Wir nennen es Arbeit
“Wir nennen es Arbeit” heißt ein neues Buch von Holm Friebe und Sascha Lobo. Untertitel: “Die digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung.” Laut Erklärung zum Untertitel geht es in dem Buch um die neue Klasse von Selbstständigen, “die mit Hilfe digitaler Technologien dem alten Traum vom selbstbestimmten Arbeiten in selbstgewählten Kollektivstrukturen ein gutes Stück näher kommt”.
Ich grübele ein wenig, wo und in welchen Teil des letzten Halbsatzes ich passe. Denn die beiden haben mich auch befragt. Aber wenn sie sich mit dem angekündigten Freiexemplar revanchiert haben, bin ich sicher schlauer.
Bis dahin behelfen wir uns mit dem Blog zum Buch. Die Autoren kennt man übrigens (zumindest) von der Riesenmaschine.
Ach Gottchen. Inhaltsleeres von zwei Posern, die sich ihr gutes Leben vermutlich noch mit über 30 von Daddy sponsern lassen. Da fällt das Leben der Bohème natürlich umso leichter.
Eben klassische Kollektivstrukturarbeitstraumtechnologienutzer.
Von wegen "selbstgewählter Kollektivstrukturen". Wir sind moderne Tagelöhner, die sich von Auftrag zu Auftrag hangeln und einfach eine Sparquote von 20% haben müsen, um in schlechten Zeiten die Krankenversicherung zahlen zu können.
Ja, ich kann oft erst um acht aufstehen, arbeite aber jedes zweite Wochenende durch und der Samstag ist eh Regelarbeitstag. Mit einer "digitalen Bohéme" hat das nix zu tun. Von dieser erzählen wir im Urlaub gerne, damit die anderen ein wenig neidisch werden können. Wie wir dafür schuften und der Kohle nachlaufen, wenn ein Kunde pleite geht, behalten wir für uns. Das Gefühl, ausgebrannt zu sein, auch.
Mal eine blöde Frage: Das Buch dreht sich um Die digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung
Wieso wurde dann U. Vetter befragt? Freiberuflicher Anwalt ist ja kein Job, der durch das digitale Zeitalter geschaffen wurde. Das blog, UMTS, mal in den Medien usw. sind bei U. Vetter ja auch eher die Sahnehaube und nicht essentieller teil seines Tagewerkes.
Brauchten die Autoren ein paar positive Beispiele, weil der Altag der digitalen Bohème sonst ziemlich trostlos ist?
So was geht aber auch nur in Berlin, wo die Mieten billig sind und man immer einen Barkeeper kennt, der einem Drinks schenkt. Ix und Mercedes Bunz sind sicher nicht die Einzigen, die das unterschreiben würden. Dazu noch schön lange als Student eingeschrieben für die Sozialversicherung und Thekenquittungen für die Steuer sammeln, das klappt es mit der Low-Cost Bohème und der Großstadtfreiheit.