Bote im Nebenjob

Es ist natürlich eine super Idee von einem Strafrichter, den Hauptverhandlungstermin innerhalb des festgelegten Tages zu verlegen. Von 08.10 Uhr auf 13.30 Uhr. Das sind fast viereinhalb Stunden. Noch besser ist die Idee, dies exakt 48 Stunden vor dem Beginn des neuen Termins zu machen, und zwar ganz lakonisch per Fax. Also ohne Nachfrage, ob der Verteidiger da vielleicht schon etwas anderes zu tun hat…

Über alle Maßen erfreut hat mich an dem Prozedere allerdings folgender Wunsch des Gerichts:

Bitte benachrichtigen Sie Ihren Mandanten noch von dort (telef.).

Wohlwissend, dass eine ordnungsgemäße Zustellung der Umladung den Angeklagten natürlich nicht mehr erreicht, soll ich jetzt also in die Rolle des Briefboten schlüpfen und (mutmaßlich „irgendwie“) die Verantwortung für das Gelingen übernehmen.

Zum Glück habe ich das Mandat schon vor Kurzem niedergelegt, aus ganz anderen Gründen. Mein Schreiben scheint beim Gericht aber übersehen worden zu sein. Wie auch immer, damit kann ich die Rolle als Briefbote ohnehin nicht mehr ausfüllen und somit den dahin zurück spielen, wo er hingehört – zum Gericht.