Zerkaute Masse

Colafläschchen gelten, in Maßen genossen, als durchaus harmlos. Nun schafft es das Produkt eines bekannten Süßwarenherstellers aber bis vor das Oberlandesgericht Hamm. Die Juristen wollen prüfen, ab ein zerkautes Stück Zuckermasse tatsächlich früher mal ein Colafläschchen war. Ein Angestellter behauptet nämlich, durch einen Biss auf das Corpus delicti zwei Zähne eingebüßt zu haben.

Der Streit dreht sich um die großen Colafläschchen (“Happy Cola”). Der 44-Jährige verlangt vom Hersteller 10.000 Euro und weiteren Schadensersatz, weil sich in  einem der Gummis ein Stein befunden haben soll. Der kräftige Biss in den Gummi sei in heftigen Schmerzen und zwei neuen Zahnkronen geendet.

Das Oberlandesgericht Hamm hat jetzt einen Sachverständigen beauftragt, der sich das mögliche Colafläschhen ansehen soll. Vorrangig stellt sich nämlich die Frage, ob die zerkaute Masse tatsächlich von dem Hersteller stammt. Falls das bejaht wird, soll der Sachverständige bewerten, ob sich in dem Fruchtgummi ein Fremdkörper, ein Steinchen etwa, befindet und wie der Fremdköper in das Fruchtgummi gelangt sein könnte.

Die Beweisaufnahme findet am 23. Mai statt. Das mögliche Fruchtgummi soll im Gerichtstermin auch in Augenschein genommen werden.

Colaflasche

Colaflasche oder nicht?

Update: Haribo ist zu 2.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Außerdem muss die Firma die Behandlungskosten des Betroffenen übernehmen. Prozessbericht.

  • rldml

    Vielleicht zu naiv gedacht: Müsste man nicht die Bestandteile des Fruchtgummis und deren Anteile am Gesamtgewicht bestimmen können?

    Selbst wenn mehrere Hersteller Colafläschchen herstellen, dürften diese doch wenigstens geringe Unterschiede an und/oder den Zutaten beherbergen, oder?

    LG, der Ronny

  • Benajmin R

    Hoffentlich hat er es vorher nicht gelutscht…

  • Kommentator

    Mir kommt das alles sehr plausibel vor. In der Sendung mit der Maus haben sie mal gezeigt, wie die Form der Gummibärchen in Mehl gedrückt wird und dann die Masse da rein gegossen wird. Falls das Weisse am Gummi im Photo Mehl ist, wäre das eventuell einfach ein nicht vom Mehl gereinigter Gummibär. Vielleicht sogar einer, der gar nicht die korrekte Form bekommen hatte (schaut ja nicht gerade flaschig aus) und deswegen Ausschuss war (man schaut ja nicht immer genau hin, was man sich aus der Tüte in den Mund schiebt). Und vielleicht sogar einer, der wegen Fremdkörper ausgesondert worden war, aber am Ende doch versehentlich in der Tüte gelandet ist. Nach dem Stein darin zu suchen erscheint mir fremd der Lebenswirklichkeit, denn der Stein ist ja schon im Mund des Opfers gelandet. Wenn, müsste ein zweiter Stein drin sein. Ich finde auch, dass man sich verlassen können sollte, dass Gummibärchen steinfrei sind.

  • Thomas

    Ich habe auf jeden Fall Zahnschmerzen vom Lesen bekommen.

    LG

  • Llarian

    Wenn man sich die Zutatenliste von Fruchtgummis so ansieht, sehr unwahrscheinlich: Wasser, Zucker, Gelatine, Farbstoffe und Aromen. Auch in den Trennmitteln sind keine Steine. Höchstens ein Zuckerklümpchen könnte überhaupt hart sein in den weichen Süßigkeiten – aber die sind, wenn überhaupt vorhanden, normalerweise nicht hart genug, um sich einen Zahn auszubrechen. Ein Stein im Schwarzbrot kann schon eher einen solchen Schaden anrichten, oder ein Knochensplitter im Kotelett.

  • maSu

    @Kommentator:
    Für mich sieht das eher nach einem durchgekauten Stück Weingummi aus, welches nach längerer Zeit schließlich verschimmelt ist.

  • gerry

    Wenn wirklich ein Steinchen in der Ware war – dann müsste das auch auf der Verpackung deklariert werden. (“Kann Spuren von Steinen enthalten”) … ;-)

  • zwoologe

    @maSu: dann wird es bestimmt ein weinsteinchen gewesen sein.

  • RA Munzinger

    Ich habe mal einen Milchzahn durch den Biss auf ein Stückchen Popcorn verloren; damals wäre aber keiner auf die Idee gekommen den Jahrmarktbudenbetreiber, der das Popcorn verkauft hat oder das Königreich Spanien (als Dienstherrn des Amerika-Entdeckers Kolumbus; von wo der Mais stammt)zu verklagen…

  • Thomas G.

    Gummibärchen… kauft Gummibärchen! Immer frisch, immer weich.

  • Markus

    Das rechte Colafläschen im Bild ist ein kleines Fläschchen, die großen sind viel größer. :)

  • TKEDM

    In Happy Cola sind doch gar nicht die großen Colafläschchen? Es gibt die Minidinger in den kleinen Tütchen, die normalen kleinen (Happy Cola z.b.) und die großen in den Dosen.

    Und so breit und noch so zusammengepappt sah ein gekautes Colafläschchen bei mir noch nie aus…

  • wonko

    @RA Munzinger:

    Popcorn

    Dieser Vergleich drängt sich ja geradezu auf…

  • immernocerforderlich

    grosse flaeschchen heissen flaschen

  • immernocerforderlich

    p.s. eigentlich sollte man coca cola selbst (als stoerer wegen der namenslizensierung) verklagen, wegen der markenwerbung, die offenbar so gierig macht, dass man nicht mal anguckt, was man sich in den mund steckt. wie dumm ist man, wenn man den stein in was transparentem nich sieht? (da dies nicht thematisiert, gehe ich davon aus, dann keine beeintraechtigung der sicht vorliegt)

  • TKEDM

    @immernocerforderlich:

    Was hat Coca Cola mit den Haribo-Flaschen zu tun?

  • Fubar

    @TKEDM:
    Lehnen Sie sich bitte nicht zu weit aus dem Fenster!
    Andernfalls werde ich Sie verklagen, da Sie mit dem Aufgreifen des obigen Kommentars direkte Werbung für die Coca-Cola Company betreiben und so einen unfairen Wettbewerb ermöglichen. Ebenfalls befinde ich, dass durch Ihre unendliche Dreistigkeit der Firma Haribo ein immenser Schaden entstanden ist, welcher diese Firma dazu zwingt, alle Arbeiter durch niedere Nutztiere (höchstwahrscheinlich eine vom Aussterben gefährdete Nilpferdart) aus dem zentralafrikanischen Raum zu ersetzen. Solche kranken Leute wie Sie zerstören den deutschen Arbeitsmarkt. Sie klauen meinen Job!!!11

  • TKEDM

    @Fubar:
    Mein Kommentar auf den Kommentar über meinem Kommentar war eher ein Kommentar FÜR Haribo !!!111 Also wenn schon, dann den Kommentator über meinem Kommentar verklagen, dass er Haribo in die Nähe von Coca Cola rückt!!!1111 :D

  • Fubar

    @TKEDM:
    Ich habe meine Entscheidung bereits getroffen. Versuchen Sie nicht, mich mit Fakten zu beirren!
    Jedoch gehe ich soweit auf Ihre Erwiderung ein, sodass ich auch Coca Cola verklage, da andernfalls lediglich Haribo ins Licht der Presse gerückt werden würde, was einen fairen Markt gefährden würde.
    Eventuell sollte ich jedoch meine Klage auf das Internet ausweiten.. ja, das Internet gehört eindeutig hinter Schloss und Riegel!

  • Baxter

    Wenn man die Maße eines solchen Cola-Fläschchens berücksichtigt, kann der mutmaßliche Stein nicht sonderlich groß gewesen sein.
    Wenn sich ein erwachsener Mensch beim Biss auf diesen Stein direkt 2 Zähne auf einmal raushaut, dann war m.M.n. ein Zahnarztbesuch längst überfällig.

    Schwank aus’m wahren Leben am Rande: Seit ca. einem Jahr, finde ich Steine in verpackten Lebensmitteln nicht mehr so abwegig (davor war ich definitiv und zugegebenermaßen noch skeptischer bei solchen Meldungen. Da hatte ich nämlich selbst nämlich auf einen Stein gebissen, der in einem “Rote-Grütze”-Becher versteckt war. Der war zwar verhältnismäßig “groß”, hab ihn aber nicht gesehen – vermutlich auch weil ich großzügig Vanillesoße reingekippt hatte.
    Dennoch: Alle Zähne waren/sind noch da, wo sie hingehören – ohne irgendwelche Folgen whatsoever.. Ich hatte dem Hersteller dann aber ne email mit Foto geschickt um diese zu informieren, damit deren Qualitätssicherung Bescheid weiß (bin selbst Fertigungsingenieur). Ratet ‘mal, wie das Feedback war: Habe nie ‘ne Antwort erhalten… Weder ein “Danke für den Hinweis” noch ein Paket mit einer Auswahl an Proben aus deren Produktpalette (und der der Dr. hat wahrlich ein großes Sortiment…)
    Naja, so ist das heutzutage wohl….
    Früher: “Ah, ein Kunde!”
    Heute: “Arrg, ein Kunde!”

    Tschüss, Baxter

  • timon

    @Baxter – zu deinem Schwank: Ich kaufte mal zwei Chipstüten eines großen Herstellers in Aktionsgröße 250g + 40g gratis. Zuhause geöffnet stellte sich raus, dass den Chips komplett die Paprika-Würzmischung fehlte, das heisst sie ware käsig bleich und hatten nahezu keinen Geschmack. In beiden Tüten war das Bild das selbe, weswegen ich sie gleich wieder mit Klebeband verschloss und an den Hersteller zurückschickte. Es schien immerhin ein größerer Produktionsfehler vorzuliegen, der womöglich eine ganze Charge betreffen könnte.

    Nach einer Weile bekam ich ein Schreiben, in dem mir versichert wurde, dass kein Produktionsfehler festzustellen war, es wären sogar extra die Proben des betreffenden Werks und des Herstellungstags geöffnet und überprüft worden. Man schickte mir als Ersatz zwei Tüten a 250g – diese allerdings wenigstens mit der gewohnten Würze und Bräunung.

    Da fragt man sich, was in den Marketingabteilungen der Firmen heute so abgeht. Anstatt das beanstandete Produkt auch nur mal kurz in Augenschein zu nehmen – der Unterschied fiel optisch und geruchlich sofort auf – erzählt man dem Kunden, er würde Gespenster sehen und verprellt ihn dann noch zusätzlich damit, dass man ihm eine geringere Menge als die beanstandete als Ersatz zurückschickt. “Arrrg, ein Kunde!”.

  • Superichi

    …manchmal macht es richtig Spass, einen Kommentar-Thread zu lesen.
    Was das mit dem Fall zu tun hat? – Ja, nix halt.

    Intuitiv würde ich mich gern für das Kleine Steinchen stark machen: Für mehr Mineralienstoffe in unseren Lebensmitteln!! – Aber das bringt’s auch nich’…

    :-(

  • Schnuffi

    Falls der Angestellte das Verfahren tatsächlich gewinnt, kann er ja singen:

    Haribo macht Kläger froh, und den Anwalt ebenso.

  • Toertjex

    Ich hatte mal Plastikteile im Knäckebrot eines bekannten Herstellers. Ich habe denen ein Photo, auf dem die eingebackenen Plastikteilchen gut zu erkennen waren, zugemailt.
    Ich bekam ein Schreiben in dem erklärt wurde, dass es sich Bürstenbestandteile der Mehlunterwalzmaschine (oder so ähnlich) handelt und das sie Ihre Prduktions- und Qualitätsprozesse überprüfen. Und ein Paket mit einigen Produkten des Herstellers

  • Duke

    Lässt sich doch einfach feststellen. Einfach der zerkaute Stück in den Mund nehmen und gucken, ob es nach Cola schmeckt! :-D

  • abc

    Ein Steinchen halte ich eher für unwahrscheinlich. In den Produktionsmaschinen können sich aber unter Umständen kleine Teile lösen (Schrauben, Reste kaputter Kugellager o.ä.). Das kommt schonmal vor, deswegen steht am Ende der Produktionslinie auch Metalldetektoren. Die können allerdings auch nicht alles erkennen (z.B. Keramik oder zu kleine Metallteile)

  • Lars

    @timon: Ja, manche Firmen reagieren sehr professionell auf Reklamationen, andere eher eingeschnappt. So hatten meine Frau und ich mal ein paar stark nach Plastik schmeckenden Joghurt erwischt. Der Firma haben wir einen freundlichen formulierten Hinweis darauf samt Chargennummer geschickt. Als Antwort kam — pampig-schnippisch formuliert — die Position “kann nicht sein”. Wenn jemand mit Ahnung unseren Hinweis aufmerksam gelesen hätte, dann hätte anhand der Formulierungen auffallen können, dass ihnen jemand vom Fach geschrieben hat: meine Frau ist staatliche geprüfte Lebensmittelsensorikerin und lehrt in der Lebensmitteltechnologie an einer Hochschule. :-) Nun ja, Chance verpasst, einen Produktionsfehler auszumerzen und ein gutes Kundenverhältnis zu pflegen.

  • Christian

    Interessant, ich habe nämlich auch mal ein Steinchen in einer Packung Happy Cola von Haribo gefunden.. Hätte ich draufgebissen hätte ich vermutlich auch einen Zahn weniger.
    Habe den Stein inkl. Packung zu Haribo geschickt, die haben dann behauptet der Stein sei “ausgehärtete Stärke”. Und mir null Entschädigung geschickt. :-( Sogar das Ergebnis deren Untersuchung musste ich erfragen, obwohl angekündigt war das mir das mitgeteilt werden würde.

  • Erlösende_Auflösung

    Da ich die offenen Enden im lawblog, also Geschichten, für die der Ausgang nicht berichtet wurde, absolut nicht leiden kann, poste ich hier das Ende vom Lied:

    spiegel.de/wirtschaft/service/haribo-muss-mann-wegen-zersplitterter-zaehne-schmerzensgeld-zahlen-a-901534.html

    Ist keine Schleichwerbung, sondern einfach der erste Artikel darüber, den ich fand.

  • Wolfram

    @immernocerforderlich: Und ein großer Zwerg?
    Ein Mann von 1,20m Körperhöhe ist ein Zwerg. Ein Mann von 0,90m Körperhöhe auch. Stehen sie nebeneinander, dann handelt es sich um einen großen und einen kleinen Zwerg.

    Hier kommt noch dazu, daß den bewußten Fläschchen eine Kerneigenschaft der Flasche fehlt: man kann sie nämlich nicht befüllen, sie sind nicht hohl.
    (Geistige Hohlkörper bezeichnet man gelegentlich auch als Flasche, selbst wenn man nicht Italiener ist, aber das ufert jetzt aus.)

  • Watz

    … gebe mal Baxter als die #20 Recht.
    Wer so schlechte Zähne hat,
    sollte auf Süßigkeiten generell verzichten ;-).
    Die Höhe des Schadenersatzes
    ist wohl auch etwas zu hoch angesetzt … ?!