9.10.2006

Telekomtochter stört sich an Handykosten

T-Systems soll sich einen radikalen Sparkurs verordnet haben, berichtet die Computerwoche:

Das 29-Punkte-Sparprogramm verbietet nicht nur Inlandsflüge, Weihnachtsfeiern oder die Beschaffung neuer Dienstwagen, sondern untersagt neben Buch- und Zeitschriftenbestellungen auch Bewirtungen bei internen Meetings. Getränke auf Geschäftskosten sind erst bei Konferenzen von mehr als vier Stunden Dauer gestattet. Ferner kapppt T-Systems … auch alle internen Lehrgänge, Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen. Außerdem sollen die Mitarbeiter Handytelefonate einschränken und die Nutzung von Hotspots vermeiden.

Wenn eine Konzerntochter die eigenen Handy- und Hotspottarife doch recht treffend bewertet, sollte man das einfach mal so stehenlassen.

Nachtrag: die angebliche Sparliste (PDF). Der Sparzwang soll nur für einen Teil des Unternehmens gelten, die T-Systems Business Services.


(Link gefunden bei Nico Lumma)

21 Kommentare zu “Telekomtochter stört sich an Handykosten”

  1. Anonymous meint: (9.10.2006 um 15:40) AntwortenReply to this comment

    "Getränke auf Geschäftskosten sind erst bei Konferenzen von mehr als vier Stunden Dauer gestattet."

    Genial. Ist auch nur einer der Mitarbeiter deswegen 15 Minuten genervt & faul… Ihr wisst worauf es hinaus läuft.

  2. Anne meint: (9.10.2006 um 15:45) AntwortenReply to this comment

    Klingt für mich ein bisschen wie zu Tode sparen. Nichts befügelt eine Firma mehr als gefrustete, unzufriedene und nicht-weitergebildete Mitarbeiter.

    Oder?

  3. F.R. (Psycho-Blog) meint: (9.10.2006 um 16:03) AntwortenReply to this comment

    Es ist auch völlig logisch und plausibel, dass die Mitarbeiter in einem Unternehmen, welches in einer überaus schnellebigen Branche agiert, keine Qualifizierungsmaßnahmen benötigen…

  4. DarthCopy meint: (9.10.2006 um 16:12) AntwortenReply to this comment

    Man sollte dabei aber beachten dass dieses Sparprogramm nicht die komplette T-Systems betrifft sondern nur einen Teil (die Business Services). Allerdings ein Verbot von Fortbildungsmaßnahmen ist, egal ob es nur einen Teilbereich betrifft, absolut hirnrissig. Mal abgesehen davon dass Konferenzen ab und an auch mal mit Kunden zusammen an den einzelnen Standorten stattfinden werden (denke ich) und die werden dem jeweiligem Veranstalter was husten, wenn sie nix zu trinken bekommen – vermute ich zumindest.

  5. SvenR meint: (9.10.2006 um 16:15) AntwortenReply to this comment

    Man nuss sich nur mal die schicke neue "Konzernzentrale" in Frankfurt auf der Mainzer Landstraße ansehen.
    Kein Wunder, dass man da an den "normalen" Mitarbeitern sparen muss.

    Die sind übrigens vor kurzem uas Frankfurt nach Eschborn umgezogen (worden). Nicht, dass da der m² nur einen Bruchteil kostet, nein, sie haben auch die Anzahl der m² deutlich reduziert.

    Nein, ich arbeite (zum Glück) nicht da.

  6. BMG meint: (9.10.2006 um 16:16) AntwortenReply to this comment

    Ich komme aus dem ö.D. Bei uns ist das alles gang und gebe. Dienstwagen? Fahr mit deinem eigenen Ding. Da gibts dann ganze 29 Cent für den km. Getränke bei einem "Meeting"? Vergiss es. Kaffee den wir selber gekauft haben, ja den gibts höchstens. Fortbildung? Ja, auf 5-fachen-Antrag und "Bitte, bitte"-machen gibts vielleicht mal ne Fortbildung. Dann muss es aber auch dringend nötig sein. Handytelefonate, Hotspots? Ich habe bei Außenterminen oft genug von meinem Privathandy telefoniert. Nen Laptop haben hier nur die Auserwählten. Weihnachtsfeier? Ja machen wir – und bezahlen wir fleißig immer aus eigener Tasche. Selbst zur 50 Jahre Feier unserer Behörde mussten wir die Feier aus eigener Tasche bezahlen. (Außer bei den "Außerwählten", die kriegen sogar Fahrgeld und Sitzungsentschädigung wenn der Chef seinen Geburtstag feiert…)
    Also für mich entwickelt sich T-Systems dahin zurück, was sie schonmal waren: Eine Behörde… :-)

  7. F.R. (Psycho-Blog) meint: (9.10.2006 um 16:29) AntwortenReply to this comment

    Inkl. etwas Unterhaltung:

    http://www.psycho-blog.net/200610a.htm#9_380

    8)

  8. Johannes meint: (9.10.2006 um 17:17) AntwortenReply to this comment

    Das Problem in solchen Großunternehmen sind doch nicht die paar Ausgaben für Getränke bei Meetings, sondern die Ineffizienzen, die im System stecken. Gerade bei Behörden sind die einfachsten Vorgänge immer noch nicht automatisiert, werden keine externen Dienstleister zurate gezogen, selbst wenn diese die Aufgaben billiger und besser erledigen könnten, gibt es ein hirnrissiges Ausschreibungssystem, geht oft Perfektion im Einzelfall vor wirtschaftlich sinnvoller Vorgehensweise.

  9. Lennart meint: (9.10.2006 um 18:18) AntwortenReply to this comment

    @9: Das Ausschreibungsverfahren sichert aber vor allem eine verfassungsrechtlich geforderte Gleichberechtigung. Nebenbei wird durch die Ausschreibung sichergestellt, dass die Aufgabe an denjenigen Anbieter, der die Arbeit zum besten Preis-Leistungsverhältnis ausführt, abgegeben wird. An dem Auschreibungsverfahren sollte es wohl nicht liegen.

  10. Frank meint: (9.10.2006 um 18:39) AntwortenReply to this comment

    Tja, was für eine Freude, dass ich bei T-Systems arbeite! Aber was da gerade im Unternehmen abgeht ist nicht mehr schön und wird auf Dauer die Effizienz des Unternehmens schädigen. Mehrmonatige Hinhaltetaktik, Mitarbeiterverunsicherung und dann diese bekloppten Sparmaßnahmen, dazu noch Outsourcing nach Indien und Russland, wobei mittlerweile viele Unternehmen einsehen, dass das auf Dauert teuer wird. Aber die Telekom war schon immer gut im Durchführen von veralteten Plänen.

  11. Deneriel meint: (9.10.2006 um 19:25) AntwortenReply to this comment

    @10: Ja, und durch solche Ausschreibungen und weil die teilw. von Leuten ohne wirkliche Ahnung gemacht (weil zuständig) und geprüft werden (weil zuständig) bekommt man dann minderwertige Technik, weil die ja billiger war.
    Das führt nicht etwa dazu daß man sich Gedanken macht wo der Haken ist sondern daß man nen irren Begründungsaufwand um z.b. Rechner nicht vom etwas größeren Kistenschieber um die Ecke sondern von einem vernünftigen Anbieter zu nehmen. Wenn das nicht klappt hat man da ne Charge von 100 Kisten stehen die absolut billigst zusammengeschustert sind und bei denen man nur hoffen kann daß sie innerhalb der ersten drei Jahre verrecken weils dann ein Garantiefall ist. Reinvestiert werden darf nämlich erst nach 5 Jahren.

    Schulungen? Ja, ich hätte da noch einige die sicherlich hilfreich wären. Oh, das Budget ist schon ausgeschöpft? Ja dann nicht.

    Dienstwagen? Was fürn Ding? Ach, das Dienstfahrrad (sic!)

    @9: Wie recht du hast – Diensthandys werden erst an Leute verteilt die sie eigentlich gar nicht benötigen, aber da es vom Abteilungsleiter so beantragt war. Und dann darf man nacher für diese Geräte auf Papier einen Einzelverbindungsnachweis rumgeben auf dem die Privatgespräche markiert werden müssen. Denn wenn man die nicht rausrechnet kommt das Finanzamt und will Kohle wegen des Geldwerten Vorteils der Mitarbeiter…

    @7: Das kommt mir ziemlich bekannt vor. So ab A12 ist die Grenze bei der man manche Sachen besser nicht mehr hinterfragen sollte, will man sich nicht unbeliebt machen.

  12. Riegge meint: (9.10.2006 um 20:59) AntwortenReply to this comment

    Die komplette Liste bei der Wirtschaftswoche:
    http://www.wiwo.de/wiworlzr/statics/pdf/Telekom-Sparplan.pdf

    Es hört sich eigentlich eher nach Einstellung des Geschäftsbetriebs an…

  13. Carsten meint: (9.10.2006 um 21:57) AntwortenReply to this comment

    Die Hotspotpreise sind mehr als lächerlich. Für 14 Tage im Hotel hätte ich bei 24h-Nutzung über meine T-Mobile-Rechnung über 2500€ bezahlen müssen (2€/15 Minuten). Als "Fremdkunde" über Kreditkarte hätte mich das ganze dank günstigerer Langzeittarife (18€/24h), die man tollerweise als T-Mobile-Kunde nicht (bzw. eben nur unabhängig über die Kreditkarte) bekommt, dann noch ca. 250 Euro gekostet. Nachdem ich dann ne halbe Stunde an der Hotline gemeckert hab, wurde mir dann erzählt, dass es von T-Online eine Flatrate als befristetes Pilotprojekt für 9,95€/Monat gibt. Für 2500 Euro hätte ich also entweder 14 Tage oder über 20 Jahre(!) surfen können. Toller Service!

  14. BMG meint: (9.10.2006 um 22:07) AntwortenReply to this comment

    Wenn ich die PDF-Liste so durchlese, kommt mir eigentlich nur eine Frage:

    Warum machen die den Laden nicht direkt zu?

  15. Johannes meint: (10.10.2006 um 02:28) AntwortenReply to this comment

    Einige Sachen in der Streichliste sind aber auch sinnvoll. Ich habe noch nie verstanden, wieso man nicht mal einen Gebrauchtwagen als Dienstwagen kaufen kann, und den dann 5-6 Jahre fährt. Natürlich nimmt die Wartungsintensität zu, aber so sehr, daß man Zehntausende Euro aus dem Fenster wirft? Und wieso muß man überall hinfliegen, selbst solche lächerlichen Strecken wie München -> Frankfurt? Zeitersparnis dürfte da keine zu erzielen sein. Und Schulungen zu Trivialthemen für mehrere Tausend Euro, die auch durch ein Buch zu 50 € und ein paar Tage Selbststudium ersetzt werden könnten?

  16. Woo meint: (10.10.2006 um 02:30) AntwortenReply to this comment

    Wieso kuerzen die eigentlich bei Handy- und Hotspotbenutzung?! Sowas sollte man doch konzern-intern kostenneutral abwickeln koennen.. oder haben die Angestellten etwa bisher Dienste der Konkurrenz benutzt?!

  17. Q meint: (10.10.2006 um 09:39) AntwortenReply to this comment

    @16: bin nicht bei TSI sondern bei der Konkurrenz
    Das mit dem Fliegen habe ich auch nicht verstanden bis ich das selber erleben durfte:
    5:15 Abfahrt mit dem Taxi zum Flughafen
    6:20 Abflug
    7:15 Ankunft
    7:30 Abfahrt mit dem Taxi zum Kunden
    8:00 Ankunft beim Kunden
    20:00 Abfahrt mit dem Taxi zum Flughafen
    21:00 Abflug
    21:50 Ankunft
    22:00 Abfahrt mit dem Taxi nach Hause
    22:30 Ankunft zu Hause

    Wenn Du das einmal im Monat hast (Kollegen haben das zweimal die Woche) kommt es auf eine halbe Stunde an. Da bist Du einfach kaputt und fährst nicht mal mehr mit der S-Bahn zum Flughafen sondern mit dem Taxi obwohl Du für die 30 Minuten Zeitersparnis 70 Euro mehr zahlen mußt.

  18. SvenR meint: (10.10.2006 um 15:21) AntwortenReply to this comment

    @ Nr. 16 (Johannes):

    Außerdem müssen Mitarbeiter für Dienstwagen geldwerten Vorteil versteuern, das ist pauschal 1 % vom Bruttolistenpreis + 0,1 % je Entfernungskilometer von zu Hause. Das ist für brandneue Autos schon ganz schön happig, bei 4-10 Jahre alten Wagen katastrophal viel.

    Bei der Strecke München Frankfurt kommt es stark darauf an, von wo genau man nach wo genau muss. Von City zu City ist der ICE unschlagbar, von Kelsterbach ins Industriegebiet Erding ist der Flieger unschlagbar.

    Außerdem gibt's immer schlaue Menschen, die meinen Meetings mit angereisten müssten unbedingt um 8:00 oder 8:30 anfangen, so dass der Flieger die einzige Möglichkeit ist, pünktlich zu kommen, ohne um 2:00 h aufgestanden zu sein. Denn die Übernachtung vorher gibt's ja schon lange nicht mehr. Dass die einheimischen Meetingteilnehmer meist erst um 9:30 kommen ("War Stau", "Musste noch zum Kindergarten/Schule/Tanken") ist eh' klar.

  19. Eldersign meint: (10.10.2006 um 20:39) AntwortenReply to this comment

    Klingt mir ziemlich nach Behörden-Denke. Ich hab mit sowas auch zu kämpfen, aus diesem Grund lade niemanden mehr zu uns ein. "Können wir uns wieder bei Ihnen treffen, Sie wissen schon, warum…"
    Es ist echt blamabel wenn man stundenlang mit Vertragspartnern verhandelt, und der Arbeitgeber nicht mal in der Lage ist, einen Kaffee anzubieten und ein paar Wasser auf den Tisch zu stellen.

  20. T-Systemianer meint: (23.10.2006 um 23:25) AntwortenReply to this comment

    Aussenwirkung + Hintergrund

    Also so kann man das ja nicht stehen lassen. Sicherlich sind die vorgegebenen Sparmaßnahmen strittig. Doch in dem hier geschilderten Ausmaß wird nicht gespart! Natürlich werden Dienstwagen, Handy etc. uneingeschränkt genutzt. Schließlich telefoniert ja keiner zum Spaß- hoffe ich zumindest.

    Viel schlimmer als die viel diskutierten Sparmaßnahmen sind die kurzsichtigen Entscheidungen des unter zu starken Druck gekommenen "mittleren" Managements. Leider sind bei der letzten Neustrukturierung, zumindest der BS, die guten Leute degradiert und durch Karriere-Egos ersetzt worden. Dieses neue Geflecht von unerfahrenen und teilweise zu schnell hochgespülten
    Karrieristen mündet im Ergebnis der aktuellen Situation. Ganz klar wer das ausbadet. Die ohnehin mächtig unter Druck und Angst gestellten Mitarbeiter an der Basis und Kundenfront. Die dazu noch den schwachsinnigen Kurs gegenüber den Kunden vertreten müssen. Hoffentlich wird darauf die Öffentlichkeit und Aktionärsmehrheit irgendwann aufmerksam.

    Wie es Ron Sommer gestern richtigerweise bei Christiansen angeführt hat:
    "Wenn sie der Fußballmannschaft vor dem Spiel sagen: Ich entlasse jeden Dritten. Glauben sie, dass die Mannschaft anschließend das Spiel gewinnen wird?“

    Besser wäre es jeden dritten Manager auszutauschen. Das wäre sicherlich eine vernünftige, kritische Größe um diesem durchaus potentiellen Unternehmen eine glänzende Zukunftsperspektive zu verschaffen.

    Jedoch ist es ja meist so, dass zuerst das Kind (welches schon aus der Wanne gespült wurde) noch in den Brunnen fallen muss.

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