FROSTIG

Ich hatte auch das Vergnügen, bei diesem Mordprozess ein (kurzes) Gastspiel zu geben. Ziemlich frostige Atmosphäre im Gerichtssaal. Das Rückspiel wird sicher spannend, vor allem, wenn der Herr Schmitz als Zeuge die Karten auf den Tisch legen muss.

IM DIENSTE DES RECHTS: SCHWEISS UND URIN

IM DIENSTE DES RECHTS: SCHWEISS UND URIN

In NRW wird jetzt nach Drogen im Straßenverkehr gefahndet.

Die nagelneuen Tests sind noch nicht ausgereift:

Die Polizeibeamten fanden die Urintests im Praxiseinsatz angenehmer als die Schweißprobe. Immerhin muss der Polizist beim Schweißtest den Teststreifen etwa 20 Mal über die Stirn des Verdächtigen reiben. Für die vier gebräuchlichsten Drogen Cannabis, Kokain, Amphetamine und Opiate gibt es zudem vier unterschiedliche Streifen. Weiß der Beamte nicht, wonach er sucht, muss der Fahrer das Prozedere also unter Umständen gleich mehrmals über sich ergehen lassen.

Bin ich eigentlich verpflichtet, mir 80 Mal über die Stirn reiben zu lassen?

Auch Unschuldige können Ärger kriegen:

„Außerdem ist der Schweißnachweis schon dann positiv, wenn sich die getestete Person mit Marihuana-Konsumenten im selben Raum aufgehalten hat.“ Quelle

Zum ersten Mal macht mir der süßliche Geruch ernsthaft Sorgen, der bei heißem Wetter Tag für Tag aus den Fenstern der Werbeagentur gegenüber in mein Büro zieht.

(Seriöse Infos zum Thema bei HandakteWebLawG.)

DR.

DR.

Gerichtsbericht über unsere Eitelkeit:

Bankdirektoren, Immobilienmakler, Kfz-Sachverständige und ein BKA-Beamter waren unter den Kunden der Berliner Agentur „Akademus“ des Martin D. Bis zu 44.000 Euro bezahlten die Titel-Aspiranten für eine Doktor-Urkunde, die keine war. Auch ein 70-jähriger Pfarrer, der wollte, dass auf seinem Grabstein ein „Dr.“ steht. Sein Wille geschah. Mehr

Ich kenne einen Dr. med., der nicht ein Semester Medizin studiert hat. Im Operationssaal soll er immer super Arbeit geleistet haben. Er hat sogar … (hier beginnt das Anwaltsgeheimnis).

BLUFF

„Bitte ausreichend frankieren“ – „Freimachen, falls Marke zur Hand“. Der Spruch steht auf fast jeder Werbeantwortkarte. Nicht mehr als ein legaler Bluff, denn sobald „Antwort“ im Empfängerfeld steht, muss die Firma die Portokosten tragen, egal mit welchen Appellen sie diese Pflicht verschleiert.

Das war mir bislang nicht bekannt. Man sollte halt öfter die lebensnahen Artikel der Fachjournalisten von der Presseagentur „Fintext“ lesen. Fragen Sie mal bei Ihrer Lokalzeitung, warum die ihre Spalten immer nur mit langweiligen PR-Texten füllt.

Schleichwerbung Ende.

BLÜTENWEISS

BLÜTENWEISS

Ein Mandant beschwert sich, dass er beim Finanzamt 600 Euro Verspätungszuschlag zahlen muss. Seine Steuernachzahlung war zwar beim Finanzamt angekommen, aber erst ein paar Tage nach Ablauf der Frist. Dabei hatte mein Mandant das Überweisungsformular schon 5 Tage vor Ablauf der Frist bei seiner Bank in den Briefkasten geworfen.

Die Erklärung ist schnell gefunden: Ein Mitarbeiter der Bank hat das Geld angehalten und die Staatsanwaltschaft bzw. das BKA informiert. Dazu ist die Bank verpflichtet, wenn sie einen Verdacht auf Geldwäsche hegt. Die Prüfung dauert schon mal ein paar Tage, und dann war es passiert.

Die Frage ist jetzt eigentlich nur: Wie, um alles in der Welt, kann ausgerechnet eine Überweisung ans Finanzamt Geldwäsche sein?

Wie zu erwarten, stellte sich das Finanzamt stur: Der Steuerzahler müsse selbst dafür sorgen, dass sein Geld rechtzeitig ankommt. Auch die Bank winkte erst mal ab.

Aber jetzt kommt doch etwas Bewegung in die Sache. Ein höheres Tier hat sich die Sache angesehen und findet es auch etwas weit hergeholt, dass eine Zahlung ans Finanzamt Geldwäsche sein könnte. Er bietet an, die Hälfte des Schadens zu übernehmen.

Da mein Mandant zugestimmt hat, bleibt eine interessante Frage weiter ungeklärt…

SCHULNOTEN

Oh, eine hochoffizielle Umfrage in NRW:

Die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie die Notarinnen und Notare beurteilen die Justiz insgesamt mit einem „guten Befriedigend“, in Teilbereichen allerdings auch nur mit schwach befriedigend.

Sagt es nicht viel mehr als eine alberne Schulnote, wenn 85 % der angeschriebenen Anwälte erst gar nicht antworten?

WIRRE LOGIK

Heribert Prantl beleidigt in der Süddeutschen Zeitung unsere Verfassungsrichter:

Die juristischen Qualitäten des Bundesverfassungsgerichts sind über jeden Zweifel erhaben; Ausnahmen bestätigen die Regel. Zu diesen zählen seine Entscheidungen in Sachen Ausländer, Asyl und Abschiebung. Hier kann man den Eindruck richterlicher Bewusstseinstrübung haben, einhergehend mit verwirrter Logik. Ganzer Text

Oder sagt er nur die Wahrheit?

MOBBING

Mobbing ist ein ernstes Thema an den meisten Arbeitsgerichten. Das war nicht immer so. „Hat ihre Mandantin kein Durchsetzungsvermögen? Wenn sie sich nicht wehren kann, muss sie halt woanders arbeiten“, hat mir noch vor 4 Jahren ein Arbeitsrichter gesagt. Und geseufzt, dass er sich „solchen Psychokram“ nicht auch noch an die Backe binden will.

Das Klima hat sich gewandelt, bestätigt zu Recht auch dieser Hintergrundbericht. Allerdings werden sich Arbeitsgerichte kaum zuständig fühlen für die alltäglichen Nickeligkeiten. Unter nachweislichen gesundheitlichen Störungen wird nichts laufen. Und auch hierfür ist die Darlegungs- und Beweislast immer noch enorm hoch.

Häufig hilft aber schon eine sorgfältige formulierte Beschwerde mit dem Hinweis an den Arbeitgeber, dass dieser (mit)verantwortlich ist für ein erträgliches Betriebsklima.

FERIENPLANUNG

In der Strafsache

gegen

Ö., Mohamed

bitte ich darum, Mohamed vom 29. Juli 2003 bis zum 26. August 2003 davon zu befreien, dass er sich zweimal in der Woche auf der zuständigen Polizeistation melden muss.

Seine Eltern fahren nach Hause in die Türkei und möchten Mohamed mitnehmen, da er auch Ferien hat. In der Türkei wäre Mohamed unter Aufsicht seiner Eltern. Wenn er alleine in Düsseldorf bleibt, besteht die Gefahr, dass er mangels Kontrolle durch die Eltern in Versuchung gerät, gegen den Haftverschonungsbeschluss zu verstoßen.

Da Mohamed deutscher Staatsbürger ist und seit seiner Geburt in Deutschland lebt, dürfte das Risiko, dass er in der Türkei bleibt und sich der Hauptverhandlung entzieht, geringer sein.

Rechtsanwalt

GRUND GENUG

Ein Düsseldorfer Sportstudio bestätigt meinem Mandanten die Kündigung. Der Besitzer scheint etwas traurig über den Entschluss. Handschriftlich hat er dem Formschreiben folgendes hinzugefügt:

P.S: Ihre Vertrachsende 31.10.1003 dieses mal Welsche Grund Haben Sie denn?

Der Inhaber ist übrigens Deutscher. Mit der Hygiene im Studio nimmt er es ähnlich genau wie mit der Rechtschreibung. Sagt mein Mandant.

Dann hat er sicher Grund genug.

RESTEVERWERTER

Graue Anzüge, S-Klasse und riesiges Ansehen. Dass Rechtsanwälte und Justizbedienstete auch als Insolvenzverwalter fehlbar sind, beschreibt ein faktenreicher Artikel in Spiegel online.

Immer wieder beauftragen die Gerichte dieselben Anwälte, die Beziehungen zwischen Verwaltern und Richtern sind eng. Wie eng, hat ein Verfahren gegen den Mannheimer Insolvenzrichter Jesco F. deutlich gemacht. Der hatte jahrelang einem Rechtsanwalt lukrative Firmenabwicklungen zugeschanzt. Dafür konnte der Richter Fahrzeuge, zuletzt einen Alfa Romeo, aus den Pleitebetrieben kostenlos nutzen. Und für den Sohn des Richters gab es ein flottes BMW Cabrio aus der Konkursmasse. Wegen Bestechlichkeit wurde der Richter im Februar zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Die Namen sind so schlau abgekürzt, dass ich behaupten kann, zumindest mit 2 der erwähnten Personen schon mal persönlich zu tun gehabt zu haben. So leid es mir tut, aber die Grundaussage des Artikels kann ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen mit diesen Herren nicht dementieren…

TIPPS VOM GUTEN ONKEL

Tausende Studenten sollen dem BaföG-Amt ihre Ersparnisse verschwiegen haben (Spiegel online).

Interessant, dass der ermittelnde Staatsanwalt gleich Rechtsberatung betreibt:

„Wer seine Einkommensverhältnisse nicht korrekt angegeben hat, sollte sich schleunigst gegenüber dem Amt für Ausbildungsförderung offenbaren.“ Eine Strafbefreiung könne keine Staatsanwaltschaft garantieren – aber wenn ein Bafög-Empfänger sich selbst melde, sei das ein „gewichtiges Argument, das durchaus honoriert werde“, lässt Schweer durchblicken.

Ob das für Betroffene wirklich so eine gute Idee ist?

Der rasterfahndungsähnliche Datenabgleich zwischen BaföG-Amt und Banken ist möglicherweise rechtswidrig. Das könnte ein Verwertungsverbot für die so gefundenen „Beweise“ bedeuten. Dann hätte sich jeder Selbstanzeiger durch sein Geständnis sozusagen unnötigerweise selbst ans Messer geliefert.

Im übrigen haben Massenverfahren es heute so an sich, dass sie mit Elan beginnen und dann mitunter den Fahndern schnell die Puste ausgeht. An der nächsten Ecke wartet heutzutage außerdem immer schon der nächste unglaubliche Verbrechenssumpf, mit dessen unnachsichtiger Verfolgung man sich im Licht der Medien sonnen kann. Gut möglich, dass „Altfälle“, die ja kompliziert recherchiert werden müssen, dann plötzlich nicht mehr so wichtig sind.

law blog intern: KOMMENTARE

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SOZIALE WIRKLICHKEIT

Für einen Drogenentzug benötigt ein Strafgefangener einen Sozialbericht. Erst auf dieser Grundlage entscheidet der „Kostenträger“ darüber, ob eine Therapie Sinn macht. Einer meiner Mandanten stand in der Justizvollzugsanstalt A auf der Warteliste. Es hätte voraussichtlich 7 Monate gedauert, bis jemand den Sozialbericht geschrieben hätte.

Nun ist mein Mandant nach knapp 4 Monaten in die Justizvollzugsanstalt B verlegt worden. Bürokratie rulez. Und so ist es kein Wunder, dass er sich auf der dortigen Warteliste wieder hinten einreihen muss. Bis zum Sozialbericht wird es nunmehr weitere 6 Monate dauern – eine erneute Verlegung nicht eingerechnet.

Bei einem Besuch fragte ich Herrn C., ob man im Gefängnis nicht kalt entzieht. Gezwungenermaßen. Mangels Nachschub. Er guckte mich an, schüttelte ungläubig den Kopf und kriegte schließlich einen Lachanfall.

Wieder was gelernt.

DIE GRÄTE

DIE GRÄTE

Der Rechtsanwalt Hans Theisen, 48, aus Dortmund, der seit der Wende in Dresden praktiziert, ist ein eigenwilliger Mann. Auch sein Handwerk betreibt er auf seine etwas umständliche, doch gradlinige und unverblümte Art. Er sagt, was er denkt. Wo andere elegant taktieren und sich arrangieren, eckt er an und stört. Einzuschüchtern ist er auch nicht. Mancher Richter mag ihn empfinden wie eine im Hals stecken gebliebene Gräte.

Vielleicht ganz gut, dass manche Anwälte nicht nur elegant taktieren und sich arrangieren. Sonst wäre dieser Justizkrimi um die Vergewaltigung einer Polizistin möglicherweise anders ausgegangen.