schon im April gab es die Baustelle. Und schon im April war der damalige Veranstalter in der Lage, mich vor der Reise nicht nur über die Baustelle zu informieren. Er bot überdies auch zehn Prozent Minderung an, was ich akzeptierte.
Habe ich schon erwähnt, dass es sich um denselben Veranstalter handelt?
Auf dem Weg zum sauberen Netz
Ausgerechnet ein Pornoanbieter sorgt dafür, dass Internetprovider den Zugang zu Pornoseiten sperren müssen. Die Kirchberg Logistik GmbH („Sexyfilms“) erwirkte beim Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen Arcor. Die Verfügung verpflichtet den Provider, das Angebot von „Youporn“ zu sperren, berichtet heise online.
Zusammen mit der heutigen Entscheidung des Bundesgerichtshofs, die hohe Hürden für die Altersverifikation aufstellt, ist das ein großer Schritt, das Internet in Deutschland zu säubern.
Mit Kollateralschäden darf gerechnet werden.
Kindermund
Ich bin schon ein Pechpilz.
Links einhundertneunundfünfzig
Gefährlich, aber trotzdem frei
Der Bundesgerichtshof hat in einem Fall, der in Niedersachsen Aufsehen erregt, die nachträgliche Sicherungsverwahrung gegen einen sechzigjährigen Verurteilten aufgehoben und den Mann freigelassen.
Autsch
„Tatvorwurf: Sie überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften um 90 km/h. Zulässige Geschwindigkeit: 80 km/h. Festgestellte Geschwindigkeit (abzgl. Toleranz): 170 km/h.“
Das kann drei Monate Fahrverbot geben. Der Mandant bat ausdrücklich darum, ihm kein schönes Wochenende zu wünschen.
Überwachungsdruck
Die Lebenspartnerin von Andrej H., der als mutmaßliches mitglied der „militanten gruppe“ derzeit von der Untersuchungshaft verschont ist, beschreibt in ihrem Blog den Überwachungsdruck der Polizei.
Das ist sehr mutig.
Links einhundertachtundfünfzig
Kriminalistische Logik
Bei der Spedition N. kam es zu Diebstählen. Verdächtigt wurde auch Mitarbeiter D. Beweise gegen ihn fanden sich aber nicht. Aber wie es aussieht, hat D. später doch einen Fehler gemacht. Zumindest aus Sicht der Kriminalpolizei:
Jedoch ist festzustellen, dass D. zum 31. August 2007 gekündigt hat. Seitdem sind keine weiteren Diebstähle bei der Spedition zur Anzeige gebracht worden. Es ist somit davon auszugehen, dass sich hierdurch der Tatverdacht gegen D. erhärtet hat.
Zum Glück kenne ich keinen Richter, dem man so eine messerscharfe Logik nicht wenigstens ausreden könnte.
Rededrang
Aus einem Unfallbericht:
Noch vor Belehrung erklärte 01, dies sei das vierte Auto, das sie dieses Jahr kaputt fährt. Sie sei bereit, ein Bußgeld zu zahlen.
Mit solchen Äußerungen kann man sich einiges verbauen. Zum Beispiel die Möglichkeit, dass das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung routinemäßig eingestellt wird. Nicht auszudenken auch die Scherereien, wenn so eine Äußerung mal in die Führerscheinakte gelangt.
Anwalt oder Schönheit
Kommentar des Mandanten, der mir den Kostenvorschuss in bar überreichte:
Das war mein neues Tattoo…
Feed-Hitparade
Juchhu, es gibt mal wieder eine Bloghitparade. Diesmal misst der Popkulturjunkie mit Googles Hilfe etwas, was bei all dem Gedöns um Klickzahlen weitgehend unbeachtet blieb: die Zahl der Feed-Abonnenten.
Brav
Aus einem Polizeibericht:
Nach kurzer Verfolgung konnte der Verdächtige von Polizeihund Tom gestellt werden.
Den Tränen nahe
Die Personenbeschreibung war dürftig. Männlich soll der Täter gewesen sein, etwa einsachtzig groß. Einen „dicken Bauch“ soll er gehabt haben. Das war’s.
Was macht also ein Polizeibeamter, der den Täter ermitteln soll? Er fertigt vom Beschuldigten Porträtfotos an. Diese Porträtfotos legt er dem Zeugen mit Porträtfotos anderer Personen vor.
Der dicke Bauch ist kein Thema.
Ich gehe heulen.