Stilles Örtchen steuerlich nicht absetzbar

Das Finanzgericht Baden-Württemberg musste die Frage klären, ob eine Toilette ein Arbeitsplatz sein kann und von der Steuer abgesetzt werden darf. Ein Steuerprüfer, selbst beim Finanzamt angestellt, wollte nicht nur sein häusliches Arbeitszimmer absetzen. Vielmehr wollte er auch die Renovierungskosten für sein Klo.

Um den Anspruch zu begründen, legte er dem Gericht ein “Toilettentagebuch” vor. Darin führte er auf, wie oft er täglich das stille Örtchen aufsucht (9 bis 10 mal am Tag) und wie oft das Bedürfnis während seiner Heimarbeit entsteht (8 bis 9 mal). Dementsprechend wollte der Kläger den Löwenanteil der Renovierungskosten von der Steuer absetzen.

Selbst die detaillierte Aufstellung überzeugte das Finanzgericht nicht. Die Richter kamen schon zum Ergebnis, dass der Kläger überhaupt nicht schwerpunktmäßig von zu Hause aus arbeitet. Er hatte nämlich auch viele Prüftermine außerhalb. Außerdem sei sein Hauptarbeitsplatz noch immer im Finanzamt, auch wenn er auch Arbeit von zu Hause aus erledigen könne.

Aber unabhängig davon sei eine Toilette jedenfalls nicht Teil des Arbeitsplatzes, befanden die Richter. Nach den gültigen Regeln des Steuerrechts seien sonstige außerhalb des Arbeitszimmers nicht abzugsfähig, daran ändere auch die akribische Buchführung nichts (Aktenzeichen 9 K 2096/12).

21 Gedanken zu “Stilles Örtchen steuerlich nicht absetzbar

  1. 1

    Bin auch beim Finanzamt tätig. Mit diesem Antrag hat der Steuerprüfer (Betriebsprüfer?) sich selbst die Qualifikation für seine Tätigkeit abgesprochen. Peinlicher geht’s kaum.

  2. 2

    Die armen Prüflinge bei denen er ständig auf Klo rennt. Können die die Mehraufwendungen dann auch beim Finanzamt absetzen, bzw. würde der Prüfer das durchgehen lassen (lol)

  3. 3

    Wenn er in der verbliebenen Zeit, die er von zuhause aus arbeitet, 8-9 mal aufs Klo muss, sollte er vielleicht lieber mal einen Arzt aufsuchen…

  4. 4

    Genau, erst zum Arzt – und dann ein Gutachten vorlegen, das er eine erhöhte Undichtigkeit im unteren Bereich hat. Gibt es bestimmt medizinische Fachbegriffe für – und damit könnte er als erhöhte Aufwendung WINDELN von der Steuer absetzen. DIE kann er auch bei Aussenterminen umbinden, falls es da mal kein Klo geben sollte. Genau so wie die Kosten für das Zeugs, was die in der Werbung immer beim Ballonfahren vorher einwerfen, damit sie nicht “Ballonfahrerbingo” (in Anlehnung an Kuhscheißebingo, nur sind beim Ballonfahrerbingo die Quadrate größer) spielen müssen.

    Und beim nächsten Geburtstag gibt es dann ganz speziell für ihn das Port-a-potti für Campingfreaks mit dicker Schleife aus extradünnem Klopapier. Hat ein Discounter grad im Angebot…

    Aber durch die Ablehnung fühlte er sich bestimmt angesch*** und ans Bein gepinkelt…

  5. 5

    Genau so wie die Kosten für das Zeugs, was die in der Werbung immer beim Ballonfahren vorher einwerfen, damit sie nicht “Ballonfahrerbingo” (in Anlehnung an Kuhscheißebingo, nur sind beim Ballonfahrerbingo die Quadrate größer) spielen müssen.

    “Zeugs”?

    Red Bullshit, oder wie jetzt? ;-)

  6. 6

    Ohne Zeugen und qualifizierte Originalbelege der entsorgten Stoffe geht da gar nichts. Fünf von zehn Besuchen sind möglicherweise Scheinbesuche, wie die Erfahrungen eines vereidigten Toilettenwarts bestätigen!

  7. 7
  8. 8

    das der kläger selber bei der finanzverwaltung arbeitet ist natürlich ein schöner gag. wie gewünscht verfehlt er ja seine wirkung auch nicht. für den sachverhalt selber ist er natürlich völlig unerheblich, es ist nämlich wichtig, dass immer wieder solche klagen stattfinden. sind sie doch das einzige mittel die ungerechten, weil nur von wenigen zu nutzenden, steuervergünstigungsmöglichkeiten der besserverdienenden anzugreifen. und gerade mitarbeiter entsprechender berufsgruppen sind geeignet solche mißstände, sei es nun gewollt oder ungewollt, aufzudecken. nicht ohne grund reichen ja auch oft rechtsanwälte, steuerberater, richter usw. klagen ein. man sollte sich nicht darüber lustig machen, sonder die hintergründe solcher klagen erfragen.

  9. 9

    …da kann man sich nur wundern mit welchem “Scheiss” sich Gerichte beschäftigen……allen an diesen Verfahren Beteiligten sollte man rechts und links vor die Backen hauen…

  10. 10

    Schade, dass die diesbezüglichen Aussagen der APPD nicht berücksichtigt wurden:

    Arbeit ist Scheiße.
    Scheißen ist Arbeit.

  11. 11
  12. 12
  13. 13

    Frage zum Thema:
    Warum darf ich im Büro zu Hause das Klo nicht anteilig absetzen?
    Wieso gibts da keinen Geschäftsanteile am Klo, der Küche, dem Wohnzimmer(Aufenthaltsraum)?
    Mein Auto muß ich ja auch einen Privatanteil zahlen, wieso nicht umgekehrt?
    Jede Arbeitsstätte benötigt zur Nutzung ein Klo, Pausenraum und eine Küche.
    Ich bin für eine 1% Regelung (vom Listenpreis) für den Rest der Wohnung/Gebäude in dem sich das Arbeitszimmer befindet.

    Übrigens die GEZ für die Betriebsstätte kann man nicht als Kosten von der Steuerabsetzen.

    Es gibts nichts ungerechteres als Steuergesetze.

  14. 14

    @Troll:
    inhaltlich genau richtig, du hast nur den sinn nicht verstanden. hier sollst du auf den beamten schimpfen und erklären, warum alle so blöd sind. es wäre natürlich anders, wenn es sich um einen mandanten von uv handeln würde

  15. 15

    Ein treffendes Beispiel für die menschliche “Dialektik”: Bei einem Steuerpflichtigen hätte er es nicht durchgehen lassen, aber für sich selbst will der Steuerprüfer anerkannt haben, was er anderen nicht durchgehen ließe.

  16. 16

    @ui-ui-ui: Wenn es so wäre, hätte ich ja noch Hoffnung; ich befürchte jedoch, die Prüferqualitäten dieser Person entsprechen dem Klagantrag *seufz*.

  17. 17

    Jaja, der hatte da bestimmt was stehen von… “Aufsuchen von Geschäftsräumen” und Nachgehen von “geschäftlichen Tätigkeiten” und Renovierung des “Geschäftssitzes” – und dann hat mal jemand nachgefragt, was das denn für Räume sind. Hahahaa…

  18. 18

    Hmmmmm… wenn man weiß, wer das ist und sein Problem nicht durch “ich markiere jetzt mal mein Revier, wo ist die nächste Hausecke”-Männertaktik zu lösen ist… also, dürfte man den eigentlich ungestraft dann “Sie verschissener Steuerbeamte!” nennen – oder wäre das dann eine Beleidigung, obwohl er an chronischem Durchfall leidet?

    Dürfte eine Putzfrau, die nach ihm das Klo säubert und mitbekommt, es sieht nach seinem Besuch tarnfleckfarben aus, ihn etwas lauter mit der Bemerkung “Jetzt haben Sie bei mir aber KOMPLETT VERSCHISSEN!” ansprechen ohne Konsequenzen befürchten zu müssen?

  19. 19

    @Troll: Wahrscheinlich hätte der Steuerprüfer das Unternehmen in einer anderen Rechtsform führen und die Toilette von Anfang an als Mitarbeitertoilette einrichten müssen.

  20. 20
  21. 21

    @user124:

    Eigentlich kann ich Troll´s Argumentation folgen – und finde sie, weil selbst betroffen, auch “irgendwie” richtig.

    Aber eine solche sinnvolle Argumentation / Diskussion darf nicht ad absurdum geführt werden – wenn z. B. jemand die Verhütungskosten für den Beischlaf mit seiner Partnerin / seinem Partner geltend machen möchte, da der Beischlaf bei ihm / ihr zur erhöhter Arbeitsleistung führt. Oder so.

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