Prävention in der Praxis

Empfangsbestätigung für die Polizei:

Ich habe heute meinen PC Medion S/N 111… zurückbekommen. Mir wurde mitgeteilt, dass insgesamt drei Windows-Systemdateien mit Trojanern infiziert sind und ich mich strafbar mache, wenn ich mit diesem PC erneut ins Internet gehe, ohne vorher die Schadprogramme entfernt zu haben.

Schnell einverstanden

Das Verfahren wegen ein paar Gramm Marihuana dehnt sich wie Kaugummi. Schon seit Jahren wird immer mal wieder eine Verhandlung anberaumt. In der verweigern Zeugen erwartungsgemäß die Aussage. Mein Mandant schweigt. Dann wird erneut auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die Zeit zwischen den Terminen nutze ich für Schreiben. In diesen rege ich die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld an. Nach einigen Jahren konnte ich überdies darauf hinweisen, ein überlanges Verfahren sei ein eigenständiger Strafmilderungsgrund. Somit bleibe, zumindest jetzt, kein Strafbedürfnis mehr übrig. Selbst wenn man einmal unterstelle, dass meinem Mandanten die Tat nachzuweisen ist.

Heute wurde ich dann doch verblüfft. In der Akte erwartete ich die Ladung zum nächsten Termin. Stattdessen der Vorschlag, das Verfahren nun einzustellen. Warum ausgerechnet jetzt, ergibt sich aus der Unterschrift auf dem Brief. Den hat nämlich nicht der bisherige Richter unterzeichnet, sondern eine Richterin. Entweder hat sie die Abteilung übernommen. Oder sie ist eine rührige Urlaubsvertretung.

Für letzteren Fall habe ich ganz schnell erklärt, dass mein Mandant einverstanden ist.

Leider nicht auffindbar

Post von einer Staatsanwaltschaft:

… es wird mitgeteilt, dass das Verfahren gegen Ihren Auftraggeber nach hiesiger Aktenkontrolle am 30.10.2006 gem. § 170 II StPO eingestellt wurde, die Akte derzeit allerdings leider nicht auffindbar ist.

Hat schon mal jemand in der Ablage „Skurriles / Memoiren“ geschaut? Da passt die hirnlose Anzeige prima hin.

Auf den billigen Plätzen

Die Urteilsverkündung soll um 14.30 Uhr sein. Der letzte Hauptverhandlungstag liegt eine Woche zurück. Sehr schöne Zeit so am Nachmittag, denkt man sich. Da fängt es sicher pünktlich an. Um kurz nach halb drei sind alle da. Drei Verteidiger, drei Angeklagte (einer aus dem Hausgefängnis vorgeführt), eine Staatsanwältin, Nebenklägervertreter, Protokollführer, Wachtmeister.

Nur die fünf Richter sind nicht zu sehen. Nach den unverständlichen Gesprächsfetzen, die aus dem Beratungszimmer dringen, sind aber alle anwesend. Im Saal beginnt das Warten. Zehn Minuten, eine Viertelstunde, 20 Minuten. Keiner weiß, was los ist und wieso das alles jetzt noch dauert.

Um 14.55 Uhr wird dann das Urteil gesprochen. Innerlich beklagt man den Verlust von 25 Minuten Arbeits- und Lebenszeit. Mit einer kleinen Erklärung, warum es nicht pünktlich losgehen konnte, wäre man wahrscheinlich schnell wieder versöhnt.

Aber kein Wort dazu. Das sorgt auf den billigen Plätzen, zumindest auf meinem, dann doch für leichtes Magengrimmen. Selbst von der knochentrockenen Strafjustiz ist man mittlerweile etwas mehr Freundlichkeit gewöhnt.

Am liebsten Cash

In knapp einem Jahr läuft eine Baufinanzierung aus. Klar, dass sich die Bank, bei der ich sonst keine Verträge habe, meldet und sondiert, wie es weiter geht. Erstmals hörte ich aber nichts von supergünstigen Zinsen. Sondern die Mitarbeiterin sagte mir klipp und klar, dass sie ein Angebot schickt, welches garantiert von Mitbewerbern unterboten wird.

Die Bank hat angeblich nicht mal Probleme, mich sofort aus dem Vertrag zu lassen. Ich muss das Darlehen nur ablösen. Oder bei einer anderen Bank finanzieren. Selbstverständlich gehe das ohne Vorfälligkeitsentschädigung oder sonstige Kosten, betonte die Anruferin.

Ich habe nach dem Gespräch das Gefühl, wir haben noch nicht das letzte Wort in der Hypothekenkrise gehört. Bei der Deutschen Bank, die ich in diesem Zusammenhang schon mal ansprach, geht man deutlich gelassener mit dem Thema um. Jedenfalls ist meine dortige Beraterin „gerne“ bereit, nächste Woche mit mir über die Finanzierung zu sprechen.

Der telefonisch genannten Zinssatz hörte sich schon mal nicht übel an. Aber das mit der Quote versuche ich trotzdem. Jetzt halt bei der anderen Bank.

Stur deutsch

Düsseldorfs Nahverkehr ist nicht übel. Wenn man deutsch lesen kann, das Tarifsystem durchschaut und Klimpergeld für den Automaten hat. Wie vor allem ausländische Besucher oftmals verzweifeln, beschreibt die Westdeutsche Zeitung.

Am besten gefällt mir, wie Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander begründet, warum Hinweistafeln stur auf deutsch gehalten sind:

Welche Sprache sollte die Rheinbahn denn nehmen? Wenn wir Englisch nehmen, benachteiligen wir Franzosen oder auch Holländer, die vor allem zur Weihnachtszeit nach Düsseldorf kommen.

Wenn ich demnächst mal wieder auf Suvarnabhumi lande, werde ich mich auch gleich beschweren. Alle Hinweisschilder auf Thai und Englisch, nicht ein Wort in deutscher Sprache. Dank Herrn Lander ist mir jetzt erst aufgefallen, wie man als Deutscher dort gegenüber Engländern, Aussies und Amerikanern diskriminiert wird.

Ich suche schon mal einen Anwalt.

Der Pressesprecher der Rheinbahn stellt in den Kommentaren klar, dass er missverständlich zitiert worden ist.

Schweigen?

Ich habe lange überlegt. Ob ich heute das Banner der Aktion „Free Burma“ veröffentliche und mich dem Blogschweigen anschließe.

Ein Text von kiesow half mir weiter:

dieses blog bleibt heute geöffnet. wieso auch nicht?

stattdessen denken wir auch mal an: den sudan, an somalia, an den irak, an nordkorea, sri-lanka und natürlich an china. aber auch einmal an länder wie ägypten, die türkei, saudi-arabien und pakistan. auch könnte man noch die zentralafrikanische republik, zimbabwe, den tschad, angola, burundi, den kongo, georgien, tschetschenien und usbekistan erwähnen. die üblichen verdächtigen wie den iran, syrien, libanon und russland nicht zu vergessen.
und all die vielen anderen länder, die in diesen tagen ignoriert werden, in denen jeden tag menschen von den regierungen verschleppt, gefoltert und umgebracht werden.

Das ist eine 51:49-Entscheidung. Allen, die es anders machen, wünsche ich den erhofften Erfolg.

Post für den Onkel

Mein Mandant schreibt mir aus der Untersuchungshaft. Auf das Kuvert hat er in dicken Lettern „Verteidigerpost“ geschrieben. Doch in dem Umschlag ist nur ein weiterer. Mit der Aufschrift: „Bitte so an meinen Onkel Luca* geben. Danke, Herr Vetter.“

Zu früh bedankt. Kassiber leite ich nicht weiter. Selbst wenn sich der Betreffende einen anderen Anwalt sucht.

*Name geändert

Vom Umgang mit Bloggern

E-Mail-Disclaimer eines Journalisten:

( ) go ahead, you can blog everything in this mail
(x) please don’t blog the personal stuff in this mail
( ) this conversation never happened